Vielen Dank für die netten Review, CaroloveSeverus und Marylein! Hermione wird noch so einiges zu sehen bekommen und er muss sich auf die Suche nach seinem Platz im Leben machen. Mal sehen wo sie sich da treffen. ;-)

Liebe Grüße Gaby

7 Die Wahrheit kommt ans Licht

Unentschlossen, ob sie wütend oder besorgt sein sollte, sah sie auf ihn herab. Die Sorge um ihn siegte schließlich und schnell drehte sie ihn mit Hilfe der Magie um. Natürlich war die Wunde wieder aufgebrochen und blutete heftig. Er lag förmlich in seinem Blut, eine riesige Lache hatte sich um ihn gebildet.

Vorsichtig tastete sie ihn ab und stellte zu ihrem Glück fest, dass er wenn auch schwach noch immer lebte. Schnell verfrachtete sie ihn mit zur Hilfenahme der Magie in sein Bett und löste den Verband. Die Wunde, die schon zu heilen begonnen hatte, war wieder komplett aufgerissen und sah schlimmer als zuvor aus.

„Wo wollten Sie nur hin? In ihrem Zustand gleicht das purem Wahnsinn!" schimpfte sie mit dem Bewusstlosen.

„Aber so waren sie schon immer! Sie konnten wohl nicht mehr warten bis sie kräftig genug sind?" zornig wetterte sie mit ihm.

Sie stillte die Blutung, legte einen neuen Verband an und eilte dann sogleich auf ihre Krankenstation zurück. Sie musste seinen Blutverlust ausgleichen, ansonsten sah sie schwarz für ihn. Er war so schwach, vielleicht zu schwach um noch einmal soviel Glück zu haben. Dieses Mal konnte es durchaus sein, dass er starb. Entschlossen presste sie die Lippen aufeinander.

Nur nicht daran denken! Ermahnte sie sich streng. Er wird es schaffen, er musste. Sie hatte ihn nicht solange am Leben erhalten, um ihn jetzt noch zu verlieren. Nein daran wollte sie gar nicht denken. Hastig suchte sie zusammen was sie brauchte und machte sich auf den Weg zurück, dabei lief sie Minerva direkt in die Arme. Fragend blickte die Schulleiterin auf die Medihexe herab. Poppy erbleichte und ihr wurde klar, dass nun der Moment der Wahrheit gekommen war.

*

Heute würde sie nicht in den Kerker gehen. Heute traf sie sich mit ihren Freunden. Sie würden sich in der Winkelgasse treffen. Sie wollte sich neue Bücher kaufen. Harry brauchte einen größeren Umhang, der Kerl wuchs immer noch und Ron hatte wieder einmal seinen Zauberstab zerbrochen.

Sie freute sich schon sehr darauf und wünschte sich sie könnte ihnen erzählen was sie erlebt hatte, aber sie wusste nicht wie die beiden darauf reagierten. Weder Ron noch Harry konnten Snape je leiden. Auch jetzt nicht obwohl dieser tot war. Dieser Gedanke löste ein seltsames Gefühl in ihr aus. Wie als würde es ihr leid tun, dass er tot war. Er hatte in seinem Leben soviel schreckliches erlebt.

Hätte er es nicht verdient auch einmal Glück zu erfahren? Einfach zu wissen, dass das Leben selbst soviel schönes bot? Nie würde er das kennenlernen. Irgendwie fühlte sich das bitter an. Er hatte für sie alle sehr viel gegeben. Er war für die Freiheit der magischen Welt in dieses finstere Loch gegangen, hatte sich Foltern lassen und war schließlich sogar dafür gestorben und nie hat es jemand erfahren. Bis jetzt.

Sie war, neben Dumbledore und dieser lebte auch nicht mehr, die einzige die davon wusste. Er hatte recht, es war ein schweres und grausames Erbe das sie von ihm bekommen hatte. Vielleicht wäre es tatsächlich klüger gewesen die Finger davon zu lassen, aber auf der anderen Seite die Zaubererwelt musste endlich die Wahrheit erfahren - wie mutig er war.

Wie viel er gegeben hatte, ohne dafür etwas zu verlangen. Ja er war grausam und gemein. War ein tyrannischer Lehrer gewesen. Hatte seine Mitmenschen schlecht behandelt, vor allem die ihm anvertrauten Schüler, aber wie wenig wog das im Vergleich dazu, was er für sie alle ertragen hatte, um ihr Leben zu retten?

*

Minerva verschränkte die Arme vor der Brust und sah Poppy streng an.

„Verrätst du mir wo du mit all dem Zeug hin willst?"

Diese schluckte mühselig und überlegte fieberhaft nach einer guten Antwort, aber ihr wollte nichts einfallen, also zuckte sie verlegen mit den Schultern.

„Das Beste wird sein du siehst es dir selbst an." Meinte sie resigniert und sah abwartend auf Minerva.

Zustimmend nickte diese und gemeinsam machten sie sich auf den Weg. Erstaunt registrierte Minerva, dass sie Poppy in den alten, kaum mehr genutzten Teil des Schlosses führte. Vor einer fensterlosen Kammer hielt sie inne.

„Es könnte sein, dass dich das was du gleich sehen wirst erschreckt." Meinte Poppy noch mysteriös, ehe sie die Tür aufstieß und tatsächlich. Kaum hatte Minerva den Raum betreten, keuchte sie ungläubig auf.

„Aber das…ist unmöglich!" stammelte sie und doch sah sie ihn vor sich.

„Wie?"

Ihr Blick glitt zwischen ihm und Poppy verwirrt hin und her. Ihr Geist vermochte, dass was ihre Augen sahen, noch nicht richtig verarbeiten.

„Und du hast es die ganze Zeit gewusst und mir nichts gesagt?"

Poppy senkte beschämt den Kopf, dann strafte sie sich und eilte an Snapes Seite. Reue konnte sie später fühlen, jetzt musste sie sein Leben noch einmal retten. Noch einmal, dann war aber Schluss mit seinen ständigen Versuchen doch noch zu sterben und wenn sie ihn anbinden musste. Diesmal kannte sie keine Gnade.

*

Sie schlenderten durch die verschiedenen Läden in der Winkelgasse, schauten natürlich bei Ollivander vorbei und nachdem er ärgerlich über Ron seinen Kopf geschüttelt hatte, er betrachtete nun mal seine Zauberstäbe wie Mütter ihre Kinder und sah es gar nicht gerne, wenn sie schlecht behandelt wurden, gab er ihm einen neuen Zauberstab mit der Auflage er möge diesen doch besser behandeln und nicht so wie seine beiden Vorgänger.

Hermione zog es natürlich mehr zu Flourish & Blotts. Sie verließ den Laden erst als sie genug Bücher hatte die sie gerade noch tragen konnte. Harry und Ron betrachteten sie ungläubig. Was sie nicht sahen war, dass sie sich Bücher auch über die Geschichte der Zaubererfamilien besorgt hatte.

Sie wollte über Snapes Vergangenheit soviel es ging herausfinden. Irgendwie war sie neugierig auf ihn und seine Eltern und sie wollte sich nicht nur auf seine Erinnerungen verlassen. Es war, in Anbetracht der Bilder die er ihr zeigte, schwierig einen klaren Kopf zu behalten, aber sie durfte unter keinen Umständen vergessen, dass er ihr nur seine Sichtweise zeigen konnte.

Sie sah alles nur so wie er es sah und für ihn war es sehr schlimm gewesen, zum Teil kaum zu ertragen. Sie war sich sicher sie hätte es nicht gekonnt. Eigentlich war sie hier, um Spaß mit ihren Freunden zu haben und dabei ihn und alles was mit ihm zusammenhängt zu vergessen, aber das schien unmöglich. Ihre Gedanken kreisten ständig um ihn und um das was sie gesehen hatte.

„Mione was hast du?" unterbrach plötzlich Harry ihre Gedankengänge. Leicht irritiert blickte sie zu ihm auf.

„Nichts!" log sie und wollte weitergehen, doch er hielt sie mit einer Hand zurück.

„Wie lange kennen wir uns nun schon?" Fragend zog er die Augenbrauen in die Höhe, selbst Ron war stehen geblieben auch ihm war das seltsame Verhalten von Hermione aufgefallen.

Hermione sah beide gerührt an, sie waren tatsächlich ihre besten Freunde und genau deshalb konnte sie es ihnen auch nicht sagen.

„Bitte, ich möchte nicht darüber sprechen. Es…ist geheim, aber nicht mein Geheimnis. Okay?"

Verstehend nickte Harry, er wusste wie ernst Hermione vertrauliche Angelegenheiten von anderen nahm. Niemals würde sie jemanden verraten.

„Du weißt du kannst mit uns immer reden, wenn du uns brauchst." Er sprach für sich und Ron. Auch dieser nickte zustimmend mit dem Kopf. Hermione umarmte beide und drückte sie kurz an sich.

„Ihr seid die besten Freunde die man sich nur wünschen kann." Flüsterte sie ihnen zu und musste dabei eine Träne unterdrücken. Ron räusperte sich verlegen, er war ganz rot geworden und sah die beiden gespielt ernst an.

„So das wäre jetzt geklärt und nun lasst uns noch ein bisschen Spaß zusammen haben."

Gemeinsam schlenderten sie in ein Café und tatsächlich gelang es den beiden Hermione eine Weile von Snape abzulenken.

*

Sie ließ sie in Ruhe arbeiten. Sah ihr dabei zu, wie sie ihm diverse Tränke einflösste und dabei unentwegt mit ihm schimpfte. Sie spürte eine gewisse Vertrautheit, die von Poppy ausging. Wie lange pflegte sie ihn hier schon? Das mussten bereits gut drei Monate sein. Seit dem Fall und Tod Voldemorts.

In all dieser Zeit hatte sie kein Wort gesagt, sich niemandem anvertraut. Warum? So als hätte sie ihre Gedanken gehört antwortete ihr Poppy automatisch.

„Du wirst dich sicher fragen, warum ich nie etwas gesagt habe. Tja in der ersten Zeit sah es nicht so aus, als würde er es schaffen. Genau gesagt hatte er erst vor ein paar Tagen zum ersten Mal das Bewusstsein wiedererlangt, bis dahin dachte ich er würde nicht überleben, aber dann schlug er doch die Augen auf."

Minerva trat zögernd näher, so als könnte sie das Wunder vor ihren Augen immer noch nicht ganz fassen. Betrachtete den einstigen Feind, späteren Freund und dann den Helden der vor ihr lag. Ja er war alles.

Unhöflich, zynisch, gemein so benahm er sich in der Schule, aber er konnte auch anders sein. Nicht mit Worten, das hatte er nie gelernt, aber mit Taten. Wenn es darauf ankam, konnte man sich neben Dumbledore, niemanden besseren an seiner Seite wünschen als ihn.

Seufzend zauberte sie sich einen Stuhl herbei und nahm Platz. Wenigstens konnte sie Hermione von der Bürde seiner Erinnerungen entbinden, das war schon etwas.

„Da gibt es noch etwas was du wissen solltest." Meinte Poppy in diesem Moment. Minerva runzelte die Stirn und sah sie abwartend an.

„Er kann sich an rein gar nichts mehr erinnern. Er kennt weder seinen Namen noch seine Geschichte."

Nachdenklich betrachtete Minerva Severus, sah auf seine bleichen Züge, seine nun noch magere Gestalt die sich unter den Decken verbarg, dann fiel ihr Blick wieder auf Poppy.

„Bist du hier fertig?" Bejahend nickte die andere.

„Dann lass mich bitte mit ihm allein. Ich muss über sehr viel nachdenken."

Poppy machte sich auf den Weg zur Tür, als Minervas Stimme sie noch einmal zurück hielt.

„Halte dich bereit. Ich erwarte von dir später noch einen ausführlichen Bericht." Kam es hart von ihr.

Unglücklich blickte Poppy auf sie, dann huschte sie endgültig aus dem Raum.

*

Schweigend sah sie ihn an. Er lebte! Er war die ganze Zeit hier und lebte. Irgendwie gab ihr das nach all den Schrecken der letzten Wochen und Monate Hoffnung. So viele Menschen waren in dem sinnlosen Krieg ums Leben gekommen. Unzählige Freunde und Schüler hatte sie verloren.

Noch heute quälten sie fürchterliche Träume. Wie oft zermürbte sie sich mit der Frage – Warum sie überlebt hatte und andere, die das ganze Leben noch vor sich hatten, nicht? Wie ungerecht war diese Welt nur.

Traurig schwelgte sie in der Vergangenheit und dachte an alle, die sie verloren hatte. Nur einen hatte der Tod wieder frei gegeben. Severus Snape. Um ihn würde sie sich von nun an besonders kümmern. Sie rutschte mit ihrem Stuhl näher an ihn heran und nahm seine Hand in die ihrige. Das wagte sie nur, weil sie wusste, dass er nicht bei Bewusstsein war.

„Du wirst es mir sicher nicht glauben, aber es ist schön dich am Leben zu sehen."

Sie blieb die ganze Nacht bei ihm und erzählte ihm was sich nach dem Krieg zugetragen hatte. Ließ aber bewusst aus wer alles gestorben war oder das Hermione sich all seine persönlichen Erinnerungen ansah. Sie wollte ihn nicht aufregen. Er schien genug damit zu tun zu haben am Leben zu bleiben.

„Von nun an werde ich dir helfen wo ich kann." Versprach sie ihm aufrichtig.

In den frühen Morgenstunden erhob sie sich und verließ seine Kammer. In dieser Zeit schlug er kein einziges Mal die Augen auf, was sicher kein gutes Zeichen war. Vielleicht hatte Poppy Recht und er verlor diesmal den Kampf gegen den Tod.

„Ich komme schon bald wieder!" Versprach sie ihm noch, ehe sie ihn ungern alleine ließ, aber sie musste.

Es würde für die Schüler seltsam aussehen, wenn sie nicht am Frühstückstisch erschien und neugierige Fragen konnte sie jetzt bestimmt nicht gebrauchen. Sie würde es vorerst niemandem sagen. Außer ihr und Poppy sollte es noch keiner erfahren.

*

In der Halle traf sie auf Hermione. Entspannt schlug sie den Weg in den Kerker ein. Schade, dass sie es ihr nicht sagen konnte, aber wer weiß ob Severus sich jemals wieder erinnerte, geschweige denn, ob er überlebte oder auch das Bewusstsein wiedererlangte. All das stand noch in den Sternen und würde sich erst in den nächsten Tagen, wenn überhaupt, zeigen und bis dahin war es sicher besser Hermione erfuhr soviel über sein Leben wie nur ging.

„Wie geht es dir, mein Kind?" sprach sie sie freundlich an.

Hermione schenkte ihr ein warmes Lächeln.

„Bestens! Ich war gestern mit Harry und Ron unterwegs und wir hatten richtig Spaß." Erwiderte sie aufrichtig.

„Daran hast du gut getan. Man sollte seine Freunde nie aus den Augen verlieren, wer weiß wie schnell sie verschwinden." Meinte Minerva rätselhaft, Hermione nickte nur.

Sie wusste nur zu gut wie viele Menschen Minerva in diesem furchtbaren Krieg verloren hatte. Sie waren alle gezeichnet für den Rest ihres Lebens.

„Wie geht's dir mit seinen Erinnerungen?" fragte sie sie vorsichtig.

„Es ist schwierig, manchmal richtig hart. Er hat so viele schreckliche Erinnerungen. Gab es denn keine schönen Momente in seinem Leben? Wie kann ein einziger Mensch unbeschadet so viel ertragen?"

Minerva hakte sich kurz unter bei ihr und begleitete sie ein Stück.

„Das ist es ja gerade – er hat es nicht unbeschadet überstanden! Du wirst kaum einen Mann finden der, so wie er, in seinem Leben nicht nur unsäglich viel Schmerz und Leid erfahren durfte, aber zugleich fast genauso viel anderen zufügte hatte!"