Liebe Mortianna´s Morgana ich freue mich immer wenn du Zeit findest mitzulesen, aber mach dir deswegen bitte keinen Stress. Ich komme auch momentan ganz schlecht zum Schreiben. RL fordert mich ganz schön. Vielleicht wirds mal wieder ruhiger. Mein Hoffnungen liegen auf den Sommer. ;-)

Liebe Grüße Gaby

37 Der Besuch

„Ich habe es gewusst!", rief Harry triumphierend aus. Von wegen Einbildung.

Er hatte ihn genauso deutlich sprechen gehört wie Hermione. Auch wenn Poppy meinte es wäre unmöglich, so hatte Severus sie, ohne das sie es wusste eines Besseren belehrt. Es war möglich. Er konnte wieder sprechen, wenn auch nur einzelne Worte und selbst die fielen, ihm noch schwer, aber mit der Zeit würde das bestimmt besser werden. Er hatte sich heute Morgen auf den Weg zum Kerker gemacht und dabei Hermione getroffen, die den gleichen Weg einschlug. Voller Begeisterung und mit rosigen Wangen erzählte ihm Hermione von diesem Wunder. Severus hatte wieder gesprochen. Sie sprühte dabei vor Leben und in ihren Augen stand ein besonderes Leuchten. Sie sah aus als wäre sie …

Nein. Leicht schüttelte er diesen Gedanken wieder von sich ab. Das bestimmt nicht. Sie freute sich sicher nur so sehr mit Snape, dass sie deshalb aussah, als wäre sie frisch verliebt. Gemeinsam stiegen sie die Stufen hinab in den Kerker und betraten Snapes Büro.

„Auch seine Erinnerungen kommen Stück für Stück zurück", fügte Hermione ruhig hinzu. Sie fühlte sich merkwürdig und irgendwie anders, ohne sich wirklich erklären zu können warum.

„Wir sollten es Poppy und McGonagall sagen", schlug Harry schwach vor, obwohl er eigentlich anders dachte. Sie sollten erst die beiden einweihen, wenn Snapes besser sprechen konnte. Er war dafür Snape so weit zu bringen, dass er es ihnen selber sagen konnte.

„Nein!" Energisch schüttelte Hermione den Kopf. „Wir sollten noch warten damit. Wenn wir jetzt erneut zu Poppy gehen und Severus die Stimme nicht gehorcht, werden sie uns nie wieder glauben schenken."

Zustimmend nickte auch Severus mit dem Kopf. Er hatte bereits im Büro auf sie gewartet. Er würde bestimmt keine weitere Nacht im Krankenflügel mehr verbringen und sich dabei dieses scheußliche Zeug einflößen lassen, das nebenbei bemerkt keinerlei Wirkung gezeigt hatte. Nein dieser Prozedur wollte er sich bestimmt nicht noch einmal aussetzten.

Außerdem fürchtete er die dunkeln Schatten, die ihm auf der Krankenstation begegnet waren. Schatten aus seiner Vergangenheit, aus seinem Leben, bevor er vergessen hatte, wie es war. Schnell schob er diese Gedanken zur Seite, er wollte nicht daran denken. Auf diese Erinnerungen konnte er gut verzichten.

„Also gut, dann behalten wir das Ganze vorerst für uns", erklärte sich auch Harry einverstanden. Hermiones Argument war auch nicht von der Hand zu weisen.

„Ich werde ihm helfen", erklärte Hermione leise. Sie fühlte sich nicht gut dabei, aber sie hatte es ihm versprochen. „Bleib" das, war alles, was er gesagt hatte und sie hatte nicht gewusst, wie sie ablehnen sollte, also blieb sie. Sie begegnete ihm mit den unterschiedlichsten Gefühlen. Zwiegespaltene Gefühle. Er war für sie, wie wenn es ihn zweimal geben würde. Der eine Severus, den sie kannte vor dem Krieg. Eine dunkle grauenvolle Zeit. Und der Severus, der den Krieg überlebt hatte. Die Beiden waren so verschieden wie Tag und Nacht. Der Alte war zynisch, vom Leben enttäuscht gewesen. Er war es der sie Bilder sehen ließ, die ihren Verstand zu zerstören drohten. Der den es jetzt gab, der war ganz anders.

Diesem konnte sie keine Bitte abschlagen. Dieser brauchte sie, das wusste sie. Niemals könnte sie jemanden im Stich lassen, der sie brauchte.

Harry legte ihr eine Hand auf die Schulter, und als sie den Blick zu ihm hob, meinte er: „Könnt ihr noch jemanden brauchen?"

Sein Gesicht verzog sich zu einem spitzbübischen Grinsen, dass Hermione so sehr an ihm liebte. Es vermittelte ihr das Gefühl alles würde wieder gut werden. Hermione schlang die Arme um seinen Hals und drückte ihn kurz an sich.

„Danke", flüsterte sie an sein Ohr. „Danke, dass du mein Freund bist."

Severus, der abseitsstand, beobachtete die Szene mit gemischten Gefühlen. Er spürte das irrationale Verlangen Harry am Kragen zu packen und für die Tür zu setzten. Doch er beherrschte sich und zwang dieses Gefühl in sich nieder. Er verstand sich nicht. Hermione würde ihm helfen und nicht nur sie, sondern auch Harry wollte bleiben. Er mochte den Jungen. Er wirkte ehrlich und aufrichtig auf ihn und dann war da was in seinen Augen das ihm sagte er konnte ihm vertrauen. Warum, zur Hölle, wollte er ihm dann wehtun? Woher kam nur diese unerklärliche Wut? Das lag sicher am Gedächtnisverlust. Er versteckte seine Hände am Rücken und verkrampfte sie dort, damit die anderen nicht sehen konnte, wie aufgewühlt er sich fühlte.

*

Energisch klopfte eine große, braun gefiederte Eule an ihr Bürofenster. Sie sah streng und ein bisschen überheblich aus. Seufzend erhob sich Minerva. Das Ministerium meldete sich früher als sie gehofft hatte. Sie hatte gedacht noch ein paar Tage, mindestens eine Woche Zeit zu haben, bevor sie von ihnen hörte. Aber der neue Minister Tiberius McLaggen war bekannt für sein schnelles Handeln. Eine an und für sich lobenswerte Eigenschaft, nur nicht im konkreten Fall. Sie hatte keine andere Wahl, sie musste die Eule hereinlassen.

Zögernd öffnete sie das Fenster und eine bereits zornige Eule rauschte mit heftigen Flügelschlägen herein und brachte so ihre ordentlich gestapelten Papiere auf dem Schreibtisch durcheinander. Selbstzufrieden setzte sich dann die Eule auf denselbigen und streckte Minerva ihr Bein entgegen.

„Wenn du denkst, dass du dafür eine Belohnung erhältst, dann muss ich dich enttäuschen. Schlechtes Benehmen wird von mir nicht belohnt", erklärte sie dem Tier streng und löste zugleich die Botschaft von dessen Bein.

Leicht fahrig strich sie das Blatt glatt und begann leise zu lesen. Schließlich ließ sie das Blatt sinken. Verdammt sie hatte recht. Mit einer Handbewegung scheuchte sie die Eule zum Fenster.

„Flieg zurück, woher du gekommen bist!", fauchte sie sie ungehalten an. Beleidigt hieb diese mit dem Schnabel nach ihr, erhob sich elegant in die Lüfte und verließ laut kreischend das Büro. Nachdem Minerva das Fenster wieder geschlossen hatte, wandte sie sich zu Dumbeldore um.

„Sie schicken Leute aus dem Ministerium die überprüfen sollen, ob Severus hier im Schloss bleiben darf oder nicht." Betrübt ließ sie sich in den Besucherstuhl vor dem Schreibtisch fallen.

„Wann wollen sie kommen?", fragte Dumbeldores Porträt. Minerva hob wieder das Blatt und sah erneut darauf, dann zuckte sie mit den Schultern.

„Davon steht hier nichts." Nachdenklich blickte Dumbeldore durch seine Brille.

„Ich schätze mal eine Woche wird uns noch bleiben, ehe sie hier erscheinen", meinte er schließlich. Minerva nickte zustimmend mit dem Kopf.

„Wie sollen wir nur diese Katastrophe abwehren? Es ist sein Zuhause. Sie können ihn doch nicht einfach von hier fortschicken. Wohin soll er nur gehen?"

*

Eine Woche also. Minerva hatte ihm am selben Tag diese Neuigkeit offenbart. Er hätte ihr sagen können, dass er seine Stimme wieder gefunden hatte, aber er zog es vor zu schweigen. Er wollte erst noch üben. Er wollte sicher sein, dass sie ihm, wenn es so weit war, gehorchte. Unwillkürlich verspürte er bei dem Wort Ministerium eine starke Abneigung. Aus den Tiefen seiner Seele tauchte ein einziges Bild auf.

Er stand in der Mitte eines großen, runden Raumes, der wie eine Arena wirkte. Fächerförmig waren Sitzbänke nach oben aufgebaut, sodass auch die Menschen die in der letzten Reihe saßen, ihn sehen konnten und der Raum war voller Mensch. Alle sahen ihn voller Hass und Verachtung an. Dieses Bild sah er, als er das Wort Ministerium hörte.

Gut, dass er sich heute Morgen beherrscht hatte und Harry nichts getan hatte. Noch immer wusste er nicht, was mit ihm los war. Hermione gehörte ihm und sonst niemanden. Das war es, was er fühlte, wenn er an sie dachte. Sie sollte keinen anderen umarmen, außer … Er ballte seine Hand zur Faust und legte sie sich an den Mund. Er verstand sich nicht.

Sie gehörte niemanden und schon gar nicht ihm. Ach, wenn er nur jemand hätte, der ihm das erklären konnte. Das Hologramm. Warum zeigte es sich nicht ihm? Es war ein Teil von ihm und konnte ihm so vieles erklären. Vieles, was sich ihm nach wie vor entzog, da ihm die nötigen Erinnerungen dazu fehlten. Hatte es andere Frauen, außer Lily in seinem Leben gegeben? Sie konnte doch unmöglich die Einzige gewesen sein. Aber das war nur ein Puzzlestück von so unendlich vielen. Voldemort war ein weiteres. Diese Bestie, die ihm so viel genommen hat. Dafür brauchte er seine Erinnerungen nicht um das zu erkennen.

Dieser schreckliche Krieg, an dem noch alle litten, ging auf dessen Konto. Wie konnte er das Hologramm für sich sichtbar machen? Es musste doch einen Weg geben? Es war gerade Unterricht und keine Schüler oder auch Lehrer waren im Schloss unterwegs. Er konnte also unbehelligt in die Bibliothek gehen und nachschlagen, was er alles über die Funktionsweise eines Hologramms fand. Später würde er sich seinen Erinnerungen widmen. Eine Woche war nicht viel um ein ganzes Leben zurück zu bekommen, aber er würde es dem Ministerium beweisen. In der Bibliothek war er wie erhofft alleine und ungestört. Er lief durch die Buchreihen, ohne genau zu wissen, wo er finden würde, wonach er suchte.

Wahllos zog er Bücher heraus, studierte den Inhalt und steckte sie ärgerlich, weil sie die Informationen, die er suchte, nicht enthielten, wieder zurück. Wenn er so weitermachte, würde er sie nie finden. Erneut schob er voller Wucht ein Buch zurück, dabei löste sich ein anderes und drohte zu Boden zu stürzen. Schnell griff er danach, aber nicht schnell genug. Ein anderer fing das Buch auf.

„Sie sollten mit Büchern nicht so umgehen. Laut Hermione enthalten sie einzigartiges Wissen von unschätzbarem Wert." Ron steckte das Buch vorsichtig an seinen Platz zurück. Severus musterte ihn dabei vorsichtig. Der Junge war ihm bisher nur feindselig gesinnt gewesen, also war er auf der Hut.

„Was … was suchen sie eigentlich?", wagte Ron zu fragen.

*

Eine Woche war so wenig Zeit, wenn man so viel vorhatte. Severus trieb sich an seine Grenzen und die anderen fast in den Wahnsinn, denn er verriet den Grund für seine plötzliche Eile nicht. Eigentlich wollte er kein Geheimnis daraus machen, aber es lag scheinbar nicht in seiner Natur über sein Leben, oder das was ihn bewegt zu sprechen. Es war besser manches für sich zu behalten.

„Ich weiß, wer ich bin!" wiederholte er zum unzähligsten Male und blickte die beiden triumphierend an. Er konnte es. Diesen einen Satz konnte er beinahe fliesend sprechen. Viel mehr brauchte er auch morgen nicht sagen, man erwartete bestimmt keine große Rede von ihm. Er war nicht bekannt gewesen, als jemand der sich in ellenlangen Monologen verlor, sondern das Gegenteil war der Fall.

„Mein Name ist Severus Snape und ich erinnere mich an alles." Das war der zweite Satz, den er sagen wollte. Doch leider scheiterte er immer an seinem Namen. Er konnte seinen eigenen Namen nicht aussprechen, wie sollte er da das Ministerium überzeugen? Diesen Satz übte er nur, wenn er alleine war. Er stellte sich vor den Spiegel und übte. Trainierte dabei auch seinen Gesichtsausdruck, seine Mimik. Sie sollten ihm diese Lüge glauben.

*

Der Minister höchstpersönlich war gekommen. McLaggen gehörte zu jenen Männern, die wussten, was sie wollten und die damals lieben gerne gesehen hätten wie Severus Snape verurteilt wurde und für immer nach Askaban verschwand, wo er nach seiner Meinung genau hingehört. Er war ein treuer Anhänger Voldemorts gewesen. Er hatte grauenhafte, abscheuliche Dinge getan. Er hasste ihn, er verachtete ihn, doch damals half ihm Professor Dumbeldore.

Er legte seine Hand schützend über ihn und was hat es ihm gebracht. Die Schlange, die er an seiner Brust genährt hatte, tat genau das, was von ihr erwartet wurde. Er tötete Dumbeldore. Snape ermordete seinen Mentor. Er war ein Mörder, der noch immer frei herumlief. Doch heute hatte sich das Blatt gewendet, denn McLaggen hatte sich geschworen auch über die letzten Diener des dunklen Lords zu richten. Niemand schützte ihn mehr vor seiner gerechten Strafe, die nun über ihn kommen würde. Dieser Bastard würde für all seine Sünden bezahlen.

Durch einen puren Zufall war es ihm zu Ohren gekommen, dass dieser noch lebte. Ganz Hogwarts einschließlich der Schulleiterin hüllten sich darüber in Schweigen. Auch diesem Versäumnis würde er noch nachgehen, doch zuerst würde er sich um Snape kümmern. „Ich werde ihm seine Stellung, seine Reputation, nehmen, dann sein Zuhause und zu guter Letzt jegliche Hoffnung." Schwor er sich im Stillen und wartete dabei auf das Erscheinen seines Feindes.