Vielen Dank für das Review, Marylein. Tja was ist passiert? Ich denke einiges wird dir vielleicht bekannt vorkommen. ;-)
Liebe Grüße Gaby
11 Der Hass und die Dunkelheit
Beschwingt betrat am frühen Morgen des nächsten Tages Minerva Severus Schlafzimmer. Er lag wach in den Kissen, wie sie begeistert feststellte und so übersah sie das Chaos in seinem Zimmer vorerst. Sie hatte nur Augen für ihn.
„Du bist wach!" rief sie freudig.
„Das ist ganz wunderbar!" Sie stürzte sich auf ihn und hielt seine Hand.
Misstrauisch beäugte er sie und entzog ihr energisch seine Hand. Er konnte es nicht leiden, wenn man ihn anfasste. Woher er das wusste konnte er nicht sagen, aber er war sich ganz sicher dass es so war. Außerdem wer war diese fremde Frau? Verblüfft und leicht verletzt sah Minerva auf ihn herab.
„Weißt du wer ich bin?" fragte sie ruhig. Verneinend schüttelte er seinen Kopf.
„Ich bin Minerva McGonagall, Schulleiterin von Hogwarts und schon seit gut 15 Jahren Kollegin und Freundin von dir, auch wenn du manchmal anderer Meinung warst." Klärte sie ihn über sich auf.
Er horchte bei ihren Worten tief in sich und gelangte zur Erkenntnis, dass diese Frau die Wahrheit sprach. Er mochte sie auf eine seltsame Art, aber er ließ sie nicht an sich heran. Das sagte ihm sein Gefühl und da er nicht auf irgendwelche Erinnerungen zurückgreifen konnte musste er diesem vertrauen.
Auf der Suche nach einem Stuhl bemerkte sie das Chaos im Zimmer. Neugierig runzelte sie die Stirn und sah wieder auf Severus.
„Was ist passiert?"
Unwirsch zuckte er mit den Schultern. Wie bitte sollte er ihr das erklären? Wusste die Frau denn nicht, dass er nicht sprechen konnte? Zornig funkelte er sie an. Es war für ihn grauenvoll nicht sprechen zu können. Tausend Worte lagen ihm auf der Zunge, aber nicht eines verließ seine Lippen.
Hinter McGonagall öffnete sich erneut die Tür und Poppy trat ein.
„Er ist wach! Was ist hier passiert?" stellte sie dieselbe Frage wie Minerva zuvor.
„Das versuche ich gerade herauszufinden!" erklärte ihr Minerva leicht unwirsch.
Und er wird es mir kaum sagen können. Der arme Mann, wie wird er reagieren, wenn er erfährt, dass er nie wieder sprechen wird können? Nagini hatte ganze Arbeit geleistet, auch wenn sie ihn nicht getötet hatte.
Schoss es ihr durch den Kopf, nicht ahnend, dass Severus jedes Wort in ihrem Geist hörte.
Er war ohne es selber zu merken in ihren Geist eingedrungen. Er senkte seinen Kopf, damit niemand seinen Augen sah.
Nie würde er wieder sprechen können! Für immer zum Schweigen verdonnert.
*
Schlaftrunken öffnete sie die Augen und blickte auf eine fremde Decke über sich. Wo zur Hölle war sie? Hastig richtete sie sich auf. Sie lag auf Snapes Couch. Scheinbar war sie eingeschlafen. Müde rieb sie sich den Schlaf aus den Augen.
„Guten Morgen, Professor!" begrüßte sie das Hologramm. Dieser neigte nur spöttisch sein Haupt.
„Ich hoffe sie denken nicht daran hier einzuziehen?" meinte er lediglich bissig.
Hermione musste sich unwillkürlich ein Grinsen verkneifen. Was hatte sie erwartet? Ein ebenso freundliches Guten Morgen? Wohl kaum.
„Keine Sorge, das habe ich bestimmt nicht vor." Erwiderte sie fröhlich. Sie stand auf und streckte sich ausgiebig, so als wäre es das Natürlichste der Welt hier aufzuwachen und sich vor Snape zu strecken.
„Hm? Denken Sie ich bekomme hier ein Frühstück?" versuchte sie ihn weiter zu reizen.
Er war nur ein Hologramm. Bei dem echten Snape hätte sie sich das nie getraut.
„Das ist kein Hotel, Miss Granger!" kam es eiskalt von ihm.
Hermione senkte rasch den Kopf, er sollte ihr Lächeln nicht sehen. Sie wollte ihn nicht verletzen, auch wenn das unmöglich war, aber es war trotzdem nicht nett jemanden aufzuziehen und auszulachen.
„Ach ich werde mein Glück einfach versuchen." Sagte sie salopp und rief nach Dobby. Nach einem kurzen Plopp erschien er vor ihr.
„Sie haben mich gerufen, Miss!" Leicht verbeugte sich der Hauself vor ihr.
„Dobby schön dich zu sehen. Kannst du vielleicht für mich ein Frühstück organisieren?" fragte sie ihn freundlich.
„Natürlich! Kommt sofort!" kaum hatte er zu ende gesprochen, war er auch schon wieder fort.
„Gibt es hier irgendwo ein Badezimmer? Ich würde mich gerne ein bisschen frisch machen." Fragend blickte sie wieder auf Snape.
Dieser blickte, die Arme vor der Brust verschränkt, mürrisch zurück und sagte nichts. Nach schier einem endlosen Augenblick deutete er stumm auf eine Tür die leicht versteckt in einer Nische lag.
„Danke!" sagte sie und schenkte ihm ein zauberhaftes Lächeln, ehe sie hinter dieser verschwand.
*
„Was weiß er überhaupt über sich? Was hast du ihm erzählt?" Diese Fragen richtete sie ausschließlich auf Poppy. Achselzuckend kam diese näher.
„Nun ich hab ihm gesagt, dass er Lehrer hier in Hogwarts ist und wie er heißt." Antwortete sie ihr.
„Er weiß also nicht was er ist? Nun das würde zumindest das Durcheinander hier erklären!" meinte Minerva trocken und wandte sich wieder an Severus.
Dieser hatte die Augen zu schmalen Schlitzen verengt und beobachtete beide Frauen scharf.
Was zur Hölle war er?
Die nächsten Worte versetzten ihn in Unglauben.
„Du bist ein Zauberer und noch dazu ein ziemlich guter und gefährlicher." Eröffnete ihm Minerva.
Er las in ihrem Geist, dass sie die Wahrheit sprach und noch etwas. Was bei Merlin war Okklumentik oder Legilimentik, beides schienen die Frauen von ihm zu fürchten. Sie sprachen es nicht laut aus, das war auch nicht länger notwendig für ihn. Er konnte in ihrem Geist lesen.
Er konnte in den Geist anderer Menschen eindringen, aber wer weiß vielleicht konnte das jeder?
Poppy reichte ihm plötzlich seine Tafel, scheinbar war es auch ihr endlich wieder eingefallen, dass er nicht antworten konnte.
Nie wieder sprechen!
Bitter schluckte er hinunter. Zugleich überlegte er was er alles fragen sollte.
Gut das er nichts von Hermione wusste. Schoss es in diesem Moment durch Minervas Kopf.
Diese beiden machten ihn wahnsinnig. In wenigen Minuten war es ihnen gelungen das Chaos in seinem Kopf explodieren zu lassen. Wo war seine geordnete unwissende Welt geblieben? Stattdessen hatte er tausend Fragen auf einmal die an ihm zu zerren begannen.
Wer zur Hölle war Hermione? Eine Freundin, seine Frau oder ganz wer anderer? Und was hatte sie mit ihm zu schaffen? Fragen ohne Ende. Er begann auf die Tafel Wörter zu kritzeln, als er fertig war zeigte er was er geschrieben hatte den beiden Frauen.
Sowohl Minerva als auch Poppy erbleichten, als sie lasen was da stand.
*
Sie putze sich die Zähne und kämmte sich mit den Fingern die Haare. Dabei fiel ihr auf, dass es eine zweite Tür zu diesem Raum gab. Neugierig trat sie an diese heran und vernahm Minervas Stimme hinter dieser. Sie sprach scheinbar mit jemandem.
Mit wem konnte sie nicht hören. Entweder sprach der andere so leise, oder gar nicht. Plötzlich gesellte sich Poppys Stimmer noch dazu. Vielleicht unterhielten sich die Frauen miteinander? Was lag eigentlich hinter dieser Tür? Müsste das nicht eigentlich Snapes Schlafzimmer sein, aber was machten sie da drinnen?
Nun gut die Welt drehte sich weiter und Severus Snape war seit drei Monaten tot. Wahrscheinlich bewohnte schon längst jemand anderes dieses Zimmer. Plötzlich überfiel sie eine merkwürdige Traurigkeit. Seit sie in die Welt von Severus Snape eingetaucht war, begann sie anders über ihn zu denken.
Er hatte schreckliche Dinge getan, unverzeihliche Dinge, aber man hatte ihm auch fast genauso viel angetan. Verzeiht das sein Handeln? Machte das seine Taten weniger grausam, weniger schrecklich. Sie war so verwirrt und immer noch wusste viel zuwenig über diesen schwierigen und verschlossenen Mann. Schleunigst kehrte sie in sein Büro zurück. Dort erwartete sie ein opulentes Frühstück und ein sauer drein guckendes Hologramm.
*
Was ist Legilimentik? Stand da geschrieben.
„Das ist etwas was sie getan haben und gar nicht dürften, denn es ist verboten es ohne der Erlaubnis seines Gegenübers zu tun!" ereiferte sich Minerva leicht erbost.
Automatisch verschloss sie ihren Geist und damit er nicht mehr länger ihre Gedanken lesen konnte. Nur weil er sich nicht erinnerte, konnte er sich noch lange nicht alles erlauben. Seine Augen verengten sich zornig. Er mochte es nicht, wenn man ihn zurechtwies und schon gar nicht, wenn man ihm etwas verbat.
„Wir müssen dafür sorgen, dass er sich so rasch es geht wieder an alles erinnert oder er sollte zumindest soviel wie möglich über seine Welt lernen, damit er sich mühelos in ihr zurecht findet und nicht noch mehr Unheil anrichten kann." Bestimmte sie ernst.
Sie warf noch einen letzten Blick auf ihn.
„Du wirst lernen zu verstehen was du bist und was du kannst. Dann wird alles etwas leichter für dich. Ich sehe sehr wohl, dass auch dir die momentane Situation sicher sehr zu schaffen macht." Mit diesen Worten verließ sie ihn.
Ungläubig sah er ihr kurz nach. Hatte die Frau überhaupt eine Ahnung was sie sagte? Konnte sie auch nur ansatzweise verstehen was er durchmachte? Er wusste nach wie vor nicht wer er war. In diesem Punkt schien sein Hirn wie leergefegt zu sein.
Poppy begann automatisch sein Bettzeug zu richten, sah nach seinem Verband. Die Wunde heilte, fing an sich zu schließen und trotz seines Rückfalls hatte sich keine Entzündung mehr gebildet.
„Sie werden schneller gesund sein als sie glauben. Trotz ihres übereilten Aufstehens, das ihnen beinahe das Leben gekostet hätte, hat ihr Wunde dadurch keinen größeren Schaden genommen."
Warum ging es ihm eigentlich so schlecht? Nur wegen der tiefen Wunde im Hals? Hatte er deswegen das Bewusstsein verloren? Eifrig schrieb er etwas auf seine Tafel und zeigte es Poppy.
Wer ist Nagini? Ein weiterer Satz der Poppy erbleichen ließ.
„Also das haben sie auch gesehen? Sie waren ja nicht gerade untätig." Erwiderte Poppy beleidigt.
Severus löschte die Tafel und schrieb erneut etwas darauf.
Ist es wahr? Das mit meiner Stimme?
Poppy senkte den Kopf, ihren Geist hatte sie längst vor ihm verschlossen, so war es ihm unmöglich länger darin zu lesen.
„Ich fürchte ja, aber lassen sie mich ihnen alles von Anfang an erzählen." Sagte sie leise. Ihre Stimme klang müde. Der Tag an dem er verletzt wurde, war kein guter Tag gewesen. So viele waren an diesem gestorben.
„Sie sind nicht einfach nur ein Zauberer und Lehrer, sondern auch ein Spion. Sie haben für Dumbledore, den Guten, gegen Voldemort, den Bösen, spioniert. Scheinbar kam ihnen Voldemort auf die Schliche. Tom, so hieß er früher, bevor er sich selbst den Namen Voldemort gab, war immer schon sehr klug und ihn zu hintergehen war nicht leicht.
Ihnen ist dieses Kunststück viele Jahre gelungen. Sie wurden verraten, nehme ich an, denn er hetzte sein Haustier auf sie. Nagini war seine Schlange, ein giftiges Biest, wenn sie mich fragen. Ihr Gift ist auch daran schuld, dass es ihnen so schlecht geht, aber sie hatten noch Glück." Fragend sah er sie an. „Sie hätten tot sein können!"
*
Gestärkt nach dem üppigen Frühstück sah sie das Hologramm gut gelaunt an. Er mochte ein Miesepeter sein und doch fühlte sie sich aberwitzigerweise wohl bei ihm. Ein Umstand den sie jetzt nicht näher ergründen wollte. Das hob sie sich für später auf, wenn sie alleine und zuhause war.
Jetzt wollte sie sich lieber auf ihn und seine Erinnerungen konzentrieren.
„Was darf ich mir heute ansehen?" fragte sie fröhlich.
Sie hatte unglaublich gute Laune, ohne zu wissen warum. Überrascht von ihrer Frage hob er erstaunt eine Augenbraue, wieder schien es als würde er sich nicht zu einer Antwort herablassen, doch dann sagte er doch etwas.
„Ich denke sie sollten dort fortfahren, wo sie gestern aufgehört hatten.." meinte er völlig emotionslos.
Hermione ging hinüber zum Schrank und entnahm diesem die Phiole auf die Snape zeigte. Langsam schüttete sie den Inhalt in das Becken, stellte die nun leere Phiole weg und tauchte mit dem Kopf ein.
Wieder herrschte Dunkelheit rund um sie. Aber diese Finsternis war anders. Sie befand sich irgendwo auf einer Wiese und es war Nacht. Vereinzelt konnte sie dunkle Schatten ausmachen. Weit vor ihr bewegten sich schemenhafte Gestalten. Neben ihr stand der junge Severus Snape. Er starrte konzentriert hinter den Gestalten her, dann lief er los.
Er folgte ihnen und Hermione folgte ihm. Irgendwie hatte sie das Gefühl er würde etwas sehr dummes tun. Die Nacht war bewölkt, kein Stern war zu sehen und auch der Mond versteckte sich hinter dicken Wolken. So war es besonders schwierig den Menschen vor ihnen zu folgen.
Hermione hatte sie schon längst aus den Augen verloren, aber Severus nicht. Zielsicher rannte er den Büschen folgend weiter über das weitläufige Gelände von Hogwarts. Plötzlich tauchten vier Gestalten knapp vor ihnen auf. Hermione ging auf sie zu um zu sehen wer sie waren.
Da riss auf einmal die dichte Wolkendecke auf und gab die Sicht auf eine wunderschönen Vollmond frei. Vor ihr standen James, Peter, Sirius und Remus. Nur Remus Gesicht wirkte verändert. Hermiones Augen weiteten sich. Eine entsetzliche Erkenntnis kroch ihr kalt den Rücken hinauf. Remus war ein Werwolf und zwar schon zur Schulzeit gewesen, nur wusste das Severus nicht.
„Du hast was getan?" rief in diesem Moment James leise zischend aus und sah Sirius dabei leicht geschockt an.
„Ich erteile dieser schnüffelnden Fledermaus eine Lektion, die er nie vergisst!" fauchte Sirius zornig zurück.
Remus Verwandlung war indessen immer weiter fortgeschritten, schon bald würde der Werwolf in seiner imposanten Größe vor ihnen stehen.
„Er ist kein Animagus! Er kann dabei drauf gehen! Und hast du auch nur einen Moment an Remus gedacht? Wie er sich dabei fühlen könnte, wenn er sich zurückverwandelt und wir ihm sagen müssen, er hat Severus in seine Einzelteile zerlegt?" Nun war James außer sich vor Wut und auch Hermione fühlte wie in ihr die Wut hochstieg.
Was war Sirius nur für ein Idiot gewesen! Peter gab ein leises Quieken von sich. Auch er hatte bereits mit seiner Verwandlung begonnen. James und Sirius blieb nicht mehr viel Zeit, denn Remus war kaum noch wieder zuerkennen. Sirius blickte stur, die Arme vor der Brust verschränkt, auf James.
„Er trägt Schuld, dass ich fast gestorben bin, da ist es nur fair ihm die gleiche Behandlung angedeihen zu lassen!" James wollte noch etwas erwidern, aber Remus Heulen unterbrach ihn.
Hastig begann auch er und Sirius sich zu verwandeln. Bald schon standen auf der kleinen Lichtung unter der peitschenden Weide keine Menschen mehr, sondern ein Hund, ein Hirsch, eine Ratte, kaum zu erkennen, weil so klein und ein riesiger Werwolf.
Geifer tropfte von seinen Lefzen. Schnuppernd hielt er die Nase in die Luft und dann lief er los. Direkt auf Severus zu. Dieser hatte von alldem nichts mitbekommen, wollte lediglich die vier verhassten Schüler stellen.
Als er aus seinem Versteck sprang um sich ihnen zu zeigen, war das einzige was er sah die riesigen, speicheltriefenden Zähne eines auf ihn gigantisch wirkenden Werwolfes.
