Vielen Dank für die vielen netten Kommentare, CaroloveSeverus, SeverusHermioneSnape, Dardevil, Marylein und Padme! Ich freu mich sehr, dass euch meine Geschichte gefällt. :-)

Danke für den Tipp, Marylein - ich werds mir zur Herzen nehmen.

Liebe Grüße Gaby

4 In der Dunkelheit

Warum ist es hier so dunkel?" Ängstlich sah sie um sich, aber es gab nichts als die tiefe, teerartige Schwärze zu sehen, die sie zur Gänze umgab.

Nun Miss Granger was sagt ihnen ihr sonst so brillanter Verstand? Denken sie nach, sie kennen die Antwort!"

Ihr Verstand arbeitete fieberhaft, aber angesichts ihrer immer mehr steigenden Angst, ja ihrer Panik, fiel es ihr schwer auch nur einen vernünftigen Gedanken zu ende zu denken.

Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht!" Hysterisch versuchte sie mit den Händen dieser all umfassenden Dunkelheit zu entrinnen.

Sie enttäuschen mich. War auch nicht anders zu erwarten!" Seine sarkastischen Worte spornten sie an, trieben ihren Geist zur Höchstleistung.

Da es sowieso nichts zu sehen gab, schloss sie ihre Augen und begann sich zu konzentrieren. Sie hörte auf ihre Atmung, fühlte den Boden unter ihren Füßen und plötzlich stieß sie mit den Fingerspitzen auf kalten, nackten Stein. Nein!

Beinahe hätte sie eine Woge aus Furcht mit sich gerissen. Das konnte doch unmöglich wahr sein. Sie war lebendig begraben! Nein nicht sie – er, Severus Snape war lebendig hier eingeschlossen worden. Wer war nur so grausam?

Man hat sie eingesperrt?" Sie biss sich fest auf die Lippen, um nicht schreien zu müssen.

Ohne Licht!" Ein Beben lief durch ihren Körper.

Wo sind sie?" Irgendetwas schlich um sie herum, lauerte mit ihr in der Dunkelheit.

Sie fühlte sich beobachtet. Der Schweiß brach ihr aus. Wenn sie noch lange hier blieb, würde sie wahrscheinlich ihren Verstand verlieren.

Immer noch hier." Kam es zurück aus der Dunkelheit.

Nein…." Heftig ging ihr Atem, sie tastete sich langsam an der Wand entlang, erreichte eine Ecke und folgte der nächsten.

Eins, zwei, drei, vier…..Wo zur Hölle war nur die Tür?

Wo sind sie in ihrer Erinnerung." Sie ging in die Knie, kauerte auf allen Vieren.

Sie musste hier raus und zwar gleich. Keine Sekunde mehr konnte sie es ertragen hier eingesperrt zu sein. Wie lange war sie schon hier? Minuten, Stunden, Tage, sie konnte es nicht sagen. Alles verlor, in diesem Nichts, an Bedeutung.

Ich müsste irgendwo rechts von ihnen am Boden liegen." Meinte er gelassen. Sie kroch auf allen Vieren in die, wie sie hoffte, richtige Richtung.

Ich kann sie nicht finden!" Der Boden war uneben, so als hätte man ihn in aus einem Felsen gehauen.

Miss Granger das ist lediglich eine Erinnerung. Sie können mich nicht berühren."

Wie eindringlich er klang. Sie kniete am Boden und wischte sich mit einer Hand über das Gesicht und versuchte sich zu sammeln. Im Grunde war sie ganz alleine hier, eingesperrt, verlassen und niemand würde sie finden.

Sie würde hier sterben. Sie rollte sich am Boden zusammen und umschlang ihre Knie. Sie wollte sterben. Alles war besser als hier ganz alleine zu sein.

Kommen sie! Ich bringe sie zurück!" Sie glaubte eine warme Hand auf ihrer Schulter zu spüren. Schnell erhob sie sich und ließ sich nur zu gerne von ihm führen.

*

Kaum tauchte sie aus dem Denkarium auf, holte sie dankbar Luft.

„Danke!" flüsterte sie zu dem Hologramm und wandte sich zum Fenster.

Helles Licht strömte herein, beinahe hätte sie vor Dankbarkeit wieder hier sein zu dürfen, geweint. Grüne, saftige Wiesen, noch nie war ihr die Landschaft rund um Hogwarts so schön erschienen. Sie war frei. Nicht mehr länger Gefangene in diesem dunklen, kalten Verlies.

Aufgewühlt versuchte sie ihre Sinne in Einklang zu bringen. Sie stand an der Schwelle zum Wahnsinn.

„Setzen sie sich!" befahl ihr Snape scharf und ohne zu zögern gehorchte sie.

„Trinken sie!"

Vor ihr stand auf dem niedrigen Tisch eine Karaffe befüllt mit Wasser. Gehorsam schenkte sie sich ein Glas voll ein und trank. Ihre Kehle war wie ausgedörrt. Bedächtig setzte sie das Glas wieder auf dem Tisch ab. All ihre Bewegungen waren noch steif und unkoordiniert.

„Wie lange war ich dort – wo auch immer?"

Sie blickte fragend zu Snape auf. In ihren Augen war zu lesen, wie schlecht es ihr noch immer ging. Diese Erfahrung war für sie sehr dramatisch gewesen, vielleicht auch zuviel. Vorsichtig, um sie nicht zu erschrecken, setzte er sich ihr gegenüber auf den Tisch.

„Ein paar Minuten, höchstens zehn." Eindringlich sah er sie an.

„Können sie mir sagen, was das war. Was ist da passiert?"

Außer der Dunkelheit und der Schrecken, die sie empfunden hatte, wusste sie nichts. Was hatte das alles zu bedeuten?

„Dies ist die einzige Erinnerung die ich direkt in mir selbst gespeichert habe." Begann das Hologramm zu erzählen.

„Der Ort an dem sie sich befanden, das war ein kleines Haus, erbaut auf den Klippen Nahe bei Dover. Das Haus ist unscheinbar, weißer Putz, niedliche kleine Fenster, ein putziger Schornstein. Praktisch jede ärmliche Familie hätte dort leben können, aber es gehörte Tom alias Voldemort und das Interessante war nicht das Sichtbare an dem Haus, sondern das was man nicht sehen konnte.

Es führte durch den Keller ein langer Gang hinab bis zur Küste. Früher diente er sicher Schmugglern um ihre Ware zu verstecken, doch Voldemort wusste diese Eigenheit für sich zu nutzen. Es gab nebst dem Gang viele versteckte Kammern, schwer zu erreichen. Egal was dort war, niemand würde es finden und keiner würde die Schreie hören."

Hermione ahnte bereits, bevor er es aussprach was jetzt kam.

„Er hat seine vermeintlichen Feinde dort eingesperrt?" Sie sah auf ihn und ein Teil hoffte das er ihre Frage bestritt, doch er nickte nur.

„Aber sie waren sein treuer Untergebener. Warum sie?"

*

Poppy kehrte zu ihm zurück. Er freute sich beinahe sie zu sehen. Unter dem Arm trug sie einen hohen Stapel Bücher. Dafür war er unglaublich dankbar. Er langweilte sich. Sein Geist wollte beschäftig werden und wäre sie nicht zurückgekommen, dann hätte er versucht aus eigener Kraft auf die Beine zu kommen, um sie zu suchen.

Sie legte den Stapel Bücher neben ihm auf den schmalen Nachttisch ab und reichte ihm die kleine Schreibtafel dazu eine Kreide.

„Hier. Damit können sie mir sagen was sie brauchen. Was ihnen fehlt."

Eifrig begann er ein paar Worte darauf zu kritzeln und hielt sie Poppy hin. Sie hatte zuerst Mühe seine Schrift zu entziffern. Die war wie immer. Klein, die Buchstaben eng aneinander gedrängt.

„Hm? Lassen sie mich nachrechnen. Sie müssten so um die 36 Jahre alt sein. Warum?"

Schnell wischte er das Geschriebene fort und schrieb erneut etwas nieder.

36 Jahre Erinnerungen!

Stand da quer über die Tafel.

„Tja die kann ich ihnen leider nicht bringen. Die müssen von alleine wieder kommen, aber ich kann ihnen jetzt schon versichern, sie sind auf dem bestem Weg, wieder ganz der Alte zu werden. Professor Snape wie er leibt und lebt."

Selbst ohne seine Stimme zu hören, vermeinte sie den leicht sarkastischen Klang hinter den geschriebenen Worten zu entdecken. Er mochte vielleicht nicht wissen wer er war, aber seinen Charakter hat das nicht verändert.

„Ich gehe und hole noch frisches Verbandszeug und etwas zu Essen für sie. Sie können sich inzwischen die Bücher ansehen, wenn sie möchten", schlug sie vor und machte sich auf den Weg.

Mürrisch und frustriert zog er eines der Bücher zu sich heran und hatte sich, sobald er die Seiten aufschlug, schnell in das Thema vertieft. Vieles was er las war neu und vertraut zugleich. Eine innere Stimme rief immer wieder dazwischen. Das kenne ich! Das hab ich schon irgendwo einmal gehört! Fragt sich nur wo.

*

Seine Genesung schritt schneller voran, als sie es für möglich gehalten hätte. Er lag immerhin drei Monate im Koma. War mehr tot als lebendig und jetzt, kaum war er ein paar Augenblicke wach, machte er erstaunlich rasche Fortschritte.

Das lag sicher mit an seinem Naturell. Er hasste es krank zu sein, oder zur Untätigkeit gezwungen zu werden. Von daher trieb er wahrscheinlich bewusst oder unbewusst seinen Körper zur Eile an. Dabei war er noch lange nicht über den Berg. Es konnte jederzeit zu einem Rückfall kommen und dann war es aus mit ihm.

Darum war es nur klug von ihr, Minerva mit dieser Kleinigkeit noch nicht belästigt zu haben. Wer weiß wie sie seine vermeintliche Rückkehr ins Leben und dann vielleicht seinen erneuten Tod aufnehmen würde. Die gute Frau regte sich so leicht auf. Nein es wäre klüger, es noch für eine Weile für sich zu behalten. So war es am Besten für alle.

Keinem war damit gedient, wenn sie falsche Hoffnungen weckte. Sie suchte auf der Krankenstation ihre Sachen zusammen, bat einen Hauselfen ihr Speisen zu bringen, niemand würde daran etwas Ungewöhnliches finden, da sie öfters auf der Krankenstation ihr Essen einnahm und machte sich erneut auf dem Weg zu Severus.

*

„Brauchte er wirklich einen Grund? Reichte für ihn nicht schon der bloße Verdacht man könnte ihm untreu sein?"

Schön langsam beruhigte sie sich wieder. Wenn sie ein paar Minuten so aufwühlen konnten, wie lange musste man dort bleiben um seinen Verstand endgültig einzubüssen?

„Wie lange hat er sie gefangen gehalten?" Leise stellte sie die Frage.

Immer noch überliefen sie kalte Schauer alleine bei dem Gedanken dort unten zu sein. Snape zuckte mit den Achseln.

„Tage? Vielleicht eine Woche. Ich weiß es nicht. Zeit verliert an diesem Ort ihre Bedeutung." Er erzählte das mit einer Gleichgültigkeit, als würde er lediglich über das Wetter oder etwas anderes Belangloses sprechen.

Sie schlug ihre Hand vor den Mund. Eine ganze Woche in diesem trostlosen Loch. Wie hatte er das nur überlebt?

„Wie haben sie es nur geschafft dabei nicht ihren Verstand zu verlieren?" Sie musste einfach diese Frage stellen.

„Der Mensch ist erstaunlich, in dem was er aushalten kann. Mir blieb schlicht nichts anderes übrig und da ich in erster Linie mit anderen Dingen beschäftigt war, lenkte mich das gut von meiner Umgebung ab." Stirnrunzelnd betrachtet sie ihn. Mit was war er beschäftigt gewesen?

„Was könnte sie da unten beschäftig haben?"

„Nehmen sie die nächste Phiole und sehen sie selbst. Ich nehme an, dass ich sie nach wie vor nicht davon abbringen kann die Finger davon zu lassen."

Mechanisch erhob sie sich und schritt zu dem Regal. Mit der Phiole in der Hand wandte sie sich zu ihm um.

„Danke, dass sie mir dort geholfen haben. Ich denke nicht, dass ich es ohne ihre Hilfe zurück geschafft hätte."

Er nickte nur mit dem Kopf und sah ihr zu, wie sie den Inhalt in das Denkarium schüttete. Erneut wandte sie sich ihm zu.

„Warum haben sie mir eigentlich geholfen? Ich meine sie können mich nicht leiden und helfen mir?"

Schön langsam nahm ihr Geist seine Arbeit wieder auf und begann zu funktionieren. Das war für sie eine der stärksten traumatischsten Erfahrungen gewesen, die sie je gemacht hatte und dabei war sie nur Zaungast gewesen. Sie hatte es nicht wirklich erlebt. Es war einfach fürchterlich gewesen.

„In meiner ganzen Laufbahn als Lehrer kam in meinem Unterricht niemals ein Schüler zu Schaden. Betrachten sie das als eine Art Ehrenkodex nach dem ich lebe."

Also das war doch wieder einmal eine typische Antwort von ihm. Er half niemandem aus purerer Nächstenliebe, sondern rein weil er es nicht ertragen konnte, versagt zu haben. Kopfschüttelnd betrachtete sie ihn kurz. Was für ein merkwürdiger Mann er doch war. Gab es denn nichts auf der Welt woran er selbstlos mit ganzem Herzen hing? Besaß er überhaupt ein Herz?

„Sie sollten sich beeilen. Diese Erinnerung blubbert nicht ewig im Becken herum!" Riss er sie beinahe grob aus ihren Gedanken.

Gehorsam tauchte sie ein, nur einen Moment zögerte sie kurz. Sie hatte Angst. Angst erneut in der Dunkelheit alleine zu sein. Doch diesmal war es anders. Sie kam in einen mit Kerzenlicht sanft erleuchteten Raum. Er war praktisch eingerichtet. Ein alter Holztisch stand in einer der Ecken, dazu einfache Stühle.

An den beiden Fenstern waren blaugestreifte Vorhänge angebracht, die jetzt zugezogen waren. Durch sie schimmerte kein Licht, also war es Nacht. Ansonsten gab es nur noch eine Kommode an der anderen Seite des Raumes. Mehr hätte auch nicht Platz gehabt, da der Raum sehr klein war.

Aus dem Augenwinkel nahm sie eine Bewegung war. Voldemort betrat den Raum. Hinter ihm folgte Severus Snape. Gelassen schritt Voldemort voran, nichts schien ihn aufzuregen oder zu berühren. Er wirkte zufrieden, wäre da nicht dieses Funkeln, dieses Glitzern in seine Augen gewesen. Es machte seinen Ausdruck verschlagen, hinterhältig und unbewusst hielt Hermione den Atem an. Hier geschah gleich etwas. Etwas Schlimmes.