Vielen,vielen Dank für die netten Reviews, CaroloveSeverus, Heatpipe, Marylein, Bane1602 und Malina! Ich habe mich sehr darüber gefreut! :-)

Mal sehen wie euch dieses Kapitel gefällt.

Liebe Grüße Gaby

8 Märchenstunde

Nachdenklich öffnete sie die Tür zu Snapes Räumen. Er stand wie immer mitten im Zimmer und schien auf sie gewartet zu haben. Eine zynische Bemerkung lag bereits auf seinen Lippen, aber angesichts ihres Gesichtsausdruckes schluckte er sie hinunter. Abwartend betrachtete er sie. Sie nahm vor dem Schreibtisch Platz. Ihre Stirn war in tiefe Falten gelegt.

„Sie sollten das lassen!" kam es trocken von ihm. Er ließ sich ihr gegenüber in seinen Stuhl fallen und sah sie neugierig an.

„Was?" Fragend richtete sie ihren Blick auf ihn. Sie hatte keine Ahnung wovon er sprach.

„Wenn sie ihre Stirn weiter so in Falten legen, werden sie eines Tages nicht mehr weggehen und gerade bei Frauen sieht das hässlich aus!"

Wut blitzte in ihren Augen auf.

„Musste er sie auch noch mit den, ihm so typischen, Beleidigungen ausstatten? Genügte nicht sein Aussehen?" Tief holte sie Luft, sie würde sich nicht mit einem Hologramm streiten, sie nicht.

„Aber was kann man von ihm auch anderes erwarten?"

Er zuckte gleichmütig mit den Schultern.

„Vielleicht Antworten auf die Fragen, die unweigerlich in ihrem kleinen Kopf rumschwirren?" Gelassen legte er die Fingerspitzen aneinander und betrachtete sie mit seiner überheblichen Art.

Nun vielleicht konnte er das tatsächlich. Er mochte ein boshaftes Ekel sein, aber er war auch intelligent und gerissen wie ein verschlagender Fuchs.

„Es ist vielleicht nichts, aber…" so laut ausgesprochen kamen ihr ihre Gedanken recht albern vor.

Sie verdächtigte Poppy und auch Minerva, das sie etwas verbargen. Wahrscheinlich war das eine der Spätfolgen nach dem Krieg. Über mehrere Jahre hinweg sagte ihnen niemand die ganze Wahrheit und fast jeder hatte etwas zu verbergen. Ständig mussten sie sich selbst und zum Teil auch mit großen Gefahren verbunden auf die Suche nach der Wahrheit machen.

Jedenfalls wurde sie dieses Gefühl nicht los, dass da etwas war. Nur was?

„Miss Granger, wenn ich ihnen mit meiner Brillanz helfen soll, dann müssen sie mir schon sagen um was es sich handelt." Schlug er kühl vor.

Hermione straffte sich und gab sich einen Ruck.

„Also gut, aber wahrscheinlich bilde ich mir da nur was ein…" Ein ungeduldiges Schnauben von gegenüber ließ sie hastig fortfahren.

„Ich habe Poppy vor ein paar Tagen auf dem Gang getroffen, als ich auf dem Weg hierher war und sie schleppte alles mögliche Zeug mit sich."

Sie schwieg erneut und versuchte sich genau an den kurzen Vorfall zu erinnern.

„Was für Zeug? Ein bisschen präziser müssen sie sich schon ausdrücken!" verlangte er streng.

„Verbandszeug, Salben. Tinkturen…"

„Nun nicht wirklich ungewöhnlich für eine Medi-Hexe, sollte man meinen." Fiel er ihr sarkastisch ins Wort und hob eine Augenbraue.

„Das vielleicht nicht, aber die Bücher…" kam es patzig von ihr. Manchmal könnte sie ihn glatt erwürgen. So ein Pech aber auch das der Kerl schon tot war!

„Was für Bücher?" schoss er neugierig geworden zurück.

„Bücher über das Brauen und Zubereiten von Zaubertränken, Kräuterkunde, solche Bücher halt."

Er verschränkte die Finger und wartete ob sie noch etwas sagen würde, sie schwieg aber und sah ihn abwartend an.

„Und was sollte daran nun seltsam sein?" Er verstand nicht.

„Daran vielleicht nichts, aber ich weiß nicht, ich hatte nur so ein Gefühl…Vergessen sie es!" stieß sie grob hervor.

Es war dumm sich mit einem Hologramm darüber zu unterhalten, noch dazu wenn dieses Severus Snape hieß. Wie sollte sie diesem Gefühle begreifbar machen?

*

Leise pochte es an ihre Bürotür. Poppy erschien pünktlich zu ihrem Termin. Minerva sortierte die Papiere auf ihrem Schreibtisch in denen sie vorgab zu arbeiten. Sie konnte sich einfach auf nichts konzentrieren.

Er lebte! Sie wusste immer noch nicht, wie sie damit umgehen sollte. Sie hatte drei Monte Zeit gehabt sich mit seinem und dem Tod von so vielen anderen abzufinden und dann plötzlich stand er von den Toten wieder auf.

Auf ihr leises: „Herein!" schlich die Medi-Hexe leicht geduckt in den Raum.

Minerva würde sie sicher nicht so ungeschoren davon kommen lassen. Auf das Donnerwetter, das jetzt sicher kam innerlich gefasst, ließ sie sich ergeben vor dem Schreibtisch auf den Stuhl sinken.

Minerva lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und musterte Poppy unter einem strengen Blick. Sie hatte immer noch nicht entschieden ob sie wütend oder dankbar sein sollte. Wütend, weil sie ihr dieses Wunder verschwiegen hatte und dankbar, weil sie sich um ihn gekümmert und ihn am Leben gehalten hatte.

„Wie geht es ihm?" war ihre erste Frage.

Wird er sich erholen? Blieb er bei ihnen? Poppy senkte den Kopf.

„Nicht gut. Er ist immer noch nicht aufgewacht und das gefällt mir nicht!" Unglücklich sank sie noch mehr in sich zusammen.

Minerva verdaute diese Neuigkeit eine Minute lang, ihn jetzt noch einmal zu verlieren, wäre grausam.

„Wann eigentlich gedachtest du mir die Wahrheit zu sagen?" Poppy verknotete ihre Hände im Schoss.

„Am Anfang waren alle so durcheinander und geschockt von den Ereignissen. Es erschien mir nicht richtig es zu sagen, noch dazu wo es noch immer in den Sternen stand, ob er überleben würde. Und später…Ich wusste einfach nicht wie ich es sagen sollte, je mehr Zeit verging."

Minerva nickte mit dem Kopf. Irgendwie verstand sie Poppy sogar, aber dennoch war sie wütend auf sie und auch stolz.

„Du hast sehr viel getan für ihn. Unglaubliches geleistet, doch von jetzt an werde ich dir helfen, dich um ihn zu kümmern."

Dankbar atmete die Medi-Hexe aus. Scheinbar kam sie mit einem blauen Auge davon.

„Vorerst sollte niemand von ihm erfahren. Besonders Hermione Granger nicht! Es könnte sie bei ihrer Aufgabe, bei ihrer Bürde beeinflussen." Meinte sie noch streng zu ihr, dabei sah sie Poppy eindringlich an. Diese nickte zustimmend und erhob sich.

„Ach und denke nicht nur weil ich dich heute geschont habe, ich nicht später noch einmal darauf zurück komme!" sagte die Schulleiterin noch scharf zu ihr, bevor sie den Raum verließ.

*

Hermione erhob sich und trat auf das Board mit den Phiolen zu.

„Gibt es eigentlich eine chronologische Ordnung von ihren Erinnerungen?"

Sie fühlte den Blick des Hologramms in ihrem Rücken. Sie wartete förmlich darauf, dass er sie gleich wieder zur Schnecke machte. Immerhin hatte es ihm das letzte Mal gar nicht gefallen, dass sie sich seinen Anordnungen, welche Erinnerung sie sich in welcher Reihenfolge ansehen musste, ignoriert hatte und ihn auch noch dabei beleidigte.

Geschmeidig erhob er sich und trat neben sie.

„Ich meine für mich wäre es leichter ihre Vergangenheit zu verstehen, wenn ich sie in richtiger Zeitfolge sehen kann." Fügte sie erklärend hinzu. Außerdem wurde sie den Verdacht nicht los, dass die ersten Erinnerungen die sie zu sehen bekam, mehr der Abschreckung dienten. Vielleicht war das von ihm so geplant gewesen. Es wäre nicht untypisch für ihn, wenn er sich zwar Dumbledores Wünschen gebeugt hätte, aber eben auf seine Art um doch noch seinen Willen durchzusetzen – das sein Erbe unangetastet blieb.

Immer noch schwieg er. Leicht nervös geworden blickte sie zu ihm hoch. War das Hologramm kaputt? Er stand erstarrt da und blickte gerade aus.

„Geht es ihnen gut?" ließ sie sich hinreißen ihn zu fragen. Daraufhin wandte er ihr genervt den Blick zu.

„Ich bin ein Hologramm, mir kann es weder schlecht noch gut gehen, Miss Granger!" wies er sie schroff zurecht.

Hermione verdrehte leicht die Augen und war sich dabei nicht sicher, ob sie jetzt froh darüber war, das er oder es nicht kaputt war, oder doch nicht.

„Nehmen sie diese hier als nächstes!" er deutete auf eine der Phiolen die ganz hinten standen.

„Sie enthält meine frühste Erinnerung!" Seine Hände verkrampften sich zu Fäusten.

Ob Professor Snape sich dessen bewusst gewesen war, dass er viele seiner Emotionen auf sein Hologramm übertragen hatte? Schoss es Hermione plötzlich durch den Kopf. Wahrscheinlich ließ sich das gar nicht vermeiden, immerhin ging es um sein Leben und was sie bisher davon gesehen hatte konnte selbst den Stärksten mühelos aus der Bahn werfen und Snape gehört sicher zu den Stärkeren auf dieser Welt.

Gehörte! Verbesserte sie sich selbst streng. Schon vergessen? Er ist tot!

*

Kaum ließ es ihre Zeit zu schlich sie wieder in den alten, eigentlich unbewohnten Teil des Schlosses. Vor seiner Kammer hielt sie kurz inne. Sie ahnte bereits was sie dahinter erwartete, Severus der noch immer nicht erwacht war und es vielleicht auch niemals tun würde. Leise trat sie ein, ging bis zu seinem Bett und sah auf ihn herab.

„Ich werde für dich da sein!" versprach sie ihm flüsternd.

Sie zauberte wie beim letzten Mal einen Stuhl für sich herbei und ließ sich darauf sinken. Eine Zeitlang sah sie ihn einfach nur an. Sie konnte gar nicht anders, er lebte und auch wenn sie das jetzt wusste, so brauchte sie dennoch Zeit um es wirklich zu begreifen. Wie fahl er war. Selbst aus seinen Lippen war alles rot gewichen.

„Ich sollte wahrscheinlich mit dir reden. Dir etwas aus Hogwarts erzählen, aber ich habe keine Ahnung was dich interessieren könnte, also werde ich dir einfach alles erzählen." Begann sie stockend.

Sie wusste aus verschiedenen Erzählungen und Berichten, das es gut war mit Komatösen Patienten zu sprechen, umso einfach den Kontakt zu dieser Welt für sie aufrecht zu erhalten.

„Es gab einen fürchterlichen Krieg. So viele Menschen starben…Das ist jetzt vermutlich nicht das beste Thema."

Ihm in seinem Zustand von Tod und Krieg zu erzählen würde ihn bestimmt nicht wirklich aufmuntern und ihm dabei helfen wieder gesund werden zu wollen.

„Die Schule geht schon fast wieder ihren gewohnten Gang und doch ist alles anders. Dumbledore…nun ja, dass weißt du ja und du natürlich. Es ist einfach nicht dasselbe ohne euch. Irgendwie, das wirst du mir wahrscheinlich nicht glauben, fehlt mir deine schwarze Robe die sich durch die Gänge bauscht und Kinder verzweifelt nach einem Versteck Ausschau halten lässt."

Ein Lächeln legte sich auf ihre Lippen.

„Auch wenn du mich gelegentlich fast zum Verzweifeln gebracht hast, so wünsch ich mir gerade nichts mehr, als das du es wieder tun würdest."

*

Sie nahm die genannte Phiole und schüttete sie mit leicht zittrigen Fingern in die Schale, dann sah sie wieder hoch zu ihm. Er stand immer noch neben ihr.

„Was werde ich sehen?" fragte sie ihn leicht misstrauisch.

„Das kann ich ihnen nicht sagen. Finden sie es raus!" forderte er sie heraus.

Suchend betrachtete sie sein Gesicht, doch darin war nichts zu lesen. Sie legte die Hände auf den Rand des Denkariums, nahm ihren Mut zusammen und tauchte den Kopf in das Becken.

Das gefällt dir!" rief eine lachende Frauenstimme.

Mein kleiner Prinz!"

Sie hörte das Glucksen und Kichern eines Kleinkindes.

Quietschend lief es vor einer Frau davon, doch es kam nicht weit, da hatte sie es wieder eingefangen und überschüttete es mit Küssen was den Kleinen wieder zum lachen brachte. Die Frau war Severus Mutter Eileen und das Kind - das war der kleine Severus Snape.

Da war er gerade mal zwei vielleicht auch drei Jahre alt. Zärtlich drückte sie ihn an sich und spielte mit seinen kleinen Fingern.

Mein süßer, kleiner Schatz! Ich hab dich so lieb!" wisperte sie mit bewegter Stimme.

Man konnte es fast spüren, wie sehr sie das Kind liebte und das Kind sie. Mit großen Augen sah er seine Mutter an.

Mama auch lieb!" erwiderte der Kleine und wurde dafür fest in die Arme genommen. Sie setzte sich mit ihm auf eine Decke am Boden und fischte eins der Kinderbücher aus einer Kiste die neben ihnen stand.

Hermione sah sich im Zimmer um. Scheinbar ein Kinderzimmer. An der einen Wand stand ein Gitterbett, überzogen mit einer Bärenbettwäsche. Viele Spielsachen waren am Boden verstreut. Muggelspielsachen. Die hatte ihm sicher sein Vater gekauft. Tobias Prince war kein Magier. Eileen Prince begann zu lesen und nicht nur der Junge lauschte gebannt auf ihre Stimme.

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein böser Zauberer, der wollte die ganze magische Welt beherrschen. Er war überall bekannt und gefürchtet für seine schrecklichen Taten. Die Menschen trauten sich kaum noch aus ihren Häusern aus Angst ihm zu begegnen.

Doch dann kam eines Tages ein stolzer Prinz auf seinem edlen Ross angeritten. Er forderte den bösen Zauberer heraus und besiegte ihn. Die Menschen jubelten ihm zu und dankten ihm. Er brachte wieder Frieden in die magische Welt. Als Lohn erhielt er das schönste, liebenswerteste und klügste Mädchen zur Frau.

Sie hatte sich vom ersten Moment an in ihn verliebt und er in sie und wenn sie nicht gestorben sind, lieben sie sich heute noch und sorgen so für Frieden in der magischen Welt."

Still und gebannt lauschte Severus seiner Mutter zu, er hatte sich einen Daumen in den Mund gesteckt, doch kaum hatte seine Mutter zu Ende erzählt, zog er diesen heraus.

Nochmal Mama!" forderte er.

Möchtest du nicht einmal eine andere Geschichte hören?" fragte sie ihn hoffnungsvoll.

Du hast so viele schöne Bücher mit ganz vielen tollen Geschichten." Versuchte sie sie ihm schmackhaft zu machen, doch der kleine Severus schüttelte energisch seinen Kopf.

Nein!"

Hermione musste schmunzeln. Scheinbar war Snape immer schon ein sturer Kerl gewesen.