„Benehmt euch," mahnte Snape noch einmal, als er in den grünen Flammen im Kamin verschwand.
„Ja ja..." sagte Laura patzig und verdrehte die Augen. Natürlich nur, nachdem Snape schon verschwunden war.
„Der ist ziemlich streng, nicht?" stellte Harry fest. Laura verzog den Mund und rümpfte die Nase, worauf sie einen strengen Blick von Remus erntete, der die Szene beobachtet hatte.
„Ich muss noch einen Bericht schreiben," sagte Remus zu den Kindern und holte eine Rolle Pergament hervor, wo schon etwas drauf geschrieben war. „Ihr bleibt besser drinnen, solange es regnet."
Harry und Laura fanden das ziemlich schade, dass sie nicht raus gehen konnten. Wieso musste es auch regnen? Laura rümpfte schon wieder die Nase, diesmal so, dass es Remus nicht sah.
„Komm, wir spielen Verstecken," schlug Laura vor. Und das fand Harry eine gute Idee. Was sollten sie sonst schon tun. Sie konnten ja nicht immer Spiele spielen, zumal es hier kaum welche gab außer den Spielkarten. Und Remus hatte ihnen verboten im Haus rumzurennen, was sie zwar wussten, da Snape es ihnen schon mal klar gemacht hatte, aber sie hatten nicht widerstehen können, sich ein wenig zu jagen, jetzt wo Snape nicht da war......
Es war ziemlich spannend, in dem großen alten Haus verstecken zu spielen.
„Mach mal Piep, sonst finde ich dich nie," sagte Harry, nachdem er Laura schon einige Minuten gesucht hatte. Sie würde doch wohl nicht in den Keller gegangen sein. Sie hatte gesagt, wie viel Ärger das geben würde, wenn sie auch nur eine Zehe dort hinein wagen würden.
„Piep," tönte es leise und Harry versuchte, das Geräusch zu orten.
Nochmals hörte er das Piepen, gerade als er an Snapes Zimmer vorbei ging. Harry sah die Tür an. Sie hatte sich doch wohl nicht hier drin versteckt? Er sah sich um und öffnete vorsichtig die Tür. Er sah sich nochmals um und ging dann leise einen Schritt dort hinein.
Er sah sich um. So sah also Snapes Schlafzimmer aus! Er bückte sich, um unter das Bett zu schauen. Auf dem Nachttisch von Snape sah er ein Foto von einem kleinen Kind.
Er ging leise näher und betrachtete das Bild. Er sah sofort, dass es Laura war, die ihn daraus anstrahlte. Er lächelte, denn sie war wirklich süß auf dem Foto. Ihre Augen strahlten so und es fehlten ihr vorne beinahe alle Zähne.
Dann wanderten seine Augen auf ein anderes Bild neben dem seiner Freundin und es stockte ihm der Atem. Er blinzelte und nahm den Bilderrahmen mit dem Foto in die Hand.
Das konnte doch nicht sein??!! Das war doch seine Mum. Da gab es gar keinen Zweifel! Sie sah so aus, wie in seinem Album. Und im Spiegel Nerhegeb hatte sie auch genau so ausgesehen.
Harry starrte das Bild an und merkte nicht, wie Laura sich anschlich. „Buh!" sagte das Mädchen, nicht sehr laut, aber Harry erschrak so, dass er das Bild fallen ließ. Es klirrte, als es am Boden landete.
Nun starrten beide Kinder erschrocken auf das zerbrochene Glas über dem Foto. Laura hielt sich die Hand vor den Mund und ihre Augen trafen die von ihrem Freund, der immer noch die Hände in der Luft hielt.
„Bist du noch bei Trost, mich so zu erschrecken?" fragte Harry und hob das kaputte Bild sorgfältig auf. "Verdammt!" sagte er und sah Laura ängstlich an. „Was machen wir jetzt?" fragte er besorgt.
„Wir können es nicht einfach wieder hinstellen, mein Dad würde es sofort merken," sagte Laura nicht weniger besorgt. Ein unbehagliches Gefühl beschlich sie. Wieso hatte sie sich ausgerechnet hinter Snapes Tür verstecken müssen. Sie wusste, dass sie hier nicht hinein durfte und sie wusste, dass er es ganz bestimmt nicht mögen würde, wenn Harry hier hinein kam. Oje, dachte sie mit flauem Gefühl. Ihre Wangen wurden ziemlich rot, vor schlechtem Gewissen.
„Wir fragen einfach Remus, ob er es wieder flickt," sagte Harry und biss sich auf die Lippen. „Wenn wir selber zaubern, bekommen wir Ärger."
Es gefiel ihm zwar gar nicht, vor Remus zugeben zu müssen, dass sie sich hier herumgeschlichen hatten. Das war ihm äußerst unangenehm. Er biss auf seinen Lippen rum.
„Remus wird bestimmt wütend und er schimpft bestimmt," meinte Harry und wurde etwas blass.
„Mein Dad wird nicht nur schimpfen, wenn er merkt, dass wir in seinem Zimmer rumgelungert haben," meinte Laura vielsagend und Harry schien zu wissen, was sie meinte.
Er sah sie mit großen Augen an. „Dann sagen wir es wohl doch lieber Remus," sagte er und Laura nickte und schluckte leer.
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„Kannst du es bitte wieder reparieren, Remus," sagte Harry leise und sah den Mann schuldbewusst an. Remus hatte es scheppern gehört und war eben ins Zimmer gekommen, als Harry die Scherben am zusammen suchen war.
„Mein Dad haut uns ein paar auf den Hintern, wenn er das merkt," fügte Laura mit Dackelblick hinzu.
Remus gab sich Mühe ernst und streng zu schauen, was schwierig war, als er die schuldbewussten Gesichter und die großen Augen der beiden verlegenen Kinder sah. Sie sahen einfach süß aus und sie schienen genau zu wissen, dass sie sich nicht in Snapes Zimmer hätten aufhalten dürfen.
„Ach, und ihr denkt, dass ich das nicht tun werde?" fragte er die Kinder. Die Augen der Kinder wurden noch größer. Laura biss sich auf die Lippen und Harry senkte den Kopf.
Keiner der beiden antwortete und Remus lächelte leicht.
„Also gut. Aber ihr treibt euch nicht mehr in den Schlafzimmern der Erwachsenen rum, klar?" Laura und Harry nickten eifrig und sahen sich erleichtert an.
„Reparo," sagte Remus, nachdem er den Zauberstab auf das Bild gerichtet hatte. Die Scheibe war sofort wieder ganz.
Laura machte einen Schritt nach vorne und umarmte Remus dankbar. „Danke, Remus," sagte sie leise.
„Danke," sagte auch Harry schnell und Remus lächelte ihn an.
„So, nun raus hier," sagte er streng und die Kinder gingen schnell aus Snapes Zimmer.
Im Korridor sah Harry fragend zu Remus hinauf. „Remus, darf ich dich etwas fragen?"
Remus war stehen geblieben und sah gespannt auf Harry hinunter. „Wieso hat Snape ein Bild meiner Mutter auf seinem Nachttisch?"
Laura sah ihn erstaunt an. Vor lauter Aufregung hatte sie gar nicht gemerkt, dass es ja genau dieses Foto war, von dem sie Harrys Mutter kannte. Deswegen war sie ihm so bekannt vorgekommen.
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„Er muss sie ziemlich gemocht haben," stellte Harry fest. Die Kinder saßen mit Remus auf dem Sofa, und er hatte ihnen erzählt, dass Snape mit Lily während ihrer Zeit in Hogwarts befreundet gewesen war. Remus wusste nicht, wieviel er den Kindern erzählen durfte, denn Severus mochte es nicht, wenn man zu viel von seinem Privatleben wusste. Die Kinder sollten ihn selber fragen, wenn sie mehr wissen wollten.
„Ja," stimmte Laura zu. „Wahrscheinlich war er verliebt in sie, denn sonst würde er wohl nicht ihr Bild aufbewahren, oder?". Harry sah sie stirnrunzelnd an, denn er wusste nicht, was er von diesem Gedanken halten sollte.
„Dann könnten wir ja eigentlich beinahe sowas wie Geschwister sein," meinte Laura erfreut und Remus gab ihr einen vielsagenden Blick.
„Also bitte, Laura, übertreib es nicht. Nur weil die Beiden mal befreundet waren, seit ihr Beiden noch lange keine Geschwister!"
Laura verdrehte dramatisch die Augen. "War ja auch nur ein Spaß," sagte sie lässig und musste grinsen. Sie sah Harry an, der die Nase rümpfte und dann auch lachen musste.
Alle Drei drehten die Köpfe zum Fenster, als sie ein Klopfen hörten. Eine braune Eule , mit einem Zettel im Schnabel stand davor und klopfte mit ihrem krummen Schnabel gegen das Glas.
Laura stand sofort auf und öffnete das Fenster. Die schöne Eule flog sofort hinein und zu Remus hinüber. Sie landete auf einer Stuhllehne und sah den Mann mit ihren gelben wunderschönen Augen an.
Remus nahm ihr den Brief ab und die Eule flog sofort wieder zum Fenster raus. Laura sah ihr hinterher. Sie hätte die Eule gerne gestreichelt, sie gefiel ihr sehr.
Remus öffnete gespannt den Brief und lächelte, als er ihn gelesen hatte. Laura und Harry sahen ihn neugierig an.
„Ich kann mich für einen Job vorstellen," sagte Remus überrascht und lächelte die Kinder an. Harry und Laura lächelten zurück. Das tönte ja mal wirklich gut.
Milly erschien und bat die drei zum Essen. Laura hatte die Hoffnung, dass sie heute zu einem Nachtisch kam. Remus war ja nicht so streng und würde es ihr bestimmt erlauben.
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Leider täuschte sie sich, denn Remus gab ihr einen strengen Blick und räusperte sich, als sie die Hand ausstreckte, um sich ein Schokoladenbisquit zu nehmen.
„Nur eins," jammerte Laura und sah Remus bittend an.
Dieser schüttelte den Kopf. „Nein, Laura, keins," sagte er ernst. Laura atmete hörbar aus und zog die Hand zurück. Sie saß schmollend da und kreuzte die Arme vor der Brust.
Sie sah zum Fenster hinüber. Es regnete nicht mehr. „Dürfen wir nun endlich ein wenig raus?" fragte Laura in genervtem Ton.
Remus beugte sich ein wenig zu ihr hinunter. „Laura," sagte er mahnend und sah sie scharf an. „Du musst nicht denken, dass du dich schlecht benehmen kannst, nur weil dein Vater nicht hier ist. Auch ich toleriere diesen Ton nicht, junge Dame." Immer noch fixierte er sie, bis sie blinzelte und ihrem Blick senkte. "Ja, Sir."
Remus nickte leicht. "Und um deine Frage zu beantworten, ihr könnt ein wenig raus gehen, aber nur solange es nicht regnet. Und vorher helft ihr bitte noch abräumen und das Geschirr aufräumen."
Die Kinder nickten und gingen mit dem Geschirr in die Küche. Milly hatte sich daran gewöhnt, dass die Kinder ihr halfen. Am Anfang war es für sie so unverständlich und unvorstellbar gewesen, dass die Kinder in der Küche helfen mussten. Nun fand sie es eigentlich nur vorteilhaft. Erstens machte es immer so unendlich viel Spaß mit den Kindern und zweitens würden es bestimmt gute und nicht so verwöhnte Zauberer werden auf diese Weise.
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„Remus hat gesagt, wir müssen rein gehen, wenn es regnet," sagte Harry, tönte aber nicht so begeistert von dem Gedanken.
„Ja, es regnet ja nicht wirklich, es tröpfelt," stellte Laura klar.
Natürlich würde das bei ihrem Vater nicht ziehen, aber Remus war da hoffentlich etwas lockerer.
Außerdem war es ja nicht wirklich kalt und es war so herrlich draußen.
Sie hatten die Schuhe ausgezogen und liefen barfuß in den Wasserpfützen rum. Sie ließen einige Ameisen auf Blätterschiffchen über die Pfützen segeln und veranstalteten ein Wettrennen oder eher ein Wettsegeln.
„He, das gilt aber nicht, das ist faul!" begehrte Harry auf, denn Laura hatte sein Schiffchen kentern lassen. Ausversehen natürlich!
Sie grinste ihn an. „Ich wollte nur sehen, ob deine Besatzung schwimmen kann," lachte Laura .
Harry sah sie gespielt böse an und gab ihr einen kleinen Stoß. Dieser reichte aber gerade, um Laura, die vor der Pfütze gekauert hatte, auf ihren Hintern zu befördern.
„He, wenn das kein Foul ist," sagte sie angriffslustig und rappelte sich schnell hoch. Der nasse Boden war ganz schlammig und ihre Hose und die Hände nun natürlich auch.
Harry machte sich schnell aus dem Staub, als Laura die Verfolgung aufnahm. Sie jagten sich quer durch den Garten. Der Wind blies nun stärker und es regnete.
„Kinder," rief Remus, der in einem Buch gelesen hatte, bis ihm aufgefallen war, dass der Regen wieder ans Fenster tropfte.
Wo waren denn diese Kinder? Er hatte ihnen doch deutlich gesagt, dass sie nicht draußen bleiben durften, wenn es regnete. Laura war gerade erst krank gewesen, es würde ihr bestimmt nicht gut tun, wenn sie ganz nass wurde. Es war nicht wirklich warm heute, vor allem nicht, wenn man nass war.
Er spürte, wie er ungeduldig wurde. Wollten sie ihn testen? Wollten sie sehen, ob sie bei ihm tun und lassen konnten, was sie wollten, wenn Snape nicht hier war? Also bei Laura konnte er sich das durchaus vorstellen.
„Laura, Harry!" rief er nun lauter und ungeduldiger. Immer noch nichts.
Da plötzlich hörte er Lachen und Stimmen und die Beiden bogen um die Ecke des Hauses. Harry rannte hinter Laura her, die aussah, als wenn sie sich im Schlamm gewälzt hätte. Harry sah etwas besser aus, aber beide Kinder waren ziemlich nass.
„Laura, Harry, kommt sofort her!" Die Kinder blieben stehen, als sie den strengen Ton hörten.
Sie sahen Remus an, der nun einen Schritt nach draußen auf die Steinplatten machte.
„Wie seht ihr denn aus?" fragte er und nun sahen die Kinder an sich hinunter. Harrys Brille war mit Regentropfen bedeckt und Laura versuchte vergeblich, ihre schmutzige Hose etwas sauber zu wischen. Es brachte aber eher den gegenteiligen Effekt.
Sie sah entschuldigend zu Remus, der nun aber nicht mehr so erfreut aussah.
„Also wirklich, wie alt seid ihr eigentlich, los kommt rein, aber sofort," schimpfte er streng und die Kinder tapsten mit ihren nackten, sehr schmutzigen Füßen zu Remus. Als Harry an ihm vorbei ging ins Haus und dabei versuchte, seine Füße etwas sauber zu bekommen an den Steinplatten, fasste Remus ihn am Oberarm und sah ihn streng an. Harry errötete und sah Remus verlegen an.
„Bei mir kommt ihr mit sowas auch nicht durch, nur zur Information," sagte er streng.
Er packte nun Laura am Arm, die nun einen Schritt rückwärts machte und sich auf die Unterlippe biss. „Das gilt auch für dich, junge Dame. Ich habe sehr den Eindruck, dass du dem Irrglauben unterliegst, mir nicht gehorchen zu müssen. Aber da täuschst du dich sehr. Erst warst du noch krank, und nun gleich wieder nass zu werden, ist wohl nicht gerade das Richtige. Geht rein, und nächstes Mal wird gehorcht, oder ich kann auch ungemütlich werden." Laura sah ihn mit großen Augen schuldbewusst an.
„Du brauchst mich gar nicht so anzusehen. Ihr wusstet genau, dass ihr nicht im Regen draußen sein durftet. Und ihr seht aus, wie die Schweinchen. Ihr geht jetzt duschen und danach putzt ihr hier auf, klar?" schimpfte er.
Die Kinder nickten schnell. Selten hatten sie Remus so streng gesehen. Sie hätten wohl doch besser auf ihn gehört.
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„Meinst du, er bereut es, dass er mein Vormund geworden ist," fragte Harry besorgt.
Laura schüttelte vehement den Kopf. Sie drückte den Lappen aus und putzte die Schlammspuren auf, die ihre Füße vorhin auf dem Boden hinterlassen hatten.
„Nee, sonst hätte mich mein Dad wohl schon lange auf den Mond geschickt," meinte Laura. „Remus war halt sauer, weil wir nicht gehorcht haben. Er hat sich bestimmt schon wieder abgeregt. Er ist nicht nachtragend. Wir entschuldigen uns nachher, okay?"
Harry sah sie etwas zweifelnd an. Die Dursleys hatten ihm immer gesagt, wie anstrengend und undankbar er sei und was für eine Belastung er für sie bedeute. Und bei den Dursleys hatte er viel gearbeitet und hatte sich eigentlich immer bemüht, es ihnen recht zu machen, ohne Erfolg.
Nun hatte Remus freiwillig eine Art Vormundschaft übernommen und er war so ungezogen und eine noch viel größere Belastung, als er bei den Dursleys gewesen war. Er sollte dankbarer sein und zumindest gehorchen. Er schämte sich sehr.
„Weißt du, seit Remus sich um mich kümmert, habe ich plötzlich das Gefühl, dass ich so wichtig bin. Früher bei den Dursleys war ich das nie. Ich habe Angst, dass Remus plötzlich genug hat von mir, wenn ich so ungehorsam bin und dass er auf einmal merkt, dass ich gar nicht so wichtig bin und so."
Laura kannte das Gefühl gut. Obwohl ihre Verwandten nie böse gewesen waren mit ihr, hatte sie bei ihnen nie dieses Gefühl gekannt, wie bei ihrem Vater. Wenn es auch manchmal lästig war, so 'überbehütet' zu sein und wenn es sie auch nervte, dass Snape so genau war und sich für alles, was sein Kind betraf so interessierte, so war es doch ein sehr gutes Gefühl, so wichtig zu sein. Sie wusste genau, was Harry meinte. Und er hatte Angst, dass das aufhören könnte, bevor es richtig angefangen hatte. Harry fühlte sich umsorgt und wahrscheinlich irgendwie geborgen und auch geschmeichelt, dass jemand da war nur für ihn. Für den er wichtig war.
Laura sah die Sorge in seinem Gesicht. „Harry, nur weil er mit dir geschimpft hat, hat er dich trotzdem noch lieb. Mein Dad hat mich auch immer noch lieb, obwohl er schon tausendmal geschimpft hat und mir schon vielmals eine auf den Ar..."
„Harry," hörten sie plötzlich eine Stimme und sahen Remus in Türrahmen stehen. Sie hatten ihn gar nicht bemerkt. Harry stand schnell auf und war erstaunt, als er in Remus' nun wieder freundliches Gesicht sah. Er trat zögerlich auf den Mann zu.
„Es tut mir Leid, Remus. Dass ich nicht gehorcht habe und dass ich im Regen rumgerannt bin." Er wollte noch mehr sagen, aber Remus deutete ihm, mitzukommen. Harry sah kurz zu Laura, die ihm zulächelte und folgte dann dem Mann etwas zögerlich ins Esszimmer. Was wollte Remus wohl von ihm? Harrys Herz klopfte schnell und so laut, dass er sicher war, dass Remus es auch hören konnte.
Remus setzte sich auf einen Stuhl und zog Harry vor sich. Er hielt ihn an den Handgelenken und lächelte ihn an. Er spürte, wie angespannt der Junge war.
„Harry, die Sache ist für mich erledigt. Kinder gehorchen nun mal nicht immer. Aber egal, was du anstellst, ich werde es nie bereuen, dein Vormund zu sein. Ich werde dich immer lieben, " sagte er eindringlich und sein Blick war sanft und freundlich.
Harry sah ihn ungläubig an. Hatte Remus das wirklich gesagt? Als Remus ihn nun auch noch in eine Umarmung zog, rollte eine Träne seine Wange hinunter. Remus war der beste Mensch, der ihm je begegnet war. Er erwiderte die Umarmung und klammerte sich an den Mann.
Remus war glücklich. So glücklich.
Wenn nur dieser Schatten des Spions und Lucius Malfoy nicht in seinem Kopf herum spuken würde. Er hatte Angst. Angst um Harry. Um ihr neues wunderbares gemeinsames Leben.
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Snape, der den Nachmittag bei seinem Kollegen Edward Ludwig sehr genossen hatte und interessante Gespräche geführt hatte, apparierte zum Haus von Lauras Verwandten. Er würde kurz mit dem Mädchen reden müssen.
Er klingelte, aber die Tür blieb zu. Er hörte laute Musik aus der Wohnung dringen, also musste jemand zu Hause sein. Er klingelte nochmals und nun wurde die Tür aufgerissen.
Nathalie stand da und wurde sofort rot, als sie Snape erkannte. Sie sah ihn fragend an und sah dann suchend umher, ob Laura nicht auch da sei.
„Guten Abend, Miss Smethurst. Ich würde mich gerne kurz mit Ihnen Unterhalten, wenn das möglich ist." Snape sah sie mit seinen dunklen Augen an und sie nickte schnell.
„Ja natürlich, kommen Sie rein, Sir," sagte sie etwas verlegen und hielt ihm die Tür auf.
Snape trat ein und Nathalie bot ihm einen Kaffee an, welchen dieser ablehnte.
Er setzte sich im Wohnzimmer an den Tisch und Nathalie tat dasselbe. Snape sah, dass das Mädchen allem Anschein nach alleine zu Hause war. Das war eigentlich ganz gut so.
„Ich möchte gleich zur Sache kommen," begann Snape mit seiner tiefen Stimme und Nathalie sah ihn gespannt an. Worüber der Mann wohl mit ihr reden wollte? Hoffentlich war Laura nichts zugestoßen, dachte sie etwas beunruhigt.
„Laura hat mir gestanden, dass sie Ihnen von unserer Welt erzählt hat. Da diese Dinge aber geheim bleiben müssen, dürfen Sie nichts davon weiter erzählen."
Nathalie nickte und Snape fuhr fort. „Ich könnte die Erinnerung an das Gespräch mit Laura aus ihren Gedanken löschen. Das wäre für Sie vollkommen schmerzlos, aber ich möchte trotzdem darauf verzichten." Snape wollte das Mädchen nicht ängstigen und behielt es für sich, dass bei so jungen Menschen, ein kleines Risiko bestehen würde.
Nathalie sah ihn staunend und etwas ängstlich an und antwortete: „Ich habe nichts davon verraten, Sir. Ich glaube auch kaum, dass mir jemand sowas glauben würde. Die würden mich wahrscheinlich in die Klapse stecken. Laura hat mir schon gesagt, dass das alles streng geheim ist." Das Mädchen sah sehr ernst aus und Snape traute ihr wirklich zu, dass sie dicht hielt. Er nickte. Er würde sehr ungerne das Gedächtnis eines Teenagers verändern.
„Dann vertraue ich auf Ihr Versprechen," sagte Snape und wollte sich erheben.
„Sir?" hielt Nathalie den Mann zurück, der nun fragend auf das Mädchen hinunter sah.
„Laura hat mir erzählt, dass Sie Erinnerungen von Menschen irgendwie aus dem Kopf ziehen und konservieren können? Und sie sich dann immer ansehen können?" fragte sie neugierig.
Snapes Augenbrauen zogen sich leicht zusammen, aber er blieb relativ gelassen. „Das ist richtig, Miss Smethurst," antwortete er und fragte sich, auf was das Mädchen hinaus wollte.
„Nun habe ich mir gedacht, dass ich ja sehr viele Erinnerungen an Lauras Zeit als kleines Kind habe, und Sie als ihr Vater haben keine. Ich wäre bereit, Ihnen ein paar davon zu schenken, wenn Sie das möchten." Nathalie sah den Mann gespannt an. Sie hatte sich wirklich viele Gedanken über diese Möglichkeiten gemacht und fand es traurig, dass Lauras Dad so gar nichts von ihrer Kindheit wusste oder miterlebt hatte.
Snape sah sie etwas erstaunt an. „Das ist sehr großzügig von Ihnen, Miss Smethurst. Vielen Dank. Ich werde in ein paar Jahren gerne darauf zurück kommen, falls Sie dann immer noch dazu bereit sind. Zum jetzigen Zeitpunkt werde ich Ihnen keine Erinnerungen entnehmen, da Sie noch zu jung sind und ihr Gedächtnis Schaden nehmen könnte."
Snape stand auf und hielt dem jungen Mädchen seine Hand entgegen. Sie nahm sie etwas verlegen und lächelte zu Snape hinauf. Dieser große etwas unheimliche Mann beeindruckte sie irgendwie.
Snape drehte sich auf dem Absatz um und schritt zur Tür. Nathalie sah ihm hinterher, als er zur Tür hinaus verschwand.
Severus war sehr erstaunt, über das Angebot des Mädchens. Es schien, als wäre ihr Laura doch ziemlich wichtig und scheinbar machte sich das Mädchen doch noch ziemlich viele Gedanken über andere Dinge als Mode und Schminken. Er hatte auch sehr selten erlebt, dass ihm jemand etwas anbot, ohne eine Gegenleistung dafür zu verlangen.
Vor dem Haus sah er ein paar Teenager herumlungern. Severus musste einen ruhigen Ort finden, um weg apparieren zu können.
Er achtete sich nicht weiter auf die jungen Leute, bis er aus den Augenwinkel einen relativ grossen Jungen erkannte, den er schon einmal gesehen hatte. Ja, dachte er grimmig, man begegnet sich eben immer zweimal im Leben.
Der Junge war Richard, Melanies Bruder, der vor ein paar Tagen Laura und Melanie im Badezimmer eingesperrt hatte.
Der Junge schäkerte mit ein paar Mädchen herum und kam sich offenbar unwiderstehlich vor. Immer wieder griffen seine Hände nach oben, um nachzuprüfen, ob die Gel-Frisur noch sitzt.
Severus trat in den Schatten eines Hauses, was ihm, aus seinen Tagen als Spion ausgezeichnet gelang und beobachtete die Szene einen Moment.
Er schwenkte kurz seinen Zauberstab.
Laura hatte ihm von dem Zwischenfall bei ihrer Freundin erzählt. Natürlich kannte Snape nun nur eine Seite der Medaille, nämlich die aus Lauras Sicht. Scheinbar war aber dieser Richard wirklich ein sehr grober Kerl und er hatte Laura sogar eine Ohrfeige gehauen. Er wollte sich nicht vorstellen, wie er dann mit seiner eigenen Schwester umging.
Eigentlich ging ihn das alles auch gar nichts an und er fand es nicht wirklich gut, sich in die Streitereien von Kindern einzumischen, aber dieser Rüpel konnte ein bisschen Nachhilfeunterricht in anständigem Umgang mit Mitmenschen bestimmt gebrauchen.
Ein kleiner Zauber, der ihm jedesmal, wenn er jemandem absichtlich weh tat, unsanft in den Hintern zwicken würde, wäre bestimmt nur von Nutzen. Der Zauber würde einige Wochen halten, bis dann war Richard hoffentlich kuriert.
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„Haben sie sich benommen?" fragte Severus, nachdem er sich mit einem Glas Bitterlemon auf das Sofa gesetzt hatte.
Remus lächelte ihn an. „Ja, nachdem sie sich im Schlamm gewälzt haben und dafür dann das Haus putzen mussten, waren sie sehr brav." Wie Remus erwartet hatte, verfinsterten sich die dunklen Augen des Freundes sofort, was er ziemlich amüsant fand.
Severus sah ihn nun fragend an und Remus fuhr fort: "Ich habe gehört, wie sich die Kinder unterhalten haben und Harry war tatsächlich besorgt, dass ich die Vormundschaft bereue, weil er nicht artig war. Er hatte wirklich Angst, dass..."
„Dad!" rief Laura begeistert, die im Pyjama die Treppe hinunter kam, dicht gefolgt von Harry. Sie rannte schnell auf den Mann zu und hätte beinahe sein Trinken ausgeschüttet, als sie sich ihm in die Arme warf. Er stellte das Glas schnell auf den kleinen Tisch und widmete sich seiner Tochter.
„Laura, ich war ja nicht wochenlang weg, übertreib's nicht," sagte er etwas tadelnd. Sie wurde aber trotzdem in seine Arme genommen und kurz gedrückt. Sie setzte sich auf die Lehne seines Sessels und Harry setzte sich neben Remus. Snape griff sie am Oberarm und gab ihr einen rügenden Blick, während er sie von der Seitenlehne hinunter zog.
Sie setzte sich neben Harry und fragte ihren Vater, wie es gewesen war bei Mr. Ludwig.
Plötzlich hörten sie hohe Stimmen, die durcheinander redeten , vom Garten her. Sie traten schnell hinaus und sahen Milly, die einen anderen, wild um sich schlagenden Hauselfen am Arm festhielt.
Die Zauberer wussten, dass der Elf sich sofort hätte in Luft auflösen können, hätte ihn jemand anderes festgehalten. Aber Milly war auch eine Elfe und sie bewies im Moment, dass sie eine ziemlich starke Elfe war.
Wie lange sie den anderen Hauselfen, der nicht gerade davon angetan schien, mit den fremden Zauberern zusammen zu treffen, noch festhalten konnte, wusste Severus allerdings nicht. Deshalb trat er schnell auf die beiden zu. Dicht gefolgt von Remus und den beiden Kindern.
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„Du bist Malfoys Hauself," stellte Severus sachlich fest. „Ich nehme nicht an, dass du uns verraten wirst, warum du uns für deinen Meister beobachten sollst." Remus war erstaunt, wie ruhig und beinahe freundlich Snape mit dem kleinen Wesen, das seine Augen weit aufgesperrt hatte, redete.
Der Elf schlug mit der freien Hand auf seinen Kopf ein. „Böser Dobby, darf nicht hier sein. Gehorcht seinem Meister nicht. Meister weiß nicht, dass Dobby hier ist. Wird ihn schrecklich bestrafen."
Snape hielt den Arm des kleinen Hauselfen fest. „Hör auf damit," befahl er streng. "Dein Meister hat dich nicht geschickt?" fragte Snape, der echt erstaunt war, dass er Hauself überhaupt mit ihm redete.
„Nein, Dobby ist schlechter Hauself." Der kleine Kerl jammerte und Tränen rannen ihm aus den Augen.
„Wieso beobachtest du liebe junge Laura und Harry Potter," mischte sich nun Milly ein, was Snape erstaunte. Aber er wusste, dass die Elfe keinen Spaß verstand, wenn es um ihre Laura ging.
Snape und Remus sahen die mutige kleine Elfe an, als sie weiter sprach. „Will Dobby ihnen schaden? Wartet er, bis die Kinder den Schutzzauber verlassen?"
Dobby hielt nun ganz still und sah die Artgenossin erstaunt und empört an. „Niemals schaden!" sagte er ernst. „Dobby weiß, dass Harry Potter Sir guter, großherziger Zauberer ist. Junge Laura ist liebe Meisterin zu ihrer Hauselfe. Dobby will niemals schaden." Der Elf sah die Kinder an, die gespannt das Ganze verfolgten.
„Was willst du dann?" fragte Snape. Der kleine Elf sah mit großen Augen zu Snape hinauf. Er schüttelte verzweifelt den Kopf, und im nächsten Moment löste er sich in Luft auf.
Milly sah erschrocken zu Snape. Sie hatte ihn wohl nicht mehr stark genug fest gehalten.
„Es tut Milly Leid, Meister Professor Snape, Sir, dass sie nicht besser auf Dobby aufgepasst hat."
Snape stand auf und schüttelte den Kopf. „Es hat uns sehr geholfen, Milly, dass du ihn geschnappt hast. Nun wissen wir mehr."
Ja, sie wussten zwar nicht, warum genau der kleine Hauselfe sie beobachtet hatte, aber er hatte es nicht im Auftrag von Lucius Malfoy getan. Wenn man ihm Glauben schenken konnte, zumindest. Und Snape merkte beinahe immer, wenn jemand log. Der fremde Hauself hatte auch keinen Groll gegen Harry oder Laura, was auch gut war. Irgend etwas hatte es aber mit den Kindern zu tun, so wie Dobby reagiert hatte. Aber schaden wollte er scheinbar nicht. Was ging bloß in dem kleinen Elfen vor?
Remus war ein Stein vom Herzen gefallen,weil weder das Ministerium, noch die Todesser dahinter zu stecken schienen. Das war wirklich eine Erleichterung. Nur sehr schade, dass sie nicht mehr aus dem Elfen heraus bekommen hatten.
Harry und Laura sahen die Männer fragend an.
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„Aber sie ist schon seit Tagen nicht mehr nach Hause gekommen, Dad," jammerte Laura, den Tränen nahe. Snape saß auf ihrem Bettrand und sah nachdenklich auf sein Kind hinunter. Mit diesen Haustieren hatte man doch nur Ärger, dachte er.
„Die kommt schon wieder, Laura. Sie hat wahrscheinlich ein paar Freunde gefunden, im Wald. „Snape gab sich sehr Mühe, seine Geduld zu behalten. Er konnte es einfach nicht wirklich verstehen, dass man wegen so einem Tierchen ein Theater machen konnte.
„Aber dann kommt sie vielleicht nie wieder, wenn sie neue Freunde hat im Wald. Vielleicht hat sie sich ja verliebt in ein Streifenhornmännchen." Nun rollte doch noch eine Träne Lauras Wange hinunter. Snape atmete tief ein und unterdrückte den starken Wunsch die Augen zu verdrehen. Also wirklich!
„Sie ist ein Tier, Laura. Sie wird schon wissen, was für sie das Beste ist. Außerdem gibt es hier keine Streifenhörnchenmännchen. Diese Tiere sind hier nicht heimisch. Sie leben, so viel ich weiß, in Nordamerika oder Asien. Deines ist ein Spezielles, aus dem verbotenen Wald. Schlaf jetzt, wir kümmern uns morgen dann darum."
Er beugte sich hinunter und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Lauras Arme umschlangen sofort seinen Hals und sie drückte ihn an sich. „Dad?" fragte sie leise und ließ ihn nur so weit aus ihrer Umarmung, dass sie ihm ins Gesicht schauen konnte.
„Das ist doch schon so, dass du mich immer lieb hast, auch wenn ich ganz schlimm unartig bin und so? Das ist doch so bei Eltern, oder? Die haben doch ihre Kinder immer lieb?"
Sie sah ihn erwartungsvoll an und Snape lächelte etwas gequält. „Ja, Laura, ich denke, das ist so bei Eltern. Wieso fragst du? Du planst doch nicht etwa schlimm unartig zu sein oder etwas Dummes anzustellen?"
Laura schüttelte den Kopf. „Nein, Dad, natürlich nicht," sagte sie ein wenig ungeduldig, als würde ihr so etwas Abstruses niemals einfallen. Snape zog eine Augenbraue hoch. Er stützte sich mit den Ellbogen auf Lauras Bett ab, da seine gebückte Position nicht so angenehm war auf Dauer.
„Aber Harry. Er hat mir heute richtig leid getan. Er dachte, Remus habe ihn nicht mehr lieb, weil wir nicht gehorcht haben und im Regen rumgerannt sind." Laura sah bei dem 'Geständnis' ein wenig verlegen zu ihrem Vater auf, redete dann aber weiter. „Aber Remus hat ihm gesagt, dass er ihn immer lieb haben wird. Hat Harry mir erzählt. Außerdem war Remus auch schon mal sehr wütend auf mich, zum Beispiel als wir den Stein gesucht haben. Da hat er mir sogar eine gepfeffert, und er hat mich auch immer noch lieb."
Snape richtete sich nun auf, da es ihm nicht mehr bequem war. Er sah Laura interessiert an. „So, hat er das? Das hast du mir noch gar nicht erzählt," sagte er und sah sie vielsagend an. Laura wurde ein wenig verlegen und zog die Unterlippe zwischen die Zähne.
Da zeigten sich ja ganz neue Seiten von Lupin, dachte Snape. Remus musste sich ziemlich gesorgt haben um seine Tochter.
„Remus ist gut für Harry, glaubst du auch, Dad?"
Snape sagte nichts sondern nickte nur und stand dann auf. „Schlaf jetzt, Kind," sagte er und zog ihre Decke höher. Er sah sie nochmals an und ging dann aus dem Zimmer.
„Gute Nacht, Dad," sagte Laura noch, bevor Snape verschwunden war.
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„Der ist gerade angekommen, deine Eule hat ihn gebracht," sagte Remus und streckte Severus einen Brief entgegen. Dieser zog die Augenbrauen ein wenig zusammen, als er den Absender sah.
Der Brief war von seinem Vater, aber an Laura adressiert. Remus beobachtete die Veränderung in Snapes Gesicht, aber sagte nichts.
Severus setzte sich aufs Sofa und starrte den Brief an. Nach einigen Minuten fragte Remus: "Wirst du ihn ihr geben?"
Snape sah auf und überlegte einen Moment. „Ich denke schon," sagte er. „Ich muss noch darüber nachdenken. Ich frag mich nur, was mein Vater denn nun plötzlich will." Snape sprach mehr zu sich selber, als zu Remus. Er hatte noch nie mit jemandem über die Situation mit seinem Vater gesprochen. Er hatte seinen Vater beinahe aus seinem Gedächtnis gestrichen gehabt. Und nun musste dieser wieder auftauchen, nach all den Jahren. Snape wusste nicht, wie er darüber denken sollte.
„Du hast nicht gerade das beste Verhältnis zu deinem Vater, nehme ich an," stellte Remus trocken fest. Snape sah vom Brief, auf dem seine Augen schon wieder weilten, zu dem Mann auf seinem Sofa hin.
„Ich habe überhaupt kein Verhältnis zu ihm," sagte er genau so trocken. „Und eigentlich wünsche ich auch keins. Nun taucht er nach zwanzig Jahren plötzlich auf. Er sagt er bereue alles und er wolle Laura besser kennen lernen. Und mich."
Snape lehnte sich auf dem Sofa etwas vor und hielt sich die Schläfen. Die Arme hatte er auf seinen Beinen abgestützt und den Brief auf den kleinen Tisch vor sich gelegt.
„Und? Willst du das denn auch?" Remus hatte beiläufig gesprochen. Er wusste, dass es Severus nicht leicht fiel, über sein privates Leben zu sprechen.
„Er war ein Säufer, Remus. Er hat unser Familienleben nicht gerade harmonisiert. Er soll doch bleiben, wo er ist." Remus hörte, wie verletzt Severus eigentlich war. Er sah den dunklen Mann eine Weile an.
„Vielleicht bereut er es ja wirklich."
Snape sah wieder zu dem Werwolf auf. Seine Augen blitzten. „Das hätte er sich vielleicht früher überlegen sollen. Bevor er seine Frau und sein Kind im Stich gelassen hat, nachdem er ihr Leben zur Hölle gemacht hatte. Der soll sich von meinem Kind fern halten."
Remus nickte nachdenklich.
Snape nahm den Brief und stand auf. „Gute Nacht," sagte er etwas müde.
Damit verschwand er aus dem Raum.
Remus' Worte hallten ihm in den Ohren nach. Ja, konnte sein, dass sein Vater alles bereute.
Severus dachte nach. Er wollte Laura den Brief nicht vorenthalten. Er wusste nur nicht, ob es wirklich gut war für das Mädchen, wenn sie Kontakt zu Snape senior hatte. Auch wenn es nur brieflich war. Er wusste nicht, ob er das wollte.
Wieso meinte der alte Narr, dass er hier mit offenen Armen empfangen werden würde.
Natürlich waren viele Jahre vergangen und Laura hatte recht gehabt, mit dem, was sie vor ein paar Tagen gesagt hatte.
Man musste vergeben können. Und er wollte auch nicht Laura damit bestrafen, indem er ihr den Großvater vorenthielt.
Seinen Vater wollte er strafen und ihm das vorenthalten, was dieser wollte. Er sollte spüren, wie es war, wenn man abgelehnt wurde. Er sollte all die Jahre, die er, Severus, ihn gebraucht hätte, nicht einfach so verziehen bekommen. Er sollte nicht einfach wieder auftauchen können und alles wäre in bester Ordung.
Das Ganze war recht kompliziert und wühlte Snapes Gefühle auf. Er musste sich überlegen, wie er vorgehen sollte.
Er hatte ja warten wollen, und sehen, wie ernst es seinem Vater wirklich war. Und er wollte rausfinden, was dieser wirklich wollte. Merkte er plötzlich, wie alleine er war? Oder ging es hier um etwas ganz anderes?
Remus fuhr sich durchs Haar. Vielleicht verstand er die Gefühle des Mannes nicht. Er wusste ja auch gar nicht, was Severus durchgemacht hatte mit dem Vater. Vielleicht hatte er kein Recht, sich in die Sache einzumischen.
Aber er hatte den Eindruck, dass es auch zu Severus' Bestem sein könnte, wenn er sich mit seinem Vater aussprechen könnte. Es war ja wirklich möglich, dass Snape Senior von seinem Alkoholismus weggekommen war und all die Jahre darüber nachgedacht hatte, wie er sich seinem einzigen Sohn wieder annähern könnte. Vielleicht bestand ja eine Chance für die Beiden.
TBC...
Ich möchte allen danken fürs Lesen , noch mehr danken möchte ich allen, die vorhaben mir ein Review zu hinterlassen;-) Danke vielmals liebe Ida fürs Betalesen!!!! Liebe Grüsse Sally
