Vielen Dank für dein Review, Mortianna´s Morgana und deine Geduld! Heute gehts mal weiter. ;-)
Liebe Grüße Gaby
38 Die Kunst des Brauens
„Es tut mir leid, aber er besteht darauf dich zu sehen", eröffnete Minerva Severus gepresst.
Ganz konnte sie die plötzliche Eile des Ministers nicht verstehen. Immerhin war Severus seit 20 Jahren Lehrer an der Schule, und auch wenn es ihm an menschlichem Feingefühl mangelte, auf seinem Gebiet war eine unschlagbare Koryphäe. Er schaffte es selbst dem Unfähigsten, falls er vor lauter Furcht nicht vorher die Flucht ergriff, die Grundzüge der Zaubertranklehre nahe zu bringen.
Von daher war es schändlich wie Minister McLaggen versuchte ihn loszuwerden, aber anders konnte sie sich sein überstürztes Erscheinen hier auf Hogwarts nicht erklären. Stumm nickte Severus zu ihren Worten und folgte ihr. Noch ahnte sie nichts von seinen Fortschritten. Er würde dem Minister beweisen, dass er nicht nur sprechen konnte, sondern auch alles über sein Leben wusste, auch wenn er in Wahrheit kaum eine Ahnung davon hatte.
Seite an Seite stiegen sie die Stufen hoch zu Minervas Büro. Der Minister hatte es sich dort so bequem gemacht, dass man im ersten Moment den Eindruck gewann, es wäre seins und nicht das von Minerva McGonagall. Beim Erscheinen der Beiden erhob er sich hinter dem Schreibtisch, dabei musterte er Severus finster und offensichtlich feindselig.
Neugierig starte Severus zurück und fragte sich unwillkürlich, ob er diesem Mann irgendwann in der Vergangenheit schrecklich unrecht getan hatte, denn wie sonst sollte er sich diesen Blick erklären. Mit für ihn typisch bemessenen Schritten trat er näher und trug so einen Hauch Überlegenheit zur Schau. Seine Hände hielt er in Brusthöhe so zusammen, dass sich nur die Fingerspitzen berührten. So wirkte er nicht, wie jemand der keine Ahnung hatte, wer er war, oder der befürchten musste das Schloss, sein einziges Zuhause, verlassen zu müssen.
So viel anmaßende Arroganz ließ McLaggen mit den Zähnen knirschen, doch er bemühte sich seinen Unmut unter Kontrolle zu halten. Er kam aus einer sehr alten Familie und er war der Minister, solche Menschen gaben sich niemals, unter keinen Umständen, irgendeine Blöße.
„Nun, Mr. Snape, mir kam zu Ohren, dass sie durch ihren bedauernswerten Unfall ihr Gedächtnis und die Fähigkeit zu sprechen verloren haben. Sind diese Angaben korrekt?"
Scharf musterte er ihn und wartete auf nichts, denn weiters haben ihm seine Informanten auch zugetragen, dass es höchst unwahrscheinlich war, dass Severus Snape jemals wieder würde sprechen können. Severus richtete sich zur vollen Größe auf. Ihm war nicht entgangen, dass McLaggen ihn nicht mit Professor, sondern mit Mister ansprach. Das konnte eigentlich nur eines bedeuten.
Der Minister war sich ziemlich sicher, dass er nie wieder würde unterrichten können. Minerva setzte zu einer Antwort an, doch Severus hob die Hand und deutete ihr so sie möge schweigen. Er holte tief Luft und begann sich zu konzentrieren. Das war sehr wichtig für ihn. Er machte einen kleinen Schritt auf den Minister zu und begann zu sprechen.
„Mein Name ist Sev … sev …." Frustriert brach er ab.
Es hatte keinen Sinn, er konnte seinen Namen einfach nicht sagen. Zuerst starrte sie ihn ungläubig an und dann durchflutete sie Erleichterung. Severus konnte tatsächlich wieder sprechen. Es war ein Wunder. Jetzt mussten sie nur noch den Minister überzeugen und loswerden.
„Du kannst es", flüsterte Minerva ihm leise zu und legte ihm zuversichtlich ihre Hand auf den Arm.
Entschlossen strafte er die Schultern und probierte es noch einmal.
„Mein Name ist Severus Sn … Sn … Snape" glücklich sah er zu Minerva. Er hatte es geschafft.
„Und? Das war doch wohl nicht alles was sie mir zu sagen haben?", kam es kalt vom Minister. Mit so einem lächerlichen Satz würde er sich bestimmt nicht abspeisen lassen.
„Und ich wei … wei … weiß alles!", trumpfte Severus auf und hätte am liebsten die ganze Welt umarmt. Er konnte es. Er konnte wieder sprechen.
Der Minister würde ihn nicht aus seinem Zuhause vertreiben können. Nun durfte er bestimmt bleiben.
„Sie haben gesehen, dass er entschieden Fortschritte gemacht hat. Ganz ist seine Genesung noch nicht abgeschlossen, aber wir sind sehr zuversichtlich, dass er schon bald wieder als Lehrer tätig werden und somit das Haus Slytherin leiten kann."
McLaggen schürzte seine Lippen und schien nachzudenken.
„So ganz bin ich noch nicht überzeugt. Ich will Beweise. Außer dieser lächerlichen Sätze, die er wie ein Papagei von sich gibt!", erwiderte McLaggen barsch, schnappte sich seinen Umhang und Hut und rauschte zur Tür.
Mit der Klinke in der Hand hielt er noch einmal inne.
„Ich erwarte eine Präsentation seines Könnens. Und ich erwarte sie bald!"
Mit diesen Worten setzte er sich den Hut auf und verschwand.
Beide starrten noch einen Augenblick lang auf die Tür und rechneten dabei fest damit, dass McLaggen noch einmal zurückkam, aber die Tür blieb geschlossen und der Minister war bestimmt schon wieder in seinem Ministerium.
„Sag mir das du nicht nur deine Stimme, sondern auch dein Gedächtnis zurück hast", bat Minerva ihn eindringlich. Bedauernd zuckte er mit den Achseln.
„Nun ja", seufzte sie.
„Man kann eben nicht alles auf einmal haben."
Betrübt umrundete sie den Schreibtisch und ließ sich auf ihren Stuhl fallen.
„Und was machen wir jetzt?"
Ratlos zuckte Severus mit den Achseln.
„Jetzt bringen wir ihm das Brauen von Zaubertränken bei und beweisen dem Minister, dass er es kann", mischte sich nun auch noch Albus ein.
Zögernd blickte Minerva auf Severus und wartete ab, was er von diesem Vorschlag hielt. Lange stand er starr da. Minerva war schon einmal mit dieser absurden Idee Unterricht zu nehmen gekommen, hatte die aber, Merlin sein Dank, wieder fallen gelassen.
„Bleibt doch eigentlich nur die Frage zu klären, wer es ihm beibringen soll, bis er es natürlich selber wieder weiß."
Für Albus war alles klar und er übersah wie immer was andere von seinen Ideen hielten.
„Wir könnten doch …", begann Minerva vorsichtig, unschlüssig zuckte sie mit den Schultern.
„Hermione … sie war deine beste Schülerin. Sie könnte dir bestimmt genug zeigen um den Minister zu überzeugen."
*
Lachend hielt Ginny den Kochlöffel, selbst Ron musste sich ein Grinsen verkneifen, aber es sah auch zu komisch aus. Severus hatte es geschafft und einen der Kessel in seiner Ungeduld zum Explodieren gebracht. Nun ergoss sich über den ganzen Tisch und ihm grüner, ekeliger Schleim. Zornig blickte er in die Runde, was irgendwie auf alle noch komischer wirkte.
Wie kam es eigentlich das sich so viele Menschen um ihn scharrten? Er hatte bis auf Hermione und vielleicht auch noch Harry niemanden eingeladen und selbst die Zwei kamen unaufgefordert zu ihm. Gut Ginny war mit Harry gekommen, weil sie einfach neugierig war, aber Ron … Seit sie einander in der Bibliothek begegnet waren, hatte sich etwas zwischen ihnen verändert.
Ron war nicht mehr ganz so feindselig ihm gegenüber. Ganz verstanden hatte er dessen Abneigung sowieso nicht. Er war bestimmt nicht unfreundlicher zu ihm gewesen, wie zu jedem anderen hier im Schloss und nur weil er überlebt hatte ... So wie es aussah, hatte ihn vermutlich auch die Neugierde in den Kerker herab getrieben.
Das und vermutlich auch die Tatsache, dass Hermione und Harry seine besten Freunde waren. Hermione bemühte sich ein ernstes Gesicht zu machen, während sie ihn und den Tisch, einschließlich dem zerbeulten Kessel mit einem Zauber reinigte, aber an ihren roten Backen und dem verkniffenen Mund konnte er erkennen, dass es ihr schwer fiel, nicht zu lachen. Am liebsten hätte er alles hingeschmissen. Er war nicht zu seinem Vergnügen hier und hatte es bestimmt nicht nötig das sie sich auf seine Kosten amüsierten.
„Seien sie nicht böse, Professor. Wir lachen sie bestimmt nicht aus, es sieht nur einfach komisch aus, das ist alles.", versuchte Ginny ihn milde zu stimmen.
Er mochte vielleicht nicht mehr so sein, wie er vor dem Angriff von Voldemort war, aber dennoch schlummerte immer noch genug vom alten Snape in ihm, als das er es zulassen würde, dass man über ihn lachte. Er wartete, bis alle wieder ernst geworden waren, dann begann er von Neuem.
Er warf Zutaten in den Kessel, erhitzte ihn, rührte den Sud wie angegeben nach rechts oder nach links. Schweiß hatte sich auf seiner Stirn gebildet. Es fiel ihm nicht leicht. Umso mehr erstaunte es ihn, dass er genau dieses Fach so viele Jahre unterrichtet haben soll. Er konnte sich bisher nur an Kleinigkeiten, Gefühle und einzelne Bilder aus seinem Leben erinnern.
Zaubertränke brauen war da bisher nicht dabei gewesen, doch je länger er hier rührte und umso mehr er sich konzentrierte, umso vertrauter kam es ihm vor, oder bildete er sich das nur ein?
„Wunderbar! Das ist perfekt!", rief Hermione aus, die ihn überwachte und anleitete. Die Anderen waren nur Zuschauer, uneingeladene Gäste.
„Sehen sie, Professor, sie haben nichts verlernt. Das ist so wie Fahrrad fahren, das verlernt man auch nie!"
Severus runzelte bei Ginnys enthusiastischen Worten die Stirn. Diesen blöden Spruch mit dem Fahrrad hatte er noch nie verstanden, was vermutlich daran lag, dass er nicht Fahrrad fahren konnte. Genervt schloss er die Augen. So was wusste er natürlich. Dass hier, Zaubertränke brauen, sollte er eigentlich im Schlaf können, aber nein, dieses Wissen durfte er sich wieder mühselig aneignen.
Unsicher sahen die Vier ihn an. Vielleicht war es falsch gewesen ihn hier zu überfallen und in seiner Nähe zu bleiben, schließlich war es genau das, was er hasste. Er mochte keinen Menschen um sich, mochte er noch nie, aber irgendwie hatten sie das Gefühl, das hätte sich geändert. Vielleicht lagen sie falsch damit?
„Wir sollten gehen und Professor Snape seinen Studien überlassen", schlug Ron ernst vor und stand bereits auf.
Auch Ginny hatte den Kochlöffel hingelegt und erhob sich ebenfalls. Ron hatte bestimmt recht. Verwirrt blickte Severus sie an, als sie sich alle anschickten den Raum zu verlassen.
„Wo … wo … wo wollen sie den hin?"
Es störte ihn nicht fröhliche junge Menschen um ihn zu haben, zeigte es ihm doch, dass er noch am Leben war.
„Wir dachten sie wollten ihre Ruhe haben", sagte Hermione.
Erneut runzelte er die Stirn, schweigend deutete er auf den Kessel. Er wollte sich nicht von einem bonierten Minister von hier vertreiben lassen, und wenn er dafür ihre Nähe ertragen musste, dann würde er das tun.
„Es macht ihnen nichts aus, wenn wir bleiben?", fragte Harry zur Sicherheit nach.
Verneinend schüttelte Severus seinen Kopf. Tatsächlich störte es ihn nicht so sehr, wie sie scheinbar erwarteten.
„Wenn das so ist, dann lassen sie uns noch einen anderen Trank brauen.", schlug Hermione vor.
Es gab für ihn noch einen Grund, warum es nicht so schlimm war, für ihn sie um sich zu haben. Hermione. Es war ihm wichtig sie bei sich zu haben. In ihrer Nähe war alles für ihn leichter, erträglicher. Unauffällig beobachtete er sie. Sie war viel zu jung für ihn. Sie war praktisch, obwohl bereits achtzehn, selber noch Schülerin und er … Er war im Vergleich dazu ein alter Mann.
Von daher hatte er kein Recht sich Gedanken über sie zu machen und dennoch spuckte sie in seinem Kopf herum. Gerade strich sie sich ihr Haar mit einer nachlässigen Geste hinter ihr Ohr. Eigentlich war sie nicht dazu angetan seine Aufmerksamkeit zu wecken und doch so als könnte er gar nicht anders sah er fasziniert zu.
Konzentriert blätterte sie im Zaubertränkebuch für Fortgeschrittene. Sie hielt sich das Buch fast zu dicht vor die Nase, sodass er sich nicht sicher war, ob sie überhaupt noch lesen, konnte was da stand, aber ihre Stirn, die sie in leicht Falten gelegt hatte, sagten ihm das sie sehr wohl imstande war zu lesen, was sich so nahe vor ihren Augen befand. Beinahe musste er ein Schmunzeln unterdrücken, aber nur beinahe.
Severus Snape schmunzelte nicht, niemals. Tief holte er Luft und wandte sich den offenen Seiten zu, die sie ihm gerade unter die Nase hielt. Sie hatte einen neuen Trank für ihn gefunden. Erstaunt zog er eine Augenbraue in die Höhe, als er den Namen des Trankes las, dann blickte er auf sie und legte dabei den Kopf leicht zur Seite. Sie wollte also das er diesen braute?
„Ich … ich … ich dachte, da er so Unterschiedliche … ich meine er ist ein bisschen komplizierter als die anderen."
Verstehend nickte er und nahm ihr das Buch aus den Händen. Kurz berührten sich ihre Finger. Wärme durchströmte seine Haut, wo sie auf ihre traf und in den Fingerkuppeln spürte er ein leises Kribbeln. Hastig zog Hermione ihre Hände zurück, als hätte sie sich verbrannt, also hat sie es auch gespürt.
Zufrieden nahm er das Buch mit sich und begann die Zutaten für den Trank vorzubereiten.
