Vielen, vielen Dank für die vielen netten Reviews, Marylein, SeverusHermioneSnape, Morta, Reditus Mortis und Sjofna!

Marylein ich habs mir fast gedacht. Danke fürs draufhinweisen, ich habs gleich umgeändert!

All einmal pro Woche gibt es ein neues Kapitel, versprochen! Zurzeit stehe ich bei 8 Kapiteln - wie viele es werden kann ich noch nicht sagen, aber so einiges wird noch kommen. ;-)

Liebe Grüße Gaby

2 Wer bin ich?

Sie brauchte dringend frische Luft!

Ohne das Hologramm weiter zu beachten stürmte sie aus Snapes Räumen. Hinter ihr schlug die Tür zu. Nun war der Raum wieder verschlossen. Er würde sich erst wieder öffnen, wenn sie zurückkam. Sie hastete den Gang entlang, die Stufen nach oben, um dann auf das Portal zu zulaufen. Heftig riss sie die Tür auf und trat nach draußen. Das Wetter war noch schlechter geworden.

Ein stürmischer Wind peitschte den Regen vor sich her, der in schweren Tropfen vom Himmel fiel, und so war das Land um Hogwarts in einen grauen Schleier getaucht. Hermione nahm einige tiefe Atemzüge und versuchte die Bilder, die noch immer so lebendig in ihrem Geist waren, als wäre sie selbst dabei gewesen, zu verarbeiten. Wie konnte nur ein Mensch einen anderen so quälen und das nur aus Spaß? Das war so gemein und demütigend und schmerzhaft. Wie konnte er das nur tun?

Hinter ihr erschien plötzlich Minerva und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter.

„War es so schlimm?" fragte sie sie leise. Stumm nickte Hermione mit dem Kopf. Sie wollte jetzt nicht darüber sprechen, nicht in diesem Moment, indem alles noch so frisch war.

„Komm!" Sanft zog die ältere Frau sie mit sich.

„Eine Tasse Tee wird dir gut tun." Versprach sie ihr und führte sie nach oben in ihre privaten Räume.

Erstaunlich was mit Magie alles möglich war, ging Hermione unbewusst auf dem Weg durch den Kopf. Voldemort hatte viel von Hogwarts zerstört und der verheerende Brand tat sein übriges. Dieses Feuer verschonte nicht einmal die heulende Hütte, in der der Leichnam von Severus Snape lag. So kam es, dass sein Grab leer blieb, lediglich ein Grabstein zeugte von seinem Tod. Von all dem war hier nichts mehr zu sehen. Das Schloss sah aus wie immer.

Kein Russ schwärzte die Wände, kein Mauerwerk war beschädigt. Irgendwie empfand sie das als befremdend. Wäre es nicht besser gewesen wenigstens ein paar Spuren zu erhalten? Einfach aus Liebe und Ehre den Menschen gegenüber, die bei diesem schrecklichen Krieg ihr Leben lassen mussten? George, Tonks, Remus, Snape….

Unermüdlich rasselten diese Namen durch ihren Geist und verursachten ihr erneut Schmerzen. Es waren einfach zu viele. Zu viele, die dieser grausame und doch so sinnlose Krieg gefordert hatte. Und nun durfte sie sich die schlimmsten Erinnerungen die ein einziger Mensch nicht haben sollte, ansehen.

Wenn ihr diese erste schon so zusetzte, wie sollte sie dann alle weiteren ertragen? Auf diesem Regal hatte er hunderte, HUNDERTE, von diesen Phiolen aufgestellte und sie alle waren gefüllt mit irgendwelchen Schrecken von ungeahntem Ausmaß. Minerva schob die verwirrt wirkende Hermione auf ihre geblümte Couch und sah sie besorgt an.

„Was hast du nur gesehen?" flüsterte sie beunruhigt. Leicht schüttelte sich Hermione und versuchte so diese furchtbaren Bilder abzuschütteln.

„Ich möchte nicht darüber sprechen!" wich sie aus.

Ihr Blick flackerte dabei unruhig durch den Raum. Nahm die altmodisch geblümten Vorhänge war, sah die Bilder auf der Kommode, lauter Menschen waren darauf abgebildet die sie, bis auf Dumbledore, nicht kannte, huschte hinüber zum Kamin, sah das Feuer darin und das Gemälde darüber. Eine Landschaftsaufnahme von Hogwarts und ein Stück vom Verbotenen Wald. Doch ihre Augen streiften dieses Bild nur flüchtig, um über die beiden Ohrensesseln und den kleinen Tisch zurück zu Minerva zu wandern.

Dieser Raum strahlte eine absurde Normalität aus, die ihr erstaunlicher Weise gut tat. Sie brauchte jetzt unbedingt etwas Normales. Noch einmal holte sie tief Luft, dann klärten sich ihr Geist und auch ihre Gedanken. Sie war wieder im Hier und Jetzt. In diesem Moment drückte ihr Minerva eine Tasse gefüllt mit heißem Tee in die Hand.

„So und den trinkst du bis zur Neige aus und dann geht es dir sicher besser."

Sie goss sich selbst eine Tasse ein und nahm neben ihr auf der Couch platz. Ernst betrachtete sie immer noch die jüngere. Sie hatte einen Entschluss gefasst. Das konnten diese Erinnerungen nicht wert sein. Wenn sie bereits nach einem Nachmittag so verstört zurückkam, wie mochte das erst nach ein paar Wochen oder gar Monaten aussehen?

„Ich möchte nicht, dass du noch einmal in den Kerker zurückkehrst!" stieß sie energisch hervor.

„Vielleicht hast du Recht und ich sollte aufgeben!" erwiderte Hermione und doch regte sich zugleich ihr Kampfgeist.

Sie gab niemals auf. Egal was es war, was sie einmal begonnen hatte, brachte sie auch zu Ende und hier wollte sie gleich zu Anfang die Flinte ins Korn werfen? Nein, das sah ihr gar nicht ähnlich. Unbewusst richtete sie sich gerade auf, straffte den Rücken.

„Aber vorher werde ich es noch einmal versuchen."

Und einer plötzlichen Eingebung folgend, bat sie Minerva Nachforschungen über eine Schülerin die Lori oder so ähnlich hieß, anzustellen. Das Einzige, was sie ihr über sie sagen konnte war, dass sie eine Schülerin von Hogwarts zur selben Zeit wie Snape gewesen sein musste und dass sie dem Hause Gryffindor angehörte, mehr wusste sie selber nicht.

Sie kannte nur bruchstückhafte Bilder aus seiner Erinnerung, aber sie wollte die ganze Geschichte wissen. Zufrieden mit sich selbst, nippte sie an dem leicht abgekühlten Tee und genoss die angenehme Wärme die durch ihren Körper strömte. War der Kerker so kalt gewesen, oder der stürmische Wind, oder gar doch etwas anderes, das sie immer noch leicht frösteln ließ und weswegen sie die Tasse mit beiden Händen umschloss?

Nach dem Tee verabschiedete sie sich von Minerva mit dem Versprechen am nächsten Tag zurück zu kehren, um erneut in die düstere Welt von Severus Snape einzutauchen.

*

Die verlassenen, leeren Korridore, das Hallen ihrer Schritte auf dem staubigen Boden, all das war für sie schon zum vertrauten Alltag geworden. Selbst die dunkelgrauen Steinwände zu beiden Seiten hatten längst ihren Schrecken verloren, denn keine Fackeln erhellten ihr den Weg und so wirkte alles nur düster und unheimlich, aber nicht mehr länger für sie.

Wie immer trug sie weiße, saubere Tücher mit sich, auch frische Verbände und heilende Salben hatte sie dabei und sie hatte nicht vergessen ihm Nahrung mitzubringen. In was für einer Verfassung er sich wohl heute befinden würde? Eigentlich hatte sie tief in sich die Hoffnung auf Besserung seines Zustandes bereits aufgegeben.

Drei Monate ging sie schon tagtäglich diesen Weg, das war schon eine sehr lange Zeit. Sie öffnete die Tür zu seinem Zimmer und sah ihn wie immer bleich und eingefallen in den Kissen liegen. Seufzend trat sie näher. Die Kerzen waren zu kleinen Stummeln nieder gebrannt um sie würde sie sich als erstes kümmern müssen. Aus einer dunkeln Ecke holte sie neue und wechselte eine nach der anderen aus, dabei schlich sie rund um das Bett.

Unwillkürlich fiel ihr Blick auf ihn. Irgendwie wirkte er heute anders. Frischer, lebendiger. Irgendetwas hatte sich seit gestern verändert, oder wünschte sie sich das nur? Sie trat an seine Seite und machte sich routiniert an seinem Verband zu schaffen. Verblüfft wich sie zurück.

Die Wunde begann zu heilen! Die Entzündung hatte ein klein wenig abgenommen, es waren kaum merkliche Veränderungen, aber sie waren eindeutig da. Sie säuberte die Wunde und sah darunter wie sie sich zu schließen begann. Sie trug großzügig die heilende Salbe auf und machte ihm dann einen neuen Verband.

„Scheinbar haben sie sich doch dazu entschlossen noch eine Weile unter den Lebenden zu bleiben!" meinte sie erleichtert zu ihm.

Nun würde sie nicht mehr darum herum kommen Minerva endlich die Wahrheit zu sagen. Severus Snape war nicht tot. Er war nicht mehr länger ein Opfer des Krieges. Nein, Severus Snape lebte!

*

Bedächtig schritt sie auf das Schloss zu. Sie hatte gestern noch sehr lange über alles was sie gesehen hatte nachgedacht und so sah sie dem heutigen Tag mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits wusste sie bereits jetzt, dass sie mit Sicherheit nichts Angenehmes erwarten würde, doch andererseits war sie dem nun sicher besser gewachsen.

Ohne zögern stieg sie hinab in den Kerker und schon wie am Tag zuvor, sprang bei einer leichten Berührung von ihr die Tür zu Snapes Büro auf. Sie trat ein und Augenblicklich erschien sein Hologramm.

„Sie wagen sich tatsächlich noch hierher?" höhnte er verächtlich. „Nun denn, so sei es! Wählen sie die nächste Phiole und lassen sie uns beginnen. Mal sehen, ob sie diese von ihrer krankhaften Neugierde zu kurieren vermag!"

Sie überging seine bissigen Worte, trat an das Board mit den Phiolen heran und entnahm die nächste. Sie schüttete den Inhalt wie gestern in das Denkarium und sah zu wie die dünnen, silbrigen Fäden im Becken herumwirbelten.

„Halt!" rief da plötzlich die scharfe Stimme von Snape.

„Tun sie es nicht!" Versuchte er sie erneut aufzuhalten, aber sie hörte nicht auf ihn und tauchte mit ihrem Kopf in die steinerne Schüssel.

Wieder sah sie zuerst nichts, nur grauen Nebel. Dieses Mal war es still um sie, unheimlich still. Sie hatte das Gefühl, als schwebte sie in einer grauen Leere. Der Nebel begann sich unvermittelt vor ihr zu lichten und die Umgebung rund um sie bekam scharfe Konturen. Sie war in einem Klassenzimmer. Die Stille rührte daher, da scheinbar alle an einer Prüfung schrieben.

Sie entdeckte Sirius, der aus seinem Pergament Papierkügelchen formte und damit auf einen anderen Schüler schoss. Hinter ihm saß Peter und grinste boshaft. Noch weiter hinten entdeckte sie Remus Lupin, der dem Geschehen interessiert folgte und neben ihm saß Harrys Vater, James Potter, auch er grinste belustigt.

Sie folgte dem Weg, den die Papierkügelchen nahmen. Sie sah einen schwarzhaarigen Jungen der sich gerade mit einer Hand in den Nacken fuhr um eines dieser lästigen Kügelchen abzuschütteln.

Hasserfüllt fielen seine schwarzen Augen auf Sirius und schworen ihm Rache, doch dieser grinste ihn, unbeeindruckt davon arrogant an und schien ihn herauszufordern. Schien ihm zuzurufen: Was willst du dagegen tun?

Sie sah wie Snape leise ein paar Worte murmelte und kurz darauf brach Sirius blutend zusammen. Er wand sich unter schrecklichen Schmerzen und überall war Blut. Entsetzt starrte sie auf ihn und dann auf Snape, was sie noch mehr entsetzte.

Statt betroffen auszusehen, blickte er mit sich zufrieden und höhnisch grinsend auf den sich am Boden windenden Sirius.

*

Bleich tauchte sie aus der Schüssel auf. Sie fühlte sich elend.

„Wie können sie nur?" brach es bestürzt aus ihr heraus.

Er hatte Sirius beinahe umgebracht und es schien ihm nicht das geringste auszumachen. Gleichgültig zuckte das Hologramm mit seinen mageren Schultern.

„Er hätte wissen müssen, mit wem er sich anlegt. So musste er die Konsequenzen tragen!"

Hermiones Augen weiteten sich entsetzt, auch über all die Jahre hinweg verspürte er keine Reue, kein Bedauern, im Gegenteil bedrohlich funkelte er sie an.

„Ich habe sie mehr als einmal davor gewarnt ihre Nase nicht in Angelegenheiten zu stecken, die sie weder verstehen noch das sie sie etwas angingen, aber sie wollten nicht auf mich hören. Wieso glauben sie jetzt sie können mich für mein Handeln verurteilen?" Zynisch warf er ihr die Worte hin, die Arme vor der Brust verschränkt, bebte er vor unterdrückter Energie.

Hermiones Augen zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen.

„Ich mag vielleicht nicht alles verstehen und ich habe mich nie darum gerissen hier zu sein! Sie haben es zu meiner Angelegenheit werden lassen, in dem sie mir mein Versprechen abgenommen haben, also hören sie auf mich ständig zu beschimpfen und zu bedrohen!" Sie zitterte am ganzen Körper und war stinkwütend auf ihn.

„Sie mögen vielleicht ihre Gründe dafür gehabt haben Sirius zu hassen, aber nichts rechtfertigt solch ein Handeln!"

Sie standen sich gegenüber und sahen einander zornig an, bis sie den Blick abwandte. Das war lächerlich! Sie stritt sich mit einem Hologramm. Lieber wäre es ihr sie könnte das alles dem echten Severus Snape mitten ins Gesicht sagen, aber diese Gelegenheit würde sie nicht mehr bekommen, denn dieser war immer noch tot.

*

Heftig sog er die Luft ein. Sein Mund war wie ausgedörrt. Er strich sich ein- zweimal mit der Zunge über die Lippen, auch sie fühlten sich wie Sandpapier an. Man könnte meinen, er habe schon seit einer Ewigkeit nichts mehr getrunken. Mühsam öffnete er die Augen und blinzelte gegen das schwache Licht der Kerzen an.

Wo war er?

Wer war er?

Und warum lag er hier?