Vielen Dank für dein Review, Ebony-zoot. Schön das dir meine Geschichte gefällt. :-) Ich bin mir sicher, dass mich deine positiven Gedanken beim schreiben beflügeln werden. ;-) Mach dir keine Sorgen, wegen Reviews, ich schreibe ja nicht nur für die alleine, obwohl ich müsste lügen, wenn sage ich würde mich nicht über jedes einzelne beinahe wie ein kleines Kind freuen. :-)
Liebe Grüße Gaby
27 Unterricht?
Wenn sie ihm, so völlig ahnungslos, wie er war, diesen Vorschlag unterbreitete, würde er bestimmt nicht ‚nein' sagen und schaden würde es ihm auch nicht. Sie würde ihn mit Hermione zusammenspannen, dann hatte er jemanden Vertrauten an seiner Seite. Scharf musterte sie ihn mit ihren klugen Augen. Sie hatten schon viel auf dieser Welt gesehen. Eigentlich zu viel für ihren Geschmack, aber das war einen andere Geschichte. Sie stand vor ihm, die Hände hatte sie vor sich leicht verkrampft, so wirkte sie spröde und distanziert und genau diesen Eindruck wollte sie erwecken.
„Die Lehrer wissen Bescheid und heute Nachmittag habe ich vor, es den Kindern zu sagen, aber sei gewarnt, auch wenn sie meinen Worten Glauben schenken, so kann es möglich sein, dass dein bloßer Anblick bei dem einen oder anderen Kind momentan einen Schock auslösen kann."
Schweigend lauschte er ihren Worten und nickte zum Schluss stumm, um ihr anzudeuten, dass er verstand, was sie ihm sagen wollte. Er war bei ihrem Eintreten aufgestanden und so standen sie einander gegenüber. Sie merkte wohl, dass er sich verändert hatte und noch immer veränderte.
„Hat sich… ist etwas anders? Ich meine, kannst du dich an etwas erinnern?" fragte sie vorsichtig. Sie tastete sich auf unbekanntes Gebiet vor und da wäre es von Vorteil, er wüsste über sich so wenig wie möglich.
Nein, nichts! Stand auf der Tafel zu lesen. Er log sie bewusst an. Mit niemandem wollte er seine Erinnerung an Lily teilen. Das war so persönlich, das ging einfach niemanden etwas an.
„Deine Stimme?" Hier schüttelte er nur seinen Kopf und sah von ihr fort.
Er war stumm und dumm! Und das Einzige, was ihm geblieben war, war die Trauer und der Schmerz und alles hing mit dieser Lily zusammen. Mit ihren grünen Augen.
„Ich möchte dir einen Vorschlag machen, der dir vielleicht merkwürdig vorkommt, aber ich bitte dich, gründlich darüber nachzudenken und dich dann erst zu entscheiden." sprach sie geheimnisvoll. Er richtete seinen Blick neugierig wieder auf sie.
„Nun, das hier ist eine Schule…" Ungeduldig nickte er mit dem Kopf. Das wusste er.
„Warte! Hör mir zu. Deine Erinnerungen kommen, ich weiß es nicht, irgendwann mal zurück, aber du musst lernen, jetzt schon lernen, dich in deiner Welt zurechtzufinden, daher…" wieder hielt sie kurz inne.
„Nun ja, du könntest doch am Unterricht teilnehmen." Sie blickte zur Seite, um ihm nicht direkt in die Augen sehen zu müssen. Das Gleiten der Kreide über die Tafel zog aber ihren Blick wieder an.
Als was?
Verdammt! Sie hatte es gewusst. Er war zu schlau, um nicht diese Frage zu stellen. Nun musste sie Farbe bekennen und egal ob er sich erinnern konnte oder nicht, diese Idee würde ihm bestimmt nicht gefallen.
„Als Schüler." erklärte sie trocken und wartete förmlich auf seinen wütenden Aufschrei, der aber natürlich nicht kam.
*
Sorgsam betrachtete sie beim Betreten der großen Halle die Kinder. Nun war es soweit. Der große Augenblick, endlich mit der Wahrheit herauszurücken. Sie blieb vorne stehen und sah auf die Schüler herab. Schweigend ließ sie ihren Blick gleiten. Sie suchte zuerst nach Hermione. Für sie würde es auch besser sein, wenn sie nicht länger das Geheimnis um die Tatsache, dass Severus noch lebte, mit sich tragen musste. Das andere, seine Erinnerung, reichte vollkommen. Abgespannt und unglücklich stand sie neben ihren Freunden. Innerlich betete sie dafür, dass sie einfach nur schlecht geschlafen hatte, aber sie ahnte bereits, dass dem nicht so war oder nur einem Teil der Wahrheit entsprach. Sie räusperte sich kurz und in der Halle kehrte Ruhe ein. Alle warteten darauf, was jetzt kommen würde.
„Ich habe Ihnen etwas mitzuteilen." begann sie ernst und ließ dabei ihren Blick schweifen und fing den von Hermione auf.
Auf ihrem Gesicht zeichnete sich Erleichterung und Dankbarkeit ab. Es war die richtige Entscheidung gewesen, es nicht länger geheim zu halten. Minerva holte noch einmal tief Luft, nun kam der schwierige Teil und begann zu sprechen.
„Der Krieg hat in uns allen schlimme Wunden hinterlassen. Wir mussten uns von vielen geliebten Menschen und Freunden verabschieden. Es hat uns alle näher zusammengebracht und uns klar gemacht, wie kurz das Leben sein kann." Ihre Worte brachten auf allen Gesichtern die Traurigkeit und den Schmerz zurück. Erneut fühlte jeder für sich den Verlust eines bedeutenden Menschen in sich.
„Umso schöner ist es jetzt für mich, Ihnen mitteilen zu können, dass einer wider Erwarten überlebt hat. Sie alle halten Ihn für tot, aber er lebt." Sie machte eine Pause und sah in so manchem Gesicht die Hoffnung wachsen, die sie unweigerlich sogleich zerstören würde, denn keiner von den Schülern rechnete mit Severus Snape als möglichen Überlebenden.
„Es ist ein Lehrer an dieser Schule. Es ist Severus Snape!"
Ein Raunen ging durch die Schüler und kurz darauf brach ein tumultartiger Lärm aus. Von unfair bis unglaublich zu ungerecht war alles dabei und vereinzelt drangen diese Worte an Minervas Ohr. Sie ließ sie einen Augenblick lang gewähren, um ihnen die Möglichkeit zu geben, mit diesem unerwarteten Ereignis fertigzuwerden. Die Einzige, die nicht überrascht war, war Hermione. Ihre Blicke trafen sich und sie zuckte mit den Schultern.
Hermione schien diese Reaktion fast erwartet zu haben. Snape war dermaßen unbeliebt bei den Schülern, er war ungerecht und gemein gewesen und hatte fast jeden Schüler, der das Pech hatte, ihn als Lehrer zu haben, einmal schlecht behandelt.
„Jeder, jeder, warum ausgerechnet er?" murmelte Ron an Hermiones Seite. „Die Welt ist so unfair!"
Hermione legte ihm ihre Hand auf den Arm und brachte ihn so zum Schweigen.
„Es mag uns im ersten Moment ungerecht erscheinen, aber…" egal was sie noch sagen wollte, es ging durch Minervas Worte unter.
„Er ist nicht mehr so, wie sie ihn in Erinnerung haben. Er wurde schwer verletzt und eine Zeitlang stand es sehr schlecht um ihn." Dieser Teil war schwierig, einerseits musste sie den Schülern etwas über Severus Zustand sagen, aber andererseits wollte sie nicht zu viel verraten. Das hätte er bestimmt nicht gewollt.
„Er hat seine Stimme eingebüsst und auch sonst fällt es ihm noch schwer, sich in seiner Welt zurechtzufinden. Ich bitte euch, ihm zu helfen und ihn nicht zu verurteilen. Er hat nichts Falsches getan. Bitte denkt daran, er wurde von allen Anklagepunkten ohne Ausnahme freigesprochen!"
Stumm blickte Harry Hermione an. Das ist also dein Geheimnis? Was bei Merlin hast du mit Severus Snape zu schaffen? Stand in seinen Augen zu lesen. Er verstand nun, was sie im Kerker zu suchen hatte, aber er wusste nicht, was sie da tat. Irgendeinen Punkt kannte er noch nicht. Da war noch mehr.
Denn egal, was Snape fehlte, er würde sich unter keinen Umständen mit einer Schülerin einlassen oder sich von ihr helfen lassen, eher sollte ihn auf der Stelle der Schlag treffen, bevor er das freiwillig zulassen würde - und Hermione? Ihr war Snape vielleicht nicht ganz so wie ihm verhasst, aber sie würde sich unter keinem noch so triftigen Grund freiwillig allzu lange in seiner Nähe aufhalten.
Also, was verbarg sie noch vor ihm? Stück für Stück kam er der Wahrheit näher, er würde sich nur noch ein bisschen gedulden müssen und dann würde er auch noch den Rest erfahren, das spürte er.
*
Gedankenversunken stieg sie die Stufen zum Kerker hinab. Heute hatte sie zum ersten Mal nach dem Krieg wieder normalen Unterricht gehabt, aber es war ihr unmöglich, sich zu konzentrieren. Immer noch war sie traurig und erschüttert, wie viel Leid er ertragen musste. Er musste Harrys Mutter sehr geliebt haben. Er wurde zum Verräter für sie und legte, um sie zu retten, einen unbrechbaren Eid ab. Für den Rest des Lebens war einer der Beiden magisch gebunden. So einen Eid legte man nur in äußerster Not und Bedrängnis ab, wenn man sich einfach keinen anderen Ausweg sah.
„Hermione?" Minerva war ihr gefolgt und holte sie auf der Hälfte der Stufen ein. Hermione wandte sich ihr leicht zu.
„Kann er jetzt raus?"
Bejahend nickte Minerva. Severus stand es ab jetzt frei, sich im ganzen Schloss und auch außerhalb zu bewegen. Alle wussten nun Bescheid.
„Wie geht es dir?" fragte sie Hermione leise.
„Es geht…" kam es bekümmert von ihr. Wissend ruhten Minervas Augen auf Hermione. Es geht, war nicht die Antwort, die sie sich gewünscht hätte, leider.
„Möchtest du darüber reden? Siehst Du dir immer noch seine Erinnerungen an?"
„Ja, ich sehe mir noch seine Erinnerungen an. Und nein, ich kann und ich möchte nicht darüber reden, außer mit ihm." sagte sie bestimmt. Außer über die Letzte. So schnell würde sie bestimmt nicht mit ihm darüber reden. Wenn es nach ihr ginge, sollte er niemals darüber etwas erfahren. Er wollte sich das Leben nehmen, weil er den Schmerz nicht ertrug, dass sie tot war. War er deshalb immer so voller Bitterkeit und Hass gegen die Menschen?
Dumbledore hatte ihn zum Leben gezwungen. Zu einem Leben, dass er so nicht gewollt und innerlich, ob bewusst oder unbewusst, immer abgelehnt hatte. Kam daher all diese Wut und der Zorn? Diese unaussprechliche Ungeduld? Er wirkte immer so gehetzt und getrieben, lag in dieser Erinnerung die Ursache dafür? Dumbeldore war hart, beinahe grausam mit ihm umgesprungen, aber zu diesem Zeitpunkt war Severus Snape bereits einige Jahre getreuer Anhänger von Lord Voldemort gewesen. Was hatte er in dieser Zeit getan? Bestimmt nichts Gutes.
„Gut. Ich überlasse das ganz dir. Du weißt, wo du mich findest, wenn du mich brauchst." Minerva fühlte sich schuldig. Sie hatte die Arme solange alleine gelassen und nun kam sie zu spät.
*
Nein! Nein! Nein! Nicht nur einmal, sondern sogar dreimal stand das Wort groß auf der Tafel und unterstrichen hatte er sie auch noch. Ihr Vorschlag war demütigend. Er war hier Lehrer gewesen, wenn auch vielleicht kein guter, aber das wusste er nicht mehr. Er konnte hier unter keinen Umständen Schüler sein.
„Überlege es Dir gut. Du wärst mit Hermione in einer Klasse und sie könnte dich bei allem unterstützen." Er hatte bei ihren Worten begonnen energisch die Tafel abzuwischen, doch plötzlich hielt er aus einem unerklärlichen Grund inne. Hermione wäre an seiner Seite. Minerva sah förmlich, dass sie ihn hatte. Er würde nicht länger ablehnen. Warum sich die Beiden plötzlich so gut verstanden, war ihr ein Rätsel, aber auf jedem Fall tat ihm Hermiones Nähe gut.
*
Er war also noch am Leben. Das Geschimpfe von Ron über die Ungerechtigkeit dieser Welt, hörte er gar nicht. Ron wusste nicht alles. Ihn durchfluteten erneut die Bilder aus dem Denkarium. Er sah die Erinnerungen, die Snape ihm kurz vor seinem Tode, nein, er lebte noch, gegeben hatte, vor sich. Snape hatte seine Mutter so sehr geliebt. Er hatte alles für sie getan.
Harry lag im Zwiespalt mit sich selbst. Einerseits hatte dieser Mann verachtenswerte Dinge getan, aber andererseits hatte er viel unternommen, um sie alle damit zu schützen, auch wenn das für keinen von ihnen erkennbar gewesen war. Neugierig fragte er sich, was McGonagall mit ‚Anders' meinte. Wie war Snape, wenn er anders war? Harry fühlte keinen Hass mehr für diesen Mann, eher Mitleid, aber das würde er ihm unter keinen Umständen jemals zeigen dürfen. Ansonsten würde ihm dieser wahrscheinlich mit dem erst besten Fluch niederstrecken. So gut kannte er ihn. Snape hasste Mitleid.
„Hörst du mir überhaupt zu?" bellte ihn Ron plötzlich von der Seite her an und rempelte ihn mit dem Ellbogen leicht gegen die Seite.
„Ich… in jener Nacht, wo wir dachten, dass er gestorben ist, hat er mir etwas gegeben…" sagte Harry leise. Immer noch schien er mit den Gedanken weit weg zu sein.
„Ja, und? Du hast niemals darüber gesprochen." erwiderte Ron unwirsch. Was hatte das mit dem Ekelpaket Snape zu tun, der noch, zu seinem Leidwesen, quicklebendig durchs Schloss lief?
„Wir dachten, wir wüssten, wer er oder was er war, aber das ist nicht wahr. Er hat sehr viel für Dumbeldore, das Schloss und den Menschen hier und für mich getan, wenn wir auch die Gründe, warum er es getan hat, nicht verstehen werden."
Ungläubig schüttelte Ron seinen Kopf, weniger über Harrys Worte, sondern die Tatsache, dass dieser diesen Unmenschen so verteidigte. Es war Snape, der seinem Bruder in der Absicht verletzt hatte, ihn zu töten. Wie konnte Harry da sagen, er würde sie alle beschützen?
„Was redest du da?" Ron warf Harry einen Blick zu, als würde er ihn heute zum ersten Mal sehen.
„Severus Snape war ein Held. Ist ein Held. Die magische Welt wäre heute nicht so, wie sie ist, ohne ihn!" sagte Harry fest und hielt dabei Rons Blick stand.
