Vielen Dank für die Reviews, No_name, Lena5972 und CaroloveSeverus!
No_name vielen Dank für deine netten und ehrlichen Worte - ich habe sie mir zu Herzen genommen und ich hoffe diesmal siehts besser aus. Ich geb mir auf alle Fälle Mühe.
Lena5972 gut das mit dem Kopfschütteln habe ich inzwischen ausgetauscht. :-) Minerva arbeite daran ihn von den Toten zurückzuholen. Mal sehen wer schneller ist. ;-)
CaroloveSeverus ein bisschen wirds noch dauern - mit dem Stürmen, aber dann...;-)
Liebe Grüße Gaby
24 Wir beginnen durch Schmerz zu verstehen
Sie war nach dem Essen in ihr Büro zurückgekehrt. Noch immer dachte sie an das gleiche Problem. Ein leises Klopfen an ihrer Tür lenkte sie davon ab. Jeder Besucher, egal was er wollte, war ihr mehr als willkommen. Poppy steckte ihren Kopf zur Tür herein und blickte fragend auf Minerva. „Du warst beim Essen so abwesend. Gibt es ein Problem?" Sie sprach von einem Problem und meinte im Grunde Severus.
„Komm herein. Ich möchte mit dir etwas besprechen." Schnell schilderte sie der Medihexe, was sich unten im Kerker zugetragen hatte. „Wir haben ihn doch nicht ins Leben zurückgeholt, um ihn lebendig in seinen eigenen vier Wänden zu begraben." Voller Selbstvorwürfe sprach Minerva diesen letzten Satz. „Weißt du, vielleicht lagen wir auch falsch mit unserer Meinung. Wir denken manchmal, alles zu wissen. Was, wenn das falsch ist?" gab Poppy zu bedenken und bestärkte Minervas Gedankengänge damit. „Du hast Recht. Meine… unsere Annahme war falsch. Er lebt, also lassen wir es auch zu." Minerva quälte noch eine andere Sache. „Wie bringen wir das am besten den Lehrern und den Schülern bei? Sie alle hatten genug Zeit, sich mit seinem Tod mehr oder minder abzufinden und nun läuft dieser vermeidliche Tote ziemlich lebendig durchs Schloss."
*
Lange starrte er auf die Tür. Was war da gerade passiert? Stumm schüttelte er seinen Kopf. Wenn er ehrlich zu sich selbst war – so genau wollte er das gar nicht wissen. Er wandte sich ab und betrachtete das Büro genau. Er kannte bereits alles hier, aber um sich abzulenken, beschloss er, es sich noch einmal anzusehen. Was konnte es schaden und Zeit hatte er auch. Wer weiß, wann ihn Minerva hier raus ließ. Wut flammte in ihm hoch und erlosch genauso schnell wieder. Er schüttelte sich unmerklich. Das führte zu nichts. Entschlossen begann er seinen Rundgang durch sein ehemaliges Büro. Suchte akribisch nach vertrauten Dingen.
Beim Bücherregal angelangt, fuhr er selbstvergessen mit einem Finger darüber. Eine feine Staubschicht lag darüber. Ärgerlich zogen sich seine Augenbrauen zusammen. So sollte man Bücher nicht behandeln, doch plötzlich flackerte in ihm ein Bild auf, ein kurzer Film. Er sah sich selbst hier bei den Büchern stehen und eines davon herausziehen. Er tat es vorsichtig, beinahe andächtig und dann war dieses Bild wieder weg, aber er konnte sich erinnern. Angespannt suchte er mit Augen und Finger die Buchrücken ab. Versuchte, das richtige zu finden, versuchte, sich richtig zu erinnern und dann hielt er es in den Händen. Das Buch, das er in seiner Erinnerung herausgezogen hatte.
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Sie war lange spazieren gegangen. Ihr Kopf war voll von ihm und dem, was da passierte, oder besser, nicht passierte. Sie verstand das immer noch nicht ganz. Vielleicht war sie traumatisiert? Nach allem, was sie erlebt hatte – wen würde das wundern? Es musste dafür eine völlig rationale und vernünftige, aber vor allem harmlose Erklärung geben. Sie wollte bestimmt nicht, mit Severus Snape rumknutschen. Bäh! Niemals! Als sie in den Gemeinschaftsraum zurückkehrte, blickten sie ihre Freunde neugierig an. Sie hatten sie seit dem frühen Vormittag nicht mehr gesehen und jetzt war es fast schon Abend.
Wo war sie nur gewesen? „Geht's dir gut?" Harry hatte sich erhoben und war auf sie zugegangen. Er stellte ihr die Frage ganz leise, sodass die anderen sie nicht hören konnten. Wie immer saßen ihre Freunde versammelt auf der Couch im Gemeinschaftsraum. Man besprach die letzten Dinge, bevor morgen der Unterricht begann und versuchte sich gegenseitig etwas aufzumuntern. Fahrig schob Hermione sich eine widerspenstige Haarsträhne, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatte, wieder hinter ihr Ohr und nickte leicht abwesend mit dem Kopf. „Aber ja, es geht mir gut. Was sollte schon sein?" versuchte sie ihn scherzhaft zu beruhigen, nur klang es nicht witzig. „Das frage ich dich. Ich bin hier, wenn du mich brauchst." Sie hob ihre Hand und legte sie auf seinen Arm. „Danke." flüsterte sie und sah ergriffen zu ihm auf. Sie hoffte, dass Minerva Wort hielt und diese Geheimnistuerei nicht mehr lange notwendig war.
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Schwarze Magie. Das Buch handelte von Schwarzer Magie. Irgendwie überraschte ihn das nicht. Nicht nach alldem, was er über sich gehört hatte. Er hatte Dinge getan, an die er sich einfach nicht mehr erinnern konnte. Er hatte Albus Dumbledore getötet, weil dieser es so wollte. Wie er wohl ausgesehen hat? Er hatte keine Erinnerungen an diesen Mann. Es war schon komisch. Er hatte jemanden getötet, an sich schon eine schlimme Tat, aber wurde es nicht noch bedeutend schlimmer, wenn man es nicht einmal mehr weiß, dass man es getan hatte? Er schloss das Buch und rieb sich mit der Hand über die Stirn. Wie es sich wohl angefühlt hat, ein Leben zu nehmen?
All diese Gefühle, diese Erinnerungen steckten irgendwo tief in ihm drin. Er wusste, er sollte sich mit dieser Tat wahrscheinlich mehr auseinandersetzten, aber er konnte es nicht. Es war für ihn etwas Erzähltes, am Rande in einem Satz Erwähntes, nichts Erlebtes. Er verband nichts damit. Kein Bild, kein Gefühl. Irgendwie war das für ihn erschreckend. Er nahm das Buch wieder zur Hand und blätterte darin. Unbewusst wurde ihm klar, dass er auf keinen Fall die Wörter, die darin standen, laut aussprechen durfte. Es war alt und war an den Ecken schon abgerundet, aber warum er so daran hing, konnte er nicht erkennen, doch als er es wieder schließen wollte, segelte ein kleines abgerissenes Stück Pergament zu Boden.
Wie in Zeitlupe sah er hinterher, beobachtete den Flug genau und doch zuckte er erschrocken zusammen, als es auf dem Boden aufschlug. Ganz leise, ohne einen Ton und dennoch war ihm, als hätte die Erde gebebt, so hart klang der Aufprall in seinen Ohren. Egal, was dieses Stück Pergament für einen Text enthielt, es würde ihm eine weitere Erinnerung bescheren, nur war er sich nicht sicher, ob er sie auch wollte. Tief in sich verspürte er ein neues Gefühl und doch so alt und vertraut – Angst.
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„Sag es Ihnen einfach. Sie kommen schon klar damit. Und wer weiß, vielleicht empfinden sie es genauso wie wir, als eine Art Wunder, ein schönes Wunder." schlug Poppy vor und Minerva war geneigt, auf sie zu hören. „Ich werde es den Lehrern heute Abend sagen." entschied sie. „Hat Slughorn sich dazu geäußert, dass er nicht die Räume im Kerker bekam?" fragte Poppy neugierig. Minerva schüttelte ihren Kopf.
„Nein. Er hat dieselben Räume wie schon vergangenes Schuljahr bekommen. Ich denke, sie gefallen ihm auch bedeutend besser, als die düsteren Räume, die Severus bewohnt." Slughorn war ein Mensch, der sich gerne in Szene setzte und über seine Untertanen, in dem Fall Schüler, Hof hielt. Da passte es einfach nicht, im Kerker zu wohnen. Entschlossen erhob sich Minerva. „Wie spät ist es?" Poppy guckte auf ihre Uhr. „ Acht Uhr. Zeit für die Lehrerversammlung." erwiderte sie gespielt fröhlich. „Gut. Dann lass es uns hinter uns bringen."
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Sie lag in ihrem Bett und konnte nicht schlafen. Sie redete sich ein, es lag am Mond, der hell und klar am Himmel stand und nicht zuließ, dass es richtig dunkel wurde. Es war einfach zu hell. Aber in Wahrheit war es Severus, der sie nicht schlafen ließ. Sie war verwirrt und wurde aus ihm einfach nicht schlau und dann waren da noch sie. Seine Erinnerungen. Sie hatte aufgehört, sie sich anzusehen. Gerade jetzt hatte sie das Gefühl, sie riefen nach ihr. Sie wollte wissen, was in seinem Leben noch alles passiert war. Wollte sehen, was er erlebt hatte, auch auf die Gefahr hin, dass sie sich wieder übergeben musste. Kurz blitzte das Bild der jungen Frau in ihrem Kopf auf.
Entschlossen erhob sie sich und zog sich rasch an. Wie magisch angezogen, schlich sie hinab in den Kerker, obwohl sie das nicht musste. Sie wusste genau, niemand würde sie aufhalten. Wie immer erwartete sie das Hologramm. Schweigend stand es da, sagte kein Wort und dennoch wusste sie, es war nicht der Echte. Seit wann sah sie so genau hin? Seit wann nahm sie die kleinen Unterschiede war? Der Echte war nicht ganz so vollkommen. Die Kleidung wirkte im Vergleich zum Hologramm eine Spur unordentlicher. Passte nicht richtig. Seine Haare saßen nicht so perfekt. Und da war noch etwas, neben der großen, hässlichen Narbe an seinem Hals, die natürlich dem Hologramm auch fehlte, war es die Lebendigkeit, die aus seinen Augen sprach. Die Augen von Hologramm waren leer.
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Ganz langsam, so als müsste er sich dazu überwinden, hob er das Pergament auf. Jemand hatte das untere Ende eines Briefes abgerissen, wie er unschwer an den Worten erkennen konnte, doch nicht diese Reißlinie bescherte ihm innere Krämpfe, sondern die wenigen Worte, die darauf standen.
In Liebe Lily
Vieles durchströmte ihn auf einmal. Er hatte diese Frau geliebt. Er hatte. Denn sie war schon lange tot. Und sie hatte ihn niemals geliebt. Tränen flossen über sein Gesicht. So wie damals, als er diesen Brief fand. Sie hat ihn nicht an ihn geschrieben, an wen wusste er nicht mehr. Er hatte das letzte Stück abgerissen und an sich genommen. Einfach so. Er sah Stationen aus seinem Leben und aus ihrem. Eine rothaarige Frau, lachend, wie sie ihn neckte, plötzlich wurde sie ernst und wandte sich von ihm ab. Ihren Tod und wieder war es Voldemort, der in sein Leben eingegriffen hatte, das spürte er ganz genau. Er sah grüne Augen, ihre Augen, aber nicht alleine. Es gab noch jemanden.
Bevor er dieses Bild festhalten konnte, war es wieder fort. Nur eines blieb – die Trauer über ihren Verlust. Sorgfältig steckte er das Stück Pergament zurück in das Buch und schob dieses anschließend an seinen Platz. Lily Evans, so hieß sie. Es war wie ein Puzzlespiel, sein Leben, er hatte ein passendes Teil gefunden und an seinen Platz gerückt. Er verließ den Raum und kehrte in sein Schlafzimmer zurück. Dort legte er sich auf sein Bett und starrte lange an die Decke. Es wurde Abend, man brachte ihm Essen. Er rührte es nicht an. Es wurde dunkel, dazwischen schlief er ein, doch ein Geräusch weckte ihn. Es kam von nebenan.
*
„Es ist üblich zum Schuljahresbeginn, gemeinsam eine Konferenz abzuhalten, doch heute möchte ich nicht als ersten Punkt über das neue Schuljahr sprechen." begann Minerva ihre Rede. Das Getuschel rund um sie erstarb und jeder im Raum hörte ihr zu. Alle Lehrer von Hogwarts hatten sich versammelt. Für sie alle war das neue Schuljahr anders als sonst. Sie alle hatten den Krieg miterlebt, hautnah, ob sie wollten oder nicht, denn er fand hier statt, in Hogwarts.
„Große Veränderungen stehen uns bevor. Ich habe es in meinen Visionen gesehen." ereiferte sich Sybill und warf einen dramatischen Blick in die Runde.
„Damit könntest du ausnahmsweise Recht haben, Sybill!" erwiderte Minerva trocken und mahnte sie streng mit den Augen durch ihre Brille, sie nicht noch einmal zu unterbrechen.
„Es gibt etwas, was ich euch nicht länger verheimlichen kann und möchte. Es… der Krieg hat viele Opfer gefordert." Betroffen sahen sich die Lehrer untereinander an. Es war schrecklich gewesen. Vor allem der Verlust von Dumbledore.
„Vielleicht wird es euch erfreuen zu hören, dass eines seiner Opfer wie durch ein Wunder überlebt hat." Überraschung zeichnete sich in allen Gesichtern ab.
„Wer?" wurde gemurmelt und „Wie ist das möglich?" war leise zu hören. Minerva hob ihre Hand, um sie alle wieder zum Schweigen zu bringen. Sie wartete bis Ruhe eingekehrt war, ehe sie ihnen den Namen nannte.
„Es ist Severus Snape!"
