Vielen Dank für die Reviews, Padme.G, Lena5972, no_name und Mortianna´s Morgana!

Padme.G vielen Dank, aber mach dir keinen Stress wegen der Reviews. Ich freue mich natürlich über jedes, aber es ist kein muss. ;-)

Lena5972 na zumindest darf er mal aus seinen Räumen. ;-)

no_name ich habe wirklich sehr lange über deine Worte nachgedacht und finde es schade, dass du es so siehst. Es war nicht so gedacht. Ich werde mir jetzt nicht selber in der Geschichte vorgreifen und einiges zum besseren Verständnis auflösen, nur soviel machmal kommt es anders als man denkt. Ich versuche Hermione und Severus nicht verkrampft zu einem Paar zu machen, aber wer weiß vielleicht habe ich Dinge geschrieben, oder auch Fehler gemacht, die genau diesen Eindruck erwecken. Zurzeit wollen sie irgendwie gar kein Paar sein. Mal sehen. Auf jeden Fall vielen Dank für deine Worte.

Mortianna´s Morgana es wird für ihn in vielerlei Hinsicht eine neue Erfahrung sein. ;-)

Liebe Grüße Gaby

28 Vom Fliegen

Er fühlte sich...mühsam schluckte er...aufgeregt. Alle starrten ihn an, als hätte er drei Köpfe und einen langen Schwanz. Nachdem ihm Minerva versichert hatte, alle wüssten es, dachte er es wäre nun ungefährlich seine Räume zu verlassen, aber das war ein Irrtum. Er hatte noch einen Augenblick gezögert, doch dann hatte er die Tür geöffnet und war die Stufen nach oben gestiegen. Minerva hatte ihn begleitet und stand nun hinter ihm, aber sie war ihm keine große Hilfe. In der großen Halle, die er bereits vergangene Nacht durchquert hatte und die leer und verlassen dagelegen war, herrschte nun reges Treiben. Sie quoll förmlich über vor Kindern und schwatzenden Jugendlichen, bis...bis sie ihn entdeckten.

Bei seinem Anblick verstummten sämtliche Stimmen auf der Stelle und machten einer gespenstischen Stille Platz. Selbst ihre Bewegungen waren erstarrt. Es schien, als hätte sich ein Zauber über sie alle gelegt und sie für immer an Ort und Stelle gebannt. Severus Gesichtszüge verhärteten sich unwillkürlich, wodurch er unnahbar und angsteinflößend wirkte. Einzig in seinen Augen war ein leicht unsicherer Ausdruck zu erkennen. Plötzlich schob sich eine Gestalt durch die Menge und ging, ohne zu zögern, auf ihn zu. Hermione hatte eine Minute zuvor die Halle betreten und mit einem Blick die Lage erfasst.

Die Schüler von Hogwarts waren mit einem lebenden Snape schlicht und ergreifend überfordert und auch Severus wirkte...verunsichert? Wie war das nur möglich? Hatte er sich wirklich, ohne sein Gedächtnis, soweit von seinem wahren Ich entfernt oder war das auch ein Teil von ihm, den niemals jemand zuvor zu Gesicht bekam. Bis auf hier und heute. Kurz vor ihm blieb sie stehen und sah freundlich, aber auch fragend zu ihm auf.

„Schön Sie wohlauf zu sehen, Professor Snape. Erlauben Sie, dass ich sie ein Stück begleite?"

Kurz zögerte sie, sahen ihn leicht befangen an, sollte sie? Sie gab sich innerlich einen Ruck und streckte ihm ihre Hand entgegen. Sein Blick war immer noch starr, doch in seinen Augen entdeckte sie eine Spur von Erleichterung. Vorsichtig reichte er ihr seine Hand, so als fürchtete er, sie könnte die ihrige im letzten Moment zurückziehen.

Fest umschloss sie seine Hand, er konnte fühlen wie sich die Wärme ihrer Hand auf ihn übertrug und ihm Sicherheit gab. Sanft zog sie ihn mit sich und führte ihn durch die Halle nach Draußen. Ungläubige Blicke folgten ihnen und alle machten ihnen, wie durch Geisterhand, Platz. Sie ließen sie unbehelligt durch. Doch kaum fiel hinter ihnen die Tür ins Schloss, erhoben sich tausend Stimmen gleichzeitig. So jedenfalls hörte es sich für sie draußen an, aber sie nahmen nicht weiter Notiz davon. Sie ließ seine Hand los und ging langsam neben ihm her.

„Sie müssen sie verstehen, das...Sie, die ganze Situation ist so bizarr und unglaublich für alle hier. Geben Sie ihnen ein paar Tage und Sie werden sehen es kehrt dann bestimmt wieder so etwas wie Alltag ein." zaghaft lächelte sie ihn an und versuchte dabei selber zu glauben, was sie sagte.

*

Harry starrte, wie die Anderen, hinter dem seltsamen Paar her. Das war also ihr Geheimnis. Hermione wusste es also schon länger, dass Severus Snape noch lebte. Blieb immer noch die Frage, warum sie es wusste. Ron stand neben ihm zu verblüfft, um etwas sagen zu können. Das alles war ein bisschen viel für ihn.

„Was hat Hermione mit der bösen Fledermaus zu schaffen?" stieß er schließlich, nachdem er sich vom ersten Schock erholt hatte, hervor. Harry schüttelte seinen Kopf und zuckte mit den Schultern. Das war eine gute Frage, auf die er auch gerne eine Antwort hätte.

„Es zu hören ist eine Sache, es aber tatsächlich zu sehen eine ganz andere. Findet ihr nicht?" Ginny war an die Beiden herangetreten und hakte sich bei Harry unter. Ron verzog sein Gesicht und verdrehte die Augen.

„Ich finde es immer noch ungerecht." knurrte er halblaut vor sich hin. Harry lag schon eine scharfe Antwort auf der Zunge, doch er schluckte sie hinunter. Ron dachte bestimmt an seinen Bruder. Natürlich würde er sich wünschen, er wäre hier, statt Snape.

„Warum ist eigentlich Hermione mit ihm mitgegangen?" stellte Ginny schon die nächste Frage und wurde von Ron harsch zurecht gewiesen.

„Das wüssten wir auch gerne, glaub mir!" Danach drehte er sich um und verschwand in der Menge.

„Ob er es jemals verwinden kann?" seufzend und traurig sah sie hinter ihm her.

Sie verstand ihn, ihr ging es nicht anders. Kaum ein Tag verstrich, an dem sie Fred nicht schrecklich vermisste und wahrscheinlich würde das immer so sein. Harry legte seine Arme um Ginny und zog sie fest an sich.

„Mir fehlt er auch." flüsterte er bewegt.

Nie würde er den Augenblick nach der Schlacht, als sich die erste Euphorie über den Sieg gelegt hatte, vergessen. Denn dann kam die Niedergeschlagenheit. Man begann die Opfer zu sehen, zu zählen, im Schmerz zu versinken, um irgendwann resigniert aufzugeben, weil es einfach zu viele waren. Zu viele Freunde.

*

„Du bist nicht nach unten gegangen?" fragte Poppy erstaunt.

„Ich war unten, aber er braucht nicht mich." meinte Minerva. „Ich denke mir er kommt ganz gut alleine zurecht und er hat die Hilfe, die er braucht. Die einzige die er annimmt." sagte sie und blickte dabei neugierig aus dem Fenster.

„Er hat es durch die Halle, dank ihr, bravourös geschafft, der Rest wird sich bestimmt bald finden." meinte sie unbestimmt.

„Du lässt die Beiden viel alleine. Findest du das gut?" Poppy machte sich Sorgen um Beide.

Daraus konnte ihrer Meinung nichts Gutes erwachsen. Hermione war ein junges Mädchen, das in einer ganz anderen Welt als Severus lebte und er? Er brauchte jemanden, der es mit seiner Erfahrung aufnehmen konnte, der ihn verstand. Die Beiden würden einander nur ins Unglück stürzen.

„Die Zwei haben, warum auch immer, Vertrauen zueinander aufgebaut. Er vertraut ihr und sie ihm. Es tut ihnen auf unerklärliche Weise gut, darum werde ich es bestimmt nicht unterbinden, im Gegenteil."

Wieder blickte sie nach draußen. Sie tat ihm gut und auch bei ihr sah es so aus, als fühle sie sich wohl an seiner Seite.

„Er hat noch so viel zu lernen und Hermione ist eine gute Lehrerin."

Empört starrte Poppy Minerva an.

„Sie ist selbst noch eine Schülerin, wie sollte sie ihm etwas beibringen?" Poppy verstand die Schulleiterin nicht.

„Sie ist ein warmherziger, liebenswerter Mensch und ich habe einfach die Hoffnung, dass ein Teil von ihr auf ihn abfärbt. Das er unter ihrem Einfluss ein glücklicher Mensch wird."

Poppys empörter Blick wurde bei dieser Antwort wieder weicher. Minerva hatte Recht.

Wenn ihn jemand etwas über Mitgefühl und Menschlichkeit beibringen konnte, dann bestimmt Hermione. Sie war ein gutes Kind.

*

Er sagte nichts und er hatte auch nicht seine Tafel dabei. Heute würde sie die ganze Unterhaltung alleine führen müssen. Unauffällig musterte sie ihn von der Seite und dachte an das, was sie im Denkarium gesehen hatte. Wie sehr konnte eigentlich ein Mensch lieben?

Er war für Lily zum Verräter geworden, er wäre für sie gestorben. Nur das Dumbledore das verhindert hatte, aber zu welchem Preis? Kaum merklich seufzte sie auf, doch er nahm es wahr und sah sie fragend an.

„Ich habe nur..." begann sie eine Erklärung zu stammeln, doch dann schüttelte sie ihren Kopf.

„Es…ist...nicht so wichtig. Es ist schon lange vorbei." sagte sie mehr zu sich selbst, als zu ihm, dabei strich sie sich etwas fahrig über die Stirn und stellte sich zum wiederholten Male selbst die Frage, warum sie sich das alles eigentlich antat?

War sie verrückt? Reichte es nicht ihm zurück ins Leben zu helfen? Musste sie sich auch noch mit seiner Vergangenheit herumschlagen, die er zu seinem Glück vergessen hatte? Sanft berührte er sie an der Schulter.

Egal was es war, es mochte auch schon vorbei sein, aber es war immer noch wichtig, denn ansonsten würde es sie nicht so beschäftigen. Sie schüttelte sich innerlich und versuchte so auch die Erinnerung zu verscheuchen. Bewusst aufmunternd lächelte sie ihn an.

„Sie möchten sicher etwas von Hogwarts und seiner Umgebung sehen? Wenn Sie möchten, ich kann Ihnen einiges zeigen?" schlug sie vor und machte sich mit großen Schritten auf den Weg.

Er hatte Mühe hinter ihr herzukommen und einmal mehr merkte er, wie schwach er eigentlich noch war. Komisch in seinen Räumen ist ihm das bisher gar nicht aufgefallen, doch hier draußen...Schon nach einer kurzen Strecke hatte sich sein Atem deutlich beschleunigt. Hermione, der das nicht entging, blieb plötzlich stehen.

„Es tut mir leid. Manchmal vergesse ich einfach das Sie..." sie sprach den Satz nicht zu ende und so blieb es an ihm darüber nachzugrübeln was sie sagen wollte.

Von einer monströsen Schlange beinahe gekillt worden sind? Von den Toten wieder auferstanden sind?

Schon ein älterer Mann sind, obwohl er war ja erst 36 und er fühlte sich überhaupt nicht alt, sondern nur eigenartig schwach.

„Dort..." sie zeigte mit der Hand auf eine kleine Bank und steuerte auf diese zu. Kaum waren sie bei dieser angekommen, ließ er sich auch schon darauf niedersinken. Weiten Strecken war er einfach noch nicht gewachsen. Ob er das jemals wieder konnte? Ob er es überhaupt konnte? Wieder so eine Grenze.

Ständig stieß er auf Kleinigkeiten in seinem Leben, von denen er absolut keine Ahnung hatte, die er aber wissen sollte. War er sportlich? Liebte er es durch die Gegend zu streifen? Was bestimmt für andere völlig selbstverständlich war, über das sie bestimmt nicht einmal nachdachten, war für ihn unerreichbar fern. Er rieb sich erschöpft die Schläfen. Hermione musterte ihn stirnrunzelnd. Was ging nur in ihm vor?

„Ich denke das liegt an ihrer langen Zeit im Koma." versuchte sie zu erklären.

„Sie haben sich kaum, eigentlich gar nicht bewegt und vermutlich haben sich die Muskeln so etwas zurückgebildet." Hilflos zuckte sie mit den Schultern, doch ihm gab ihre Antwort Hoffnung. Er war also früher nicht nach wenigen Schritten völlig außer Atem gewesen. Er konnte weite Strecken laufen. Er würde es wieder können, nahm er sich fest vor.

*

„Sie sind immer gerne gelaufen. Ich habe Sie eigentlich nie fliegen gesehen. Wahrscheinlich mögen Sie es nicht." sinnierte sie laut vor sich hin. Fliegen? War alles was er denken konnte.

„Es gibt für Zauberer unterschiedliche Arten sich fortzubewegen. Gehen, laufen, so wie alle Menschen, dann noch von einem Ort zum anderen apparieren, Portschlüssel, das ist so ähnlich wie apparieren, nur die Distanzen sind größer und es ist eine einmalige Angelegenheit. Dann noch reisen mit dem Flohpulver von Kamin zu Kamin und das Fliegen auf Besen. Man kann auch auf Hippogreife und Thestrale fliegen, zur Not auch auf einem Drachen, aber das ist alles nicht sehr empfehlenswert." zählte Hermione ihm auf und nahm dabei ohne es zu bemerken einen belehrenden Ton an.

Sie wäre eine gute Lehrerin. Sie weiß viel und teilt ihr Wissen gerne. Schoss es ihm durch den Kopf. Auch dachte er über ihre Worte nach. Alles was sie sagte klang eigentümlich vertraut und doch fremd. Hermione sah auf ihre Uhr.

„Kommen Sie!" Sie sprang von der Bank auf und wartete, dass auch er sich erhob. Sie war sich fast sicher, dass er nicht genau wusste wovon sie sprach. Als sein Blick wieder fragend auf sie fiel, meinte sie nur: „Ich möchte Ihnen etwas zeigen. Vertrauen Sie mir, es wird Ihnen gefallen." versprach sie und wartete bis er an ihrer Seite war.

Deutlich langsamer gingen sie in Richtung Quidditchstadion. Der Weg war nicht weit für sie, aber bestimmt für ihn.

*

Im Tiefflug zischte ein Junge geschickt auf dem Besen über ihre Köpfe hinweg. Beide duckten sich erschrocken und aus der Ferne war ein boshaftes Kichern zu hören.

„Diese Angeber!" stieß Hermione verächtlich aus. Das Slytherinteam hatte gerade mit dem Training begonnen. Einige von den Spielern hatten Snape bereits in der Halle gesehen, doch für den Rest war seine Anwesenheit ein großer Schock, von dem sie sich rasch erholten, um umgehend ihrem Hauslehrer zu demonstrieren was für tollkühne Flieger sie waren.

„Ihr Team, wenn Sie so wollen. Sie waren früher, also vorher Hauslehrer für das Haus Slytherin."

Sie unterteilte unbewusst sein Leben also auch in vorher und nachher und machte ihm damit wieder einmal klar, dass er vorher ein anderer Mensch war. Ein Mensch, den sie offensichtlich nicht mochte. Er war sich nicht sicher, aber er mochte ihn auch nicht. Um sich abzulenken beobachtete er das Training. Sah sie einen großen Ball werfen.

„Das ist der Quaffel." erklärte ihm Hermione.

„Und dann gibt es noch Klatscher. Kleine, gemeine Dinger, wenn sie mich fragen." Hoch oben, weit über den anderen flog einer ganz alleine und schien etwas zu suchen. Hermione folgte Severus Blick und sah was er sah.

„Das ist der Sucher. Er konzentriert sich einzig und alleine auf den Schnatz. Wer ihn fängt hat auch meist das Spiel gewonnen. Für ihn erhält die Mannschaft hundert Punkte. Harry ist auch ein Sucher." Sein Blick glitt wieder herab auf sie.

Harry? Fragend sah er sie an.

„Harry Potter. Es wird Zeit, das sie ein paar Menschen kennenlernen, die Sie eigentlich bereits kennen."