Früh am nächsten Morgen duschte Severus und wollte mit einem Trank beginnen, der den ganzen Tag sieden musste. Es war ein Trank, der Knochen wachsen lassen sollte. Er braute diesen Trank sehr selten. Er wurde selten gebraucht und man konnte ihn bis zu zehn Jahre aufbewahren.
Als er an Lauras Zimmer vorbei ging, spähte er kurz hinein, aber Laura rührte sich noch nicht.
Sie hatten sich gestern Abend noch unterhalten und Laura hatte eingesehen, dass sie sich falsch verhalten hatte. Auch wenn sie einen Teil der Schuld ganz klar der Frau zusprach und sich davon nicht hatte abbringen lassen.
Sie hatte seine Nähe gesucht, wie immer, wenn sie etwas ausgefressen oder ihn verärgert hatte. Snape wusste, dass das Kind sehr viel Rückversicherung brauchte. Damit sie immer wusste, dass, egal was sie tat, sie immer noch geliebt wurde. Sie selbst war auch nie nachtragend oder lange sauer.
Snape selbst merkte in letzter Zeit auch immer deutlicher, wie er Lauras Nähe brauchte. Vielleicht gerade weil sie so waghalsig und unbesonnen war. Er hatte immer ein wenig Angst um sein Kind.
Er machte sich langsam Sorgen, sich in eine überbehütende Mutterhenne zu entwickeln, aber mit diesem Wirbelwind musste man wirklich immer auf alles gefasst sein. Man lernte, sie immer im Auge zu behalten. Sie hatte praktisch pausenlos eine Unart oder einen 'super Plan', wie sie es bezeichnen würde, im Ärmel.
Er hatte dann noch Salbe auf Lauras hochrotes Ohr gestrichen, welches ihr die Frau scheinbar beinahe abgerissen hatte. Furchtbare Person, hatte Snape gedacht.
Snape schloss Lauras Tür wieder und ging die Treppe hinunter.
Er strich sich das noch leicht feuchte Haar aus dem Gesicht. Er ging in den Keller und blieb wie angewurzelt vor dem Glasbehälter, wo er gestern noch fünf große Nascoros-Käfer platziert hatte, stehen.
Kein einziger Käfer krabbelte mehr in dem Glaskäfig herum. Diese Käfer konnten nicht fliegen. Er hatte schon unzählige dieser Käfer in dem Glas aufgehoben gehabt. Also wo waren sie hin?
Seine Gedanken wanderten natürlich sofort zu seiner schlafenden Tochter. Wer sonst könnte sie genommen haben.
Er hatte das große Interesse von Laura bemerkt, welches sie in letzter Zeit an allen Krabbeltieren zu haben schien.
Er atmete tief ein und machte sich auf den Weg zu der Missetäterin. Dieser jungen Dame würde er gehörig die Leviten lesen.
Er öffnete die Fensterläden mit einem Wink seines Zauberstabes und Laura zog sich sofort die Decke über den Kopf.
„Dad, es ist mitten in der Nacht," jammerte sie. Ja, es war erst kurz nach sechs Uhr. Aber er wollte mit dem Trank beginnen und ohne Käfer - kein Trank.
Er setzte sich auf ihr Bett und zog ihr unzeremoniell die Decke weg. Erstaunt blinzelte Laura ihn an.
„Was ist los, Dad" fragte sie und verbarg ihr Gesicht in ihrer Ellbeuge, um nicht geblendet zu werden.
„Wo sind sie?" fragte Snape streng. Laura sah nun verwundert unter ihrem Arm hervor.
„Wer?" fragte sie verwirrt.
„Frag nicht, du weißt sehr genau, was ich meine. Die Käfer natürlich."
Laura rieb sich die Augen. Wovon sprach ihr Dad, welche Käfer? „Ich weiß nicht, was du meinst. Ich will weiter schlafen, Dad," sagte sie und drehte sich zur Seite. Was weckte sie ihr Vater und brabbelte etwas von Käfern in aller Frühe?
Snape holte nochmals tief Luft, während sie ihren Kopf unter das Kissen vergrub. Sie versuchte sich wieder zu zudecken, aber Snape hatte keine Geduld für sowas.
„Du bewegst jetzt deinen Allerwertesten aus diesem Bett und zeigst mir, wohin du die Käfer gebracht hast," sagte er endgültig und schnappte das Kind unter den Armen und zog sie hoch, während er aufstand.
Laura zappelte verärgert. Wieso tat ihr Vater so schwierig und riss sie aus ihrem gemütlichen Bett?
Er stellte sie auf die Beine und zog sie mit sich. Sie sträubte sich, da sie überhaupt nicht verstand, worum es hier ging.
Snape machte kurzen Prozess und klemmte sich das Mädchen unter den Arm. Er ging mit ihr die Treppe runter und Laura protestierte laut und zappelte. Im Keller stellte er sie ab, direkt vor dem leeren Käfig.
„Also, wo sind sie?" Nun hellwach kapierte Laura, was er meinte. Sie schüttelte den Kopf.
„Ich weiß nicht, Dad, ich hab nichts gemacht." Sie sah ihn unschuldig an.
„Ich weiß, dass ich nicht alleine hierher darf," verkündete sie und schüttelte zur Bekräftigung ihrer Worte den Kopf.
„Du weißt auch, dass du nicht einfach weglaufen darfst und hast es gestern trotzdem getan. Du weißt auch, dass du nicht von unserer Welt reden darfst und hast...."
Laura unterbrach ihn, da sie wusste, wohin das hinaus lief.
„Ja, Dad, ich weiß," gab sie ein bisschen zerknirscht zu. „Aber das war ich wirklich nicht. Manchmal gehorche ich auch, weißt du." Snape sah ihr an, dass sie nicht log. Wenn Laura etwas wirklich schlecht konnte, dann war es lügen.
Snape sah sie nachdenklich an. Er hatte sie tatsächlich fälschlicherweise beschuldigt.
Snape trat zwei Schritte vor und setzte sich auf einen Holzschemel. Er überlegte, wohin denn dann die Viecher verschwunden waren.
„Dad, bitte glaube mir," sagte Laura leise. Sie stand jetzt direkt vor Snapes Knien und stützte sich mit den Händen auf seinen Beinen ab. Sie sah ihn erwartungsvoll an.
Snape sah sie an. Er musste jetzt etwas sagen, denn schließlich hatte er sie zum Bett rausgezerrt und sie beschuldigt.
Er legte seine Hand an ihr Gesicht und sah sie einen Moment an. Er nickte leicht. "Ja, Laura, ich glaube dir. Es... tut mir Leid.." Es senkte seine Hand und sah nachdenklich zu seiner Tochter, die ihn mit großen, etwas verwirrten Augen ansah. Wieso fiel es ihm immer so verdammt schwer, so was zu sagen?!
„Wo könnten diese Nascoros-Käfer bloß hin gekommen sein," sagte er dann mehr zu sich selbst.
„Wie sahen die Käfer denn aus?" fragte Laura. Ob es diese riesigen lauten Käfer waren, die sie einmal hier hinunter gelockt hatten?
„Sie sind ganz weiß, etwa drei bis vier Zentimeter lang. Sie sind ganz schmal und haben orange ziemlich lange Haare auf dem Rücken, aber nur etwa fünfzehn Stück, je nach dem wie alt sie sind und hinten haben sie einen ebenfalls orangen Stachel," erklärte er. „Sie sind ziemlich teuer, weil sie schwierig zu halten sind und nur Glutinis-Kraut fressen, was wiederum nur in Afrika wächst. Deshalb freut es mich nicht gerade, wenn sie einfach spurlos verschwinden," sagte er ernst.
Snape schloss die Augen und fuhr sich mit Daumen und Zeigefinger über den Nasenrücken. Das konnte einfach nicht wahr sein!
Dass Milly nicht hier runter ging, wusste er. Sie hielt sich immer an seine Anweisungen.
„Dad?" fragte Laura leise. „Darf ich nochmals ins Bett?" sie rieb sich mit den Handballen die Augen. Sie war extrem müde. Nicht nur müde, irgendwie so schlapp.
Snape riss sich aus seinen Gedanken und sah zu ihr hoch. „Ja, Laura," sagte er und sie drehte sich um, um wieder die Treppe hinauf in ihr Bett zu gehen.
Snape fasste sie am Handgelenk und sie drehte sich nochmals zu ihm. Ihre Augen und ihre Wangen waren ziemlich rot. Er musterte sie einen Augenblick.
„Du darfst heute Abend eine halbe Stunde später ins Bett," sagte er. Laura wusste, dass das seine Art war, sich zu entschuldigen. Sie wusste, dass er darin nicht besonders gut war und ein warmes Gefühl breitete sich in ihr aus. Sie lächelte ihn an. "Ja, Dad, danke," murmelte sie. So was von müde war sie noch.
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Als Laura um neun Uhr immer noch nicht hinunter gekommen war, ging Snape die Treppe hinauf, um nach ihr zu sehen.
Er öffnete die Läden, die sie offenbar wieder geschlossen hatte, nachdem er sie so unsanft geweckt hatte. Er trat an Lauras Bett und sah, dass sie noch tief und fest schlief. Er sah auch, dass sie immer noch so rote Wangen hatte. Er berührte ihre Stirn und bemerkte, dass sie ziemlich warm war.
Also ließ er sie schlafen. Sie schien nicht ganz fit zu sein.
Er hatte sich nochmals fünf dieser Nascoros-Käfer besorgt, und wollte nun sofort den Trank ansetzten, bevor sie sich wieder aus dem Staub machten.
Nun hatte er sie in dem kleinen Karton-Schächtelchen gelassen, in dem sie per Eule geliefert worden waren. Dort hatten sie keine Möglichkeit zu entkommen.
Er schloss die Läden wieder und ging einen starken Kaffee trinken. Er sagte Milly, sie solle ihn rufen, wenn sie etwas von Laura höre, oder wenn das Mädchen hinunter käme. Er musste nun unbedingt mit dem Zaubertrank beginnen.
Dann ging er in den Keller und bereitete alles für den Trank vor. Die Käfer hacken war nicht gerade seine Lieblingsbeschäftigung, aber es musste nun mal sein. Das St. Mungo-Hospital hatte drei Liter des Trankes bei ihm bestellt, und er musste das bis übermorgen fertig haben. Madam Pomfrey wollte auch noch einen halben Liter, in Reserve.
Er öffnete die Labortür und blinzelte ungläubig, als er vor der Schachtel stand. Er nahm die zerrissene Schachtel in die Hand.
Weg!
Die Schachtel aufgerissen und die edlen Käfer - weg!
Was ging hier vor? Er zückte den Zauberstab, um zu messen, ob hier irgend etwas Magisches vor sich ging. Ob sich irgend ein magisches Wesen hier befand, dass ihm einen Streich spielte. Aber nichts.
Snape schüttelte den Kopf. Das war doch nicht möglich!
„Verdammt nochmal," fluchte er vor sich hin. Er schickte nochmals eine Eule los und wartete, bis sie wiederkam. Dann verarbeitete er die Käfer auf der Stelle und braute seinen Trank. Mr. Veleno hatte ihm geschrieben, dass er nun nur noch zwei der Käfer hatte, also durfte jetzt nichts schief gehen.
Laura war immer noch im Bett, als Severus eine gute Stunde später wieder ins Wohnzimmer kam. Sein Trank musste jetzt vier Stunden sieden, bis er wieder etwas zufügen musste.
Er war etwas beunruhigt, dass das Mädchen immer noch nicht aufgetaucht war. Er ging in ihr Zimmer. Laura lag im Bett, hatte die Augen aber offen und sah ihm entgegen. Sie sagte nichts und er öffnete die Läden ein drittes Mal an diesem Morgen.
Er setzte sich auf ihre Bettkante und sah sie prüfend an. Ihre Augen glänzten stark und ihre Wangen glühten.
Oh nein, was hatte sich Laura da wohl eingefangen??!!
„Was machst du da, Dad?" fragte Laura leise, als Snape mit seinem Zauberstab etwa zwanzig Zentimeter über ihren Körper fuhr.
In diesem Augenblick kamen rote Buchstaben und Zahlen zur Spitze des Zauberstabes raus. Nicht sehr große, aber man konnte sie deutlich lesen und dann lösten sie sich in Luft auf.
„Das ist ein Diagnosezauber. Den habe ich schonmal angewandt bei dir." Laura nickte müde. „Er ist sehr schwierig, deshalb lernst du ihn erst in deinem siebten Jahr in Hogwarts. Er zeigt an, was einer Person fehlt, also ob sie krank oder verletzt ist. Man kann ihn ganz verschieden anwenden, je nach dem, was man wissen möchte."
Laura blinzelte und konnte kaum die Augen offen halten. Snape hielt seine Hand an Lauras Wange und sie schloss die Augen. Das tat so gut.
„Du hast einen Grippevirus erwischt und du hast 39,1 Fieber. Am besten schläfst du und nur wenn das Fieber steigt, gebe ich dir einen Trank. Es ist auch gut für den Körper, wenn er mal eine Krankheit durchmachen muss," sagte Snape leise.
Er stand auf und öffnete das Fenster ein wenig, damit sie frische Luft hatte. „Wenn etwas ist, sagst du es Milly, die kann mich dann holen."
Snape sah, dass Laura leicht nickte und sich zur Seite drehte.
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Snape sah zufrieden auf seinen siedenden Trank. Das Verschwinden der Nascoros-Käfer war schon sonderbar. Aber er würde es schon noch raus finden, was da vorgegangen war.
Natürlich hatte er gedacht, dass Laura dahinter steckte. Wenn irgend etwas los war hier, steckte für gewöhnlich sein Kind dahinter. Und nun lag sie krank im Bett. Sie war noch nie krank gewesen, seit er sie kannte. Sie hatte einmal das Bett hüten müssen, als sie die Verbrennung von dem Drachen gehabt hatte. Das heißt, sie hätte das Bett hüten sollen, um genau zu sein. Natürlich war das dem Mädchen viel zu langweilig gewesen und sie hatte sich wieder in Schwierigkeiten gebracht.
Nun schien es ihr aber wirklich nicht sehr wohl zu sein, denn sie hatte gar nicht aufstehen wollen. Das war auch nicht schlecht, wenn sie einmal ein paar Gänge runter schaltete.
Sie war ja sonst so ein Energiebündel!
Er hoffte nur, dass er die nächste Woche gut überstehen würde. Eine Woche in seinem Heim mit einem Potter! Laura und Harry zusammen waren wirklich das Superteam! Fehlten nur noch die Weasley-Zwillinge, dann würde er freiwillig ausziehen.
Severus gab eine Prise versteinerten Kiefernharzes in den Trank, worauf der Dampf sich dunkelgrün färbte. Am Schluss musste er Perlweiß sein, aber im Moment war dieses Dunkelgrün genau richtig.
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Laura wusste nicht, wie lange sie geschlafen hatte, aber sie hatte jetzt plötzlich furchtbar Bauchweh. Oh Gott, war ihr übel! Sie fühlte, dass sie sich gleich erbrechen musste. Obwohl sie sich so schlapp und kraftlos fühlte, schleppte sie sich ins Badezimmer, gerade noch rechtzeitig, um sich in die Toilette übergeben zu können.
Sie war so froh, als sie Milly neben sich spürte, die ihr leicht auf den Rücken klopfte und ihr dann, als sich ihr Magen beruhigt hatte, mit einem warmen Waschlappen das Gesicht wusch.
Sie würde Milly das nie vergessen, schwor sich Laura. Es tat so gut, dass die Elfe bei ihr war.
Laura saß auf dem Boden und raffte sich dann auf, um wieder ins Bett zu gelangen. Natürlich konnte ihr Milly dabei nicht sehr viel helfen.
Milly saß dann an Lauras Bettrand und streichelte ihr hin und wieder über das Gesicht. Lauras Haut fühlte sich so empfindlich an, dass sie kaum Berührung ertragen konnte. Jimmy kam plötzlich auf ihr Bett gesprungen und schnupperte an ihr. Laura sah das Tier mit müden Augen an. Es hatte Spinnweben im Fell und Kletten im buschigen Schwanz. Milly scheuchte es energisch hinunter, da es schmutzig sei. Laura sagte nichts, sie war zu erschöpft.
So zogen sich die nächsten Stunden hin, in denen Laura schlief, dann aufschreckte mit schmerzendem Bauch, sich erbrach und Milly mit fiebrigen Augen und glühenden Wangen dankte, dass sie da war. Milly sang ihr leise das Hauselfenlied vor, das Laura immer so gerne hörte.
Als Snape dann in ihr Zimmer kam, fühlte Laura sich ein wenig besser. Sie hatte seit Längerem nicht mehr erbrochen und lächelte ihren Vater sogar ein bisschen an.
„Fühlst du dich besser?" fragte er. Snape hatte nicht mitbekommen, dass sie sich mehrmals hatte übergeben müssen.
Laura nickte schwach. Sie fühlte sich so matt und so Müde.
„Junge Laura war tapfer und ist viele Male aufgestanden, um sich zu übergeben, arme junge Laura ist ganz schwach," piepte Milly. Snape sah die Hauselfe an.
„Du hättest mich rufen können, Milly," sagte er.
„Dad, Milly hilft mir so super, sie ist so lieb," hauchte Laura und ihre Augen fielen ihr beinahe zu.
Snape fühlte irgend ein ungewohntes Gefühl in sich. Es wäre seine Aufgabe gewesen, für Laura da zu sein, wenn es ihr schlecht ging. Stattdessen hatte er in seinem Labor gebraut und jemand anderes war an Lauras Seite gewesen.
Lauras Pyjama war ganz verschwitzt. Snape machte nochmals einen Diagnose-Zauber. Der Magen hatte sich scheinbar beruhigt und Laura hatte noch 38, 7 Fieber.
Er nickte zufrieden und begann dann, das Kind aus dem Pyjama zu schälen. Laura wehrte sich nicht, aber schlotterte, als er ihr das Oberteil über den Kopf zog. Draußen waren es bestimmt um die 27 Grad, aber Laura fror trotzdem, wegen des Fiebers.
Milly brachte ihm einen sauberen Pyjama und Snape zog ihr das frische Oberteil an, bevor er dasselbe mit den Hosen tat. Laura fühlte sich wie eine Lumpenpuppe und ließ die Prozedur einfach über sich ergehen. Sie war froh, als er sie wieder zugedeckt hatte und sie sich zur Seite drehen konnte.
Sie wollte ihren Vater bei sich haben, aber sie wusste, dass der bestimmt anderes zu tun hatte, als an ihrem Bett zu sitzen.
„Dad, kannst du ein bisschen bei mir bleiben?" fragte sie in einem Ton, dem er nur schlecht widerstehen konnte.
Außerdem war sie krank. Er musste zuerst nach dem Trank sehen, sonst wäre er dann unbrauchbar.
„Schlaf jetzt noch eine Weile, dann kannst du später ein bisschen auf dem Sofa liegen, dann bist du auch bei mir."
Selbst zum Widersprechen war Laura zu schlapp. Sie schlief beinahe augenblicklich ein.
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Am nächsten Tag lag Laura wieder auf dem Bauch im Garten. Sie hatte sich am Morgen viel besser gefühlt und hatte sogar etwas gefrühstückt. Sie hatte am Morgen viel gelesen und war im Haus geblieben. Da es nicht ganz so heiß war, hatte Snape ihr gegen Abend erlaubt raus zu gehen, unter der Bedingung, dass sie hier nahe dem Haus blieb.
Sie beobachtete einen großen schwarzen Käfer. Sie lächelte, als sie daran dachte, dass sie gestern Nachmittag ihren Vater dazu gebracht hatte, ihr etwas vorzulesen.
Sie hatte das so genossen. Erst hatte er für sich etwas gelesen und sie hatte neben ihm gelegen, mit ihrem Kopf auf seinem Bein. Als sie sich dann besser gefühlt hatte, hatte sie sich einfach auf seinem Schoß platziert und hatte sich an ihn gekuschelt. Sie wusste nicht, ob er das mochte, aber es war ihr egal, solange er es tolerierte und sie nicht weg schickte.
Dann hatte er sich doch tatsächlich überreden lassen, ihr etwas vorzulesen. Auch wenn es sie nicht interessiert hatte, was er gelesen hatte, da es aus einem langweiligen Zaubertrankmagazin war, war es trotzdem schön gewesen seiner tiefen Stimme zu lauschen.
Der Käfer, den sie nun beobachtete, krabbelte einfach über die Ameisen hinweg, als ob sie nicht da wären. Das fand Laura ziemlich überheblich von dem schwarzen Kerl. Aber seine Strafe kam sofort.
Laura fuhr etwas zusammen, als plötzlich Jimmy angeschossen kam, und sich den Käfer schnappte. Sie sah angeekelt zu, wie das Streifenhörnchen den knackigen Käfer genüsslich verschlang, während dieser noch zappelte. Sie schwor sich, das Tier nie wieder zu küssen, wie sie es schon so oft getan hatte.
In dem Moment dämmerte ihr etwas. Käfer. Nas...irgendetwas Käfer. Teure noch dazu! Sie erinnerte sich an die Spinnweben, die Jimmy gestern im Fell gehangen waren. War er das kleine Fensterchen, welches zu Snapes Tränkelabor führte und immer ein wenig offen stand, hinein geklettert und hatte sich bei ihrem Vater bedient? Ihr war schon mal aufgefallen, dass es da viele Spinnweben gehabt hatte, da sie eine dicke gestreifte Spinne darin beobachtet hatte, während ihr Vater etwas aufgeschrieben hatte.
Oh oh, Jimmy! Wieso kannst du nicht ein Nagetier sein, wie alle anderen normalen Streifenhörnchen? Dachte Laura, als sie sah, wie Jimmy sich nach seiner Zwischenverpflegung den Mund leckte.
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Snape hatte die Ruhe des vorigen Tages wirklich genossen. Auch wenn seine Tochter ihn dazu genötigt hatte, ihr etwas vorzulesen.
Er hatte auch die Nähe genossen, die Laura bei ihm gesucht hatte. Er hatte die Zeit genutzt, als sie dann geschlafen hatte, seinen Trank in Fläschchen und Flaschen abzufüllen. Er war zum Glück dann doch noch gelungen, auch wenn er vor lauter kranker Laura vergessen hatte, die gepulverte Büffelknochenhaut rechtzeitig hinein zu geben.
Er stand am Fenster und sah, wie Laura am Boden lag und irgenwelches Kleingetier beobachtete. Er setzte sich wieder hin und schrieb seinen Bericht weiter, den er dann mit Remus besprechen wollte, bevor sie die Recherchen im Phönixorden bekannt geben wollten.
Als er dann wieder ans Fenster trat, um Laura hinein zu beten, sah er etwas, dass er nicht erwartet hätte. Bei Gott nein, das hätte er nicht erwartet.
Ein Mann stand neben Laura und sprach mit dem Mädchen. Laura hatte sich auf ihre Knie gesetzt und rappelte sich jetzt auf. Sie sah zu dem älteren Mann hoch. Snape fragte sich, wie der durch seinen Schutzzauber hatte gelangen können.
Klar, er hatte den Zauber für Verwandte ausgeschlossen. Und dieser Mann hier war verwandt. Snapes Gesicht verfinsterte sich.
Was erlaubte sich dieser Bastard hierher zu kommen! Er hatte sich geschworen, seinen Vater nie wieder sehen zu wollen. Mit einem Gesichtsausdruck, der jeden Hogwartsstudenten mit den Zähnen hätte klappern lassen, rauschte Snape aus dem Haus.
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Laura lag bäuchlings auf dem Boden und ließ sich gerade eine Ameise über den Finger krabbeln, als zwei schwarze Schuhe vor ihr auftauchten, die ganz sicher nicht ihrem Vater gehörten.
Sie kniete sich hin und sah den Beinen entlang hinauf, bis ihr Blick am Gesicht eines älteren Mannes mit graumeliertem Haar hängen blieb. Der Mann sah streng aus, aber lächelte sie an. Er hatte einen besonderen Gesichtsausdruck, der Laura seltsam bekannt vorkam. Sie sah ihn fragend an.
Der Mann musterte sie richtiggehend und Laura blinzelte, da die Sonne sie blendete. Ob das wieder ein Zaubertrank-Kollege war von Snape? Er sah allerdings gar nicht wie ein Zauberer aus, fand Laura. Er trug ganz normale Muggelkleider und auch sonst....
„Wer bist du, junge Dame?" fragte der Mann freundlich. Er musterte sie immer noch und zog seine Augen leicht zusammen.
„Laura, und wer sind Sie, Sir?" fragte Laura neugierig zurück. Sie spürte, dass das kein gewöhnlicher Besucher war, zumal Snape nie Besucher hatte, schon gar keine Muggel.
„Mein Name ist Tobias Snape. Ich bin der Vater von Severus, der hier wohnt." Seine Stimme tönte irgendwie traurig.
Lauras Augen wurden groß. Snapes Vater?
„Dann sind Sie mein Großvater, Sir," sagte Laura direkt heraus. Die Augen des Mannes nahmen einen seltsamen Glanz an und er sah Laura an, als würde er sie im nächsten Moment in die Arme schließen wollen.
Laura trat instinktiv einen Schritt zurück. „Mein Dad hat gesagt, dass er nichts mit Ihnen zu tun haben will, Sir. Ich weiß nicht wieso, aber Sie müssen etwas Schlimmes getan haben." Laura nahm kein Blatt vor den Mund. Wieso so tun, als wüsste sie von nichts?
Der Mann nickte ernst. „Laura," sagte er und machte ein Pause, wie um sich den Namen einzuprägen.
„Ja, mein Kind, ich habe schlimme Dinge getan. Ich habe deinem Vater sehr weh getan. Ich war ein miserabler Vater." Der Mann sah nachdenklich zu ihr hinunter.
Laura war beeindruckt, dass der Mann das so offen zugab vor ihr. Dass er es nicht einfach abstritt und dass er überhaupt mit einem Kind über so etwas redete. Er kannte sie ja gar nicht.
„Ich wusste nicht mal, dass mein Sohn eine Familie hat, Laura. Das ist schlimm. Ich freue mich unglaublich, dich kennen zu lernen."
Laura sah ihn an. Was der Mann da sagte, tönte ehrlich. „Hast du noch Geschwister, Laura?" fragte er und beugte sich etwas zu ihr hinunter.
Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Nein, Sir, nur mein Dad und ich."
Tobias mochte dieses Kind sofort. Ihre schwarzen Augen mit den langen Wimpern hatten so eine große Lebensfreude in sich, dass es den Mann beinahe schmerzte. Denn ähnliche Augen hatten ihn vor vielen Jahren auch angesehen. Allerdings waren sie viel ängstlicher und distanzierter gewesen. Er atmete tief ein und schloss einen Moment die Augen. Die bloße Erinnerung raubte ihm beinahe den Atem.
„Wo ist denn deine Mum?" fragte der Mann plötzlich weiter. Laura verbarg nun ihr geblendetes Gesicht mit ihrem Arm. Tobias sah, dass Lauras Arm eine Stelle hatte, die nicht so braun war, wie der Rest ihres Körpers, eher hell, sogar rötlich.
„Die ist schon lange tot," sagte Laura.
Sie drehte den Kopf, als sie Schritte hörte vom Haus her. Sie wich ein paar Schritte zurück, als sie den wütenden Blick ihres Vaters sah. Snape sah aus, als würde er nächstens Feuer speien, als er etwa zwei Meter vor seinem Vater stehen blieb.
Er gab Laura einen schnellen Blick und zeigte neben sich. Laura verstand sofort und ging schnell zu ihrem Vater. In diesem Moment zu widersprechen wäre ein Todesurteil, das wusste Laura.
„Verschwinde!" sagte Snape mit einer hasserfüllten Stimme. Der Mann blieb stehen und sah zu seinem Sohn, der mit der Hand zur Straße zeigte.
„Severus, bitte lass mich...."
„Nein, ich lasse dich nicht! Verschwinde und komm nie wieder her, verstanden?!" Snapes Stimme war so voller Abscheu, dass es Laura fror. Sie spürte, dass sie noch nicht ganz gesund war, denn ihre Beine fühlten sich an wie Wachs. Und es erschreckte sie, dass ihr Dad so sprach mit seinem eigenen Vater.
Tobias atmete tief ein und sah zu Boden. „Ich möchte dir etwas erklären, mein Sohn," versuchte er es noch einmal, aber Severus trat einen Schritt auf ihn zu.
Mit leiser, gefährlicher Stimme sagte er: „Ich will nichts hören, Vater. Ich weiß nicht, was genau dich hierher treibt, aber es gibt hier nichts zu holen. Und hör mit diesem 'mein Sohn'-Schwachsinn auf. Du lässt mich und mein Kind in Ruhe."
Tobias' dunkelbraune Augen sahen zu dem kleinen Mädchen, das mit Tränen in den Augen hinter ihrem Vater stand. Dieses Bild beelendete den älteren Mann.
„Gib mir eine Chance, Severus. Ich möchte mein Enkelkind kennen lernen. Auch wenn du mich nicht erträgst, dann gib wenigstens Laura und mir eine Chance. Ich weiß, dass ich nichts mehr gut machen kann, aber ich habe mich geändert. Ich möchte euch kennen lernen. Dich und Laura."
Laura wunderte es, dass Snape seinen Vater so lange hatte ausreden lassen.
„Nein. Du lässt uns in Ruhe und gehst und zwar auf der Stelle." Snape gab seinem Vater einen vernichtenden, wenn nicht sogar tödlichen Blick.
Laura sah die Traurigkeit in den Augen des Mannes und er tat ihr ehrlich Leid. Wieso nur hasste ihr Vater den sympatischen Mann so sehr?
„Auf Wiedersehen, Laura," sagte der Mann leise, drehte sich um und ging davon.
Snapes Puls raste, als er dem Mann hinterher sah. Wie konnte er es wagen, hier aufzutauchen und sein Kind anzusprechen??!!
Er hatte ihn und seine Mutter im Stich gelassen, als er gerade mal elf war, nachdem er jahrelang das Geld versoffen hatte und ihn hin und wieder grün geschlagen hatte. Das war zwar selten vorgekommen, aber es war ihm in lebhafter Erinnerung geblieben.
Severus sah auf seine Tochter hinunter, die einfach nur da stand und still vor sich hin weinte. Etwas in seinem Innern rührte sich bei dem Anblick.
Das Mädchen hatte eben ihren Großvater kennen gelernt.
Er strich mit seiner Hand über ihr Haar. Laura sah mit tränennassen Augen zu ihm auf.
„Wieso?" fragte sie leise. Er sah, dass ihre Beine leicht zitterten. Sie war gestern noch ziemlich krank gewesen und fühlte sich bestimmt noch schwach.
„Komm , wir gehen rein," sagte er, ohne auf ihre Frage einzugehen. Laura nahm seine Hand.
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Snape fragte sich, ob Laura eingeschlafen war. Sie hatte sich an ihn geklammert, als er sich nach dem Zusammentreffen mit Snape Senior drinnen auf das Sofa gesetzt hatte. Scheinbar hatte die Sache das Mädchen ziemlich belastet, denn sie hatte ihn nicht mehr loslassen wollen. Mit der Zeit hatte Snape gemerkt, dass sie sich immer mehr entspannt hatte.
Nun saß sie auf ihm, das Gesicht in seinem Shirt vergraben und die Arme um ihn geschlungen. Sie atmete gleichmäßig und einer ihrer Arme plumpste schlapp ein Stück hinunter. Wie das Mädchen so vergraben überhaupt atmen konnte, war ihm ein Rätsel, aber sie würde ja wohl nicht freiwillig ersticken.
Snape hatte Milly gebeten, ihm einen Whisky zu bringen. Das brauchte er jetzt für seine Nerven.
Doch als er den Alkohol roch, und er dabei an die Begegnung mit seinem Vater vorhin dachte, verging ihm die Lust darauf und er stellte das Glas auf das kleine Tischchen neben dem Sofa.
Dabei wurde Lauras Position etwas verschoben, so, dass er jetzt sah, dass sie wirklich schlief. Er hielt sie fest, damit sie nicht zu weit hinunter rutschte. Severus sah auf sie hinunter.
Sein Kind! Wie ein Engel sah sie aus, wenn sie schlief. Ein Phänomen, wie aus so einem Engel in Sekunden der größte Bengel werden konnte! Milly beobachtete ihn heimlich und sah, dass er kaum sichtbar lächelte. Sie wusste, dass Severus das Kind sehr sehr liebte. Eine Träne stahl sich in ihre Augen. Wenn Meister Professor Snape eine Ahnung hätte, wie sehr sie selbst dieses Kind liebte.....
Was sein eigener Vater wohl ihm gegenüber empfunden hatte, überlegte Snape. War einmal ein ähnliches Gefühl dabei gewesen, welches er für Laura empfand? Er wusste es ehrlich nicht. Als er noch klein war, hatte es in der Familie nicht schlecht funktioniert. Er wusste noch, dass es manchmal Probleme gegeben hatte, weil seine Mutter eine Hexe war. Seine Großmutter, die auch einen Hexe gewesen war, hatte hier in diesem Haus gewohnt. Er hatte das Haus immer geliebt und hatte die Ferien oft hier verbracht. Sie war eine begnadete Zaubertrankbrauerin gewesen und hier hatte er seine Liebe dafür entdeckt. Hier hatte er vergessen können.
Als er in die Muggelschule gegangen war, hatten die schlimmen Trinkeskapaden seines Vaters begonnen. Er hatte bei der Arbeit ein paarmal Pech gehabt und hatte sich in den Alkohol geflüchtet. Das Leben zu Hause war seit dann nicht mehr dasselbe gewesen. Sein Vater war immer erst spät nach Hause gekommen und hatte dann oft mit seiner Mutter gestritten. In den seltenen Fällen, wenn Severus noch nicht im Bett war, und sein Vater besonders schlecht drauf war, hatte er manchmal Prügel bezogen. Meistens war der Auslöser irgend eine Kleinigkeit gewesen. Er hatte einen richtigen Hass gegen diesen Mann entwickelt, der ihn bis heute nicht losgelassen hatte, wie er heute gemerkt hatte.
Eigentlich war er sich sicher gewesen, dass er darüber hinweg war. Es war alles schon lange her, und es hatte keinen Wert, in der Vergangenheit zu bohren und einem schöneren Familienleben nach zu trauern. Aber er hatte nicht gedacht, dass er diesen Mann jemals wieder sehen würde.
Severus strich Laura mit einem Finger die Fransen aus der Stirn.
Wieso war sein Vater gekommen? Wollte er etwas gut machen, das nicht mehr gut zu machen war?
Wieso wollte er Laura kennen lernen, wenn er nicht mal seinen eigenen Sohn kannte? Hatte er es ernst gemeint, oder wollte er irgend etwas anderes?
Er sah, dass Laura die Augen kurz öffnete und sie rieb. Sie vergrub ihr Gesicht wieder in Snapes Shirt, wo es ihr besonders zu gefallen schien.
„Falls du vor hast, wieder einzuschlafen, dann kannst du das in deinem Bett tun, Laura," sagte Severus und zog sie etwas von sich weg, damit er ihr Gesicht sehen konnte. Sie rieb sich wieder die Augen.
„Ich brauche noch einen Badeanzug , Dad," sagte sie verschlafen.
Snape hob die Augenbraue, und fragte sich, wie sie jetzt ausgerechnet darauf kam.
„Ich kann ja nicht nackt baden, wenn Harry nächste Woche kommt," fügte sie erklärend hinzu, als ihr Vater nicht antwortete sondern sie nur verwundert ansah.
Er gab ihr einen vielsagenden Blick. „Ich kann mich erinnern, dass eine gewisse junge Dame absolut sicher war, dass sie keinen Badeanzug brauche, da sie in kurzen Hosen baden könne."
Laura rümpfte die Nase etwas. „Ja, aber da hab ich ja auch nicht gewusst, dass Harry in den Ferien kommt," sagte sie etwas ungeduldig.
„Vor Mr. Potter schämst du dich, nackt zu baden, aber was wäre, wenn sonst jemand hier vorbei gehen würde, hm?" Snape war wirklich neugierig, wie das Mädchen tickte. Sie badete häufig mit einer Baumwoll-Shorts und einem Träger-Shirt, aber manchmal sah er sie splitterfasernackt im Bach rum plantschen. Also, schämte sie sich nun, oder nicht?
„Aber du hast doch das Haus und die Umgebung mit einem Schutzzauber belegt, oder? Milly hat es mir erzählt," fügte sie hinzu, als Snape sie erstaunt ansah.
Er nickte. „Das kommt dir aber reichlich früh in den Sinn, dass du noch Kleider brauchst für die Ankunft von Mr. Potter." Er sah sie etwas streng an und sie biss sich auf die Lippen und sah ihn entschuldigend an.
Eine Minute saßen sie still da plötzlich sah Laura zu Snape auf. „Dad, wann bekomme ich denn eigentlich nun endlich Brüste? Ich habe jetzt schon lange gewartet."
Snape sah seine Tochter an und seine Augenbrauen zogen sich automatisch zusammen. Na bravo, da hatten sie ja ein Thema angeschnitten! Er wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Laura fragte ungeduldig weiter.
„Emma ist ja eigentlich etwa gleich alt wie ich und die hat schon ein wenig," sie sah ihn gespannt an, als hätte er jetzt sofort die Lösung im Ärmel, oder ein genaues Datum, wann ihre Brüste mit dem Wachstum beginnen würden. Für sie schien dieses Thema nicht peinlich, sie schien einfach nur neugierig zu sein. Ihm war das mehr als unangenehm. Warum mussten Kinder so viele Fragen stellen?!
Das musste wohl ein Naturgesetz sein...
„Laura, da hast du keinen Einfluss darauf. Nur weil du jetzt sofort …. möchtest, dass sich dein Körper entwickelt, tut er das nicht. Du musst dich gedulden. Nicht jeder Mensch ist gleich."
Ja, er fand, das hatte er gut gesagt. Aber er freute sich, dass sie nun abrupt das Thema wechselte. Also war es scheinbar doch nicht so ein brennendes Thema für das Kind.
„Ich hab solchen Hunger, Dad," sagte sie und beim Gedanken an etwas zu essen, knurrte ihr Magen.
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Sie saß am Tisch und kaute den Reis, den Milly ihr extra gekocht hatte. Snape trank einen schwarzen Kaffee und sah ihr zu, wie sie das Essen gierig verschlang.
„Iss langsam, Laura, oder es wird dir wieder übel." Er sah sie tadelnd an.
„Wie kommt es, dass du deinen Vater so sehr hasst?" fragte Laura ernst. Sie sah, dass sich die Augen von Snape verfinsterten.
Als Snape nicht sofort antwortete, fügte sie hinzu: "Er hat mir erzählt, dass er schlimme Fehler gemacht hat und dass er ein schlechter Vater gewesen sei. Aber er hat dir ja auch gesagt, dass er sich geändert hat." Sie sah etwas traurig aus. "Ich glaube es tut ihm Leid, Dad."
Snape beugte sich zu seiner Tochter hinunter und sah sie intensiv an. "Laura, du weißt nicht, was er mir und meiner Mutter angetan hat, also überlass das mir."
Laura spürte Schmerz in der Stimme ihres Vaters. Seine Augen sahen auch irgendwie traurig und auch ärgerlich aus. Sie merkte aber auch, dass er nicht darüber reden wollte. Er war eben nicht ein Mensch, der einfach so sein Herz ausschüttete.
Sie schüttelte leicht den Kopf. „Nein, ich weiß nicht, was er Schlimmes getan hat, dass du ihm nicht verzeihen kannst, Dad. Aber vielleicht gibst du ihm ja eine Chance. Menschen machen Fehler. Das hast du mir selber gesagt. Und du hast auch schlimme Fehler gemacht. Dir hat auch jemand eine Chance gegeben." Laura hoffte, dass sie ihren Vater nicht verärgert hatte, mit dem, was sie gesagt hatte. War sie zu vorlaut gewesen?
Lauras Worte hingen im Raum und es war totenstill. Snape konnte nicht glauben, was seine Tochter da von sich gegeben hatte. Er sah in ihre offenen klaren Augen. Sie sah ihn direkt an.
Er nickte leicht. „ Ich muss zu meinem Trank schauen," sagte er mit etwas heiserer Stimme. Er stand vom Tisch auf und ging in den Keller. Er brauchte Zeit. Zeit für sich. Zeit zum denken.
Laura sah ihm nach. Hatte sie ihren Vater mit dem, was sie gesagt hatte doch verletzt? Oder verärgert? Er war nicht der Typ, der sich gerne von einem Kind etwas sagen ließ.
Sie biss sich schmerzhaft auf die Unterlippe. Ihr Vater hatte seltsam reagiert. Er war sonst immer so gefasst. Ob ihr Großvater wirklich so schrecklich gewesen war? Auf sie hatte er so nett gewirkt und so traurig.
s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s
Milly stand plötzlich neben Laura und hielt ihre Hand. Sie sah Laura so stolz an, dass diese die Welt nicht mehr verstand. „So gross ist die junge Laura." Milly lächelte .
„Meister Professor Snape braucht jetzt etwas Zeit, liebe Laura. Er muss denken, denn er weiß, dass schlaue Laura Recht hat." Milly wusste, dass Snapes Stolz ein wenig angekratzt war und dass er über das Ganze nachdenken musste. Sie spürte, dass Laura sich Sorgen machte, zuviel gesagt zu haben. Dabei war sie so froh, dass ihre liebe Laura das so gut gesagt hatte. Es würde bestimmt etwa bewegen in dem sturen Mann.
Laura erstaunten Millys Worte. Sie nickte der Elfe zu und drückte ihre Hand.
Sie biss sich wieder auf die Unterlippe und wickelte eine kurze Locke um den Finger. „Milly, weißt du was?" fragte Laura plötzlich in schuldbewusstem Ton. Milly sah sie besorgt an.
„Jimmy hat die teuren Käfer gefressen." Laura zog ein bisschen eine Schnute und plötzlich mussten beide so lachen, dass sie Tränen in den Augen hatten.
TBC...
Meiner lieben Betaleserin scientific ida möchte ich herzlich danken fürs Korrigieren. Sally
