Hallo ihr Lieben :-) Es freut mich ausserordentlich, dass es immer noch Leute gibt, die bis jetzt dran geblieben sind und meine Geschichte immer noch lesen :-D Ohne eure lieben Kommis wäre sie niemals so lange geworden...
Nun hoffe ich, dass ich auch für die letzten paar Kapis noch ein paar Reviews,Kommentare (auch Kritik ;-P oder Anregungen!) bekomme von euch!
Meiner lieben Betaleserin scientific ida möchte ich auch ganz herzlich danken, dass sie so geduldig und fleissig all diese Kapitel korrigiert hat. Vielen vielen Dank Ida, du bist die Beste!
Nun viel Spass bei Kapitel 50! Ganz liebe Grüsse eure Sally
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Keine fünfzehn Minuten später erschien Snape wieder aus dem Kamin und sah den älteren Kollegen ernst an.
„Edward, jemand ist bei mir zu Hause eingedrungen. Es fehlen mir wichtige Dokumente. Und der Einbrecher muss magisch gewesen sein, sonst hätte er diese Schreiben nicht finden können."
Edward sah alarmiert zu dem jüngeren Mann auf. „Mon Dieu!" sagte er nur. „Ob das Prune gewesen ist? Er ist nischt mehr auffindbar, Severus."
„Ich habe selbstverständlich Kopien der Dokumente, aber in den falschen Händen, könnten sie relativ verheerend sein. Nun, sehen wir, was er mit meiner Tochter gemacht hat, vielleicht wissen wir dann mehr." Severus rieb sich über die Augen. Es konnte beinahe nur jemand aus diesem Haus gewesen sein, das war der einzige Zugang im Flohnetzwerk, der offen war. Außer der zu Hogwarts und dort auch nur der aus Dumbledores Büro. Und durch seine Schutzzauber war es beinahe unmöglich in sein Haus einzudringen.
Edward ging in sein Büro, um nachzusehen, ob all seine Aufzeichnungen noch da waren. Aber die meisten ihrer Forschungsergebnisse bewahrte Severus auf, da dieser ja die Tränke auch gebraut hatte.
Snape ging die Treppe hinauf zu Laura ins Zimmer. Das Mädchen strahlte, als sie ihren Vater sah. Sie atmete erleichtert aus und Snape öffnete sofort den Trank. Die hellrosa Flüssigkeit sah aus wie Sirup, schmeckte aber leider nicht wirklich danach, eher nach überreifer Banane. Und Laura mochte Bananen sowieso schon nicht besonders. Laura schluckte tapfer und es schüttelte sie kurz vor Ekel.
Doch kaum hatte sie geschluckt fühlte sie sich, als wenn eine Seifenblase in ihrem Hirn verplatzt wäre. Plötzlich war alles wieder ganz klar.
Es verletzte sie aber noch mehr, als sie nun wusste, was der Kerl mit ihr gemacht hatte. Sie begriff es nicht so recht, wie der Mann es geschafft hatte, ihre Erinnerungen zu sehen. So tief in ihr Innerstes einzudringen. Das hätte nicht passieren dürfen! Sie wollte das nicht, dass er einfach in sie hinein geblickt hatte. Sie wollte diese schlimme Erinnerung abstreifen. Ob es dafür nicht auch einen Zaubertrank gab. Einen, der dieses Erlebnis aus ihrem Gehirn löschen würde, für immer! Und das äußerst unangenehme Gefühl, das es auslöste, auch gleich.
Amélie hielt immer noch Lauras Hand, was diese genoss. Die junge Frau machte kein Theater und war einfach hier für sie, das gefiel Laura. Es beruhigte sie, denn sie war innerlich so aufgewühlt und fühlte sich schmutzig und verletzt. Dieser Prune hatte diesen Schmutz in ihr hinterlassen. Sie biss sich schmerzhaft auf die Innenseite ihrer Wange. Sie schmeckte Blut. Sie sehnte sich nach ihrem Bett, in dem sie sich verkriechen wollte, bis sie vergessen hatte, was geschehen war. Und wenn es hundert Jahre dauern würde.
Alle sahen sie gespannt an und Severus merkte, dass sie am Kämpfen war. Er wollte die anderen Leute eben hinaus schicken, als Laura leise zu reden begann.
„Die andere Hauselfe wollte mir gestern beim auspacken helfen und hat mich gefragt, ob sie deine Tasche rauf tragen soll, Dad," begann Laura zu erzählen. „Ich habe ja gesagt." Sie sah ihren Vater erwartungsvoll an. Hatte sie das Falsche getan? Ihr Vater zeigte aber keinerlei Reaktion, sondern hörte ihr nur zu.
„Welsche andere Elfe, Kind?" fragte Madame Ludwig erstaunt. „War es keine derjenigen, die vor'er 'ier gewesen sind?"
Laura schüttelte den Kopf. „Nein, Ma'am, sie war eine weibliche Elfe und ganz schäbige Lumpen hat sie getragen, nicht wie diese von vorhin."
Madame Ludwig und Amélie tauschten erstaunte Blicke. „Wir 'aben aber keine anderen Elfen, Laura, bist du ganz sischer?" fragte die Dame und sah Laura zweifelnd an.
„Natürlich, Madame. Es war dieselbe Elfe, die dann mit den Fröschen geredet hat." Laura sah nun etwas verlegen zu ihrem Vater. Er würde sich bestimmt fragen, weshalb sie diesen Frosch überhaupt angefasst hatte.
„Erzähl von Mr. Prune, Laura." Snape hatte ruhig gesprochen, aber er war sehr gespannt.
Laura nickte und sah zu ihrer Hand hinunter, die von Amélie gehalten wurde. Sie sah sich die kurzen, aber gepflegten Fingernägel der Frau an und redete dann weiter.
„Als ich meine Sachen ausgeräumt hatte, ging ich aus dem Zimmer. Ich sah den Mann aus deinem Zimmer kommen, Dad. Am Nachmittag hat er mich immer so komische Dinge gefragt und ich habe nicht mit ihm sprechen wollen. Er hat mir Angst gemacht, weil er wie so ein übler Kerl aus einem Film aussieht und so schleichig ist. Nun schien er jedenfalls ganz zornig auf mich und er hat mich grob am Arm gepackt. Das hat mir weh getan und ich hatte Angst, da hab ich ihm in die Ei...ehhm ich meine, da unten rein getreten," erzählte das Mädchen, welches sich im letzten Moment hatte zurück halten können, ein Wort zu sagen, an dem ihr Vater nicht erfreut gewesen wäre. Amélie lachte und erntete einen vielsagenden Blick von ihrer Grossmutter.
"Ich hab ihn, glaub ich, nicht so gut erwischt und da hat er mich geohrfeigt." Sie hielt ihre Hand an die Wange, wo die Ohrfeige gelandet war.
„Er hat sehr hart geschlagen und mir war dann ganz schwindelig. Dann hat er etwas gemacht. Etwas Schlimmes. Ich weiß aber nicht, was. Er hatte plötzlich einen Zauberstab in der Hand und er hat..." Laura schluckte schwer bei der Erinnerung daran. Es war so schlimm gewesen, dass sie es im Moment nicht erzählen wollte. Sie wollte am besten gar nicht daran denken und wenn sie es erzählen musste, wurde es erst so richtig war. Und wie hätte sie sowas beschreiben sollen. Er war in ihr Gedächtnis eingedrungen, und sie hatte sich nicht wehren können. Dieser verdammte Kerl... sie hatte sich einfach nicht wehren können!
Snape legte ihr die Hand auf die Schulter und Madame Ludwig sah entsetzt zu dem Kind. Laura schluchzte. Sie atmete schwer und ihr Herz hämmerte laut in ihrer Brust. Sie hätte schreien können.
„Es ist schon gut, chérie, erzähle es, wenn du bereit bist dasu. Du kannst nischts dafür, was immer er gedan 'at, du kannst über'aupt nischt dafür." Die ältere Dame verlies den Raum, da auch sie sah, dass Laura und ihr Vater nun besser alleine weiterreden würden. Amélie wollte auch aufstehen, aber Laura verstärkte den Griff an ihrer Hand.
Snape sah seine Tochter an, die sich nun die andere Hand vors Gesicht hielt. Er griff nach ihrer Schulter und sah zu, wie sie sich langsam beruhigte. Nach einigen Minuten fragte er sie: „Laura, was war mit der Elfe und den Fröschen?"
Sie sah zu ihm auf. Sie suchte in seinem Gesicht einen Hinweis, ob er verärgert war, aber es war ganz neutral. Hoffentlich würde sie nicht Ärger bekommen, weil sie die Frösche hatte befreien wollen. Seltsamerweise war diese Sorge ihr gerade eine gute Ablenkung von ihren Gedanken an Prune.
„Sie... sie hat mit den Fröschen geredet und gesagt, dass ihre Augen und ihre Haut für Zaubertränke gebraucht würden, dass sie das traurig finde und so. Und da haben sie mir Leid getan... es tut mir wirklich Leid, Dad, dass ich sie habe befreien wollen..." Sie sah ihren Vater schuldbewusst an und schluchzte immer noch.
Er nickte nachdenklich. Diese Elfe hatte scheinbar die Rolle des Lockvogels gehabt.
Severus kam plötzlich in den Sinn, wie er Madame Ludwig erzählt hatte, dass Laura ein großes Herz habe für andere Lebewesen. Gut möglich, dass Prune das gehört hatte und sich das zu Nutze gemacht hatte. So hatte er in der Aufregung problemlos verschwinden können und hatte genügend Zeit gehabt, sich umzuschauen.
Laura griff sich die Hand ihres Vaters. „Dad, ich möchte nach Hause," sagte sie mit etwas erstickter Stimme. Snape wusste, dass er im Moment nicht mehr aus seiner Tochter raus bringen würde. Und über ihr Fehlverhalten würde er dann zu Hause mit ihr sprechen, nun war weder der richtige Augenblick dafür, noch der richtige Ort. Wahrscheinlich war sich das Kind nicht bewusst, dass das alles von Prune geplant gewesen war. Dass dieser mit Absicht Lauras Mitleid für die Frösche erregt hatte.
Und Laura lag etwas anderes auf der Seele. Aber er würde nur erfahren, was Prune mit ihr gemacht hatte, wenn er ihr Zeit ließ. Sie musste es von sich aus erzählen. Leider war Geduld nicht gerade seine Stärke, vor allem in solchen Dingen und er musste sich zusammenreißen, um sie nicht zum Reden zu drängen.
Er nickte. „Wir gehen bald nach Hause, Laura. Ich muss aber vorher noch dringend mit Edward reden. Solange möchte ich von dir, dass du im Bett bleibst und dich ausruhst. Verstanden?" fragte er, als er an die Situation dachte, als er Laura angeordnet hatte im Bett zu bleiben und sie sich stattdessen entschlossen hatte, auf seiner Küchenkombination rum zu turnen.
„Ja, Dad," hauchte sie. „Können wir dann zu Hause zusammen brauen? Bitte!" sagte Laura.
Snape wunderte sich über diese Frage. Aber seltsamerweise beruhigte ihn das Brauen auch immer so gut und das schien auch bei Laura der Fall zu sein. Und wahrscheinlich wollte sie einfach nur etwas 'Normales' tun.
Wenn auch widerwillig würde Laura ihrem Dad gehorchen und im Bett bleiben, denn auch sie erinnerte sich an den Zwischenfall nach der Verbrennung mit Drachenfeuer, als sie sich nicht an seine Anordnung gehalten hatte und es dann ziemlich unangenehm gebüßt hatte.
Snape nickte und gab ihr noch einen mahnenden Blick.
Dann sah er zu Amélie, die nun dem Mädchen einen Kuss auf das die Stirn gab und sie dann sanft nach hinten drückte, sodass sie sich hinlegen musste.
Er stand einen Moment da und verließ dann das Zimmer.
Die letzten beiden Tage gingen Laura durch den Kopf. Sie fühlte solche Abscheu für Prune, der es sich erlaubt hatte, sich in ihr umzusehen. Finstere Gedanken überkamen sie, was sie diesem Mann alles antun könnte dafür. Es überraschte sie selbst, wie viele grausame Dinge ihr einfielen. Sie war froh, dass die junge Frau bei ihr war und einfach nur da saß, bei ihr. Und dass sie ihre schlimmen Gedanken nicht lesen konnte.
Die junge Frau, die immer noch auf ihrem Bettrand saß, summte leise ein Lied und Laura schloss die Augen. Ja, sie würde nur auf das Lied hören, welches Amélie summte, nichts denken, nichts fühlen.
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Es beunruhigte Snape ziemlich, dass seine Dokumente verschwunden waren und er wusste, dass sie nun handeln mussten. Diese Aufzeichnungen konnten auch sehr kontraproduktiven Handlungen dienen. Er hatte in den letzten Jahren mit seinem Kollegen Ludwig vieles herausgefunden über natürliche Gifte und deren Wirkung und Verhalten in verschiedenen Zaubertränken. Zum Teil ziemlich intensiven Wirkungen und er wollte sich nicht ausmalen, zu welchen Zwecken diese missbraucht werden könnten.
Edward sah auch ziemlich besorgt aus. „Dieser schlimme Kerl 'at das bestimmt alles geplant. Scheinbar 'atte er auch eine private Hauselfe, die auch alles möglische 'ätte rausfinden können. Isch möschte wissen, was da'inter steckt. Wieso wollte er diese Aufseischnungen 'aben?"
Snapes Augen verengten sich leicht. „Das könnte vielerlei Gründe haben, Edward. Ich könnte mir vorstellen, dass er zu einer Vereinigung gehört, die irgendwas mit schwarzer Magie zu tun hat. Ich habe über solche Vereinigungen gelesen. Ihre Interesse ist es, sehr gefährliche und nicht nachweisbare Tränke zu entwickeln zu allen möglichen verschiedenen Zwecken, die ich gar nicht erst wissen will."
Edward nickte. "'ab isch auch schon gelesen, ja," sagte er und runzelte die Stirn.
Snape fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. „Ich möchte wissen, was dieser Prune meiner Tochter angetan hat. Bei Gott, ich werde den verdammten Kerl töten, wenn er sie angefasst hat." Snape hatte leise gesprochen, aber Edward hatte die Sorge in seiner Stimme erkannt. Er konnte sich vorstellen, wie der Mann sich nun fühlte, denn er war selber Vater dreier Kinder. Und als Elternteil kam einem immer die schlimmsten Befürchtungen und Szenarien in den Sinn. Er hatte sich allerdings nicht wirklich vorstellen können, dass Snape so für das Mädchen fühlte, wie er für seine eigenen Kinder fühlte. Dieses Gefühl, das nur Eltern für ihre Kinder fühlen können. Aber er hatte heute die Verzweiflung gesehen in dem Mann, als sein Kind in Gefahr gewesen war. Ihm selbst saß der Schreck noch tief.
„Denken Sie nischt das Schlimmste, Severus. Er ist ein schlimmer Bandit, aber das 'eisst nischt, dass er ein Kinderschänder ist. Isch glaube, er wollte einfasch nur Informationen 'aben von Laura. Und scheinbar 'at sie diese nischt rausgerückt. Des'alb 'at er sie geschlagen und was er sonst noch gemacht 'at, weiß isch nischt, aber isch denke sein Interesse galt nur den Unterlagen. 'offe isch jedenfalls," fügte er noch etwas besorgt hinzu.
Snape hoffte, dass der Mann recht hatte und er glaubte auch, dass Prune wirklich nur die Unterlagen und Tränkeformel im Sinn gehabt hatte. Aber trotz diesen logischen Überlegungen schlichen sich solche schlimmen Vorstellungen in seine Gedanken.
Und wieso war Laura denn so verletzt? Er musste ihr sehr weh getan haben, vielleicht um ihr die Informationen, die er haben wollte zu entlocken. Er hätte erkennen müssen, dass Laura deswegen so seltsam gewesen war.
Auch wenn sie die Erinnerung daran nicht mehr gehabt hatte, war die Wunde tief genug gewesen, um sich so unwohl zu fühlen, dass sie den ganzen rechstlichen Tag und sogar in der Nacht bei ihm die Sicherheit gesucht hatte. Sie hatte an seinem Rockzipfel gehangen wie ein eingeschüchtertes Kleinkind. Er hätte dem mehr Beachtung schenken sollen! Aber er hätte niemals gedacht, dass Laura hier etwas zustoßen konnte. Und nachdem sie hier von Anfang an eher zurückhaltend gewesen war, hatte er nichts Schlimmes gedacht.
Nebst seiner Sorge spürte er aber auch etwas Stolz, dass sie bei ihm diese Geborgenheit und Sicherheit gesucht hatte.
„Wir müssen vielleischt das Ministerium informieren, Severus. Wir müssen diese Aufseischnungen finden, bevor damit Schaden angerischtet werden kann." Edward stand auf und schritt im Raum hin und her.
„Nein," sagte Snape bestimmt. „Ich werde mit Albus reden, Edward. Wir können mit dem Phönixorden mehr rausfinden als das Ministerium. Außerdem gefällt mir der Gedanke nicht, dass das Zaubereiministerium etwas weiß und sich einmischt. Die haben ihre Nase schon in zu vielen Angelegenheiten drin, was nicht immer von Nutzen ist."
Edward nickte.
„Es ist deiner Hauselfe zu verdanken, Edward, dass wir Laura so schnell helfen konnten, bei ihrer Vergiftung. Wäre sie nicht so aufmerksam gewesen, hätte das dauerhafte Schäden bedeuten können für meine Tochter. Die Elfe wird dafür belohnt werden," sagte Snape ernst.
Edward war über diese Worte freudig erstaunt und nickte. Schien so, als hatte Laura einen guten Einfluss auf ihren Vater.
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Albus Dumbledore nahm die schlechte Neuigkeit ruhig hin und nickte, während er über die Halbmondbrille schielte.
„Ich verstehe Ihre Sorge, Severus. Natürlich könnten Ihre Dokumente dazu beitragen, dass Tränke zu widrigen Zwecken entworfen werden könnten. Aber auch auf der dunklen Seite hat es leider gute Zaubertrankmeister. Deshalb glaube ich, dass mit oder ohne ihre Forschungsergebnisse solche Tränke produziert werden könnten. Aber Sie haben Recht, wir dürfen das natürlich nicht unterstützen."
Dumbledore stand auf und schritt zum Kamin. „Kommen Sie, mein Junge," lächelte Albus, was Snape die Augen verdrehen ließ. Er hasste es, so betitelt zu werden, aber folgte dem Mann in den Floh.
Als sie in Snapes Haus aus dem Kamin traten, sah der Schulleiter sofort, dass hier ziemlich intensiv gesucht worden war. Dr. Ludwig wartete schon auf Snape und Dumbledore und begrüßte den Schulleiter.
„Der Dieb hat anscheinend versucht, die Dokumente ohne Hilfe der Magie zu finden."
Er sah sich um. Ein seltsames Bild in Snapes Haus, das sonst immer perfekt aufgeräumt war.
„Ja klar," sagte Snape. „Um keine Spuren zu hinterlassen. Scheinbar ist er aber nicht fündig geworden, deshalb hat er doch Magie angewandt, von wegen Squib," sagte Snape.
„Gut so," sagte Dumbledore und zückte seinen Zauberstab. „So werden wir Spuren finden und auch herausfinden, wer er wirklich ist. Auch Magie hinterlässt seine Spuren. Wir sollten es alle zusammen tun, dann ist es effektiver und wir erzielen genauere Resultate. Auf drei?"
Albus schien sehr gelassen, wie immer und die beiden anderen Zauberer hielten auch ihre Zauberstäbe hoch. Es war ein äußerst schwieriger Zauber, bei dem ein Zauberer alleine Mühe gehabt hätte.
Die drei Zauberer sagten einen komplizierten Zauberspruch und es gab orange-gelbe Funken. Buchstaben hingen in der Luft. Sätze waren zu lesen, in denen zwar einige Buchstaben fehlten, aber trotzdem einigermaßen leserlich waren.
„Hugh Smeltens ist das also," sagte Snape nachdenklich. „Dann muss er seine Erscheinung gewechselt haben, oder Vielsafttrank zu sich genommen haben, denn ich habe von dem Kerl gelesen. Der sieht ziemlich anders aus in Wirklichkeit und er gehört wohl eher keiner schwarzmagischen Gesellschaft an, denke ich. Vielmehr ist er ein Scharlaten, der Zaubertränke an leichtgläubige Leute verkauft und der sich danach sehnt, den großen Durchbruch zu machen als Tränkemeister. Leider ist er relativ talentfrei." Snape sah ziemlich angewidert aus, als er sprach.
„Können wir herausfinden, wo er wohnt?" fragte Edward und sah den alten weißhaarigen Zauberer an.
„Wir werden sehen, Edward," antwortete dieser lächelnd. „Ich werde einige Leute des Ordens kontaktieren und versuchen mehr über diesen Mann herauszufinden. Ich werde mich heute Abend mit Ihnen in Verbindung setzten, Severus."
Die Männer bedankten sich bei Albus, der schon im Kamin bereit stand und ihnen lächelnd zunickte. Dann verschwand er, während grüne Flammen ihn umzüngelten.
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Laura war mehr als froh, als sie wieder in ihrem Zuhause war. Snape hatte die Unordnung beseitigt, bevor er seine Tochter nach Hause geholt hatte. Er hatte Laura erklärt, was dieser Verbrecher Smeltens getan hatte und hatte dabei gehofft, dass Laura ihm bei dieser Gelegenheit erzählen würde, was vorgefallen war. Aber das Mädchen hatte nur ruhig zugehört und nichts dazu gesagt.
Laura sah ihren Vater erwartungsvoll an. „Können wir ein wenig brauen?" fragte sie. Sie war sehr ruhig gewesen seit sie wieder hier waren, fand Snape, was für Laura ja eher untypisch war. Er nickte und Laura lächelte zufrieden.
Sie brauten die nächsten zweieinhalb Stunden, was ihr gefiel. Aber Severus merkte bald, dass ihre Gedanken immer wieder abschweiften und wie sie hin und wieder einfach Löcher in die Luft starrte, während der Arbeit.
Sie aßen eine Kleinigkeit zu Mittag und danach ging Laura hinaus in den Garten, wo sie sich vor ihr Bäumchen kniete, an dem irgendwelche kleinen Früchtchen zu wachsen begannen. Ein dicker, fetter, schwarzen Käfer kletterte an dem Bäumchen rum.
Wie schön es doch zu Hause war, dachte Laura.
Immer noch gingen ihr Gedanken an den Mann, den sie so hasste, durch den Kopf. Sie ließ den Finger sanft über den Käfer gleiten, der sich daran nicht zu stören schien. Aber sie hatte nicht mehr das unbändige Verlangen, sich in ihrem Bett zu verkriechen, zum Glück.
Snape sah, wie Laura in Gedanken versunken vor sich hin starrte und das gefiel ihm nicht wirklich. Laura hatte immer noch nicht raus gerückt, was der Mann mit ihr gemacht hatte und er wusste, dass er sie nicht drängen durfte, obwohl seine Ungeduld immer größer wurde und an seinen Nerven nagte wie ein äußerst hungriges Nagetier.
Ein bisschen Ablenkung wäre bestimmt nicht schlecht für Laura, dachte Severus und hatte eine Idee.
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Zwei Stunden später saß Laura immer noch im Garten auf dem Boden und ihr Streifenhörnchen kletterte auf ihr rum. Es war ein geschickter Kletterer und kletterte ausgelassen an dem kleinen Mädchen auf und ab und rundherum. Es hatte schon einige Tricks gelernt.
Das Tierchen hielt plötzlich die kleine Nase in den Wind, schnupperte und rannte einige Meter davon, zu einem großen flachen Stein und begann, daran zu schnüffeln. Mit den Forderpfoten fing es an, an dem Stein zu kratzen. Laura hatte das schon einige Male beobachtet und stand auf, um zu sehen, was wohl so Interessantes an dem Stein war. Sie kniete sich hin und sah dem Streifenhörnchen zu. Sie versuchte, den Stein etwas weg zu rutschen, aber er war zu schwer.
„Hallo Laura," hörte sie plötzlich eine Stimme, die ihr bekannt vorkam, über ihr. Sie drehte sich erstaunt um und sah hinauf in die dunkelbraunen Augen ihres Großvaters. Sie sah sich nervös um, ob ihr Dad in der Nähe war. Wie hatte der Mann hierher gelangen können? dachte sie. Oje, wenn Snape das sehen würde! Sie war einen Moment hin und her gerissen, zwischen Freude und Sorge.
Sie stand schnell auf und lächelte Snape Senior an. Er kauerte sich zu ihr hinunter und sie umarmte ihn glücklich. Sie wusste nicht wieso, aber sie mochte den Mann sehr gerne. Vielleicht auch nur wegen der Tatsache, dass er ihr Großvater war, sie wusste es nicht. Und vielleicht auch, weil sie spürte, dass der Großvater sie auch liebte, obwohl er sie nicht gut kannte.
Als sie ihre Augen wieder öffnete, nachdem sie den Mann fest an sich gedrückt hatte, sah sie ihren Vater beim Haus stehen und sie anschauen. Das war sehr seltsam, denn der Mann sah gar nicht ärgerlich aus.
Ein großes Lächeln breitete sich auf Lauras Gesicht aus und eine wunderbare Erleichterung machte sich in ihr breit. Sie fühlte sich plötzlich so leicht und glücklich, als wären die letzten Tage gar nicht mehr so wichtig.
Sie sah den älteren Mann vor ihr an und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Sie hörte, wie der Großvater schwer schluckte und sich dann aufrichtete. Er war beinahe so groß wie ihr Dad und sie sah glücklich zu ihm auf, während ihre schmale Hand in seine Große glitt. Das war wie ein Wunder, dachte Laura.
Snape musste das erlaubt haben, sonst wäre der Mann keine paar Sekunden hier geduldet gewesen. Woher war wohl der Sinneswandel ihres Vaters gekommen?
Egal, denn nun war es genau so, wie sie es sich so lange gewünscht hatte.
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„Willst du mir die Orte zeigen, wo du spielst?" fragte Tobias seine Enkeltochter und fühlte sich so jung, wie seit Jahren nicht mehr. Ein strahlend helles Licht schien ihn auszufüllen. Laura, die immer noch Tobias' Hand hielt, sah ihren Dad fragend an. Er gab ihr ein kaum erkennbares Nicken und sie zog den Mann an ihrer Hand mit sich zum Bach.
Es schien zu wirken, bemerkte Snape zufrieden, denn er sah durchs Fenster, dass Laura fröhlich plauderte und dem Mann alles zeigen wollte. War vielleicht doch nicht so eine schlechte Entscheidung gewesen, einen Schritt auf seinen Vater zugegangen zu sein. Severus drehte sich um und begann einen Brief an Remus zu schreiben.
Tobias genoss unterdessen das Zusammensein mit seiner Enkelin.
Nun, da er mit ihr an der Hand durch den sonnigen Garten ging, kamen ihm die vergangenen Jahre wie ein dunkler böser Traum vor. Irgendwie unwahr.
Weggeschmissene Jahre ohne Glück.
Hätte er Laura doch nur schon früher kennen gelernt. Wäre er doch schon vor Jahren auf Severus zu gegangen. Vielleicht hätte er dann Laura aufwachsen sehen. Sie war bestimmt ein zuckersüßes Kind gewesen. Natürlich war er sich nicht sicher, ob Severus vor ein paar Jahren auch schon bereit gewesen wäre, ihn an seine Tochter heran zu lassen. Er konnte sich seinen Sohn gar nicht vorstellen mit einem Kleinkind, das passte so gar nicht!
Tobias sah zu Laura hinunter, die ihn ums Haus und durch den Garten führte. Er fragte sich, wielange sich Severus schon alleine um seine Tochter kümmerte. War Lauras Mutter womöglich schon gestorben, als das Mädchen noch ein Baby war?
Irgendwann würde er Laura dann danach fragen, aber nicht heute. Heute würde er mit Laura den Tag genießen. Hier und jetzt. Und er wollte nach vorne schauen, denn es sah so aus, als könnten nun einige schöne Jahre vor ihm liegen. Und vielleicht würde ihm Severus irgendwann mal verzeihen können.
Nach einer guten Stunde kamen Laura und Tobias wieder zum Haus zurück. Laura sah ziemlich glücklich aus.
„Ich geh dann vielleicht besser wieder?" fragte der ältere Mann etwas unsicher. Er wusste nicht, wie lange er hier erwünscht und geduldet war. Er wollte es auf keinen Fall verbocken.
Diese letzte Stunde, die er mit Laura verbracht hatte, war ihm wie eine Minute vorgekommen. Wie konnte es sein, dass ein kleines Mädchen ihn so fröhlich machen konnte. Ihn so aufblühen lassen konnte. Plötzlich waren so viele Ideen in seinem Kopf, was er mit Laura und eventuell sogar mit seinem Sohn noch alles erleben konnte.
Snape sah ihn nicht ganz so unfreundlich an und sagte etwas knapp: „Wir essen gleich etwas kleines zu Abend, wenn du willst, kannst du bleiben."
Snape Senior nahm dankend an, aber hoffte, dass das nicht eine unangenehme Mahlzeit wurde, bei der niemand redete und er selbst wollte seinen Sohn nicht zutexten. Er hätte gar nicht gewusst, was mit ihm reden. Zum Glück übernahm das Reden dann aber Laura und sorgte so dafür, dass nie eine peinliche Stille entstand und das Ganze war dann viel lockerer, als der ältere Mann befürchtet hatte. Auch wenn sein Sohn nicht gerade sehr gesprächig war.
Es war der schönste Tag seit sehr langer Zeit für Tobias Snape. Als er sich verabschiedete, gab ihm Severus sogar die Hand, was Tobias sehr freute, denn das war ein großer Fortschritt. Die große Abneigung war aus den Augen seines Sohnes verschwunden, auch wenn er nicht besonders freundlich war und immer noch ziemlich kühl. Aber er hatte scheinbar doch gewollt, dass er zum Essen bleibt, was ihn ehrlich gesagt beinahe sprachlos gemacht hatte.
Laura umarmte ihn und gab ihm einen Kuss. Er hoffte sehr, dass er sein Enkelkind bald wieder sehen würde. Er drückte sie fest an sich.
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„Danke, Dad," sagte Laura ernst, als sie später am Abend im Bett lag. „Es war ganz schön, heute." Laura lächelte zu ihrem Vater hinauf, der sich auf ihre Bettkante setzte und froh war, dass sie scheinbar nicht mehr am Grübeln war.
Sie war wieder ganz die 'alte' Laura gewesen am Nachmittag. Er musste zugeben, dass das Zusammensein mit seinem Vater gar nicht so schlimm gewesen war. Irgendwie hatte er gemerkt, dass dieser Mann wirklich wie ein Fremder war, für ihn. Beinahe nichts erinnerte Severus an den Vater, der dieser Mann einst gewesen war für ihn. Seltsamerweise machte das alles einfacher.
Laura zog ihren Dad zu sich hinunter und gab ihm einen schmatzenden Kuss. "Weißt du eigentlich, dass du der beste Dad bist, den es gibt?"
Snape zog die Augenbraue hoch und sah sie skeptisch an. „So? Bin ich das?"
Laura nickte. „Meistens jedenfalls. Außer, wenn du so blöde Strafen gibst."
Snapes Mundwinkel zogen sich etwas nach oben. Er hörte ein Geräusch von unten.
„Schlaf jetzt, Laura. Ich muss noch mit Professor Dumbledore reden." Damit stand er auf.
„Dad, ich will noch einen Gutenachtkuss," jammerte sie und streckte die Arme nach ihm aus.
Snape drehte sich um und sah sie etwas ungeduldig an. Er mochte diesen jammernden Ton gar nicht, sah aber ausnahmsweise darüber hinweg. „Du hast mir vor einer Minute einen ziemlich feuchten Kuss verabreicht, Laura," sagte er, ging aber trotzdem zum Bett seines Kindes.
„Ja, der war aber ein Dankeskuss," sagte sie logisch. Snape grummelte etwas, bückte sich und küsste Laura auf die Wange.
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Snape lag in seinem Bett und versuchte sich auf einen Artikel zu konzentrieren, der ihn eigentlich interessierte, aber ständig gingen ihm andere Gedanken durch den Kopf. Laura, Amélie, dieser Prune, oder besser Smeltens, Amélies Lächeln, seine Dokumente... und er hoffte, dass dieser Möchtegern-Tränkemeister seine Aufzeichnungen nicht missbraucht hatte. Was er wohl mit Laura gemacht hatte? Wahrscheinlich hatte er versucht, sie auszuquetschen, um an Informationen ran zu kommen. Als ob er sein Kind in solche Dinge einweihen würde! Wie lieb sich Amélie um seine Tochter gekümmert hatte...
Er hatte mit Dumbledore gesprochen und dieser hatte gute Hoffnungen gehabt, den Wohnort von Smeltens ausfindig machen zu können. Er habe mit drei Ordensmitgliedern gesprochen, darunter auch mit Remus, dem Severus aber selber auch noch einen Brief geschickt hatte. Sie würden dem Mann zusammen einen Besuch abstatten. Diesem verdammten… Mistkerl.
Wieder wanderten seine Gedanken zu einer gewissen jungen Frau mit kastanienbraunem Haar, mit schön geschwungenen Augenbrauen und einem vollen Mund... Amélie war schon eine attraktive Frau mit viel Charme. Aber sie passte etwa so gut zu ihm, wie eine Rose in den Schnee. Und bestimmt war sie auch schon besetzt und niemals würde sie Interesse haben an einem Mann wie ihm.
Seine Zimmertür öffnete sich einen Spalt und Lauras Kopf erschien. „Dad," flüsterte sie, „ich kann nicht einschlafen."
Snape seufzte, aber er vermutete, dass die Ereignisse der letzten Tage sie nicht in Ruhe ließen. Vielleicht war jetzt eine gute Gelegenheit, dass sie sich ihm anvertraute. Er klopfte neben sich aufs Bett und Laura nahm das Angebot sofort an. Sie hob seine Decke hoch und kletterte ins Bett.
„Dad, ich vermisse Milly so sehr," sagte sie leise und umarmte ihn mit einem Arm, während sie sich seitlich an seine Brust lehnte.
Snapes Arm legte sich automatisch um seine Tochter und er klopfte ihr sanft auf den Oberschenkel. Er grummelte zustimmend.
Eine Weile sagte niemand etwas und Laura spielte mit einer Hand an Snapes Schlafanzugknöpfen rum.
Plötzlich hörte er ein leises Schniefen und spürte, wie sie ruckartig die Luft einsog dabei. Er sah zu ihr hinunter. Laura sah ihn an und er bemerkte, dass sie ziemlich rote Wangen hatte und ihre Augen wässrig waren. Ihre Finger drehten immer noch seine schwarzen Knöpfe herum, als sie leise zu sprechen begann.
„Es war, als würde er meine Gedanken durchkämmen. Er konnte alles sehen, einfach alles! Ich wollte das nicht und ich konnte gar nichts tun, damit er aufhörte. Ich wollte ihn dafür töten, Dad. Ich hasse ihn!" Ihre Stimme war lauter geworden zum Schluss und sie sprach mit so viel Abscheu, dass Snape die Stirn runzelte.
Es musste sie sehr verletzt haben, dass dieser verdammte Kerl so in ihre Privatsphäre eingedrungen war. Es war auch nicht ungefährlich, das bei so einem jungen Kind zu tun.
Dieser Typ hatte es also wirklich gewagt, in Lauras Gedanken einzutauchen, dachte er zornig. Er hatte sowas schon vermutet. Allerdings hätter er ihm nicht zugetraut, dass er das fertig brachte, da es anspruchsvolle Magie war. Er vermutete aber, dass dieser Kerl das nicht besonders gut beherschte. Bei einem unschuldigen Kind war das nicht extrem schwierig.
Wenn er diesen Kerl in die Finger bekommen würde, könnte er für nichts garantieren, dachte er wütend. Er konnte sich selber gut erinnern, wie Dumbledore in seine Gedanken eingedrungen war, damals, als er die Kunst der Okklumentik gelernt hatte. Und Albus war dabei nicht so brutal vorgegangen, wie dieser Stümper. Außerdem war er selbst damals älter gewesen als Laura jetzt und hatte das auch lernen wollen und hatte gewusst, auf was er sich in etwa einließ. Das war eine ganz andere Sache, als diese hier und trotzdem war es ein unangenehmes Gefühl gewesen, damals. Laura war einfach überfallen worden und hatte keine Chance gehabt sich zu wehren. Sie hatte nicht einmal gewusst, dass so etwas möglich war. Dass es jemandem gelingen könnte, in ihre Gedanken, ihre Erinnerungen einzubrechen.
Laura sah immer noch zu ihm auf und eine Träne rann ihr die Wange hinunter. Schnell putzte sie sie weg.
„Wenn ich nur schon daran denke, kann ich fast nicht mehr atmen, Dad," fügte sie hinzu und schluckte schluchzend.
„Er hat etwas angewandt, was nicht sehr viele Zauberer können. Wahrscheinlich, oder ziemlich sicher, war Prune oder Smeltens wie er richtig heißt, ein ziemlicher Anfänger. Er muss sich in deinen Gedanken bewegt haben, wie ein Elefant im Porzellanladen. Außerdem ist das schlecht, wenn man sowas bei einem Kind tut. Man darf die Gedanken anderer Menschen nur streifen und sie nicht durchkämmen, wie du gesagt hast."
Er konnte Lauras Wut und Verzweiflung gut nachvollziehen. Viel zu nah war ihr dieser Mann gekommen und viel zu rücksichtslos war er mit den Erinnerungen seiner Tochter umgegangen. Dafür würde er büßen. Er zog Laura noch näher zu sich und drückte sie beschützend an sich.
„Dad? Ich will, dass er dafür leidet." Sie hatte nur geflüstert, aber Severus hörte die Leidenschaft hinter ihren leisen Worten.
„Das wird er, Laura. Dafür werde ich sorgen. Er wird seine Strafe dafür erhalten." Laura nickte und entspannte sich. Sie wusste, dass wenn ihr Vater das sagte, der Kerl bestimmt richtig bestraft werden würde. Zumal er ziemlich verärgert schien, auch wenn er sich bemühte, das für sich zu behalten.
„Was ist, wenn das wieder mal jemand zu mir macht, Dad?" fragte sie besorgt. Gerade war ihr der Gedanke gekommen, dass das geschehen könnte. Und sie wollte das bestimmt nicht wieder erleben. Nie!
„Wenn du etwas älter bist, werde ich dich lehren, dich davor zu schützen." Snape klopfte nun Laura wieder sanft auf den Oberschenkel, wahrscheinlich unbewusst.
„Aber ich will es jetzt lernen, Dad," sagte sie bestimmt und setzte sich auf. Snape gab ihr einen etwas strengen Blick.
„Das geht nicht, Laura. Du bist noch zu jung. Mindestens vierzehn oder fünfzehn musst du sein. Außerdem werde ich dann auch in deine Gedanken eindringen, wenn auch nicht so grob und rücksichtslos wie dieser... Smeltens." Er sah sie forschend an aber sie winkte ab.
„Du bist ja mein Dad." Sie überlegte einen Moment. „Du bestrafst mich doch nicht für etwas, dass du in meinen Gedanken siehst, oder?"
Snape lächelte und gab Laura einen prüfenden Blick. „Du verbirgst doch nicht etwa irgend eine Unart vor mir, oder?"
Laura schüttelte heftig den Kopf. „Nein, bis jetzt noch nicht." Sie gab ihm ein schelmisches Lächeln. Er entspannte sich bei diesem Anblick.
Aber noch etwas anderes hatte Laura keine Ruhe gelassen in den letzten Stunden. Sie wusste, dass ihr Dad sie heute noch nicht auf die Sache mit den Fröschen angesprochen hatte, weil sie noch etwas mitgenommen war, wegen der Vergiftung und so. Aber sie wusste auch ganz genau, dass er nicht darüber hinweg sehen würde. Sie musste jetzt wissen, wie wütend er deswegen war und was sie zu erwarten hatte.
„Dad," fing sie kleinlaut an und Snape bemerkte den schuldbewussten Blick sofort. „Ehmm... werde ich... werde ich bestraft, wegen der Frösche, weil ich sie befreien wollte, meine ich?" Sie gab ihm einen guten Dackelblick, aber Snapes Miene war nun ziemlich streng.
Sie biss sich auf den Daumennagel, bis ihr Snape die Hand aus dem Mund nahm.
Er sah zu ihr hinunter. „Hmm... du bist dir schon im Klaren, dass du da falsch gehandelt hast, nehme ich an. Denn, hättest du deine Finger davon gelassen, wäre uns allen einiges erspart geblieben. Außerdem hätte das schlimme Folgen für dich haben können."
Laura wurde mulmig im Magen, als er ihr das so vor Augen legte. Sie nickte leicht und ihr Vater fuhr fort: „Es waren Mr. Ludwigs Frösche und da hast du sowieso nichts anzufassen, geschweige denn zu befreien, oder?" Severus sah seine Tochter ernst an, als sie sich aufgerappelt hatte und sich im Schneidersitz vor ihn hin setzte.
„Aber ich hatte eben so Mitleid," verteidigte sie sich.
Snape nickte. „Das entschuldigt dein Verhalten aber nicht," stellte er klar.
„Dad… aber ich will nicht bestraft werden," sagte sie leise und senkte den Blick zu seiner Bettdecke. Sie fuhr mit dem Zeigefinger dem Rautenmuster auf der dunklen Decke nach und biss sich auf die Unterlippe.
Snape atmete tief aus. Er fasste sie an beiden Oberarmen und zog sie näher zu sich. Ihre Hand stahl sich automatisch nach hinten, um ihren Hintern zu verdecken. Severus bemerkte es, sagte aber nichts dazu sondern sah Laura tief in die Augen, die nun knapp vor seinem Gesicht waren.
Wie große, dunkle Augen sie doch hatte, dachte Severus in diesem Moment.
„Hör gut zu, Laura." Er machte eine kleine Pause und Laura blinzelte. „Da ich denke, dass du dabei etwas gelernt hast, bestrafe ich dich diesmal nicht für deinen Leichtsinn und dein falsches Verhalten. Aber lass es mich klar ausdrücken... wenn du deine Finger nochmals irgendwo drin hast, wo sie nicht hin gehören, schneide ich dir jeden Einzelnen ab, verarbeite sie zu Pulver und verwende sie in einem Zaubertrank, verstanden?"
Laura nickte schnell und musste versuchen, ein Lächeln zu verstecken. So ernst ihr Vater auch gesprochen hatte, war ihr natürlich trotzdem klar, dass er das nie tun würde.
Er sah sie noch einen Moment intensiv an, bevor er sie los ließ.
"Ja, Sir," sagte sie und versuchte ernst zu klingen.
„Es ist Zeit zu schlafen, Laura. Ins Bett, jetzt." Snape schob Laura vom Bett.
„Darf ich nicht hier schlafen?" fragte sie, doch Snape schüttelte den Kopf.
„Nein, junge Dame, ab ins Bett, aber fix!"
Laura seufzte dramatisch und rutschte vom gemütlich warmen Bett ihres Dads. Als sie schon bei der Tür war, drehte sie sich nochmals um.
„Gute Nacht, Dad" sagte sie und sah ihn einen Moment an, mit der Türklinke in der Hand. Mit der anderen Hand wickelte sie sich den Bund des Schlafanzug-Oberteils um den Zeigefinger.
„Dad? Warum hast du eigentlich nicht Lily geheiratet, wenn du sie geliebt hast? Wieso hast du mit meiner Mum ein Kind gemacht? Du hast meine Mum nicht geliebt, oder?"
Snapes Mimik wurde hart und er setzte sich automatisch etwas mehr auf im Bett.
Ihm war plötzlich ziemlich heiß und er sah in Lauras Augen, dass sie diese Tatsache verletzte. Und dass sie das überhaupt realisiert hatte, wunderte ihn sehr.
„Setz dich nochmals her, Laura," sagte er viel ruhiger, als er sich fühlte. Wieso zwang sie ihn, über solche Dinge zu sprechen? Er atmete ruhig ein und Laura setzte sich neben ihn aufs Bett.
„Zum 'sich verlieben', oder heiraten, gehören immer zwei. Lily hat James geheiratet." Auch wenn der bittere Unterton, mit dem er diesen Satz gesagt hatte, kaum zu hören war, entging er dem Mädchen nicht.
„Ich gebe zu, dass Ellen nicht die Liebe meines Lebens war, aber da sie deine Mutter ist, verbindet uns doch einiges mehr, als eine flüchtige Liebschaft."
Er musterte sein Kind, das seine Augen nun gesenkt hatte. Es fiel ihm auf, dass sie auch die Schultern ziemlich hängen ließ.
„Das alles hat aber nichts mit dir zu tun, Laura. Du bist meine Tochter… und diese Frauen sind nun beide tot," fügte er leise hinzu.
In der nächsten Sekunde war Laura in seinen Armen und vergrub ihr Gesicht in seiner Halsbeuge. Er hielt sie lange so fest an sich gedrückt, bis sie aufsah und nickte.
„Und wir beide leben," sagte sie leise. Severus nickte nachdenklich und Laura drückte ihm einen kleinen Kuss auf den Mund, bevor sie aus dem Zimmer und in ihr Bett ging.
'Ja, wir beide leben', dachte Snape und löschte das Licht.
S s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s s
„Milly!" rief Laura, so laut, dass beinahe die Wände wackelten und Snape erschrocken zu seiner Tochter sah.
Die kleine Hauselfe war mitten im Wohnzimmer erschienen und Laura rannte zu ihr, kniete sich zu ihr runter und quetschte sie dann an sich. Milly grinste breit, obwohl ihr beinahe die Luft weg blieb. Sie hatte das Mädchen so vermisst, und das schien gegenseitig zu sein.
„Geht es Laura gut?" piepte sie halb erstickt, worauf Laura ihren Griff lockerte. Sie nickte und in dem Moment traten Harry und Remus aus dem Kamin.
„Remus! Harry!" freute sich das Kind und stand vom Boden auf, um die Freunde zu umarmen.
„War es schön beim Campieren?" fragte sie neugierig und Harry nickte glücklich. Er war richtig braun geworden, beinahe so braun wie sie selbst.
Snape hatte Laura gesagt, dass Milly und Remus mitgehen würden, wenn er am nächsten Morgen mit ein paar Leuten des Phoenixordens diesen Smeltens aufsuchen würde. Lauras Augen hatten sofort einen besorgten Ausdruck angenommen und sie hatte ihn eindringlich gebeten, sie nicht alleine zu lassen. Sie sei auch nicht alleine, hatte er kurz gesagt. Ihr Großvater würde nach ihr und Harry sehen. Ihr Gesicht hatte sich daraufhin in Sekundenbruchteilen erhellt und sie hatte ihn stürmisch umarmt.
Sie konnte es kaum erwarten, bis ihr Großvater kam und erzählte es nun gleich Harry.
Albus hatte am Morgen früh sofort die Aktion starten wollen, bevor Smeltens die Zeit haben würde, etwas mit den Dokumenten anzufangen. Aber er hatte auch etwas Zeit gebraucht, um mehr über den Mann raus zu finden und einige Leute zu organisieren. Deshalb war es nun schon beinahe elf Uhr.
Als es klingelte, sprang Laura sofort auf und rannte zur Tür. Snape atmete tief aus und seine Augen zogen sich zusammen. Lupin wusste genau, dass sich Snape sehr ungerne widerholte und es gar nicht mochte, wenn Laura über seine Anweisungen hinweg sah oder sie einfach vergaß.
„Großvater!" rief sie und war auch schon in seinen Armen. Tobias hob Laura hoch, während er sie umarmte und genoss die freudige Begrüßung. Er hatte gedacht, er hätte sich verhört, oder besser gesagt verlesen, als er Severus' Brief gelesen hatte, wo drin gestanden hatte, dass er auf Laura und ihren Freund aufpassen durfte.
Remus überraschte die Ankunft von Snape Senior auch sehr. Er hatte den Mann noch nie gesehen, aber er hatte tatsächlich gewisse Ähnlichkeiten mit Severus.
Eine halbe Stunde später waren fünf Zauberer versammelt in Snapes Wohnzimmer. Darunter auch Mr. Ludwig.
Den einzigen, den Laura noch nicht kannte, war ein junger Mann mit rotblondem Haar, der etwas verwegen aussah, da sein Gesicht ziemlich viele Narben hatte. Er hieß Andrew Crawl und war auch ein Mitglied dieses Ordens, von dem ihr Dad manchmal erzählte.
Die beiden Kinder sahen gespannt auf die erwachsenen Zauberer, die alle Albus Dumbledore zuhörten.
Tobias waren diese Männer etwas unheimlich, auch wenn er sich nichts anmerken ließ. Er war der einzige nichtmagische Mensch hier. Aber er würde sich daran gewöhnen müssen, denn seine Familie war magisch. Das war so und er würde das alles besser verstehen können, wenn er sich darüber informierte und diese Tatsache so akzeptierte. Laura würde bestimmt offen sein, ihm davon zu erzählen. Bei Eileen hatte er vieles einfach verdrängt gehabt und als er dann bei Severus auch die Magie festgestellt hatte, hatte ihn das beängstigt und verärgert. Er hatte einen 'normalen' Sohn gewollt.
„Wir werden zu dieser Adresse apparieren," sagte Albus Dumbledor in seinem üblichen ruhigen Ton. „Von dort aus ist es nicht mehr weit."
Die Männer nickten alle und Snape wandte sich an die Kinder. Alle Männer sahen die beiden schwarzhaarigen Kinder mit den vor Spannung weit aufgerissenen Augen an.
„Ihr Beiden benehmt euch, verstanden? Wir sind bald zurück!"
Laura trat einen Schritt vor. „Ich hab Angst, Dad!" sagte sie besorgt.
„Hier kann dir nichts passieren, Laura," sagte Snape und Laura verdrehte leicht die Augen, was ihr wiederum einen strengen Blick von Snape einbrachte.
„Ich hab ja auch nicht Angst um mich, sondern um dich, um euch!" sagte sie etwas ungeduldig.
„Wir sind genügend Leute, Laura und der Kerl weiß ja nicht, dass er bald Besuch bekommt."
Laura sah nicht wirklich überzeugt aus und sie umarmte ihren Vater. Dem schien das nicht so zu gefallen, vor aller Augen. Harry trat zu Remus und sah ihn auch etwas besorgt an. „Pass auf, Remus," sagte er leise und der Mann lächelte ihn an und fuhr ihm mit der Hand über das wirre Haar.
Laura ließ ihren Vater los und umarmte auch Remus. Dann gab sie Mr. Edwards und den anderen beiden Zauberer ein Lächeln und wünschte viel Glück.
Sie trat einen Schritt zurück und ihre Hand glitt in die ihres Großvaters, der alles gespannt mitansah.
TBC...
