Vielen Dank für die lieben Reviews, und vielen Dank an Ida fürs Betalesen:-D Gruss , Sally
s s s s s s s
„Aber ich komm nicht runter," stellte Laura klar.
„Wir sollten Licht haben," sagte sie und sah zu, wie Harry die ersten Sprossen der Eisenleiter hinunter kletterte.
„Schade, dass du keine Taschenlampe hast. Vielleicht sollte ich den Lumos benutzen?" fragte er unsicher.
„Besser nicht," antwortete Laura. „Mein Dad versteht da keinen Spaß," fügte sie erklärend hinzu. Allerdings verwunderte das Harry überhaupt nicht. Snape war schließlich Snape.
Vorsichtig und mit laut pochendem Herzen ging Harry weiter in das dunkle Loch. Die Eisensprossen der Leiter waren sehr kühl. Wieder hörte er ein Geräusch. Ein Flattern und ein Quieken, das von Jimmy stammte. Sie hatten einen Stein ins Loch werfen wollen, um zu hören, wie tief es ist, hatten es dann aber sein lassen, da sie Jimmy hätten treffen können.
Harrys Augen hatten sich bald an die Dunkelheit gewöhnt und so unheimlich war es gar nicht. Die Kühle der Steine, die den Jungen umrundeten, fühlte sich angenehm an, nachdem es draußen so heiß war. Was würde er finden? Konnte es gar ein geheimer Gang sein oder ein Versteck? Wusste Snape davon?
Als Harry etwa drei oder vier Meter hinunter geklettert war, hörte er wieder dieses flatternde Flügelschlagen.
Laura erschrak, als plötzlich ein lautes Flattern zu hören war und Harry unten im Schacht schrie: „Oh, diese verdammten Dinger!"
Laura sah, dass etwas um den Jungen herum flatterte. Dutzende von Flatterdingern, wie ganz große Schmetterlinge oder eher Nachtfalter, flatterten dem Freund um den Kopf, sodass Laura Angst hatte, er würde sich los lassen.
„Komm rauf, Harry!" schrie sie ängstlich.
Eines der Flattertiere hatte sich in Harrys Haaren verfangen und andere sausten um sein Gesicht. Es war schwierig, an der Leiter zu hängen und gleichzeitig die Viecher auf Abstand zu halten.
„Harry, was um alles in der Welt..." hörten die Kinder plötzlich eine tiefe Stimme und Harry hätte sich nun vor Schreck wirklich beinahe fallen lassen. Laura wurde von Snape am Arm vom Loch weg gezogen und er gab ihr einen kurzen, aber strengen Blick, der sie leer schlucken ließ.
„Lumos maxima!" sagte Snape deutlich und zielte mit dem Zauberstab in den Schacht. Er erkannte die Situation und sagte:"Impedimenta Opacu!"
Sofort hörten die Tiere zu flattern auf und segelten im Gleitflug wie Laub zum Boden des Loches. Harry sah ihnen nach und zupfte sich den einen, der immer noch in seinem Haar hing, hinaus und lies ihn auch zum Grund des Schachtes gleiten.
„Komm sofort da rauf, du alberner Junge," schimpfte Snape wütend. Laura sah ihn von der Seite bange an. Er sah wirklich nicht im geringsten erfreut aus.
Zögernd gehorchte Harry und sobald Snape ihn erreichen konnte, fasste er ihn an den Handgelenken und hob ihn aus dem Loch.
Bevor sich Harrys Augen wieder ans Licht gewöhnt hatten schimpfte Snape: „Was um alles in der Welt tust du in diesem Loch, Harry?"
Harry blinzelte verlegen zu dem Mann auf, der ihn an den Oberarmen gefasst hielt und ihn leicht schüttelte, um seinen Worten Nachdruck zu geben.
„Wir... wir dachten..." stotterte er. Es fiel ihm keine wirklich schlaue Erklärung ein. Schon gar nicht, bei dem finsteren Blick, der ihm der Professor gab.
Nun verstand er Lauras Zurückhaltung von vorhin sehr gut. Er hatte beinahe vergessen, wie einschüchternd Snape sein konnte. In der Schule hatte er den dunklen, ernsten Lehrer immer sehr gefürchtet. In den Ferien war Snape nun weniger furchteinflößend gewesen, was man aber im Moment nicht behaupten konnte.
Snape sah ernst zu ihm hinunter und hob eine Augenbraue. Dann drehte er Harry rasch um. Laura war sich sicher, er würde ihrem Freund eins auf den Hintern klatschen, aber stattdessen zog er dem Jungen den Zauberstab aus der Hosentasche. Er hielt ihn den Kindern vor die Nase und sah mit fragendem Blick zu den beiden hinunter.
Laura schluckte leer.
„Der war nur für den Notfall, wir haben nicht gezaubert, Sir," sagte Harry rasch.
„Das hoffe ich. Für euch!" sagte Snape scharf. „Andernfalls würdet ihr meinen Unmut darüber deutlich zu spüren bekommen, glaubt mir."
Laura nickte und sah ihren Vater mit großen Augen an und Harry dankte Laura im Stillen, dass sie vom Lumos-Zauber abgeraten hatte.
Snape fasste beide Kinder am Handgelenk, nachdem er mit seinem Zauberstab die Steinplatte über den Schacht geschoben hatte.
Er schritt Richtung Haus und zog die Kinder mit sich. „Dad, Jimmy ist dort unten. DAD!" schrie sie.
Snape sah ziemlich ärgerlich aus, aber sie konnte ihr Tierchen doch nicht dort unten lassen, auch wenn sie wusste, dass sie nun Snapes Nerven besser nicht noch mehr strapazierte.
„Rührt euch keinen Millimeter, klar," sagte er gereizt. Er schritt wieder zum Loch, öffnete den Stein einen Spalt und sagte: "Accio Jimmy!"
Sofort landete das Tier in Snapes Arm. Es schien nicht sehr erfreut über die unsanfte Landung. Es hatte eines dieser Flatterviecher in der Schauze. Snape ließ es runter und ging mit den Kindern ins Haus.
Laura sah Jimmy nach, der mit dem bunten Nachtfalter-Ding davon rannte.
s s s s s s s s s s s s s s s s
„So, nun möchte ich wissen, wie es kommt, dass ich Mr. Potter aus einem Loch fischen muss, das so tief ist, dass man den Grund nur erahnen kann? Es erstaunt mich doch sehr, dass das Erlebnis in Hogwarts nicht abschreckend genug war. Ihr hattet keine Ahnung, was euch unten erwarten könnte!"
Er sah die Kinder scharf an und diese schienen sich genau zu überlegen, wie sie antworten sollten. Sie waren ja wirklich sehr erleichtert, dass sie nicht gezaubert hatten, denn Snape hatte die Zauberstäbe geprüft. Laura vermutete stark, dass sie dafür ein paar auf den Hintern kassiert hätten.
Sie sahen mit schuldbewussten Gesichtern zu dem streng schauenden Mann, der vor ihnen saß.
„Jimmy hat immer an dem Stein gekratzt, Dad, schon vielmals. Da wollten wir wissen, was darunter ist. Wir haben die Steinplatte beiseite geschoben und da haben wir die Bretter gesehen. Als wir eines ein wenig gelöst hatten, ist Jimmy darin verschwunden und wir wollten sie retten."
„Und wieso habt ihr mich dann nicht gerufen? Kann es sein, dass es euch gerade recht gekommen war, dass ihr einen Grund hattet, euch in den Schacht zu begeben? Und kann es sein, dass es nicht so eine Kurzschlussreaktion gewesen ist? Vielleicht ist es möglich, dass einer, oder soll ich besser sagen eine von euch im Haus die Zauberstäbe geholt hat?"
Laura schüttelte den Kopf und wollte eben den Mund öffnen, um es abzustreiten, als Snape ihr einen warnenden und wissenden Blick gab. Sie senkte die Augen. „Könnte sein," sagte sie leise.
„Das hier ist ein altes Haus. Ein Zaubererhaus," sagte Snape eindringlich und sah die Kinder ernst an. „Was sich hier alles verbirgt, ist ungewiss. Ich werde den Schacht mit Remus untersuchen. Wir Erwachsenen, nicht ihr Kinder! Sowas könnte einfach immer gefährlich sein. Ich hätte gedacht, ihr hättet etwas gelernt, von der Angelegenheit mit der Flaschenpost. Wir haben euch damals deutlich erklärt, dass ihr keine Alleingänge machen dürft." Snape gab den Kindern einen Blick, sodass sie erröteten. Harry spielte nervös mit einer Lasche seiner kurzen Jeans und Laura biss sich auf die Unterlippe.
„Vielleicht waren wir damals zu nachsichtig mit euch?" vermutete Snape und sah sie vielsagend an. Da beide Kinder nicht in der Zaubererwelt aufgewachsen waren, unterschätzen sie wohl die Gefahren, die da lauern könnten.
Die Kinder schüttelten beide den Kopf.
„Vielleicht wäre es besser, wenn ich euch nicht so leicht davon kommen lassen würde, damit so etwas nicht mehr vorkommt?" sagte Snape und die Kinder waren nicht sicher, ob das eine Frage oder eine Feststellung war oder ob er nur laut überlegt hatte. Es klang jedenfalls nicht viel versprechend.
Laura beteuerte schnell: "Nein, Dad. Es kommt ganz bestimmt nichts solches mehr vor. Ehrlich!"
Snape sah sie lange nachdenklich an, als würde er abwägen, ob er die Kinder mit der Warnung davon kommen lassen wolle.
„Tut uns Leid, Professor!" sagte nun auch Harry.
„Hmm...nun gut!" sagte Snape und fixierte die Kinder mit seinem strengen Blick. "Aber ich werde euch gut im Auge behalten. Das gilt auch für die Schule. Wenn ihr wieder einen Alleingang unternehmt, werdet ihr in ziemlichen Schwierigkeiten sein. Ich hoffe, wir verstehen uns!"
Snape war bewusst, dass er in der Schule nicht für den Jungen verantwortlich war, das hieß aber nicht, dass er ihn nicht im Auge behalten würde. Und Remus war nur einen Flohruf weit entfernt.
Die Kinder nickten und Snape gab ihnen bekannt, dass sie eine Stunde früher im Bett sein würden heute Abend.
Laura und Harry waren ziemlich froh, dass sie so glimpflich davon gekommen waren.
Snape streckte Laura fordernd seine offene Handfläche entgegen. Laura sah einen Moment fragend auf die Hand, dann griff sie nach hinten und legte ihren Zauberstab in die wartende Hand.
„Dad? Was waren das für Flattermänner? Die haben wir schon mal gesehen im..."
Laura hielt sich automatisch die Hand vor den Mund, denn sie wollte Snape natürlich nicht verraten, dass sie so einen seltsamen Flattervogel im unterirdischen Tunnel nach Hogsmead gesehen hatten.
Snape sah sie leicht überrascht an. „Ja?" fragte er neugierig.
„In einem Buch," log sie, worauf sie einen ziemlich strengen Blick von Snape erntete.
Er beugte sich leicht vor zu ihr und sagte in gefährlichem Ton: "Vielleicht solltest du das Lügen besser lassen."
Laura nickte leicht. „Ja, Dad," sagte sie kaum hörbar.
„Ich möchte aber nicht sagen, wo ich so einen gesehen habe," fügte sie leise hinzu.
„Ich nehme an, dass es an einem verbotenen Ort war, sonst hättest du ja keine Mühe, mir die Wahrheit zu sagen?" vermutete Snape und hob eine Augenbraue.
Laura schüttelte den Kopf. „Nein, ich… ich meine ja, aber das ist schon ganz lange her und... es könnte jemand anderes in Schwierigkeiten kommen. Bitte, Dad, ich möchte es nicht verraten," bat Laura, die nun in einem Dilemma war. Wenn sie ihrem Vater von dem Geheimgang erzählen würde, würden die Zwillinge sie lynchen.
„Na gut, aber ich hoffe, du wirst dich nicht mehr an diesen Ort begeben, klar?"
Laura nickte dankbar.
„Zu deiner Frage, das waren Opacu. Sie leben in absoluter Finsternis und werden auch in einigen Zaubertränken verwendet. Sie sind relativ selten und können sehr alt werden. Ich habe ein Buch, in dem sie genauer beschrieben werden, da kannst du alles über Opacu nachlesen.
„Dad, da ist eine Eule am Fenster," sagte Laura, die direkt zum Fenster sah, wo ein grauer Kauz gelandet war mit einem Brief am Bein.
Snape erhob sich und ging zum Fenster, dicht gefolgt von der neugierigen Laura. Es kam nicht häufig vor, dass sie Post bekamen, da wollte sie natürlich wissen, von wem der Brief war.
„Von wem ist er," fragte sie ungeduldig, kaum hatte er den Brief vom Bein des Kauzes gelöst. Snape gab ihr einen vielsagenden Blick. Er mochte diese übertriebene Ungeduld nicht. Einen Moment konnte sie wohl noch warten.
'An Laura und Severus Snape' stand in geschwungener Schrift auf dem Couvert. Snape kannte die Schrift nicht und er drehte den Brief um.
„Er ist von Amélie," jubelte Laura und hüpfte aufgeregt neben ihrem Vater. Wieso musste er es auch so spannend machen. Sie hätte den Brief schon lange aufgerissen gehabt und gelesen.
Snape atmete hörbar aus und ging zum Sofa. Laura direkt neben ihm.
Er sah sie ernst an und sagte: „Wenn du dich nicht einen Augenblick gedulden kannst, schicke ich dich in dein Zimmer und lese den Brief alleine."
Laura sah ihn ungläubig an, setzte sich aber anständig hin und sah geduldig zu, wie ihr Vater den Brief öffnete.
„Ich bin draußen," sagte Harry, den der Brief nicht sonderlich interessierte. Er sah Snape fragend an, denn er war sich nicht sicher, ob er entlassen war. Snape nickte ihm kurz zu und Harry verschwand, während Laura ungeduldig an ihren Hosen rumspielte und auf den Brief starrte.
Unerwartet gab Snape ihr schnell einen kleinem 'Mupf' an ihre Nase mit dem Brief und sie erschrak.
„Daaad!" sagte sie, als sie den amüsierten Gesichtsausdruck ihres Vaters sah.
„Du bist zu neugierig, junge Dame," schalt er sie und sie lächelte.
„Ich will halt wissen, was sie schreibt," entschuldigte sie sich. Snape war mindestens genau so neugierig wie seine Tochter, aber ließ sich nichts anmerken.
Er faltete das Pergament auseinander und las. Laura rutschte näher, so, dass sie halb über Snapes Beine lehnte um auch lesen zu können. Zu ihrem eigenen Erstaunen ließ er das zu und sie las gespannt.
„Eine Einladung! Gehen wir Dad? Biiittteee!" jammerte sie.
Snapes Herz hatte einen unangenehmen Stich erhalten, als er den Brief fertig gelesen hatte.
Amélie lud sie zu einem lustigen Konzert ein wo alte irische Musik gespielt würde. Bis dahin gefiel Snape der Brief sehr gut. Aber als sie erwähnte, dass ihr Freund in der Band spielen würde, war sein Magen einen Stock tiefer gerutscht.
Logisch! Dachte er nun enttäuscht. So eine Frau musste doch einen Freund haben. Wahrscheinlich war er sehr gut aussehend und ein toller Musiker.
Snape hatte Mühe seine Enttäuschung vor Laura zu verbergen.
„Ich weiß noch nicht," antwortete er kühl, was Laura erstaunte. Sie hatte doch gesehen, wie ihr Dad die junge Frau immer angesehen hatte.
Sie las den Brief nochmals durch und beim zweiten Mal Lesen vermutete sie, dass sie den Grund für das unzufriedene Gesicht ihres Vaters kannte.
Das mit 'Freund' wohl der Geliebte von Amélie gemeint war, war ihr beim ersten Mal Lesen nicht bewusst gewesen.
„Es wird bestimmt lustig," sagte Laura, nun schon viel weniger enthusiastisch. Snape sah sie erstaunt an. Vorher war das Mädchen doch noch so begeistert gewesen? Dachte er.
s s s s s s s s s s s s s s s s s
Snape hatte all seine Unterlagen weggeräumt, denn bald würden sie zu Abend essen. Es roch schon ziemlich gut von der Küche her. Die Kinder halfen Milly mit dem Zubereiten und er hörte immer wieder Gelächter.
Ihm war sofort aufgefallen, dass Harry anders war, seit er mit Remus vom Zelten zurück gekommen war.
Er war nicht mehr so scheu wie vorher und redete viel mehr und offener. Irgendwie nervte es ihn, dass sich der Junge so benahm, als wäre er hier zu Hause.
Es musste ihm doch einfach auf die Nerven gehen, wenn sich ein Potter in seinem zu Hause zu wohl fühlte! Oder?
Es konnte nicht möglich sein, dass es ihm nichts ausmachte!
Scheinbar fühlte sich der Lausebengel jedenfalls wohl genug, um sich schon wieder in Schwierigkeiten zu bringen, dachte Snape. Remus gab dem Kind bestimmt Grenzen, aber er war einfach zu gutmütig. Ein bisschen mehr Biss hätte man von einem Werwolf schon erwarten können.
Wieso Harry immer eine Unart auf Lager hatte, wusste er nicht. War wahrscheinlich einfach Vererbung, dachte er etwas bitter.
Allerdings musste er ehrlich zugeben, dass sein eigenes Kind nicht minder unartig war. Ja, auch Laura brachte sich häufig in Schwierigkeiten.
Ob das wirklich Vererbung war? fragte sich Snape nun kritisch. Er hob eine Augenbraue bei diesen Gedanken.
Währenddessen diskutierten die Kinder in der Küche. Harry hatte Laura erzählt, dass Snape während der Schulzeit nicht gerade gut ausgekommen war, mit Remus und seinen Freunden. Vor allem mit seinem Paten und seinem Vater war er ziemlich befeindet gewesen, was Laura erstaunte. Die beiden jungen Männer hatten so sympatisch ausgesehen in Harrys Fotoalbum. Und dass er sich mit Remus nicht gut verstanden haben soll, wunderte sie noch mehr. Remus war so ziemlich der einzige, mit dem sich ihr Vater wirklich gut verstand. Natürlich war er nicht sehr herzlich, aber so war ihr Dad nun mal. Mr. Ludwig schien er auch noch zu mögen, aber wahrscheinlich weil sie dasselbe Interesse hatten. Ob er sich einfach aus Lust an der Sache mit ihm treffen würde, wusste sie nicht.
Sie sah Harry prüfend an. „Du siehst doch deinem Vater ziemlich ähnlich," bemerkte sie nachdenklich und musterte Harry eingehend. „Vielleicht konnte dich mein Dad deswegen nicht ausstehen, am Anfang."
Harry zuckte die Schultern.
„Ich habe nämlich rausgefunden, dass mein Dad wohl wirklich in deine Mutter verliebt war," flüsterte Laura und Milly tat so, als wäre sie sehr mit dem Rühren in der Pfanne beschäftigt.
Harry blinzelte etwas erstaunt. „Hat er das gesagt?" fragte er ungläubig. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Snape verliebt sein konnte und dann auch noch ausgerechnet in seine Mum. Er fragte sich, ob das wirklich stimmte und wenn ja, ob sie auch Gefühle gehabt hatte für den Mann, aber er bezweifelte es. Wer konnte sich schon in Snape verlieben? Und außerdem hatte sie ja seinen Dad geheiratet, James Potter.
„Nicht direkt," gab Laura zu und grinste dann frech. „Aber ich habs trotzdem gemerkt."
s s s s s s s s s s
„Ich hätte aber nicht gedacht, dass es so emotional werden würde," sagte Remus müde, als er am Abend auf dem Sofa saß und mit Snape ein Glas Wein trank. Es hatte ihm sehr gefallen, einen Tag im St. Mungos Spital zu arbeiten, aber es war nicht leicht , das alles nun hinter sich zu lassen und seinen Abend zu geniessen.
„Du wirst dich mehr distanzieren müssen," sagte Severus und lehnte sich in seinem Lehnstuhl zurück. Er hatte die Kinder vor einer halben Stunde ins Bett geschickt, wie angedroht eine Stunde früher als sonst. Zu seinem Erstaunen hatten sie ohne Murren gehorcht. Es schien ihnen bewusst gewesen zu sein, dass sie besser daran taten, sich in nächster Zeit zu benehmen, dachte Severus zufrieden.
„Ja, ich denke, das muss ich noch lernen," bestätigte Remus. „Was sind das für Pläne?" fragte er interessiert, als er die sehr alten Pläne eines Hauses auf dem kleinen Tischchen liegen sah.
Severus sah auch zu dem alten Pergament und sagte: "Das sind die Pläne dieses Hauses. Die Entdeckungsfreude der Kinder hat sie heute einen alten Schacht finden lassen. Mr. Potter hatte dann die grandiose Idee, in denselben hinunter zu steigen, weshalb die beiden nun schon früher im Bett sind."
Remus sah erstaunt aus. Er hatte sich gar nicht auf die Zeit geachtet, als er vor ein paar Minuten nach Hause gekommen war.
„Ihnen ist doch nichts zugestoßen, oder?" fragte er automatisch, obwohl er ja wusste, dass Severus ihm das sofort mitgeteilt hätte. Er sah das strenge Gesicht seines Freundes und vermutete, dass dieser sie auf frischer Tat ertappt hatte. Das wäre jedenfalls typisch für Severus, denn es gab nur sehr wenig, das ihm entging.
„Außer dass sie eine Stunde früher im Bett waren, heute Abend, ist ihnen zum Glück nichts zugestoßen," sagte Snape kühl. Remus sah ihn erstaunt an. Waren die Kinder wirklich so leicht davon gekommen? Dann war Severus aber sehr nachsichtig gewesen für seine Verhältnisse, staunte Remus.
„Auf diesen Plänen ist aber nur das Haus eingezeichnet und nicht das ganze Grundstück. Für mich hat das ausgesehen, wie ein Brunnenschacht, aber bei einem so alten Haus wie diesem, weiß man das nicht so genau. Es ist gut über zweihundert Jahre alt. Ich frage mich, ob meine Großmutter davon gewusst hat," überlegte Snape und Remus griff nach den Plänen. Das war wirklich interessant!
„Wir sollten uns den Schacht morgen einmal genauer ansehen." Severus stellte sein Glas hin und horchte. Hatte er Schritte gehört? Sein Blick verfinsterte sich und er stand auf, um nachsehen zu gehen. Er mochte es gar nicht, wenn die Kinder noch rum geisterten, wenn sie im Bett sein sollten. Wenn man das durchgehen ließ, dann hatten sie sofort das Gefühl, das würde toleriert.
S s s
„Ich musste Harry nur schnell etwas sagen, Dad," sagte Laura entschuldigend. Der gewisse Blick, mit dem ihr Vater plötzlich vor ihr stand, sagte ihr, dass er nun keinerlei Mätzchen mehr duldete.
„Und das konnte unmöglich bis morgen warten, nehme ich an?" fragte Snape leise und etwas ironisch. Laura biss die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf. Sie sah ziemlich ertappt aus und ihre Augen waren groß und schuldbewusst.
Severus sagte nichts, sondern zeigte nur in Richtung Lauras Zimmer. Sie verstand sofort und machte sich schnell davon, bevor es ihm noch in den Sinn kam, es müsse heute Abend doch noch 'rauschen'.
Als er wieder dir Treppe hinunter kam, sah er, wie Remus die Pläne studierte. Ja, sie würden am nächsten Tag nachsehen, was es mit dem Schacht auf sich hatte, dachte er.
"Dein Vater hat sich sehr gefreut, auf die Kinder aufzupassen," stellte Remus fest und war gespannt auf Severus' Reaktion. Er hatte noch nicht erzählt, wie es zu seinem Sinneswandel gekommen war und weshalb er nun den Kontakt zu seinem Vater hatte. Natürlich hatte Remus gesehen, dass Snape sehr zurückhaltend gewesen war, zu seinem Vater, aber dass er zugelassen hatte, dass der ältere Snape überhaupt das Haus betrat und dann auch noch nach den Kindern sah, war schon erstaunlich.
"Ja," antwortete Severus knapp. Nach einer längeren Pause und einem guten Schluck Rotwein fügte er hinzu: "Laura scheint ihn zu mögen und ich... ertrage ihn. Remus spürte, dass der Mann nicht weiter darüber reden wollte im Moment und er ließ das Thema fallen.
Die beiden Männer saßen lange Zeit auf dem Sofa, redeten manchmal, aber meistens lasen sie. Remus dachte über seinen Tag im St. Mungos nach. Es hatte ihm sehr gefallen, auch wenn er sich ein bisschen eine dickere Haut zulegen musste, damit ihn die Schicksale nicht zu sehr beelendeten. Er konnte dort eine gute Hilfe leisten. Und er hatte den Job. Obwohl es ein befristeter war, freute er sich sehr darüber.
„Hast du das gehört?" fragte Severus plötzlich und sah von seinem Buch auf. Remus horchte, aber schüttelte den Kopf.
Snape erhob sich mit verärgertem Gesichtsausdruck. Falls seine Tochter nun immer noch rumschlich, würde es was setzten, dachte er.
Er stieg die Treppe hinauf, aber sah nichts. Er öffnete Lauras Tür einen Spalt breit. Er hatte von unten nicht hören können, von welchem Zimmer das Geräusch stammte, aber als er Laura kerzengerade im Bett sitzen sah, wusste er, das es wohl sie gewesen war.
Ihr Gesicht war ganz verschwitzt und sie weinte und schluchzte.
Als Snape sich zu ihr hinunter beugte, um sie an der Schulter zu rütteln, sah sie ihn mit verängstigten Augen an. Als sie ihn nach einer Sekunde erkannte, warf sie sich ihm sofort in die Arme.
„Was ist los?" fragte er, während er sich auf ihr Bett setzte und ihr sanft auf den Rücken klopfte.
„Diese Frösche," schluchzte sie und Snape wusste sofort, wovon sie sprach. Er wartete - für seine Verhältnisse geduldig - bis sie sich etwas beruhigt hatte. Mit seinem Zauberstab machte er das Licht an.
„Ich hab geträumt, dass die Frösche meine Mum bissen und du hast versucht die Frösche zu zertreten. Aber es kamen immer mehr. Amélie hatte ganz hohe Stöckelschuhe getragen und hat dir geholfen. Mum lag dann am Boden und ich sah ihre toten Augen..." Laura weinte wieder in Snapes Brust und er fuhr ihr mit der Hand über das Haar.
„Dad, ich vermisse Mum immer noch," schluchzte sie. Alles schien Laura in diesem Moment hoch zu kommen. Sie war das heulende Elend. Snape tat es Leid, dass Laura ihre Mutter nur so kurz gekannt hatte und sich nicht mal mehr so gut an sie erinnern konnte. Der Schmerz würde wohl nicht so schnell aufhören. Oder zumindest immer wieder auftauchen.
„Ich hab nicht mal geweint, als sie starb," sagte Laura plötzlich mit heiserer Stimme. Snape sah sie an und nickte nur. Er hielt beinahe die Luft an, denn er war sehr gespannt, was, und ob seine Tochter noch etwas dazu erzählen würde.
„Mein Großvater hat mich damals aus dem Bett geholt. Ich war noch nicht mal fünf, aber ich erinnere mich genau. Meine Mum wolle mich sehen, hatte mein Großvater zu mir gesagt." Laura sprach leise und ihr fiel jetzt auf, dass sie das noch nie jemandem erzählt hatte.
„Meine Mum lag da und lächelte mich an. Ich wusste, dass sie jetzt gehen würde. Wie immer legte ich mich zu ihr und kuschelte mich in ihren Arm."
Snape horchte gespannt den Worten seiner Tochter und er spürte, wie ihm heiß wurde. Vielleicht war das die einzige Gelegenheit, in der sie das erzählen würde.
„Sie sagte mir, dass ich nie vergessen solle, wie sehr sie mich lieb hat. Dass sie mich immer lieben würde und dass sie auch immer irgendwie bei mir sein würde." Laura schluckte schwer, bei der Erinnerung. Ihr waren diese Worte noch so genau im Gedächtnis und auch die Stimme ihrer Mutter. Manchmal verblassten diese Erinnerungen, aber wenn sie abends im Bett lag, konnte sie die Worte wieder hören, wenn sie sich konzentrierte.
„Mein Großvater saß neben dem Bett und ich lag in Mums Armen. Ich habe gar nicht richtig gemerkt, dass sie starb, oder vielleicht kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Ich weiß noch wie ich einfach da lag, neben ihr und als ich sie dann ansah, waren ihre Augen leer.
Mein Großvater und ich sahen sie einfach an und für mich war das gar nicht schlimm. Ich habe nicht geweint, denn sie hat mir ja immer gesagt, dass sie ihren Körper bald verlassen werde. Sie hat immer die Wahrheit gesagt." Laura konnte sich an die Wärme der Hand erinnern, die ihr der Großvater damals auf ihren Rücken gelegt hatte. Es war ein friedlicher Moment gewesen, den Laura in guter Erinnerung hatte. Sie hatte ihren Grossvater sehr gerne gemocht, aber er hatte selten Zeit gehabt für sie, da die Grossmutter nicht mehr bei bester Gesundheit gewesen war und er sich um sie hatte kümmern müssen.
In Gedanken hatte Laura das Sterben der Mutter viele Male wieder erlebt. Die Zeit danach war für das Kind viel schlimmer gewesen und Laura erinnerte sich an die vielen Tränen, die sie geweint hatte. Und sie war so froh gewesen, dass sie ihre Cousine gehabt hatte, auch wenn das Mädchen so komplett anders gewesen war als sie selbst.
Sie hatte sich gefühlt, als hätte man etwas aus ihr heraus gerissen und das Loch, welches sie dann immer in ihrem Bauch gefühlt hatte, musste gefüllt werden. Sie hatte es auch gefüllt. Mit schönen Erlebnissen. Mit blauem Himmel und mit den Nachmittagen an ihrem Fluss und mit all den kleinen Schönheiten der Natur. So hatte sie es sich vorgestellt und es hatte sie getröstet.
Snape fror es plötzlich, nachdem es ihm doch vorhin so heiß gewesen war. Er wollte Laura nicht unterbrechen und tatsächlich erzählte sie noch mehr.
„Am nächsten Morgen habe ich in Mums Zimmer eine schöne Zeichnung mit Schmetterlingen gemalt. Mum lag immer noch auf ihrem Bett, so wie sie in der Nacht gestorben war. Nur die Augen hatte sie zu.
Als meine Großmutter kam, sah sie mich so seltsam an, als sie mich in Mums Zimmer sitzen sah. Ich wusste nicht, wieso ich nicht bei meiner Mum sein sollte. Sie hat mit meinem Großvater geschimpft, dass das doch nichts für Kinder sei, aber Großvater hat nur den Kopf geschüttelt und mir zugelächelt."
Laura rieb sich mit den Händen die Augen und strich sich übers Gesicht um die verbleibenden Tränen weg zu wischen.
„Ich bin so froh, dass ich bei meiner Mum sein konnte. Das hat mich irgendwie getröstet, sie hat nicht alleine sein müssen, als sie starb. Ich bin wirklich froh, dass er mich bei ihr gelassen hat, ich weiß nicht, ob ich das sonst hätte verstehen können." Lauras Stimme wurde noch leiser und nachdenklich. „Es wäre schlimm gewesen, wenn er mir am Morgen einfach gesagt hätte, dass Mum gestorben sei und ich sie nicht mehr hätte sehen können.
Ich habe erst zwei Tage später geweint, als ich sie so sehr vermisst habe. An die Beerdigung kann ich mich kaum mehr erinnern."
Laura sah zu ihrem Vater hinauf. Sie wusste nicht, warum sie ihm das erzählte. Wollte er das überhaupt hören? Wieso dachte sie nun solche Dinge?
Snape küsste sie auf die Stirn und drückte sie an sich. Gottseidank hatte Laura einen so guten Großvater bei sich gehabt. Ohne dass er es merkte, wiegte er Laura leicht hin und her, ganz in Gedanken versunken. Als er zu ihr hinunter sah, hatte sie die Augen geschlossen und schlief wie ein Engel.
Für Ellen muss es auch schlimm gewesen sein, zu wissen, dass sie ihr geliebtes kleines Töchterchen alleine lassen musste. Wohl deshalb hatte sie an ihn appeliert und ihn so eindringlich gebeten, sich ihrer anzunehmen. Deshalb hatte sie ihm die Erinnerungen an Lauras frühe Kindheit geschenkt. Er war so froh, hatte er Laura in sein Herz gelassen.
Er sah Laura an, die ganz entspannt an ihn geschmiegt lag. Wenn er sein Kind schon so sehr liebte, wie musste dann eine Mutter, die das Kind in ihrem Bauch getragen hatte und sich rund um die Uhr um ein kleines, hilfloses Baby gekümmert hatte, fühlen? Und wie schrecklich musste es sein, wenn man wusste, dass man dieses Kind nicht großziehen durfte? Das erste Mal konnte er ansatzweise in den Schmerz hineinfühlen, den Ellen nebst ihrer Krankheit hatte ertragen müssen. Das erste Mal ließ er solche Gefühle zu. Ja, es hatte sich sehr viel verändert, seit er Laura hatte.
Und es war das erste Mal seit vielen Jahren, dass Severus eine Träne die Wange hinunter lief. Er zog Laura etwas näher und hielt sie fest.
Severus hatte viele scheußliche und ganz schreckliche Erlebnisse mit sterbenden Menschen und dem Tod überhaupt gehabt.
Aber Ellens Tod war kein solch schlimmes Sterben gewesen.
Und auch das Sterben war ein Teil des Lebens.
Er war der Ansicht, dass wenn man mit diesem Thema natürlich umging, gerade mit Kindern, dann würden sie nicht so schnell beänstigende, unheimliche Vorstellungen davon entwickeln.
Er legte Laura in ihr Bett und deckte sie zu. Er sah sie nachdenklich an.
Eine alt bekannte Angst schlich sich in Snapes Gedanken. Eine Angst, die nun, da er Vater war, ein ganz anderes Gewicht bekam. Die Erinnerungen an die schrecklichen Zeiten vor zwölf Jahren würden ihn immer begleiten, nur wollte er auf keinen Fall, dass sie wieder zur Realität wurden. Nie mehr!
S s s s s s s s s
Laura hüpfte gut gelaunt an seiner Hand, als sie einen Feldweg entlang zu einem kleinen Dorf gingen. Es war schon am Eindunkeln und sie hatten das Flohnetzwerk bis zum Nachbarsdorf benutzen können. Als sie aus dem Kamin getreten waren in einem irischen Pub, hatten sie sich zeitlich ziemlich zurück gesetzt gefühlt. Das Dörfchen hatte alte, kleine Häuser gehabt und es war offensichtlich gewesen, dass es dort Zaubererfamilien gab.
Das Dorf, in dem das Konzert war, war - von weitem jedenfalls - sehr ähnlich.
Severus, in seine üblichen hoch geschlossenen Gewänder gekleidet, sah hier gar nicht fehl am Platz aus, sondern passte sehr gut zu der Umgebung.
Er hatte sich schwer überlegt, ob sie zu diesem Konzert gehen sollten. Erstens war er nicht der gesellige Typ, zweitens wusste er nicht, ob er Amélies Freund sehen wollte. Andererseits wollte er es aber. Und er wollte auch die junge Frau sehen, was er sich selber nicht zugestand.
Und Laura war ihm auch in den Ohren gehangen, dass sie unbedingt gehen wollte.
„Schade, dass Harry und Remus nicht dabei sind," sagte Laura und sah zu ihrem Dad rauf. Die Freunde waren am Morgen abgereist.
Snape nickte kurz.
Sie gingen durch das Dorf, das auch alt aussah, aber nicht so zauberermäßig.
„Geh anständig," sagte Snape leise zu seiner Tochter, die hin und wieder immer noch aufgeregt hüpfte neben ihm.
Sie gehorchte und sah sich um. Die Musik war schon um die Ecken der Häuser herum zu hören. Als sie endlich auf den Dorfplatz kamen, wo die Musik spielte, staunte Laura. Die Leute, die dort tanzten und an Tischen saßen, redeten und sangen waren auch altertümlich gekleidet und es war ein spezielles, faszinierendes Bild. Die Musik war so fröhlich und die Leute so ausgelassen, dass Laura sofort mittanzen wollte.
Sie benahm sich aber und ließ Snapes Hand nicht los, bis sie näher an den Tanzenden waren und sie zwischen den Leuten Amélie sah. Die junge Frau trug ein buntes, langes Kleid und ein Haarband und große Ohrringe. Sie erinnerte Laura irgendwie an eine Zigeunerin. Sie tanzte lachend und sie sah so schön aus, fand Laura.
Die Musiker spielten mit vielen verschiedenen Instrumenten, die Laura zum Teil nicht kannte.
Als Amélie die beiden entdeckte, kam sie lachend zu ihnen und begrüßte sie fröhlich. Sie fragte, ob sie auch tanzen wollten, aber Snape lehnte natürlich ab. Er stand mit verschränkten Armen am Rand der Tanzfläche und sah zu, wie Amélie Laura auf die Tanzfläche zog und wild mit ihr tanzte. Das gefiel Laura natürlich und sie drehte sich mit Amélie im Kreis und hüpfte über die Tanzfläche. Es waren so viele Leute ausgelassen am Tanzen und die Musik war so fröhlich und mitreißend, dass sich Laura super amüsierte.
Natürlich hatte sie nicht erwartet, dass ihr Vater rumtanzen würde, aber sie sah, dass ihm die Musik zu gefallen schien. Überall standen Leute herum, und Snape fiel nicht auf in seinen speziellen Kleidern.
Er beobachtete, wie Laura Amélie etwas ins Ohr sagte und das Gesicht der jungen Frau sich kurz verfinsterte. Sie zeigte zu einem jungen Mann, der Dudelsack spielte. Snape war sich sicher, dass es der Freund von Amélie war. Der junge Mann hatte kurzes blondes Haar und sah nicht schlecht aus. Aber seine Augen hatten einen seltsamen Ausdruck.
Snape kniff seine eigenen Augen einen Moment zusammen. Er wusste, dass man von gewissen Rauschmitteln solche Augen bekam.
Als das Lied zu Ende war, kam Laura lachend zu ihm zurück und umarmte ihn glücklich. „Dad, das ist so toll hier!" sagte sie. Amélie stand auf der Tanzfläche zwischen ein paar anderen Leuten, die fröhlich miteinander sprachen und sah zu dem jungen Mann hin. Sie machte ein paar energische Schritte auf ihn zu und sprach auf ihn ein, als er die Flasche von seinen Lippen nahm, die wahrscheinlich nicht Apfelsaft enthielt. Der junge Mann lächelte versöhnlich und küsste Amélie kurz. Dann sprach er beschlichtigend auf sie ein und sie winkte ärgerlich ab und drehte sich um.
Die Musik spielte weiter und Amélies Ärger schien vergessen, denn die junge Frau tanzte weiter und winkte Laura zu, sie solle auch wieder kommen.
Nach dem nächsten Lied kam sie mit dem Mädchen zu Snape und fragte ihn, was er trinken möchte. Sie offerierte einen Drink und stand während des nächsten Liedes neben den beiden Zauberern. Laura fragte sich, ob Julien auch ein Zauberer sei, oder ein Muggel.
Die Musik war zu laut, um sich zu unterhalten. Als in ihrer Nähe ein Tischchen frei wurde, schnappte sich Amélie Snapes Hand und zog ihn mit sich. Auch Laura hatte sie sich geschnappt und steuerte auf den Tisch zu. Das Mädchen staunte, dass ihr Vater das mit sich machen ließ.
In dem Moment wollten sich ein paar junge Männer an diesen Tisch setzten. Amélie ließ Snapes Hand los und er sah, wie sie heimlich zu dem Zauberstab griff, den sie im Ärmel des luftigen Kleides versteckt hatte.
Die Männer sprangen schnell wieder auf und sahen sich verwirrt um. Amélie lächelte Snape, der sie vielsagen ansah, an und zwinkerte ihm schelmisch zu.
Severus' Mundwinkel zogen nur andeutungsweise nach oben, zeigten aber einen klar amüsierten Ausdruck.
Die drei setzten sich schnell. Sie mussten ziemlich laut sprechen, damit sie etwas verstanden, was Snape im Normalfall unmöglich gefunden hätte.
Amélie sah immer wieder zu ihrem Freund, der immer mehr der durchsichtigen Flüssigkeit in sich hinein leerte. Die Französin wunderte sich, wieviel Alkohol ihr Freund trinken konnte, ohne bewusstlos unter dem Tisch zu liegen. Sie wusste, dass er auch schon etwas geraucht hatte, vorhin. So sehr belastete es sie aber seltsamerweise nicht mehr. Sollte er sich doch bis zur Besinnungslosigkeit volldröhnen!
"Schade, dass dein Freund keinen Schottenrock trägt," sagte Laura verschmitzt lächelnd und Snape sah sie von der Seite her fragend an. Dass sie schon immer mal hatte wissen wollen, was die Schotten wirklich drunter tragen, oder eben nicht tragen, behielt sie für sich.
Die Musiker legten eine Pause ein und Laura sah, wie sich Amélies Freund suchend umsah. Als er sie an dem Tischchen sitzen sah, kam er zu ihnen. Laura fiel auf, dass der Mann scheinbar etwas Mühe hatte, sich den Weg durch die Menge zu bahnen, denn er stolperte zweimal über irgendwelche Beine.
Er umarmte Amélie von hinten und sagte etwas auf französisch. Amélie schien sich ziemlich zu nerven, was ihr Gesichtsausdruck deutlich zeigte.
„Hier ist kein Platz mehr, Julien," sagte sie etwas genervt. Den Freund schien der leicht unfreundliche Ton von Amélie nicht zu beeindrucken, er küsste sie auf die Wange und sie schob ihn von sich weg. Er lachte und gesellte sich zu seinen Kollegen.
Amélie atmete genervt, aber auch etwas erleichtert aus, als er sich an die provisorische Bar stellte und etwas zu trinken bestellte.
Dann erzählte Laura ihr Abenteuer, von dem Schacht, den sie gefunden hatten.
„Meine Eltern, vor allem meine Mutter hat auch fast immer alles gemerkt," sagte Amélie mitfühlend, als Laura etwas zerknirscht erzählte, dass ihr Vater sie erwischt hatte.
Endlich spielten die Musiker weiter. Laura wollte unbedingt nochmals tanzen und Snape sagte ihr, dass sie bald gehen würden. Amélie ließ sich gerne dazu überreden und Snape beobachtete die beiden von seinem Platz aus. Wie ausgelassen die beiden tanzten!
Die Leute gaben sich alle die Hand und tanzten im Kreis rum und dann über die ganze Tanzfläche, wie eine Schlange aus hüpfenden Menschen.
Aber es war schon spät und Laura musste ins Bett. Er hatte auch genug von der lauten Musik.
Dass Amélie ihren Freund nicht verliebt anhimmelte, freute Severus insgeheim und er war froh, dass er trotz seiner Bedenken und seiner Enttäuschung hier her gekommen war. Auch, dass Laura so fröhlich sein konnte, freute ihn sehr. Nach der großen Traurigkeit gestern Nacht.
Amélie war eine quirrlige, attraktive junge Frau und sie zog so einige Blicke auf sich. Nur schien dieser... Freund von ihr sie nicht zu schätzen. Er war zweifellos ein Muggel, konnte sowas überhaupt gut gehen?
Wieso hatte er sich überhaupt bloß irgendwelche Hoffnungen gemacht, wenn auch nur ganz wage? Hatte er wirklich gedacht, er könnte irgendwie interessant sein für so eine junge Frau? Wie naiv war er eigentlich! Nein, eigentlich war ihm von Anfang an klar gewesen, dass keine Chance bestand. Es würde ja schon an der Liebe scheitern. Er war nicht der Typ, der Liebe geben konnte. Der geliebt wurde. Außer Laura. Ja, sie war ja seine Tochter. Natürlich liebte er sie. Sehr sogar. Und sie liebte ihn auch. Und sie hatte ihn schon geliebt, als er noch nicht gewusst hatte, dass er es auch tat. Und er hatte Lily geliebt. Aber das war lange her.
Snape war so in seine Gedanken vertieft, dass er nicht bemerkt hatte, dass Amélie neben ihn getreten war und sein nachdenkliches Gesicht musterte.
„In Gedanken am Tränke Brauen, Professor?" fragte sie fröhlich, als er ihren Blick endlich erwiderte. Er lächelte leicht.
„Laura, wir gehen jetzt," sagte er, denn das Lied war gerade fertig und Laura winkte ihm zu.
„Noch ein einziges Lied, Dad," bettelte sie, sah aber an seinem Blick sofort, dass sie gehorchen musste.
Sie atmete enttäuscht aus, aber ging zu ihrem Vater. Amélie gab ihrem Freund einen unglücklichen Blick und sagte dann zu Snape: „Ich komme auch gleich mit." Sie verabschiedete sich kurz von Julien, der aber schon wieder am Dudelsack spielen war. Der Alkohol war nun so langsam in der Musik zu hören, bemerkte Amélie und verdrehte die Augen.
Snape und Laura warteten etwas abseits der Menschenmenge auf sie. Sie war beeindruckt, wie gut der Tränkemeister seine bald pubertierende Tochter im Griff hatte. Sie wusste, wie trotzig und schwierig Kinder in diesem Alter sein konnten. Ihre Mutter rieb ihr das immer wieder unter die Nase, dass sie weitaus die Schwierigste gewesen sei, als Teenager.
Laura trottete brav neben ihrem Vater her und griff nach seiner Hand.
Amélie hätte natürlich apparieren können, entschloss sich aber, die beiden zum Flohnetzwerk zu begleiten.
Sie genossen den Weg zusammen ins nächste Dorf, es war nicht weit und es war eine wunderschöne Nacht.
Amélie erzählte Snape und Laura, dass ihr Freund und seine Band ein paar Wochen durch Irland reisen und spielen würden. Er sei der einzige Franzose in der Band, die ziemlich zusammengewürfelt war. Die Band sei aber nicht sehr bekannt und verdiene auch praktisch kein Geld.
Für Alkohol und anderes reichte es aber scheinbar immer, fügte sie in Gedanken hinzu und ärgerte sich schon wieder über Julien. Auch dass Julien sonst nicht sehr arbeitsam war und gerne ein wenig zu tief ins Glas schaute, erwähnte sie nicht.
Snape hörte aber an ihrem Ton, dass sie über den Lebenswandel ihres Freundes nicht begeistert war.
Vor dem Pub mit dem Flohnetzwerk blieb Amélie stehen.
„Danke für den schönen Abend, es hat mich sehr gefreut, dass ihr gekommen seid," sagte Amélie freundlich und Snape sah ihr an, dass sie das ernst meinte.
Und die junge Frau war auch wirklich sehr erstaunt gewesen, dass die beiden Snapes aufgetaucht waren. Sie hätte nicht erwartet, dass Severus Snape sich an einem Fest mit Musik zeigen würde. Sie hatte auch noch zwei andere Leute eingeladen, die aber nicht erschienen waren. Natürlich war die Einladung ziemlich spontan gewesen, deshalb war es begreiflich.
Sie beugte sich hinunter und gab Laura einen Kuss auf die Wange. Laura umarmte die junge Frau kurz.
Amélie gab Snape die Hand, um sich zu verabschieden. Sie sah sich um und war einen Moment später verschwunden.
Snape betrat mit Laura das laute, überfüllte Pub um dort in einem Nebenraum im Kamin zu verschwinden, nachdem er dem Barkeeper eine Münze in die Hand gedrückt hatte.
Laura hielt sich an Snapes Hand fest, die er um sie herum gelegt hatte. Sie lächelte, als er das Pulver ins Feuer warf und die beiden Zauberer mit einem 'Swuschhh' verschwanden.
TBC...
