Vielen Dank für die netten Kommentare, Mortianna´s Morgana, Lena5972 und Marylein!
Mortianna´s Morgana du hast völlig recht, aber ich habe bewusst diese Szene so verändert. Ich wollte nicht ständig das Denkarium einbauen. Ich weiß auch nicht wie ich das erklären soll. Es wäre mir zuviel des Guten mit dem Denkarium gewesen.
Lena5972 ich bin immer noch der Meinung unter anderen Umständen hätten sie ein besseres Verhältnis zueinander haben können. So aber lag zuviel zwischen Harry und Severus.
Marylein ach mach dir keinen Kopf, ich komme momentan kaum zum schreiben. Es ist gerade auch bei mir so stressig. Ich glaube, ich habe Minerva ein bisschen zuviel von mir gegeben. So bin ich manchmal. Zuerst voller Hektik und Stress und dann habe ich auf einmal Zeit lange und in Ruhe zu plaudern. ;-)
Liebe Grüße Gaby
31 Feurige Lettern
Unentschlossen stand er hinter der Tür und lauschte. Er hatte so viele Fragen, so vieles ging ihm wie immer durch den Kopf. Ach könnte er wenigstens sprechen, alles wäre leichter. Er straffte seine Schultern, legte die Hand auf den Türgriff und drückte ihn fest hinab. Überrascht blickte er auf, sobald er die Tür geöffnet hatte, und sah, wer sich im Raum befand, von einen zum anderen. Fragend runzelte er die Stirn und wartete. Auf Hermiones Zügen zeigte sich Schuldbewusstsein. Seine Falte vertiefte sich. Was ging hier vor? Warum fühlte sie sich schuldig?
„Ich …", begann Hermione, doch Harry fiel ihr ins Wort.
„Sir, es war meine Idee hierher zu kommen. Es tut mir leid", sagte er fest und hielt dabei Severus finsterem Blick stand.
Eine Weile herrschte angespanntes Schweigen zwischen den Dreien, Hermione wagte kaum zu atmen. Wie würde Severus reagieren? Wieder so abweisend wie heute Nachmittag oder doch anders? Sie hoffte so sehr, dass es Zweiteres war. Severus kam auf Hermione zu und wartete auf eine Erklärung. Hermione sammelte sich kurz, dann begann sie zu sprechen.
„Ich habe Harry gebeten mich heute Abend hierher zu begleiten. Ich wollte …" Ruckartig schnellte Severus Kopf in die Höhe und brachte sie so zum Schweigen. Dabei wollte er das gar nicht, im Gegenteil, er wollte, dass sie weiter sprach, ihm alles erzählte. Wieder einmal verdammte er den Umstand, dass er nicht sprechen konnte. Er hob die Hand und deutete ihr so weiter zu machen. Hermione verstand ihn aber nicht.
„Sir?", fragend sah sie ihn an, nicht ganz sicher, was sie tun sollte. Severus verdrehte die Augen und lief in seine Kammer zurück. Einen Augenblick später kehrte er mit seiner kleinen Tafel zurück und begann umständlich darauf zu schreiben.
„Warum macht er es so und nicht mit dem Zauberstab?", warf Harry neugierig ein, was ihm einen erneut fragenden Blick von Severus einbrachte.
„Ich … ähm … wir … hielten das für keine so gute Idee bisher.", erwiderte Hermione schwach. Wie sollte sie Harry erklären, ohne Severus dabei bloßzustellen, dass dieser erst wieder lernen musste, wie er mit einem Zauberstab umging, ohne jemanden, oder sich selbst, damit zu verletzen?
„Keine gute Idee? Wieso? Das geht doch ganz leicht." Harry verstand nicht ganz, doch bevor Hermione sich noch eine Antwort überlegen konnte, hatte Severus bereits seine Tafel fortgelegt und stattdessen seinen Zauberstab gezückt. ‚Wenigstens zielt er diesmal nicht auf mich', dachte Hermione dankbar und stieß erleichtert die Luft aus. Harry schrieb, was er sagte mit dem Zauberstab in die Luft und dort erschienen seine Worte als feurige Lettern. Klar und deutlich schwebten sie für ein paar Sekunden mitten im Raum um sich dann langsam wieder aufzulösen.
Fasziniert sah Severus zu und ahmte, nach was er sah. Frustriert musste er wieder einmal seine Grenzen erkennen. Über das Stadium eine Feder schweben lassen zu können, war er noch nicht wirklich hinausgekommen. Enttäuscht ließ er seinen Zauberstab sinken. Vermutlich sollte er das positiv sehen, er hatte wenigsten diesmal nicht den ganzen Raum verwüstet.
„Was?" In Harrys Gesicht stand Verwirrung. Warum konnte Professor Snape einen so einfachen Zauber nicht ausführen?
„Sir? Harry kennt nicht die ganze Wahrheit. Wenn sie erlauben?" Hermione war dicht an Severus herangetreten und stellte ihm leise diese Frage. Zustimmend und resigniert nickte er lediglich mit dem Kopf. Er konnte es nicht. Was bei dem anderen so leicht aussah, war für ihn ein Ding der Unmöglichkeit. Zorn und Ohmacht lagen in ihm wieder im Wettstreit. Harry hatte das Ganze mit ungläubigem Blick verfolgt. Sah Snapes Versagen und kurz zuckte er über die aufkeimende Wut in dessen Blick zurück.
„In der Heulenden Hütte hat er noch viel mehr eingebüßt als nur seine Stimme. Er weiß nichts mehr aus seiner Vergangenheit." Harry senkte seinen Zauberstab. „Nichts mehr?", fragte er und blickte dabei auf Snape. Verdrossen schüttelte dieser seinen Kopf. Diese Geste ließ Harry so viel mehr sehen, als nur die Erkenntnis das Snape keine Ahnung mehr davon hatte, wer er einmal war, sondern auch die Hilflosigkeit, diese Machtlosigkeit gegenüber seinem Zustand. Er konnte nichts dagegen tun, egal wie sehr er sich auch anstrengte und das verstand Harry. Er hatte nie sein Gedächtnis verloren, aber er kannte die Gefühle, die damit verbunden waren. Er straffte die Schultern und sah ernst in Severus Gesicht.
„Wenn Sie erlauben, Sir, dann zeige ich Ihnen, wie es funktioniert", schlug er zögernd vor. Zum ersten Mal zeigte er seinem Gegenüber die Achtung, die er ihm die Jahre zuvor still verweigert hatte. Er war sich nicht sicher, ob sein Vorschlag richtig war. Wahrscheinlich würde Snape ihn in den nächsten Minuten alleine für diese Idee mit Blicken erdolchen, da er nicht sprechen konnte. Doch diese Reaktion blieb aus, stattdessen begann Severus zögerlich zustimmend zu nicken. Dieser Junge besaß, was ihm fehlte, Wissen.
„Also gut. Fangen wir an." Harry bemühte sich um einen neutralen Tonfall, stellte sich neben seinen ehemaligen Professor und erklärte ihm geduldig wie er seinen Zauberstab halten und was er tun musste. Er war ein guter Lehrer, aber das wusste Hermione bereits seit ihrem gemeinsamen fünften Schuljahr. Er war es, der sie alle in "Verteidigung gegen die Dunklen Künste" unterrichtet hatte und sie hatten viel gelernt von ihm, so wie auch jetzt Severus. Am Ende der Stunde beherrschte er die Fähigkeit Buchstaben in die Luft schreiben zu können mühelos.
„Wir sollten gehen", schlug Hermione vor, denn es war bereits sehr spät geworden und sie hatten morgen Unterricht. „Gute Nacht, Sir", verabschiedete sie sich und machte sich auf den Weg zur Tür. Harry wollte ihr bereits folgen, als Severus aus einem Instinkt heraus ihm seine Hand hinhielt. Heute Nachmittag war es diesem jungen Mann wichtig gewesen ihm die Hand zu reichen und er hatte aus einem ihm nicht erklärbaren Gefühl heraus abgelehnt. Harry ergriff sie schweigend, zu bewegt, um etwas sagen zu können. Für einen Augenblick schien die Zeit still zu stehen. Severus reichte ihm die Hand. Vielleicht gab es für sie beide nach all den Jahren doch noch eine Möglichkeit einander verstehen zu lernen. Harry hoffte es insgeheim.
*
Sie waren fort und er wieder alleine, aber er hatte viel gelernt an diesem Abend. Dieser Junge – Harry – was auch immer er für ein Geheimnis verbarg, war ihm heute eine große Hilfe gewesen und da war noch mehr. Irgendetwas verband sie, etwas Starkes, Mächtiges. Etwas woran er sich erinnern müsste, aber nicht konnte. Es lag ihm auf der Zunge, es war zum Greifen nahe und doch, jedes Mal wenn er versuchte es zu erhaschen, floh es wie ein flüchtiger Vogel. Nun gut, die Zeit würde zeigen, wer er war und vielleicht erfuhr er auch so was sie beide verband, oder auch trennte. Darüber war er sich auch noch nicht schlüssig.
Er kehrte in seine Kammer zurück und legte sich nieder. Der Tag war lang gewesen. Ausgefüllt mit jeder Menge neuer Entdeckungen. Mit vielen neuen Gesichtern. Ihre Blicke. Angst, Hass, Zorn, Ablehnung, das sah er alles, aber kein Mitgefühl. Verdiente ein Mörder Mitgefühl? Vermutlich nicht. Er starrte zur Decke empor und spürte dabei die Last seines Lebens auf sich. Vieles wäre wohl leichter gewesen, wenn er gestorben wäre. Für ihn, für die anderen, am Ende sogar für alle. Diese Welt war ihm immer noch so fremd. Er tastete sich durch jeden Tag mit einer Qual, die ihn an seinem Verstand zweifeln ließ. Alles, was ihm vertraut sein sollte, musste, er kannte es, wie man ihm erzählte, fast sein ganzes Leben lang, erschien ihm immer noch falsch, einfach nicht richtig und damit sollte er sich abfinden? Niemals!
*
Der nächste Morgen brach kühl und klar an. Die Sonne erschien als bleiche Scheibe am Horizont. Er hatte auf sie gewartet. Obwohl er müde, ja regelrecht erschöpft war, so fand er doch keinen Schlaf. Seine Gedanken erdrückten ihn und ließen ihn keine Ruhe finden. Die Tür öffnete sich in seinem Rücken. Er ahnte, wer es war. Es gab auch nicht viele, die ihn besuchen kamen.
„Guten Morgen, Severus. Ich dachte mir, dass du bereits wach bist", eröffnete sie das Gespräch und wartete. Wartete, dass er sich zu ihr umdrehte. Sie weigerte sich mit ihm über seine Zukunft zu sprechen, wenn er ihr dabei den Rücken zuwandte. Langsam drehte er sich um, den Zauberstab hielt er griffbereit in der Hand und zielt damit auf sie. Für den Bruchteil einer Sekunde blieb ihr das Herz stehen. Er würde doch nicht?
„Guten Morgen, Minerva. Was bringt dich so früh zu mir?" Verblüfft betrachte sie die feurigen Lettern in der Luft. Wie präzise er sie geschrieben hatte und mit einer Leichtigkeit, als könnte er sich … „Hast Du deine Erinnerungen, oder einen Teil davon wieder zurück?", fragte sie hoffnungsvoll und bewies ihm einmal mehr, das ihr tatsächlich etwas an ihm lag. Seltsamerweise berührte ihn das. Stumm schüttelte er verneinend seinen Kopf. „Aber woher …?"
„Harry Potter", zeichnete er mit seiner gestochenen Handschrift in die Luft. Minerva runzelte die Stirn.
„Wo bist Du ihm begegnet?" Minerva trat näher und stellte sich an seine Seite. Er sah besser und schlechter aus. Ach könnte sie ihm nur irgendwie helfen. Richtig helfen, damit er wieder so wurde, wie er war. Naja vielleicht nicht ganz so. Ein bisschen glücklicher vielleicht. Das hätte er zumindest verdient.
„Hermione hat ihn ins Büro, mein Büro, gebracht." Schon komisch, er sah seine Räume gefühlsmäßig nicht als seine Räume. Das waren die Räume von jemand anderem, der vor langer Zeit dort gelebt und gearbeitet hatte, aber nicht seine.
*
Müde betrachtete er aus halb geöffneten Lidern Hermione, wie sie an seiner Seite Platz nahm.
„Guten Morgen!", murmelte sie verschlafen und angelte nach ihrem Glas mit Kürbissaft. Vertraulich beugte er sich zu ihr rüber.
„Danke", flüsterte er nur für ihre Ohren hörbar. Schlagartig war sie hellwach. Fragend sah sie ihn an.
„Wofür?" Milde lächelte er. Und sie wollte die schlauste Hexe sein? Amüsiert schüttelte er seinen Kopf.
„Dafür, das Du mich gestern mitgenommen hast." Sie konnte in seinen Augen sehen, dass es ihm wirklich viel bedeutete hatte.
„Er ist anders, aber …" Verstehend nickte er mit dem Kopf.
„Ich werde bestimmt nicht vergessen, wer er ist und falls er es eines Tages wieder weiß, dann wird er wahrscheinlich wieder ganz der Alte sein." Lächelnd zwinkerte er ihr zu und widmete sich dann wieder seinem Frühstück. Ron hatte von dem alldem nichts mitbekommen. Frühstück war seine liebste Mahlzeit, und da zwar in der ersten Stunden Zaubertränkekunde anstand, aber ganz ohne Snape, konnte er dem Tag unbesorgt entgegensehen.
„Habt ihr eigentlich etwas von Malfoy gehört?", fragte er plötzlich unvermittelt.
„Welchem? Junior oder Senior?" Hermione und Harry sahen ihn neugierig an. Warum interessierte ihn das?
„Mr. Malfoy schmort, soweit ich weiß, immer noch in Askaban. Er wird wohl den Rest seines Lebens dort verbringen müssen. Draco wurde bei seiner Verhandlung der Zauberstab weggenommen. Er darf nie wieder zaubern. Man sagt er und seine Mutter sind ins Ausland gegangen. Nur ihrem Bestreben und seiner Jugend ist es zu verdanken, dass er nicht auch in Askaban wie sein Vater gelandet ist", klärte ihn Hermione auf.
„Ich denke mal, den sehen wir nie wieder", meinte Harry noch gelassen. Nicht dass er ihn großartig vermissen würde, wie auch sonst keiner, der bei ihnen am Tisch saß.
Aus dem Augenwinkel betrachtete er neugierig Neville. Keiner von ihnen hatte ihn bisher gefragt, wie er die Neuigkeit von der Widerauferstehung Severus Snapes aufgenommen hatte. Nachdenklich kratze Harry sich am Kopf. Sein Blick glitt rüber zu Luna. Sie schien wie immer zu sein, obwohl auch sie in der Vergangenheit viel gelitten hatte, aber sie war ein außergewöhnlicher Mensch und selbst die schlimmsten Ereignisse in ihrem Leben konnten ihr nicht ihre Lebensfreude rauben.
Auch wenn sie merkwürdig war, so war er dennoch, oder gerade deshalb froh, sie zu seinen Freunden zählen zu dürfen. Der Krieg hatte ihnen viel genommen, aber auch viel gegeben. Die Meisten von ihnen waren immer noch hier und das musste einfach auch zählen. Ginny ließ sich auf seiner anderen Seite nieder und schlang einen Arm um ihn.
„Worüber grübelst Du schon wieder am frühen Morgen nach?", neckte sie ihn und schenkte ihm dabei ein fröhliches Lächeln, das er automatisch erwiderte.
„Über nichts oder vielleicht doch. Es ist einfach schön hier zu sein." Er zog sie an sich und küsste sie sanft auf die Nase.
