Vielen Dank für die Reviews, CaroloveSeverus und Vinkona!

Caroloveseverus eigentlich nicht, das hat sich...ähm...so ergeben. *peif* :-)

Vinkona vielen Dank und schön das Dir die Geschichte gefällt, auch wenn der arme Severus wieder ganz schön leiden muss, aber er hat ja Hermione. ;-)

Liebe Grüße Gaby

25 Alles

Er war aufgestanden und blieb dicht hinter der Tür stehen. Er konnte sie hören. Sie sprach wieder mit jemandem und irgendwie war er sich sicher, dass, sobald er die Tür öffnete, diese andere Person nicht mehr da sein würde. Woher er das wusste und warum er sich da so sicher war, konnte er nicht sagen. Er wusste es einfach. Er schloss die Augen und lauschte. Es war unhöflich und wenn er einen Funken Anstand in sich hätte, würde er die verdammte Tür öffnen oder wieder in sein Bett zurückkriechen, aber scheinbar besaß er keinen.

Außerdem wollte er nicht mit ihr reden. Soviel war heute auf ihn eingestürmt. Vieles, was er erst verarbeiten musste. Zum Einen waren da diese neuen, verwirrenden Gefühle, die er in ihrer Nähe so plötzlich und unerwartet verspürt hatte. Wo kamen sie auf einmal her? Das verstand er einfach nicht, also beschloss er, vorerst nicht weiter darüber nachzudenken. Das andere war Lily. Nur ihr Name allein löste eine Welle von Schmerz und Schuld in ihm aus. Wer war sie? Warum hatte sie diese Macht über ihn?

Er wusste nach wie vor nichts über sich, aber dieser eine Name brach wie eine Naturgewalt über ihn herein. Er schluckte und lehnte lautlos seine Stirn gegen das sich kühl anfühlende Holz der Tür. Wenn ihm diese eine Erinnerung bereits so großen Schmerz bescherte, was würde der Rest erst auslösen? Scheinbar war er ein sehr emotionaler Mensch gewesen. Nur so war zu erklären, warum er über so eine Kleinigkeit, wie dieses Stückchen des Briefes, so durcheinander war. Mach dir nichts vor! Da steckt weit mehr dahinter. Rief ihm seine innere Stimme zu und er wusste, dass sie Recht hatte. Lily war mehr als nur eine Erinnerung. Sie war Teil seines Lebens gewesen. Seines alten Lebens. Irgendwie.

*

Minutenlang herrschte Schweigen. Keiner sagte etwas. Flitwick war der Erste. Er räusperte sich und erhob sich. „Wie kann das sein? Wir waren alle bei seiner Beerdigung. Ich meine, er war doch tot." Er sprach aus, was alle im Raum dachten. Verwirrung gemischt mit Unglauben stand in ihren Gesichtern, selbst in dem von Sybill. Müde strich Minerva über die Falten ihres grünen Umhanges.

„Zu Beginn…" begann sie, doch Poppy fiel ihr ins Wort.

„Wenn du erlaubst, würde ich das gerne erklären." Poppy hatte sich ebenfalls erhoben und stand nun neben Minerva. Die Schulleiterin nickte ihr zu und nahm wieder Platz.

„Ich wurde in die Heulende Hütte geschickt, um seinen Tod festzustellen, oder was weiß ich auch immer, aber er war nicht tot." Nach und nach erzählte sie ihnen die ganze Geschichte. Ließ nichts aus. Berichtete ihnen von ihren Ängsten und Hoffnungen. Wie oft sie zwischen Bangen und Verzweiflung stand. Er lag lange im Koma, wollte einfach nicht aufwachen und dann, als sie schon fast nicht mehr damit gerechnet hatte, schlug er plötzlich die Augen auf.

Ab da ging es mit ihm bergauf, doch dann erlitt er einen schlimmen Rückschlag, doch jetzt war er über den Berg und erfreute sich, bis auf ein paar Kleinigkeiten, bester Gesundheit.

„Was für Kleinigkeiten?" warf Slughorn neugierig ein. Schön langsam sickerte diese Neuigkeit in ihr aller Bewusstsein und sie begannen, sie zu glauben, ließen sie zu.

„Er hat keine Ahnung, wer er ist und er kann nicht sprechen!" klärte Minerva sie sachlich auf.

„Da sich nicht sagen lässt, ob er in diesem Zustand für immer bleibt, haben wir uns entschlossen, ihn auf sein Leben, so wie es jetzt ist, vorzubereiten und dazu gehört auch, euch alle und natürlich Hogwarts kennenzulernen. Er kann schließlich nicht für immer im Kerker bleiben." schloss sie und blickte abwartend in die Runde.

„Ach deswegen durfte ich seine Räume nicht haben" murmelte Slughorn halblaut vor sich hin.

„Unter anderem auch, Horace. Aber sei ehrlich, du wolltest sie auch gar nicht. Ich hatte den Eindruck, du bist mit deinen Räumen im zweiten Stock ganz zufrieden." erwiderte Minerva leicht sarkastisch.

*

Das Hologramm zog wie immer eine Augenbraue in die Höhe, wenn das Schweigen zwischen ihnen zu lange andauerte.

„Der Mond – ich kann nicht schlafen." erklärte sie überflüssigerweise, welches das Hologramm veranlasste seine Augenbraue sogar noch ein Stück mehr in die Höhe ziehen.

„Vieles geht mir durch den Kopf und machen Sie sich nicht erst die Mühe, danach zu fragen. Ich verstehe es nicht, also werden Sie das auch nicht können." Seufzend ließ sie sich in den Stuhl vor dem Schreibtisch fallen. Scheinbar wurde das schön langsam zu einem Ritual. Zu etwas Vertrautem. Sie schienen sich in dieser Art aufeinander eingespielt zu haben, ohne es bewusst zu steuern.

„Ich würde Severus gerne der Außenwelt vorstellen. Es lässt sich nicht sagen, ob seine Erinnerungen zurückkommen oder nicht, aber eines ist sicher, unter seinem Bett wird er sie kaum finden." eröffnete sie ihm mit einem leicht bissigen Ton.

Heftig stieß sie die Luft aus den Lungen. Jetzt war es heraus. Wahrscheinlich würde er ihr gleich erklären, dass sie nun endgültig den Verstand verloren hatte und sie sich diese Schnapsidee gleich wieder aus dem Kopf schlagen konnte. Er schlug die Fingerspitzen aneinander, wie er es immer tat, wenn er nachdachte. Dachte ein Hologramm nach?

Darüber hatte sie sich bisher noch nie Gedanken gemacht. Sie schüttelte sich unmerklich und verwarf ihn auch gleich wieder. Nicht, dass sie wirklich eine Antwort darauf wollte.

„Ich kann nicht sagen, ob es klug ist oder nicht, aber ich denke es kann nicht schaden." Wieder schwieg er einen Augenblick.

„Werden Sie auch weiterhin auf ihn Acht geben?" Diese Frage brachte sie etwas durcheinander. Erstaunt betrachtete sie ihn.

„Sie sind die Einzige, die mich annähernd kennt und vielleicht etwas versteht. Die weiß, wer ich bin."

Hermione wurde aus seinen Worten nicht schlau. Machte sich ein Hologramm Sorgen? War das überhaupt möglich?

„Ich verspreche, ihn nicht im Stich zu lassen, wenn es das ist, was Sie meinen." sagte sie feierlich, doch er machte lediglich eine unwirsche Handbewegung.

„Das macht mir keine Sorgen! Sie tragen Wissen in sich, das ihm eines Tages fehlen könnte. Sie sollten in seiner Nähe bleiben."

Hermiones Schultern spannten sich leicht. Sie versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie verletzend sie seine Worte fand. Sie war kein Erinnermich oder so, das man nach Belieben und Gebrauch abrufen konnte, auch nicht für Severus Snape.

„Ich dachte mir, ich könnte mir noch etwas ansehen."

Schweigend wies das Hologramm auf die Phiolen. „Ich kann Sie nicht daran hindern." sagte er leicht bissig. Hermione ignorierte den Ton, erhob sich, ohne ihn noch eines weiteren Blickes zu würdigen.

„Nein, das können Sie nicht!" stellte sie schnippisch fest und schnappte sich eine Phiole vom Board. Sie sah nicht nach, aus welcher Reihe sie sie genommen hatte. Sie wollte einfach ihren Kopf frei bekommen. Weg von diesem komischen Tag mit seinen irrationalen Handlungen. Snape und Küssen.

*

Langsam schälte er sich aus seinem Umhang. Der Kerker also. Er versuchte an der Tür zu lauschen, doch diese ließ kein Geräusch durch. Egal, was dahinter geschah, er konnte nichts hören. Er hatte heute seinen Instinkten vertraut und sie hatten ihn wie immer nicht im Stich gelassen, aber wie es jetzt weiterging, wusste er nicht. Er hatte einen Teil ihres Geheimnisses entdeckt, nur was es damit auf sich hatte, verstand er nicht. Er könnte warten, bis sie wieder herauskam und sie zur Rede stellen. Nur eine innere Stimme riet ihm, das lieber nicht zu tun. Warte. Vertrau ihr. Das war es, was sie ihm riet und er sollte klug genug sein, um auf sie zu hören.

„Was ist dein Geheimnis, Hermione Granger?" flüsterte er gegen das harte Holz der Tür, aber er bekam leider keine Antwort. Er sollte gehen, aber sie war seine Freundin und er machte sich Sorgen.

Ein Gefühl, das ihn schon sein gesamtes Leben lang begleitete. Ständig machte er sich wegen irgendetwas Sorgen. Zuerst seine Verwandten, dann Voldemort und nun Hermione. Sie wirkte verändert. Etwas lag auf ihrer Seele und es war mehr als nur der Krieg. Diese Art von Schmerzen kannte er. Er sah sie jeden Tag im Spiegel. Unbewusst hatte der Krieg ihnen allen das letzte Stückchen Kindheit geraubt. Sie alle waren über Nacht erwachsen geworden.

Der Spruch ‚Alles wird wieder gut!' verlor völlig an Bedeutung. Eines hatte sie der Krieg gelehrt, nichts wurde jemals wieder gut. Ein Teil ging unwiederbringlich für immer verloren. Im Geist rauschte eine Flut von Gesichtern an ihm vorbei. Sirius, Remus, Tonks, Fred, Dumbledore… so viele. Seufzend warf er sich den Umhang wieder um und beschloss, zu warten. Wenigstens wollte er sicher sein, dass sie den Gryffindorturm unbeschadet wieder erreichte.

*

Warum sollte ich dir glauben? Du bist sein Geschöpf!" stieß er verächtlich hervor. Sie standen einander auf einem der Hügel rund um Hogwarts gegenüber.

Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. Severus hatte um dieses Treffen gebeten und wie durch ein Wunder war Dumbledore tatsächlich erschienen. Jetzt musste er ihn nur noch überzeugen.

Er wird sie töten!" erwiderte er ernst. In seiner Stimme schwang ein Hauch von Verzweiflung mit. Er hatte seine Hände zu Fäusten geballt. Das hier fiel ihm nicht leicht, doch Dumbledore war der Einzige. Er konnte ihn aufhalten.

Ich brauche schon ein bisschen mehr, wenn ich dir Glauben schenken soll!" Die sonst immer so freundliche Stimme von Dumbledore war von einer Kälte und Härte durchzogen, wie sie in ganz Hogwarts noch nie jemand gehört hatte.

Er hat es mir gesagt und er wird es heute Abend tun." Er zog wie zum Beweis den Ärmel seiner Robe zurück. Darunter leuchtete das Mal hell auf.

Er ruft mich." erklärte er schlicht. „Aber ich werde nicht gehen, bevor Sie mir ihr Wort gegeben haben, ihr zu helfen." Beinahe trotzig hielt er ihm seinen Arm entgegen. Der Schmerz nahm von Sekunde zu Sekunde zu. Dumbledore wusste das. Wer sich dem Ruf des Males widersetzte, musste schlimme Schmerzen erdulden. Das steigerte sich soweit, bis der Träger das Bewusstsein verlor. Langsam begann Dumbledore ihm zu glauben.

Was erhalte ich von dir, wenn ich es tue?" So leicht würde er ihn nicht davonkommen lassen.

Alles!" stieß er gepresst hervor. Für sie würde er seine Seele verkaufen. Der Wind wehte ihm sein schwarzes Haar in die Stirn und die dunklen Tiefen seiner Augen leuchteten wie im Fieber.

Alles, was Sie wollen."

Dumbledore holte bei Severus Worten tief Luft. Damit hatte er nicht gerechnet.

Ich nehme dich beim Wort, von nun an dienst du mir. Du wirst alles tun, was ich von dir verlange und du wirst mir deine Treue schwören." Severus erbleichte. Stumm nickte er mit dem Kopf.

Gut! Gib mir deinen Arm." verlangte er. Severus streckte seine rechte Hand aus und Dumbledore umschloss sie fest mit seiner. Leise murmelte er ein paar Worte und ein unsichtbares Band wand sich um beide Hände und Arme. Danach ließ Dumbledore seine Hand wieder los.

Jetzt glaube ich dir. Ich werde tun, was ich kann. Du wartest hier." Severus wollte widersprechen.

Das ist das Erste, was ich von dir verlange. Bleib hier!"

Der dunkle Lord rief immer noch nach ihm, aber er biss die Zähne zusammen und schluckte den Schmerz hinunter. Dumbledore verlangte einen ersten Beweis seiner Treue. Er nickte zustimmend. Mit einem letzten ernsten Blick auf ihn eilte Dumbledore von dannen. Kaum war dieser außer Sicht, ging Severus in die Knie. Der Schmerz zwang ihn dazu. Glühend heiß brannte das Mal. Fest biss er die Zähne zusammen. Er würde nicht das Bewusstsein verlieren. Er war stärker.

*

Lange Zeit kniete er auf dem Boden. Alles um ihn verschwamm zu einer grauen Masse, in der einzig der Schmerz real blieb. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn und seine Kleider klebten trotz der kühlen Abendluft nass an seinem Körper.

Doch plötzlich hörte er auf. War einfach weg. Er wurde nicht schwächer oder weniger, sonder verschwand von einem Moment auf den nächsten vollkommen. Er erhob sich. Seine Knie fühlten sich wie Pudding an und es gelang ihm kaum, stehenzubleiben. Irgendetwas war geschehen. Er rieb sich gedankenverloren über das Mal. Hatte Dumbledore es geschafft?

Er schloss die Augen und dachte an ihr Gesicht. An ihr Lächeln, ihre grünen Augen. Es musste so sein. Alles andere wollte er nicht wahrhaben, nicht glauben. Er stand da und wartete. Wartete auf die erlösenden Worte von Dumbledore.