Vielen Dank für die Reviews, Marylein, Mortianna´s Morgana, TyrionTabaluga und Schanin!
Marylein du hast Recht, Severus verdient Antworten und noch mehr.
Mortianna´s Morgana tja ich glaube keiner von uns könnte da widerstehen.
TyrionTabaluga für Severus war es nur eine Frage der Zeit bis er seinen Kopf ins Denkarium steckte. Noch dazu wo es so verlockend vor ihm steht. ;-)
Schanin er bekommt zum Glück alles nur Häppchenweise serviert und allzu schlimm ist es für ihn noch nicht. Er kann sich mit dem was er hört noch nicht wirklich identifizieren. Für ihn ist das noch mehr so als wäre das jemand anderem passiert.
Liebe Grüße Gaby
21 Gespräch mit Minerva
„Wie konnten Sie nur?" Vorwurfsvoll und traurig zugleich sah sie ihn an. Unter ihrem Blick fühlte er sich klein und schuldig. Er hatte es ihr versprochen. Ihm lagen tausend Dinge auf der Zunge und einmal mehr verspürte er unglaubliche Wut darüber, das nichts davon seine Lippen verlassen würde. Er kramte seine Tafel hervor und begann zu schreiben. Es ist meine Welt nicht wahr?
Las sie. Es klang wie eine Frage und Feststellung zugleich. Langsam nickte sie mit dem Kopf. Sie konnte nicht lügen. Fragend ruhten seine Augen auf ihr. Diese Erinnerung, oder was auch immer es war, ließ ihn bereits erahnen, dass seine Welt keine wirklich schöne war. Auch dieses permanente Schweigen darüber, das diese drei Frauen an den Tag legten, dieses ihm ausweichen, machte ihm klar, das seine Welt eine grausame war. Kein schöner Ort. Resigniert senkten sich ihre Schultern. Sie würde ihm einen weiteren Teil aus seinem Leben erzählen müssen, obwohl es dafür noch viel zu früh war. Sie deutete stumm auf die Couch. Er nahm Platz und wartete. Sie setzte sich ihm gegenüber auf einen der Stühle.
„Ich sollte Sie vermutlich fragen was sie gesehen haben, aber das können Sie mir später erzählen." Seine Miene wurde bei ihren Worten abwehrend. „Wenn sie möchten." Fügte sie hinzu. Er wurde von Tag zu Tag schwieriger. Er entspannte sich sichtlich und wartete ab was sie ihm noch zu sagen hatte.
„All die Phiolen die Sie hinter mir auf dem Board stehen sehen, enthalten Erinnerungen aus ihrem Leben, aber…" Gierig war sein Blick über ihre Schultern gehuscht. Zum Greifen nahe war seine Welt plötzlich geworden. Ihren Einwand wollte er gar nicht hören. Er musste sich mit aller Gewalt dazu zwingen sitzen zu bleiben. Zu sehr juckte es ihn einfach hinzueilen und sich alles anzusehen. Einfach alles.
„Aber…" sagte sie noch einmal lauter und so sah er sie wieder an. „Sie sind ein sehr gefährlicher Mann. Ihr Leben steckt voller Gefahren, Schmerz und schrecklichen Bildern. Sie waren gezwungen Dinge zu tun, die Sie vielleicht nicht tun wollten und auch ihnen ist Schreckliches widerfahren." Begann sie vorsichtig. Er dachte über ihre Worte nach. Wollte sie ihm Angst machen, weil er sich ihr widersetzt hat? Nein, das ergab keinen Sinn. Dagegen ihre widersprüchlichen Reaktion plötzlich schon. Ihre Angst vor ihm. Sie hatte ihn angesehen als wäre er ein Monster.
Wer bin ich? Schrieb er auf die kleine Tafel. Diese Frage quälte ihn schon, seitdem er zum ersten Mal seine Augen aufschlug. Er war ohne Wurzeln. Er war niemand. Hermione senkte den Kopf. Er war so vieles und noch tausend mehr, aber sie kannte nur eine kleine Seite seines Ichs.
„Sie sollten sich diese Phiolen ohne mich nicht ansehen. Es könnte…" sie sprach so leise, dass er sich konzentrieren musste um sie verstehen zu können. „Es könnte ihnen Schaden, da Sie, genauso wenig wie ich, aber ich doch noch mehr, die Hintergründe kennen, die dazu geführt haben."
Er starrte sie an, er verstand kein Wort, von dem was sie ihm sagen wollte. Es klang so widersprüchlich. Hermione holte tief Luft.
„Ich werde Ihnen erzählen was ich über sie weiß. Von Anfang an. Aber bitte bedenken Sie, es ist meine Sichtweise auf Sie und auf die Dinge rund um Sie." Verstehend nickte er mit dem Kopf und wartete gespannt.
„Sie wurden in Spinners End geboren, das wissen Sie bereits, aber ihre Kindheit war keine schöne. Ihr Vater war sehr streng und ich habe so den Verdacht, dass er die Magie und alles was damit zusammenhing nicht sehr mochte. Sie haben sich sehr darauf gefreut nach Hogwarts zu kommen. Aber auch hier war es nicht leicht für sie. Sie kamen ins Haus der Slytherin und so war eine gewisse Rivalität zu den anderen Häusern vorprogrammiert, nur in ihrem Fall ging es weiter. Mit James Potter, Remus Lupin, Sirius Black und Peter Pettigrew waren Sie von Anfang an, denke ich, spinnefeind. Das ging soweit, dass beinahe einer von Ihnen starb. Und da war noch Lily Potter, Harrys Mutter. Mit ihr verband sie eine tiefe Freundschaft. Ich…Sie haben sie sehr gemocht."
Stirnrunzelnd hörte er ihr zu. Was meinte sie mit sehr gemocht?
„Noch während der Schulzeit wurden sie ein Anhänger von Lord Voldemort. Sie wurden ein Todesser. Sie haben auf ihrem Arm das Mal…" Hermione deutete auf seinen linken Arm. Ihm war das blasse Gebilde schon aufgefallen und dachte bei sich es handle sich schlicht um eine Tätowierung, eine Jugendsünde, denn das Motiv gefiel ihm gar nicht. Eine Schlange die sich durch einen Totenkopf wand.
„Durch dieses Zeichen rief Voldemort seine Anhänger zu sich. Sie haben einmal erwähnt, dass es Schmerzen verursacht. Es würde zu Voldemort passen." Severus betrachtete das Gebilde auf seinem Arm einige Minuten lang, sah es nun mit ganz anderen Augen. Das hatte ihm sein zukünftiger Fastmörder eingebrannt um ihn als sein Eigentum zu kennzeichnen.
„Nach der Schule schlossen Sie sich Voldemort und dessen Anhängern ganz an. Was Sie in diesen Jahren erlebt haben, kann ich ihnen nicht sagen. Dann kam ein schicksalhaftes Ereignis, oder so…ich denke zumindest, dass irgendetwas Einschneidendes passiert sein musste, denn sie wandten sich gegen ihn – gegen Voldemort. Sie gaben Dumbledore ihr Wort, ein Versprechen, etwas was sie von nun an an den Schulleiter von Hogwarts band. Sie wollten Harry und dessen Eltern retten, aber jede Hilfe kam zu spät. James und Lily Potter starben durch die Hand Voldemorts. Einzig Harry überlebte. In jener Nacht verlor Voldemort all seine Macht."
Hermione strich sich über ihre Arme. Ihre eigenen Erinnerungen wurden in ihr wieder lebendig und rollten sich gleich einer Schlange in ihren Eingeweiden aus. Dumbledores Tod, seine Beerdigung, der Krieg.
„Irgendwie ahnte Dumbledore das Tom Riddle alias Voldemort noch nicht endgültig besiegt war. Er verpflichtete Sie als Lehrer für Zaubertränke hier und Sie wurden auch der Hauslehrer für Slytherin. Elf Jahre später war es dann soweit. Harry, der bei der Schwester seiner Mutter und deren Mann aufgewachsen war, keine sehr schöne Kindheit, kam nach Hogwarts. Sie konnten ihn von Anfang an nicht leiden. Er sieht seinem Vater sehr ähnlich. In diesem Jahr versuchte Voldemort ins Leben zurückzukehren und seine Macht wiederherzustellen, aber Harry, Ron und mir gelang es das zu vereiteln. Unbemerkt halfen Sie uns dabei. Es gelang uns seinen Plan zu durchkreuzen, aber wir hatten ihn noch nicht besiegt."
Hermione hatte sich erhoben und lief unruhig durchs Zimmer.
„Jedes Jahr wurde es schlimmer und Voldemort stärker, bis er es schließlich schaffte, neben einer menschenähnlichen Gestalt, auch seine Macht zurück zu bekommen. Voldemort war wieder da und gefährlicher denn je." Gebannt hing Severus an ihren Lippen. So sah seine Welt aus?
„Dann in meinem sechsten Schuljahr überschlugen sich die Ereignisse und…" nervös strich sie sich über die Lippen. Wie sollte sie ihm das jetzt schonend sagen? Gab es dafür überhaupt einen schonenden Weg.
„Sie haben Dumbledore getötet." Jetzt war es heraus. Abwartend betrachtete sie ihn. Er wirkte eine Spur blasser, aber in seinem Gesicht war nicht zu erkennen was er dachte.
„Sie taten es auf seinen Wunsch hin. Scheinbar war Dumbledore unheilbar krank und so beschloss er sich für ein größeres Ziel zu Opfern." Angespannt sah er sie an. Er hatte jemanden getötet, weil dieser das so wollte und weil er sich sicher war das er das konnte. Das warf kein schönes Licht auf ihn.
„Ich kenne kaum jemanden der soviel ertragen kann wie Sie. Das darauf folgende Jahr muss eines der schlimmsten in ihrem ganzen Leben gewesen sein. Sie wurden von allen gehasst und verachtet für etwas, was Sie nicht getan haben. Aber Sie haben durchgehalten, haben bis zum Schluss an Dumbledore geglaubt und das beinahe mit dem Leben bezahlt." In aller kürze hatte sie ihm die wesentlichen Dinge erzählt. Doch da gab es noch soviel mehr.
Mein Leben war nicht gerade das Highlight. Stand auf seiner Tafel zu lesen, er hatte Sinn für Humor. Den würde er auch brauchen, je tiefer er in seine Welt eintauchte. Sie wünschte sie könnte es ihm ersparen, aber sie konnte sein Verlangen auf der Suche nach sich selbst gut verstehen und so konnte sie ihm lediglich beistehen und ihm so gut es ging mit ihrem Wissen über die Vergangenheit helfen.
*
„Ich habe Sie hier zusammen gerufen, da Sie alle noch ihr letztes Jahr nachholen müssen." Minerva blickte ernst in die Runde. Viele waren hier, aber dennoch waren es zu wenige. Es fehlte so manch vertrautes Gesicht.
„Durch die vergangenen Ereignisse hielt ich es für notwendig Ihnen noch etwas Zeit zu lassen um sich zu fangen." Ihre Augen ruhten einen Augenblick lang auf Harry. Er hatte alles gegeben um diese Welt zu retten, sogar sein Leben. Das er hier unter den anderen stand war ein Wunder. Tief holte Minerva Luft. Die Vergangenheit drohte sie zu überrollen. Soviel war passiert. Sie vermisste noch immer Dumbledore. Sie hätte seinen Rat dringend brauchen können, vor allem wenn sie an den Kerker dachte.
„Es ist ihr Abschlussjahr. Eigentlich hätte es das schon letztes Jahr sein sollen, aber…" kurz brach sie ab. Sie brauchte nicht mehr zu sagen. Alle die hier standen waren an dem Krieg, ob freiwillig oder auch nicht beteiligt gewesen. Hermione stand an der Seite ihrer Freunde und sah finster zu ihr hoch. Sie bekam schon so einen gewissen Blick der Minerva an ganz jemand anderen erinnerte. Das Mädchen verbrachte eindeutig zuviel Zeit im Kerker.
Plötzlich keimte ein Verdacht in ihr hoch. Kannte sie die Wahrheit? Misstrauisch musterte sie Hermione. War es möglich, dass sie ihm begegnet war? Später. Später würde sie sich damit befassen, doch zuerst musste sie mit den Schülern alles Weitere besprechen.
„Ein jeder von ihnen wird sich zu einem persönlichen Gespräch mit seinem Hauslehrer einfinden. Für Slytherin ist das vorerst Professor Slughorn, da…" Sie konnte die Lüge nicht laut aussprechen und bis auf eine wusste es niemand. Alle anderen dachten bestimmt es fiel ihr einfach schwer Snapes Tod zu erwähnen. Wie sich herausgestellt hatte war er nicht der gemeine Verräter wie sie alle dachten, sondern ein sehr mutiger und tapferer Mann gewesen. Schade, das auch er sterben musste. Eine leicht drückende Stimmung legte sich über alle.
Der Krieg warf noch immer seine Schatten über sie. Jeder in diesem Raum hatte entweder einen Verwandten oder einen Freund verloren. Niemand verschonte diese Bestie, die sich Krieg nannte.
„Ich weiß für viele von Ihnen ist es nicht leicht, aber versuchen Sie das Beste daraus zu machen." Sagte sie noch abschließend und winkte Hermione zu sich.
„Ich würde mich gerne in meinem Büro mit dir unterhalten." Sagte sie ernst zu ihr. Hermione nickte nur und folgte ihr. Neugierig sahen ihr Harry und Ron hinterher, dann zuckten beide ihre Schultern. Voldemort war tot, was konnte schon los sein?
*
„Wie lange weißt du es schon?" Kaum hatte sie gegenüber von Minerva Platz genommen, stellte sie ihr bereits diese Frage. Erstaunt blickte Hermione sie an, war sich nicht ganz sicher was sie meinte, aber sie ahnte es.
„Was meinst du?" Abwartende betrachteten sie einander. Versuchten so herauszufinden wie viel der andere wusste.
„Ich bin in den letzten Tagen nicht in den Kerker gekommen, aber Poppy berichtete mir, dass er keine Fragen mehr stellte, also konnte das nur eins bedeuten…" Sie machte eine künstliche Pause und versuchte so Hermione aus der Reserve zu locken, doch diese hielt stur den Blick von Minerva stand und sagte kein Wort.
„Er bekommt seine Antworten an einer anderen Stelle. Ist es nicht so?" Angespannt stieß Hermione die unbewusst angehaltene Luft aus.
„Wann wolltet ihr mir die Wahrheit sagen? Wenn er sein Gedächtnis zurückbekommen hat? Seine Stimme? Beides? Oder dachtet ihr die dumme Hermione bekommt das sowieso nicht mit?" Die ganze aufgestaute Wut brach aus ihr hervor. Zornig verschränkte sie abweisend die Arme vor der Brust und wich Minervas Blick aus. Sie war so wütend und so enttäuscht.
„Es tut mir leid. Wir wollten dich nicht…" Versuchte Minerva zu erklären, doch weiter kam sie nicht, Hermione fiel ihr bereits ins Wort.
„Ich hätte Hilfe brauchen können. Seine Erinnerungen…" Mühsam schluckte sie den Kloß in ihrer Kehle hinunter.
„Er weiß nichts von sich. Nichts davon was er getan hat. Rein gar nichts und ständig stellt er mir neue Fragen. Sein Wissensdurst ist grenzenlos." Brach es aus ihr heraus. Sie fühlte sich mit allem so alleine gelassen. Die einzige Hilfe die sie bisher bekam, kam von seinem Hologramm. Minerva sprang von ihrem Stuhl auf und kam zu ihr herüber. Sie fasste nach ihren Händen.
„Ich habe das nicht gewusst. Ich dachte mir es wäre für dich vorerst besser nicht zu wissen, dass er noch lebt." Hermione verspannte sich und versuchte Minerva ihre Hände zu entziehen, doch diese hielt sie fest.
„Aber ich lag falsch. Ich habe mich geirrt und es tut mir leid." Sagte sie fest und sah Hermione solange dabei in die Augen bis diese ihr zu glauben begann.
„Von nun an werde ich für dich da sein und dir helfen wo ich kann. Und natürlich auch ihm." Sie ließ Hermione los und richtete sich auf.
„Sag den anderen bitte nichts davon das Severus noch lebt. Er würde nicht wollen das ihn jemand so sieht." Schloss sie noch leise und kehrte zu ihrem Stuhl zurück. Hermione nickte zustimmend mit ihrem Kopf. Sie hoffte, das Wissen für sich behalten zu können, was sicher nicht leicht war. Harry und Ron waren sehr neugierig und wie sollte sie ihnen ihr ständiges Verschwinden erklären? Wie sollte sie erklären was sie ständig in den Kerker trieb? Außerdem wie lange würde Severus Snape noch mitspielen? Er konnte nicht ewig dort unten eingesperrt bleiben.
