Vielen Dank für die Reviews, Marylein, CaroloveSeverus und SeverusHermioneSnape! Ich werde noch alle möglichen Erinnerungen einbauen, aber seine erste Liebe und er als Teenager - ich glaube das sollten wir uns nicht entgehen lassen! ;-)

Liebe Grüße Gaby

9 Magie

Hermione tauchte aus dem Becken auf und sah lange nachdenklich auf Snape. Das war eine Seite von seinem Leben, die sie noch nicht kannte. Es gab schöne Momente in seinem Leben, sie mochten kurz gewesen sein, viel zu kurz, aber es gab sie. Was war nur passiert? Warum hatte sich seine Welt zur Dunkelheit gewendet?

„Ihre Mutter hat sie sehr geliebt." Begann sie. Irgendwie hatte sie das Gefühl das sagen zu müssen.

„Das tun die meisten Mütter!" stellte er sachlich fest. „Sie lieben ihre Kinder, daran ist nichts außergewöhnliches das man es groß erwähnen müsste."

Schon klang wieder, die für ihn so typische, leichte Ungeduld durch. Ihm waren Unterhaltungen, die seiner Meinung sinnlos waren und das waren die Meisten in seinen Augen, verhasst.

„Der Gedanke mag für sie befremdlich sein, aber meine Mutter hat mich geliebt!" fügte er noch an.

Ihm war durchaus bewusst worauf sie anspielte. Nicht auf die offensichtliche Tatsache, das Mütter ihre Kinder lieben, nein auf die, das es selbst seine Mutter tat – ihn lieben. Hermione wurde rot.

„So hab ich das nicht gemeint." Brachte sie stotternd über die Lippen.

„Wenn sie es nicht so meinen, dann sagen sie es nicht!" schlug er leicht grob vor. Hermione holte tief Luft.

„Es ist alles so schwierig zu verstehen für mich!" entfuhr es ihr ungewollt.

„Ich habe ihnen damals, als sie so unerwartet aufgekreuzt sind, deutlich klar gemacht, dass es ihren Geist überfordern würde, wenn sie sich meine Erinnerungen ansehen!" meinte er kühl.

„Können sie eigentlich auch etwas anderes, als mich ständig niederzumachen? Ich bin nicht glücklich darüber all die Dinge über sie sehen zu müssen, aber ich tue es." Sie war es leid sich ständig vor ihm verteidigen zu müssen.

„Warum?" verlangte er zu wissen.

„Weil ich es ihnen versprochen habe!"

*

Der Abend kam und wich der Nacht, doch Severus zeigte keinerlei Anzeichen ob er wieder erwachen würde. Stunde um Stunde verging, aber sein Zustand blieb unverändert.

„Das ist nicht fair!" sagte Minerva leise.

An ihrer Seite saß Poppy. Mit Besorgnis sahen beide Frauen auf ihn herab. Leblos und bleich lag er in den Kissen.

„Können wir den nichts tun?"

Stumm schüttelte Poppy ihren Kopf.

„Ich habe alles getan was ich konnte. Den Rest muss er machen."

Minerva tätschelte sanft seine Hand ganz so als versuchte sie ihn mit dieser Geste dazu zu bringen aufzuwachen.

„Ich habe kein gutes Gefühl bei dem Gedanken ihn hier so alleine zu wissen. Wir sollten ihn in seine alte Schlafkammer bringen!" bestimmte die Schulleiterin.

„Was wenn ihn jemand sieht?" gab Poppy zu bedenken. Sie hütete das Geheimnis das er noch lebte schon so lange, dass es ihr schon selbstverständlich erschien.

„Sei nicht albern! Niemand wird ihn sehen! Wie denn auch um diese Zeit ist im Schloss keine Seele mehr unterwegs und in seiner Kammer wird kaum jemand nach ihm suchen!" Barscher als gewollt kamen die Worte von Minervas Lippen. Poppy zuckte kurz zusammen, dann erhob sie sich und begann wortlos zusammen zu packen.

„Vielleicht wird er in seinem vertrauten Umfeld schneller gesund? Wir müssen es einfach versuchen!" milderte Minerva ihre letzten Worte etwas ab.

Sie wollte Poppy nicht vor den Kopf stoßen, aber Severus noch eine weitere Nacht hier alleine lassen konnte sie auch nicht. In seiner Kammer wäre er allem näher und sie noch viel schneller bei ihm, wenn er sie brauchte.

Die Gefahr, dass Hermione ihn zufällig entdeckte war dadurch zwar größer, aber Minerva hielt es dennoch für unwahrscheinlich. Welchen Grund sollte das Mädchen haben in Severus Schlafkammer einzudringen? Keinen. Sie half Poppy dabei alles für seinen Umzug vorzubereiten.

*

Wochenende! Zwei Tage in denen sie ihn nicht sehen musste und auch keine Erinnerungen von ihm. Zwei Tage die sie unbeschwert mit ihrer Familie verbringen konnte. Von unten drangen die typischen Geräusche ihrer Mutter die gerade Frühstück für die Familie machte an ihr Ohr. Träge streckte sie sich in ihrem Bett und dachte automatisch an ihn.

Ob er so einen Morgen mit seiner Familie auch erleben durfte? Sich einfach noch einmal in den Kissen umdrehen um dann gemeinsam mit den Eltern zu frühstücken und dabei über sein Leben reden zu können? Warum dachte sie schon wieder an ihn?

Vieles was er ihr bisher gezeigt hatte ergab irgendwie keinen Sinn. Es waren nur so Bruchstückchen die kein ganzes Bild zeigten. Ständig fragte sie sich was passierte bevor er Sirius mit diesem so grausamen Fluch bedacht und was danach. Warum wurde er nicht der Schule verwiesen?

Wie ist es ihm geglückt sich aus diesem schrecklichen Vorfall herauszuwinden? Noch dazu wo James, Peter und auch Remus dabei gewesen waren und alles gesehen hatten. Oder die Ereignisse mit Voldemort. Was geschah im Vorfeld. Wieso zweifelte er an Snapes Loyalität und warum vertraute er ihm dann doch wieder?

Fragen über Fragen. Energisch schob sie die Decke zurück und schwang die Beine aus dem Bett. Sie würde nicht den ganzen Tag damit verbringen um über Snape nachzudenken. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch, schlug einen Notizblock auf und schrieb all die Fragen auf ein leeres Blatt.

Mit ihnen würde sie sich später beschäftigen. Sie musste das Rätsel Severus Snape lösen. Was war er Monster, Held oder beides? Ging das überhaupt? Konnte ein Mensch zugleich unverzeihliche Dinge tun um dann andere wieder völlig selbstlos retten? Widersprach sich das nicht?

In ihrer Welt lernte sie bisher entweder gute Menschen so wie Harry und Ron, oder schlechte Menschen wie Draco und Voldemort kennen. Aber gab es nicht auch noch ein dazwischen? Nicht wirklich gut und nicht wirklich böse? Frustriert schob sie den Block von sich, erhob sich und begann sich anzukleiden.

Schluss damit! Schimpfte sie mit sich selbst. Es reichte, wenn sie sich spätestens am Montag damit wieder auseinandersetzen musste. Das war früh genug.

*

Zufrieden mit sich betrachtete sie ihr Werk. Severus lag gut zugedeckt in seinem eigenen Bett.

„Wird es den Bewohnern vom Schloss nicht auffallen, wenn wir uns in seinen Schlafräumen aufhalten?" fragte Poppy bange nach. So wohl war ihr nicht dabei, ihn so nahe bei den anderen zu haben.

„Beruhige dich! Früher oder später werden wir es auch den anderen sagen, aber vorerst werden wir beide besonders vorsichtig sein müssen." Ermahnte Minerva Poppy streng. Dicht trat sie an Severus Bett heran.

„Wir würden ihm keinen Gefallen tun, wenn alle wüssten, dass er lebt und hier ist, sich aber an nichts erinnern kann!"

Er war ein Mann der gerne alles unter Kontrolle hatte. Er konnte wahrscheinlich gar nicht anders, immerhin arbeitete er jahrelang als Doppelagent gegen Voldemort. Er war an dessen Seite und dieser merkte nicht einmal seinen Verrat, bis auf…Als dieser Nagini auf ihn hetzte, da dürfte er die Wahrheit erkannt haben. Aber was hatte Severus verraten?

„Dein Leben ist ein einziges Mysterium welches Hermione Granger gerade zu verstehen versucht." Flüsterte Minerva ihm zu, dann verließ sie gemeinsam mit Poppy seine Kammer. Sie musste sich noch um ihre Pflichten als Schulleiterin kümmern.

*

Er erwachte in vollkommener Dunkelheit und ihm wurde sofort klar irgendetwas war anders. Mühsam richtete er sich in den Kissen auf, doch starke Schmerzen am Hals zwangen ihn sich wieder zurückzulegen. Automatisch tastete er nach dem dicken Verband.

Was hatte Poppy über seine Wunde gesagt? Es war ein Unfall, aber was für einer? Langsam gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit und er konnte Schemenhafte Umrisse erkennen. Er war, nach den Möbeln zu urteilen, in einem Schlafzimmer.

Er blickte zur Seite und entdeckte auf dem Nachttisch neben sich eine Kerze, aber wie sollte er sie anzünden? Er wünschte er könnte einfach so Feuer machen, einfach wenn er mit den Fingern schnippte und schon brannte die Kerze.

Das Zimmer war plötzlich in sanftes Licht getaucht. Erschrocken wandte er sich der Kerze zu. Sie brannte! Was hatte das zu bedeuten? Ungläubig starrte er auf seine Hände. Er konnte mit bloßem Gedanken Feuer machen! Scheinbar hatte ihm Poppy einiges über ihn verschwiegen!

Er verstand jede Menge über das Brauen von Tränken und er konnte mit der Kraft seiner Gedanken eine Kerze zum brennen bringen. Was konnte er noch alles? Und wo zur Hölle war er? Angestrengt sah er sich im Raum um. Nichts davon war ihm vertraut.

Die Möbel wirkten viel zu düster auf ihn. Alle waren sie aus dunklem, beinahe schwarzem Holz gezimmert und klobig waren sie fast schon grob zu nennen. Wer hatte nur so einen scheußlichen Geschmack? Dicht schob er sich an die Kante des Bettes heran um so die Lade zum Nachttisch zu erreichen. Vielleicht fand sich darin etwas, was ihm half heraus zu finden wo er sich befand.

Mühsam schob er sie auf und schielte über den Rand hinein. Darin war nicht viel zu entdecken. Ein dünner langer Stab und ein Buch. Er nahm beides heraus. Der Stab hatte am einen Ende eine Art Griff und lief zur anderen Seite spitz zu. Vielleicht war der Mensch der hier wohnte Dirigent?

Leicht schwang er damit durch die Luft und dann brach das Chaos im Zimmer aus. Der Kleiderkasten sprang auf und zeigte ihm lauter schwarze Kleidung, einige flogen wie wild durch die Luft und fielen dann einfach zu Boden. Ein Bild segelte kurz durch den Raum und landete mit lautem Knall auf selbigem, wo das Glas in tausend Scherben zersprang. Auf der Kommode tanzte ein Krug gefüllt mit Wasser bis zum Rand, schwappte kurz über, sodass sich Wasser über den Boden ergoss und stand dann wieder still.

Bleich und mit großen Augen lag Severus da. Was war das? Was passierte hier? Schon eindeutig Misstrauisch hob er vorsichtig das Buch und besah sich den Titel. Ein Gedichtband. Ein simpler Gedichtband. Er schüttelte ihn, ließ ihn auf die Decke fallen, aber nichts geschah. Erleichtert atmete er auf. Noch mehr so ungewöhnliche Dinge konnte er heute nicht mehr verkraften.

Den Stab legte er schnell wieder in die Lade zurück und schloss diese. Egal was das war, es gefiel ihm nicht! Das Schlagen einer Tür ließ ihn kurz aufhorchen, er war nicht alleine, nicht mehr.

*

Es war immer noch Dunkel als sie sich dem Schloss näherte. Nervös kaute sie auf ihrem Fingernagel rum. Es war dumm herzukommen, aber den ganzen Tag verfolgten sie seine Erinnerungen und die unzähligen offenen Fragen. Ihr Geist kam nicht mehr zur Ruhe. Immerzu musste sie an ihn denken. Er war ein Mensch voller Geheimnisse und sie hatte die Möglichkeit einige zu lüften.

Sie konnte unmöglich bis Montag warten. Sie würde bis dahin vor Neugierde umkommen. Darum war sie hier, zu dieser unmöglichen Zeit. Sie war schon im Bett gewesen, konnte aber keinen Schlaf finden. Seine Welt nahm sie gefangen. Entschlossen straffte sie ihre Schultern und trat ein. Das Portal war zu ihrem Glück unverschlossen. War es möglich das Filch vergessen hatte abzuschließen? Wie auch immer sie wertete diesen Umstand als gutes Zeichen und ging weiter. Vor seiner Tür hielt sie inne. Was würde er sagen, wenn sie um diese Zeit erschien?

Merkwürdige Geräusche und das Zerbrechen von Glas ließen sie vor Schreck zusammenzucken und schnell in Snapes Büro eilen. Sie hatte Angst davor Peeves auf dem Gang zu begegnen, denn es war sicher nur er, der so einen Höllenlärm verursachte, aber auch den anderen Schlossbewohnern wollte sie um diese Uhrzeit nicht über den Weg laufen. Sie konnte keinen einzigen, vernünftigen Grund für ihr Erscheinen kurz nach Mitternacht nennen. Man würde sie bestimmt für verrückt halten und wer weiß als normal konnte man ihr Verhalten bestimmt nicht bezeichnen.

Kaum drinnen schlug sie eiligst die Tür hinter sich zu. Es war stockfinster und so zückte sie ihren Zauberstab.

„Lumos!" rief sie leise und die Spitze ihres Zauberstabes warf ein weiches Licht in den Raum. Verblüfft blickte ihr Snape entgegen.

„Es ist mitten in der Nacht – was wollen sie hier?"