Vielen Dank für die Kommentare, CaroloveSeverus, Marylein und Lena5972!

CaroloveSeverus tausend Dank für den Hinweis - ich habs gleich ausgebessert.

Marylein ich wünsch dir einen schönen und erholsamen Urlaub.

Lena5972 für Hermione alleine ist es fast zuviel, darum suchte sie Hilfe. Die braucht sie auch.

Liebe Grüße Gaby

19 Nichts ist wie es scheint

Schweißgebadet schreckte er hoch. Er hatte geträumt. Es war nur ein Traum. Immer noch fühlte er das Entsetzen, dass er im Traum verspürt hatte. Er wischte sich fahrig mit den Händen übers Gesicht. Was für schreckliche Bilder. Düster und voller Angst. In seinem Geist sah er immer noch den Mann und doch nicht. Er war irgendwie verschwommen. Er war böse. Noch immer spürte er die Anspannung, die er im Traum in dessen Nähe gefühlt hatte. Von diesem ging nichts Gutes aus.

Er war mit ihm in einem Raum gewesen. Verzweifelt versuchte er den Traum festzuhalten, auch wenn dieser alles andere als schön war, so enthielt er vielleicht doch eine Erinnerung aus seinem Leben. Eine Schlange! Er hat sie nicht gesehen, aber er wusste da war eine. Gaukelte sein Hirn ihm diese Bilder vor, weil er man ihm gesagt hatte, das eine Schlange für seinen Zustand verantwortlich war? Er fühlte sich bedroht und nicht frei. Selbst seine Atmung ging in der Nähe dieses Mannes gepresst, so als wäre selbst das Luftholen in dessen Gegenwart gefährlich. Verzweifelt klammerte er sich an die Bilder und Gefühle, die schon zu verblassen begannen. Dieser Raum – er kam ihm so vertraut vor. Er war dort schon einmal und selbst dieser Mann, er kannte ihn.

Und er hatte gelernt vorsichtig zu sein. Jedes Wort musste wohl überlegt sein. Er verabscheute ihn, hasste ihn und wollte seinen Tod und doch wirkte es im Traum so, als würde er ihm dienen. Er saß im Dunkeln in seinem Bett. Der Alptraum ließ nach, verlor seine Macht über ihn. War das sein Leben? War das er? Hermione hatte ihm erzählt er wäre ein Spion gewesen. Dieser Mann, oder was auch immer er war, war das dieser Voldemort von dem sie sprach? Hatte er ihn in seinem Traum gesehen? Er legte sich zurück und schloss die Augen. Sie hatte ihm keine Antwort auf seine Frage gegeben. War aufgesprungen und davon geeilt. War er wirklich ein guter Mensch? Er brauchte sein Leben zurück. Er musste wissen wer er war. So konnte er nicht existieren. Er hatte keine Wurzeln, keine Vergangenheit. Er hatte keine Kontrolle über sein Leben und das behagte ihm gar nicht.

*

„Sie schon wieder! Ich hätte es mir denken können." Meinte das Hologramm trocken. Mit verschränkten Armen stand er da und blickte sie, eine Augenbraue hochgezogen, an. Hermione hatte so sehr gehofft ihn anzutreffen. Nicht den Echten, sondern das Hologramm.

„Ich brauche Ihre Hilfe." Bat sie und ließ sich vorm Schreibtisch auf der Stuhlkante nieder. Traurig blickte sie auf ihre Hände.

„Ich hasse ihre Erinnerungen." Stieß sie hervor. „Und bitte sagen sie mir nicht sie hätten mich gewarnt, dafür ist es zu spät." Eine Weile schwieg das Hologramm, sah sie einfach nur an.

„Es gibt Lieder die man niemals singen sollte, es gibt Wörter die nie gesprochen werden sollten und es gibt Erinnerungen die niemand sehen sollte." Sagte er leise. „Zerstören Sie sie. Vernichten Sie sie. Es ist niemandem damit gedient sie zu sehen. Es liegt in ihren Händen."

Verzweifelt sah sie ihn an. Er hatte so Recht, aber durfte sie das? Der echte Snape lag im Nebenzimmer und schlief vermutlich. Es waren seine Erinnerungen, die er vermisste.

„Ich kann es nicht." Ihr Blick wirkte so unendlich traurig. „Wissen Sie das sie eine Frau gefoltert, missbraucht und getötet haben?" brach es aus ihr heraus, die Tränen liefen ihr dabei über das Gesicht. Die Erinnerung war in ihr immer noch so lebendig.

„Das haben Sie gesehen? Nicht nur einmal." Hermione schloss die Augen, wollte das alles nicht mehr sehen und hören.

„Voldemort befahl und wir hatten zu gehorchen und dann war da noch Dumbledore."

Verstört betrachtete sie ihn und wischte sich dabei die Tränen aus dem Gesicht.

„Dumbledore? Was meine Sie damit?"

Verächtlich stieß er die Luft aus.

„So naiv können selbst Sie nicht sein! Dachten Sie wirklich er wüsste nicht was ich tat. Was ich für ihn und den Orden des Phönixes tun musste?" Ungläubig schüttelte er den Kopf. Sie war ihm noch immer treu und konnte sich nach wie vor nicht vorstellen, dass selbst der unfehlbare Dumbledore eine dunkle Seite hatte.

„Das Bespitzeln und Verraten von Voldemort hatte seinen Preis und Dumbledore war nur zu gewillt ihn zu bezahlen, wenn auch auf meine Kosten." Die Worte waren bitter, auch wenn das Hologramm keinerlei Gefühl zeigte.

„Ich kann das nicht glauben." Wisperte Hermione fassungslos.

„Faszinierend." Sagte er schlicht und betrachtete sie genau.

„Was meinen Sie?" fragend legte sich ihre Stirn in Falten.

„Es scheint Sie nicht zu überraschen, dass ich ein kaltblütiger Mörder und Frauenschänder bin, aber das Dumbledore das gewusst haben könnte und nicht nur gewusst, sondern dieses auch befürwortet hat, dass ist für sie außerhalb jeder Vorstellungskraft."

Sie sank im Stuhl zurück und fühlte sich schuldig. Ja es fiel ihr leichter von Severus Snape das Schlimmste anzunehmen, aber wenn irgendwer Dumbledore auch nur die kleinste Entgleisung ankreidete war für sie das unmöglich zu glauben. Doch so wie Snape den Sachverhalt schilderte, war es durchaus logisch. Es konnte gar nicht anders sein.

„Trotz dieses Wissens schickte er Sie immer wieder und wieder zu diesen Treffen?"

Das Hologramm nickte zustimmend mit dem Kopf. In ihren Augen sammelten sich erneut die Tränen. Es war so grauenvoll. Der Diener der ausgeschickt wurde um zu morden. Man behandelte ihn, als wäre er lediglich eine Schachfigur, kein lebendiges Wesen. Voldemort und Dumbledore hatten ihm jegliches Gefühl abgesprochen. Sie hatte den alten Mann überhaupt nicht gekannt. Diese Seite von ihm – sie hatte gesehen wozu er Severus verurteilt hatte.

„Ihr Leben ist so traurig. Wie konnten Sie es nur ertragen?"

Sein Mund verzog sich zu einem kalten Lächeln.

„Haben Sie kein Mitleid mit mir, es wäre vergeudet. Ich war mir meiner Rolle bewusst und ich habe sie freiwillig angenommen."

Bewegt schüttelte sie ihren Kopf. „Ihr Leben ist für mich die Hölle auf Erden. Umso mehr ich sehe, umso mehr beginne ich sie zu fürchten."

Und der echte Snape weiß nichts davon. Selig sind die Unwissenden! Noch nie war dieser Spruch wahrer, noch nie hatte er besser gepasst.

„Für Sie mag meine Welt die Hölle sein, aber es ist immer noch mein Leben, dass sie sich erdreisten so negativ zu bewerten." Hart kamen die Worte von ihm, was wieder ein Beweis für sie war, dass der echte Snape sehr viel von seiner Persönlichkeit, ob gewollt oder ungewollt, in das Hologramm hatte einfließen lassen.

„Zerstören sie die Phiolen und vergessen Sie alles was sie hier gesehen haben. Seien Sie glücklich. Leben Sie ihr Leben." Forderte er sie erneut auf, aber sie schüttelte verneinend den Kopf.

„Ich kann Ihre Erinnerungen nicht zerstören, da sie nicht mir gehören." Widersprach sie.

„Da ich sie, aus mir nach wie vor unbegreiflichen Gründen, zu meinem Erben gemacht habe, gehören sie sehr wohl Ihnen und somit können Sie mit ihnen machen was sie wollen. Vernichten Sie sie."

Unwillig schüttelte sie ihren Kopf.

„Das geht nicht!" sagte sie leise.

„Und warum bei Merlin geht das nicht? Sagen Sie endlich was los ist!" herrschte er sie grob an. Erschrocken zuckte sie zusammen und schluckte.

„Weil sie noch leben!" Nun war es an ihm die Stirn zu runzeln.

„Was reden Sie für einen Unsinn! Sie sind hier ich kann Sie sehen, dass heißt ich bin tot!" stellte er energisch richtig. Sie schüttelte den Kopf.

„Nein! Sie leben. Ich habe sie gesehen. Ich habe Sie berührt. Sie sind am leben."

Snape faltete die Hände vor seiner Brust und starrte sie einfach an.

„In meiner Programmierung ist das scheinbar nicht vorgesehen. Es wurde ein Überleben meiner Person nicht berücksichtigt."

Sie bekam ein bisschen Mitleid mit dem Hologramm, diese Neuigkeit überforderte ihn eindeutig. In ihr keimte plötzlich eine Idee. Wer wäre besser geeignet den lebenden Snape zu unterrichten als sein Hologramm? Das Hologramm war der perfekte Lehrer für ihn.

„Sie sind am Leben, aber Sie haben ihr Gedächtnis verloren. Sie besitzen keinerlei Erinnerung an ihre Vergangenheit." Eröffnete sie ihm.

„Warum kann ich mich nicht sehen?" fragte das Hologramm ratlos.

„Ich weiß es nicht." Das verstand Hermione selber nicht. Scheinbar war sie die einzige die das Hologramm sehen konnte.

„Ich kann nur Vermutungen anstellen, dass Sie sich selbst nur für ihren Erben sichtbar gemacht haben und das würde auch ihrer Persönlichkeit entsprechen."

Widerstrebend stimmte er ihr zu.

„Sie wollten verhindern, dass sich jemand anders an ihrer Vergangenheit vergreifen kann, außer der Person die sie freiwillig dazu bestimmt haben. Sie haben mich in der Heulenden Hütte, der Ort an dem ich dachte sie wären gestorben, berührt und zwischen uns ist etwas passiert. Sie haben mir etwas gegeben. Ich nehme an so einen Art magischen Schlüssel, der Sie für mich sichtbar macht und auch diese Räume zugänglich. Sie können natürlich auch die Räume betreten. Da die Räume so belassen wurden, wie Sie sie verlassen haben, ist auch noch das Passwort und die Erkennung auf Sie ausgelegt."

Anerkennend musterte er sie kurz.

„Schade, das sie einander nicht sehen können. Sie hätten einander viel zu erzählen. Sie müssen sehr viel über sich lernen und irgendwie muss ich es schaffen sie vor ihren Erinnerungen zu schützen."

Sie blickte über ihn auf die Phiolen.

„Wenn das stimmt was sie sagen, wäre es nicht so gut, wenn ich sie in meinem jetzigen Zustand zu sehen bekomme. Sie besitzen zurzeit mehr Kenntnis über mein Leben als ich." Er hatte Recht. Sie hatte all die Dinge gesehen, die sie so gar nicht verstand, die zum Teil so schrecklich und schmerzhaft waren.

„Sie möchten in meinen Geist eindringen, um an all mein Wissen über sie zu gelangen."

Überrascht sah er sie an. Trotz seiner Amnesie besaß er die Fähigkeit der Legilimentik und wusste sie sogar anzuwenden. Erstaunlich.

„Sie sollten es mir nicht gestatten." Schlug er vor.

„Das werde ich nicht." Erwiderte sie.

„Gut. Was haben sie vor? Was werden sie als nächstes tun?"

Hermione senkte den Blick.

„Sie wollen, dass ich ihnen helfe sich an alles zu erinnern, dabei wäre vergessen soviel besser."

Jetzt, da sie mit dem Hologramm gesprochen hatte, konnte sie sich sogar wieder vorstellen seinem echten Ich zu helfen. Irgendwie war es ihm gelungen alles in ein anderes Licht zu rücken. Nicht das dieses besser wäre. Warf es doch auf Dumbledore finstere Schatten. Dieser nach außen liebenswürdig wirkende Mann hatte vor ihnen weit mehr verborgen als sie sich nur jemals erträumen hätte lassen.

Wo war ihre einfache Welt geblieben? Früher war alles viel leichter, als sie noch dachte Snape war böse und Dumbledore gut. Aber so war das nicht. Snape war nicht nur böse und hatte durchaus seine guten Seiten, auch wenn man danach tief graben musste um sie zu finden. Während Dumbledore oberflächlich betrachtet ein liebenswerter und verständnisvoller Schulleiter war kamen, wenn man unter diese Oberfläche sah, ganz andere Seiten zum Vorschein.

„Ich werde ihnen weiter auf der Suche nach ihrer Vergangenheit behilflich sein."

Zustimmend nickte er.

„Vielleicht sollten sie sich noch eine Erinnerung ansehen?" Er wies mit der Hand auf eine der Phiolen. Neugierig runzelte sie die Stirn und erhob sich.

„Was werde ich sehen?" flüsterte sie ängstlich.

„Haben Sie keine Angst. Vertrauen Sie mir." sagte er ruhig. Witzigerweise tat sie das sogar. Er war, egal wie ekelhaft er wurde, immer ehrlich zu ihr. Sie nahm die Phiole und schüttete sie ins Becken. Tief Luft holend tauchte sie ein.

*

Wirst Du ihm die Wahrheit über seine Bestimmung sagen?" fragte der erwachsene Snape Dumbledore der neben ihm her schritt. Sie befanden sich auf den Gängen von Hogwarts. Alles war ruhig um sie.

Noch nicht. Alles braucht seine Zeit. Erst wenn es soweit ist, wenn es unumgänglich ist, erst dann werde ich ihm alles sagen was er wissen muss." Unwillig runzelte Snape die Stirn. „Ich finde es nicht gut, dass du entscheidest was für ihn richtig ist und was nicht. Er hat ein Recht darauf alles über seine Bestimmung zu erfahren." Dumbledores Züge verhärteten sich bei Severus Widerworten.

Ich denke, ich weiß immer noch am besten von uns beiden was gut für den Jungen ist, oder wie denkst du darüber?" Demütig senkte Snape sein Haupt. Er konnte sich noch nie gegen Dumbledore behaupten und vermutlich lag er wie immer richtig.

Wann gehst du zu dem nächsten Treffen?" wechselte der Schulleiter das Thema und klang dabei ziemlich ungeduldig. Snape schob den Ärmel seiner Robe zurück und betrachtet das leuchtende Mal auf seinem Arm. Hermione konnte fast am eigenen Leib spüren, wie es brannte und noch etwas fiel ihr auf, seinen Bewegungen fehlte, der ihm sonst so eigene Schwung und Elan.

Bald. Ich denke er wird uns bald zu sich rufen. Seit er zurück ist und einen Körper besitzt schmerzt es beständig." Erwiderte Snape ruhig, zog den Ärmel wieder herunter und ging weiter. Dumbledore schritt neben ihm her.

Ich möchte, dass du alles tust damit du in seiner Gunst bleibst. Ich muss wissen was er vorhat um den nächsten Schritt zu planen und Harry zu schützen." Snape nickte mit dem Kopf, sagte dazu aber nichts.

Hermione sah die Abscheu, den Kummer und das ganze Elend in seinem Gesicht. Ihm graute davor zu Voldemort gehen zu müssen. Er hatte sich mit seiner Rolle in dieser Tragödie schon lange abgefunden. Er akzeptierte den Platz, dem ihm das Leben zugewiesen hat. Sie erreichten das Ende des Ganges und vor ihnen tauchten die ersten Kinder auf.

Es war scheinbar Pause oder Unterrichtsende. Dumbledores Miene änderte sich auf der Stelle. Er wirkte freundlich und gelöst, während Snapes Gesichtszüge bitter blieben. Sie sah wie sich drei Kinder aus der Masse schälten. Sie sah sich selbst Harry und Ron wie sie auf den Schulleiter zugingen und dabei Snape ignorierten. So wie sie aussah musste es kurz nachdem Trimagischen Turnier gewesen sein.

Verächtlich betrachtete er sie und trennte sich dann von Dumbledore. Sie hätte noch gerne gesehen was sie getan hatten, aber es waren Snapes Erinnerungen und so folgte sie ihm hinab in die dunklen Gänge des Kerkers. Kaum hatte er hinter sich die Tür geschlossen, ließ er sich schwer auf seine Couch fallen. Schmerzhaft verzog sich sein Gesicht.

Umständlich schälte er sich aus seiner Robe und seinem Hemd, darunter kam ein großer hässlicher Bluterguss der sich fast über seine ganze linke Seite erstreckte zum Vorschein. Er erhob sich und suchte aus seinem Medizinschrank eine Salbe heraus. Schweißperlen hatten sich auf seiner Stirn gebildet. Mühsam rieb er damit die Stelle ein und endlich ließen die Schmerzen nach. Er zog sich wieder an und mit dem letzten Knopf an seiner Robe den er schloss, verschloss sich auch wieder seine Miene.

Er verließ seine Räume und betrat sein Klassenzimmer. Aufgeregt warteten die Kinder bereits auf ihn. Er rauschte bis zum Lehrerpult nach vorne wie immer und begann, in gewohnter Weise, zu unterrichten.