Vielen Dank für die Reviews, Mortianna´s Morgana, Tinschchen und Lena5972! Bis zum hoffentlichen Happy End wirds noch ein bisschen dauern, da Severus gerade sehr auf stur schaltet. Männer eben! ;-)

Liebe Grüße Gaby

41 Panik

Wie gelähmt stand sie da, war unfähig sich zu bewegen. Sie konnte kaum atmen. „Was ist passiert?", flüsterte sie.

„Wenn sie es unbedingt wissen wollen, auch wenn es sie nichts angeht - ich weiß alles. Das ist passiert. Und nun raus hier. Ich will sie und ihre Freunde nicht mehr sehen!" Das Wort Freund spie er wie eine tödliche Krankheit aus.

Noch immer herrschte rund um sie, bis auf das spärliche Licht, das ihr Zauberstab warf, undurchdringliche Dunkelheit. Auf Hermione wirkte diese plötzlich äußerst bedrohlich.

„Ich …" Jetzt. Jetzt sollte sie es ihm sagen. Ihm sagen das sie das alles heute nicht so, sondern ganz anders gemeint hatte.

„Raus sagte ich!", brüllte Severus und erhob sich.

Eiskalt sah er sie an. Hermione erbleichte, drehte sich um und verließ hastig seine Räume. Draußen lehnte sie sich an die kalte, steinerne Wand. Tränen flossen ihr ungehindert über die Wangen. Das war ihre Schuld. Das hatte sie ihm angetan. Warum nur hatte sie nicht den Mund gehalten?

Aufschluchzend rannte sie die Stufen nach oben, bis zu ihrem Turm und weiter. Sie blieb erst vor ihrem Bett stehen, warf sich auf dieses und weinte, bis sie keine Tränen mehr hatte. Ihn so zu sehen tat ihr tief bis in die Seele weh. Sie hatte so sehr gehofft das er …

Vielleicht hatte sie zulange gezögert. Sie hätte ihm doch nur zeigen müssen, dass sie seine Vergangenheit verstand und ihn nicht dafür verurteilte. Sie hätte ihm sagen müssen, dass sie ihn annahm, so wie er war, ohne Vorurteile, weil er war wer er war. Sie hatte so ein Gefühl, diese Möglichkeit für immer verspielt zu haben. Niemals wieder würde er sie nahe genug an sich heranlassen, damit sie ihm das sagen konnte.

*

Zwei Tage waren vergangen, seit er seine Erinnerungen zurückbekommen hatte. Noch wusste außer Hermione niemand davon. Er hatte es für sich behalten. Heute war sein großer Auftritt vor Tiberius McLaggen, auf ihn hatte er gewartet. Gefasst machte er sich auf den Weg in Minervas Büro. Nichts und niemand würde ihn aus Hogwarts vertreiben. Nicht wenn er es nicht wollte.

Zurückhalten klopfte er an und wartete darauf hineingebeten zu werden. Minervas kräftige Stimme drang an sein Ohr. Er öffnete die Tür, trat ein und schloss sie wieder hinter sich. Er unterdrückte den Drang die Arme vor der Brust zu verschränken, das würde zu sehr seine Überlegenheit demonstrieren und er wollte den Überraschungsmoment auf seiner Seite haben.

„Nun Mr. Snape haben sie noch ein paar Tricks dazugelernt, seit unserer letzten Begegnung?", fragte McLaggen ihn spöttisch und verzog dabei seinen schmallippigen Mund zu einem provozierenden Grinsen.

Er war sich so sicher, dass er diesen Mann, der in seinen Augen eine Schande für ganz Hogwarts war und eigentlich gar nicht hier sein sollte, um Kinder zu unterrichten, das er diesen Mann heute endlich in seine Schranken weisen konnte. Severus hatte bei der Tür gewartet. Nun kam er näher. Er erlaubte sich endlich die Hände vor der Brust zu verschränken. Verächtlich sah er auf den Zauberminister.

„Niemand wird mich von hier vertreiben, außer Professor Dumbledore. Ich brauche Ihnen gar nichts zu beweisen, mein Wort wird Ihnen genügen müssen und das natürlich von der Schulleiterin."

Minerva schnappte überrascht nach Luft. Das klang eindeutig nach dem alten Severus.

„Seit wann …", begann sie, brach aber rasch ab. Dafür war später Zeit. Das würde sie bestimmt nicht vor McLaggen erörtern.

„Professor Snape hat das Wesentliche bereits gesagt, aber lassen sie mich noch hinzufügen, dass ich voll und ganz hinter meinen Lehrern stehe und keinen Zweifel an ihren Fähigkeiten zum Unterrichten und Führen der jungen Schüler hege." Sie betonte jedes Wort, damit McLaggen erkennen konnte wie ernst es ihr damit war.

McLaggen erkannte, wann er sich geschlagen geben musste. Vorerst würde Snape verschont bleiben, aber er würde ihn nicht aus den Augen lassen. Ohne ein weiteres Wort verließ er Minervas Büro und Hogwarts. Minerva wartete bis seine Schritte verklungen waren, dann erlaute sie sich tief Luft zu holen. Es war vorbei. Severus in Sicherheit.

„Ich werde bis zum Ende des Schuljahres bleiben. Danach wird es für mich hier kein weiteres Schuljahr mehr geben", sagte er ernst und wartete.

„Du willst Hogwarts verlassen?" Fassungslos sah sie ihn an.

„Es ist für mich nicht mehr möglich noch länger hier zu bleiben", erklärte er knapp.

Er war gedemütigt worden. Alle hatten ihn gesehen. Als Krüppel ohne Gedächtnis. Er hatte sich vor aller Augen lächerlich gemacht. Vermutlich amüsierten sie sich gerade jetzt hinter seinem Rücken köstlich über ihn. Und dann war da noch Hermione.

Sie hatte Dinge gesehen. Dinge, die niemand wusste. Nicht einmal Dumbledore. Er wollte sie nie wieder sehen, außer er dürfte ihre Erinnerungen, die ihr eigentlich nicht gehörten, löschen. Ein Blick auf Minerva ließ ihn diesen Gedanken gleich wieder vergessen. Niemals würde er die Erlaubnis dafür bekommen.

„Du erinnerst dich wieder, nicht wahr?" Das war keine Frage. Minerva war sich ziemlich sicher das es so war.

„Ich weiß wieder, wer ich bin, wenn du das meinst."

„Du musst nicht gehen. Dein Platz ist hier", versuchte sie ihn zu überreden.

„Du nimmst also meine Kündigung an?", fragte er und ignorierte dabei alles was sie gesagt hatte.

Minerva schluckte, dann nickte sie.

„Gut" Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und rauschte hinab in den Kerker.

*

Sie hatte bisher noch nichts zu den Anderen gesagt, sie würden es auch so früh genug merken, dass ab jetzt ein anderer Wind aus dem Kerker wehte. Ginny hatte sie dazwischen einmal gefragt, was ihr fehlte und sie hätte gerne Severus geantwortet, aber sie hatte nichts gesagt. Für Harry tat es ihr leid. Er hatte so sehr unter Severus gelitten. Harry war ein guter Mensch, und auch wenn er früher schlecht über Severus geredet hatte, so hegte er doch insgeheim den Wunsch von ihm anerkannt zu werden.

Genau diese Anerkennung hatte er in den letzten Tagen und Wochen von ihm erhalten und nun würde er sie ihm eiskalt wieder entziehen. Sie waren beinahe Freunde geworden. Sie hatte das Gefühl Severus hatte begonnen Harry zu vertrauen. Plötzlich stiegen ihr Tränen in die Augen. Schnell blinzelte sie sie wieder fort. Sie hatte genug geweint. Hier saß sie nun beim Frühstück mit ihren Freunden und sah sie gar nicht. Immer wieder huschte ihr Blick auf die Uhr und dann zum Lehrertisch. Severus hatte heute seinen großen Tag.

Der Zauberminister würde kommen, um ihn zu prüfen. Er würde die Prüfung souverän und ohne jede Schwierigkeit bestehen, da war sie sich ganz sicher, aber dennoch konnte sie es nicht vermeiden sich Sorgen zu machen. So kalt. Er war so kalt gewesen. Dem Zauberminister würde er es gründlich geben. Der setzt bestimmt nicht mehr so schnell einen Fuß auf das Gelände von Hogwarts, aber das war ihr egal. Er war wichtig. Was wurde aus ihm?

*

Starr starrte er auf die Wand. Er hatte alle Spuren beseitigt. Die Phiolen, das Hologramm, alle Bücher, einfach alles, was mit Hermione und ihm zusammenhing. Das mit dem Hologramm bereute er bereits. Er hätte ihn noch so vieles Fragen können. Leicht verzog sich sein Mund. Vielleicht war es besser so. Er musste nicht alles wissen.

Der Raum war leer und kalt. All die Bücher, die Tränke, Kräuter und sonstigen magischen Kram, den er angesammelt und so kostbar gehütet hatte, waren ohne Bedeutung, ohne Seele. Er mochte sein Büro nicht mehr. Gut, das er am Ende des Schuljahres von hier fortging.

Alles, was ihm im Leben einmal wichtig war, hatte seinen Sinn verloren. Was hatte ihm Voldemort der elende Bastard und seine bescheuerte Schlange ihm nur angetan? Konnte dieser Mistkerl nicht einmal etwas richtig machen?

Plötzlich begann sein Herz zu rasen und seine Hände wurden schweißnass. Er bekam keine Luft mehr. Heftig zog er am Kragen seines Hemdes und nestelte mit zitternden Fingern an den Knöpfen, bis er sie auf bekam. Er ging auf die Knie und versuchte verzweifelt sich zu beruhigen. Benommen wartete er, bis der Anfall vorüberging.

Seit er erwacht war, hatte er keinen mehr gehabt. Warum ausgerechnet jetzt? Weil seine Vergangenheit zurück war, um ihn zu quälen.

*

Unschlüssig stand sie vor der Tür. Konnte sie es wagen? Er würde wieder grausam sein zu ihr. Und wenn nicht? Zögernd streckte sie die Hand aus und zog sie wieder zurück. Entschlossen streckte sie sie wieder aus und klopfte sachte, leise an. Nichts war zu hören. Er antwortete ihr nicht. Ihre Hand glitt wie von selbst zum Türgriff. Sollte sie?

„Rede mit ihm! Versuche ihm zu erklären, dass du ihn niemals verletzten wolltest!", forderte ihre innere Stimme sie auf.

Mühsam schluckte sie und drückte die Tür auf. Zuerst konnte sie ihn gar nicht sehen, doch als sie ihn entdeckte, eilte sie panisch auf ihn zu. Noch immer kniete er auf dem Boden. Schien, um sich nichts wahrzunehmen. Sie kniete sich neben ihn und legte die Arme von hinten um ihn.

„Was hast du? Was fehlt dir?", stieß sie verzweifelt hervor.

Er antwortete nicht. Fest nahm sie ihn in die Arme.

„Sprich mit mir! Was kann ich tun?"

Severus schloss die Augen und ließ sich in ihre Arme fallen. Sein Atem wurde ruhiger und auch sein Herz beruhigte sich wieder.

„Nichts! Es ist vorbei", flüsterte er außer Atem.

Er versuchte sie fort zustoßen, aber es fehlte ihm die Kraft dafür. Lange Zeit sprach keiner von ihnen. Erst als sein Atem wieder ruhig und gleichmäßig ging, löste er sich von ihr und erhob sich. Er wandte ihr den Rücken zu.

Sie hatte gesehen, dass er schwach war. Hermione stand ebenfalls auf und räusperte sich leise.

„Ich wollte mich entsch…", begann sie, kam aber nicht weiter, denn Severus fiel ihr schroff ins Wort.

„Miss Granger muss ich sie dran erinnern, dass es sich hier um meine privaten Räume handelt und sie diese ohne Aufforderung nicht zu betreten haben?"

Wie oft würde er sich in ihrer Gegenwart noch erniedrigen? Nun kannte sie sein größtes Geheimnis. Nicht einmal Dumbledore ahnte etwas davon. All der Druck, unter dem er ständig stand, blieb nicht ohne Nebenwirkungen. Er litt seit Jahren unter Panikattacken, seit jener Nacht in der Lily starb. Bisher konnte er es gut verbergen, keiner ahnte davon bis heute.

Bis diese aufdringliche Person, Hermione Granger, einfach unaufgefordert bei ihm eindrang und ihn so sah. Wie er wie ein zitternder Haufen am Boden lag und um Atem rang.

„Severus ich …"

„Wenn sie davon jemanden erzählen, werden sie es bereuen."

Wieder ließ er sie nicht ausreden, er wollte nicht hören, was sie zu sagen hatte. Er wollte nur das sie verschwand. Bis jetzt war Hermione die Ruhe selbst gewesen, hatte an seine Vernunft appellieren wollen, aber nun erkannte sie, dass sie damit bei ihm nicht weit kam und schön langsam fühlte sie auch Wut in sich hochsteigen. Sie hatte ihm nichts getan, hatte nur versucht ihm zu helfen und er behandelte sie als Dank dafür wie den letzten Dreck.

„Was denkst du eigentlich wer ich bin?" Scharf kamen die Worte von ihr.

Sie hatte die Hände vor der Brust verschränkt und ihr Kinn trotzig nach vorne geschoben. Innerlich fühlte sie sich dabei nicht ganz wohl ihm Paroli zu bieten, aber sie konnte, sie durfte sich von ihm nicht so behandeln lassen. Langsam drehte er sich um und betrachtete sie Stirnrunzeln.

Sie war wunderschön, sie besaß einen scharfen Verstand und sie hatte ein gutes Herz, das dachte er von ihr. Sie war der Mensch gewesen, der ihn die vergangen Wochen durch die Dunkelheit begleitet hatte, ohne dafür etwas von ihm zu fordern oder zu verlangen. Sie war da gewesen, wenn er sie brauchte.

„Nichts denke ich von dir, gar nichts!", erwiderte er kalt. Er konnte nicht zugeben, was er tatsächlich fühlte. Das hatte er nie gelernt.

„Du lügst!" Selbst in ihren Ohren klang ihre Stimme schrill und voller Schmerz.

Abwartend betrachtete sie ihn. Wartete auf eine Geste, ein Zeichen, auf irgendwas. Die Mauer, die er über die Jahre um sich errichtet hatte, war zu hoch um den Mann dahinter entdecken zu können oder sie einfach zu überwinden. Zu dick um sie zu durchbrechen oder einzureißen. Starr blickte er sie an, unfähig sich ihr zu öffnen, wobei er nicht sicher war, ob er das überhaupt wollte.

„Sie sollten gehen", schlug er ihr trocken vor.

Seine Augen wanderten über sie, prägten sich ungewollte jedes noch so kleine Detail von ihr ein. Bald war er fort und dann würde er sie nie wieder sehen.

„Ich kann dir helfen!"

Helfen?

Wie von weit weg drangen die Worte zu ihm. Ihm konnte keiner mehr helfen.