Vielen Dank für die netten Kommentare, AnnaMa424, Lena5972 und Mortianna´s Morgana! Ich freu mich, dass ihr alle noch mitlest, auch wenn´s immer mal dauert bis was Neues kommt. Schön langsam kommen sich die Beiden endlich näher. ;-)
Liebe Grüße Gaby
45 Unerwartetes Geständnis
Musik erklang aus der großen Halle und lud so alle ein einzutreten und mitzufeiern. Alle aus dem Schloss hatten sich eingefunden, um endlich wieder einmal gemeinsam zu lachen und ausgelassen zu sein. Alle außer Hermione. Sie hatte sich abseits einen Platz gesucht und blickte gelangweilt in die Menge.
Zum wiederholten Male fragte sie sich, was sie hier eigentlich tat. Sie hatte keine Lust sich zu amüsieren. Nicht ohne ihn. Er fehlte ihr. Eigentlich wollte sie gar nicht kommen, aber Ginny hatte sie ständig gedrängt mitzukommen und irgendwann hatte sie ja gesagt um ihre Ruhe zu haben. Wäre sie heute nicht mitbekommen, dann hätte es bestimmt merkwürdig ausgesehen.
Sie blickte auf ihre Uhr. Eine Stunde würde sie noch bleiben und dann unauffällig verschwinden. Sie würde morgen behaupten müde gewesen zu sein.
„Willst du tanzen?" Dean war ohne das sie es merkte an ihre Seite getreten. Erschrocken sah sie zu ihm hoch.
„Entschuldige, was hast du gesagt?"
„Ich habe dich nur gefragt, ob du mit mir tanzen möchtest?"
Verlegen blickte sie zur Seite. „Ich … es tut mir leid, aber ich bin sehr müde und außerdem habe ich mir den Fuß verstaucht"
Das klang selbst in ihren Ohren lahm, aber Dean schluckte es. Er zuckte mit den Achseln und ging. Er würde eben Pansy fragen. Hermione fragte sich unterdessen ob es nicht doch klüger war früher zu gehen. Unauffällig schob sie sich Richtung Ausgang. Keiner sah sie oder nahm Notiz von ihr. Es würde ein leichtes werden von hier zu verschwinden.
Minerva hatte die Nase gestrichen voll von Severus ständigen Ausreden, warum er nicht beim Fest dabei sein wollte. Noch war er Lehrer hier und sie würde eben seinen Besuch auf dem Fest zur Pflicht machen. Sie blickte sich im Saal um und sah seit langer, langer Zeit nur fröhliche, glückliche Gesichter und Severus sollte da auch dabei sein. Sie alle hatten diesen schrecklichen Krieg überlebt.
Es war schlimm gewesen, doch nun wurde es an der Zeit nach vorne zu blicken. Jene Freunde und Familienmitglieder, die diesen Krieg nicht überlebt hatten, würden in ihren Herzen unvergesslich bei ihnen sein. Der Einzige der sich dagegen hartnäckig sträubte war Severus, aber damit war jetzt Schluss. Entschlossen verließ sie das Fest und stürmte hinab in den Kerker. Sie fand ihn neben dem Kamin sitzend, die Nase tief in ein Buch gesteckt.
„Du wirst dich nicht länger verstecken!", begann sie angriffslustig. Aufrecht, die Hände in den Hüften gestemmt, stand sie da.
Bedächtig schloss Severus das Buch und legte es in seinen Schoss.
„Minerva!", rief er überrascht aus. „Was kann ich für dich tun?" Er wirkte kühl und beherrscht wie immer auf sie.
„Du kannst auf das Fest gehen und dich amüsieren", schlug sie zornig vor.
„Du kennst meine Einstellung zu diesen überflüssigen Veranstaltungen. Ich habe kein Interesse daran hormongesteuerten Teenagern bei ihren Verrenkungen die sie tanzen nennen zu zusehen", erwiderte er bissig.
Er schlug sein Buch auf und vertiefte sich wieder in den Text. Für ihn war das Gespräch beendet. Minerva schloss für einen Moment die Augen um sich zu sammeln, denn ansonsten, da war sie sich ganz sicher, würde sie Severus in eine Ratte oder in eine hässliche kleine Kröte verwandeln und darauf herumtrampeln. Er machte sie so wütend.
„Ich brauche auf dem Fest noch eine Aufsichtsperson und da du dich weigerst dich zu amüsieren, kannst du das machen!"
Sie wartete gar nicht erst seinen Widerspruch ab, sondern machte auf dem Absatz kehrt und rauschte aus seinen Räumen dabei schlug sie laut die Tür hinter sich zu.
Zornig knallte er das Buch zu und stand auf.
„Diese verdammte Hexe!", zischte er wütend durch die Zähne.
Wie konnte sie es wagen ihn zu zwingen auf das Fest zu gehen. Nur weil sie die Schulleiterin war, gab ihr das noch lange nicht das Recht mit ihm so umzuspringen. Er würde sich weigern und einfach nicht hingehen, dann würde sie schon merken, was er von ihren Befehlen hielt. Was konnte sie schon machen? In Feuern?
Zu spät – er hatte bereits gekündigt. Unruhig schlich er in seiner Kammer auf und ab. Er würde sich nicht mehr von ihr schikanieren lassen. Er hatte nichts mehr zu verlieren. Warum machte er sich überhaupt Gedanken darüber? Hart schlug er dicht neben der Tür mit der Hand auf die Wand ein, dann öffnete er die Tür und eilte mit großen Schritten die Treppe hoch. Kurz vor dem Festsaal blieb er stehen.
Der Lärm, der zu ihm drang, erfüllte ihn mit Grauen. Musik, Lachen, lauter fröhlichen Menschen und davon eine ganze Menge war für ihn einfach zu viel. Er schluckte, gab sich einen Ruck und ging auf die Tür zu, die in diesem Moment von innen aufgestoßen wurde. Er konnte seinen Schwung nicht abbremsen und so blieb ihm nichts anderes übrig als die Person die durch die Tür kam aufzufangen und hielt Hermione in den Armen.
Er brauchte nicht hinab zusehen, um zu wissen, wer es war. Er erkannte sie an ihrem einzigartigen Geruch. Er würde sie überall erkennen, selbst mit geschlossenen Augen, in absoluter Dunkelheit. Sie war einzigartig für ihn. Sein Herz machte einen Satz und automatisch dachte er an den Kuss.
Beinahe grob stieß er sie von sich, denn ansonsten hätte er … und das vor aller Augen. Er und eine Schülerin – nein, das konnte nicht sein. Niemals! Er drehte sich abrupt um und eilte in großen Schritten davon. Er lief hinaus in die Nacht, weg von allen. Verdutzt starrte Hermione hinter ihm her. Er hatte sie in seinen Armen gehalten. Für einen kostbaren Augenblick war sie glücklich gewesen und dann hatte er sie wieder zurück in die Kälte gestoßen.
Warum lief er immer weg von ihr oder stieß sie zurück oder tat beides? Konnte er nicht sehen, wie weh er ihr damit tat? Tränen funkelten in ihren Augen. Energisch blinzelte sie sie weg. Sie würde nicht weinen, nicht wegen ihm. Sie wischte sich zornig über die Augen und ohne darüber nachzudenken, rannte sie hinter ihm her. Sie hastete die Stufen vor dem Eingang hinab und sah suchen um sich.
Unweit des Eingangs begann die Dunkelheit. Wie immer trug er sowie auch heute schwarz. Sie würde ihn hier niemals finden können. Nicht, wenn er es nicht wollte. Verzweiflung machte sich in ihr breit. Plötzlich nahm sie einen Schatten wahr. Eine kleine Bewegung, zu wage, um sich überhaupt mit ihr zu beschäftigen, aber das war er. Sie war sich ganz sicher.
Sie lief auf die Stelle zu, wo sie ihn vermutete, und versuchte mit den Augen die Dunkelheit zu durchdringen, aber sie konnte nichts sehen.
„Rede mit mir!", forderte sie. „Der Kuss …"
„War ein weiterer meiner vielen Fehler, die ich im Leben gemacht habe!", beendete er für sie den Satz.
„War wunderschön", flüsterte sie kaum hörbar.
Und doch erreichten ihn ihre Worte. Ja das war er gewesen und auch atemberaubend, einzigartig, unwiederbringlich schön, aber vor allem war er verboten gewesen. „Hermione ich …" Widerwillig trat er aus den Schatten, aus seiner Sicherheit. Er musste sie davon überzeugen, dass alles was sie vielleicht verband ein großer Fehler war. Sie sollte nicht hier sein. Sie sollte nicht mit ihm sprechen.
„Ich liebe dich" Der Satz war heraus, bevor sie es verhindern konnte.
Ihn so plötzlich im Licht zu sehen löste in ihr einen Drang aus es ihm zu sagen. Sie rieb sich mit der Hand über die Stirn als hätte sie Kopfschmerzen.
„Ich … es tut mir leid. Ich hätte das nicht sagen sollen. Vergiss es einfach wieder" Sie machte kehrt und lief zurück in das Schloss. Nun war sie es die auf der Flucht war. Aber nicht vor ihm, sondern vor sich selbst. Sie war so dumm, so unendlich dumm. Warum konnte sie nie ihren Mund halten? Ärgerlich ballte sie die Fäuste und lief die Stufen zum Gryffindorturm hoch.
Vergiss es einfach wieder – wie sollte das funktionieren? Wie gelähmt stand er da und starrte hinter ihr her, auch dann noch, als sie schon längst fort war.
„Liebt mich? Warum?" Für ihn stand die Zeit plötzlich still.
Er war unfähig sich zu bewegen, selbst das Atmen fiel ihm schwer. Wie konnte sie ihn lieben? Wofür? Seine Mutter konnte ihn nicht lieben, das wusste sein Vater zu verhindern. Lily konnte ihn nicht lieben, sie hasste, was er war. Wie sollte ein Mädchen wie Hermione ihn lieben können?
Nach allem, was war? Sie kannte seine Welt so, wie er sie sah. Kannte fast all seine dunklen Abgründe. Ihre Worte hatten sich unauslöschlich in ihm eingebrannt. Niemals in seinem ganzen Leben hatte er damit gerechnet, dass sich jemand in ihn verlieben könnte, wenn er die Wahrheit über ihn wusste.
Er war keine Schönheit, weder von außen noch von innen. Er war zu hager, zu blass und seine Nase viel zu groß. Er war ein Mörder, hatte vielen Menschen unrecht getan. Er hatte Lily verraten. Er war ein Verräter. Müde rieb er sich mit der Hand über die Stirn. Er konnte nicht von vorne beginnen, dafür war es zu spät.
Sie mochte sich einbilden ihn zu lieben, aber bald schon würde sie beginne ihn zu hassen. Wie es jeder tat, der ihm jemals nahe gestanden war. Das war sein Schicksal.
Heftig schluchzte sie in ihre Kissen. Warum nur konnte sie nicht ihren Mund halten? Wieso nur musste sie ihm sagen, was sie für ihn fühlte? Vermutlich hielt er sie einmal mehr für eine dumme, alberne Gans. Sie weinte, bis keine Tränen mehr kamen, dann richtete sie sich auf und wischte sich mit den Händen die Wangen trocken.
Es hatte keinen Sinn darüber Tränen zu vergießen. Niemals würde sie seinen Gesichtsausdruck vergessen. Voller Entsetzten hatte er sie angesehen. Er war nicht gerade glücklich über ihr unüberlegtes Geständnis gewesen. Sie hatte bestimmt nicht erwartet, dass er ihre Worte erwiderte, oder dass er sie in seine Arme schloss, aber ein bisschen erfreuter hätte er schon reagieren können. Erneut stiegen ihr Tränen in die Augen.
Energisch blinzelte sie sie fort. Nein sie würde nicht wieder anfangen zu heulen. Sie hatte geglaubt ihn zu kennen. Sie hatte gedacht sie würde ihn verstehen und das es zwischen ihnen ein besonderes Band gab. Sie hatten so viel miteinander erlebt und teilten so viele Erinnerungen. Zwar nur seine, aber dennoch.
War das alles ohne jegliche Bedeutung? Mit Wehmut dachte sie an jene Tage zurück, an denen er noch ohne seinen Erinnerungen war. Er war anders gewesen. Da dachte sie manchmal er würde mehr für sie empfinden, doch sie war nicht bereit gewesen, dass zu zulassen. Zu sehr erdrückte sie der Gedanke, dass er einen Mord an einer Unschuldigen begangen hatte. Voldemort mochte ihn dazu gezwungen haben, aber …
Sie hatte lange deswegen mit sich gerungen. Sie war gewöhnt für alles eine Lösung zu finden und wenn sie dafür jedes Buch in der Bibliothek lesen musste. Diese Ausweglosigkeit und seine Kaltblütigkeit waren es mit dem sie zu Anfang nicht fertig wurde. Später, nachdem sie darüber gründlich nachgedacht hatte, wurde ihr vieles klar, dass der Krieg ihnen allen sein grausames Gesicht gezeigt hatte.
Voldemort trieb sie alle an ihre Grenzen. Selbst sie war gezwungen Dinge zu tun, mit denen sie für den Rest ihres Lebens würde zurechtkommen müssen. Auch sie hatte Menschen getötet. Sie wollte das nicht, aber auch sie hatte keine andere Wahl. Entschlossen stand sie auf. Er war nicht kaltblütig, er hatte sich nur hinter dieser Fassade versteckt. Vermutlich wäre er sonst vor die Hunde gegangen. Das war sein Schutz gewesen. Sie brauchte unbedingt noch etwas Bewegung. Sie fühlte sich rastlos. Er machte sie rastlos.
Aber war es nicht besser hier zu bleiben und somit zu verhindern ihm erneut zu begegnen? Es gab nur einen Ort, wo sie vor ihm, außer hier, sicher war. Auf dem Fest. Dort würde er bestimmt nicht erscheinen. Sie säuberte sich das Gesicht und eilte zurück auf das Fest. Doch kaum hatte sie den Saal betreten, hätte sie am liebsten wieder kehrt gemacht.
Ihr gegenüber am anderen Ende des Saals stand er, die Arme vor der Brust verschränkt und sah übellaunig in die Runde, bis sein Blick auf sie fiel. Überrascht senkte er die Arme und machte automatisch einen Schritt auf sie zu. Er hatte nicht, damit gerechnet ihr heute noch einmal zu begegnen.
„Ich liebe dich"
Er musste zu ihr, koste es, was wollte. Er musste unbedingt mit ihr sprechen. Rasch durchquerte er den Saal, bis er dicht vor ihr stand. Sie wollte fliehen, aber wie festgezaubert stand sie auf der Stelle und wartete, bis er sie erreicht hatte. Schweigend sah er auf sie herab, betrachtete sie einfach. Plötzlich hob er seine Hand und streckte sie ihr entgegen. Fragend blickte sie zuerst auf die Hand und dann in seine Augen.
„Tanz mit mir!", bat er sie leise.
Hermione runzelte die Stirn. Zögernd reichte sie ihm ihre Hand und folgte ihm. Sie konnte gar nicht anders. Vernünftig wäre gewesen ihm eine Abfuhr zu erteilen und ihn einfach stehen zulassen, aber was verstand das Herz schon von Vernunft?
