Hallo Mortiana´s Morgana vielen Dank für deine lieben Worte. Ich hoffe, du hast mich und meine Geschichte noch nicht aufgegeben. Leider war ich mit zuvielen anderen Dingen beschäftigt und kam nicht so wie ich es wollte zum Schreiben. Sorry!

Liebe Grüße Gaby

48 Verloren

Sie sah, wie sich eine einsam wirkende Gestalt vom Schloss fortbewegte. In der Hand trug sie einen schlichten Koffer. Sie brauchte nicht danach zu fragen, wer er war, sie wusste es. Unwillkürlich beschleunigte sie ihren Schritt. Er lief davon. Klammheimlich schlich er sich aus ihrem Leben, das konnte sie nicht so einfach zulassen, dafür stand für sie zu viel auf dem Spiel. Ihr Herz und ihre Seele. Leicht atemlos erreichte sie den Kiesweg, der rund um das Schloss verlief. Ab hier war es für sie einfacher zu laufen.

Über die Wiese kam sie nur langsam voran. Gut, das sie bereits ahnte, wohin er wollte und das er es dabei nicht eilig hatte. Warum nur ging er fort? Ob Minerva ihre Hände hier im Spiel hatte? Mit Sicherheit! Zuerst holte sie sie zurück um Severus nahe zu sein und jetzt wo sie seine Nähe so sehr brauchte, nahm sie ihn ihr wieder weg. Das Leben war so unfair. Hermione bekam Seitenstechen. Es war auch nicht besonders klug mit hohen Absätzen und einem Ballkleid hinter einem Mann her zu hetzen.

Einen Moment war sie versucht aufzugeben, doch dann spornte sie genau das an. Es lag nicht in ihrer Natur sich einfach geschlagen zu geben, also mobilisierte sie noch einmal all ihre Kräfte, verließ den Kiesweg und sprintete so gut es ging über die Wiese. Kurz vor dem Apparierplatz erreichte sie ihn. „Du gehst fort?", stieß sie schwer atmend hervor. Überrascht hielt er inne und blickte zu ihr zurück.

Gedankenversunken schritt er über die Ländereien von Hogwarts. Er hätte mit ihr noch einmal reden sollen. Es war lächerlich sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Seine Zukunft stand in den Sternen. Severus hatte keine Ahnung, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Er war kein Lehrer, nie gewesen. Das war genauso eine Rolle gewesen wie die, die er bei Voldemort gespielt hatte. Vielleicht sollte er Schauspieler werden? Ironisch verzog er den Mund. Rollen, er hatte nur Rollen in seinem Leben gespielt.

Wie wenig war er dabei er selbst gewesen und dabei hatte er sich aus den Augen verloren. Damals wusste er, für was er das tat. Für Lily. Sie war leider schon lange tot und das lag zu einem erheblichen Teil an ihm. Verrat hatte immer ein hässliches Gesicht. Er besaß Land, nicht viel, aber dennoch er könnte darauf Kräuter anpflanzen. Nur er war einfach kein Gärtner. Natürlich könnte er sich auch beim Ministerium bewerben, er war bestimmt ein guter Auror, aber der neue Minister Tiberius McLaggen hasste ihn. Wenn es nach diesem gegangen wäre, hätte er ihn schon längst von der Schule verjagt. In seinen Augen gehörte er bestimmt für den Rest seines Lebens nach Askaban. Im Ministerium würde er niemals einen Job bekommen.

Er könnte einen Laden aufmachen, nur war er mit Sicherheit ein hundsmiserabler Verkäufer. Nett sein zu anderen Menschen war nicht so sein Ding. Eigentlich konnte er, abgesehen vom Ausspionieren machtgieriger Bösewichte, nichts wirklich gut, außer natürlich Zaubertränke brauen. Es bereitete ihm insgeheim sogar große Freude sich neue Tränke auszudenken. Kurz war er versucht zurück zu blicken. Hinter ihm lag alles, was er an Leben kannte. Seufzend schritt er entschlossen auf den Platz zu, von dem aus er apparieren konnte. Eine vertraute Stimme ließ ihn sich überrascht umdrehen. Hermione. Sie war gekommen.

„Du gehst fort?"

„Ich muss!", hätte er ihr am liebsten geantwortet, aber er schwieg. Er konnte nichts sagen. Nicht das, was er wollte und schon gar nicht das, was er sollte. Eine warme Hand legte sich über seine verkrampften Finger, die den Koffer hielten.

„Ist es wegen mir?"

„Minerva, sie …"

Stumm nickte Hermione. „Das habe ich mir fast gedacht!" Mühsam schluckte sie. Sie hatte Angst um ihr so unsicheres, zerbrechliches Glück.

„Was, was sagst du?" Flehend blickte sie ihn an, doch er wich ihren Augen aus.

„Hermione wir müssen …", begann er, ließ aber den Satz unvollendet. Langsam zog sie ihre Hand zurück.

„Wir müssen was? Vernünftig sein? Zusammen sein? Was?" Bei ihren Worten zuckte er leicht zusammen. Tief holte er Luft.

„Ich werde nicht zurückkommen und ich denke, dass es so das Beste ist"

Betrübt wandte sie sich ab. „Das Beste also. So siehst du das?" Erneut fühlte sie Tränen in sich aufsteigen. Warum tat Liebe nur so weh? Severus ließ den Koffer fallen und griff nach ihrer Hand.

„Was soll ich dir sagen? Du bist ein Mensch, dessen ganzes Leben noch vor ihm liegt, aber ich … ich kann dir nicht einmal sagen, wo ich morgen sein werde. Es gibt nichts, was ich dir zu bieten hätte"

„Das ist nicht wahr!", widersprach sie heftig. „Du hast soviel zu geben." Ihre Worte berührten ihn tief. So hatte noch nie jemand von ihm gedacht.

„Das denkst du nur, weil dich deine Gefühle für mich verwirren."

Zornig riss sie ihre Hand los. „Ich weiß, was ich will! Zu dumm, dass genau das nicht gut genug für mich ist!", zischte sie scharf. Ihr Rock verfing sich fast zwischen ihren Beinen, so forsch schritt sie aus. Sie wollte weg von hier und ihm.

„Hermione!" Ohne zu zögern, eilte er hinter ihr her und fing sie ein. „Ich möchte, dass du mir etwas versprichst! Wenn deine Gefühle zu Beginn der Sommerferien noch dieselben, wie jetzt sind, dann besuche mich" Mit diesen Worten ließ er sie los, packte im Vorbeilaufen seinen Koffer und war fort, ehe Hermione etwas sagen konnte.

„Ich werde kommen!", versprach sie der Stille, die sie umgab.

In den folgenden Wochen fühlte sie sich einsam. Es fehlte ihr mit Severus sprechen zu können und ihm zu zuhören. Ihn sehen zu können und sich über ihn zu ärgern. Alle dachten er hätte sich wegen seiner langen Krankheit eine wohlverdiente Auszeit genommen, aber Hermione wusste es besser. Sie verbarg ihren Kummer hinter ihren Büchern. Nur manchmal, wenn es keiner sah, blickte sie zornig auf Minerva. Wieso nur hatte sie sich in ihr und Severus Leben eingemischt? Ein einziges Mal war er impulsiv und wurde hart dafür bestraft. Niemand, außer Minerva, hatte sich etwas dabei gedacht, als Severus sie in seinen Kerker verschleppte.

Harry hatte sich zwar gewundert, aber nachdem sie ihm erklärt hatte, dass Severus nur dem Lärm der Musik entfliehen wollte, genügte ihm dies als Antwort. Kurz ruhte sein wissender Blick noch auf ihr, aber er schwieg.

„Ihr habt zusammen auf der Tanzfläche gut ausgesehen", meinte Luna in ihrer offenen Art. Sie stand dicht neben Neville und er hielt ihre Hand. Der Ball hatte die Beiden näher gebracht. Ginny war wie immer an Harrys Seite. Sie hatte sich so einige Gedanken über Hermione und Snape gemacht, wollte sie aber nicht neben allen Anderen mit ihr teilen.

Sie sah sehr wohl, wenn Hermiones Mund lächelte, dieses Lächeln aber ihre Augen nicht erreichte. Ihr Blick blieb traurig. Gespielt vergnügt hakte sie sich bei Hermione unter und zog sie mit sich. „Lass uns ein Stück laufen. Draußen ist so schönes Wetter."

„Was ist los mit dir?", fragte sie, kaum das sie die Stufen vom Eingang hinter sich gelassen hatten und dem Kiesweg Richtung Quidditchstadion folgten.

„Nichts! Ich lerne zu viel" „Das tust du mit Sicherheit, aber ich frag mich nur, was der Grund dafür ist."

Hermione schloss kurz die Augen. „Ich will einfach gute Noten. Du kennst mich", erwiderte sie ausweichend.

„Eben! Ich dachte wir wären Freundinnen?", kam es vorwurfsvoll von Ginny. Sie war von Hermione enttäuscht. Warum vertraute sie ihr nicht mehr?

„Ich kann es dir nicht sagen." Hermiones Stimme klang leicht verzweifelt.

„Ist … ist es wegen Snape?" Stumm nickte sie. Schweigend gingen die Beiden weiter. Als sie fast schon wieder zurück waren, packte Ginny Hermiones Arm.

„Wenn du jemanden zum Reden brauchst, ich bin immer für dich da", versprach sie ihr, dann ließ sie sie los und sprang schnell die Stufen zum Schloss hoch.

„Ich halte es immer noch für unnötig und übertrieben!", kam es beleidigt von Dumbledore. „Musstest du den Jungen gleich verjagen?"

Erbittert presste Minerva ihre Lippen aufeinander. Dieses Gespräch führten sie seit jener Nacht, in der der Ball stattgefunden hatte, nicht zum ersten Mal.

„Er hat mir praktisch keine andere Wahl gelassen! Es ist kaum ein Jahr her, da stand die Schule in Flammen und alles schien verloren. Einen weiteren Skandal hätten wir nicht verkraftet", stieß sie verzweifelt hervor.

„Severus hätte weder der Schule noch Hermione Schaden zugefügt. Er ist nicht dumm, verdammt noch mal!", erwiderte Albus harsch.

„Er hat sie, mitten von der Tanzfläche umgeben von allen Schülern, hinausgezerrt. Ich konnte nicht anders handeln" Sie hatte genug von dieser ewigen Diskussion. Musste sie sich immer und immer wieder für die, von ihr gefällten Entscheidungen, rechtfertigen? Sie hatte das Richtige getan.

„Du hättest, bevor du ihn von der Schule wirfst, mit mir sprechen können!"

Zornig funkelte sie ihn durch ihre Brillengläser an. „Ich leite jetzt die Schule und versuche das nach bestem Wissen und Gewissen zu tun. Ich kann nicht alle Entscheidungen, die ich treffen muss, zuvor mit dir besprechen", kam es hart von ihr. Sie war jetzt die Schulleiterin und nicht mehr er.

„In wenigen Tagen geht die Schule zu Ende und die Ferien beginnen. Danach kann Severus, wenn er möchte, als Lehrer zurückkehren. Noch ist nichts wirklich Schlimmes passiert"

„Wie willst du seine Abwesenheit erklären?"

„Severus war lange krank. Nagini, Voldemorts Schlange, hatte ihn beinahe umgebracht! Niemand kann es ihm verdenken, dass er eine Auszeit braucht!"

Widerstrebend nickte Albus mit dem Kopf. Das war gar nicht mal so schlecht eingefädelt von Minerva. So wahrten alle ihr Gesicht. Die Schule, Severus und Hermione. Sobald die Schule vorüber war, konnten die beiden tun und lassen was sie wollten.

Das permanente Klopfen ging ihm unglaublich auf die Nerven. Es war diese Woche schon das dritte Mal, das eine Eule von Hogwarts kam. Den ersten Beiden hatte er ihre Nachricht abgenommen und sie, ohne sie zuvor zu lesen, in Flammen aufgehen lassen. Diesmal wollte er die Eule erst gar nicht reinlassen, aber er müsste es eigentlich besser wissen. Das Biest würde erst wieder wegfliegen, wenn sie ihren Auftrag erfüllt und ihm die Pergamentrolle, die an ihrem linken Fuß haftete, übergeben hatte.

Seufzend ergab er sich seinem Schicksal, öffnete das Fenster und nahm ihr die Nachricht, ohne sie dafür zu belohnen, ab. Schließlich wollte er seine Ruhe haben.

Erneut stoben Funken in die Luft, als er zornig seinen Zauberstab auf das Pergament richtete und auch dieses ungelesen den Flammen übergeben wurde. Doch plötzlich überkamen ihn Zweifel. Was wenn die Nachrichten von Hermione kamen? Er war ein Idiot.

Nein! Bestimmt war es Minerva, die ihn nervte. Von ihr wollte er keine Nachrichten lesen, noch nicht. Sie würde bestimmt nur seine zuvor ausgesprochene Kündigung bestätigen. Er hatte sowieso nicht vor an die Schule zurückzukehren. Nur was er mit seinem Leben anfangen sollte, darüber war er sich noch immer nicht im Klaren. Einzig der Gedanken, dass schon bald die Ferien beginnen und vielleicht Hermione zu ihm kam. Tief sog er die Luft in seine Lungen. Es mochte falsch oder auch richtig sein, aber seit sie ihm gesagt hatte, dass sie ihn liebte und geküsst hatte, da war er nicht mehr derselbe.

Er hatte ähnlich tiefe Gefühle für sie. Mühsam schluckte er den Kloß, der sich plötzlich in seiner Kehle gebildet hatte, hinunter. Was, wenn sie nicht kam? Er hatte es ihr nicht leicht gemacht. Welchen Grund hätte sie, zu einem Ekel wie ihm zu kommen? Er brauchte sie und er vermisste sie. Nur wollte er ihr die Entscheidung überlassen. Eigentlich war er Minerva gar nicht böse. So konnten sie beide feststellen, wie stark ihre Gefühle füreinander wirklich waren.

Was, wenn sie nur durch die große Nähe zueinander entstanden sind und sich jetzt, da sie getrennt waren, einfach in Luft auflösten? Bekümmert sah er den einzelnen Ascheflöckchen zu, wie sie zu Boden fielen. Dann schloss er die Augen. Es waren nur noch einige Tage, dann war das Schuljahr vorbei.