Harry und Remus kamen erst gegen Abend zurück und Harry schien sehr glücklich. Als er aber Laura auf dem Sofa sitzen sah, nahm sein Gesicht einen besorgten Ausdruck an.

Er gesellte sich zu ihr und Remus sprach ein paar Worte mit Snape.

Laura lächelte ihn an. „Diese Brille sieht wirklich viel cooler aus als die alte" sagte sie. Harry lächelte erfreut.

„War dein Dad sehr sauer?" fragte er und schielte zu Snape.

Laura machte ein zerknirschtes Gesicht. „Ja, kann man so sagen. Aber ich erzähle dir das nachher," flüsterte sie. „Schade, dass ihr morgen geht," fügte sie hinzu.

„Ja," antwortete Harry. „Ich hätte nie gedacht, dass eine Woche mit Snape so toll werden würde. Ich freue mich aber aufs Zelten, hab ich noch nie gemacht. Das waren bis jetzt die absolut schönsten Ferien und nun weiß ich auch, wieso sich immer alle so darauf freuen." Harry hatte sich auf diese Sommerferien auch gefreut, aber er hatte sich gesorgt, dass es nicht so angenehm werden würde, mit Snape unter einem Dach zu wohnen. Snape, der ihn nie gemocht hatte. Aber er hatte auch gedacht, dass es wohl kaum schlimmer werden würde, als mit den Dursleys. Nun schien der strenge Professor nicht mehr so abgeneigt zu sein und Harry hoffte, dass sich das dann in der Schule nicht mehr ändern würde.

Laura musste lächeln, als sie den Glanz in Harry Augen sah.

Severus unterhielt sich mit Remus, als die Kinder sich in Lauras Zimmer zurück gezogen hatten, um etwas zu spielen.

„Laura hat sich bei mir auch schon einmal davon gemacht. Ich denke schon, dass sie klare Regeln braucht, Severus," sagte Remus und fühlte sich ziemlich geehrt, dass Snape mit ihm über sein Kind sprach. Remus wusste, dass Snape nicht gerade zimperlich war mit Laura, aber sie hatte schon ein Talent, sich in Schwierigkeiten zu bringen, das musste er zugeben. Das Mädchen schien sich aber sehr wohl zu fühlen unter Snapes Fittichen. Sie machte jedenfalls keinen verängstigten, scheuen Eindruck, eher im Gegenteil.

Remus lächelte leicht, als er daran dachte, wie Laura ihren ernsten Vater verändert hatte. Wie sie ihm vollkommen zu vertrauen schien und ihn abgöttisch liebte. Das war nicht zu übersehen. Severus machte einen erstaunlich guten Job mit seiner Tochter. Viel besser jedenfalls, als er es je für möglich gehalten hätte. Und das Mädchen tat ihm gut. Sie kitzelte seine Gefühle hervor, die er nun auch nicht mehr so verbissen zu verstecken versuchte. Er war irgendwie... ja, irgendwie lockerer geworden.

„Leider habe ich selber auch kaum Erfahrung mit Kindern," fügte der dunkelblonde Mann hinzu.

Severus sagte nicht mehr viel dazu, fühlte sich aber tatsächlich etwas besser nach diesem Gespräch. Ja, manchmal war es eben doch nicht so schlecht, wenn man jemanden zum Reden hatte. Und bei Remus wusste er genau, dass alles Gesprochene unter ihnen bleiben würde.

Und er war wirklich froh, dass Remus sich um Harry kümmerte, denn er fand es unmöglich, dass der Junge schon jahrelang mit einer unpassenden Brille hatte herum laufen müssen. Das war ganz klar nicht das Einzige, was bei dem Kind vernachlässigt worden war in den letzten Jahren, das wusste Severus jetzt. Remus würde in den nächsten Jahren Gelegenheit bekommen, Erfahrungen mit dem Kind zu sammeln und er freute sich für den Mann, der kein einfaches Leben führte.

S s s s s s s s s s s s s s s s s s s s

Endlich wieder alleine! Dachte Snape und streckte sich, als Harry und Remus gegangen waren. Allerdings war es nicht wirklich anstrengend gewesen, zu seiner großen Verwunderung.

Ja, Remus war ein angenehmer, stiller Kamerad, dessen Gegenwart sogar er, Severus, ziemlich gut erduldete, was ja schon etwas hieß. Aber von ihm hatte er nichts anderes erwartet. Dass Harry so gut zu ertragen gewesen war, hatte ihn eher erstaunt, und dass die Kinder zusammen nicht mehr Unsinn angestellt hatten. Seltsamerweise fühlte er sich gar nicht mehr so unwohl, wenn Leben in seinem Haus war. Es hatte durchaus auch Vorteile, wenn man nicht alleine war.

Er hatte Remus auch gesagt, dass er noch ein paar Tage hier verbringen könne, mit dem Jungen, wenn sie die Nase voll hatten vom Campieren.

Remus war dafür sehr dankbar. Snape hatte ihm Milly mitgegeben, die die Beiden etwas unterstützen sollte.

Laura würde übermorgen zu den Weasleys gehen für ein paar Tage und da würde sie die Elfe ja nicht vermissen.

Allerdings hatte es eine dramatische Abschiedsszene gegeben und Tränen, als Milly Laura mitgeteilt hatte, dass sie nun eine oder zwei Wochen weg sei.

Snape musste ein paar Machtworte sprechen, damit Laura die Hauselfe los ließ und Harry hatte ihr versprochen, Milly zu unterhalten.

Milly mochte den angenehmen Remus Lupin sehr gerne und auch Harry war ein lieber Junge, aber auch ihr fiel der Abschied von ihrer geliebten Laura schwer, vor allem, weil das Kind sie so umarmte und weinte.

Auch Remus und Harry hatte Laura nicht gerne gehen lassen und hatte den Abschied ziemlich hinaus gezogen.

Nun saß Snape auf dem Sofa und las in seinem Journal einen Beitrag über natürliche Gifte und ihre Wirkung.

Laura saß an ihrem Schreibtisch in ihrem Zimmer und malte, da es nicht so heißes Wetter zum Baden war. Sie sah sich das Bild zufrieden an. Vor allem die Flügel waren ihr wirklich gut gelungen, fand sie. Nun würde sie es ihrem Vater zeigen gehen.

Sie freute sich auf die zwei Tage alleine mit ihm, trotz ihrer Strafe. Sie freute sich auch, danach Ron und die Zwillinge zu besuchen. Auf die kleine Schwester von Ron war sie gespannt.

Aber sie hatte aber auch ein bisschen Angst, dass sie Heimweh haben würde. Komisch, sowas hatte sie früher nie gekannt.

Sie würde sich zusammen nehmen!

Laura nahm ihre Zeichnung und düste die Treppe hinunter. Ihr Dad saß auf dem Sofa - und schlief.

Das war eine echte Seltenheit, dass er mitten am Tag schlief. Seine Zeitschrift hatte er auf dem Schoß, aber immer noch in den Fingern. Sie trat leise vor ihn und sah ihn an.

Ähnelte sie ihrem Vater? Wenigstens ein bisschen? Sie sah skeptisch auf ihn hinunter und musterte ihn genau. Sie konnte nicht wirklich viel Ähnliches entdecken. Vielleicht, als er ein Kind gewesen war. Sie strich sich über die Nase. Ihre Augen wanderten zu seinem Haar.

Ihre weichen Locken hatten die genau gleiche Farbe wie seine glatten Haare . Auch die Augen waren sehr ähnlich. Aber ihre Gesichtszüge ähnelten ihm wohl nicht. Aber ihrer Mutter glich sie auch nicht wirklich, fand sie. Ihre Mutter hatte eine kleine Stupsnase gehabt und einen üppigen Schmollmund. Sie hatte blaue Augen gehabt, an die sich Laura sehr gut erinnern konnte.

Nein, ihrer Mutter ähnelte sie nicht. Sie musterte ihren schlafenden Vater und versuchte noch eine Aehnlichkeit zu ihm zu entdecken. So schmale Lippen wie er hatte sie aber auch nicht. Wahrscheinlich war sie eine Mischung zwischen ihren Eltern.

Sie stellte sich ihre Mum und ihren Dad als Paar vor, was schwierig war für sie. Sie konnte sich ihren Vater nicht mit einer Frau im Arm vorstellen, absolut nicht!

Sie kniete sich vorsichtig aufs Sofa und staunte, dass er nicht erwachte. Er schien nicht mehr so schreckhaft zu sein, wie vor einem Jahr. Damals war es echt schwierig gewesen, sich an ihn anzuschleichen, ohne dass er sofort hochfuhr.

Sein Kopf war leicht nach hinten gelehnt und ruhte auf der Rückenlehne. Er hatte gestern beinahe die ganze Nacht gebraut, wie er am Morgen Lupin erzählt hatte.

Laura pflanzte einen Kuss zwischen seine Oberlippe und Nase. Er öffnete augenblicklich die Augen und sah Laura an.

Sie lächelte. „Sie mal Dad, gefällt dir das Pegasus-Einhorn?" Sie hielt ihm das Papier so nahe vor die Nase, dass er nicht wirklich viel erkennen konnte.

„Ich bin nicht kurzsichtig," sagte er trocken und hielt das Bild etwas weiter von seinem Gesicht weg, um es begutachten zu können.

Es war wirklich ziemlich gut gelungen, wie er zugeben musste.

"Schön," sagte er knapp, aber Laura strahlte.

„Dad, was, wenn ich plötzlich Heimweh habe, wenn ich bei den Wealeys bin?" fragte sie plötzlich etwas besorgt. Snape sah sie mit seinen kohlrabenschwarzen Augen ernst an.

„Du bist fast zwölf, Laura." Diese Aussage brachte Laura schon wieder auf ein anderes Thema. Ihr Gesicht hellte sich schlagartig wieder auf.

„Ja, ich hab ja bald Geburtstag," strahlte sie. „Darf ich dann jemanden einladen?"

Dieses Thema schien Snape nicht so gut zu gefallen, denn er hob skeptisch eine Augenbraue.

„Mal sehen," sagte er knapp.

„Wann hast du eigentlich Geburtstag, Dad?" fragte Laura, der erst jetzt bewusst wurde, dass sie nicht mal wusste, wann ihr Vater Geburtstag hatte. Snape war einfach nicht der Geburtstagstyp. Sie stellte ihn sich vor, wie er mit einer Geburtstagskrone auf dem Kopf vor einem bunten Geburtstagskuchen sitzt und Kerzen auspustet. Wie er mit verbundenen Augen am Boden rum krabbelt und Topfschlagen spielt. Sie musste ein wenig grinsen.

„Am 9. Januar," sagte er beiläufig und blätterte in seinem Journal.

„Was?" rief Laura erschrocken. Sie hielt sich die Hand vor den Mund. Sein Geburtstag war vorbei und sie hatte ihm nicht mal gratuliert. Seine eigene Tochter vergisst einfach seinen Geburtstag. Sie schämte sich fürchterlich. Sie biss sich auf die Unterlippe und sah ihn entschuldigend und mitfühlend an.

Snape wusste nicht, was in das Kind gefahren war. Was war mit dem 9. Januar nicht in Ordnung? Der war doch so gut, wie jeder andere Tag im Jahr!

Sie warf sich Snape um den Hals und drückte ihn an sich. Er war verblüfft über diese Reaktion und legte das Journal neben sich, damit es nicht zerknittert wurde.

„Es tut mir so Leid, Dad. Ich hab es nicht gewusst, es tut mir so Leid," sagte sie in seine Halsbeuge hinein.

Hatte er etwas verpasst? Fragte sich Snape ernsthaft.

„Was? Was tut dir Leid, Laura?" Er wollte sie von sich weg ziehen.

„Dass ich deinen Geburtstag vergessen habe," sagte sie kleinlaut. „Ich habe gar nicht daran gedacht, zu fragen, wann dein Geburtstag ist. Aber wir feiern ihn nach, ich verspreche es!" beteuerte sie ihm und sah ihn ernst an, dass er beinahe lächeln musste.

„Laura, ich bin kein Kleinkind, dass ein Geburtstagsfest braucht. Und es stört mich nicht im geringsten, dass du das vergessen hast." Er sprach etwas ungeduldig.

Dachte das Kind, er wolle einen Geburtstagskuchen mit Kerzchen drauf?

„Ich habe noch einen Trank vorzubereiten, wenn du willst, kannst du mir helfen," sagte er und wechselte damit selber das Thema.

Laura nickte und lächelte. „Dad? Bei den Weasleys spielen wir bestimmt Quidditch. Ich habe ja keinen eigenen Besen, darf ich den Alten mitnehmen?" Sie gab ihm ihren treuherzigsten Blick.

„Mal sehen," sagte er knapp.

„Wenn ich jetzt zu den Weasleys gehe, gilt dann mein Süßigkeitenverbot nicht mehr?" fragte Laura hoffnungsvoll.

Severus hob nur die Augenbraue und sah sie vielsagend an.

Das Mädchen seufzte: „Wohl eher nicht, schätze ich," schlussfolgerte Laura richtig. Snape lächelte leicht, als er aufstand um seinen Trank zu brauen.

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„Guten Tag, Severus," grüßte Molly Weasley fröhlich, als Snape mit Laura aus ihrem Kamin trat.

Snape grüßte zurück und sah sich im Wohnzimmer um. Die Möbel waren alle zusammengewürfelt und nichts passte zusammen.

„Du bist Laura, stimmts?" fragte sie freundlich ,beugte sich etwas zu dem Mädchen hinunter und gab ihr die Hand.

Molly Weasley war Laura sofort sympatisch und sie konnte sich gar nicht vorstellen, dass sie so streng sein konnte, wie Ron immer erzählte. Der hatte wohl grenzenlos übertrieben!

Laura gefiel das bunte, etwas chaotische Haus sehr. Jedenfalls das, was sie bis jetzt davon sah.

Ein lautes Trampeln, wie von einer ganzen Elefantenherde war zu hören und streitende Stimmen, die Laura sehr wohl bekannt waren.

„Gib den her, du Idiot!" rief Ron irgendwo in einem oberen Stockwerk. Laura ging ein paar Schritte und sah viele verwinkelte Treppen.

„Ron, komm runter, dein Besuch ist da!" rief Molly so laut, dass Laura sie erstaunt ansah.

Molly lächelte und sagte entschuldigend: "Ach, du kennst sie ja, Laura. Immer am Streiten und Necken!"

Laura lächelte und nickte.

„Was kann ich euch bringen, Kaffee, Severus? Laura möchtest du einen Apfelsaft?"

Laura nickte und antwortete: "Ja gerne, Mrs. Weasley."

„Gerne einen schwarzen Kaffee," sagte Snape.

„Macht es euch gemütlich." Molly zeigte auf ein Sofa, in dem Moment kamen die drei jüngsten Weasley-Jungs angerannt und bremsten erst im Wohnzimmer. Ron hatte einen Ball unterm Arm.

„Hey, Laura," sagte Ron. „Guten Tag, Professor Snape," fügte er hinzu. Er hatte sich vorgestellt, dass Snape in den Ferien irgendwie anders war als in der Schule. Nicht so einschüchternd. Aber da schien er sich getäuscht zu haben, dachte der Junge mit einem Seitenblick auf den Professor.

„Komm, ich zeig dir das Haus" rief er und winkte Laura, mit zu kommen. „Schicke Frisur übrigens," sagte er lässig.

„Lass unseren Besuch doch erst mal ankommen, Ron," mischte sich Mrs. Weasley ein und stellte Laura den Apfelsaft hin.

„Nimm ihr doch schon mal die Tasche ab, Ronald," sagte sie und deutete auf Lauras bunte Tasche, die das Mädchen noch in der Hand hatte. Sie hatte sich nicht wirklich Mühe gegeben beim Packen. Sie hatte die Tasche schon bei ihren Verwandten dabei gehabt und nur noch kurz ihren Pyjama hinein gestopft, da immer noch zwei T-Shirts und saubere Unterwäsche drin gewesen waren, die sie gar nicht ausgepackt gehabt hatte.

Laura bedankte sich und setzte sich brav neben ihren Vater auf die Couch und nahm einen Schluck Saft.

Die Zwillinge begrüßten den Professor auch und musterten Laura. „He, aber diesmal sind nicht wir schuld," zwinkerte George ihr zu und deutete auf ihre Haare. Laura wusste natürlich, dass er die Begebenheit ansprach, als sie den Jungen als Versuchskaninchen hatte dienen müssen, und ihr dabei einige Haare abgesengt worden waren. Snape sah sie etwas fragend an, denn er hatte das damals nicht so richtig mitbekommen.

„ Damals hab ich aber ausgesehen, wie von einer Ratte angefressen," lachte Laura. Sie fand, dass ihre Cousine einen guten Job gemacht hatte, bei ihrer Frisur, auch wenn es nicht wirklich geplant war, die Haare so kurz zu schneiden. Laura war es wohl, mit den gestuften kurzen Haaren, die ihr aber manchmal vorne schon wieder in die Augen hingen.

„Wir gehen raus, Mum," rief George oder Fred und die Zwillinge rannten mit dem Ball raus.

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„Schick mir den Ball, Laura," schrie George und streckte seine Arme aus. Er und Ginny waren zusammen in einer Mannschaft und Laura und Ron in der anderen. Fred war im Goal und musste alle Bälle versuchen abzufangen. Quidditch war mit so wenigen Leuten fast nicht möglich, also spielten sie einfach etwas anderes.

Fred hatte natürlich einen frechen Kommentar von sich gegeben, als er Lauras Oldtimer-Besen gesehen hatte, wollte dann aber trotzdem unbedingt damit fliegen. Snape hatte ihn getrimmt, sodass er nun gar nicht schlecht flog.

Snape, Molly und Arthur Weasley saßen im Schatten beim Haus, unterhielten sich und sahen den Kindern beim Fliegen zu.

„Ohww," sagte Arthur mitfühlend, als er sah, wie Fred einen Ball direkt in die Weichteile bekommen hatte.

Der Junge schaffte es mit schmerzverzerrtem Gesicht zu landen. Arthur ging zu ihm, um zu sehen, ob er in Ordnung war. Die anderen Kinder landeten auch.

Als Fred sich, mit Hilfe seines Vaters wieder aufgerappelt hatte, wurde er zum Tisch geführt. Schwitzend beschlossen die Kinder etwas zu trinken. Es war doch ein bisschen zu heiß um sich großartig zu bewegen.

„Tut mir Leid," sagte Laura und klopfte Fred, der sich an den Tisch gesetzt hatte, auf die Schulter. „Ich wollte dir den Ball nicht direkt in die Eier…"

„Laura!" warnte Snape streng.

Laura sah ihren Vater fragend an. „'tschuldigung, Dad, aber der Ball ist wirklich genau… dort gelandet."

„Schon gut, Laura," sagte Molly schnell. „Ist ja scheinbar nichts weiter passiert."

Als sich Snape eine Viertelstunde verabschiedete, merkte er, wie Laura zu kämpfen hatte. Sie nahm sich sehr zusammen, da sie ja vor den Freunden nicht als Baby dastehen wollte.

Er machte es kurz und schmerzlos, denn er wollte vor den Weasleys keine rührende Abschiedszene geben, da ihm ihre neugierigen und erfreuten Blicke sowieso schon auf die Nerven gingen.

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Ginny war ein sehr nettes Mädel und Laura verstand sich sofort super mit ihr. Alle Kinder hatten ein paar Runden mit Lauras Besen fliegen wollen und waren sich einig, dass das ein cooles Teil war.

Nun saßen sie unter einem großen Lindenbaum, George und Ron lagen auf dem Bauch und alle aßen Wassermelone. Es war super schön.

„Hast du deine Hausaufgaben schon erledigt?" fragte Laura Ron. Dieser schüttelte den Kopf. „Nee, noch nicht mal angefangen," sagte er. „Snape hat dich bestimmt jeden Tag dazu verdonnert, stimmts?"

Laura verdrehte die Augen und nickte. „Fast. Aber nun hab ich zum Glück beinahe alles erledigt, auch gut." Sie legte die letzte Schale der Wassermelone in die blaue Schüssel, wo alle anderen abgenagten Schalen lagen.

Fred und George neckten sich und Fred hatte eine Zeitschrift auf dem Schoß, die er durchblätterte. „Das ist doch ne flotte Schnitte," sagte er etwas großspurig und zeigte auf ein hellblondes Mädchen im Heft, das ihre langen, beinahe silbernen Haare nach hinten strich und ihnen lässig zuzwinkerte.

Daran, dass sich die Bilder bewegten, sah Laura eindeutig, dass es ein Zaubermagazin war.

„Das ist bestimmt eine Vela," sagte George.

„Ohhh Ronnilein, die gefällt dir bestimmt," neckte Fred und hielt Ron die Zeitschrift unter die Nase. „Die kannst du dir übers Heiabettchen hängen und ihr jeden Abend Küsschen geben." George sah Laura an und zwinkerte. „Der steht auf Blondinen, vor allem auf Velas," sagte er zu dem schwarzhaarigen Mädchen. Laura wusste nicht, was eine Vela war.

Ron wurde rot und fauchte: "Ja, na und? Du stehst wohl auf Trolldamen, oder?"

Fred und George lachten. "Oh ja, die sind doch so niedlich und graziös! Die können bestimmt gut küssen!" Nun lachten alle Kinder.

„Igitt!" sagte Ginny und verzog das Gesicht. „Die haben bestimmt grässlichen Mundgeruch!"

Laura hielt sich die Hand vor den Mund und kicherte.

„Hast du schon mal einen Jungen geküsst, Kleine?" fragte Fred und sah Laura verschmitzt an. Laura rümpfte die Nase.

Du möchtest sie wohl am liebsten küssen, was?" fragte Ron herausfordernd.

Fred ignorierte ihn, was den jüngeren Knaben ärgerte, und sprach einfach weiter mit Laura. „Sag schon!" drängte er.

„Natürlich nicht, ist doch eklig!" sagte sie und verzog leicht den Mund. Ginny kicherte.

„Ich küsse nur meinen Vater und Milly und manchmal noch Remus," stellte Laura klar.

Nun war es an den Jungen, das Gesicht zu verziehen. George tippte sich an die Stirn und sah Laura ungläubig an.

„Du ekelst dich einen Jungen zu küssen, aber du küsst Snape und eine Hauselfe, du bist doch nicht ganz dicht, oder?" Er schüttelte den Kopf und sah Fred an, der nur die Schultern zuckte. Laura streckte ihm die Zunge raus.

„Frauen sind eigenartige Geschöpfe, auch kleine," sagte er und stöhnte resigniert.

Nun mischte sich Ginny ein. "Tut doch nicht so blöd! Snape ist ihr Vater. Und ihr küsst Mum und sogar manchmal Dad auch noch, jedenfalls, wenn ihr denkt, dass niemand guckt!"

Fred und George lachten. "Kleine Petze!" neckte Fred und knuffte seine kleine Schwester in den Oberarm.

Sie boxte ihm eins aufs Bein und lachte auch.

„Und ihr? Habt ihr schon mal geküsst?" wollte nun auch Laura wissen. "Außer Mummy und Daddy" fügte sie augenzwinkernd hinzu.

„Sie würden gern, aber niemand erklärt sich bereit dazu," neckte Ron frech, worauf er einen Stoß von Fred erhielt, dass er auf dem Rücken im Gras landete. Da er gesessen hatte, war das nicht weiter tragisch und er blieb liegen und blinzelte zu den Lindenblüten hinauf.

Sie hörten aus dem Schuppen ein Motorengeräusch. Ron drehte den Kopf. „Schraubt Dad wieder an der Kiste rum?" fragte er.

Fred nickte. „Ich glaub, sie funktioniert schon ganz gut. Nur das mit dem Unsichtbarkeitsknopf ist noch nicht einwandfrei."

„Was denn?" fragte Laura neugierig. Das tönte ziemlich spannend.

Ron setzte sich auf. „Mein Dad hat ein Auto so umgewandelt und verzaubert, dass es fliegen kann. Und damit das nicht gleich alle Muggel spitzkriegen, hat er einen Unsichtbarkeitsknopf eingebaut, damit man sich unsichtbar machen kann."

„Wie der Name ja schon sagt," ergänzte George Rons Erklärung.

„Cool!" sagte Laura.

„Obercool, wenn du mich fragst," meinte Georg und Fred fügte hinzu: "Müssten wir direkt ein Probefährtchen machen." Er grinnste breit.

„Da bekommt ihr aber ziemlich Ärger mit Mum," warnte die kleine Schwester.

„Sie muss es ja nicht wissen," lächelte Ron verschmitzt.

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Severus kochte sich selber eine Suppe zum Abendessen. Er setzte sich an den Tisch und aß. Er nahm einen Biss von dem dunklen Brot. Ach, war die Ruhe herrlich, dachte er und nahm einen Schluck Rotwein.

Er aß weiter und schob dann den Teller von sich weg. Er hatte gar keinen großen Appetit. Irgendwie ungewohnt war diese Stille ja schon.

Nicht mal Milly war hier, um nach Laura zu fragen. Was das Kind wohl gerade machte? Hoffentlich keinen Unsinn. Wenn sie mit diesen Weasleys zusammen war, kam ihnen bestimmt so einiges in den Sinn. Aber Molly war das ja gewohnt.

Ob Laura Heimweh hatte?

Er stand auf und räumte seinen Teller in die Küche. Er zückte den Zauberstab und beförderte den Teller, gewaschen und abgetrocknet in den Schrank zurück. Es war schon kurz vor 21 Uhr. Er hatte bis jetzt gebraut.

Er ging die Treppe rauf und blieb vor Lauras Zimmer stehen. Er ging hinein und sah zum verlassenen Bett, dann schritt er zum Schreibtisch, wo einige Zeichnungen lagen. Das Pegasus-Einhorn, welches sie vor ein paar Tagen gemalt hatte, hatte nun noch ein Junges bekommen, oder ein Baby, wie Laura sagen würde.

Daneben sah sie eine Zeichnung, die er noch nicht gesehen hatte.

Es waren drei Leute darauf. Sie hielten sich alle an der Hand. Ganz rechts war ein Kind, wahrscheinlich Laura, wie er wegen der dunklen Haare und Augen vermutete. Sie lächelte breit. Genau so, wie der Mensch ganz links. Dieser trug Muggelkleidung. Der in der Mitte, war offenbar er, Severus, dessen Mund ein gerader Strich war und der finster blickte.

Er hob eine Augenbraue und nahm das Bild in die Hand. Alle drei Personen hielten sich an den Händen, auch wenn der Mann in der Mitte nicht begeistert schien. Wieso stand er bloß in der Mitte?

Ein seltsames Gefühlt breitete sich in Snape aus. Ein Undefinierbares, aber es machte ihn irgendwie traurig.

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"Harry hat das wirklich ausgehalten, mit Snape zu wohnen? Der kann Harry doch nicht ausstehen, oder?" Ron rümpfte leicht die Nase, als er mit Ginny und Laura auf der Matratze saß, die sie vorhin hier in Ginnys Zimmer geschleppt hatten.

"Mein Dad ist gar nicht so schlimm, wie du immer meinst. Er kann Harry sehr wohl leiden," verteidigte das Mädchen den Vater. Sie wusste selber, dass Snape sich bis dahin nicht gerade so verhalten hatte, als sei er ein Harry Potter-Freund. Aber sie wusste auch nicht, wieso er anfangs so unfreundlich gewesen war zu ihrem Freund. Natürlich war er auch zu den anderen Schülern nicht freundlich, aber gegen Harry war er immer besonders grob gewesen. Das war ihr nie recht gewesen.

Sie hatte ihrem Vater deswegen immer wieder erzählt, was für ein guter Freund und netter Junge Harry sei und es hatte wirklich ein wenig gewirkt.

Und seit den Ferien schien sein Vater Harry in einem anderen Licht zu sehen. Sie erinnerte sich daran, wie Snape gedankenverloren vor dem schlafenden Jungen gestanden hatte, als Harry krank gewesen war.

Er sah ihn nun auch anders an und schien sich nicht mehr grundlos wegen ihm zu nerven. Das freute Laura natürlich sehr und sie war auch irgendwie erleichtert. Wenn ihr Dad nur noch ein wenig umgänglicher wäre, mit den übrigen Schülern. Aber Snape war nun mal Snape.

"Also ich weiß nicht, ich würde wohl Albträume haben, mit Snape unter einem Dach," lachte Ron und Ginny sah ihn etwas empört an.

"Ron, das ist nicht gerade freundlich," schimpfte sie und gab ihm einen Blick, den Laura stark an Molly erinnerte. Laura lachte und steckte sich ein Gummibärchen in den Mund, welche Ron den Zwillingen gemopst hatte. Es war ein noch verschlossenes Pack gewesen, welches sie bestimmt für ihre Versuche hatten benutzen wollen.

Natürlich hatte Laura den Freunden nichts von ihrem Süßigkeitenverbot gesagt. Sie war überzeugt, dass er Mrs. Weasley informiert hatte, aber die war ja jetzt nicht hier.

Ron kratzte sich an der Wange und Laura erzählte, wie Jimmy Snapes teure Käfer gefressen hatte und dass sie Junge bekommen hatte. Ginny wollte sich gerade eines reservieren, als die Tür aufgerissen wurde.

Fred und George kamen ins Zimmer und sahen mit verschränkten Armen auf die Bettdecke hinunter, auf denen ihre Süßigkeiten lagen.

"So so, also hierher habt ihr euch verirrt," sagte George und Fred fügte hinzu: "Ihr seid aber unartige Gummibärchen, zur Strafe werdet ihr nun gleich gefressen."

Damit stürzten sie sich auf die bunten Bärchen, aber Laura, Ron und Ginny waren schneller und hatten sie sich schon geschnappt.

Nun entstand eine wilde Rangelei, in der die Zwillinge versuchten, die Gummibärchen wieder an sich zu bringen, mit dem Resultat, dass diese am Ende so unappetitlich und zerknautscht aussahen, von den schwitzigen Händen, dass sie sowieso niemand mehr essen wollte.

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Severus wusste nicht, warum er das tat. Er stand vor einem gewöhnlichen Muggelmehrfamilienhaus, in einem ganz normalen Muggelquartier. Ein kleiner Hund bellte in einer Wohnung in der Nähe.

Was machte er hier? Wieso verdammt nochmal wollte er nun mit seinem Vater reden. Der alte Säufer sollte ihn doch einfach in Ruhe lassen. Wieso musste er wieder in seinem Leben auftauchen? Ausgerechnet jetzt!

Er wollte sich umdrehen und davon gehen. In dem Moment sah er in seinem inneren Auge Lauras Zeichnung. Laura hatte nichts mehr über ihren Großvater gesagt, aber er wusste genau, dass sie dieses Thema sehr beschäftigte. Er dachte daran, wie die gemalte Laura lächelte, breit und beinahe bis zu den Ohren.

Er seufzte. Was tat ihm dieses Kind noch alles an? Über wieviele Schatten musste er ihretwegen noch springen?

Er läutete und einen Moment später ging das Licht an. Die Tür öffnete sich und sein Vater stand, mit einem sehr erstaunten Gesichtsausdruck vor ihm.

„Kann ich rein kommen, oder lässt du mich auf der Türschwelle stehen," fragte Snape gereizt.

Das Erstaunen auf dem Gesicht des älteren Mannes machte einer großen Freude platz und er sagte schnell: "Natürlich, komm rein, Severus."

Tobias konnte nicht fassen, dass sein Sohn freiwillig zu ihm gekommen war. Was hatte das zu bedeuten? Er war doch wohl nicht wütend, dass er mit Laura gesprochen hatte?

Er führte seinen erwachsenen Sohn ins Wohnzimmer. Er hatte keine Angst vor dessen Ärger, denn was hatte er schon zu verlieren. Wenn Severus ihn verhexen wollte, sollte er es eben tun. Er wusste, dass er ihm keinen Vorwurf hätte machen können.

„Es freut mich, dass du hier bist, Severus," sagte er leicht unsicher.

Severus setzte sich etwas steif auf das altmodisch aussehende Sofa und sein Vater setzte sich ihm gegenüber. „Möchtest du etwas trinken?" fragte Tobias ruhiger als er sich fühlte.

„Nein, danke. Ich will nur kurz mit dir reden." Severus' Gesicht verriet keinerlei Gefühlsregungen und auch seine Stimme nicht.

„Worüber?" fragte Tobias gespannt und vielleicht doch auch eine Spur ängstlich.

„Über Laura. Und über... uns. Ich weiß, dass du mit Laura gesprochen hast. Und dass du uns aufgelauert bist."

Tobias nickte. „Ich wollte euch unbedingt sehen. Laura hat doch keine Schwierigkeiten bekommen deswegen, oder? Es war ja meine Schuld."

Snapes Augen blitzen für einen kurzen Moment auf. „Laura ist alt genug, für ihr eigenes Handeln gerade zu stehen. Und doch, sie war in Schwierigkeiten dafür."

Tobias nickte leicht, sah aber etwas mitleidig aus. Er wusste nicht, wie Schwierigkeiten mit Snape Junior aussahen, er konnte sich aber vorstellen, dass sein Sohn nicht der mildeste Vater war.

Severus sah sich heimlich um, in der kleinen Wohnung, aber nichts kam ihm bekannt vor, was wahrscheinlich daran lag, dass sein Vater alles im Haus in Spinner's End gelassen hatte, als er auf und davon gegangen war. Der Raum hatte nur wenige Möbel und an den Wänden hingen keine Bilder.

„Laura möchte ihren Großvater gerne kennen lernen. Sie ist nicht vorbelastet, deshalb kann ich ihren Wunsch auch verstehen," sagte er etwas bitter.

Tobias sagte nichts und hörte einfach nur zu, wie Severus weiter redete. Er bemerkte den anklagenden Ton, aber er war froh, dass Severus überhaupt mit ihm redete. Und er war auch froh,dass seine Stimme nicht mehr vor Hass triefte, auch wenn sie kühl und unnahbar klang.

„Ihretwegen und nur ihretwegen bin ich bereit, dir den Kontakt zu ihr zu gewähren, falls du immer noch scharf bist darauf. Du kannst uns besuchen. Ich weiß nicht, ob ich bereit bin, bei diesem Treffen anwesend zu sein, aber ich werde es versuchen. Ansonsten wird meine Hauselfe euch Gesellschaft leisten. Ich hoffe, du verspielst deine Chance nicht." Severus hatte sachlich und kühl gesprochen. Genau so kühl war der Ausdruck in seinen Augen.

Damit stand Severus auf und schritt zur Tür.

„Severus!" sagte Tobias deutlich und Severus blieb stehen.

„Danke!" sagte der Vater, der eigentlich schon lange keiner mehr gewesen war, nur.

Severus drehte sich nicht um, sondern nickte nur kurz und verließ das Haus. Irgendwie fühlte er sich erleichtert. Sehr erleichtert.

Seltsam!

Tobias starrte auf die geschlossene Tür, durch die gerade sein Sohn gegangen war.

Schon seit vielen Jahren war er von seiner Alkoholsucht los gekommen.

Zu spät hatte er realisiert, dass er das Wichtigste in seinem Leben, seine Familie, so kläglich vernachlässigt hatte. Aufgegeben hatte.

Als sein Geschäft noch gut gelaufen war, hatte er kaum Zeit für seine junge Familie gehabt und als dann alles bachab gegangen war, war er dem Alkohol verfallen. Das war eine schlimme Zeit gewesen. Aber die Zeit danach, als er verstanden hatte, dass er alleine da stand und dass er sein einziges Kind verloren hatte und seine Frau gestorben war, war noch viel schlimmer gewesen. Er hatte sich gegrämt und hatte sich gehasst und verabscheut. Er hatte sich so geschämt für sich.

Nun war er zum Entschluss gekommen, dafür zu kämpfen, dass er wieder etwas davon gut machen konnte. Dass er nicht den Rest seines Lebens in Scham und Einsamkeit verbringen würde. Und seit er wusste, dass er sogar ein Enkelkind hatte, konnte er kaum an etwas anderes denken. Das Bild von Laura, wie sie da neben Severus gestanden hatte und still geweint hatte, bei ihrer ersten Begegnung, ging ihm nicht mehr aus dem Kopf.

Er war unglaublich erleichtert, dass Severus auf ihn zu gekommen war. Er hätte es nicht gedacht, so wie er bis jetzt auf ihn reagiert hatte. Vielleicht bestand ja doch noch eine kleine Hoffnung. Er würde sie auf keinen Fall aufgeben, das war sicher! Tobias lächelte, während eine einzige Träne sich ihren Weg über seine Wange suchte.

TBC...

Danke euch allen für die tollen Reviews, haben mich wieder sehr gefreut!

Scientific ida danke fürs schnelle Korrigieren und die tolle Unterstützung :-D Liebe Grüsse Sally