Hallo, nun gehts auch schon weiter. Vielen herzlichen Dank denen, die sich die Zeit genommen haben, mir einen Kommentar zu schreiben. Freut und motiviert mich sehr!

Wie immer hat mich auch bei diesem Kapi scientific ida unterstützt und meine Fehler korrigiert ;-) Vielen vielen Dank. Liebe Grüsse Sally

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Laura tauchte im Fluss herum, obwohl der Himmel ziemlich bedeckt war und es nach Regen aussah. Sie hatte die Gelegenheit genutzt, in den Bach zu springen, als Snape sich ins Gewächshaus verzogen hatte, um eine Pflanze umzutopfen.

Severus bereitete drei Töpfe vor und dachte daran, dass er Laura in ein paar Tagen zu den Weasleys bringen würde, wo sie sich mit Harry treffen würde. Da dann Vollmond war, konnte Remus sich nicht um den Jungen kümmern.

Die beiden Männer hatten noch den Schacht erkundet, bevor Remus mit Harry vor zwei Tagen abgereist war. Außer den vielen Opacus, die aufgeregt um sie herum geflattert waren, bis sie wieder von einem Lähmzauber ruhig gestellt worden waren, hatten sie nichts Spezielles gefunden.

Die Kinder hatten sich enttäuscht gezeigt, sie hätten doch so gerne einen Schatz entdeckt. Das Loch hatte sich als ziemlich tief heraus gestellt und schien tatsächlich einmal ein Brunnenschacht gewesen zu sein.

Jimmy war auch wieder aufgetaucht und hatte sich ein paar der Leckerbissen geholt, was nichts geschadet hatte, denn die Opacus hatten sich scheinbar ziemlich gut vermehrt gehabt. Es hatte eine beachtlich große Zahl der Flattertiere in dem Schacht gehabt, da schadete es nicht, wenn sie ein wenig dezimiert wurden.

Snape hatte sich sehr gewundert, wie sich die Tiere so hatten vermehren können. Er wusste, dass sie sehr lange ohne Nahrung sein konnten, aber so eine stattliche Zahl musste doch eine Futterquelle haben.

Sie hatten die Wände des Brunnens nochmals genauer untersucht, bis Remus eine Inschrift an einem Stein entdeckt hatte. 'Orbis lapideum' war in den Stein hinein gemeißelt gewesen. Darüber war noch ein Warnzeichen in alten Runenzeichen gekratzt gewesen. Das Runenzeichen war nicht so sorgfältig und schön in den Stein gehauen worden. Die beiden Männer hatten verschiedene Zauber ausprobiert, um einen eventuellen Durchgang zu finden oder zu öffnen. Aber außer einem kleinen Loch ganz unten in der Mauer hatten sie nichts gefunden.

Remus hatte sich hingekniet und den Zauberstab in das Loch gesteckt. Mit dem Lumos hatte er gesehen, dass tatsächlich ein Hohlraum war, hinter der Steinwand.

Der Werwolf hatte dann einen Vergrößerungszauber angewandt, um das Loch zu vergrößern. Die beiden Kinder, die auf dem Bauch oben am Schacht gelegen hatten und gespannt beobachtet und gelauscht hatten, konnten kaum glauben, dass man ein Loch wachsen lassen konnte. Ein Loch war ja eigentlich gar nichts!

Aber es hatte geklappt und zum Vorschein war ein dunkler Raum gekommen. Severus hatte Remus gebeten nach oben zu gehen und hatte sich alleine daran gemacht, das dunkle Loch zu erkunden. Remus hatte verstanden, dass sein Freund nichts hatte riskieren wollen und die Kinder hätten ihm ja nicht helfen können, wenn etwas passiert wäre.

Laura hatte vor Aufregung gezittert, als ihr Dad in dem Gang verschwunden war. Sie hatte sich kaum zurückhalten können, ihrem Vater in den Gang zu folgen. Auch für Harry war das alles mehr als spannend gewesen und er wäre sehr gerne dabei gewesen, bei der Erkundung.

„Ich geh jetzt auch da runter," hatte Laura verzweifelt gesagt und war mit einem Fuß schon auf der Leiter gewesen, als Remus sie bestimmt zurück gehalten hatte.

„Glaubst du, dein Vater wäre erfreut, wenn du da unten auftauchen würdest?" hatte er sie ernst gefragt und vielsagend genickt, als er die Veränderung in Lauras Gesicht gesehen hatte.

Ihr Dad hätte ihr gehörig den Hintern verhauen und sie dann sofort wieder hoch geschickt, das wusste Laura.

Sie war froh gewesen, dass Remus sie vor sich selbst geschützt hatte, aber ihre Nervosität hatte nicht nach gelassen, bis ihr Vater, nach einer Ewigkeit wieder die Leiter hinauf geklettert war.

Er hatte erzählt, dass er nun den Grund für die vielen Opacus gefunden habe. Ein Skelett einer riesigen Echse, fast zwei Meter lang, habe dort gelegen und es habe noch ziemlich schlimm gestunken, was darauf hindeutete, dass das Tier vor noch nicht all zu langer Zeit verendet sei und den Flattertieren in letzter Zeit als Nahrung gedient hatte. Sie mussten sich durch das Loch in der Mauer gequetscht haben, um an das verendete Tier ran zu kommen.

Er sei einige Meter einem Gang gefolgt, bis er an eine eingestürzte Stelle gekommen sei. Er habe versucht, die Steine bei Seite zu zaubern, aber es sei zu gefährlich gewesen, da nur mehr eingestürzt wäre.

Laura hatte nicht aufgehört zu fragen, wohin der Gang wohl geführt haben könnte, bis Snape ihr gedroht hatte, sie ins Zimmer zu schicken, wenn sie nicht sofort still sei.

Severus hatte dann am Nachmittag, als Remus und Harry gegangen waren darüber nachgedacht, was mit 'Orbis lapideum' wohl gemeint sein könnte. Das es etwa 'Kreis aus Stein' hieß, wusste er, aber er hatte nicht gewusst, ob damit der Schacht gemeint war oder ob der Gang zu einen Kreis aus Stein führen würde. Es war schon seltsam, dass die Echse, die wahrscheinlich ein magisches Wesen gewesen war, in diesem Gang platziert worden war. Durch den Einsturz musste es dem Tier den Weg zu seiner Futterquelle abgeschnitten haben, weshalb es wahrscheinlich gestorben war.

Er hatte seine Bücher durchgeackert, um in Erfahrung zu bringen, ob in der Nähe ein alter Steinkreis, von denen es in England und Schottland einige gab , vorhanden war, denn es war ihm nichts derartiges bekannt. Diese Steinkreise wurden früher und auch heute noch von einigen Zauberern und auch von fanatischen Muggeln als Kultstätten und heilige Orte genutzt.

Er hatte nichts gefunden und er würde dann in Hogwarts weiter recherchieren. Der Steinkreis würde ihm ja nicht davon laufen!

Er hatte sich gefragt, ob seine Vorfahren von dem Gang gewusst hatten und ob sie die Echse in den Gang gebracht hatten.

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Severus wusch sich die Hände, denn er hatte Sand und Erde in zwei Töpfchen gefüllt.

Snapes Kollege Edwarts hatte ihm heute Morgen per Eule mitgeteilt, dass er am Nachmittag bei ihm vorbei schauen wolle, da er kein Carpaliskraut mehr habe, dass er dringend benötige und Snape habe doch so viel.

Also schnitt Severus einige der drahtigen Ästchen ab, die etwa zwanzig Zentimeter aus der Erde ragten. Er steckte sie in die zwei bereit gestellten Blumentöpfchen und wässerte sie.

Er sah zum Fenster, denn er hatte ein leises Kratzen gehört. Jimmy stand dort auf den Hinterbeinen vor dem Fenster und angelte sich eine Spinne, die an einem Spinnenfaden am Fenster des Gewächshauses hing. War sie also schon wieder hungrig, dachte Severus amüsiert. Gestern war Laura mit dem Tierchen auf dem Arm zu ihm gekommen und hatte gefragt, ob er denke, dass Jimmy schon wieder Babys im Bauch habe, weil sie so rund war. Er hatte geantwortet, dass er eher denke, dass sie zu viele Opacus im Bauch habe und deshalb so rund sei.

Er hätte gedacht, dass das Streifenhörnchen nun ein paar Tage nichts mehr fressen würde. Er lächelte, als er sah, wie Jimmy auf der Spinne herum kaute.

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Laura genoss es derweil immer noch im Wasser. Die Wolken wurden dunkler, aber ihr Dad hatte ihr ja nicht verboten zu baden, auch wenn sie nicht überzeugt war, dass er sehr glücklich darüber sein würde, dass sie in diesem Wetter in dem kühlen Nass planschte.

Aber sie ignorierte die dunklen Wolken und tauchte nach einer Wäscheklammer, die sie vorhin mit geschlossenen Augen hinein geworfen hatte. Sie versuchte dann immer, mit nur einem Atemzug die untergegangene Klammer zu finden, was nicht so einfach war. Dieses Spiel konnte sie unendlich lange spielen.

Als sie auftauchte, saß Snapes Eule auf einem großen Stein, am Ufer und krächzte herausfordernd. An ihrem Bein war ein Brief befestigt.

Laura lächelte erfreut, als sie den Umschlag sah, denn sie wusste, dass er von Emma war. Sie stieg schnell aus dem Wasser, wobei sie sich die Haare aus dem Gesicht strich, die ihr in die Augen hingen.

Sie setzte sich auf den Stein und begann zu lesen. Emma erzählte, dass es ziemlich anstrengend sei, mit ihrer Mutter, aber dass sie zum Glück häufig mit sich selbst beschäftigt sei und mit ihrer Arbeit. Sie erzählte auch, dass ihre Mum sich ständig über sie beschwerte und Laura fühlte, dass das Emma ziemlich deprimierte. Sie konnte es scheinbar der ehrgeizigen Mutter nie recht machen.

Sie fragte Laura, ob sie zwei drei Tage zu ihr kommen möchte. Laura biss sich auf die Lippen, als sie an Mrs. Thompson dachte. Nein, danke, sagte Laura vor sich hin und die Eule, welche sie während des Lesens streichelte, sah sie neugierig an.

Oh Gott, was sollte sie nur tun? Sie konnte Emma wohl schlecht sagen, dass sie nicht die geringste Lust verspürte, Zeit in Emmas Familie zu verbringen. Sie wollte Emma nicht beleidigen, denn es war doch ihr Zuhause und ihre Familie.

Laura seufzte und legte den Brief zusammen. Sie hörte ein Donnern aus der Ferne.

Es bestand ja die Hoffnung, dass ihr Dad es nicht erlauben würde, zu Emma zu gehen. Ja, er würde es bestimmt nicht erlauben, nachdem, was sie bei den Weasleys geleistet hatte und mit Harry. Gut, dass sie so unartig war, dachte sie grinsend.

Emma hatte geschrieben, dass sie um 19 Uhr den Kopf in den Floh stecken würde, damit sie sich mit Laura kurz unterhalten könnte.

Sie sah aus den Augenwinkeln ihre Schildkröte vorbei gehen und sich unter einem Busch ein ruhiges Plätzchen suchen. Sie lächelte kurz. Die Schildkröte gefiel ihr sehr und sie liebte es, sich neben das Tier zu legen und ihm Löwenzahn zu füttern. Die Schildkröte aß etwa genau so, wie Snape es ihr nie erlauben würde.

Laura dachte an Emmas Brief. Sie würde schon dafür sorgen, dass Snape sie nicht gehen lassen würde.

Etwas erleichtert tauchte sie wieder in den Bach und suchte ihre Wäscheklammer.

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„Laura!" Snape tönte ziemlich gereizt, als er am Rand des Baches stand und seine triefend nasse Tochter rief. Es regnete relativ stark und es hatte schon mehrmals gedonnert, aber Laura schien davon keine Notiz zu nehmen.

„Komm sofort rein, ein Gewitter ist im Anzug, falls dir das entgangen ist. Marsch, ins Haus!" sagte er streng und Laura rümpfte die Nase.

„Dad, darf ich zu Emma für drei Tage?" fragte sie in einem eher fordernden Ton, als sie aus dem Wasser trat. Sie fand es eine gute Gelegenheit, das jetzt zu fragen, wo er schon ziemlich ärgerlich schien und sie wusste sehr gut, welchen Ton sie anschlagen musste, um seine Nerven zu strapazieren. Also standen die Chancen gut, dass er es nicht erlauben würde.

„Das diskutieren wir nicht jetzt, und mässige deinen Ton, sonst liegst du um acht Uhr im Bett, klar?"

Er hatte ganz ruhig gesprochen, aber Laura war das Funkeln in seinen Augen nicht entgangen.

Nein, sie wollte natürlich nicht bestraft werden. Nicht so jedenfalls. Er sollte es ihr nur nicht erlauben zu gehen.

„Ich will aber gehen. Wenn du es nicht erlaubst, geh ich einfach!" Sie wusste genau, dass sie sich damit auf ziemlich unsicheren Boden begab und tatsächlich eine Strafe riskierte. Aber zwei, drei Tage bei Emma würde sie nicht aushalten.

Natürlich hätte sie es ihrem Dad sagen können, dass sie nicht wollte und hätte Emma einfach erzählen können, dass er nein gesagte habe. Sie war aber leider eine miserable Lügnerin und irgendwie wollte sie Emma auch nicht so ins Gesicht lügen. Sie war schließlich ihre Freundin.

Snape hob die Augenbraue. Was war mit Laura los? Wieso wollte sie unbedingt zu diesen Leuten, von denen er genau wusste, dass sie sie nicht leiden konnte.

Wahrscheinlich wegen der Freundin. Vielleicht war es ihr hier eben doch ein wenig langweilig alleine. Als Harry hier gewesen war, war sie natürlich immer mehr als beschäftigt gewesen. Nun war Remus mit dem Jungen bei sich zu Hause und bald würde Harry dann zu den Weasleys gehen, da bald Vollmond war.

Snape war stehen geblieben, bei der frechen Aussage seiner Tochter und drehte sich zu ihr um. Er sah sie an und Laura wand sich unter seinem strengen Blick. Sie sah ihn schuldbewusst an, da es ihr bei diesem Blick nicht gelang, ihre freche Fassade beizubehalten. Sie schluckte und sah dann zu Boden. Sie konnte sich sehr glücklich schätzen, wenn sie dafür keine Strafe oder Klaps kassierte.

„'tschuldigung, Dad," sagte sie leise. Snape fixierte sie noch einen Moment und drehte sich dann ohne Worte um. Sie folgte ihm in sicherem Abstand.

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„Weisst du eigentlich, wie sehr ich dich vermisst habe, Milly?" fragte Laura und sah die Hauselfe über den Küchentisch an. Sie schnetzelten zusammen Gemüse für eine Suppe. Milly hatte ihr viel erzählt, über das Campieren und Laura war beinahe ein bisschen eifersüchtig, einerseits, weil sie nicht dabei gewesen war, andererseits, weil ihre Milly so von Harry und Remus schwärmte.

Die Hauselfe lächelte erfreut und sagte: "Milly hat junge Laura auch sehr vermisst." Laura lächelte zu Milly hinüber.

Während des Schneidens überlegte sie, was sie anstellen könnte, um ihren Vater zu verärgern, aber natürlich nicht zu sehr. Sie hatte keine Lust, in Schwierigkeiten zu geraten.

Es fielen ihr viele lustige Dinge ein, die Snape bestimmt nicht all zu lustig finden würde, aber das war ihr zu heikel.

Davonlaufen oder sich in Gefahr bringen kam nicht in Frage, denn das würde ihr definitiv nicht gut bekommen.

Quengelig durfte sie sich auch nicht geben, sonst würde ihr Dad sie einfach ins Bett stecken.

Sie würde ihm einfach nicht gehorchen, Punkt. Das war doch ganz einfach! Sie durfte es nur nicht zu sehr ausreizen, dann war 'nicht gehorchen' der beste Plan.

„Du solltest deine Haare schneiden, Laura," hörte sie plötzlich die Stimme ihres Vaters von der Tür her. Sie sah auf und sah ihren Vater im Türrahmen stehen mit verschränkten Armen.

„Sie hängen dir in die Augen," fügte er hinzu.

„Nein, das muss so sein," antwortete Laura, während sie sich die Haare aus dem Gesicht strich. „Ich will sie wieder wachsen lassen."

Snape hob die Augenbrauen und verzog einen Augenblick das Gesicht. „Aber nicht über die Augen, oder?"

Laura unterdrückte ein Augenrollen, denn sie wusste, dass sie im Moment nicht allzu frech sein sollte. Aber ihr Vater hatte doch wirklich keine Ahnung! Sollte er doch seine Haare schneiden, wenn er unbedingt etwas schneiden wollte! Die waren ja auch nicht gerade besonders kurz.

„Ich muss sie halt ein wenig auf die Seite machen, oder eine Haarklammer rein tun," sagte sie etwas ungeduldig, was Snape einen strengen Blick entlockte.

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Plötzlich knisterte es im Kamin und Amélie trat daraus hervor. Ihr Großvater hatte sie geschickt, etwas bei dem Tränkemeister abzuholen. Sie war sich sicher, dass es die Idee ihrer Grandmaman gewesen war, die Enkelin zu schicken, denn die Frau hatte die letzten Tage die ganze Zeit versucht, ihr den Professor und Zaubertrankmeister schmackhaft zu machen. Amélie konnte darüber nur lächeln. Dass sie ihn zum Konzert eingeladen hatte, erzählte sie der Großmutter natürlich nicht.

Sie konnte etwas Ablenkung vertragen und übernahm den Botengang gerne, wenn sie ihrer Großmutter damit einen Gefallen tat sowieso.

Sie selbst hatte sich die letzten Tage nur genervt über ihren Freund Julien. Erst hatte sie sich nach einer längeren Diskussion mit ihm versöhnt gehabt, dann am Konzert war wieder alles wie immer gewesen. Er hatte sich schon zugedröhnt gehabt, bevor das Konzert überhaupt erst begonnen hatte. Bei ihrem Gespräch hatte sie klare Änderungen verlangt, sonst würde es ihr zu blöd werden. Dieses' Lotterleben' konnte doch keine Zukunft haben. Sie hatte schon ähnliche Freunde gehabt und war an einem Punkt angelangt, wo sie das nicht mehr brauchte.

Und er hatte, wie jedes Mal, versprochen sich zu ändern, aber Amélie wusste nun, dass er das gar nicht wollte und wahrscheinlich auch nicht konnte.

Sie sah sich in dem großen Haus um. Sie wurde doch erwartet, oder? Ihr Großvater hatte gesagt um 15 Uhr. Es war so still und niemand war zu sehen.

Plötzlich tauchte eine kleine Hauselfe auf. Das musste diese Nelly oder Melly sein, von der Laura so geschwärmt hatte. Die junge Frau lächelte, als sie daran dachte.

„Guten Tag, junge Miss," begrüßte die Elfe sie freundlich. „Wen darf ich denn meinem Meister anmelden?"

„Ich bin Amélie Delais," sagte Amélie fröhlich und Milly nickte.

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Snape erschrak leicht, als Milly ihm sagte, wer im Wohnzimmer auf ihn wartete. Er war froh, dass seine Tochter nicht im Raum war, denn diese hätte seine Unruhe bemerkt. Er atmete ein paarmal tief ein und aus und schalt sich selber, dass er sich so albern benahm. Es nervte ihn ziemlich, dass sein Puls höher ging und er setzte ein strenges Gesicht auf, als er sich kurz im Spiegel betrachtete, bevor er aus dem Labor ging. Das war wahrscheinlich das erste Mal, dass er bewusst in diesen Spiegel gesehen hatte. Seine Großmutter hatte ihn schon immer hinter der Tür gehabt.

Er schloss die Tränkelabortür hinter sich und ging die Treppe hinauf. Als er das Wohnzimmer betrat, sah er, dass Laura seinen Besuch schon begrüßt hatte. Laura redete mit der jungen Frau über das tolle Fest, auf dem sie getanzt hatten und auf dem es so lustig gewesen war, und wollte sie eben an der Hand in den Garten führen.

„Guten Tag, Miss Delais," grüßte Snape und war wiedermal froh, dass er seine wahren Gefühle gut verbergen konnte.

„Es freut mich, Sie hier zu sehen. Ich nehme an, Ihr Großvater ist verhindert?" fragte er höflich und Laura war sehr erstaunt, ein Lächeln im Gesicht ihres Vaters zu sehen.

Normalerweise waren diese seltenen Gefühlsausdrücke für sie reserviert. Sie fühlte ein seltsames Gefühl in sich. Zum Glück mochte sie die junge Frau so gut, der das Lächeln gegolten hatte, sonst wäre sie ziemlich empört gewesen.

Nun beschlagnahmte ihr Vater die junge Besucherin und Laura blieb in sicherem Abstand immer in der Nähe der Beiden.

Snape führte sie ins Gewächshaus und war erstaunlich gesprächig. Die junge Französin hatte auch viele Fragen zu den verschiedenen Pflanzen, die sie zum Teil nicht kannte.

Laura sah, dass er Amélie ziemlich oft ansah, was ja sonst nicht seine Art war. Sie runzelte die Stirn. Er interessierte sich normalerweise nicht für Frauen und das seltsame Verhalten ihres Dads irritierte sie etwas. Sie wollte das alles im Auge behalten.

Das Mädchen biss sich auf die Lippen und zog die Augen etwas zusammen. Die beiden Erwachsenen waren ziemlich lange miteinander beschäftigt, dafür, dass Amélie nur etwas hätte abholen sollen. Laura stapfte in einer kleinen Pfütze rum, die das kurze Gewitter hier hinterlassen hatte, während ihr Dad und Amélie immer noch im Gewächshaus redeten. Was es da wohl so Interessantes zu reden gab, stundenlang?

Die Sonne schien schon wieder und spiegelte sich in dem matschigen Wasser, in dem Laura rumstapfte. Sie beobachtete wie der Matsch zwischen ihren Zehen durch quoll.

Als die beiden Erwachsenen wieder aus dem Gewächshaus traten, lächelte Amélie das kleine Mädchen freundlich an und fragte sie, was sie denn hier immer so spiele, den ganzen Tag. Das alte Haus und der große Garten schienen ihr zu gefallen, denn sie sah interessiert umher.

Snape sah seine Tochter, die immer noch in der Wasserpfütze stand, nur mit gehobener Augenbraue an, sagte aber nichts.

Laura war erfreut, dass sich die Frau tatsächlich zu interessieren schien und sie führte sie durch den ganzen Garten und zum Bach hinunter. Jimmy kam von einem Baum hinunter geklettert, als sie Laura sah und blieb einen Moment misstrauisch stehen, als sie die unbekannte Person sah. Dann überwand sie sich aber und kaum zu Laura auf den Arm geklettert. Ihr Bäuchlein war immer noch kugelrund von dem Festessen der letzten Tage.

Amélie freute sich über das Tierchen und berichtet Laura, dass sie auch solche in einem geschützten Garten auf der Beauxbatonschule gehabt hatten. Die seien aber scheu gewesen. Laura erstaunte und freute es, dass Jimmy scheinbar nicht das einzige dieser Streifenhörnchen war. Amélie versprach, ihr ein Buch mitzubringen oder zu schicken, in dem einiges über verschiedene Tierchen drin stand und eben auch über diese speziellen Streifenhörnchen, die aber Raubtiere waren und keine Nager.

Für eine Erwachsene war Amélie ziemlich verspielt und locker, bemerkte Laura rasch. Sie rannte mit Laura rum und warf Steinchen in den Bach. Sie zog sogar ihre Schuhe aus und watete mit ihr im Bach herum. Danach gingen sie weiter durch den Garten und Amélie erzählte Laura, was sie und ihre beiden kleinen Brüder als Kinder so alles angestellt hatten. Laura musste lachen und war froh, dass Amélie so ein ungezogenes, wildes Kind gewesen war.

Sie knieten sich hin, als sie Josephine, Lauras Schildkröte, die sie von ihrem Dad bekommen hatte, fütterten. Amélie schien sich nicht darum zu scheren, dass ihre Kleider schmutzig werden könnten. All dies beeindruckte Laura ziemlich. Ihr Dad war so vollkommen anders.

Severus beobachtete die beiden und wieder erstaunte ihn Amélies offene und ungezwungene Art. Er sah zu, wie sie ihr Haar ausschüttelte, das sich gelöst hatte von dem Knoten, zu dem sie es zusammen gebunden hatte.

Das kastanienbraune Haar glänzte in der Sonne. Sie hatte sehr schönes Haar, dachte er. Wie es wohl roch...?

Severus schüttelte leicht den Kopf und staunte über sich selbst. Seit wann kümmerte er sich darum, wie das Haar anderer Leute roch? Vielleicht hatte ihm die Sonne zu lange auf den Kopf geschienen, dass er solche Dinge dachte...

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Es war schon halb sieben. In einer halben Stunde musste sie Emma sagen können, dass sie nicht kommen konnte. Bei der ganzen Ablenkung durch Amélie, hatte Laura gar keine Gelegenheit gehabt unartig zu sein.

Sie ging in den Garten, um nach Josephine zu sehen. Laura liebte es, das ruhige Tier zu beobachten. Da es aber schon relativ spät war, fand sie sie nicht. Josephine hatte sich wahrscheinlich schon irgendwo verkrochen und schlief. Jimmy war vor einer halben Stunde raus gerannt und sie würde auch nicht so bald wieder erscheinen. Es musste ihr nun einfach etwas einfallen, wie sie ihren Vater dazu bringen konnte, sie ganz sicher nicht zu Emma gehen zu lassen!

Laura ging zurück ins Haus.

Amélie war noch lange hier geblieben. Erstaunlich, wieviel Zeit ihr Vater plötzlich gehabt hatte, wo er doch am Morgen gesagt hatte, er müsse noch ein paar Tränke brauen.

Aber Laura hatte nichts gesagt, denn ihr war bewuss, dass das wahrscheinlich peinlich gewesen wäre.

Und sie musste zugeben, dass die junge Frau sehr unterhaltsam gewesen war. Alles schien sie zu interessieren und es schien viele spannende Dinge zu geben hier. Sie hatten auch festgestellt, dass sie in der Zauberschule in Frankreich auf andere Dinge Wert legten als in Hogwarts und auch bei der Zaubertrankherstellung gab es viele Unterschiede, was Severus natürlich interessierte.

Schlussendlich hatte der kleine Botengang, der eigentlich in ein paar Minuten erledigt gewesen wäre, fast drei Stunden gedauert. Amélie hatte versprochen, bald wieder zu kommen und hatte Laura dreimal links und rechts auf die Wangen geküsst zum Abschied. Und das hatte sie dann auch bei ihrem Dad getan, wie das ja in Frankreich so üblich war. Lauras Augen waren aber ziemlich groß geworden, als sie gesehen hatte, wie willig sich ihr Vater hatte küssen lassen. Er mochte, außer mit ihr, sonst keinen Körperkontakt und begrenzte diesen aufs absolute Minimum. Natürlich war dieser Fortschritt nur ihr zu verdanken, hatte Laura zufrieden gedacht und gelächelt. Es war harte Arbeit gewesen, ihren Vater zu erziehen. Wenn man bedachte, dass man ihn noch vor einem Jahr kaum hatte berühren können...

Ja, sie hatte einen guten Job gemacht, bis jetzt! Und nun ließ er sich einfach so küssen von jemandem fast Fremdem?

Laura hatte Amélie zugewinkt, als die junge Frau im Kamin verschwunden war und dann ihrem Vater zugelächelt, der ihr einen neutralen Blick gegeben hatte, aber mit einem Funkeln in den Augen.

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Snape saß nun am Tisch und las den Tagespropheten.

Wieso wollte er denn jetzt bloß nicht, dass sie etwas erledigte für ihn, das sie hätte verweigern können? Wieso konnte er ihr keinen Auftrag geben?

Sonst, wenn sie keine Lust oder keine Zeit hatte, wollte er immer etwas von ihr. Nur jetzt natürlich gar nichts.

Laura holte ihre Farbstifte raus und kritzelte etwas auf ein Blatt. Dann stand sie auf und ging davon.

„Laura!" kam es prompt von Snape. Laura lächelte in sich hinein. Na also, geht doch, dachte sie zufrieden mit sich selbst.

Sie drehte sich nicht um, sondern sagte frech. „Hab jetzt keine Zeit, ich will spielen gehen,"

Snapes Augen verengten sich. „Du kommst sofort hierher und räumst deine Malstifte weg," sagte er endgültig. Bei diesem Ton hätte sie normalerweise gehorcht.

„Ich hab gesagt, ich hab keine Zeit," antwortete Laura patzig.

Dass Laura ihm so offen und frech widersprach, kannte Snape nicht und das Ganze kam ihm ziemlich seltsam und verdächtig vor. Ob das etwas mit seinem Besuch heute Nachmittag zu tun hatte, fragte er sich. Aber nein, sie war ja schon vorher so bockig gewesen, wenn er es sich recht überlegte.

Er schwenkte seinen Zauberstab und die Stifte waren verschwunden.

Das war allerdings nicht Lauras Plan gewesen. Sie sah geschockt auf den nun leeren Tisch.

„Dad!" schrie sie aufgebracht.

„Gib mir sofort meine Farben zurück!" sagte sie fordernd, den Tränen nahe.

Snape stand auf und ging auf sie zu. Laura wich einen Schritt zurück und ihr Vater fasste sie am Handgelenk. Er zog sie mit sich zum Sofa und dem Kind wurde es ganz heiß. Würde sie nun über seinen Knien landen? dachte sie bange. Das war sicherlich nicht ihr Plan gewesen.

Er setzte sich und sah Laura forschend an, die mit roten Wangen vor ihm stand.

„Kann es sein, dass du gar nicht zu Emma gehen willst?" fragte er mit immer noch sehr ernster Stimme.

Das Mädchen sah ihn verdutzt an. Woher wusste er das? Sie blinzelte etwas verwirrt und wusste nicht, was sie antworten sollte. Aber Snape hatte seine Antwort. Ihre Hand ging automatisch zu ihrem Mund, wo sie auf den Fingernagel des Zeigefingers biss.

„Wenn du nicht zu Emma möchtest, wieso sagst du ihr dann das nicht einfach?" wollte er wissen und schob ihr mit vielsagendem Blick die Hand vom Mund weg.

Laura sah ertappt zu Boden. „Ich kann Emma doch nicht sagen, dass ich nicht will, das würde sie beleidigen. Und anlügen will ich sie auch nicht. Da... da dachte ich, wenn du es mir nicht erlaubst..." Sie hatte leise geredet und Snape zog seine Stirn in Falten.

„Du riskierst es lieber, mich zu verärgern und eventuell bestraft zu werden, als ihr das zu sagen?" fragte er erstaunt. Wie tickte dieses Kind? Ein Slytherin hätte ohne mit der Wimper zu zucken gelogen. Irgendwie war er aber froh, dass Laura nicht lügen wollte. Und schlussendlich war ihr Plan doch auch ziemlich clever gewesen.

Sie zuckte die Schultern und sah immer noch zu Boden.

„Tut mir Leid, Dad," piepte sie. „Ich meine, dass ich dich verärgert habe, nur, damit ich nicht gehen muss." Sie sah ihn entschuldigend an.

Das war wohl nicht so fair gewesen, dass sie ihn dafür bezahlen lassen wollte, damit ihr Plan aufging. War vielleicht ein wenig egoistisch.

„Nächstes Mal sagst du es mir, was los ist. Sonst könnte es sein, dass du nicht so viel Glück hast, wie heute." Er machte eine kleine Pause und Laura nickte zögerlich.

Sie war wirklich froh, das ihr Plan nicht nach hinten los gegangen war, wie sie einen Moment befürchtet hatte. Es war ein ziemlich riskantes Spiel gewesen, wie sie nun zugeben musste.

„Ich verbiete dir, zu gehen," sagte er streng. Laura grinste ihn breit an.

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„Tut mir Leid, Emma, aber vielleicht darfst du dann mal zu mir kommen. Ich frag meinen Dad, ob du an meinem Geburtstag hier schlafen darfst, das wäre toll, nicht?" sie wollte die Freundin aufheitern, wenn sie ihr schon absagen musste.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Snape das erlaubt!" sagte das blonde Mädchen, dessen Kopf von grünen Flammen umzüngelt wurde. Laura kniete vor der Feuerstelle und antwortete: "Ich kann ihn bestimmt überreden."

Emma sah sie zweifelnd an. Snape war nicht der Typ Mensch, der sich zu etwas überreden ließ, wie sie ihn einschätzte.

„Ist es sehr schlimm, mit deiner Mum?" fragte Laura etwas betrübt und mitleidig.

„Heute Abend sind meine Eltern fort. Levin haben sie mitgenommen, aber ich konnte mich drücken. Ich glaube, meine Mutter war ganz froh, dass ich nicht mitgegangen bin, sie schämt sich wohl für mich," sagte Emma bitter. Sie tat Laura sehr Leid.

„Du hast es gut, du bist wenigstens hübsch auch ohne deine langen Haare. Meine Mutter meckert immer an meinem Aussehen rum. Wenn ich schon nicht so schlau bin wie Levin, sollte ich wohl wenigstens gut aussehen." Emma verzog das Gesicht und versuchte zu lächeln, was nicht sehr gut gelang.

Laura konnte das beinahe nicht mitanhören. Und Emma fand sie hübsch?

„Emma, du bist doch schön," sagte Laura eindringlich. Natürlich war Emma keine Schönheit, nach den Massstäben der meisten Leute. Aber sie hatte eine so schöne Ausstrahlung und hatte so viel Witz und ein Leuchten in den Augen, wenn sie etwas erzählte. Sie war meistens gut gelaunt und fröhlich. Also, wenn das nicht schön war.

„Nein, bin ich nicht!" sagte das blonde Mädchen endgültig. „Aber mein Vater ist schon in Ordnung. Mein Bruder ist auch zum Aushalten, da er sich meistens in sein Zimmer verzieht. Und meine Mutter arbeitet ziemlich häufig. Morgen darf ich mit Dad in die Winkelgasse und er will mir ein Buch kaufen," erzählte sie wieder etwas fröhlicher.

„Cool! Weißt du was? Ich frage nachher meinen Dad, ob du vielleicht mal an einem Tag zu mir darfst, dann können wir zusammen baden im Bach, das ist wirklich lustig!" Laura sah ihre Freundin erwartungsvoll an und Emma nickte.

Die Mädchen unterhielten sich noch einige Minuten und verabschiedeten sich dann. Laura atmete auf, als Emmas Kopf verschwunden war und saß nachdenklich vor dem Kamin und spielte mit der Asche.

So fand sie dann auch ihr Vater fünf Minuten später. Er trat ins Wohnzimmer und ging an Laura vorbei. Er setzte sich auf das Sofa und stellte ein Glas Wein neben sich auf ein kleines Tischchen. Kaum sass er, hatte er auch schon seine Tochter in den Armen. Sie drückte ihm einen Kuss auf den Mund und umarmte ihn. „Danke vielmals, Dad!" sagte sie erleichtert.

„Wofür?" fragte Snape etwas verdutzt. Hatte er etwas verpasst? Er zog sie etwas von sich weg, um sie ansehen zu können.

„Natürlich, dass du mir verboten hast zu gehen," antwortete sie keck und lächelte schelmisch. Snapes Mundwinkel zogen sich etwas nach oben. Dass sie sich für ein Verbot bedankte, würde er wohl nicht häufig erleben. Laura rappelte sich von Snapes Schoss auf und sah ihn etwas nachdenklich an. Sie musste an Emma denken, und an das, was die Freundin gesagt hatte.

„Darf Emma an meinem Geburtstag hier schlafen, Dad? Bitte! Ich wünsche mir auch gar kein Geschenk und auch keinen Kuchen, wenn sie nur hier schlafen darf."

Sie sah ihn bittend an. Sie wusste zwar nicht, ob sie überhaupt ein Geschenk bekommen hätte, aber das wünschte sie sich so sehr. Vor allem für Emma.

Snape atmete tief aus und nickte dann etwas zögerlich. „Also gut," sagte er. „Aber ihr benehmt euch, verstanden?"

Laura strahlte ihn an und sie nickte eifrig. Plötzlich wurde sie aber wieder ernst.

Sie stand gerade vor Snapes Beinen hin und klopfte ihre gestreckten Arme an ihre Seiten um ganz gerade zu stehen. Snapes Augenbraue hob sich leicht. Was wohl nun wieder kam?

„Dad, findest du mich schön?" fragte sie mit ganz ernster Miene. „Du musst ehrlich sein!" befahl sie.

Was sollte nun diese Frage? Dachte Snape. Ging es um einen Jungen. Hoffentlich fing das nicht schon an, dachte er etwas verzweifelt.

Natürlich gefiel sie ihm!

Musste das nicht so sein? Er hatte mal gelesen, dass Eltern ihre Kinder immer toll fanden. Er hatte oft Mütter gesehen, die ihre hellste Freude an ihren glatzköpfigen, sabbernden und rülpsenden Babys hatten, also musste das wohl stimmen.

Ja, Laura war ein hübsches Kind. Wahrscheinlich das einzige, das ihm überhaupt gefiel und ihm je gefallen hatte.

Er hatte sich allerdings auch noch nie wirklich dafür interessiert, wie andere Kinder, zum Beispiel seine Schüler aussahen. Sie waren anstrengend, laut und nervig, das war das einzig Auffallende an den Gören.

Selten waren solche dabei, die interessiert und diszipliniert arbeiteten in der Schule, aber auch dann war ihr Aussehen für ihn nicht relevant.

Als Snape nicht sofort antwortete, fügte Laura etwas verlegen hinzu: „Emma hat gesagt, ich sei schön," erklärte sie und senkte den Blick etwas verlegen.

Snape räusperte sich und überlegte, wie er am besten antworten sollte. Er wollte kein eingebildetes Kind, das die Nase zu hoch trug, wie einige Mädchen in Hogwarts das taten. Solche kleinen Dämlein, die ständig ihre Frisur kontrollierten und sich bestenfalls noch die Nase puderten und affig kicherten, sobald sie das andere Geschlecht sichteten.

„Emma findet sich nicht schön," redete Laura weiter und tönte dabei etwas traurig. „Dabei ist sie doch schön. Auf ihre Art," sie sah Snape an, der seine schwarzen Augen aufmerksam auf sein Kind gerichtet hatte. Er musste zugeben, dass Miss Thompson bestimmt nicht zu den Schönheitsköniginnen zählte und fand es recht interessant, dass Laura sie schön fand.

„Weisst du, Dad, sie strahlt so, wenn sie mit mir redet und sie ist lustig und um ihre Augen hat es so kleine Fältchen, wenn sie etwas lustiges erzählt und …..sie hat schöne Zähne. Wir putzen unsere Zähne nämlich immer am längsten, Emma und ich," sagte Laura stolz, lächelte verschmitzt und setzte sich ganz vorne auf Snapes Beine.

Dieser war ziemlich beeindruckt, von Lauras Wahrnehmung der Freundin gegenüber. Er nahm einen Schluck Weißwein.

„Ich denke, die Äusserlichkeiten sind nicht so wichtig, wenn man jemanden mag," sagte er. „Aber um deine Frage zu beantworten, ja, ich bin mit deinem Aussehen zufrieden und hoffe, du bist es auch." Es hatte ihn einige Überwindung gekostet, das zuzugeben, aber Laura strahlte ihn nun glücklich an.

„Hättest du nicht lieber einen Jungen als Kind? Zum Beispiel so einen Gescheiten wie Levin?" fragte sie neugierig. Sie hatte sich das schon einige Male gefragt, ob er wohl lieber einen Sohn gehabt hätte.

Snape schüttelte leicht den Kopf. „Nein, Laura, hätte ich nicht. Und nun Schluss mit den komischen Fragen."

„Nur noch eine. Eine ganz kleine," bat Laura und zeigte einen kleinen Abstand zwischen Daumen und Zeigefinger.

„Darf Emma Morgen oder Übermorgen ein wenig zu mir, um mit mir im Bach zu baden? Wir benehmen uns!" fügte sie schnell hinzu und sah ihn bittend an.

„Hmm," machte Snape und Laura griff nach seinem Weinglas, welches ihr Vater immer noch in der Hand hielt.

„Darf ich auch probieren," bat sie, während sie das Glas schon zu ihrem Mund führte , aber Snape sah sie streng an.

„Das ist nichts für Kinder," sagte er, während Laura an dem Getränk roch.

Dann klimperte sie ihn mit ihren schwarzen Augen an. „Nur ein kleines Schlückchen, bitte!" bettelte sie. Sie hielt das Glas immer noch mit beiden Händen fest, zum Teil auch Snapes Hand, die auch noch am Glas war.

Er atmete tief aus, ohne das Glas los zu lassen. „Ein ganz kleines."

Laura grinste in sich hinein und nippte am Glas. Sie nahm einen nicht sehr kleinen Schluck, was sie sofort bereute. Sie verzog den Mund.

„Und das trinkst du freiwillig?" fragte sie ungläubig. Snape hob nur eine Augenbraue. Laura zupfte leicht an den Spitzen seiner Haare.

„Und, darf sie? Bitte, Dad!" Laura sah ihn fragend an.

„Mal sehen," antwortete er knapp und stellte das Glas auf das Tischchen.

„Findest du Amélie hübsch," fragte Laura plötzlich und Snape blinzelte.

„Wie kommst du jetzt auf Amélie?" wich er der Frage aus.

Natürlich zuckte Laura die Schultern, setzte sich etwas anders auf Snapes Schoß und lehnte sich an ihn. „Weiß nicht. Ich möchte es halt einfach wissen," sagte sie.

Snape wusste nicht, wie er der Frage noch hätte ausweichen können und er räusperte sich. „Jedenfalls hässlich ist sie nicht, oder?" fragte er zurück.

„Nee," lächelte Laura. Sie hatte ihre Antwort. Sie vergrub ihr grinsendes Gesicht im schwarzen Stoff von Snapes Kleidern.

TBC...