Meiner Betaleserin scientific ida vielen Dank für die tolle Unterstützung!
Viel Spass beim Lesen und ja, Vater sein ist nicht immer einfach, Kind sein auch nicht ;-) Liebe Grüsse Sally
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Laura durchquerte das Lokal, wo nun zwei Besen selbstständig den Boden kehrten, und sie sah aus den Augenwinkeln, dass der Mann, der vorhin mit ihrem Vater geredet hatte, sie erstaunt ansah.
Sie ignorierte ihn, und hoffte sehr, dass der ihrem Vater nichts sagen würde. Ja, an den hatte sie nicht gedacht. Ihr Kopf wurde etwas rot bei dem Gedanken, dass der Mann ihrem Vater brühwarm erzählen würde, dass Laura sich auf die Straße hinaus geschlichen hatte.
Aber nun war sie schon da. Sie überlegte nicht lange, sondern verließ den Tropfenden Kessel durch den Vordereingang.
Sie sah sich um. Sie sah keinen Snape-Vater. War er schon gegangen? Hatte er aufgegeben?
Sie wollte sich eben enttäuscht umdrehen und wieder hinein gehen, als sie den älteren Mann ganz in der Nähe auf einer Bank sitzen sah. In dem Moment entdeckte er Laura auch.
Er richtete sich sofort auf und Laura ging etwas zögernd auf ihn zu. Tobias Snape stand auf und kam schnell zu seiner Enkeltochter. Ohne zu überlegen schloss er sie in die Arme. Erst versteifte sie sich etwas, erwiderte dann aber die Umarmung.
„Ich hab so lange gewartet," flüsterte der Grossvater. „Ich dachte mir, dass ihr mal in diese Zaubererstraße wollt. Meine Eileen wollte auch hin und wieder hier her." Er sah auf das Kind hinunter, welches etwas nervös aussah. Er fuhr ihr mit der Hand durch das etwas wellige, kurze Haar.
„Mein Dad weiß nicht, dass ich hier bin. Ich hab nicht lange Zeit," sagte Laura und Tobias nickte.
Wieder fiel ihm auf, wie wenig er über seinen Sohn wusste. Er hatte keine Ahnung, wie Severus war. Er war ein eher ernstes Kind gewesen, schon als er noch sehr klein war. Als erwachsener Mann konnte er sich den Jungen von damals nicht vorstellen. Er wollte ihn aber kennen lernen. Er hatte schon viel zu lange gewartet.
„Laura," sagte Tobias glücklich. „Komm, wir setzen uns einen Moment." Laura setzte sich auf die vorderste Kannte der Bank, wie zur Flucht bereit. Tobias lächelte sie an.
Laura vermutete, dass der Mann nicht sehr viel lächelte. Sie wusste auch nicht, warum.
„Dein Dad ist wohl sehr streng, nicht wahr?" fragte er freundlich. Laura rümpfte die Nase und nickte, während der Mann ihr ein wenig die Haare verwuschelte. Natürlich wollte er nicht, dass seine Enkelin Ärger bekommen würde seinetwegen.
„Laura, ich weiß nicht, wie ich dir das alles erklären kann und ich weiß, dass es keine Entschuldigung für das gibt, was ich deinem Vater angetan habe.
Mein eigener Vater starb vor einem halben Jahr und mir wurde bewusst, dass ich den Mann kaum kannte. Da ist mir ein Licht aufgegangen und ich realisierte, dass auch ich ein Vater bin. Ich habe immer an Severus gedacht, aber nie den Mut gehabt, etwas zu unternehmen." Tobias machte eine kleine Pause und musterte Laura. Er hatte den Drang, ihr alles zu erklären, was in ein paar Worten schwierig war. Aber sie sollte doch verstehen, warum es so gekommen war.
„Aber als dein Urgroßvater auf dem Sterbebett lag und nicht loslassen konnte, da ihn so viele Dinge belasteten, habe ich beschlossen, alles dafür zu tun, dass dein Vater wieder mit mir spricht. Ich möchte nicht so enden, wie mein Vater, so voller Vorwürfe. Und ohne meinen Sohn richtig gekannt zu haben." Lauras Großvater hatte den letzten Satz leise gesprochen und er legte einen Arm um das Kind neben ihm.
„Ich habe nicht mal gewusst, dass ich Großvater bin, Laura. Aber seit ich dich gesehen habe, möchte ich dich kennen lernen. Wenn du mir eine Chance gibst. Wenn Severus mir diese Chance gibt. " Tobias tönte traurig aber auch verzweifelt. Laura sah ihn mit großen Augen an und nickte.
"Vielleicht mache ich schon wieder einen Fehler, wenn ich dir das alles erzähle, Kind." Tobias sah sie ernst an. Er wusste nicht, ob Severus verärgert sein würde, wenn er das Mädchen mit solchen Dingen belastete. Aber wenn überhaupt, dann hatte er nur mit der Wahrheit eine Chance.
"Ich erzähle dir das, weil ich denke, dass du ein cleveres Mädchen bist und weil ich möchte, dass du verstehst. Ich will nichts beschönigen, denn ich war ein miserabler Vater, Laura. Ich habe deinen Vater und deine Großmutter schlimm geschlagen. Ich wollte ihnen weh tun, weil ich in mir drin so viel Schmerz hatte und Verzweiflung. Ich wollte auch, dass sie mir mit ihrer Magie helfen. Ich habe große Fehler gemacht." Er sah, wie Laura sich auf die Unterlippe biss.
"Ich weiß auch, dass ich das nicht wieder gut machen kann, aber trotzdem möchte ich mich mit ihm ausreden können." Laura nickte wieder.
„Wie kann ich an ihn heran kommen? Er ist so voll Hass. Hast du eine Idee?" fragte er etwas hilflos. Er schämte sich, seine Enkelin um Rat fragen zu müssen, aber das Kind kannte ihren Vater natürlich besser. Immerhin schon etwa zehn, elf Jahre oder so. Er wusste nicht mal, wie alt Laura war!
Laura sah den verzweifelten Blick. Wenn sie das nur wüsste!
Sie zuckte die Schultern. „Ich weiß es nicht, Großvater. Er ist sehr böse auf dich und sehr traurig und enttäuscht. Du musst es einfach immer wieder versuchen und nicht aufgeben."
Laura tönte sehr überlegt für ein so kleines Mädel, fand Tobias. Sie war einfach so ein süßes Kind und sie hatte ihn tatsächlich Großvater genannt. Das war ein wahrlich tolles Gefühl, fand Tobias und seine Augen leuchteten auf.
„Ich werde alles versuchen, Laura," versprach er und lächelte sie an.
Laura stand auf. „Ich muss jetzt gehen, bevor er etwas merkt." Tobias nickte und stand auch auf.
„Ich bin froh, dass ich dich gesehen habe. Ich werde euch wieder schreiben. Und ich hoffe, dass er dich nicht erwischt."
Laura nickte und ihr Großvater legte nochmals den Arm um sie und drückte sie kurz an sich. Laura lächelte zu ihm hinauf.
Tobias wusste, dass das Mädchen sein Herz schon erobert hatte. In dieser kurzen Zeit! Er ließ sie ungerne los. Er wollte sie einfach unbedingt besser kennen lernen. Wollte Zeit mit ihr verbringen. Und mit Severus.
Laura drehte sich um und winkte nochmals.
Dann verschwand sie hinter einer Tür. Als Tobias genau hin sah, war die Tür aber verschwunden.
Er stand dort und sah gedankenverloren auf die Stelle, wo seine Enkelin verschwunden war. Dann drehte er sich um und ging durch die Straßen davon. Er hätte tanzen können, vor Freude, dass er sie gesehen hatte und dass sie ihn Großvater genannt hatte. Und er hätte weinen können und sich den einfältigen Kopf gegen die Wand schlagen, für das, was er mit seinem Kind gemacht hatte und mit seiner Frau.
Aber er würde es schaffen an ihn heran zu kommen. Und wenn er es bis zu seinem letzten Tag versuchen müsste. Nicht nur seinetwegen, nicht nur weil er einsam war und Schuldgefühle hatte, sondern auch wegen seinem Sohn. Er wusste, dass Severus nur über seine Wunden hinweg kommen würde, wenn sie miteinander reden würden.
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Laura düste schnell in den Hinterhof. Sie war so aufgeregt und hatte ein ganz schlechtes Gewissen. Hoffentlich hatte ihr Vater noch nichts bemerkt und hoffentlich blieb ihr noch genügend Zeit, dass sie zu Remus und Harry rennen konnte, nicht, dass die dann sagten, Laura sei gar nicht bei ihnen gewesen.
Nun stand sie vor der Mauer. Verdammt! Sesam öffne dich doch! Dachte sie etwas verzweifelt.
Bitte!
Aber leider tat die Mauer ihr diesen Gefallen nicht. Sehr leider!
Sie biss sich auf die Lippen und hätte gerne laut geflucht. Sie kickte ärgerlich an die Wand, was ihr einen schmerzenden Zeh bescherte, die Steine der Mauer aber bewegten sich keinen Zentimeter.
Sie ging in den Tropfenden Kessel zurück und zu dem Mann mit dem Dreitagebart, der nun die Tische abputzte. Auch Tom war jetzt hier und schenkte der fast Zwölfjährigen ein zahnloses Lächeln.
„Bitte, Sir, könnten Sie mir die Mauer öffnen?"
Der Mann sah vielsagend zu dem Mädchen hinunter. Dann nickte er und legte den Lappen bei Seite.
„Bist wohl ganz schön mutig, was?" fragte er, als er mit ihr zur Mauer schritt.
Diese öffnete sich in dem Moment selber, aber nicht die vierzig Räuber kamen durch die Oeffnung, sondern Snape, der einen etwas aufgeregten, wilden Ausdruck im Gesicht trug. Als er Laura entdeckte, wechselte sein Gesichtsausdruck auf Erleichterung, dicht gefolgt von Ärger.
Laura wären die vierzig Räuber im Moment beinahe lieber gewesen, als sie nun die Augen ihres Vaters aufblitzen sah.
Der Mann neben Laura verdrückte sich, als er sah, dass Snape nicht so erfreut aussah, denn auch für ihn war Snape mit schlechter Laune ziemlich einschüchternd. Laura senkte schnell den Blick. Sie hätte sich auch gerne davon gemacht.
Er packte sie am Handgelenk und ging mit ihr wortlos auf die Winkelgasse hinaus. Nun scherte sie sich nicht darum, dass er sie wie ein Kleinkind hinter sich her zog.
Er bog in eine Seitengasse ein und stellte sie dann vor sich hin.
Lauras Wangen wurden rot. Sie ertrug den Blick ihres Vaters kaum, obwohl sie ihn gar nicht ansah, sondern zu seinen Füßen blickte. Aber sie wusste auch so, wie er sie ansah. Ihr Magen fühlte sich flatterig an.
„Was sollte das eben?" fragte er scharf. „Ich ging zu Remus, da Veleno den Laden geschlossen hatte, und dieser berichtete mir, dass keine Laura bei ihm aufgetaucht sei. Ich suchte dich dann überall, bis mich mein Zauberstab hier her geführt hat. In den Tropfenden Kessel!"
Ungeduldig wartete er auf eine Antwort. Aber es kam keine. Laura biss sich auf die Innenseite der Wange. So ärgerlich hatte sie ihren Vater schon lange nicht mehr gesehen. Sein Gesicht war ganz bleich vor lauter Aerger.
Wieso konnte sich nicht ein Loch im Boden auftun und sie verschlingen?
„Du tätest besser daran zu antworten, junge Dame. Denn glaube mir, ich unterdrücke den Wunsch, dir auf der Stelle gehörig den Hintern zu versohlen nur schwer. Also?" Seine Stimme war so beängstigend scharf, dass sie leer schluckte und sie ihre Hände nicht ruhig halten konnte.
Laura sah zu Snape auf und betete still, dass er seinen Wunsch noch länger unterdrücken konnte, denn sie hätte lieber lebenslanges Süßigkeitenverbot, als vor allen Leuten den Hintern verhauen zu bekommen.
Na ja, vielleicht nicht gerade lebenslänglich! Einen Monat.
„Ich hab mit deinem Dad geredet," piepte sie und ihr Gesicht glühte. Ihr Herz hämmerte laut gegen ihre Brust. Wie würde er darauf reagieren?
Es war sein Vater, und sie wusste nicht, was da früher passiert war. Aber ihr Großvater hatte ihr so Leid getan.
Sie sah, dass ihr Dad das schon gewusst hatte. Oder zumindest vermutet hatte. Sie war sehr froh, dass sie nicht gelogen hatte. Sie sah, wie er die Zähne zusammen biss um sich unter Kontrolle zu halten.
„Hab ich dir nicht klar genug gesagt, dass ich das nicht möchte?"
Laura schämte sich und hätte die Zeit gerne eine halbe Stunde oder so zurück gedreht. „Es tut mir Leid," hauchte sie. „Er hat mir so Leid getan." Sie sah kurz in Snapes Gesicht.
Severus schloss die Augen. Ja, das wäre ja nicht seine Tochter.
Er versuchte sich zu beruhigen. „Wir werden zu Hause weiter darüber reden. Und glaube mir, das wird Konsequenzen haben," sagte er knapp und trat wieder auf die Straße.
Laura folgte ihm mit gesenktem Kopf. Sie hatte nicht gewollt, dass ihr Vater sich Sorgen um sie machte. Natürlich war er erschrocken, als sie plötzlich nirgends mehr war. Wieso musste auch dieser blöde Veleno ausgerechnet heute geschlossen haben. Es war alles seine Schuld! Nur wegen dem würde sie lebenslanges Süßigkeitenverbot bekommen! Und wahrscheinlich noch den Hintern verhauen.
Laura folgte Snape in einen speziellen Laden, wo es verschiedene Dinge aus Eisen und anderem Metall gab. Zum Beispiel auch Kessel zum Zaubertränke brauen in allen Größen. Snape unterhielt sich mit einem Verkäufer, über den er sich schon nach ein paar wenigen Sätzen aufregte. Das merkte allerdings nur Laura. Der junge Verkäufer schien sich ziemlich gerne reden zu hören.
Laura machte die ganze Zeit keinen Piep, da sie sich schon auf dünnem Eis befand und sie nichts riskieren wollte. Ihr Vater sah immer noch ziemlich verärgert aus.
Als nach endlosem hin und her Snape endlich fertig war, sah er Laura an, die wie ein Lämmlein da stand. Er hob eine Augenbraue und verließ mit Laura den Laden.
Als sie wieder zum Tropfenden Kessel marschierten, spürte er plötzlich ihre Hand in seiner. Er sah zu ihr hinunter und sie schielte verlegen zu ihm hinauf.
Er war allerdings noch ziemlich sauer und streifte ihre Hand ab. Es war schließlich auch heiß genug!
Lauras Herz wurde darauf hin ganz schwer und ihr Magen fühlte sich an wie verknotet. Sie ging einige Meter hinter ihrem Vater her. Sie musste ihn ganz schön verärgert haben, dachte sie niedergeschlagen. Ob er ihr vergeben würde?
Sie hätte sich in den Hintern treten können, für ihr voreiliges Handeln. Was, wenn ihr Dad nun so sauer war, dass er nicht mehr mit ihr reden würde?
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„Laura!" rief Harry ihr aufgeregt entgegen, der mit Remus schon im Tropfenden Kessel saß und etwas zu trinken vor sich hatte.
„Sieh mal, meine neue Brille! Mit der sehe ich einfach alles!" Harry war so aufgeregt, dass ihm Lauras zerknirschtes Gesicht gar nicht aufgefallen war.
„Schön," sagte sie und zwang sich zu einem Lächeln. Sie hätte sich allerdings am liebsten in ihrem Zimmer verkrochen und geweint. Ihr Dad würde sich wieder beruhigen und ihr früher oder später vergeben, aber so abgewiesen zu werden, tat wirklich weh. Sie fühlte sich total unwohl und wollte nur nach Hause.
Snape setzte sich hin und Laura stand mit gesenkten Kopf da. Remus sah Severus fragend an, als er das kleine Mädchen so niedergeschlagen sah, aber dieser wandte sich an Laura und sagte ihr, sie solle sich auch setzen.
Sie war nicht hungrig. Harry sah sie verwundert an und fragte sich, wieso die Freundin so ruhig war. Er bot ihr von seinem Trinken an, doch sie schüttelte den Kopf.
„Möchten Sie etwas bestellen?" fragte der Mann, der Laura heute schon ein paar mal gesehen hatte hier. Sie sah nicht zu ihm auf, sondern starrte auf den Tisch.
Remus und Harry bestellten ein Sandwich. Snape wollte nur einen schwarzen Kaffee und Laura wollte gar nichts. Snape sah sie ernst an und seine Augen verengten sich einen kleinen Augenblick. Er sagte aber nichts. Er wusste, dass Laura sich schämte und dass es ihr anscheinend auf den Magen geschlagen hatte.
Zum Glück hatten Remus und Harry nicht lange, um ihr Sandwich zu essen. Als alle aufstanden, sagte Snape, dass er mit Laura nach Hause ginge. Remus hatte noch einiges zu besorgen und nahm Harry mit sich, der es sehr genoss mit Lupin in der Winkelgasse.
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„Remus, was war mit Laura?" fragte Harry etwas besorgt und sah zu dem Mann auf, der neben ihm auf dem Stuhl saß. Sie saßen im Florean Forterscues Eissalon.
Remus sah den Jungen an und gab ihm ein etwas müdes Lächeln. „Sie ist wohl ausgebüxt und Professor Snape hat sich gesorgt. Mehr weiß ich auch noch nicht," sagte er.
„Remus, darf ich dich etwas fragen?" Harry sah Remus ernst an und dieser nickte. "Hast du doch eben getan, oder?" Der Mann lächelte.
„Warum ist mein Pate Sirius.... wie hieß er nochmals?" fragte er.
„Sirius Black," antwortete Remus und nahm einen Schluck Orangensaft.
„Ja, genau. Wieso ist der in diesem Gefängnis. Was hat er gemacht?"
Remus biss sich kurz auf die Lippen und überlegte, was er nun genau antworten sollte. Er sah sich um, ob jemand mithörte. Er beugte sich etwas zu Harry hinunter uns sprach leise.
„Er hat sich auf die falschen Leute eingelassen und ist zu der dunklen Seite gewechselt. Er hat viele Leute getötet." Remus tönte nachdenklich.
Er konnte das manchmal selber nicht wirklich glauben, dass er sich in seinem Freund so getäuscht hatte. Er hatte in den letzten Jahren häufig gegrübelt und versucht, eine Erklärung für das alles zu finden.
Harry sah ihn mit großen Augen an. „Aber wieso nur? Er war doch euer Freund, oder?" fragte Harry etwas verwirrt.
Remus seufzte. Dass er seine besten Freunde, Harrys Eltern an Voldemort ausgeliefert hatte, wollte er dem Jungen nicht sagen. Noch nicht, jedenfalls.
„Das weiß niemand, Harry," antwortete er und strich dem Jungen, der vor einem großen Becher Carameleis saß, über die wirren Haare.
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„Geh in dein Zimmer, ich komme gleich zu dir," sagte Snape knapp, kaum waren sie aus dem Kamin getreten.
Laura war froh darüber, dass sie sich verziehen konnte, auch wenn sie ein mulmiges Gefühl im Magen hatte. Sie zog die Schuhe aus und ging wortlos hinauf.
Snape stand unten an der Treppe und sah ihr nach. Er strich sich über das Gesicht, ging ins Wohnzimmer und setzte sich aufs Sofa.
Laura war sehr still gewesen.
Aus Angst vor den Konsequenzen, oder schämte sie sich? Er wusste es nicht. Er wusste nur, dass er sich nicht sicher war, wie er reagieren sollte.
Wieso sah sie einfach darüber hinweg, dass er den Kontakt im Moment noch nicht wollte zu seinem Vater. Er wollte auch nicht, dass sie ihm alleine begegnete. Er konnte ihn einfach nicht einschätzen, denn er kannte den Mann kaum.
Er brauchte Zeit.
Aber es schien seinem Vater doch ein grosses Bedürfnis zu sein, den Kontakt zu ihm und Laura aufzubauen. Sonst würde er wohl kaum Tagelang vor dem Tropfenden Kessel rumlungern.
Aber er, Severus, war es , der entschied, wann und ob sie sich mit Tobias treffen würden! Laura musste lernen, ihm darin zu vertrauen und eine Entscheidung zu akzeptieren. Egal , ob es auch ihren Wünschen entsprach. In der Welt ging nicht alles immer so, wie sie es wollte.
Das er eigentlich ziemlich neugierig war, was der ältere Snape mit seinem Kind gesprochen hatte, gestand er sich nicht ein.
Aber Laura sollte nicht einfach davon laufen, ohne dass er wusste, wo sie war. Das war etwas, was sie unbedingt lernen musste.
Die grosse Sorge, die er in solchen Momenten empfand, waren ein nicht gekanntes Gefühl für den Mann und er hasste es, nicht zu wissen, ob ihr etwas zugestossen war.
Severus fuhr sich mit Daumen und Zeigefinger über den Nasenrücken. Er hatte Laura , erst vor kurzem fürs Weglaufen bestraft. Hatte seine Strafe keine Wirkung gezeigt, oder wieso war sie heute schon wieder alleine unterwegs, an einem Ort, wo sie nichts zu suchen hatte?
Er hatte ihr doch erklärt, wie sehr er sich um sie sorgte , wenn sie einfach spurlos verschwand. Sie war ja kein Kleinkind mehr, welches das nicht verstand.
Er seufzte . Er dachte an das Gespräch, welches er mit Poppy geführt hatte. Wahrscheinlich hatte sie recht und Kinder machten einfach immer wieder die selben Fehler. Sie hatte auch gesagt, dass Laura sich bewusst sein müsse und lernen müsse, dass ihr Handeln Folgen hatte. Und dass sich das nicht ändern würde. Dass es Regeln gab, an die sie sich halten musste, die immer gleich blieben. Das ihr das auch eine Sicherheit und einen Halt im Leben geben würde.
Wie viele Male würde sie wohl noch ihrer Impulsivität nachgeben , anstatt zuerst zu überlegen? Und wie viele Male würde er sie dafür bestrafen müssen? Und wieso konnte, verdammt nochmal Remus nicht hier sein, wenn man ihn brauchte? Egal, er würde wohl am Abend dann mit ihm reden.
In dem Moment staunte Severus über sich selbst. Früher hatte er nie jemanden gebraucht, zum Reden. Aber er musste zugeben, dass es manchmal nicht schlecht war, wenn man sich die Meinung eines Freundes einholen konnte.
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Laura lag auf ihrem Bett und heulte wie ein Schlosshund. Tiefe Schluchzer wurden von ihrem Kissen gedämpft, in das sie hinein weinte.
Es tat einfach gut, es raus zu lassen. Einerseits war sie froh, mit ihrem Grossvater gesprochen zu haben. Andererseits wusste sie auch genau, dass ihr Vater sich sehr gesorgt hatte. Und auch, dass sie ihm nicht gehorcht hatte. Sie wusste, dass es seine Entscheidung war und dass nur er wusste, warum er so viel Aerger auf den Mann hatte.
Sie war so frustriert, dass Snape sie so abweisend behandelt hatte, in der Winkelgasse. Das war viel schlimmer gewesen, als wenn er ihr ein paar auf den Hintern gegeben hätte und danach wieder normal gewesen wäre.
Es war ein viel elenderer Schmerz, der sich in ihrer Brust ausgebreitet und sie beelendet hatte. Als wenn ein ganz schwerer ,heisser Stein in ihrem Bauch liegen würde.
Als sie sich etwas beruhigt hatte, wünschte sie sich, sich bei ihrem Vater zu entschuldigen. Sie wollte nichts mehr, als dass er wieder lieb war zu ihr. Dass sein abweisender Blick verschwand und alles wieder gut war.
Sie wünschte sich so, dass Snape sich mit Snape Senior aussprechen könnte und dann alles gut würde zwischen den Beiden. Sie wusste aber, dass das nicht so einfach war, und dass sich die Vergangenheit nicht mit einer kleinen Aussprache einränken liesse. Ja, sie würde es ihrem Dad überlassen müssen, wann er dazu bereit war, seinem Vater eine Chance zu geben. Sie hoffte nur, dass dieser Tag überhaupt kommen würde. Ihr Vater konnte ziemlich stur sein. Aber nun verstand sie auch seine Gefühle besser. Es erstaunte sie, dass ihr Grossvater alles so offen zugegeben hatte. Und sie fühlte sich geehrt, dass er mit ihr gesprochen als wäre sie schon älter. Wie musste sich ihr Vater gefühlt haben? Es musste schrecklich sein, wenn man merkt, dass der eigene Vater einem so weh tun will. Für sie war schon schlimm gewesen, dass ihr Dad ihre Hand weggeschoben hatte. Wenn man aber so viel Abneigung bekam, dann musste das furchtbar sein!
In dem Moment spürte sie, dass sich jemand auf ihr Bett setzte. Sie konnte sich nicht dazu bringen, zu ihrem Dad auf zu sehen, auch wenn es ihr Wunsch war.
Sie schluckte und schniefte , ihr Gesicht tief im Kissen vergraben.
„Sieh mich bitte an, Laura," kam die Stimme ihres Vaters. Er tönte nicht mehr so ärgerlich und abweisend, etwas streng zwar, aber ruhig.
Sie wollte sich wirklich umdrehen, aber sich schämte sich. Sie schüttelte den Kopf.
Snape drehte sie zu sich um und Laura hielt sich schnell die Hände vor das Gesicht.
„Es tut mir Leid, Dad. Ich weiss, dass du ganz böse bist auf mich . Er hat mir so Leid getan, wie er da auf der Strasse rumgelaufen ist. „ Sie schluchzte wieder und die Tränen liefen ihr unter den Händen hervor.
„Laura. Es ist gut, dass du so für andere Leute fühlst. Aber ich habe dir ganz klar gesagt, dass ich den Kontakt noch nicht wünsche. Und das musst du so akzeptieren." Er sah sie an und sie nickte, die Hände immer noch über dem Gesicht. "Ich habe dir seinen Brief gegeben, das heisst aber nicht, dass ich auch möchte, dass du dich mit ihm triffst. Schon gar nicht heimlich."
Er griff nach ihren Händen und schob sie ihr vom Gesicht weg. Ihre Augen waren rot und Tränen liefen ihr die nassen Wangen hinunter.
„Ich weiss ,Dad. Jetzt weiss ich es," fügte sie leise hinzu und sah ihn an.
Sie setzte sich auf und sass im Schneidersitz auf ihrem Bett, während sie sich die Tränen weg wischte mit einem tiefen Schluckzer. Snape reichte ihr ein Taschentuch.
„Laura, es kann nicht sein, dass du über meine Entscheidung hinweg siehst , mich anlügst und dich aus dem Staub machst, alleine. Vor allem nicht in der Winkelgasse ." Er sah sie streng an und wieder nickte sie. „Ich nehme an du weisst, dass du dafür bestraft wirst, oder?"
Laura nickte zögernd und sagte leise:" Ja, Dad. Aber bitte sieh mich nicht mehr so an, als hättest du mich nicht mehr lieb."
Snapes Augen verengten sich. Hatte er das getan? Das war ihm nicht bewusst gewesen. Oder dramatisierte Laura nur, um vom eigentlichen Thema abzulenken?
„Du wolltest mir nicht mehr die Hand geben," fügte sie leise mit erstickter Stimme hinzu.
Ja, er hatte ihre Hand weggeschoben, als sie ihn mit dieser Geste hatte zu beschlichtigen versucht. Er hatte das nicht bewusst gemacht, aber sie schien auf solche kleinen Gesten sehr sensibel zu sein.
Ja, sie war sehr niedergeschlagen und zerknirscht gewesen, die ganze Zeit. Aber er war so ärgerlich gewesen , dass er dem nicht viel Beachtung geschenkt hatte.
Er nickte und sah sie direkt an. „Du hast mich ziemlich verärgert, Laura und ich habe mich sehr gesorgt," sagte er und sie senkte schuldbewusst ihren Blick. „Aber das ändert nichts an meinen Gefühlen zu dir."
In solchen Sachen war er einfach nicht sehr gut. Es konnte nicht mit Liebeserklärungen um sich werfen, aber er gab sich doch sehr Mühe, dass Laura wusste, dass sie immer geliebt wurde. Auch wenn sie unartig war.
„Zu deiner Strafe," sagte er und sah sie streng an. Sie blinzelte zu ihm auf und hoffte, dass sie nicht zu schlimm sein würde.
„Ich denke, eine weitere Woche Süssigkeitenverbot wäre sicher angebracht." Ihr Herz sank ein Stockwerk tiefer und sie lies den Kopf hängen. Oh nein! Dachte sie und nahm in Gedanken zurück, was sie vorhin in der Winkelgasse gedacht hatte, von wegen lebenslänglichem Süssigkeitenverbot. Nochmals eine Woche! Wie sollte sie das blos aushalten?
Snape beugte sich leicht zu ihr hinunter und fixierte sie streng.
„Es ist nicht das erste Mal, dass du dich davon gemacht hast und ich mich Sorgen musste, das weisst du!"
bevor sie protestieren konnte, packte er sie und zog sie über seine Schoss, wo er einen Klaps auf ihrem Hintern landete. „Ich hoffe, das war das letzte Mal, dass du einfach davon läufst," sagte er streng während er nochmals zwei kräftige Klapse verabreichte.
Dann schob er sie zurück aufs Bett und Laura biss sich auf die Unterlippe, um die Tränen zurück zu halten. Sie blinzelte und hielt den Kopf gesenkt. Sie schwor sich im Stillen, sich nie mehr von ihm zu entfernen, ohne dass er davon wusste.
„Da ich dich scheinbar keinen Moment aus den Augen lassen kann, denke ich, du solltest die nächsten zwei Tage, bis du zu den Weasleys gehst, immer in meiner Nähe bleiben und mich bei allem Unterstützen , was ich tue. Es gibt noch einiges zu tun, im Gewächshaus und das Labor sollte auch wiedermal geputzt und aufgeräumt werden."
Laura nickte nur und putzte sich eine Träne vom Gesicht, die ihr runter lief.
Er sass da und sah eine Weile auf sein Kind hinunter.
„Tut mir Leid, dass du dich sorgen musstest," sagte sie plötzlich ziemlich leise. Er hörte, wie sie schluckte. Sie fühlte sich irgendwie erleichtert und entspannte sich ein wenig.
Er atmete tief aus und begann dann leise zu reden.
„Mein Vater hat uns sehr weh getan, damals. Meiner Mutter und mir. Ich spreche nicht nur von körperlichen Schmerzen. Er hat uns in Angst leben lassen. Und er hat alles Geld verbraucht, mit seiner Alkoholsucht."
Snape merkte, wie Laura aufmerksam zuhörte , während sie an der Bettdecke rumzupfte.
„Meine Mutter musste selber Geld verdienen gehen, damit wir etwas zu Essen hatten. Als ich elf war, ging er fort. Das war eine grosse Erleichterung für uns. Aber meine Mutter hatte es nicht einfach und ihre Lebensfreude kehrte nicht zurück. „
Er sprach leise und Laura rutschte näher zu ihm. Sie nahm seinen Arm und legte ihn um sich. Sie hielt seine Hand fest ,gegen ihren Bauch gedrückt.
„Ich ging dann nach Hogwarts und als ich mit achtzehn fertig war, starb sie. Ich denke , sie hat sich aufgegeben.„
Er konnte sich gut an die Ohnmacht erinnern, die er damals gefühlt hatte und die ihn nicht hatte schlafen lassen. Er konnte sich erinnern, wie er wie ein Irrer nächtelang Zaubertränke gebraut hatte. Die Trauer über den Verlust seiner Mutter und die Schuldgefühle, dass er ihr scheinbar nicht genügt hatte als Lebensinhalt, hatten ihn beinahe um den Verstand gebracht.
Heute wusste er, dass es nicht seine Schuld gewesen war. Dass er nicht für das Leben seiner Mutter verantwortlich gewesen war, aber damals hatte er das nicht gesehen.
Laura sah auf und ihre Augen musterten Snape interessiert.
„Hast du dann nichts mehr von deinem Vater gehört?" fragte sie mitfühlend. Snape schüttelte leicht den Kopf.
„Nicht einmal zur Beerdigung meiner Mutter ist er erschienen."
„Oh," sagte Laura traurig.
Die Beiden sassen da und sagten eine Weile nichts.
„Aber vielleicht bereut er ja jetzt trotzdem alles. Vielleicht war er ja noch lange Alkoholkrank. Er hat mir gesagt, dass er alles versuchen wird, damit du wieder mit ihm sprichst und ihm eine Chance gibst." Laura hielt ihre Wange an Snapes Brust und dieser griff mit der anderen Hand an ihren Kopf und drückte ihn leicht an sich. Laura genoss diese Geste.
„Hmmm," sagte er nur. Er hoffte insgeheim , dass sie noch etwas mehr raus rücken würde, aber sie schien in Gedanken versunken. Er spürte, wie sie sich in seinen Armen entspannte. Er genoss es, sein Kind zu halten und schloss einen Moment die Augen.
„Geh und wasch dir dein Gesicht, Laura, " sagte er nach einer weiteren Minute.
Sie verlies diese Position nur ungerne, stand aber trotzdem auf und wusch ihr Gesicht, das immer noch Tränenspuren hatte. Auch durch die Haare fuhr sie sich mit den nassen Händen. Als sie in ihr Zimmer zurück kam , sass zu ihrer Verwunderung Snape immer noch auf ihrem Bett. Sie ging zu ihm und blieb vor ihm stehen.
„Es tut mir Leid, Dad," sagte sie leise. Er sah sie an und nickte leicht. „Ich hoffe, du hast etwas daraus gelernt, denn ich möchte dich nicht noch einmal für dasselbe bestrafen müssen," sagte er und Laura nickte.
Sie setzte sich auf seine Beine und fragte plötzlich: „ Gibt es eigentlich für fast alles einen Zaubertrank, zum Beispiel auch einen der die Brüste zum wachsen bringt?"
Erstaunt sah Severus zu Laura hinunter und blinzelte, als er das erwartungsvollen Glitzern in Lauras Augen sah. Wie sie nun wieder auf dieses Thema kam wusste er auch nicht.
Er zog seine Augenbrauen zusammen. Wieso seine Tochter jetzt auf der Stelle Brüste wollte, war ihm ein Rätsel.
„Wieso hast du es denn so eilig?" fragte er. Laura überlegte einen kleinen Moment, bevor sie antwortete.
„ Alle sagen immer 'Kleine' zu mir und ich bin doch auch schon fast zwölf. Die meinen doch voll, ich sein noch ein Baby. Emmas Brüste haben schon ein bisschen angefangen zu wachsen. Und Hermine hat auch schon." Naja, wenn man ganz genau hinsah jedenfalls, dachte Laura.
Daher wehte also der Wind, dachte Severus und unterdrückte ein Lächeln. Denn das schien schon ein ernstes Thema zu sein für Laura und dass sie ihn solche Dinge fragte, schmeichelte ihm gleichermassen, wie es ihn stresste. Er räusperte sich und überlegte einen Augenblick bevor er antwortete.
„Nein,Laura. Für solche Dinge gibt es keinen Zaubertrank. Da hilft nur eines, Geduld. Du bist ein gutes Stück gewachsen, seit ich dich kenne und ich bin sicher, dein Körper wird sich entwickeln, sobald es an der Zeit ist. Miss Granger ist , soviel ich weiss, beinahe ein Jahr älter als du, oder? Und es ist mir nicht aufgefallen, dass sie einen riesigen Busen mit sich rum trägt."
Daraufhin musste Laura richtig lachen. Schon nur die Vorstellung, Hermine stolziere wie eine grossbusige Diva rum, war zu lustig. Und das aus dem Mund ihres Vaters zu hören, war wirklich urkomisch und auch ein halbes Wunder!
Sie musste so lachen, dass es sie krümmte . Sie sah erstaunt auf, als sie sogar ein Lachen von ihrem Vater hörte. Ihr Grinsen verbreiterte sich , als sie dieses seltene Bild genoss.
Auch ihm schien diese Vorstellung ein bisschen zu schräg.
TBC...
