Vielen Dank für die Reviews, Mortianna´s Morgana, Schanin, Marylein und Lena5972!
Mortianna´s Morgana gib mir Zeit mit der Stimme - mal sehen! ;-)
Schanin es war gut, dass sich Minerva und Hermione einmal ausgesprochen haben.
Marylein tja das ist eine gute Frage, noch dazu wo sich Severus vermutlich auf dauer schlecht einsperren lässt. ;-)
Lena5972 auch Hermione braucht jemanden mit dem sie reden kann und so ist es gut, dass sie mit Minerva gesprochen hat.
Liebe Grüße Gaby
22 Veränderungen
„Wir sehen einem fantastischen Jahr entgegen!" rief Harry aus, als Hermione den Gemeinschaftsraum betrat. „Voldemort schmort endlich in seiner wohlverdienten Hölle und kein Horkrux der Welt kann ihn mehr zum Leben erwecken." Er klang befreit. Wie sehr muss ihn das all die Jahre belastet haben. Harry hatte eine große Bürde zu tragen gehabt. Mehr als sie alle. Voldemort hatte ihm sein Zeichen eingebrannt und nicht nur das, auch ein Stück seiner schwarzen Seele ging auf ihn über. 17 Jahre lebte er damit und mit dem Wissen das der Mörder seiner Eltern immer noch am Leben war, mehr oder minder, und ihm immer noch nach dem seinigen trachtete. Er gab sich fröhlich doch sie wusste, dass es in seinem Herzen anders aussah. Zuviel, man hatte ihm zuviel abverlangt. Aber wem nicht?
Unauffällig sah sie auf Ron. Auch er war verändert. Wo war der unbekümmerte Junge, der er einst war? Um seinen Mund lag ständig ein leichter Zug von Bitterkeit. Er hatte seinen Bruder in diesem schrecklichen Krieg verloren.
„Hermione! Komm und setz dich zu uns." rief Harry sie, nachdem er sie entdeckt hatte, zu sich. Sie setzte ein Lächeln auf und kam auf die Beiden zu.
„Was wollte Minerva von dir?" verlangte er auch schon neugierig zu wissen kaum das sie Platz genommen hatte. Hermione zuckte gleichmütig mit den Schultern.
„Sie wollte mit mir nur über die Aufgaben eines Vertrauensschülers sprechen. Sie meinte, jetzt da der Krieg vorbei ist, kann es sein das der ein oder andere ihren Rat braucht und ich sollte darauf achten." log sie ihn an.
Den Blick hatte sie dabei fest auf den Boden geheftet. Lügen fiel ihr einfach schwer und ganz besonders wenn sie einen ihrer besten Freunde belügen musste. Harry runzelte über ihr Verhalten die Stirn. Irgendetwas kam ihm komisch vor, doch bevor er den Gedanken weiter verfolgen konnte wurde er bereits von hinten stürmisch umarmt.
„Da bist du endlich!" Freudestrahlend hatte sich Ginny, Rons Schwester, an ihn geschmiegt. Auch das hatte sich geändert. Solange Voldemort lebte, traute sich Harry nicht seine Gefühle für Ginny zuzulassen, doch jetzt da dieser nicht mehr war, konnten sie ohne Furcht zusammen sein. Er drehte sich um und küsste sie schnell auf den Mund.
„Hallo" hauchte er sanft an ihren Lippen. Zärtlich nahm er sie in die Arme und schwor sich sie nie wieder los zu lassen. Ein energisches Räuspern von hinten ließ ihn etwas erschrocken zurück weichen.
Ron musterte ihn finster. Harry sah ihn an, zuckte mit den Schultern und grinste von einem Ohr zu anderen. Ron seufzte einmal kurz theatralisch auf und fügte sich scheinbar in das Unvermeidliche. Dieses Spiel spielten die beiden immer wieder aufs Neue. Ron tat so als würde ihm das gar nicht passen, dass Harry mit seiner kleinen Schwester zusammen war, aber im Grunde seines Herzens war er froh darüber.
Es brachte sie alle näher zueinander. Ginny und Harry setzten sich neben Ron auf die Couch. Hermione nahm gegenüber auf einen der bequemen Stühle Platz. Unwillkürlich spiegelte diese Sitzordnung ihre Situation wieder. Sie war unter Freunden und dennoch alleine. Sie trug eine Bürde in sich und konnte sie mit niemanden, außer mit einem Hologramm teilen. Unruhig klopfte sie mit den Fingern auf die weiche Lehne, dann als hielte sie es nicht länger aus still zu sitzen, sprang sie auf. Alle drei blickten sie fragend an.
„Ich möchte noch hinunter zum See. Luft schnappen." Erklärte sie ausweichend und rannte, mehr als das sie ging, los.
Einen Augenblick lang blickten sie ihr besorgt hinterher. Ginny und Ron widmeten sich als bald schon wieder anderen Dingen, sie schoben Hermiones merkwürdiges Verhalten auf den Krieg. Einzig Harrys Blick ruhte noch länger auf der Tür durch die sie verschwunden war. Ein Gefühl sagte ihm, dass da etwas nicht stimmte. Hermione verbarg etwas vor ihnen. Nur was? Er würde es herausfinden, das nahm er sich fest vor.
*
Hochkonzentriert mühte er sich mit dem Zauberstab ab. Hermione hatte ihm den ersten Schritt gezeigt und gesagt er wäre sehr begabt. Früher zumindest. Gerade jetzt fühlte er sich nicht so. Eine Vase lag in Scherben am Boden, ein Bild hing schief im Rahmen und Federn aus seinem Polster flogen im Zimmer umher. Es sah aus als hätte in seinem Schlafzimmer eine Schlacht statt gefunden. Frustriert betrachtete er seinen Zauberstab. Er wollte doch nur ein verdammtes Buch zum Schweben bringen. Wie schwierig konnte so etwas sein? Nicht sehr.
Ärgerlich warf er den Stab auf sein Bett und versuchte stattdessen etwas anderes. Dicht stellte er sich vor den kleinen Spiegel und sah hinein. Langsam öffnete er den Mund und konzentrierte sich. Er wusste wie man sprach. Einfach den Mund aufmachen und los. Doch von seinen Lippen drang kein Laut, nicht einmal ein kleiner Pieps. Er musste sich stark beherrschen um nicht den Spiegel zu schnappen und ihn einfach gegen die Wand zu werfen.
Alles was er hier machte sollte verhindern das er doch noch sein Wort, das er Hermione leichtfertigerweise gegeben hatte, brach. Er brauchte sie, das war das einzige was ihn zurück hielt. Es juckte ihn in den Fingern einfach hinüber zu gehen und zu sehen was er sich selbst von seiner Welt hinterlassen hatte, aber er hielt sich zurück. Mit jedem Tag der kam fühlte er sich mehr und mehr wie ein Gefangener. Er war in seinem Körper gefangen. Dieser Voldemort hatte ihm viel genommen, soviel ahnte er. Seine Welt war in Dunkelheit getaucht und in Schweigen gehüllt.
Ihm war manchmal zum Schreien zu Mute, aber nicht einmal das konnte er. Er konnte seiner Wut, seinem Frust mit nichts Luft machen. Nun packte er den Spiegel doch und schleuderte ihn mit aller Wucht gegen die Wand. Das Bersten des Glases war Musik in seinen Ohren. Zugleich schämte er sich, weil er sich nicht besser unter Kontrolle hatte. Unbewusst wusste er das passte nicht zu ihm. Er schnappte sich eines der Bücher.
Das mit den Zaubersprüchen um genau zu sein und begann hektisch zu suchen. Niemand sollte etwas von seinem Wutausbruch erfahren und das ging nur wenn er den Spiegel wieder in Ordnung brachte.
*
Still saß sie auf einer der Bänke rund um den See. Außer ihr war niemand hier. Alle waren drinnen. Tauschten sich aus. Frischten Erinnerungen und Freundschaften auf und blieben zusammen. Niemand wollte im Schloss alleine sein. Zu stark war in jedem einzelnen noch die Erinnerung an den Krieg. An all die Schrecken die mit ihm einhergingen. An Voldemort. Sie konnte das verstehen, sie fühlte ähnlich und doch anders. Sie hatte ein Geheimnis und durfte es mit niemandem teilen. Sie dachte an ihn. Was er wohl gerade tat?
Ach könnte sie ihn nur dazu bringen seine Erinnerungen aufzugeben, neu zu beginnen. Alles hinter sich zu lassen. Es war nicht schade um seine Welt. Er war so anders ohne seine Vergangenheit. Sie hatte ihn bitter gemacht. Sie hatte ihm seine Menschlichkeit geraubt und er wusste es nicht einmal. So wie er jetzt war, war er so freundlich, wenn auch schwierig, aber wenn er wieder zu dem wurde was er früher war, dann war er unausstehlich. Ein sich selbst und alle anderen verachtender Mensch. Er war wie Harry. Er hat soviel gegeben, zu viel. Sie dachte an Minervas Worte und war zum ersten Mal nicht mit ihr einer Meinung.
Es mochte Severus Snape vielleicht im ersten Moment stören, das man ihn so sah, aber alles war besser als ihn so von allem abzuschotten und wegzusperren. Er musste unter Menschen. Da nicht abzusehen war ob sein Zustand für immer war oder nicht, war es besser man fing damit an ihm neue Erinnerungen zu geben. Wenn er jetzt auf Menschen traf die er auf Grund ihrer Vergangenheit nicht ausstehen konnte, dann war es möglich dass er sie, ohne dieses Wissen durchaus leiden konnte. Sie dachte an Harry und seiner Feindschaft zu Snape. Wie würden die beiden miteinander umgehen, wenn sie einander trafen? Es wäre interessant das festzustellen.
Snape hasste Harry wegen seinem Vater und auch vielleicht ein kleines bisschen, weil er einst in Lily verliebt war, aber das wusste er alles nicht mehr. Er hätte jetzt die Chance allen Menschen völlig unvoreingenommen zu begegnen und sie so kennenzulernen wie sie wirklich waren und nicht so wie er sie, aufgrund seiner Erinnerungen, sah. Nachdenklich vergrub sie ihre Hände in den Taschen ihrer Jacke.
Sie würde mit dem Hologramm über diese Idee sprechen. Sie hielt es für wichtig ihn wieder in sein altes Leben zurück zu lassen. Er brauchte den sprichwörtlichen Boden unter den Füßen, um sich in seiner noch so neuen Welt zurecht zu finden. Um darin vielleicht sogar glücklich zu werden. Doch in der Abgeschiedenheit seines Zimmers würde ihm das nie gelingen.
Sie erhob sich und machte ein paar Schritte nach vorne auf den See zu. Leichte Nebelschwaden stiegen aus diesem auf und das leise Plätschern in der Ferne sagte ihr, dass sie nicht alleine war. Die Geschöpfe des Sees waren erwacht und spielten frei und unbekümmert im Wasser.
*
Es war ihm tatsächlich gelungen das Zimmer wieder in Ordnung zu bringen, mehr oder minder. Der Spiegel war immer noch kaputt, die Scherben hatte er unter die Kommode geschoben, aber das Bild hing wieder gerade im Rahmen und die Federn hatte er soweit er sie entdeckt hatte alle aufgeklaubt und unter das Kissen geschoben.
Teilnahmslos starrte er über sie hinweg als sie das Zimmer betrat. Er wollte sich nicht mit ihr unterhalten. Irgendwie war er wütend auf sie ohne sagen zu können warum. Er war es ganz einfach. Sie stellte ihm wie immer sein Essen hin. Was er nicht wusste, sie kam heute zum letzten Mal damit. Ab morgen würden diese Aufgabe die Hauselfen übernehmen. Er brauchte keine medizinische Versorgung mehr und auch so war er wieder, bis auf seine Stimme, vollkommen hergestellt. Alles andere kam mit der Zeit, oder auch nicht. Sie konnte es nicht sagen.
„Sie sollten essen solange es noch warm ist." Schlug sie sanft vor. Das einzige das sie dafür erntete war ein feindseliger Blick von ihm. Seufzend ließ sie sich in den Stuhl neben dem Bett fallen.
„Egal was ich getan habe um ihre Wut zu verdienen – es tut mir leid."
Tief sog er die Luft durch die Nase ein. Sie verstand es einfach nicht und ihm war es zu mühselig ihr das aufzuschreiben was ihn so erzürnte. Sie mochte ihm mit ihrer unermüdlichen Pflege vielleicht das Leben gerettet haben, aber gleichzeitig enthielt sie ihm genau dieses vor. Er konnte seine Wut kaum in Worte fassen und wenn sie es so nicht verstand, wie verdammt noch mal sollte er es ihr erklären? Er wollte hier raus, die Welt – seine Welt entdecken. Er hasste seinen Zustand abgrundtief. Er wollte dem allem einfach nur entfliehen. Er wandte den Blick von ihr ab und dachte an Hermione.
Komischerweise beruhigte ihn das. Auch wenn sie sich merkwürdig Benahm, so war sie doch ehrlich zu ihm, soweit sie konnte. Poppy erhob sich, es hatte keinen Sinn in ihn dringen zu wollen, er würde es nicht zulassen.
„Ab morgen werde ich weniger zu Ihnen kommen, außer Sie brauchen mich." Sagte sie leise und wartete auf eine Reaktion. Das müsste ihn doch erschüttern, aber er blieb starr sitzen und beachtete sie nicht weiter. Es war ihm egal. Von ihr konnte er keine brauchbaren Informationen erwarten und er traute ihr auch nicht. Sie hatte ihn belogen und kaum eine seiner Fragen zu seiner Zufriedenheit beantwortet. Er musste sich das meiste aus ihrem Kopf stehlen und diese Quelle hatte sie ihm nun auch verschlossen, also war sie für ihn wertlos.
„Minerva kommt später noch vorbei. Vielleicht kann sie Sie zur Vernunft bringen." Stieß sie noch bitter hervor. Sie liebte den Jungen in ihm, aber der Mann der aus ihm geworden war, den hatte sie nie zu verstehen gelernt und es schien, dass dieser wieder zum Vorschein kam.
*
Mit klopfendem Herzen trat sie in sein Büro. Er war bereits da. Erwartete sie, doch diesmal war etwas anders. In seinem Blick lag neben seinem Zorn auch eine Entschlossenheit die zuvor nicht da gewesen war. Sie schloss die Tür hinter sich und wartete. Auch sie war am See zu einer Entscheidung gekommen und wollte sie ihm mitteilen, doch was immer er hatte, er sollte zuerst beginnen.
Er rieb sich mit der Hand über sein Kinn, nicht sicher ob sie die richtige dafür war, aber er würde es riskieren. Lange sahen sie sich einfach an, keiner konnte sich durchringen den ersten Schritt zu tun. Severus aus Berechnung, ohne das er es erst lernen musste wusste er das er seinen Gegenüber damit mürbe machte und ihn dazu verleitete etwas zu tun was dieser vielleicht nicht wollte. Hermione die immer nervöser unter seinem Blick wurde stieß sich von der Tür ab und machte ein paar kleine Schritte in den Raum.
„Ich habe nachgedacht…" begann sie. Sein Blick ruhte erwartungsvoll auf ihr und schien er ihr mit den Augen zu sagen. Wartete darauf, dass sie fortfuhr.
War es richtig oder war es falsch, was sie vorhatte? Sie würde es riskieren.
