Vielen Dank für die Reviews, Lufa, CaroloveSeverus und Mortianna´s Morgana! Ob er seine Stimme wieder bekommt. überleg ich mir noch. Kommt drauf an wie brav er sich den Rest der Geschichte benimmt. Er ist tatsächlich ein bisschen neben der Spur, nicht ganz so garstig wie sonst, aber vielleicht wird er das wieder, mal sehen! ;-)

Liebe Grüße Gaby

12 Erster Kontakt

Tief nach Luft schöpfend tauchte sie aus dem Becken auf. Sie zitterte am ganzen Körper. Eigentlich müsste sie sich schön langsam daran gewöhnen, aber noch immer nahmen sie seine Erinnerungen, die sie, wie wenn sie sie selbst erleben würde am eigenen Leib erfahren durfte, mehr mit als für sie erträglich war. Sie war hier vor nicht all zu langer Zeit ausgeruht und mit einer sonnigen Laune erwacht und jetzt hatte sie einfach Angst.

Angst um den jungen Severus, der so anders aussah wie der der vor ihr stand und doch waren sie sich ähnlich.

„Wie konnte Sirius das nur tun? Ich dachte immer nur sie…aber auch andere?" plapperte sie zusammenhangslos vor sich hin.

Sie war aufgewühlt und durcheinander. Den Sirius den sie später kennen lernen durfte, der war so anders gewesen. Nett und freundlich trotz seiner langen Jahre in Askaban. Snapes Welt war grauenerregend und sie hatte das Gefühl es wurde immer schlimmer.

„War es immer so? Hört es denn niemals auf?" entschlüpfte es ihr, ehe sie es verhindern konnte. Das Hologramm starrte sie völlig teilnahmslos an.

„Nun die Erinnerungen sind alle echt, falls sie das wissen möchten." Meinte er trocken.

Aufmerksam beobachtete sie ihn eine Weile, immer noch gefangen von dem gerade erlebten, versuchte sie alles in Einklang zu bringen. Sie wusste das sich James Potter, Harrys Vater, und Severus Snape bis aufs Blut gehasst hatten, aber das diese Abneigung soweit ging, das einer den Tod des anderen in Kauf nahm, erschütterte sie doch tief.

Nun gut, James wollte das nicht, es war Sirius. Aber hatte Severus nicht zuvor dasselbe versucht? Von Harry wusste sie, dass er zufällig über diesen Fluch gestoßen war und ihn an Draco ausprobiert hatte, ohne von dessen Wirken eine Ahnung zu haben. War es bei Snape auch so gewesen? Wusste er, als er diesen Fluch kreierte auch, was er bewirken konnte?

Fragen über Fragen und nicht alle würden ihr diese Phiolen verraten können. Diese Bruchstücke aus einer längst vergangenen Zeit. Sie waren nur Momentaufnahmen von einem Großen und Ganzen. Sie konnten nie das ganze Leben zeigen, nicht die Gefühle, die damit einher gingen oder was daraus wurde. Nachdenklich strich sie sich mit der Zunge über die trockenen Lippen. Wie sollte sie all das nur verstehen?

„Sirius hat sie in jener Nacht nicht getötet, soviel weiß ich, aber wie ist es ihnen gelungen zu entkommen?"

Seine Mine war stoisch, ein anderer Ausdruck fiel ihr dafür nicht ein, als er zum Regal schritt und auf eine der Phiolen zeigte. Kurz blieb sein Blick daran haften, oder bildete sie sich das nur ein? Dann machte er einen Schritt zurück und verschränkte in einer für ihn typischen Geste die Finger ineinander.

Wieder einmal verblüffte es sie, wie ähnlich er seinem Schöpfer war. Sie trat dicht an ihn heran und umschloss vorsichtig die gezeigte Phiole mit den Fingern, dabei blickte sie hoch zu ihm und wieder war da etwas was vorher nicht da gewesen war. Sie sah ihn mit anderen Augen, obwohl er sich nicht verändert hat, denn er war nicht echt.

*

Vor ihm lag ein Berg Bücher. Poppy hat sie ihm gebracht. In ihnen sollte er alles finden was er brauchte um sich in "seiner" Welt wie sie es nannte zu Recht zu finden. Er musterte die Überschriften der Bücher. Es waren lauter Schulbücher und alle über Zauberei in der einen oder anderen Form. Es ging um Geschichte, Muggelkunde (was war ein Muggel?), Verteidigung gegen die dunklen Künste, Verwandlungen und natürlich Zaubertränke.

Und das Ganze von der ersten bis zur letzten Klasse und er sollte die alle lesen. Severus verzog angewidert den Mund, er war doch kein Schüler mehr! Missmutig schob er den Haufen zur Seite und schwang die Beine aus dem Bett. Später würde er sich mit den Büchern beschäftigen, doch jetzt wollte er aufstehen, auf eigenen Füßen stehen.

Warum ihm das so wichtig war wusste er nicht, es war einfach so. Er machte ein paar vorsichtige Schritte im Raum, betrachtete sich erneut im Spiegel, als könnte er so seine Erinnerungen zwingen zu ihm zurück zu kommen, gab aber dann Seufzend auf, da außer dem fremden Gesicht, das er schon gestern sah, ihm nichts neues entgegenstrahlte. Wer weiß vielleicht bekam er sie nie zurück, seine Erinnerungen. Vielleicht blieb sein Leben hinter der schwarzen Mauer in seinem Kopf verborgen und kam nie wieder zum Vorschein.

Er sollte sich schon einmal vorsorglich mit dem Gedanken vertraut machen ein zur Gänze neues Leben zu beginnen, ohne irgendwelche Altlasten oder lieb gewordener Kleinigkeiten die das Leben so lebenswert machten. Es war so schwierig, er wusste nichts über sich. Wer er war, wie er war und warum er war wie er war, dass alles lag vielleicht für immer im Dunkeln. Unruhig schlich er in dem kleinen Raum umher.

Irgendwie wollte er diesem entfliehen und seinen Gedanken, die ihn schon wieder zu verwirren begannen. Es gab in diesem Raum zwei Türen. Durch die eine kamen immer Poppy und Minerva, aber was verbarg sich hinter der anderen?

*

Wie gelähmt stand er da. Damit hatte er nicht gerechnet. Wie kam ein Werwolf auf das Gelände von Hogwarts? All diese Gedanken blubberten völlig belanglos durch seinen Kopf und machten es ihm unmöglich auch nur einen Schritt zu tun. Er stand da wie ein hypnotisiertes Kaninchen den die Scheinwerfer eines Autos blendeten, das auf ihn zuraste.

Er würde sterben. Dieses Monster würde ihm ohne zögern die Kehle herausreißen. Dieser Gedanke beschleunigte seine Atmung, brachte sein Herz zum rasen und pumpte sein Adrenalin rasant durch seinen Körper. Hastig machte er einen Schritt zurück. Er musste fliehen, entkommen, sich retten, ihn aufhalten, irgendwas…

Der Zauberstab zitterte in seiner Hand. Mit letzter Kraft gelang es ihm ihn auf das Ungetüm zu richten und ihn schützend vor sich zu halten, nicht das dieser hier viel bewirkte, denn der Werwolf würde ihn in Stücke reißen. Mühsam schluckte er und leckte sich die trockenen Lippen. Das alles geschah in wenigen Sekunden.

Über das Gesicht des Werwolfes huschte ein böses Grinsen. Er roch bereits das Blut das schon bald seine Kehle benetzen würde. Er fühlte bereits das frische Fleisch in das er seine Zähne graben würde und sein Kiefer begann unkontrolliert zu zucken. Er machte sich sprungbereit. Nur wenige Meter, höchstens zwei vielleicht auch drei trennten ihn von seiner Beute.

Plötzlich sprang ein Hirsch aus der Dunkelheit und stellte sich schützend, das Geweih gesenkt vor Snape. Der Werwolf machte einen irritierten Schritt zurück, dabei knurrte er und fauchte er so grässlich, dass sich Hermione unwillkürlich die Ohren zu hielt. Sie hatte so schreckliche Angst.

Alles um sie war erfüllt von Angst. Todesangst. Ein großer Hund stürzte sich auf den Werwolf und biss ihn heftig in die Schulter. Zornig und vor Schmerz heulte das große Tier auf. Der Hund sprang fort und verschwand in der Dunkelheit, der Werwolf folgte ihm. Kaum waren beide außer Sicht und ihr Heulen und Knurren verklungen verwandelte sich der Hirsch zurück. James stand vor Severus.

Verschwinde von hier!" befahl er ihm hart, aber das war es nicht, das Severus Mine versteinern ließ.

Sein von ihm gehasster Todfeind hatte ihm das Leben gerettet! Für immer würde er mit dieser Schmach, dieser Schande nun Leben müssen. Es gab nichts Schlimmeres für ihn. Er wandte sich ab und stapfte gedemütigt davon.

Und vergiss, wenn dir dein Leben lieb ist, was du heute gesehen hast! Von nun an sind wir quitt!" rief ihm James noch hinterher.

Von nun an stand er für immer in James Schuld. Bitter presste er die Lippen aufeinander. Niemals würden sie quitt sein, nicht solange das hier zwischen ihnen stand. Er hatte ihn vorher schon gehasst, doch nun hasste er ihn mit allem zu dem er fähig war zu hassen. Es gab eine Steigerung wie er selbst merkte. Hätte man ihm die Wahl gelassen so wäre er lieber gestorben, als mit dieser Schande zu leben.

*

Unschlüssig tauchte Hermione aus dem Becken auf. Daher ruhte der tief verwurzelte Hass auf Harry Potter, oder gab es noch etwas anderes? Natürlich irgendwo musste diese Abneigung ihren Anfang genommen haben.

„Ihre Schulzeit war ja nicht so der Renner." Stellte sie leicht sarkastisch fest.

Sie sah ihn nicht an, in ihrem Gesicht stand eindeutig das gerade erlebte und es hatte sie tief getroffen. Wie schön war im Vergleich dazu ihre Schulzeit gewesen, obwohl sie es am Anfang auch nicht leicht hatte, aber sie hatte Freunde gefundnen die sie liebten und war nicht ständig nur dem Hass ausgesetzt. Sie wäre daran mit Sicherheit zerbrochen, aber wie wurde er damit fertig?

Von seiner Gefühlswelt hatte sie so gut wie keine Ahnung. Vielleicht war er deshalb so ein Menschenfeind? Vielleicht konnte ihr Minerva einige Fragen beantworten? Sie würde zu ihr gehen und sie bitten ihr soviel sie wusste über Snape zu erzählen.

Irgendwie war dieser Mann, trotz all der Dinge die sie gesehen hatte, noch immer ein Geheimnis, ein großes Mysterium das sie zu entschlüsseln versuchte. Sie verließ den Kerker, ließ aber ihre Sachen zurück, die würde sie sich später holen und stieg die Stufen zu Minervas Büro hoch.

*

Enttäuscht betrachtete er das große geräumige Badezimmer. Ein Badezimmer verbarg sich also hinter Tür Nummer zwei, sonst nichts. Also er hätte sich etwas Aufregenderes erhofft. Unschlüssig starrte er in den Raum und entdeckte noch eine weitere Tür. Er könnte durch diese auch einen Blick werfen. Es war immer gut zu wissen wo man war und was es so rund um einen gab.

Schnell warf er einen Blick zurück. Keine von den neugierigen Damen war zurückgekommen und ertappte ihn bei der Befriedigung der eigenen. Entschlossen machte er sich auf Erkundungstour. Zuvor hatte er sich noch aus dem Kleiderschrank bedient und trug nun die schwarzen Sachen die er darin gefunden hatte. Sie standen ihm nicht schlecht, auch wenn sie ihm etwas zu weit waren.

Der Person der sie gehörten musste eindeutig stärker gebaut sein als er. Nun stand er mit fremder Kleidung in einem fremden Raum. Es war so eine Art Büro, oder Labor? Es gab einen Schreibtisch, jede Menge Bücher, eine Couch und viele Phiolen, Tiegel, Flaschen die allesamt befüllt waren mit merkwürdig aussehendem Inhalt.

Außerdem stand da noch ein großes Becken seitlich im Raum, darinnen waberten seltsame silberne Fäden. Der Raum wirkte so seltsam vertraut auf ihn. Er hatte das dumpfe Gefühl schon einmal hier gewesen zu sein. Er versuchte sich auf dieses Gefühl zu konzentrieren, bekam es aber nicht zu fassen. Betrübt stand er da. In diesem Moment öffnete sich die Tür und eine junge Frau rauschte herein.

„Minerva war nicht da. Hm?" Sie presste in einer ulkigen Art die Lippen aufeinander und schien nachzudenken.

„Ich werde es später bei ihr noch einmal probieren. Wir sehen uns morgen, Professor!" verabschiedete sie sich, ohne ihn wirklich dabei anzusehen und war auch schon wieder verschwunden.

Stirnrunzeln sah er hinter ihr her. Sie war wie ein Wirbelwind hier hereingestürmt und es hatte sie nicht überrascht ihn hier drinnen vorzufinden. Komisch. Scheinbar kannte sie ihn, aber wer war sie?

*

Hermione lief schnell die Stufen von Hogwarts hinab, dabei wurde sie mit jedem Schritt langsamer. Irgendetwas war anders gewesen in Snapes Räumen. Irgendetwas hatte da nicht gestimmt. Hatte nicht wirklich dorthin gehört. Sie dachte an all die Gegenstände die es dort drinnen gab. Sie waren alle noch da und an ihrem Platz gewesen. Selbst das Hologramm. Das Hologramm! Plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Seit wann hatte das Hologramm einen Verband um den Hals und warum sah es auf einmal so dünn und blass aus? Hermione blieb mitten auf dem Weg stehen. Hatte sie sich das nur eingebildet oder tatsächlich gesehen? Aber war sie nicht die einzige die diese Räume betreten konnte und wenn es nicht das Hologramm war wer dann? Severus Snape war doch tot, oder? Es gab nur eine Möglichkeit das herauszufinden. Entschlossen kehrte sie um und ging zurück, hinab in den Kerker.