Vielen Dank für die netten Reviews, Marylein, Lena5972 und CaroloveSeverus.
Marylein gedacht wäre sein Büro und Arbeitszimmer wo niemand reinkommt. Getrennt durch ein Badezimmer gelangt man in sein Schlafzimmer, die auch eine Tür nach draußen hat. Ich hatte das so in meinem Kopf, scheinbar hats mit der Umsetztung bzw. Beschreibung nicht so geklappt. Entschuldige.
Ab jetzt entwickelt sich die Geschichte anders als von mir gedacht. Eine meiner Figuren weigert sich die von mir für ihn zugedachte Rolle zu spielen. Stur wie er ist...aber das werden die nächsten Kapitel zeigen. ;-)
Liebe Grüße Gaby
10 Ein Gefühl von Ordnung
„Ich…ich weiß es nicht!" ratlos sah sie ihn an.
„Sie kommen mitten in der Nacht her und wissen nicht warum?" Kopfschüttelnd betrachtete er sie.
„Vielleicht sind sie doch dümmer als ich dachte." Fügte er noch bissig hinzu.
Hermione öffnete den Mund bereit sich zu verteidigen, schloss ihn aber wieder und ließ sich einfach in den Sessel vor dem Schreibtisch fallen. Sie stützte ihren Kopf mit der rechten Hand und sah ins Nichts. Eine Weile saß sie stumm auf dem Stuhl und schwieg. Auch das Hologramm sagte nichts, beobachtete sie nur.
„Den ganzen Tag kreisen meine Gedanken um Sie…ich denke an nichts anderes mehr." Begann sie.
Sie hob den Kopf und richtete ihren Blick auf ihn, aber er sagte nichts.
„Müsste eigentlich nicht ein " Ich hab es ihnen doch gesagt!" von Ihnen jetzt kommen?" humorlos lachte sie über ihren eigenen Scherz kurz auf, dass aber, da sie sich nicht wohl fühlte, gequält über ihre Lippen kam.
Das Hologramm schüttelte kaum merklich den Kopf. „
Auch wenn es der Wahrheit entspricht, so habe ich nicht vor mich zu wiederholen. Außerdem scheinen Sie durchaus fähig genug zu sein um schon zu demselben Schluss gekommen zu sein. Was uns natürlich wieder zurück zu der Frage bringt, was tun sie hier?"
Er nahm ihr gegenüber Platz und sah sie scharf an. Plötzlich nervös leckte sie sich über die Lippen, dann holte sie tief Luft.
„Ich möchte mehr von Ihnen sehen. Ich möchte Sie verstehen. Ich möchte die Welt mit Ihren Augen kennen lernen!" stieß sie entschlossen vor.
Er stützte die Ellenbogen auf dem Tisch auf und rieb die Fingerspitzen aneinander. Eine Geste die Hermione kurz irritierte. Es war so typisch er und doch es war nicht er.
„Meine Erinnerungen werden ihnen Einblicke in meine Welt verschaffen, sonst nichts. Es wird einfach Licht auf manche Ereignisse geworfen, aber ohne die Geschichten dazu zu kennen, wird es schwierig sein es zu verstehen."
Dieser Gedanke war Hermione schon selbst gekommen, das war ihr nicht neu.
„Wurden Sie nicht mit den Erinnerungen ausgestattet? Können Sie die Lücken nicht füllen?"
Verneinend schüttelte er den Kopf.
„Leider nein! Ich bekam einige Instruktionen. Auch einige Informationen gewisse Erinnerungen betreffend, aber das ist nur begrenzt." Erklärte er ihr sachlich.
„Würde ich alles wissen, dann wären die da…" er wies mit der Hand hinter sich. „überflüssig!"
Sie hasste es, aber er hatte wie immer Recht.
„Also gut. Können wir dann die Erinnerungen wenigstens nach Zeit sortieren?"
Er sah ihr gerade in die Augen und schien zu überlegen. Vielleicht hatte er auch ihre Frage nicht verstanden.
„Ich hatte mich bereits damit einverstanden erklärt, Ihnen die Phiolen in chronologischer Reihenfolge zu geben. Wozu noch sortieren?"
Hermione wusste, dass es verrückt war. Sie wusste auch, dass es verrückt klang, wenn sie es laut sagte.
„Weil ich dieses Gefühl von Ordnung brauche!"
*
Unwillig schlug er den Gedichtband auf und begann zu lesen. Doch schon bald schloss er ihn wieder. Poesie langweilte ihn. Jetzt zumindest. Irgendwie wollte sein Geist beschäftigt werden. Er fühlte sich ruhelos. Und er hatte wie auch immer das Zimmer verwüstet. Sein Blick schweifte erneut durch den Raum. Ach wenn er nur wüsste wer er war! Verzweifelt suchte er in seinem Geist nach Erinnerungen. Wer war er? Severus Snape – dieser Name bedeutete ihm nichts.
Plötzlich beschäftigte ihn noch ein weiterer Gedanke. Wie sah er wohl aus? Er kannte seine Hände, seinen Körper, aber er hatte keinen blassen Schimmer davon wie sein Gesicht aussah. Unwillkürlich blieben seine Augen an einem kleinen Spiegel über der Kommode hängen. Er könnte doch…
Kurz flackerte eine Erinnerung in ihm auf. Als er das letzte Mal versucht hatte wohin zu gehen, war er danach hier aufgewacht. Aber wenn er vorsichtig war und soweit war es auch gar nicht. Entschlossen schob er die Decke zurück und schwang die Beine über den Rand. Einen Augenblick kämpfte er mit Schwindel und Benommenheit, die sich aber zu seinem Glück rasch legten.
Er fühlte wie seine Beine zitterten. Er war weit schwächer als er dachte. Es waren nur wenige Schritte bis zur Kommode. Vielleicht drei, höchsten vier und wieder zurück. Eigentlich nicht der Rede wert. Er strafte die mageren Schultern und richtete sich langsam auf. Sein erster Gedanke war sobald er stand sich sofort wieder zu setzen. Beim letzten Mal fühlte er sich nicht so schwach wie heute. Aber die Neugierde hielt ihn auf den Beinen und trieb ihn an.
Er musste es wissen, solange er das nicht wusste würde er keinen Frieden mehr finden. Er nahm sich vor vorsichtiger zu sein wie beim letzten Mal. Zentimeter für Zentimeter arbeitete er sich langsam nach vorne, sein Ziel dabei fest im Auge behaltend. Er musste nur aufpassen, dass er nicht das Bewusstsein verlor.
Endlich umklammerten seine Hände die Kommode. Halt suchend hielt er sich fest und erlaubte sich, sich auszuruhen. Es ging ihm gut, aber er hatte keine Lust sein Glück über zu strapazieren. Er langte nach dem Spiegel und zog ihn zu sich heran. Jetzt war der Augenblick gekommen. Stumm dachte er darüber nach wie er sich selbst sah, aber er bekam kein Bild zu fassen. Unwillkürlich blitzte ein Bild von einem Jungen mit Brille und einer gezackten Narbe auf der Stirn in ihm auf. War er das? Aber warum fand er sich selbst so nervig?
Jedenfalls mochte er diesen Jungen nicht. Nur die grünen Augen, die mochte er. Hm? Er hatte nur diese paar Gefühle und das Bild, das war alles. War das eine Erinnerung von ihm, oder einfach etwas was er vor langer Zeit in einem Buch gesehen hatte? Real oder Fantasie? Egal, dafür hatte er noch später Zeit, aber jetzt war für ihn weit dringlicher die Frage seines Gesichts zu klären. Angespannt blickte er in den Spiegel. Er rückte mit dem Kopf ein Stück zurück und runzelte die Stirn.
Er sah irgendwie sogar nicht aus wie er sich selbst vorgestellt hatte. Nicht das er groß ein Bild von sich gehabt hätte, er dachte nur er würde anders aussehen, nur nicht so. Er zupfte an den langen, strähnigen, schwarzen Haaren. Der kurze Schmerz der ihm durch die Kopfhaut fuhr, bestätigte ihm, dass das was er im Spiegel sah, er war. Genau betrachtete er sich, er war davon fasziniert. Er sah sich praktisch zum ersten Mal. Schwarze Augen, eine große Nase, Augenbrauen die er unterschiedlich in die Höhe ziehen konnte, ein schmaler Mund – er wirkte irgendwie verkniffen.
Er hatte auch nicht viel zu lachen gehabt in letzter Zeit. Immerhin lag er hier wegen den Folgen eines Unfalls oder so. Er bemühte sich zurück ins Bett, den Spiegel nahm er mit und dachte nach. Er wusste nicht viel über sich. Seinen Namen, nun sein Aussehen und das er Lehrer war. Nicht gerade viel für einen Mann der schon seit 36 Jahren gelebt hatte.
*
„Also diese hier umfassen ihre Kindheit?" Hermione stellte einige Phiolen in die erste Reihe.
„Wenn man es so nennen möchte – ja!" bestätigte er ihr.
„Was ist mit diesen hier?" Sie bildete mit denen die er ihr zeigte eine neue Reihe.
„Schulzeit!" war alles was sie zur Antwort bekam.
Hermione legte den Kopf leicht schief und dachte an die eine Erinnerung mit Sirius und was er ihm angetan hat.
„Wie ging es eigentlich weiter?"
Er fragte nicht nach was sie meinte, er verstand auch so.
„Die nächst folgende Erinnerung wäre diese hier!" er deutete mit der Hand auf eine der Phiolen.
Sie stand hinter den anderen. Einige der Phiolen hatte er weiter zurück geschoben. Hermione war sich fast sicher, dass er zu Lebzeiten gehofft hatte, dass es seinem Erben irgendwann reichte was er sah und aufgab. So würde manch seiner Erinnerungen bleiben was sie sind – seine Erinnerungen für ihn alleine vorbehalten und vom Rest der Welt nie gesehen.
„Stört es Sie, dass Sie mir helfen müssen?" fragte sie ihn plötzlich.
„Nein! Warum?"
Hermione verschränkte die Arme vor der Brust. Sie stand auf einem Stuhl, um besser an die Phiolen heranzukommen und sah ausnahmsweise auf ihn herab. Er war kein schöner Mann, aber er war interessant. Dass sein Geist interessant war, wusste sie schon immer, aber dass das auch auf sein Äußeres zutraf, das nahm sie zum ersten Mal wahr. Vielleicht lag es an der verschobenen Perspektive, dass ihr das auffiel.
Sie stand da und starrte ihn an als sähe sie ihn zum ersten Mal. Sie sog seinen Anblick förmlich in sich auf. Sein schwarzes Haar, das strähnig wie immer sein blasses Gesicht umrahmte. Sah seine schwarzen Augen die soviel sehen konnten, aber selber undurchdringlich waren. Die steile Falte über seiner Stirn, die nicht mehr ganz verschwinden wollte, da er immer einen Grund fand um sie zusammen zu ziehen. Oder sein Mund, der wenn er so wie jetzt zu ihr aufsah, einen beinahe sinnlichen Schwung aufwies und doch zu unglaublichen Gemeinheiten fähig war.
Aus ihm entwichen scharfe, harte Argumente die einem das Gefühl gaben von etwas äußerst schmerzhaften getroffen worden zu sein. Er ließ ihre Beobachtungen teilnahmslos über sich ergehen, genau das riss sie aus ihrer Starre und sie lief dunkelrot an.
„Ich…" begann sie brach aber ab, da sie nicht wusste was sie sagen sollte, es war unhöflich jemanden so anzustarren, stattdessen schnappte sie sich, um sich abzulenken, die Phiole auf die er gezeigt hatte und sprang vom Stuhl.
Neugierig blickte sie gegen ihren Willen über die Schulter zurück. Jetzt wo sie wieder den Boden unter ihren Füßen hatte, musste sie einfach wissen ob sie sich das nur eingebildet hatte, oder ob sich tatsächlich etwas verändert hatte.
Ein kurzer Blick in sein Gesicht genügte – er blieb interessant. Sie schüttete mit leicht zittrigen Händen den Inhalt ins Becken und beugte sich darüber. Sie brauchte etwas um sich abzulenken und was wäre dafür besser geeignet als seine Erinnerungen? Seufzend tauchte sie mit dem Kopf ein und war augenblicklich in einer anderen Welt.
„Wie geht es ihm?" Sie hörte Dumbledores besorgte Stimme. Er stand mit Poppy zusammen auf dem Gang.
„Er hat viel Blut verloren, aber er wird überleben!"
Schuldbewusst schmiegte sich eine magere Gestalt eng in eine Nische. Als er den Fluch über ihn aussprach, da hatte er kein Mitgefühl für Sirius empfunden, doch jetzt hatte er Angst. Was, wenn dieser verriet wer ihm das angetan hatte? Er würde von der Schule fliegen. Bange lauschte er den beiden weiter zu.
„Weiß man schon, wer ihm das angetan hat?" fragte Poppy den Schulleiter.
„Nein! Aber ich habe da so eine Idee!" Die Mine von Dumbledore wurde hart und er starrte in die Ferne, so als wäre dort etwas, was nur er sehen konnte.
Severus kroch noch tiefer in sein Versteck. Seine Augen wurden riesengroß. Er wusste es. Dumbledore wusste, das er es war und er würde ihn nach Hause schicken!
„Kann ich mit Sirius reden?" Sein Blick ruhte nun wieder auf Poppy.
„Ja, aber streng den Jungen nicht zu sehr an! Er hat für meinen Geschmack sowieso schon wieder zu viele Flausen im Kopf!" meinte Poppy noch und rauschte davon.
Dumbledore stand noch einen Moment nachdenklich auf dem Flur dann begab er sich auf die Krankenstation. Severus schlich hinter ihm her. Er musste wissen ob Sirius ihn verraten würde. Er versteckte sich hinter einem der Vorhänge die die Krankenlager von einander trennten und lauschte atemlos.
Hermione folgte mit gleicher Spannung dem Treiben vor ihren Augen. Dumbledore trat dicht an Sirius Bett heran und blickte besorgt auf den Jungen herab. Einige Narben würde der Fluch zurücklassen und Sirius für immer daran erinnern.
„Wie geht es dir?" fragte er ihn leise. Aus seiner Stimme sprach Besorgnis.
„Danke Sir, schon viel besser!" Dumbledore zog sich einen Stuhl heran und setzte sich darauf.
„Weißt du wer dir das angetan hat?" stellte er die für ihn wichtigste Frage.
In Sirius Augen flackerte glühender Hass auf. Er wusste ganz genau wer dafür verantwortlich war und dieser jemand gehört ihm ganz alleine.
„Nein Sir, das weiß ich nicht!" log er unverfroren dem Schulleiter mitten ins Gesicht.
Dumbledore war nicht dumm, er kannte seine Schüler ganz genau.
„Vielleicht willst du noch einmal in Ruhe gründlich darüber nachdenken?" gab er ihm eine Chance es sich anders zu überlegen, doch Sirius kniff stur den Mund zusammen und in seinen Augen stand eine Entschlossenheit, die Dumbledore zu verstehen gab, das er ihm niemals den Schuldigen verraten würde.
Dumbledore erhob sich und sah noch ein letztes Mal auf Sirius herab.
„Solltest du es dir anders überlegen, dann ruf mich!" Mit diesen Worten schwang er herum und ließ Sirius alleine. Kaum war dieser fort, verzog sich Sirius Gesicht zu einer hassverzehrten Grimasse.
„Severus Snape dafür töte ich dich!" sprach er drohend leise in den Raum. Seine Worte ließen Hermione erschrocken zurückweichen und sie hatte Angst.
Angst um Severus.
