Vielen Dank für die Reviews, Marylein und Mortianna´s Morgana! Jetzt bekommt sie eine sehr schlimme Erinnerung aus seinem Leben zu sehen und dann erst geht es mit den beiden weiter.

Liebe Grüße Gaby

14 Die Hölle

Unruhig streifte Voldemort gleich einem Tiger in seinem Revier, in seinen Räumen hin und her. Snape sah ihm stoisch dabei zu, doch in seinen Augen flackerte kurz sein Unbehagen auf. Was machte den dunklen Herrscher nur so ruhelos. Gelassen strich Voldemort über ein Buch, hob es an und schlug die erste Seite auf.

Es gibt nichts beruhigenderes als dunkle Magie und das Wissen um ihre Ausübung. Macht sie uns doch anderen Magiern gegenüber überlegener und stärker – findest du nicht?" Es war eine rein rhetorische Frage und verlangte keine Antwort.

Fieberhaft begann es in Severus zu arbeiten. Worauf wollte Voldemort diesmal hinaus? Dieser war nur schwer, kaum, zu durchschauen und er musste es wissen. Er diente ihm nun schon über 14 Jahre - als treuer Diener, wie dieser glaubte, und besaß etwas was sonst keiner besaß – sein Vertrauen. Tief holte er Luft.

Mein Gebieter?" wagte er fragend das Wort an ihn zu richten. Katzengleich wandte Voldemort sich abrupt ihm zu und fixierte ihn mit seinem stechenden Blick.

Ich habe eine Überraschung für dich." Eröffnete er ihm lauernd, ohne ihn dabei auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Er wollte sehen wie Severus darauf reagierte.

Severus spürte förmlich wie ihm der Schweiß ausbrach. Überraschungen waren in Voldemorts Welt selten etwas Gutes. Zumeist grausam und erschreckend. Severus bemühte sich einen neugierigen, erwartungsvollen Blick aufzusetzen, den Voldemort mit Sicherheit erwartete, dabei umschloss eine kalte Faust der Furcht sein Herz. Voldemorts grausame kleine Spielchen zielten genau darauf ab, seinen Anhängern die Hoffnung zu rauben und sie so auf eine beinahe abartige Art an sich zu binden.

Hermione betrachtete das Geschehen wieder aus der Distanz heraus. Diesmal befanden sie sich nicht in dem kleinen Haus an der Küste, sondern in einem großartig ausgestatteten Herrenhaus. Der Raum war groß und die Möbel von einer edlen, zeitlosen Eleganz. Voldemort besaß noch keine körperliche Gestalt und sein widernatürlicher Anblick ließ selbst Hermione frösteln.

Er war wirklich und doch unwirklich. Körperlich und körperlos. Sie konnte ihn sehen, aber zeitweise war er so durchsichtig, dass sie auch dahinter alles wahr nahm. Sie war scheinbar in eine Erinnerung gefallen, die vor der tatsächlichen Rückkehr von Voldemort, gewesen war. Schon in dieser Zeit, oder auch schon davor, musste Snape ihm, auf Geheiß von Dumbledore, dienen.

Ein neuer Laut durchbrach die Stille. Hinter Snape öffnete sich die Tür und Lucius Malfoy in Begleitung von Greyback schleppten ein verschnürtes, menschengroßes Bündel herein. Grob ließen sie es vor Voldemort zu Boden fallen. Ein Stöhnen entrang dem Bündel und verriet, das sich tatsächlich ein Mensch darin verbarg.

Beweise mir deine Treue!" verlangte Voldemort kalt und sah dabei auf Snape.

Ein leichtes unauffälliges Zittern seiner Hand verriet die enorme Anspannung unter der er stand. Hermione konnte sie fast am eigenen Leib fühlen. „Was soll ich tun, mein Gebieter?" fragte er ruhig und emotionslos. Jede Gefühlsregung die er hier zeigte, konnte ihn verraten. „Quäle sie für mich! Foltere Sie! Vergewaltige Sie!" mit seiner nichtmenschlichen Hand deutete er auf das Bündel zu seinen Füßen. „und dann töte Sie!"

Snape schluckte, er hatte fast so etwas erwartet. „Wer ist das?" wagte er zu fragen und wurde mit einem vernichtenden Blick bestraft.

Warum interessiert dich das? Führe meinen Befehl aus! Das ist alles was du zu tun hast!" befahl er kalt. Snape hatte keine Wahl, entweder er tat was ihm dieses Monster befohlen hat, oder er würde selbst gequält werden und sterben. Greyback und Malfoy grinsten hämisch. Sie wünschten sich fast er würde versagen, sie wünschten es sich, sich mit ihm beschäftigen zu dürfen. Alle in dem Raum waren eiskalte Killer.

Alle bis auf Einen. Denn ihm standen die Emotionen deutlich auf der Stirn geschrieben, aber nur eine konnte sie sehen und lesen, den anderen blieben sie verschlossen. Severus löste mit dem Zauberstab die Fesseln die das Bündel zusammen hielten. Sogleich befreite sich die Gestalt aus ihrem Gefängnis. Ängstlich huschte ihr Blick von einem zum anderen. Es war eine junge Frau und sie war unbekleidet.. Hermione kannte sie nicht, aber Severus sehr wohl. Er erbleichte und ihm schien übel zu sein.

Was zögerst du?" Voldemorts kalte Augen starrten ihn an und seine Stimme verriet seine Ungeduld. Er sollte einer Maschine gleich einfach die Tat ausführen.

Bitte nicht!" wisperte Hermione. Sie konnte die Angst des Mädchens fühlen und sie konnte den Zwiespalt in Snape sehen, aber für beide gab es kein Entkommen. Vor Severus stand Voldemort und hinter ihm Malfoy und Greyback. Ohne mit der Wimper zu zucken hob er seinen Zauberstab, richtete ihn auf das Mädchen und sprach den ersten unverzeihlichen Fluch. „Imperio!"

Vor ihren Augen gab das Mädchen jeden Widerstand auf, von einem Augenblick in den nächsten wurde sie zu einer Puppe und Snape zum Puppenspieler. Er tat was man ihm befohlen hatte. Erschüttert stand Hermione da, konnte in der ersten Sekunde gar nicht wirklich begreifen was hier vor ihren Augen passierte. Dann begann sie nach Atem zu ringen.

Schnell tauchte sie aus dem Becken auf. Zu schnell. Plötzlicher Schwindel erfasste sie und so klammerte sie sich eisern am Rand des Beckens fest, ansonsten das wusste sie würde sie umfallen. Mühsam rang sie um ihre Fassung. Vor ihren Augen war ein Mord passiert. Ausgeführt von dem Mann der hinter ihr stand, auch wenn es nur sein Abbild war. Sie wollte etwas sagen, schreien, versuchen das Ganze irgendwie zu verstehen, aber ihr Geist war schlicht überfordert damit.

Eine junge Frau war vor ihren Augen gefoltert worden, einfach so, weil Voldemort es so wollte. Plötzlich presste sie sich die Hand vor dem Mund und rannte zur Tür hinaus. Sie schaffte es gerade noch im letzten Augenblick die Toiletten zu erreichen und übergab sich.

*

Verwundert sah er ihr hinterher. Was hatte sie nur? Neugierig trat er näher an das Becken heran und betrachtete die wabernden durchsichtigen Fäden darin. Was war das? Eine Art Droge? Er hatte in den Zaubertränkbüchern sehr wohl von Substanzen und Tränken gelesen, die eine starke Wirkung auf den Geist hatten. Seine Augen weiteten sich plötzlich vor Schreck. Was wenn er sie vergiftet hatte?

Er hatte keine Ahnung was er ihr gegeben hat. Er hatte nichtsahnend einfach eine der kleinen Phiolen, um die sie gebeten hatte, ergriffen und ihr gereicht. Was hatte er getan? Verzweiflung packte ihn. Er war doch nur hierher gekommen, weil er neugierig war und weil er wusste sie würde wieder kommen, aber das… Das hatte er nicht gewollt. Ruhelos hastete er zurück in sein Zimmer. Er musste herausfinden was ihr fehlte und versuchen ihr zu helfen.

*

Sie wusch sich mit eiskaltem Wasser das Gesicht und betrachtete sich neugierig im Spiegel. Sie begann sich zu verändern, Snape hatte Recht. Ihr setzten die Erinnerung schlimmer zu als sie auch nur ansatzweise ahnen konnte. Diese befohlene Folter an einer jungen Frau. Diese Sinnlose Willkür, die Voldemort ausübte. Die Treue zu ihm hatte einen Preis und dieser wurde mit Blut und Schmerz gezahlt. Bitter war für sie war auch, dass sie niemanden hatte mit dem sie darüber sprechen konnte. Der einzige der ihr das vielleicht erklären hätte können war tot.

Sie wusste er hatte das nicht gewollt, sie hatte es in seinen Augen gesehen, dort stand nichts als Schmerz und Leid geschrieben und eine Bitterkeit die ihn für den Rest seines Lebens begleitet hat. Es hatte ihn viel gekostet. Einen Teil seiner Seele. Ob Dumbledore davon wusste? Ob er wusste was Severus dafür tun musste um sein Spion zu sein?

Es gab so viele Fragen auf die sie wahrscheinlich nie eine Antwort finden würde. Sie hatte die Bücher mit den Zaubererstammbäumen gelesen. Über Severus Snape gab es nicht viel zu finden. Nur wer seine Eltern waren und er. Mehr nicht. Zu dürftig um viel darüber nachdenken zu müssen. Blieben nur noch die Augenzeugen und auch da standen ihr für Fragen nicht gerade viele zur Verfügung. Sie verwirrte das alles so sehr.

Um die Bilder, die unablässig in ihrem Kopf herum spukten, zu verscheuchen schlug sie die Hände vors Gesicht, aber es half nicht. Noch immer konnte sie den traurigen und ängstlichen Blick der Frau sehen und dann... Nie würde sie diese Bilder vergessen können! Mochte ihr Snape mit dem Imperio eine zweifelhafte Gnade erwiesen haben, aber was sie gesehen hatte…

Alles schrie in ihr. Diese Qual! Einfach so! Ohne Erbarmen, ohne Mitleid, nur aus der Laune eines Wahnsinnigen heraus wurde sie gefoltert. Wie viel Elend, wie viel Leid musste sie noch sehen? Ruhig atmete sie ein paar Mal tief durch, versuchte so sich wieder in den Griff zu bekommen.

Ich brauch mir nur längst vergangenes anzusehen, aber wie schlimm muss das für ihn gewesen sein? Er musste das alles tatsächlich erleben. Jede Schmach, jede Niederlage, jede Gräueltat. Jene, die er verübte und andere die an ihm verübt wurden. Wie alt war er als er gestorben war? Mitte dreißig? Über dreißig Jahre lang musste er sein Leben ertragen. Kein Wunder das er so war wie er war. Ich würde mich und alle um mich hassen und verachten…

Schoss es ihr durch den Kopf. Sie richtete sich wieder zur vollen Größe auf und verließ nach einem letzten Blick in den Spiegel den Waschraum.

*

Innerlich getrieben wälzte er Buch für Buch durch, aber er fand nichts, was darauf hindeutete was mit der Frau passiert war. Verdammt! Zornig schleuderte er die Bücher von seinem Bett. Sie halfen ihm kein bisschen weiter und er hatte immer noch keine Ahnung was sie hatte. Die Tür ging hinter ihm auf und Poppy kam mit Salben, Verbandszeug und neuen Büchern beladen herein.

„Guten…" setzte sie an, brach aber ab als sie ihn sah. „Was haben sie vor?" fragte sie erstaunt.

Nicht nur das er vollständig bekleidet wie immer war, was natürlich ihr Misstrauen weckte - Woher bei Merlins Bart wusste er wie er sich früher gekleidet hat, wenn er sich doch an nichts erinnern konnte? - sondern hatte er sich auch bemüht den Verband zu verstecken.

„Was haben sie gemacht?" kam gleich die nächste Frage. Unschuldig zuckte er mit den Schultern. Er schien keine Ahnung zu haben was sie meinte, zugleich versuchte er irgendwelche Informationen von ihrem Geist zu empfangen. Doch sie hatte ihn gut vor ihm abgeschirmt. Warum hatte er das nicht bei der Frau vorhin probiert?

Stumm schüttelte er den Kopf. Er konnte und wollte ihr nicht sagen wo er war, zum Schluss würde sie ihn einsperren. Immerhin hatte sie ihm so etwas schon einmal angedroht. Besser sie wusste nicht zuviel von dem, was er so tat. Müde setzte er sich auf das Bett und ließ sich von ihr den Verband wechseln. Dabei warf sie ihm einen lauernden und zugleich finsteren Blick zu.

„Sie werden mir gefälligst verraten was sie getrieben haben und die Ausrede, dass sie nicht sprechen können, zählt bei mir nicht! Sie können es schreiben!" verlangte sie von ihm als wäre er ein besonders störrischer und schlecht erzogener Schüler und kein erwachsener Mann.

Dementsprechend bockig sah er sie an. Kaum hatte sie ihn fertig verbunden, die Wunde heilte erstaunlicherweise gut und schnell ab, zog er schon seine kleine Tafel zu sich heran.

„Das geht sie nichts an!" schrieb er quer darüber und hielt sie ihr kurz hin. Sie hatte die Worte kaum gelesen, da löschte er sie schon fort und schrieb aus einem Impuls heraus die nächste Frage.

„Wer ist Hermione?"

Poppy keuchte kurz auf, ihre Augen weiteten sich und sie vergaß ihren Geist abzuschirmen. Hemmungslos drang er in ihren Geist ein und nahm alle Informationen auf, die er kriegen konnte.