Vielen Dank für deinen Kommentar, Lena5972!
Liebe Grüße Gaby
46 Leben
Sie schwebte auf Wolken. Es war als würde das alles gar nicht ihr passieren. Als wäre sie jemand anderer und würde sich selbst nur zugucken. Sie lag in den Armen des Mannes, in den sie sich verliebt hatte. Dem sie ihre Liebe gestanden hatte. Eines Todesseres , der schlimme Taten begangen hatte und doch war sie so glücklich wie noch nie.
Ihre eine Hand ruhte auf seiner Schulter. Sie konnte den weichen Stoff unter ihren Finger fühlen und seine Wärme. Die andere Hand hielt er fest mit seiner umschlossen. Sicher starrten die anderen sie an und schüttelten bestimmt ungläubig die Köpfe. Sie, Hermione, tanzt mit dem größten Scheusal von ganz Hogwarts. Wie konnte sie sich alle nur so irren? Severus war so vieles, aber kein Scheusal. Das liebte sie an ihm. Er bestand aus so vielen unterschiedlichen Schichten, eine interessanter als die andere, doch zuoberst lag der abweisende, zurückstoßende, gemeine Mensch.
„Du verletzt Menschen, ehe sie dich verletzten können", flüsterte sie leise an seiner Schulter. Sie hatte gelernt genau hinzuschauen. Sie hatte gelernt ihn zu sehen. Severus holte tief Luft, gab ihr aber keine Antwort. Zu vieles ging ihm durch den Kopf. Über ihren Kopf hinweg sah er in Minervas Augen. Er versuchte ihren Gesichtsausdruck zu deuten. Würde sie ihn dafür verdammen, oder freute sie sich mit ihm? Schwer zu sagen, immer hin hielt er in seinen Armen eine Schülerin.
„Aber du tanzt doch nur!", rief eine Stimme in ihm. Tanzen durfte er, mit wem er auch wollte.
„Tja nur hat deine Logik einen klitzekleinen Fehler. Du hast noch nie getanzt. Mit niemandem!", erwiderte eine andere. Er zuckte über diese Stimme in ihm einfach die Schultern.
„Irgendwann ist immer das erste Mal", knurrte er sich selbst zu. Er hatte heute Abend für sich eine Entscheidung gefällt. Er konnte entscheiden, wer er sein wollte. Der Mann, der er vor der Amnesie war oder jener der er, während er alles was ihn ausgemacht hatte, vergessen hatte. In dieser kurzen Zeit war er, auch wenn ihn schwarze Loch in seinem Kopf quälte, irgendwie glücklich.
Er, der immer alleine war, hatte plötzlich Freunde, die ihn einfach nur um seinetwillen mochten. Er runzelte die Stirn und sein Blick verdüstert sich. Wer wollte er sein? Wenn er es richtig anstellte, könnte er der Mann an der Seite dieser wunderbaren Frau, die sich aus völlig unlogischen Gründen, in ihn verliebt hatte, sein.
Er drehte sich mit ihr langsam im Kreis. Severus war kein geübter Tänzer. Seine Hand lag auf ihrer Hüfte. Sie war so zart, so sanft. Kurz kamen seine alten Zweifel zurück. Wer war er schon? Ein Mörder, ein Verräter, ein verbitterter alter Mann. Severus schloss seine Augen. Verschloss sie vor sich.
„Ich sehe dich", wisperte ihm eine Stimme ins Ohr. Hermione hatte sich auf die Zehenspitzen gestellt um ihn zu erreichen.
„Ich weiß"
Harry stand mit Ginny im Arm da unfähig sich zu bewegen. Er hatte es geahnt. So wie sich Hermione in den vergangenen Tagen benommen hatte, das ahnte er bereits das ihre Gefühle tiefer gingen, als sie bereit war zu zugeben.
„Ich mache mir Sorgen um sie" Seine Stimme klang sorgenvoll.
„Hermione weiß was sie tut und …" Ginny brach mitten im Satz ab und wartete, bis Harry sie fragend anblickte. „Ich denke, er braucht sie"
Harry runzelte die Stirn. „Wie kommst du auf diese Idee?"
„Weibliche Intuition!", kam es prompt von ihr und zwinkerte ihm mit einem Auge zu. Er verdrehte seine und grinste sie an.
„Vielleicht hast du recht"
„Na klar habe ich das"
„Oh du, gut das du nicht eingebildet bist!"
„Tja, wenn man mit einer Berühmtheit wie dir zusammen ist, muss man schon ein bisschen eingebildet sein"
Hell quietschte sie auf, als er sie plötzlich hochhob und herumwirbelte.
„Du bist ein Frechdachs und die frisst bekanntlich der große böse Wolf!", knurrte er gespielt finster und küsste sie dabei auf den Hals.
Stoisch stand Minerva da und betrachtete das Geschehen auf der Tanzfläche. Severus war ihrem Rat gefolgt, aber ausgerechnet Hermione? Vielleicht ließ er sich doch noch dazu bewegen an der Schule zu bleiben. Wider besseren Wissens war er ja auch auf dieses Fest gekommen. Wenn sie ihn nur davon überzeugen konnte, dass er hier hergehörte. Er musste doch wissen das hier sein Zuhause war.
Andererseits, wenn sie sich die beiden so ansah, gewann man fast den Eindruck sie wären ein Paar. Kurz verengten sich ihre Augen. Sie, als Schulleiterin, dürfte so ein Verhalten nicht zulassen. Eigentlich müsste sie spätestens jetzt eingreifen, aber sie tat es nicht. Jeder Mensch braucht etwas im Leben, woran er sich festhalten konnte.
In Severus Welt gab es niemanden. Den einzigen Menschen, den er an sich herangelassen hatte, war Albus gewesen. Sie hätte gerne seinen Platz eingenommen, aber sie war einfach nicht die Richtige dafür.
Fassungslos stand Ron da und glotze Hermione an. Was tat sie da? Wie kam sie auf die Idee mit Snape zu tanzen? Er war sauer auf Snape. Kaum wusste der Bastard wieder, wer er war, tat er wieder das, was er zuvor auch gemacht hatte. Er war unerträglich gemein, verteilte ungerechte Strafen und hatte keinerlei Geduld. Ron war bereit dazu gewesen ihm noch eine Chance zu geben, aber eigentlich hatte er sie gar nicht verdient.
Snape hatte alle vor den Kopf gestoßen. Kaum aber streckte er die Hand aus, sprang Hermione treu wie ein Hund wieder an seine Seite. Er konnte sie nicht verstehen. Sollte man ihm zumindest nicht klar machen, dass er einen Fehler gemacht hatte? Man konnte nicht zuerst Freundschaft schließen und dann alle wieder, wie Dreck behandeln.
„Sie sehen hübsch aus zusammen" Luna war, ohne dass er es bemerkte, neben ihn getreten.
„Pah!", stieß er abfällig hervor.
„Hm ich finde schon" Luna zuckte mit den Achseln und dabei sah sie erwartungsvoll zu Ron hoch. Sie würde auch wahnsinnig gerne tanzen. Rons Züge verdüsterten sich. Er dachte über Lunas Worte nach und so entging ihm Lunas Blick vollkommen.
„Möchtest du tanzen?" Luna strahlte über das ganze Gesicht. Neville war ihr Retter. Nur zu gern ging sie mit Neville mit. Er war ein guter Tänzer.
Schweigend hielt er sie in seinen Armen und wiegte sich leicht zur Musik. Er könnte das ewig tun. Es war himmlisch ihr in aller Öffentlichkeit so nahe sein zu können, ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Doch das Lied steuerte unweigerlich auf sein Ende zu. Schon bald würde er sie loslassen müssen, denn es würde keinen vernünftigen Grund geben sie noch länger im Arm zu halten. Er sollte etwas sagen, aber wie? Bevor ihm noch etwas einfallen konnte, endete die Musik. Er hielt in der Bewegung inne und nahm fast schon eine Spur hastig die Arme von ihr.
„Möchtest du …", begann sie.
„Ja!", sagte er schnell und fast sie beim Arm und zog sie mit sich durch die Menge auf den Ausgang zu. Es gab so viel zu reden, aber nicht hier. Er konnte die Blicke der anderen spüren. Wie seltsam musste das für sie aussehen. Er, der immer allein war, entführte eine Schülerin.
Ziemlich sicher würde Minerva in einer Minute auftauchen und ihm zurecht eine Standpauke halten. Er benahm sich vollkommen unmöglich, aber es war ihm egal. Severus brachte sie in seine Räume, er wollte ungestört mit ihr sein. Erstaunt sah sie sich um, es sah so anders aus. Heller, freundlicher.
Alles Düstere war verschwunden, stattdessen gab es luftige, große Fenster und die kalten Steinwände wurden mit warmen Wandvorhängen bedeckt. Er hatte sich verändert.
„Ich kann dir nichts versprechen. Ich bin, was ich bin und du bist vermutlich der einzige Mensch, der mich tatsächlich so sehen kann, wie mein wahres Ich ist" Severus sah sie bei diesen Worten nicht an.
Das zu sagen viel ihm schwer. Er hatte seit Jahren niemanden mehr an sich herangelassen. Das hatte er praktisch verlernt. Erst mit dem Verlust seiner gesamten Erinnerungen, war es ihm möglich die Nähe von anderen zu ertragen und nicht nur das es auch zu zulassen. In den letzten Tagen und Wochen ging ihm so viel durch den Kopf, das er nicht verstand. Heute Abend, als sie ihm sagte, was sie für ihn fühlte, da hatte sich alles für ihn verändert.
Noch konnte er nicht sagen, ob jetzt alles besser oder schlimmer wurde, aber er konnte es zumindest versuchen. Er war noch nie feige und hatte sich jeder Herausforderung, die das Leben für ihn bereithielt, gestellt. Nur einmal wollte er flüchten. Wollte alles hinter sich lassen, aber das wusste Dumbledore zu verhindern.
Obwohl der Tod hatte für ihn schon seit Langem jegliche dunkle Schatten verloren. Er hatte genug gesehen, um zu wissen, dass der Tod selbst nicht das Schlimmste war und wenn man ihn fragte, gab es, einiges wo er lieber sterben würde, als noch einmal erleben zu müssen. Voldemort war ein Meister auf diesem Gebiet gewesen. Dieser wusste wie er die Menschen, die ihm ausgeliefert waren, bis an ihre Grenzen treiben konnte und darüber hinaus. Wusste wie man jemanden, ohne ihn dabei töten zu müssen, dennoch den Verstand rauben konnte.
„Ich brauche keine Versprechungen", erwiderte Hermione sanft. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Er hatte noch nichts zu ihrem Geständnis gesagt, aber sie hatte wieder Hoffnung. Warum sonst sollte er mit ihr tanzen? Warum sonst wollte er mit ihr ungestört sein?
„Damit er dir nicht in aller Öffentlichkeit das Herz brechen muss!", meinte eine gehässige Stimme in ihrem Kopf. Schnell brachte sie diese zum Verstummen. Severus hatte sich verändert, alles in seinem Raum sprach dafür.
Weshalb sollte er mit ihr tanzen wollen, wenn er sich nichts aus ihr machte? Und was war mit dem Kuss? Unbewusst leckte sie sich über die plötzlich trockenen Lippen. Sie waren sich noch keinen Schritt näher gekommen. Severus war, nach dem er sie hier hergebracht hatte, auf sicheren Abstand gegangen. Wollte er sie nicht bedrängen, oder nicht nahe sein?
Vielleicht würde sich das heute Abend noch erfahren.
„Ich habe an dem Tag an dem Voldemort Nagini auf mich gehetzt hat, mit meinem Leben bereits abgeschlossen"
Geschockt sah sie ihn ob dieses Geständnisses an.
„In meiner Welt hat der Tod schon längst all seine Schrecken verloren und ich hatte sowieso nicht vor ewig zu leben" Der Zynismus in seiner Stimme war schwer zu überhören, das war wieder sein altes Ich.
„Das ist so traurig" Leise drang ihre Stimme zu ihm. Sie stand dicht an seiner Seite, ohne das sie es bemerkt, hatte, war sie zu ihm geeilt. Sie hätte ihn so gerne berührt, aber das wagte sie nicht. Severus runzelte die Stirn.
„Du findest es traurig, dass ich den Tod nicht fürchte?"
„Nein! Ich finde es traurig, dass es nichts in deinem Leben gab, für das du leben wolltest"
Ihre Worte lösten ein schmerzliches Ziehen in seinem Bauch aus.
„Das … ich … das ist jetzt anders" Schwer kamen ihm diese Worte über die Lippen.
„Anders?"
„Jetzt gibt es wieder einen Grund für mich"
