Vielen Dank für die lieben und netten Reviews, CaroloveSeverus, Marylein und Padme.G! So wie versprochen gehts heute wieder weiter. Mal sehen ob euch dieses Kapitel auch gefällt.
Liebe Grüße Gaby
5 Ungeduldige Patienten
Die Furcht lähmte sie erneut. Sie wollte schreien, aber sie bekam kaum genug Luft, um am Leben zu bleiben. So nahe. Noch nie war sie Voldemort so nahe gewesen. Sie konnte ihm direkt in seine leblosen, kalten Augen blicken. Sie strahlten einen harten Glanz aus, diese dunklen Fenster in ihren tiefen Löchern. Sie wandte den Blick ab und fühlte zum ersten Mal in ihrem Leben Mitleid für Snape.
Auch in seinem Gesicht spiegelte sich nichts. Auch er wirkte wie ohne jedes Gefühl, aber sie wusste was auf ihn zukommen würde. Sie wusste noch nicht genau wie es passierte, nur das es passierte. Der Raum knisterte förmlich vor Spannung. Voldemort trug wie immer seine schlichte weiße Robe und war barfuss. Er wirkte dadurch mehr wie ein Hohepriester als wie das wieder entstandene Böse, das er in Wahrheit war. Schweigend drehte er sich zu Snape um und betrachtete ihn genau. Würde er sich ihm verraten?
„Seltsame Gerüchte dringen an meine Ohren." Krächzte er mit seiner unmenschlichen Stimme.
Hermione glaubte fast am eigenen Körper zu spüren wie unwohl sich Snape zu fühlen begann. Es war nicht das erste Mal und wahrscheinlich auch nicht das letzte Mal. Aufrecht stand er da, kein Muskel bewegte sich in seinem Gesicht, es wirkte beinahe versteinert.
„My Lord?" ruhig sprach er die Worte, beinahe so als ginge ihn das alles nichts an, aber das konnte Hermione nicht darüber hinweg täuschen was tatsächlich in ihm vorging.
Er ahnte bereits den Schmerz der auf ihn zukam. Wusste bereits über die Demütigungen die er ertragen musste, auch wenn er innerlich mit den Zähnen knirschte. Für den Verrat an diesen Bastard konnte er alles ertragen. Hermione kullerte eine Träne über ihr Gesicht. Das alles machte er all die Jahre ganz alleine durch. Hatte niemanden der sich um ihn kümmerte, gut es war nicht gerade so, dass er sich auch mächtig darum riss von jemandem in den Arm genommen zu werden oder irgendwo Trost zu finden, aber dennoch das war so traurig.
Aufkeuchend wich sie erschrocken einen Schritt zurück. Voldemort hatte Snape mit einem Fluch niedergestreckt. Er krümmte sich schmerzverzehrt am Boden unfähig sich dagegen zu wehren.
„Verrate mir bist du noch mein treuer Anhänger?"
Hermione hangelte sich an der Wand entlang, dann um den Tisch um die beiden herum. In Voldemorts Zügen entdeckte sie einen beinahe freudigen Schimmer. Ihm schien es Spaß zu bereiten Snape zu quälen. Dieser lag zu seinen Füssen und war eine einzige Masse aus Schmerz.
„Hör auf!" rief sie.
„Bitte hör auf! Du tust ihm weh!"
Aber er konnte sie natürlich nicht hören. Sie war nur Zaungast in dieser Vorstellung und das alles eine längst vergangene Erinnerung.
„Ich bin kein Verräter!" kam es abgehakt über Severus Lippen.
Jedes Wort musste er sich mühsam abringen, zu sehr brauchte er seinen Atem, um mit der Folter fertig zu werden.
„Ich möchte dir glauben. Du weißt nicht wie sehr ich mir das wünsche. Du bist fast wie ein Sohn für mich, aber ich kann mich über die Gesetze nicht hinwegsetzen, das verstehst du doch?" Er sprach so geduldig mit ihm, als würde er tatsächlich meinen was er sagte. Seine Mine wirkte ehrlich bedrückt.
„Ich kann dir deine Strafe nicht ersparen. Gerade dir nicht, wo ich sonst in allem so nachsichtig bei dir bin."
Die ganze Zeit stand Snape unter seinem Fluch und ertrug unsägliches Leid. Die Schmerzen mussten fürchterlich sein und er würde darunter sicher die nächsten Tage zu leiden haben. Auf ein unsichtbares Zeichen hin ging plötzlich die Tür auf und zwei Schergen Voldemorts traten ein. Lucius Malfoy und Barty Crouch jun.. Beiden war anzusehen, dass sie das Schauspiel, das sie zu sehen bekamen, sehr genossen.
„Bringt ihn nach unten und sperrt ihn ein." Befahl er den beiden. Grob fassten sie ihn unter den Armen und zerrten ihn mit sich.
*
Hermione tauchte aus dem Becken wieder auf und wischte sich verstohlen über ihr Gesicht. Er sollte die Tränen nicht sehen. Erst als sie sich sicher war, das er ihr nichts anmerken würde, wandte sie sich ihm zu.
„Wie sind sie wieder raus gekommen? Ich meine wie haben sie es geschafft aus diesem Loch zu entkommen? Am Leben zu bleiben?" Das Hologramm zuckte mit den Schultern.
„Irgendwann gelangte er zu der Überzeugung, mit Dumbledores Hilfe, dass ich ihn doch nicht verraten hatte." Unruhig begann sie auf und ab zu wandern.
„Das ist alles so furchtbar! Warum tut ein Mensch nur so was?" Sie wollte es einfach verstehen. Fragend, beinahe bittend ruhten ihre Augen auf dem Hologramm.
„Miss Granger auch mir erschließt sich nicht alles was sich dieses kranke Hirn, das sich Voldemort nennt, ausdenkt."
Ungläubig schüttelte sie ihren Kopf.
„Und sie? Wie wurden sie damit fertig?" Wie konnte ein einziger Mensch nur soviel ertragen ohne daran zu Grunde zu gehen? Aber vielleicht ist genau das passiert und deshalb war er so wie er war.
„Ich habe meine Arbeit getan. Ich tat einfach das was getan werden musste."
*
Unbewusst begann er in den Büchern herum zu kritzeln. Nahm eine Veränderung hier und eine da vor. Er konnte immer noch nicht sagen warum, aber er war sich ziemlich sicher, dass seine Veränderungen den gewünschten Trank verbesserten. So wie es in den Büchern stand würde so mancher Trank einfach zu lange brauchen um ihn zu zubereiten, was er viel schneller und effektiver konnte, oder er erhöhte mit der Beifügung anderer Zutaten deren Wirkungsgrad. Unermüdlich war er dabei sämtliche Zaubertränke umzuschreiben. So fand ihn Poppy bei ihrem nächsten Besuch. Vertieft in seine Bücher.
„Ich hoffe, sie übertreiben es nicht. Sie neigen nämlich dazu. Gönnen sie sich auch eine Pause. Sie waren schwer krank und sie sind es immer noch. Ich möchte nicht das sie einen Rückfall bekommen." Belehrte sie ihn und fing sich damit einen zornigen Blick von ihm ein.
„Sie können mich noch so finster angucken wie sie möchten, aber wenn sie mir nicht gehorchen …" Hier machte sie eine kunstvolle Pause, war ihr doch schon im Vorhinein klar, dass er gleich noch viel wütender werden würde, wenn sie ihm ihre Drohung präsentierte.
„Dann nehme ich alle Bücher wieder mit!"
Nun funkelten seine Augen tödlich und ihm lag so einiges auf der Zunge, was er ihr am liebsten gesagt hätte. Wie konnte sie es wagen, ihm zu drohen. Solch ein Verhalten duldete er nicht, hat er noch nie getan. Warum war er sich da nur so sicher? Ach könnte er sich nur an alles erinnern. Hektisch schrieb er mit der Kreide ein paar Wörter auf die kleine Tafel und hielt sie ihr hin.
Sie schreiben mir nicht vor, was ich zu tun habe!!!
Stand da quer über die Tafel in seiner typischen gedrungenen Schrift geschrieben. Sie lss die Worte und betrachtete ihn dann misstrauisch. Konnte er sich wieder erinnern?
„Haben sie ihre Erinnerungen wieder zurück?" fragte sie vorsichtig.
Das wäre gelinde gesagt eine Katastrophe, denn dann konnte sie unmöglich noch länger verbergen das er noch lebte. Er würde ihr einen Strich durch die Rechnung machen. Unverzüglich würde er verlangen zurück in seine Räume gebracht zu werden und weder Tod noch Teufel konnten ihn davon abhalten und bestimmt nicht sie.
Schweigend schüttelte er seinen Kopf, ein leicht verbitterter Zug lag um seinen Mund. Er litt sehr darunter nichts von sich zu wissen. Er ahnte bereits einiges, das konnte sie an den vielen Kritzeleien in den Bücher erkennen, was sie kurz erbleichen ließ. Sie hatte die Bücher aus der Bibliothek geholt, nur so konnte sie sie unmöglich zurück bringen. Wenn das jemand sah und möglicherweise auch noch die richtigen Schlüsse daraus zog … Undenkbar!
„Gut!" stieß sie erleichtert hervor, was ihr natürlich einen mehr als nur seltsamen Blick von ihm eintrug.
„Ich meine gut dann müssen wir weiter dran arbeiten, dass sie sich wieder erinnern können!" verbesserte sie sich hastig, doch es war zu spät sie sah ihm an, das er ihr nicht glaubte. Er erkannte die Lüge in ihren Worten, er wusste, dass sie etwas vor ihm verbarg.
„So ich sollte wieder gehen. Es gibt auch noch andere Patienten die mich brauchen!" flötete sie in leicht lockerem Ton vor sich hin, aber der Ausdruck in Snapes Augen wurde nicht mehr weicher.
Er würde nicht eher ruhen, bis er herausfand was sie vor ihm verbarg. Das war leider ihr Pech gerade ihn als Patienten zu haben. Jeder andere hätte ihr geglaubt, aber er nicht. Er war zulange als Doppelagent für Voldemort und Dumbledore unterwegs gewesen als das man ihm noch leicht etwas vormachen konnte. Beunruhigt lief sie durch die wenig beleuchteten Gänge zurück in den Hauptteil des Schlosses. Lange würde sie ihn nicht mehr aufhalten können. Sobald er stark genug war das Bett zu verlassen, würde er zurückkehren.
*
Ohne sich dessen bewusst zu sein, sah sie ihn voller Mitgefühl an.
„Geht das immer so weiter in ihrem Leben? Sind ihre Erinnerung nur voll von Schmerz, Leid und Elend?" Schweigend betrachtete sie das Hologramm einen Moment ehe er sich zu einer Antwort hinreißen ließ. Er hatte die Hände vor sich gefaltet.
„Ja! Möglicherweise nicht alle, aber die Meisten."
Ungläubig schüttelte sie den Kopf.
„Kein Wunder, dass sie so ein Menschenfeind sind. Gab es denn nie etwas Erfreuliches in ihrem Leben? Eine glückliche Zeit? War denn ihre Welt ausschließlich durch Dunkelheit geprägt?"
In ihren Augen hatte jeder Mensch etwas Glück verdient und manche hätten es wahrscheinlich viel dringender gebraucht als andere. Wie anders wäre die Geschichte verlaufen, hätte Voldemort zum Beispiel liebende Eltern gehabt und wäre nicht unverstanden und alleine gelassen in einem Waisenhaus aufgewachsen, ohne zu wissen wer oder was er war. Er entdeckte alleine seine Kräfte und nutze sie zum Überleben in einer Welt die grausam zu ihm war und genauso war Snape.
„Hören sie auf zu versuchen mich zu verstehen. Das schaffen sie nicht!" Bellte sie Snape zornig an.
„Keine Sorge das will ich auch gar nicht!" rief sie wütend zurück, aber das war eine Lüge.
Es lag in ihrer Natur, alles was sie umgab, verstehen zu wollen und nun da sie sich ausschließlich um Snapes Erinnerungen kümmerte, war er nun mal das Ziel ihres Interesses und je mehr sie von ihm erfuhr, desto mehr wollte sie auch von ihm wissen. Entschlossen wandte sie sich dem Board mit seinen Erinnerungen zu. Was würde passieren, wenn sie die von ihm bestimmte Reihenfolge durchbrach? Was wenn sie sich einfach eine Phiole schnappte die weiter hinten stand? Vielleicht sogar die letzte in der Reihe? Sie würde es nur erfahren, wenn sie es ausprobierte.
„Haben sie noch nicht genug von meiner Vergangenheit gesehen? Reicht es ihnen noch nicht?"
Sie spürte seine zynischen Worte in ihrem Rücken. Sie klangen so feindselig. Er hatte sich noch immer nicht mit ihr, als seiner Erbin abgefunden. Tief holte sie Luft und versuchte sich zugleich nicht aufzuregen. Es hatte keinen Sinn sich mit einem Hologramm zu streiten. Sie drehte sich ihm zu und betrachtete ihn einen Augenblick lang.
Er war kein gutaussehender Mann. Seine Haut war viel zu bleich, er ging kaum in die Sonne. Die hakenförmige Nase dominierte sein Gesicht und ließ seine Züge scharf hervortreten. Das schwarze, schulterlange Haar hing ihm wie immer zottelig ins Gesicht. Aber das auffälligste in seinem Gesicht blieben seine schwarzen Augen. Sie wirkten einerseits wie tiefe, offene Fenster und gaben einem das Gefühl man konnte sich in ihnen verlieren und doch waren sie verschlossen und verbargen so unendlich viel. Er erlaubte niemandem darin zu lesen. Keinem Menschen war es bisher gelungen in diese Tiefen vorzudringen.
Trotzig schob sie ihr Kinn vor.
„Sie können es noch so oft wie sie wollen probieren, aber sie werden mich ganz bestimmt nicht von hier vertreiben!" Meinte sie hochnäsig.
Sie hatte keine Lust sich mit ihm zu streiten. Dunkel umschatteten sich seine Augen. Es gefiel ihm gar nicht sie hier zu haben. Ganz und gar nicht.
„Ich bin ihr Erbe und sie sind tot!" Das war hässlich das zu sagen, aber es war auch die Wahrheit und sie wollte sich nicht ewig von ihm fertigmachen lassen.
Fest presste er die Lippen aufeinander und stand erstarrt da. Er konnte nichts tun. Er war nicht wirklich. Erneut wandte sie sich dem Board zu und nahm eine Phiole aus der fast letzten Reihe. Ein erstickter Laut in ihrem Rücken bestätigte ihr, dass sie das Richtige tat.
„Wagen sie es nicht!" schrie er zornig.
„Wagen sie es nicht die Reihenfolge zu durchbrechen!" Er war außer sich und am liebsten hätte er sie geschnappt und geschüttelt. Provokant drehte sie sich ihm zu.
„Ansonsten was?"
„Was tun sie, wenn ich es doch wage?" Sie hob eine Augenbraue und sah ihn an. Dann plötzlich verengten sich ihre Augen.
„Nichts! Sie können nichts tun!" Sie drehte sich zum Denkarium und schüttete den Inhalt hinein.
„Eines Tages werden sie das bereuen!" versprach er ihr noch, ehe ihr Kopf im Becken verschwand.
