Ich danke euch sehr für die vielen lieben und wirklich aufmunternden Worte, CaroloveSeverus, Heatpipe, SeverusHermioneSnape und Marylein! Ich hoffe, ich kann euch auch weiterhin für meine Geschichte begeistern. :-)

Hermione bekommt Dinge aus seinem Leben zu sehen, die nicht so einfach zu verstehen sind, so wie eben Severus ist. ;-)

Liebe Grüße Gaby

3 Der Abschiedsbrief

Die nächsten Tage hielt sie sich fern vom Kerker. Sie brauchte ein wenig Abstand um gegen das, was vielleicht noch kommen würde, besser gewappnet zu sein. Außerdem wollte sie erst von Minerva hören, was sie über das Mädchen herausgefunden hatte. Was sie am meisten an diesen Erinnerungen störte, waren diese einseitigen Eindrücke die völlig aus dem Kontext gerissen waren.

Was war davor? Was passierte danach? Sie stand in ihrem lichtdurchfluteten Zimmer, sie liebte die Helligkeit und dachte nach. Es wäre interessant zu erfahren, was Snape dazu bewogen hatte so grausam zu sein. Er war als ihr Lehrer oft unerträglich gewesen und auch manchmal sehr gemein, aber das, was sie bisher von ihm aus seiner Vergangenheit sah, zeigte ihn als sehr gefühlskalten Menschen, dem es Spaß machte andere zu quälen.

Eigentlich müssten diese beiden Ereignisse allein schon reichen, um sie vom Kerker fern zu halten und doch konnte ein Teil von ihr es kaum erwarten wieder dort hinzugehen, mehr zu sehen. Sie hatte es ihren Freunden nicht gesagt.

Bis zu dem Tag, an dem sie nach Hogwarts ging und sich nach dem Erbe erkundigte, bis dahin hatte sie auch selber nicht wirklich daran geglaubt und sich vor Harry und Ron hinzustellen und zu sagen: „Hallo ich bin der Erbe von Snape!" hätte bei den beiden höchstens einen Lachanfall ausgelöst, sonst nichts und sie hätte sie verstanden.

Erst so richtig bewusst, das das Ganze wirklich wahr war wurde es ihr, als sie von dem täuschend ähnlichen Hologramm von ihm angeblufft wurde. Nun gut, dass er von sich eine nette Kopie erschaffen würde, darauf durfte sie nun wirklich nicht hoffen und eines musste sie ihm lassen alles was er tat machte er perfekt mit nicht weniger gab er sich zufrieden, so war er immer gewesen.

Den einzigen Fehler, den sie bisher an ihm entdecken konnte war, das er ihr sein Erbe überlassen hatte. Das konnte so nicht von ihm gewollt gewesen sein. Aber hatte er eine andere Wahl? Zum Zeitpunkt seines Todes waren nur drei Menschen anwesend.

Harry – niemals hätte er ihm sein Leben anvertraut, geschweige denn irgendwelche Erinnerungen daraus, er hasste Harry abgrundtief und tiefer, aus welchen Gründen auch immer. Ron – bei aller Freundschaft von ihr zu ihm und noch stärkeren Feindschaft von Snape, nein seine Wahl wäre mit Sicherheit nicht auf einen Weasley gefallen.

Also blieb ihm in seiner Not nur noch eine Person übrig – sie - und in Anbetracht dessen, das ihm keine Zeit mehr blieb, nahm er wohl das geringere von den drei Übeln. Eine Entscheidung die er wohl den Rest seines Lebens, nein seines Todes bereuen würde, sofern er von dort wo er jetzt war überhaupt mitbekam, dass sie seinen wohl wertvollsten Schatz in ihren Händen hielt.

*

Ein Lied vor sich hin summend näherte sie sich seinem Lager. Sie erwartete ihn eigentlich wie immer vorzufinden, umso mehr erstaunt, ja erschreckte es sie ihn wach zu sehen, an dieses Wunder hatte sie fast nicht mehr geglaubt und sie hatte immer noch nichts zu Minerva gesagt. Verdammt!

Schön langsam wurde es tatsächlich schwierig der Schulleiterin zu erklären warum ein vermeintlich Toter noch lebte, den sie noch dazu schon seit nunmehr drei Monaten pflegte, und warum sie davon nichts wusste, doch zuerst musste sie sich um den armen Jungen kümmern.

Er war schon lange kein Junge mehr, aber sie kannte ihn schon als er als mageres Bürschchen hier an die Schule kam und so blieb er für sie immer ihr Junge. Sie beugte sich leicht über ihn und lächelte ihn sanft an.

„Schön sie wieder bei uns zu haben, Professor! Wurde aber auch Zeit, das sie endlich erwachen." sprach sie ihn freundlich an. Ein verständnisloser Blick antwortete ihr.

„Wissen sie wer ich bin?" fragte sie ihn vorsichtig.

Er war so lange ohne Bewusstsein gewesen und in dieser Zeit dem Tod näher als dem Leben, es konnte durchaus sein, dass auch seine Erinnerungen gelitten hatten. Schweigend schüttelte er den Kopf. Er hatte tatsächlich keine Ahnung wer sie war, er wusste nicht einmal wer er selber war.

Stirnrunzeln betrachte er die drollige kleine Frau, die in ihrer gestärkten Schwesterntracht vor ihm stand. Sie war schon älter, darauf ließen ihre unzähligen Falten im Gesicht und das bereits ergraute Haar schließen. Wohlwollend betrachtete sie ihn, sie schien ihn zu mögen.

„Ich bin Poppy und pflege sie seit – nun ja – seit dem Unfall, oder wie sie es nennen wollen." erklärte sie ihm ausweichend.

Sie brachte es nicht über ihr Herz ihm, jetzt da er noch so schwach war, die Wahrheit so brutal ins Gesicht zu schlagen. Eine Schlange, ein riesiges Ungetüm, hat sie gebissen und ihnen auf Geheiß ihres Herrn beinahe das Leben genommen. Nein das wollte sie ihm noch nicht sagen. Später vielleicht.

Noch etwas, was du auf später verschiebst? Wo kam diese spöttische Stimme her?

Während sie seine Wunde untersuchte und neu verband erzählte sie ihm einiges aus seinem Leben.

„Ihr Name ist Severus Snape. Sie unterrichten Zaubertränke in Hogwarts und das schon seit fast 20 Jahren. Sie sind sehr gut in ihrem Fach, auch wenn ich bezweifle, dass sie wirklich Spaß daran haben."

Erstaunt runzelte er erneut bei ihren Worten die Stirn und wollte etwas erwidern. Er öffnete den Mund, aber nichts kam heraus. Er wusste wie Sprechen funktionierte und er war sich ganz sicher, das er es konnte. Erneut versuchte er es, wieder erklang nichts. Kein Ton verließ seine Lippen.

Panik machte sich in ihm breit und eine grausige Erkenntnis drang durch sein Bewusstsein. Er konnte nicht mehr sprechen! Verzweifelt bemühte er sich um Poppys Aufmerksamkeit, die gerade mit den alten Verbänden beschäftigt war. Schwer hob er seinen Arm und tippte sie an.

Diese Anstrengung war beinahe zu viel für ihn, seine Stirn glänzte vor Schweiß und erschöpft sank er tiefer in die Kissen. Erschrocken wandte sie sich um. Er öffnete den Mund um ihr so zu zeigen was er wollte. Verständnislos sah sie ihn einen Moment lang an, dann stahl sich Erkenntnis in ihre Gesichtszüge.

„Der Unfall, sie wissen schon, hat ihre Stimmbänder beschädigt." klärte sie ihn auf.

Um ihn nicht weiter ansehen zu müssen, tat sie erneut so, als wäre sie mit den Tüchern beschäftigt. In Wahrheit hatte sie Angst vor seiner Scharfsinnigkeit. Er mochte es vielleicht nicht mehr wissen, das schloss aber nicht aus, das er nicht doch noch konnte, aber er vermochte im Geist anderer Mensch zu lesen als wären sie ein offenes Buch.

Er sollte nichts von ihren Befürchtungen mitbekommen. Sie glaubte nicht das er jemals wieder würde sprechen können, zu stark waren die Verletzungen. Still seufzte sie. Wer weiß vielleicht geschah noch ein zweites Wunder.

Schweigend, da er nicht sprechen konnte, ließ er den Rest ihrer Behandlung über sich ergehen. Er war verwirrt und verstand kaum die Hälfte dessen was sie gesagt hatte und so hoffte er das sie bald gehen würde, damit er ihn ruhe darüber nachdenken konnte. Kurz blitzte in seinem Geist ihre übergroße Sorge um ihn auf.

Das erschreckte ihn und schnell schirmte er seine Gedanken ab. Er wollte nicht wissen was sie dachte.

„Ich muss sie jetzt leider verlassen, aber ich komme bald wieder und bringe ihnen dann etwas zu lesen mit. Ich weiß doch wie sehr sie Bücher lieben."

Mit diesen Worten entschwand sie aus seiner Nähe, was ihm nur Recht war. All die Informationen die sie Preis gegeben hatte, fügten sich für ihn nicht wirklich zu einem Bild zusammen. Da war zum einen sein Name – Severus Snape.

Im Geiste wiederholte er ihn ein paar mal, aber er klang für ihn eindeutig fremd, nicht vertraut, was er doch sein müsste, immerhin war es seiner. Er war also nach Aussage dieser komischen Frau Lehrer und liebte Bücher. Ob er gut war in seinem Beruf? Musste wohl so sein, immerhin machte er seinen Job schon fast 20 Jahre lang, laut ihren Worten, auch wenn er keinen Spaß daran hatte. Warum eigentlich nicht? Was waren überhaupt Zaubertränke?

Als sie erschienen war hatte er weniger offene Fragen als jetzt. Sie hat ihn mit ihren konfusen Aussagen sehr verwirrt. Er hatte also einen Unfall gehabt, oder etwas in dieser Art. Er ließ den Blick durch den Raum, in dem er sich befand, schweifen und auch dieser warf für ihn eindeutig Fragen auf. Das war mit Sicherheit kein typisches Krankenzimmer.

Er mochte keine Ahnung davon haben wer er war, aber das wusste er mit absoluter Sicherheit. Woher konnte er wiederum nicht sagen. Er war also ein Lehrer, hatte einen Unfall und lag in diesem kalten, dunklen Zimmer ganz allein. Hatte er keine Freunde?

Nicht das ihm ständiges Geplapper nicht auf die Nerven gehen würde, er genoss die Ruhe die ihn umgab, aber interessieren würde es ihn schon.

*

Minerva lud Hermione zum Tee und so saßen sie einander, jeder für sich an seiner Tasse nippend, gegenüber.

„Ich habe die Nachforschungen, um die du mich gebeten hast, angestellt." eröffnete sie Hermione.

„Es gab tatsächlich eine Lori an dieser Schule und auch zur Zeit als Severus noch Schüler war. Sie hieß Lorena Etenalee. Sie war eine sehr gute Schülerin gewesen, aber plötzlich ohne einen Grund dafür anzugeben verließ sie die Schule und kam nicht mehr zurück. Ein paar Monate später war sie tot – Selbstmord."

Schockiert sah Hermione sie an. Also war tatsächlich alles wahr, was Severus erzählt hatte.

„Sie hat einen Abschiedsbrief hinterlassen. Ihre Eltern haben ihn nie der Öffentlichkeit gezeigt." Gespannt hob Hermione den Blick.

„Sie haben mir eine Kopie davon überlassen."

Wortlos reichte sie Hermione den Brief. Gespannt las sie ihn durch und mehrmals wirkte ihr Blick erstaunt beim lesen.

„Also hat ihr Selbstmord nichts mit den Ereignissen hier in der Schule zu tun!" stellte sie laut fest.

Fragend blickte Minerva sie an und stockend erzählte sie ihr was sie gesehen hatte, als sie zum ersten Mal in Snapes Erinnerungen eintauchte.

„Er denkt, er ist für ihren Tod verantwortlich." sagte sie noch zum Schluss.

„Nun ja förderlich wird es nicht gerade gewesen sein für das arme Ding!" merkte Minerva trocken an.

„Du hast Recht, aber Tatsache ist, dass sie sich wegen unüberwindbaren Liebeskummer keinen anderen Ausweg mehr sah, so traurig das auch ist." meinte Hermione abschließend und erhob sich. Sie würde sich erneut auf den Weg in den Kerker machen.

*

Sie war noch nicht weit gekommen, als ihr Poppy begegnete. Sie trug einen Stapel Bücher in der Hand und schien es eilig zu haben. Hermione freute sich sie zu sehen und so blieb sie stehen um mit ihr plaudern zu können, doch die Medihexe schien davon gar nicht begeistert zu sein. Hektisch sah sie um sich, so als fürchtete sie bei etwas Verbotenem ertappt zu werden.

„Hallo Poppy, schön dich zu sehen. Wie geht es dir?" begrüßte sie die ältere Frau freundlich.

Der Krieg hatte die Überlebenden enger zusammen geschweißt und so war sie ihr mehr Freundin als lediglich eine Bekannte, oder Krankenschwester.

„Oh gut, gut mein Kind und dir?" sah sie sich genötigt zu fragen, dabei wollte sie nur eins - weg von hier, bevor noch jemand anderes auftauchte und es vielleicht verdächtig fand, dass sie mit einem Arm voller Bücher durch Hogwarts lief.

„Danke. Ich denke mir geht es so wie fast allen die überlebt haben. Einerseits bin ich froh es geschafft zu haben und andererseits – mir fehlen meine Freunde so sehr. All die Menschen die ich gekannt habe und die es nun nicht mehr gibt. Nie wieder." erwiderte sie gepresst.

Es gab Tage da ging es ihr einfach nur gut, aber es gab auch andere. Meist nach besonders schrecklichen Träumen, in denen sie alles noch einmal erleben durfte. Vor allem die letzten Minuten in Snapes Leben. Sie hatte ihn sterben sehen. Bei den Anderen hatte sie wenigstens das trügerische Glück ihren Tod nicht mit ansehen zu müssen.

Es war so schrecklich gewesen, ihn sterben zu sehen, und doch nichts tun zu können. Sie war ein Mensch der jedem half, jedem helfen wollte - musste und wenn das nicht möglich war litt sie. Sie hatte nichts mehr für ihn tun können, außer ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen. Sie hatte ihm ein Versprechen gegeben und sie hielt ihr Wort.

„Für wen sind denn die Bücher?" fragte sie um das schmerzhafte Thema zu wechseln und löste dabei in Poppys Gesicht blankes Entsetzen aus. Stirnrunzeln betrachtete sie sie und wunderte sich über ihr merkwürdiges Verhalten.

„Ach die!" sie tat als hätte sie sie völlig vergessen. „Die sind für einen Freund. Er ist krank und so langweilt er sich."

Sie war dankbar, dass sie die kleine Schreibtafel unter den Büchern versteckt hatte. Sie wollte Hermiones Neugierde, die bei ihr überdurchschnittlich ausgeprägt zu sein schien, nicht noch mehr Stoff zum nachdenken geben. Zum Schluss kam sie ihr noch auf die Schliche.

„Ich würde mich mit dir noch gerne weiter unterhalten, aber er, der Patient, wartet auf mich!" sagte sie rasch und eilte ehe Hermione sie noch einmal aufhalten konnte schnell weiter.

Fragend blickte sie ihr nach. Genau das was Poppy zu verhindern versuchte, war eingetreten. Hermiones Neugierde war erwacht und gleich einem Bluthund wollte sie der Medihexe hinterher schleichen, um ihr Geheimnis zu lüften. Kurz tauchten die Titel der Bücher die sie mit sich getragen hatte in ihrem Geist auf.

Zaubertränkekunde für Anfänger, Zaubertränkekunde für Fortgeschrittene, dann noch ein Band für Experten, Kräuterkunde, Tierkunde, ein Buch über Heiltränke. Alles Literatur, die man auswählen würde, wenn man jemanden die Zaubertränkebrauerei näher bringen wollte.

Für wen sie wohl waren? Sie würde Poppy bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit danach fragen, doch jetzt wollte sie in den Kerker.

Kaum schlug sie die Tür hinter sich ins Schloss stand sie auch schon dem ewig missmutig drein blickenden Hologramm gegenüber.

„Wieder hier?" fragte er spöttisch und zog gekonnt eine Augenbraue in die Höhe. Selbst das hatte er seinem Hologramm angedeihen lassen. Dachte sie bissig.

„Immer noch hier?" erwiderte sie ebenso spöttisch.