Vielen Dank für die Reviews, No-Name, Dardevil und Padme.G!
No_Name vielen Dank für deinen Hinweis - ich glaub du hast meine größte Schwäche gefunden. Ich werde mich bemühen Kommas mehr und vor allem richtig zu setzen. :-) Ach ja, dein Review zu Kapitel 27 hat mich zu ganz vielen Ideen angeregt - danke nochmal dafür.
Dardevil vielen Dank, ich hoffe, dass ich mein Tempo beibehalten kann und jede Woche ein Kapitel hochladen kann.
Padme.G Harry und Severus ein ewig leidiges Thema, aber vielleicht lässt sich da eine Lösung finden. (Etwas was meiner Meinung im Buch immer gefehlt hat. Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass die beiden einmal richtig miteinander reden.)
Liebe Grüße Gaby
30 Ein weiter Weg
Als sie durch die Gänge eilte lief ihr Poppy über den Weg. Der verstörte Gesichtsausdruck von Minerva ließ sie innehalten. Fragend sah sie die andere Frau an.
„Was ist passiert?"
Minerva blieb stehen und knetete ihre Hände ineinander. „Ich habe nachgedacht. Über mich und das was ich herausgefunden habe, war nicht sehr schön." ,erwiderte sie selbst anklagend.
Poppy runzelte die Stirn. Sie verstand nicht ganz.
„Folge mir!" ,forderte Minerva die Medihexe auf und machte kehrt. In ihrem Büro schritt sie zu ihrem Schreibtisch, nahm aber nicht Platz, sondern blieb unruhig daneben stehen.
„Wie viele Fehler dürfen wir uns wohl noch leisten?" Fest behielt sie bei dieser Frage Poppy im Auge. Diese ließ sich betroffen auf die Stuhlkante sinken.
„Ich weiß nicht… was meinst du?" Sie hatte sehr wohl eine vage Ahnung. Es gab in letzter Zeit nur ein Thema, dass sie beide mehr als alles andere bewegte.
„Bisher haben wir ihm keinen guten Dienst erwiesen. Es ist, ehrlich gesagt, ein Wunder, dass er nicht noch mehr Schaden genommen hat, als bereits durch Voldemort." Seufzend nahm sie den silbernen Briefbeschwerer in Form eines Phönixes vom Tisch und ließ ihn unbewusst von einer Hand in die andere wandern.
„Es hätte niemals soweit kommen dürfen.", fügte sie noch leise an. Poppy öffnete ihren Mund um zu widersprechen. Sie hatten es doch gut gemeint. Sie hatten doch nur sein Bestes im Sinn. War das falsch? Sie schloss ihren Mund und dachte nach.
Ging in Gedanken noch einmal alles durch was seit seinem Erwachen so alles geschehen war. Zuerst hatte sie ihn fernab von allen weggesperrt. Ihn praktisch isoliert. Minerva hatte gut daran getan ihn zurück in sein vertrautes Umfeld zu holen. Sie hätten ihn von Anfang an besser integrieren müssen.
*
Sie trafen sich beim Porträt.
„Ist Ron?", fragte Hermione Harry leise. Dieser schüttelte verneinend den Kopf. Man konnte über Ron sagen was man wollte, dieser besaß einfach einen unerschütterlichen Schlaf.
„Hast Du deinen Tarnumhang mitgebracht?"
Sie hatten nicht darüber gesprochen, aber Hermione hoffte das er daran gedacht hatte. Es war besser, wenn ihn keiner sah. Ihr würde niemand Fragen stellen und wenn doch, würde Minerva sie bestimmt in Schutz nehmen. Minerva wusste was sie tat. Statt einer Antwort zog er ihn unter seinem Shirt hervor und grinste verschmitz. Er spazierte nie ohne bei Nacht durch Hogwarts, das hatte ihn Snape gelehrt.
„Gut. Wirf ihn über und folge mir!", forderte sie und marschierte ohne eine Antwort abzuwarten los.
Die Nacht war kurz und sie wollte auch noch ein bisschen Schlaf abbekommen. Sie erreichten unbehelligt den Kerker. Niemand trieb sich zur späten Stunde auf den Gängen herum. Nicht einmal Filch. Seit dem der Krieg zu Ende war verspürte kaum einer das Verlangen alleine bei Nacht in Hogwarts unterwegs zu sein. Der einzige der das früher ganz gerne gemacht hatte, hatte davon keine Ahnung mehr. Hermione streckte die Hand nach dem Türgriff aus und zuckte dann zurück. Sie durfte Harry nicht ohne mit ihm vorher gesprochen zu haben hinein stolpern lassen.
„Hör zu, einiges was Du zusehen bekommst könnte dich in erstaunen versetzten. Ich werde Dir, sobald wir da drinnen sind, alles erklären. Versprochen."
Harry zog seinen Tarnumhang herunter und musterte Hermione neugierig. Was nur sollte er zu sehen bekommen?
„Ich…", begann Hermione, brach aber wieder ab und schüttelte leicht den Kopf. Am Besten zeigte sie ihm was sie meinte, so würde es vermutlich für ihn einfacher sein zu verstehen. Entschlossen riss sie die Tür auf und trat dicht gefolgt von Harry ein.
*
Er war über die steilen Stufen hinauf auf einen der Türme von Hogwarts gestiegen. Kühle Nachtluft empfing ihn. Minerva hatte ihm angeboten im großen Speisesaal zu essen, aber er hatte es nicht getan. Noch nicht. Vielleicht später. Irgendwann, aber jetzt wollte er noch nicht. Zu genau erinnerte er sich an die vielen abweisenden, zum Teil feindseligen Blicke die ihn heute Nachmittag verstohlen und auch offen zugeworfen worden waren. Es gab hier einige Menschen die hielten ihn eindeutig für ein Monster. Hermione dachte das zu Anfang auch. Nein eigentlich hielt sie ihn für einen Mörder.
Was er auch war. Er hatte Albus Dumbeldore umgebracht und das Schlimme daran war, dass er nach wie vor keine Erinnerung daran hatte. Er wusste nicht einmal wie dieser Mann ausgesehen hatte. Er schloss die Augen und wollte schreien, doch außer einem kehligen undefinierbaren Laut brachte er nichts zustande. Schwer schlug er mit der Faust gegen die steinerne Brüstung und verfluchte sein Schicksal. Ohne es zu wissen war er in diesem Augenblick seinem alten Ich ähnlicher als je zuvor. Er dachte an Hermione. Sie war enttäuscht von ihm gewesen, weil er diesen Harry Potter abgewiesen hatte. Er dachte an Harry.
Er hätte ihn gerne fern ab von allen anderen noch einmal getroffen. Er wollte verstehen was er in seiner Gegenwart fühlte. Was verband ihn oder besser entzweite ihn mit diesem jungen Mann? Er schloss die Augen und ließ den milden Nachtwind über sich hinweg streifen. Er wusste nicht warum, aber er liebte die Nacht und tief in seinem Herzen wusste er, dass er das schon immer tat. Wenn alles in Grautöne getaucht war, konnte sich nichts mehr hinter schillernden Farben verbergen und musste sein wahres Gesicht entblößen.
*
„Von nun an werde ich mich persönlich um ihn kümmern. Ich werde ihm alles beibringen was er braucht, was er wissen muss.", sagte Minerva streng. Sie hatte den Briefbeschwerer zurück an seinen Platz gestellt und die Arme vor der Brust verschränkt.
„Ich weiß nicht wem ich das sonst übernehmen lassen sollte. Zum Teil lehnen ihn sogar die Lehrer ab, von den Schülern ganz zu schweigen.", fuhr sie leicht verzweifelt fort.
„Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer sein würde. Er ist unschuldig. Immer gewesen und doch… ich habe es in ihren Gesichtern gesehen… in manchen Köpfen und Herzen ist er es nicht. Sie wollen das Offensichtliche nicht akzeptieren." Müde senkte Minerva ihr Haupt. Poppy legte ihre Hand auf die von Minerva.
„Ich wünschte, ich könnte dich unterstützen, aber außer in medizinischen Notfällen, bin ich keine sehr große Hilfe, fürchte ich.", meinte sie leicht zerknirscht.
Minerva hob ihren Kopf und warf Poppy ein mildes Lächeln zu. Sie wusste ihre Worte sehr zu schätzen, denn sie kamen von Herzen, das konnte sie ihr ansehen.
„Vielleicht geschieht ein Wunder und ich bekomme von jemand unerwartet Unterstützung. Wer weiß?"
Sie rang sich ein Lächeln ab, denn damit rechnete sie nicht wirklich. Sie könnte höchstens Hermione bitten sich weiterhin intensiv um ihn zu kümmern, nur hatte sie das Recht dazu? Die Arme sollte nebenbei noch ihr letztes Schuljahr nachholen, das war schon schwer genug. Dazu noch die Erinnerungen von Severus und er selbst. Nein, das konnte sie nicht, das durfte sie ihr nicht zumuten. Das war ganz alleine ihre Aufgabe.
*
Neugierig sah er sich um. Es war alles so wie er es in Erinnerung hatte. Dunkel und nur sehr ungern erinnerte er sich an die vielen, schlimmen Stunden die er hier verbracht hatte. Snape sollte ihm Okkulmentik beibringen. Ein Unterfangen das völlig daneben ging. Snape hasste ihn, aber das beruhte damals auf Gegenseitigkeit. Für ihn waren diese Stunden sehr erniedrigend gewesen, bis zu dem Tag an dem er, ohne es zu wissen, zum letzten Mal unterricht in diesem Fach bekam. Ungewollt gelang es ihm den Spieß umzudrehen und Snape spüren zu lassen, was er die ganze Zeit durchmachen, was er Snape gegen seinen Willen aus seinem Leben sehen lassen musste.
Persönlichste, intimste Erinnerungen an seine Mutter, seinen Vater, wie er von seinen Verwandten gedemütigt wurde und wie sehr er darunter gelitten hatte. All das entriss ihm Snape mühelos, er konnte sich nicht dagegen wehren, egal wie sehr er sich anstrengte. Doch dann kam dieser verhängnisvolle Nachmittag. Wieder bereitete er sich innerlich auf die nächste schlimme Lektion von Snape vor, aber dann… irgendwie durchbrach er seinen Angriff auf seinen Geist und nicht nur das. Er tauchte in Snapes Kopf ein und sah mehr als ihm lieb war.
Hastig schüttelte er den Kopf und vertrieb so die Erinnerungen daran. Er wollte nicht mehr daran denken, es war vorbei. Still hatte Hermione ihn beobachtet, sah seinen gequälten Ausdruck auf seinem Gesicht und ahnte woran er dachte. Er hatte ihnen, ihr und Ron, von diesen Stunden hier unten im Kerker erzählt, hatte ihnen gesagt, wie sehr er sie hasste. Jede einzelne und dann war es plötzlich vorbei. Warum, das hatte er ihnen nicht gesagt.
„Alles klar?", fragte sie vorsichtig, sie hatte ihm zur Beruhigung ihre Hand auf seinen Arm gelegt.
„Ja, geht schon. Ich habe nur gerade daran gedacht, wie ich zuletzt hier herunten gewesen bin. Keine sehr schönen Gedanken." Er schenkte ihr ein warmes Lächeln und gab ihr dadurch zu verstehen, dass er damit zurecht kam.
„So und was machst Du nun hier?", fragte er sie und sah sich dabei genau um, sah die vielen alten Bücher, die durch ihren Umschlag alleine schon Kostbar anmuteten und es mit Sicherheit auch waren, doch das war es nicht, was plötzlich seine Aufmerksamkeit zu fesseln begann.
Harry hatte die unzähligen Phiolen auf dem Board nahe dem Schreibtisch entdeckt. Daneben stand ein Denkarium.
„Das tust Du nicht, oder?" Er konnte zwei und zwei zusammenzählen. Er befand sich mit Hermione in Snapes Büro, somit musste es sich um seine Erinnerungen handeln, doch bevor sie ihm eine Antwort geben konnte, wusste er bereits das seine Vermutungen der Tatsache entsprachen. Sie sah sich Snapes Erinnerungen an. Mit Schwung drehte er sich ihr zu.
„Bist Du verrückt. Das kannst Du nicht tun. Du weißt doch was er getan hat. Was er war!" Hermione konnte sehen, dass Harry ehrlich entsetzt war. Wie würde er erst reagieren, wenn er wüsste was sie schon alles gesehen hatte?
*
Er sollte in seine Räume zurückkehren. Wer weiß, vielleicht verirrte sich doch noch ein Nachtschwärmer hier herauf und er wollte nicht an dessen Ableben schuld sein, nur weil dieser bei seinem Anblick zu Tode erschrak. Seine Beine schmerzten ihn und sein Kopf fühlte sich schwer an. Der Abstieg vom Turm fiel ihm schwerer als zuvor der Aufstieg. Konzentriert achtete er auf die Stufen. Er brauchte lange für den relativ kurzen Weg nach unten. Auch ohne das es ihm jemand direkt sagen musste, wurde ihm einmal mehr klar, dass vor ihm ein weiter Weg lag. Seufzend hielt er am Treppenabsatz inne.
Er musste noch den Flur durchqueren und dann noch weitere Treppen nach unten steigen, dann kam die große Halle und dann die restlichen Stufen hinab zu seinen Räumen. Tatsächlich noch ein weiter Weg. Hogwarts. Dieses Schloss war fast schon sein ganzes Leben lang sein Zuhause. Zuerst war er als Schüler hier hergekommen und später als Lehrer zurückgekehrt. Es müsste ihm eigentlich jeder Stein, jede Mauervertiefung und Erhebung vertraut sein, aber das war es nicht. Er hatte vieles heute zum ersten Mal gesehen. Minerva hatte ihm heute einiges gezeigt und viel über und rund um das Schloss erzählt.
Immer mehr gelangte er zu der Überzeugung sich in ihr geirrt zu haben. Sie mochte eine steife und spröde Art an den Tag legen, aber sie meinte es im Grunde ihres Herzens gut mit ihm. Endlich hatte er seine Tür erreicht. Dankbar stieß er sie auf und trat rasch ein. Nur noch ins Bett wollte er, aber da vernahm er Stimmen aus dem Nebenzimmer. Sie war hier und sie war wie immer nicht alleine. Nur diesmal hörte sich die Stimme anders an.
*
„Das alles ist seine Welt?" Harry hatte sich vom ersten Schock erholt und war neugierig dichter an das Board herangetreten. Wie unschuldig sie aussahen, diese kleinen Fläschchen, doch ihr Inhalt war es bestimmt nicht. Hermione nickte nur stumm mit dem Kopf.
„Wie kommst Du hier her. Wie passt Du hier rein?" Harry drehte sich zu ihr um und lehnte sich, die Arme vor der Brust verschränkt, an den Schreibtisch an. Seufzend machte Hermione einen Schritt auf ihn zu.
„Erinnerst Du dich noch an die heulende Hütte? Als wir ihn fanden, dachten er würde sterben?"
„Ja, aber…"
„Nun ja er war scheinbar auch davon überzeugt das das er sterben würde und hatte mich zu seinem Erben gemacht.", fiel ihm Hermione trocken ins Wort.
„All diese Erinnerungen, die Du da siehst, habe ich von ihm geerbt. Er hat mir praktisch seine Welt Geschenk."
