Snape schnipselte an einem Jaspisblumenstrauch rum und überlegte sich, wo es wohl am besten wäre, ein paar Tage mit Laura zu verbringen. Er wollte ins Gebirge, wo seltene Pflanzen für seine Zaubertränke wuchsen. Am besten wäre wohl ein See, damit Laura beschäftigt wäre. Sein Kollege Edward wusste bestimmt einen guten Ort. Irgendwo, wo sie ihre Ruhe haben würden.
Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Laura kam hinein gestürmt. Sie trug ein langes T-Shirt von ihrer Cousine, welches ihr beinahe zu den Knien reichte. Ein rot-weiß gemustertes Kopftuch hatte sie wie ein Pirat um ihren Kopf geschnürt. Außerdem war einmal mehr eine Hautaufschürfung auf Lauras Knie. Wie das Kind das bloß immer schaffte, dachte Snape, während Laura seinem vielsagenden Blick zu ihrem aufgekratzten Bein folgte.
„Dad, kannst du mir bitte ein Streichholz geben?" fragte sie. Sie schien gerannt zu sein, denn ihr Atem ging schnell.
Snapes Augenbraue ob sich und er sah fragend zu ihr hinunter. „Wofür?" fragte er etwas streng.
Laura sah mit ihrem sonnengebräunten Gesicht erwartungsvoll zu ihm auf. „Natürlich um mein Feuer anzuzünden," sagte sie begeistert.
„Dein Feuer?" fragte er skeptisch und verschränkte die Arme vor seiner Brust. Diese Geste gefiel Laura weniger, denn sie war nicht sehr vielversprechend.
„Na, das, welches ich vorbereitet habe. Ich will ein Feuer machen und einen Apfel oder eine Wurst braten," erzählte sie eifrig. „Milly gibt mir dann eine," fügte sie hinzu, aber es war eher eine Vermutung als Fakt.
Sie zeigte zum Fenster in Richtung Bach. Snape machte einen Schritt vorwärts und sah einen beachtlichen Haufen Holz aufeinander geschichtet. Das sollte wohl das reinste Fegefeuer werden, dachte er und sah auf Laura hinunter.
„Dann musst du warten, bis ich komme, ich will nicht, dass du das alleine machst. Feuer ist kein Spielzeug," sagte er bestimmt, worauf Laura die Nase rümpfte. Och, das konnte doch wohl nicht wahr sein, dachte Laura genervt. Wieso wurde sie bloß immer so überbehütet. Sie war im letzten Schuljahr einem Troll begegnet und einem dreiköpfigen Hund und noch anderen Dingen, die nicht gerade harmlos waren, nicht zuletzt einem zuweilen ziemlich verärgerten Snape. Wieso sollte sie wohl nicht im Stande sein, ein Feuer zu machen. Als hätte sie nicht schon hunderte von Feuern gemacht!
Etwas enttäuscht und aufgebracht entgegnete sie ihm: "Dad! Ich hab schon mit sechs alleine Feuer gemacht! Ich bin doch kein Baby mehr!" Sie gab ihm einen trotzigen ungeduldigen Blick. Oh Mann! Ihr Vater tat immer so schwierig. So ein Spaßverderber!
„Laura, du weißt genau, dass ich das nicht gutheiße, dass du als Kleinkind schon so gefährliche Spiele gespielt hast, und ich denke, deine Narbe am Fuss, bestätigt meine Bedenken. Du wartest, oder es gibt gar kein Feuer."
Laura sah ihn wütend an. Das hatte endgültig getönt. Sie schnaubte, sagte aber nichts sondern stampfte davon. Snape schüttelte den Kopf, als er sie durch die Fenster energisch Richtung Bach gehen und vor sich hin fluchen sah.
Manchmal war er ziemlich wütend, dass seine Tochter so aufgewachsen war. Er würde das nicht dulden, dass sie mit dem Feuer spielte.
Und er war wütend auf Ellen, dass sie ihn nicht hatte wissen lassen, dass er ein Kind hatte. Er hätte Laura ganz anders aufgezogen!
Aber... hätte er sie tatsächlich aufgezogen? Fragte er sich zweifelnd. Wie er wirklich reagiert hätte, wenn Ellen ihn vor die Tatsache gestellt hätte, dass er eine kleine Tochter hatte, die er nun aufziehen sollte, wusste er nicht.
Früher hätte man ihn schon nur mit der Erwähnung eines Kleinkindes meilenweit jagen können. Dass er das Kind selbst aufgenommen hätte, bezweifelte er stark.
Er hatte wirklich nie, nicht im Entferntesten, eine Familie geplant. Der Gedanke an ein schreiendes, sabberndes und brabbelndes Baby hatte ihm damals die Gänsehaut über den Rücken gejagt und auch heute war es nicht viel anders.
Er wusste nicht, ob er sich heute um ein kleines Kind, oder gar Baby kümmern könnte, aber er hatte, bei Ellens Erinnerungen gemerkt, dass die Sache eine ganz Andere war, wenn es sich um das eigene Kind handelte. Klein-Laura hatte ihn nicht angeekelt oder die Flucht ergreifen lassen. Er wusste nicht, wie er entscheiden würde, wenn er jetzt die Zeit zurück drehen könnte. Er würde wohl seine Tochter nicht von jemand anderem erziehen und aufziehen lassen.
Severus dachte daran zurück, wie er immer mehr Gefühle für sein Kind entwickelt hatte. Wie Laura plötzlich zu seinem Kind geworden war. Wie unendlich viel sie ihm mittlerweile bedeutete. Er hatte keine Ahung gehabt, dass es solche Gefühle überhaupt gab.
Dass er sich nun tatsächlich um seine Tochter kümmerte und sie sogar über alles liebte, war wohl nur der Tatsache zu verdanken, dass er ihr in Hogwarts nicht hatte ausweichen können, wie er es eigentlich geplant hatte.
Zu Anfang des Schuljahr hätte er niemals gedacht, dass sein Zuhause bald auch das von Laura sein würde. Er hätte nicht mal gedacht, dass er überhaupt etwas mit ihr zu tun haben würde.
Aber er hatte dieses wilde, quirrlige Kind nicht ignorieren können, genau so wenig, wie ihr unartiges Benehmen, für das er sich irgendwie plötzlich verantwortlich gefühlt hatte.
Einige Minuten stand er im Gewächshaus und dachte über all das nach. Dann legte er seine Schere auf den Tisch und ging zum Bach hinunter.
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„Den hab ich vorhin ausgerissen," verkündete Laura stolz und hielt ihrem Vater einen Zahn entgegen. Er sah auf den Eckzahn in Lauras Hand und nickte. Sie stopfte ihn zurück in die Hosentasche und nahm Snape dann den Stock ab, den er für sie gehalten hatte. Snape konnte sich nicht daran erinnern, wann er das letzte mal Würstchen gebraten hatte an einem Feuer, aber es musste unglaublich lange her sein.
Laura hatte darauf bestanden, ihm zu demonstrieren, wie sie Feuer machen konnte und hatte es ihn nicht mit Magie anzünden lassen. Er staunte, mit wieviel Geschick sie das Feuer sofort entzündet hatte. Man sah, dass sie darin viel Übung hatte.
Sie war sehr glücklich, dass ihr Dad ihr nun Gesellschaft leistete und sie hatte ihm auch eine Wurst auf ihren Stock gespießt, obwohl er eigentlich gar keine wollte.
Sie strahlte ihn an. Ihr Dad hatte tatsächlich auch etwas Farbe angenommen. Laura vermutete, dass er sich normalerweise nicht sehr viel draußen aufgehalten hatte.
Aber seine Zeiten hatten sich geändert, dachte sie glücklich. Sie fand, dass sie einen guten Einfluss auf ihn hatte und lächelte in sich hinein. Er hatte in diesem Jahr so einiges gelernt. Sie konnte sich erinnert, wie er sich anfangs noch geziert hatte, wenn sie ihn schon nur umarmt hatte. Heute war das alles ganz anders und sie würde ihm noch so einiges beibringen. Sie konnte ein verschmitztes Lächeln nicht unterdrücken und Snape sah sie fragend an.
„Weißt du eigentlich, dass ich etwas von dir bekommen muss, wenn mir ein Zahn ausfällt?" fragte Laura schelmisch. „Das ist so Tradition bei Kindern, weißt du?" ihre Augen blitzen vergnügt auf und Snape hob die Augenbrauen.
„So, ist das Tradition?" erwiderte Snape skeptisch und Laura nickte eifrig. „Bei uns ist es Tradition, dass derjenige, der einen Zahn verliert eine Woche den Abwasch erledigt," sagte er und sah sie amüsiert an.
„Also ich bin für meine Tradition," sagte Laura bestimmt. „Deine Wurst ist fertig," redete sie schnell weiter, bevor Snape noch etwas dazu sagen konnte. Sie streckte ihm den Stock mit der Wurst entgegen und grinste ihn frech an. Snape gab ihr einen vielsagenden Blick und nahm dann etwas zögernd die Wurst vom Stock.
Er musste zugeben, dass es ihm gefiel, sich mehr im Freien aufzuhalten, man konnte sich direkt daran gewöhnen. Er dachte daran, wie eine gewisse junge Amélie hier den Garten genossen hatte. Sie schien sich auch sehr gerne im Freien zu bewegen, dachte er und vergaß dabei ganz seine Wurst.
„Dad, Harry hat ja bald Geburtstag und ich muss ihm noch ein Geschenk kaufen. Können wir mal in die Winkelgasse gehen, bitte?" fragte Laura, nachdem sie den ersten Bissen ihrer Wurst runter geschluckt hatte. Sie hatte ja zum Glück Taschengeld, das sie zwar eigentlich für ihr Buch hatte sparen wollen, aber sie wollte natürlich Harry ein Geschenk geben.
Außerdem plante sie, bald Snapes Geburtstag nach zu feiern und dafür würde sie ihm auch etwas kaufen wollen, aber was bloß? Und er würde sie bestimmt nicht mehr unbeaufsichtigt in der Winkelgasse herumlaufen lassen, nach dem Ereignis mit ihrem Großvater. Sie musste sich etwas einfallen lassen. Sie wusste auch schon genau, wen sie für das Fest ihres Vaters einladen würde.
Snape nickte. "Ja, ich brauche auch noch etwas von Velenos Laden," sagte er und nahm zaghaft einen Bissen seiner Wurst.
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„Ich möchte nur nachsehen, ob sie das Buch noch haben, Dad," bettelte Laura und gab ihm einen treuherzigen Blick.
Aber er hatte ihr das Buch ja schon gekauft und wollte es ihr zum Geburtstag schenken. Aber was schadete es schon, wenn sie nachsehen ging. Er musste sowieso noch selber nach einem Buch sehen und sie würde nicht genügend Geld haben, sich das Buch auch zu kaufen, denn sie wollte ja Harry ein Geschenk kaufen.
Mit Laura an der Hand ging er zum Bücherladen. Es waren ziemlich viele Leute in der Winkelgasse, wahrscheinlich, weil das Wetter nicht so heiß war und angenehmer zum Einkaufen.
Laura winkte Lavender Brown zu, die mit ihrer Mutter an ihr vorbei ging. Lavenders Mutter sah den Beiden neugierig hinterher und Laura fühlte sich plötzlich ziemlich stolz, mit ihrem Vater unterwegs zu sein. Er war bei vielen Leuten bekannt und hie und da bekamen sie erstaunte oder neugierige Blicke von den Passanten.
Im Bücherladen stellte Laura schnell fest, dass das Buch verschwunden war und sie war sehr enttäuscht. Nun hatte sie dafür gespart und sich darauf gefreut und nun war es weg. Vielleicht würden sie ja wieder eine Ausgabe davon bekommen und dann würde sie das Buch sofort kaufen. Bis dann würde sie wieder genug gespart haben.
Sie setzte sich auf einen Stuhl, um auf ihren Vater zu warten und kratzte mit dem Finger an dem dunkelblauen Punkt auf ihrer Hose, der durch die Haartönung, die sie Percy verpasst hatten, entstanden war. Ob der Punkt in der Wäsche raus gegangen wäre? Fragte sich Laura. Aber sie hatte die Hose vergessen aus ihrer Tasche auszupacken und hatte sie nun halt ungewaschen angezogen, außer dem Fleck war sie ja nicht dreckig. Ihr Vater hatte es jedenfalls nicht gemerkt und das war die Hauptsache.
Da plötzlich fiel Laura etwas ein. Sie griff in ihre Hosentasche, und nahm die flache Box mit den Bonbons von Fred und George hervor. Sie musste breit grinsen, als sie sich ausmalte, wie Snape wohl reagieren würde, wenn sie ihn damit beglücken würde. Aber so wie sie ihren Vater kannte, würde er schon gar keines nehmen, da er Süßigkeiten nicht mochte.
Sie steckte sie wieder ein, da ihr Vater sich gerade kurz angebunden von der Verkäuferin verabschiedete und Laura mit einem Blick aufforderte zu kommen. Nun würde sie ausnahmsweise gerne Crabbe oder Goyle begegenen, die würden bestimmt nicht ablehnen, wenn sie denen ein Bonbon anbieten würde. Sie musste lachen, bei dem Gedanken und sah sich um, ob die beiden nicht per Zufall auch in der Winkelgasse unterwegs waren. Aber wenn man diese beiden Großhanse mal brauchte, waren sie natürlich nicht da!
Sie gingen in einen Quidditchladen, wo Laura etwas aussuchen wollte für Harrys Geburtstag.
Der junge Verkäufer beriet sie gut und Laura wollte einen Übungssnitch kaufen, den man mit einer Drehung verstellen konnte. Je nach dem sollte er langsam fliegen oder schnell oder hakenschlagend. Es gab zehn verschiedene Einstellungen. Das würde Harry ganz sicher super gefallen, dachte Laura. Allerdings kostete das gute Stück etwas zu viel für Laura, da sie noch zu wenig Geld gespart hatte. Sie zählte die Münzen nochmals sorgfältig und etwas verzweifelt.
„Ich bezahle den Rest," sagte Snape worauf Lauras Kopf sofort hoch schnellte. Sie sah ihn skeptisch an.
"Wirklich?" fragte sie und ihr Vater nickte nur kurz.
„Danke, Dad, ich zahle es zurück, sobald ich wieder Geld habe," sagte Laura erleichtert, denn sie wusste, dass Harry das Geschenk sehr gefallen würde.
„Ich denke, du möchtest sparen?" fragte Snape. „Es sind nur wenige Sickel, die fehlen und ich werde sie ausnahmsweise übernehmen," sagte er knapp, aber Laura war ziemlich überrascht.
Sie rümpfte leicht die Nase und musterte ihren Dad fragend. „Aber das Geschenk ist für Harry, Dad," sagte sie fragend, denn sie konnte nicht glauben, dass er etwas an Harrys Geschenk übernehmen würde und wenns nur einige wenige Sickel waren. War ihr Dad vielleicht krank?
„Das ist mir bewusst," antwortete Snape trocken.
„Ich meine für Harry Potter," fragte Laura nochmals etwas ungläubig nach.
„Ich weiß, von welchem Harry du sprichst, Laura. Wenn du das Angebot nicht annehmen willst, dann..."
„Doch doch, Dad...ehm … danke vielmal." Laura grinste zu Snape hinauf. Dass seine Antipathie gegenüber ihrem Freund nicht mehr so groß war, hatte sie in letzter Zeit schon gemerkt und vielleicht mochte er ihn sogar ein kleines bisschen. Sie hatte den Eindruck gehabt, dass er freundlicher war mit Harry. Aber dass er sogar etwas an sein Geschenk bezahlte, erstaunte sie trotzdem. Laura war sehr glücklich darüber.
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Snape ging mit Laura an der Hand weiter, die Winkelgasse hinunter. Als sie an Florean Forterscues Eissalon vorbei gingen, spürte er einen leichten Zug an seiner Hand und sah hinunter zu seiner Tochter. Während dem Gehen bestaunte das Mädchen fasziniert die Eiskarte. Sie sagte aber nichts und Snape überlegte einen Moment. Lauras Süßigkeitenverbot war abgelaufen und er war noch nie mit ihr Eis essen gegangen oder sonst so etwas in der Art.
Es brauchte ihn einige Überwindung die nächsten Worte über die Lippen zu bringen.
Er hielt an und sah zu ihr hinunter: "Möchtest du ein Eis?" fragte er, obwohl er wusste, dass das eine überflüssige Frage war.
Ihre Augen leuchteten erfreut auf, aber wechselten sofort zu einem etwas skeptischen, ungläubigen Blick.
Sie hielt den Kopf leicht schräg und fragte: "Wirklich? Ich meine darf ich wirklich eines?" Sie hielt sich die Hand vor die Augen, da die Sonne sie blendete. Sie hatte doch heute wohl nicht Geburtstag, oder? Was war mit ihrem Dad los?
Snape ging mit ihr zurück zu dem Eissalon und sagte: "Sonst würde ich dich wohl kaum fragen, meinst du nicht auch?"
Laura hüpfte vor Freude an seiner Hand. „Geh richtig!" schimpfte er, klang aber nicht all zu streng.
Als Laura dann vor einem Becher mit je einer Kugel Kaktusblüten– und Honigeis sass, strahlte ihr ganzes Gesicht. "Das ist das beste Eis, das ich je gegessen habe," schwärmte sie glücklich.
„Möchtest du probieren?" fragte sie und hielt ihm den Löffel, beladen mit grünlichem Eis hin. Zu ihrem Erstaunen aß er das Eis und nickte zustimmend. Sein Gesichtsausdruck war aber nicht sehr erfreut.
Snape fragte sich, ob sie mit ihrer Pflegefamilie wohl hin und wieder Eis essen gewesen war, aber sie beantwortete seine Frage von selbst.
„Wir gingen einmal in ein Restaurant zum Eis essen, mit meinem Verwandten, meine ich. Aber das war schrecklich," berichtete Laura und schabte etwas von dem rötlichen Eis auf ihren Löffel. Snape trank nur einen Kaffee, da er mit Süßem nicht so viel anfangen konnte. Was an Eisessen 'schrecklich' sein konnte, fragte er sich aber ernsthaft.
Er ließ sie weiter erzählen, denn Erlebnisse aus ihrer frühen Kindheit interessierten ihn immer sehr, leider rückte sie nicht oft mit solchen Geschichten raus.
„Ich war etwa acht oder so und mein Onkel wollte uns vier Kindern eine Freude machen. Meiner Tante ging es damals ganz schlecht und ich denke, er hatte Mitleid mit uns. Ich durfte so eine kitschige rosarote Handtasche von meiner Cousine mitnehmen und war super stolz. Ich war vorher noch nie in einem Restaurant gewesen und kam mir vor wie eine Prinzessin.
Wir hatten alle ein anderes Eis bestellt und die Zwillinge wollten von einander probieren. Natürlich hatte dann der eine das Gefühl gehabt, der andere habe mehr von ihm probiert als umgekehrt."
Laura musste grinsen bei der Erinnerung. Sie steckte sich einen Löffel Eiscreme in den Mund und ließ das Eis zergehen. Sie lächelte ihren Vater an, der gespannt zuhörte.
„Sie kämpften dann bald und schlugen sich die langen Löffel an die Nase, bis mein Onkel so wütend war, dass wir sofort nach Hause gingen. Ich habe dann noch die doofe Tasche vergessen unterm Stuhl vor lauter Hektik." Laura lachte. „Ich habe noch versucht, so schnell wie möglich mein Eis fertig zu essen, bis mir die Zähne weh getan haben.
Mein Onkel hat dann am nächsten Tag Nath und mir einen Sack Gummibärchen mitgebracht, da wir ja unschuldig bestraft worden waren. Aber die meisten haben mir dann die Jungs weg gegessen, da ich sie auf meinem Nachttisch liegen gelassen habe. Das war schlimm, denn wir hatten fast nie Süßigkeiten, da meine Tante nie einkaufen ging und mein Onkel nicht gerne Süßes hatte."
Snape musste ein wenig lächeln. „Das hat euren Zähnen ja auch nicht geschadet, nicht wahr?" bemerkte er. Er erinnerte sich, als er Laura das erste mal gesehen hatte, in Hogwarts. Da hatte er sie beobachtet, wie sie sich heimlich Bisquits in die Hosentasche gestopft hatte. Wahrscheinlich hatte sie damals die seltene Gelegenheit ergriffen und richtig zugeschlagen.
Laura genoss das Eis in vollen Zügen, und danach gingen sie weiter.
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Sie betraten einen Laden, in einem ziemlich verwinkelten Gässchen, weg vom Rummel in der Winkelgasse. Laura kannte diesen Zaubertrankladen und mochte ihn und auch den Besitzer nicht wirklich. Es war immer ziemlich langweilig hier, da ihr Dad immer stundenlang mit Mr. Veleno redete.
Laura war erstaunt, als statt Velenos schleichiger Stimme eine hohe, beinahe quietschende Frauenstimme sie überschwänglich begrüßte. Eine junge Frau mit braunen, schulterlangen Haaren trat zu ihnen und musterte Snape einen Moment. Sie hielt etwas Grünes in der Hand, und Laura betrachtete die roten langen Fingernägel der Frau, die in starkem Kontrast zu den Salatblättern standen.
„Guten Tag, Mr. Snape, nicht wahr?" fragte die Frau freundlich und Laura entging nicht, wie die junge Frau etwas rot wurde im Gesicht.
Snape fragte sich, ob er die Frau kannte, sie kam ihm nicht bekannt vor. Er nickte kurz und die Frau redete freudig weiter.
„Wie könnte ich Ihnen behilflich sein, Mr. Snape?" fragte sie mit hoher Stimme und Snape fragte, wo Mr. Veleno sei. Die Frau berichtet kurz, dass er noch länger in den Ferien geblieben war, da es seinem Vater nicht gut ginge und dass sie ihn hier vertrete.
Die Frau lächelte und sah dann auf das Grünzeug in ihrer Hand hinunter. Sie entschuldigte sich kurz und schritt zu einem Glaskäfig, mit tausenden kleiner Käfer drin.
Mit angeekeltem Gesicht schob sie die Glasabdeckung einen kleinen Spalt bei Seite und entledigte sich schnell der Blätter.
Die kleinen Käfer stürzten sich gierig darauf, sodass die Salatblätter sofort von ihnen verdeckt wurden.
„Wieso hat es auf einigen Käfigen so gelbe Punkte drauf?" wollte Laura neugierig wissen.
Die Frau lächelte sie an und sah kurz zu Snape auf, dann wieder zu Laura. „Das heißt, dass diese Tiere giftig sind, Schätzchen und dass man sie nicht berühren darf. Nicht dass ich sie berühren würde, wenn sie es nicht wären," lachte die Frau grell. Laura mochte es nicht sehr, wenn man mit ihr sprach wie mit einer Dreijährigen und genau das tat diese Frau. Natürlich meinte sie es nicht böse und deshalb sah Laura auch darüber hinweg, ohne sich zu sehr zu ärgern.
Snape sah sich um und griff ins ein oder andere Regal. Die Frau plauderte die ganze Zeit mit Snape und schien nicht zu merken, dass es eine etwas einseitige Unterhaltung war.
Laura beobachtete die Frau heimlich und sah, dass sie immer an ihrer Frisur herum zupfte, wenn Snape weg sah. Sie wollte ihm scheinbar gefallen. Lauras Augen verengten sich gefährlich.
Die weißen Käfer, die Jimmy gefressen hatte, saßen auch in einem Glaskasten und Laura war froh, dass kein gelber Punkt auf diesem Kasten war.
Die Frau redete immer noch ihren Vater zu, der sich davon aber nicht sonderlich beeindrucken ließ. Er suchte sich seine Zutaten, die er brauchte.
Er bat sie etwas von den Zahnblütenblättern abzuwägen, was sie natürlich gerne tat und ihm ein freundliches Lächeln schenkte.
Die hübsche junge Frau betonte, dass sie schon viel von seinen Zaubertränken gehört habe und klimperte ihn mit ihren langen, vermutlich künstlichen Wimpern an.
Laura gefiel das aber gar nicht. Wieso musste diese Ziege ihren Dad so angraben? Der wollte sowieso nichts wissen von solchen Frauen, dachte Laura böse. Ihre Augen blitzten gefährlich, als sie hörte, wie die junge Hexe ihrem Vater vorschwärmte, wie sehr sie seine Braukünste bewundere.
Laura sah sich die verschiedenen Käfer an und beobachtete, wie die Frau ihrem Vater Schritt und Tritt folgte.
Nun starrte sie sogar auf Snapes Hintern, als dieser auf einer Verpackung etwas las. Das konnte wohl nicht wahr sein! Dachte Laura und ihr Puls stieg dramatisch. Diese …...diese...
Laura musste das unterbinden, und zwar sofort! Ohne groß zu überlegen schob sie den Deckel eines Glasbehälters auf und griff sich eine Hand voll der ungiftigen, aber sehr schnellen kleinen Käfer und ließ sie hinter der Frau auf den Boden fallen. Die Erwachsenen hatten sie nicht beachtet. Snape war mit dem Inhalt der Packung beschäftigt und die Frau mit Snapes Hinterteil.
Die Käfer krabbelten schnell umher und Laura ging zu den Pflanzen und tat so, als interessierten sie die getrockneten Kräuter brennend. Die Frau bemerkte die sich verteilenden Käfer immer noch nicht. Bald würden alle in irgend welchen Ecken verschwinden, dachte Laura nervös. Die sollte doch endlich ihre Augen vom Hintern ihres Vaters nehmen und sich umdrehen!
„Ma'am, da geht jemand spazieren," sagte Laura beiläufig und deutete auf die Käfer hinter der Frau.
Mit einem markerschütternden Schrei sprang die Frau zur Seite und Snape drehte sich erschrocken um.
Als er die Käfer am Boden sah, richtete er seinen Zauberstab auf sie und lähmte sie
Die Käfer erstarrten, mitten in ihrer Bewegung. Er sah kurz zu Laura auf, die sich die Hand vor den Mund hielt, um das Lachen zurück zu halten. Er gab ihr einen warnenden Blick, worauf ihr Kichern sofort aufhörte. Laura musste sich aber sehr bemühen, das Lachen zu unterdrücken, was nicht einfach war.
Die junge Frau hielt sich die Hand auf die Brust und atmete erleichtert ein. Sie war ziemlich froh, dass die Viecher nicht mehr krabbelten. „Ich muss vergessen haben, den Deckel richtig zu zu machen," sagte sie mit leicht zittriger Stimme.
„Laura wird Ihnen sicher gern behilflich sein, die Käfer wieder dorthin zurück zu bringen, wo sie hingehören," sagte Snape mit einem intensiven,vielsagenden Blick zu seiner Tochter.
Diese nickte und kniete sich schnell hin, um die Käferchen zusammen zu sammeln. Sie hatten ihren Dienst ja getan, dachte sie und musste den Kopf gesenkt halten, damit niemand ihr Grinsen sah.
Die Frau schien ziemlich glücklich darüber, dass sie das nicht selber erledigen musste und lächelte Laura freundlich an. „Vielen Dank, Liebes," sagte sie erleichtert.
Laura lächelte gnädig zurück.
Als die Käfer wieder im Glaskasten waren und wieder rumkrabbelten, gab Snape seiner Tochter nochmals einen warnenden Blick und drehte sich dann um, zu den Regalen.
Die Frau zupfte ihre Kleider zurecht und sah Snape dann schon wieder so interessiert an. Nun wurde Laura wirklich ärgerlich.
Laura gab ihr einen bösen Blick, den die Frau aber leider nicht sah, da ihre Augen an dem Tränkemeister hingen.
„Vielleicht könnten Sie mir bei Gelegenheit mehr über Ihre neuen Tränke berichten, Mr. Snape. Zum Beispiel bei einem gemütlichen Na..."
Laura war ziemlich schnell vor die Frau hin getreten und hielt ihr eine Bonbonschachtel hin. Sie gab der Dame ein zuckersüßes Lächeln und fragte freundlich: "Sie möchten bestimmt auch ein Bonbon, Ma'am, nicht wahr?"
Die Frau war hin und weg von dem hilfsbereiten und niedlichen Mädchen. Sie beugte sich zu Laura hinunter und säuselte: "Du bist aber ein hübsches Mädel, kommst ganz nach deinem Vater, nicht?"
Snape hob eine skeptische Augenbraue.
Die Brünette griff sich dankend ein Bonbon und lächelte dann wieder zu Snape auf, der bei dieser Gelegenheit aber die Flucht ergriffen hatte und sich ein Gerät ansah, das Laura an einen großen Zirkel erinnerte. Laura beobachtete gebannt, wie die Frau die Süßigkeit in den Mund steckte.
Sie war Snape schon wieder auf den Fersen und befingerte nochmals ihre Frisur, als Laura sich unschuldig weiter umsah, aber ein Auge auf der Frau behielt.
„Das ist einer der besten und genauesten Poismographen, die im Handel erhältlich sind, die neueste Errungenschaft von Mr. Veleno," gab die Frau zum Besten, als Snape etwas genervt auf ah und sein Blick am Mund der Frau hängen blieb.
Die Verkäuferin war erfreut, dass Snape nun endlich an dem was sie sagte Interesse zu haben schien, denn er sah sie direkt an. Sein Blick war so finster wie immer, aber immerhin hatte sie nun seine Aufmerksamkeit.
Schnell berichtete sie alles, was sie über dieses Gerät wusste.
„Vielen Dank," sagte Snape unvermittelt. „Wir müssen weiter, komm Laura." Mr. Snape schien plötzlich ziemlich genervt zu sein, bemerkte die junge Frau etwas irritiert und blinzelte unsicher. Hatte sie etwas Falsches gesagt? Eben schien er doch noch interessiert.
Snape hatte sich umgedreht und seine Tochter am Handgelenk gefasst. Das Mädchen sah etwas schuldbewusst aus, was die Frau verwunderte.
Er sagte, dass sie die drei Dinge, die er ausgesucht hatte, auf seine Rechnung tun solle.
Mit raschen Schritten verließ der Tränkemeister mit seiner Tochter den Laden. Die Verkäuferin sah, wie er das Kind nach einigen Schritten umdrehte und ihr eins auf den Allerwertesten haute. Und das nicht gerade sanft.
Nun verstand die Frau die Welt nicht mehr! So ein süßes, liebes Mädel! Wieso war er so grob zu ihr? Das Mädchen tat ihr irgendwie Leid.
Allerdings nur so lange, bis ein weiterer Kunde ihr die ganze Zeit auf den Mund starrte und sie dann im Spiegel auf der Toilette entsetzt den Grund dafür feststellte.
Sie versuchte unzählige Male sich mit Zähneputzen den schwarzen Zähnen, die ihren roten Schmollmund zierten, zu entledigen. Ohne den geringsten Erfolg. Als sie es auch mit Magie vergebens versucht hatte, überkam sie der Wunsch, diesem verdammten Gör eigenhändig den Hals umzudrehen.
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„Was fällt dir ein, du ungezogenes Kind!" schimpfte Snape, und sah seine Tochter streng an.
Laura war froh, dass außer einem alten Mann niemand Zeuge von dem Klaps, den sie gerade erhalten hatte, geworden war und sie sah verlegen zu Boden. Ihr schien der Streich ziemlich gelungen und sie dankte im Stillen den einfallsreichen Zwillingen. Sie würde einen Klaps auf den Hintern in Kauf nehmen, wenn sie dafür aber verhindern konnte, dass sich so eine… Hexe an ihren Vater ran machte.
Niemand würde ihr ihren Dad streitig machen, schon gar nicht so eine... aufgebrezelte Tante. So kurze Zeit hatte sie nun erst mit ihrem Vater verbringen können, erst ein Jahr und da wollte sie ihn nicht mit so einer Plapperstrippe teilen. Die sollte bloß ihre Finger von ihm lassen.
Der alte Mann grüßte freundlich, als er an ihnen vorbei ging, aber Laura sah ihn nicht an, denn sie schämte sich ein wenig. Ihr Hintern surrte ziemlich und sie sah zögernd zu ihrem Vater auf, der seinen strengen Blick auf sie gerichtet hatte.
„Tut mir Leid, Dad," flüsterte sie.
Snape war einen kurzen Augenblick ziemlich überrascht gewesen, über das schwarzzahnige Lächeln, mit dem ihn die Frau im Laden beschwatzt hatte. Nach einen kurzen Blick zu Laura war ihm dann sofort klar geworden, woher dieser Farbwechsel stammte.
Obwohl er sich auch über diese Frau genervt hatte, konnte Laura sich nicht solche Späße erlauben mit fremden Menschen. Solche Unarten würde er bestimmt nicht durch gehen lassen!
„Das besprechen wir zu Hause, junge Frau."
"Nur wegen der..." murmelte Laura und Snape, der sie schon an der Hand genommen hatte, um weiter zu gehen, hielt an und sah streng auf sie hinunter.
"Was war das?" fragte er scharf.
"Nichts," entgegnete Laura schnell und biss sich auf die Lippen. Sie musste ihre Zunge nun im Zaun halten, es würde ihr sonst nicht gut bekommen. Ihr Vater schien ziemlich verärgert.
Er hielt seinen Blick noch einen Moment prüfend auf Laura und marschierte dann mit ihr in die belebte Winkelgasse. Er ging mit ihr noch in zwei andere Läden.
Etwa eine Viertelstunde sagte Laura nicht viel und Severus erledigte in Ruhe seine Einkäufe. Aber bald redete sie wieder fröhlich neben ihm. Lauras Laune war eigentlich viel zu gut, dafür, dass sie in Schwierigkeiten war, dachte Snape. Laura bereute den Streich nicht die Bohne, das wusste er.
„Muss ich dir jetzt das Geld doch zurück bezahlen? Ich meine, das für Harrys Geschenk, weil ich unartig war?" fragte Laura etwas besorgt, als sie neben ihm ein bisschen rennen musste, um mit seinen langen Beinen Schritt halten zu können.
„Ich nehme nicht zurück, was ich dir vorhin angeboten habe, Laura. Dieser unartige Streich hat mit Mr. Potters Geschenk nichts zu tun. Du wirst andersweitig dafür bestraft werden." Das klang ziemlich beiläufig, aber er spürte, wie sich Lauras Griff an seiner Hand etwas verstärkte. Er sah zu ihr hinunter und sah, dass sie nun ziemlich nervös wirkte.
Das ist gut! dachte er zufrieden. Sie sollte die Sache nicht zu locker nehmen.
Sie gingen ein paar Minuten schweigend weiter, bis Laura stehen blieb und ihn an der Hand zurück hielt.
„Dad, da steht, dass man Fotos machen kann zum halben Preis. Ich hab überhaupt kein Foto von dir, könnten wir bitte eins machen?" fragte Laura ein paar Minuten später und zeigte auf ein Schild. Snape fiel erst jetzt auf, dass er von Laura auch keine aktuellen Fotos hatte und mit etwas säuerlichem Gesichtsausdruck willigte er ein.
TBC...
Fürs Betalesen meinen herzlichen Dank an scientific ida:-)
Ich bitte um eure Meinung , bitte reviewen ;-D Gruss an alle Sally
