So nun das letzte Kapitel! Ich bedanke mich bei allen fürs Lesen und Kommentieren meiner Geschichte! Habt Spaß mit dem letzten Kaptitel!
Liebe Grüße Gaby
50 Ein perfekter Moment
Eine Eule klopfte an das Fenster und begehrte Einlass. Widerwillig löste er sich von Hermione um das lästige Tier so rasch wie möglich loszuwerden. Severus riss das Fenster auf, ließ den Vogel ein und knöpfte ihm seine Nachricht ab. Gerade wollte er sie ungelesen in den Kamin werfen, als Hermione sich vor ihn stellte und seine Hand festhielt. „Willst du gar nicht wissen, was darin steht?"
Abwehrend schüttelte Severus den Kopf. Er wollte McGonagalls Worte nicht lesen. Bestimmt stand nichts Gutes auf dem Pergament. „Was würdest du sagen, wenn sie dir deinen alten Job wieder anbietet?" Severus runzelte die Stirn. Hermione schloss ihre Faust fest um den kleinen Zettel. „Würdest du wieder zurückgehen und unterrichten? Ist es das, was du möchtest?"
Hermione war klar, dass Severus vor einer einzigartigen Entscheidung stand. Sein ganzes Leben lang bestimmten andere, was er tun sollte. Seine Mutter hatte ihn, um ihn schützen zu können, nach Hogwarts geschickt. Dort geriet er, jung und heißblütig, wie er war, beinahe wie von selbst in die falschen Kreise. Von nun an bestimmte Voldemort sein handeln. Danach kam Dumbledore.
Er war es der entschied, dass Severus als Lehrer und Spion arbeiten musste. Er war es auch der ihm sagte, was er zu tun oder zu lassen hatte, egal wie hoch der Preis war. Dumbledores Ziel war die Vernichtung von Voldemort und dafür war er bereit Opfer zu bringen. Und eines davon war Severus gewesen. Neben ihr holte Severus tief Luft.
„Ich weiß es nicht", sagte er halblaut. Hermione legte ihre Hand auf seinen Arm und strich sanft darüber. „Soll ich die Nachricht lesen?", schlug sie ihm vor und wartete. Lange rührte er sich nicht, er schien in Gedanken versunken zu sein. Vermutlich dachte er darüber nach, wie sein zukünftiges Leben aussehen sollte. „Egal wie du dich entscheidest, mich wirst du nicht mehr los", flüsterte sie ihm drohend zu. Das riss ihn aus seiner Erstarrung.
„Dich will ich gar nicht mehr loswerden", erwiderte er ruhig. Für ihn war sie bereits ein Teil seines Lebens. Gerührt faltete sie den Zettel auseinander und lass, um sich abzulenken, was darauf stand. Es war genauso, wie es Minerva versprochen hatte. Sie bot Severus seine alte Stelle an und somit die Möglichkeit nach Hogwarts zurückzukehren. Gespannt betrachtete er ihr Gesicht, doch diesmal zeigte ihre Miene nicht, was in ihrem Kopf vorging. Tief holte er Luft.
„Als Lehrer habe ich mich eigentlich gar nicht so schlecht gemacht …", begann er, wurde aber von Hermiones Gekicher unterbrochen. Sein Blick verfinsterte sich automatisch. Er war es nicht gewohnt, dass man über ihn lachte. Zornig wollte er sie stehen lassen und den Raum verlassen, doch Hermione packt ihn fester am Arm und hielt ihn fest.
„Du bist ein fantastischer Lehrer, wenn …" Sie ließ den Satz offen in der Luft hängen und weckte so Severus Neugierde.
„Wenn?", fragte er nach, dabei zog er eine Augenbraue in die Höhe.
„Wenn du die dir anvertrauten Schützlinge nicht gerade zu Tode ängstigst", zog sie ihn halbernst, halbscherzhaft auf. Missmutig verzog sich sein Mund.
„Das war nur zu ihrem Schutz", verteidigte er sich knurrig. Zärtlich legte sie ihm beide Hände um sein Gesicht. „Jetzt weiß ich das, aber damals war das ziemlich hart"
„Hart?"
„Hart in deinem Unterricht zu sitzen, mit dem Wissen, egal wie gut man war, es würde niemals reichen"
„Ich …", stockend versuchte er ihr zu erklären, warum er so gewesen war, doch sie ließ ihn erst gar nicht zu Wort kommen.
„Sssch!", wisperte sie. „Ich weiß, du wolltest uns nur auf das Leben außerhalb der Schule vorbereiten. Auf eine Welt in der Voldemort noch existierte. Er hätte keine Gnade gekannt und jede Schwäche gnadenlos ausgenutzt"
Resigniert ließ er die Schultern sinken. Sie hatte alles gesehen und deshalb verstand sie ihn wie kein anderer Mensch auf diesem Planeten. Hermione kannte die Welt, wie er sie sah und die war nie schön gewesen.
„Es tut mir leid, das du die Welt so sehen musstest, wie ich sie sah" „Manches war unglaublich grausam und schwer zu verstehen. Ich habe … ich war oft kurz davor aufzugeben, weil es mir schwerfiel, all das was ich gesehen habe zu ertragen"
Automatisch schloss er die Arme um sie, ganz so als wollte er sie schützen. „Du brauchst nur ein Wort zu sagen und ich kann sie dir nehmen" Er konnte fühlen wie Hermione an seiner Brust den Kopf schüttelte.
„Nein, meine Erinnerungen wirst du mir nicht nehmen", widersprach sie heftig. „Aber darum geht's jetzt gar nicht, sondern um das was du machen willst!"
„Und was steht in der Nachricht?"
„Du kannst, wenn du möchtest, nach Hogwarts als Lehrer zurückkommen"
„Wäre ich auch wieder der Hauslehrer für Slytherin?"
„Davon steht hier nichts" Hermione hatte sich von Severus gelöst und betrachtete die Nachricht genauer. Aber bis auf das Angebot Severus als Lehrer in Hogwarts willkommen zu heißen, stand nichts auf dem kleinen Stück Pergament.
„Ich habe das schon mein ganzes Leben gemacht und bis auf gelegentlichen Besuche bei Voldemort, hat es mir auch Spaß gemacht, wenn auch auf eine, in deinen Augen, sehr verqueren Art"
„Nun ich denke mir diese Stellung gab dir in gewisser Weise einen Platz im Leben"
„Bis heute habe ich nie wirklich darüber nachgedacht, sondern einfach getan, was man mir befohlen hat"
Wie eine Schachfigur. Einmal vor langer Zeit, da hatte sie bereits schon einen ähnlichen Gedanken. Sie alle waren wie Spielfiguren herumgeschupst worden, aber ganz besonders schlimm hatte es Severus getroffen.
„Diese Zeit ist für immer vorbei! Niemand kann oder darf über dich entscheiden!", erklärte sie ihm fest. Severus legte den Kopf leicht schräg und sah sie mit einem angedeuteten Grinsen an.
„Ich würde, glaube ich, ganz gerne wieder unterrichten! Ich bin dort zu Hause"
„Gut, dann lass uns Minerva sofort Bescheid geben. Umso schneller kannst du zurückkehren. Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht so sicher, ob es gut ist, wenn du allzu lange hier bleibst" Aus Hermiones Stimme sprach Sorge. Nur zu frisch waren die Erinnerung an seine Kindheit und hier in diesem Umfeld wurden sie bestimmt nicht nur für sie, wieder lebendig. Es konnte nicht gut sein, dass er mit diesen düsteren Gedanken hier alleine blieb.
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Er rauschte in gewohnter schwarzer Kleidung durch die so vertrauten Gänge. Sein schwarzer Umhang bauschte sich gleich Fledermausschwingen hinter ihm auf. Ängstlich wichen die Kinder vor ihm zur Seite, wie er mit leichter Genugtuung registrierte. Er konnte es immer noch. Schmunzelnd betrat er sein Büro, warf schwungvoll die Bücher auf den Tisch und schlang seine Arme um Hermione um diese ausgiebig zu küssen. Doch diese schob ihn misstrauisch zurück. [/align]
„Du wirkst so merkwürdig selbstzufrieden, hast du wieder Kinder erschreckt?" Sein Grinsen vertiefte sich und statt einer Antwort presste er seinen Mund auf ihre Lippen. Ganz automatisch erwiderte sie den Kuss, ehe sie ihn energisch von sich schob.
„Du hast mir meine Frage noch nicht beantwortet und glaub nicht, dass du mich mit deinen Verführungskünsten manipulieren kannst!", wies sie ihn streng zurecht. Severus drängte sie rückwärts, bis sie zwischen Schreibtisch und ihm gefangen war.
„Verführungskünste? Soso! Möchtest du mir nicht genauer erklären, was du damit meinst?" Sanft strich er mit den Händen ihre Arme hinab und wieder zurück.
Seit gut einem Jahr waren sie nun schon ein Paar. Viel hatte sich seit dieser Zeit verändert. Hermione hatte zwei Semester ihres Studiums für magische Medizin hinter sich gebracht. Sie pendelte zwischen Irland, wo sich die Universität befand und Hogwarts täglich hin und her. Das war eine der Bedingungen gewesen, dass sie dort ihr Studium begann. Sie wollte so viel Zeit wie möglich mit ihrem Freund verbringen. So nannte sie Severus nur in ihrem Gedanken. Laut wagte sie das nicht zu sagen. Es passte irgendwie nicht zu ihm. Er war mehr ein Gefährte, vielleicht noch Partner, aber Freund. Hermione zuckte innerlich mit den Achseln.
„Ich werde mich ganz bestimmt nicht mit dir über die Möglichkeiten mich auf andere, wie ich zugeben muss, durchaus angenehme Gedanken bringen zu lassen, unterhalten!" Wehrte sie halbherzig ab. Nur zu gern wollte sie sich von ihm küssen lassen und gegen mehr hätte sie auch nichts einzuwenden, aber das musste sie ihm nicht gleich auf die Nase binden. Er war auch so eingebildet genug.
Schwer stützte er die Hände links und rechts neben ihr auf dem Schreibtisch ab. Hermione musste sich weit zurücklehnen, um ihm ins Gesicht blicken zu können.
„Du hast mir gefehlt", murmelte er an ihrem Hals, dabei strich er mit der Nase zärtlich ihre Haut entlang. Hermione schloss die Augen und bog den Kopf zurück. Wie sehr sie das liebte, wenn er das tat.
War es wirklich wichtig, das er wieder einmal einige seiner Schüler erschreckt hatte? Alles, was zählte, war das er bloß nicht aufhörte sie zu berühren. Doch plötzlich war er fort. Hermione öffnete die Augen und sah sich suchend nach ihm um. Er hatte sich auf sicheren Abstand zu ihr begeben.
„Nun Miss Granger, Sie befinden sich hier in meinem Büro und sollte sich, wiedererwarten, ein Schüler hier her verirren, so könnte ihr Verhalten eventuell Verwirrung stiften" In einer tadelnden Geste zog sie eine Augenbraue in die Höhe und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ich denke nicht, dass es mein Verhalten wäre, an dem Kinder Anstoß nehmen könnten, Professor Snape!", wies sie ihn streng zurecht.
Das Jahr mit ihm war nicht leicht gewesen. In ihm steckte noch sehr viel von dem Snape, den sie gefürchtet und gehasst hatte. Das würde immer ein Teil von ihm sein. Er versuchte sich zu bessern, bemühte sich die Vergangenheit hinter sich zu lassen, doch manchmal war ihm das einfach unmöglich. Es gab Augenblicke, wo er ungehalten und grob in der Wahl seiner Worte war. Das waren die Augenblicke, wo sie sich tatsächlich fragte, warum sie mit diesem Kerl zusammen war.
Aber dann fiel ihr wieder ein, wie zärtlich, freundlich und sanft er sein konnte. Das war der Mann, der er sein wollte und darum liebte sie ihn. Bissig und zärtlich, so war er. Tja, wenn sie es einfach haben hätte, wollen, dann wäre sie mit ihrer Katze alleine geblieben.
„Dann sollten ich ihnen am Besten was Richtiges zum gucken liefern", stieß er knurrig aus und wollte nach Hermione greifen. Geschickt wich sie ihm aus und brachte sich in einen, wie sie hoffte, sicheren Abstand.
„Nein, das machst du nicht. Wie ich dich kenne, hast du die Schüler bereits genug erschreckt"
„Unterstellungen, Miss Granger. Haltlose Unterstellungen", spottete er und streckte die Arme nach ihr aus. „Aber wenn du dich besser fühlst, dann lass uns in unsere Privaträume gehen", schlug er vor und wartete, wie sie sich entscheiden würde.
Drei Jahre dauerte ihr Studium noch, dann war sie fertig. Severus wollte ihr diese Zeit geben sich um sich noch umzusehen, ob sie nicht jemand besseren als ihn fand. Erst dann wollte er sie bitten ihn zu heiraten. Hermione fand das zwar albern, niemals könnte sie jemanden anderen so sehr lieben wie ihn, oder einem anderen auch nur ansatzweise so nahe sein wie Severus Snape. Er war in ihrem Herzen und in ihrer Seele.
„Ich hätte gerne eine heiße Tasse Tee und einige Antworten auf meine Fragen!", forderte sie frech und öffnete die Verbindungstür zu den privaten Räumen.
„Antworten?", hakte Severus neugierig nach und rief nach einem Hauselfen. Wie von Zauberhand erschien vor ihnen auf dem kleinen Tisch vor dem Kamin ein Tablett mit zwei Tassen und einer Kanne Tee. Hermione packte seufzend ihre Bücher aus und zeigte ihm, was sie gerade auf der Universität durchnahmen.
Severus war ihr Geliebter, Freund und Mentor. Für ihre Freunde war diese Entwicklung nicht weiter verwunderlich gewesen, außer vielleicht für Ron, aber auch er hatte sich alsbald mit Hermiones Beziehung zu Severus abgefunden. Alles in allem verlief ihr Leben richtig gut. Über eine Stunde saßen sie über Hermiones Büchern, dann hob Severus plötzlich den Kopf.
„Ich liebe dich, weißt du das eigentlich?" Noch niemals zuvor hatte er die Worte laut ausgesprochen. Eigentlich hatte er vorgehabt auf den richtigen Moment zu warten. Auf einen besonderen Abend, oder zu einem bedeutenden Ereignis. Hermione sah ihn einen Augenblick lang sprachlos an, dann brach sie in Tränen aus.
„Hätte ich …?" Ratlos saß er da und strich ihr unbeholfen mit den Händen über den Rücken.
„Ich liebe dich auch", erwiderte sie tränenerstickt. Heftig schlang sie ihre Arme um seinen Hals und drückte ihn so fest sie konnte an sich. Niemals mehr wollte sie ihn loslassen. „Ich liebe dich auch"
Severus schlang seine Arme um sie und hielt sie an sich gedrückt. Das war er. Der perfekte Moment, den zu erleben er niemals geglaubt hatte.
Ende
