Vielen Dank für die Reviews, Marylein und Lena5972!
Marylein du hast wie immer Recht. ;-)
Lena5972 ich auch. Hast du dir es in etwa so vorgestellt?
Liebe Grüße Gaby
23 Atemlos
„Das Schloss ist voller Menschen. Die Schule hat wieder begonnen. Ich würde Sie gerne einigen davon vorstellen. Würde Sie gerne mit ihrer Umgebung vertraut machen." schlug sie ihm vor. Innerlich jubelte er, das war genau das was er wollte. Seinen Horizont erweitern und vielleicht so noch viel mehr über sich, über die Menschen hier und auch das Schloss zu erfahren. Und über den Menschen dessen Leben er genommen hatte – Albus Dumbledore.
Hermione wollte eigentlich zuerst mit dem Hologramm darüber reden, doch sobald sie ihn sah war ihre Entscheidung endgültig gefallen. Er hatte ein Recht zu leben. Richtig zu leben. Seine schwarzen Augen funkelten sie glücklich und zugleich voller Erwartung an, ein Ausdruck den sie an ihm noch nie gesehen hatte. Eigentlich kannte sie von früher her nur einen Ausdruck an ihm – zornig und mürrisch gemischt mit seinem unübersehbarem Hang zur Ungeduld. Zorn und Ungeduld besaß er immer noch auch wenn es weniger oft zum Vorschein kam und in seiner Situation einfach verständlich war. Und dennoch war es anders, nicht so wie früher.
„Ich nehme mal an Sie sind damit einverstanden?" fragte sie ihn nur um ganz sicher zu sein und erntete ein heftiges Kopfnicken von ihm was sie zum Schmunzeln brachte.
Sie lächelt so selten. Dachte er plötzlich. Er wusste, dass sie schlimme Erinnerungen quälten.
Der Krieg. Er hatte einige Bilder in ihrem Kopf gesehen und er kannte den Namen des Schuldigen – Voldemort. Alles lief immer wieder auf ihn hinaus. Er schien einen starken Einfluss auf alles Leben rund um ihn gehabt zu haben. Er hatte versucht ihn zu töten und er wollte die Macht über die gesamte Welt erlangen. Er war von Grund auf Böse. Dem gehörte ein Ende gemacht. Irgendjemand musste sich darum kümmern, dass er endlich seinen Einfluss verlor. Selbst im Tod besaß er immer noch Macht. Unbemerkt verfinsterte sich seine Miene.
Fragend blickte Hermione ihn an. Sie hatte die Veränderung an ihm bemerkt, doch er schüttelte nur den Kopf. Später wollte er ihr vielleicht seine Gedanken anvertrauen, nicht jetzt. Jetzt wollte er die Welt dort draußen kennen lernen. Zielstrebig steuerte er auf Hermione und die Tür hinter ihr zu, doch diese hob die Hand und hielt ihn auf.
„Nicht so schnell. Vielleicht sollten wir vorher darüber reden was sie dort erwartet?" versuchte sie ihn aufzuhalten.
Sie konnte ihn doch nicht einfach ins Ungewisse rennen lassen. Wer weiß was das in ihm auslöste? Seine Erinnerungen. Vielleicht. Denk daran er hat das unglaubliche Privileg völlig unvoreingenommen seine Welt neu zu entdecken. So etwas Kostbares wird den Wenigsten von uns zuteil. Auch wenn er eines Tages seine Erinnerungen zurückkommen sollte, so würden ihn diese Erfahrungen für immer verändert haben. Er kann nie wieder in sein altes Leben zurück. Diese Gedanken bestätigten sie und bestärkten sie in ihrem tun.
„Ähm außer mir, Minerva und Poppy weiß niemand das Sie noch am Leben sind." Begann sie vorsichtig. Ungeduldig runzelte er die Stirn. Das wusste er bereits, aber was wollte sie ihm damit sagen? Mühsam schluckte sie.
„Ja nun, wenn Sie da rausgehen, könnte das für einiges Aufsehen sorgen. Immerhin denkt der Rest der Welt Sie sind tot." Nachdenklich machte er einen Schritt zurück und zückte seine Tafel.
„Was schlagen Sie vor?" schrieb er ruhig darauf. Egal was es war, auf keinen Fall würde er sich, wo die Freiheit zum greifen nahe war, auch nur einen Tag länger einsperren lassen. Er wollte raus. Ratlos zuckte sie mit den Schultern.
„Ich wollte Ihnen nur zu bedenken geben, dass es einiges an Aufsehen verursachen wird, wenn Sie da raus gehen." erwiderte sie schlicht und wies dabei mit der Hand auf die Tür.
Sollte er deswegen jetzt drauf verzichten, weil seine Existenz anderen einen Schock verursachte? Nun erwachte der Zorn wieder in ihm. Sie lockte ihn mit der Möglichkeit diese Räume zu verlassen und schlug ihm fast im gleichen Atemzug wieder die Tür vor der Nase zu! Sie sah das wütende Aufflackern in seinen Augen und auch die Entschlossenheit. Er wollte hier raus.
„Ich habe nicht vor Sie aufzuhalten, ich wollte Ihnen nur erklären womit Sie zu rechnen haben." meinte sie sanft. Sie war dabei dicht an ihn herangetreten und legte ihm, um ihn zu beschwichtigen, eine Hand auf den Arm. Eine Sekunde lang sah er ihr in die Augen und spürte wie seine Wut verrauchte, einfach verpuffte, so als hätte es sie nie gegeben, stattdessen fühlte er sich verwirrt und so wich er ein Stück von ihr zurück.
Hermione löste hastig ihre Hand von seinem Arm, auch sie spürte die Veränderung, konnte sie aber genauso wenig zuordnen wie Severus. Leicht räusperte sie sich.
„Lassen Sie uns gehen." schlug sie leise vor und drehte sich ohne eine Antwort abzuwarten zur Tür um. Sie riss sie auf und wich erschrocken ein Stück zurück, dabei knallte sie gegen Severus, der sie automatisch um die Schultern fasste um sie zu stützen. Draußen stand Minerva. Mit vor der Brust verschränkten Armen musterte sie die beiden finster und kühl.
„Und wo zur Hölle glaubt ihr geht ihr jetzt hin?"
*
Betreten blickte Hermione die Schulleiterin an. In Severus dagegen erwachte wieder der Zorn und so grub er ohne es zu wollen seine Finger fest in Hermiones Schultern. Endlich sollte er hier rauskommen und schon war ihm der Ausgang wieder versperrt. Er hasste das.
„Von dir bin ich besonders enttäuscht. Warum bist du nicht zu mir gekommen und hast mir gesagt was er vorhat?" sagte sie traurig zu Hermione und prompt bekam diese ein schlechtes Gewissen. Vielleicht handelte sie wirklich übereilt.
Was wusste sie schon? Scharf sog Severus hinter ihr die Luft ein, sie konnte förmlich seinen Zorn spüren. Selbst Minervas Augen weiteten sich überrascht bei seinem Anblick. Da war er wieder, der alte Severus Snape, wie er leibt und lebte. Energisch schob er sich an Hermione vorbei, fasste sie, die immer noch sprachlos dastand, an der Hand und zog sie, ohne Minerva weiter zu beachten mit sich. Schnell eilte Minerva hinter ihnen her.
„Bitte, Severus, das kannst du nicht machen." flehte sie. „Die Kinder…du erschreckst sie zu Tode, wenn sie dich so sehen." Ihre Worte ließen ihn langsamer werden und gaben ihm das Gefühl als wäre er ein Monster.
„Ich bitte dich nicht, es nicht zu tun, denn dieses Recht habe ich nicht. Ich bitte dich nur mir Zeit zu geben."
Severus hatte mit Hermione den Treppenansatz erreicht. Er bräuchte nur die Stufen hoch zulaufen und sein Geheimnis wäre nicht länger mehr ein Geheimnis. Er schloss die Augen und rang mit sich. Sie hat es ihm nicht verboten. Sie hat ihn darum gebeten. Einem Verbot konnte er sich leicht entziehen, aber einer Bitte…
Hermione brach fast das Herz, als sie sah wie seine Schultern herabsanken. Minerva hatte gewonnen. Ohne sie loszulassen kehrte er um, in sein Labor zurück und schloss die Tür.
*
Unangenehmes Schweigen senkte sich über beide. Hermione hatte Mitleid mit ihm. Kaum im Raum hatte er ihre Hand losgelassen und war weitergegangen. Er wandte ihr den Rücken zu. Sie hatte keine Ahnung was in ihm vorging. Fieberhaft dachte sie nach was sie sagen konnte um die Situation zu entspannen. Es gab nicht viele schöne Ereignisse in seiner Vergangenheit, jedenfalls nicht viele bei denen sie dabei war.
„Sie…Sie haben Remus immer seinen Trank gebraut. Darüber hatte er sich sehr gefreut. Es machte sein Leben erträglicher und das war Ihr verdienst." brachte sie stotternd über die Lippen und hätte sich dafür fast selbst schlagen können. Wie albern das Klang! Was musste er sich nur von ihr denken?
„Und einmal, sie haben versucht uns in der heulenden Hütte vor einem Mörder zu schützen."
Das war nicht die ganze Wahrheit. Eigentlich hatte er versucht Sirius Black umzubringen und somit auch zu beweisen, dass Remus Lupin ein Verräter war, dem Dumbledore irrtümlich vertraut hatte, aber so hörte es sich besser an und was konnte es schaden? Neugierig geworden drehte er sich um und sah sie an. Erst da wurde ihr bewusst wie sehr er sich danach gesehnt hatte etwas Gutes über sich zu hören. Bisher war alles aus seinem Leben mit einem gewissen Schrecken überlagert gewesen. Sie konnte ihm ansehen, dass er mehr hören wollte.
„Sie haben sich zum Schutz eines kostbaren magischen Gegenstandes ein fast unlösbares Rätsel ausgedacht. Sie sind sehr klug, darum vertraute Dumbledore Ihnen auch so sehr. Sie haben Harry bei einem Quidditchtunier das Leben gerettet."
Er war wieder näher gekommen und hörte ihr zu. Ein Schmunzeln legte sich über ihre Züge als sie daran dachte. Sie hatten ihn verdächtigt er wollte Harry was antun, dabei war er bemüht ihn zu retten. Sie erzählte ihm das und auch was sie dann gemacht hatte. Sie hatte ihn in Brand gesteckt. Sie hatte die Geschichte soweit verharmlost, dass es sich einfach wie ein simpler Schülerstreich anhörte. Er hatte gute Dinge getan? War nicht nur ein Monster gewesen, der seinen Mentor schließlich als Höhepunkt seines schrecklichen Lebens umgebracht hatte?
„Sie haben versucht mein Leben zu retten. Ein Bergtroll war in die Schule eingedrungen. Ich war ganz alleine mit ihm im Mädchenklo. Sie kamen mir zur Hilfe. Sie scheinen keine Angst zu kennen."
Auch wieder sparte sie hier den Teil aus, dass der Troll bereits k.o. gegangen war, bevor Severus auftauchte. Der Wille zählt, nicht nur die Tat. Dankbarkeit zeichnete sich in seinen Zügen ab, irgendwie ahnte er, dass sie ihm nicht alles erzählte. Sie war erstaunlich. Er war ihr bei ihren Erzählungen so nahe gekommen und stand nun dicht vor ihr. Er hatte nur noch Augen für sie. Es war als wäre er in einem Miniuniversum gefangen und sie spürte es auch, wie er unschwer in ihren Augen lesen konnte. Rund um sie existierte nichts mehr. Nur mehr sie beide waren wichtig.
*
Sie hatten sie stehen gelassen. Hermione wusste, dass sie die Räume ohne Erlaubnis oder das richtige Passwort nicht betreten konnte. Eigenlicht müsste sie wütend sein, aber sie fühlte sich nur schuldig. Sie hatte Severus Blick gesehen. Sie musste eine Lösung finden und zwar bald. Es ging ihm nicht gut. Zusehends entglitt ihr die Situation. Sie dachte es wäre das Beste für ihn in seinen Räumen zu bleiben bis…
Bis seine Erinnerungen zurückkehrten. Für sie gab es daran nie einen Zweifel, aber was wenn sie sich irrte? Seufzend machte sie sich auf den Weg nach oben. Sie musste sich überlegen wie sie die Kinder am Besten auf die Tatsache vorbereitete das Severus Snape noch am Leben war. Er wollte die Welt kennen lernen und er hatte ein Recht darauf. Sie durfte sich ihm dabei nicht in den Weg stellen, sondern sollte ihm so gut es ging dabei helfen. Sie erreichte das Ende der Treppe und tauchte in den Strudel vorbei huschender Kinder unter, die alle in den Speisesaal strömten. Heute fand noch kein Unterricht statt. Erst morgen sollte so Merlin will endlich wieder Alltag einkehren.
Hogwarts würde eine gewisse Normalität sicher gut tun. Ihnen allen würde das gut tun. Sie trat an den Lehrertisch und ließ den Blick schweifen. Sie kannte sie alle – die Kinder von Hogwarts und entdeckte auch jene die fehlten. Auch die anderen Lehrer waren bereits hier und nahmen zu beiden Seiten von ihr Platz. Poppy, Trelawney, Slughorn und Flitwick, sie alle hatten sich zum Essen eingefunden. Sie würde als erstes mit den Lehrkörpern darüber sprechen müssen und dann natürlich auch mit den Schülern.
*
Harry saß neben Ron. Auf der anderen Seite hatte Ginny Platz genommen. Fehlte nur noch Hermione. Suchend schaute er sich um, aber sie war nirgendwo zu entdecken. Was ihn natürlich in seinem Verdacht das sie irgendetwas vor ihnen verheimlichte.
„Hast du sie gesehen?" rief er Ron leise zu. Dieser sah ihn fragend an.
„Wen?" Er hatte keine Ahnung von wem er sprach.
„Hermione natürlich!" kam es von Harry ungeduldig.
Ron war viel zu glücklich wieder hier zu sein, als das er allzu viel über alles nachdachte. Harry konnte ihn verstehen. Er und seine Familie hatten eine schlimme Zeit hinter sich. Freds Tod hatte der Familie schwer zu schaffen gemacht. Vor allem George hatte sich stark verändert. Er machte keine Scherze mehr. Ron wirkte zuweilen, wenn er dachte es würde keiner sehen, tief niedergeschlagen. Von Ginny wusste er wie sehr ihr Fred fehlte. Es würde gewiss noch lange dauern bis diese Lücke die Fred hinterlassen hatte sich zu schließen begann.
*
Waren es Stunden oder nur Minuten? Irgendwie war die Zeit stehen geblieben. Sie blickte auf in seine schwarzen Augen und fühlte sich gefangen und frei zugleich. Seltsame Gefühle beschlichen sie. Sie hatte doch Angst vor ihm – er war ein Mörder. Hatte Frauen schlimme Dinge angetan. Aber nur weil er musste. Voldemort hatte es als Treuebeweis von ihm verlangt. Berichtigte sie ihre innere Stimme.
Entschuldigte das alles? Hätte es nicht einen Weg gegeben nein zu sagen? Ehe sie diese Gedanken weiterverfolgen konnte wurde sie von ihren Gefühlen fortgerissen. Er hatte ihre Hand ergriffen und hielt sie fest. Es schien fast so als suchte er ihre Nähe, als müsste er sie berühren, festhalten, spüren.
Er fühlte es auch stellte sie unmissverständlich fest. Seine Augen verrieten ihn. Das ihre es auch taten, wusste sie nicht. Magisch von ihr angezogen beugte er sich herab zu ihr. Er wollte…wusste nicht was. Nur das er noch näher bei ihr sein wollte. Das wusste er. Ehe seine Lippen ihre berühren konnten - er hatte sich unbewusst ihrem Mund genähert - wich sie nach Luft schnappend zurück. Das war zuviel.
Mit hochrotem Kopf stand sie da. Sie verstand nicht was gerade passiert war. Sie hätte sich fast von ihm küssen lassen und dabei mochte sie ihn gar nicht. Sie kannten sich doch kaum. Verwirrung stand in ihren Augen.
„Ich…muss gehen." Brachte sie mühsam über die Lippen, drehte sich um und verließ fluchtartig den Raum.
Vor der Tür ließ sie sich schwer gegen die Mauer sinken. Was geschah hier mit ihr? Was passierte mit ihnen beiden? Nur zu bewusst war ihr wie verwirrt auch er war. Sie hatte es noch in seine Augen gesehen ehe sie ging. Er hatte das bestimmt nicht geplant, genauso wenig wie sie. Begann sie sich in ihn zu verlieben?
Nein das konnte nicht sein. Er war weder hübsch, bis auf seine schwarzen Augen, noch umgänglich. Er konnte mit diesen Augen alles sagen und nichts. Seine schlanke hoch gewachsene Statur war schon beeindruckend. Hermione du spinnst! Rief sie sich energisch zur Ordnung. Nur warum fühlte sie sich immer noch so atemlos, als hätte er sie tatsächlich geküsst?
