Zwischen zwei Wolken
Disclaimer: Alle Personen und Orte des Harry Potter – Universums gehören J.K. Rowling. Ich verfolge keine kommerziellen Absichten mit dieser Fanfiction.
Zusammenfassung: Nach zwei Jahren, trennen sich Ron und Hermine. Doch als Ron einen Unfall hat, verkompliziert sich alles. Dass Hermine bei George Unterschlupf findet, macht es auch nicht einfacher.
Kapitel 02: Wenn die Nacht beginnt
So ungewiss auch die Zukunft ist
So ungewiss das
Schicksal uns ereilt
Meine Sinne sind geschärft und mir sagt das
Echolot
Ich ziele in die Hoffnung und alles wird gut
Hab keine
Angst wenn die Nacht beginnt
Wenn es dunkel wird und die Zeit dir
verrinnt
Ich kann spüren wie du tiefer fällst
Doch jetzt halt
ich dich
Du kannst dir sicher sein
Ich höre dich Hilfe
schreien
George stellte zwei kleine Gläser mit einer goldgelben Flüssigkeit auf den kleinen Couchtisch. Hermine, die es sich in den weichen Kissen des Sofas gemütlich gemacht hatte, griff nach einem und hob es an.
„Auf Freunde mit Feuerwhiskey", sagte sie und kippte den Inhalt des Glases hinunter. Der Alkohol brannte auf ihrer Zunge, doch der Schmerz scheuchte alle Gedanken aus dem Gehirn. Auch George hatte sein Glas geleert und füllte nun nach. Er ließ sich in einen Sessel sinken und betrachtete Hermine aufmerksam. Er kannte sie so nicht und er wusste noch nicht, was er davon halten sollte.
Sie leerten ihr zweites Glas, aber keiner von beiden merkte eine nachhaltige Wirkung.
„Wo wolltest du hin Hermine?", fragte George nach einer Weile des Schweigens.
„Zu meinen Eltern", antwortete Hermine wahrheitsgemäß.
„Wieso? Was hat Ron diesmal angestellt?"
Hermine zögerte und schüttelte schließlich den Kopf, sodass ihr die wilde Lockenpracht ins Gesicht fiel.
„Er hat nichts angestellt", sagte sie leise.
„Komm schon, ich hab dir Feuerwhisky gegeben, was ist passiert?"
Hermine strich sich die Haare aus dem Gesicht und atmete durch.
„Ich weiß nicht genau. Ich glaube wir haben uns getrennt."
„Du brauchst mehr Whisky."
Sie nickte, seufzte und begann schließlich zu erzählen.
ooo
Hermine starrte in die Dunkelheit des Schlafzimmers. George hatte ihr das gemütliche Bett überlassen und schlief im Wohnzimmer. Hermine schwirrte der Kopf. Der Whisky hatte sie müde gemacht, doch sobald sie sich hingelegt hatte, hatte sie gespürt, wie Übelkeit in ihr hochstieg. Wenn sie die Augen schloss, begann sich alles zu drehen und ihr Kopf fühlte sich an, als wolle er explodieren. Jetzt starrte sie ins Dunkle und versuchte einen Punkt zu finden, den sie fixieren konnte, damit sie wieder Halt fand. Rons Gesicht schwirrte vor ihr. Blass und regungslos in einem Krankenbett. Es war ihre Schuld. Die ganze Sache war ihre Schuld. Wenn sie nicht überstürzt abgehauen wäre, wenn sie sich nicht im Streit von ihm getrennt hätte... Sie kannte Ron doch, er ließ sich von so vielen Kleinigkeiten aus der Ruhe bringen, wie sollte er denn einen vernünftigen Schutzzauber zu Stande bringen nach so einem Streit. Sie spürte die Tränen, die heiß ihre Wange herunterliefen und schniefte.
„Hermine?"
Kurz dachte sie, dass Ron in der Tür stand, aber dann wurde ihr klar, dass es George war.
„Ist alles in Ordnung?"
Sie konnte nur seine Silhouette erkennen, die an den Türrahmen gelehnt stand. Nicht ganz so groß wie Ron, aber kräftiger, weniger schlacksig. Sie schüttelte den Kopf, brachte aber keinen Ton raus.
George bewegte sich auf sie zu, schaltete eine kleine Lampe auf dem Nachttisch an und hockte sich vor sie.
„Ich kann auch nicht schlafen", sagte er, erhob sich, ging einmal ums Bett und setzte sich neben sie.
„Es ist meine Schuld", brach es aus Hermine. Sie wagte es nicht George anzusehen, spürte nur seine nackte Schulter an ihrer. Er schlief anscheinend mit freiem Oberkörper, sie nur in einem dünnen Top.
„Das ist Unsinn, Hermine", sagte er nach einer kurzen Pause.
„Nein, ist es nicht. Ron ist furchtbar emotional und wenn ihn etwas beschäftigt oder bedrückt, dann kann er sich nicht mehr aufs Wesentliche konzentrieren. Ich weiß das, ich kenne ihn. Ich hätte ihn nicht einfach zum Training gehen lassen sollen, wenigstens ich hätte vernünftig sein sollen."
„Hermine, hör auf. Ron ist erwachsen, ihr habt euch gestritten, er ist gegangen. Schluss!"
Hermine schüttelte den Kopf und George spürte die Bewegung ihrer Haare an seinem Arm.
„Du verstehst das nicht. Ich hätte es verhindern können... wenn er... wenn er nun..." Sie konnte nicht weiterreden. Der Gedanke war zu groß und zu schrecklich, um ihn auszusprechen.
George schwieg und Hermine merkte, obwohl sie ihn immer noch nicht ansah, dass sich seine Miene veränderte, sein ganzer Körper spannte sich an.
„Das darfst du nicht denken. Das macht dich kaputt." Er sprach mit einem solchen Nachdruck, mit einer solchen Wahrhaftigkeit in der Stimme, dass Hermine nicht anders konnte, als ihren Kopf zu drehen und ihn anzusehen. Sie hatte ihn noch nie so ernst gesehen. Seine Kiefermuskeln waren angespannt und seine Zähne aufeinandergepresst. Seine Nasenflügel waren leicht gebläht und seine Augen... Hermine konnte nicht ausmachen wohin sie blickten. Es war als würde er in eine andere Welt starren. Für einen Moment war sie gebannt von seinem Anblick, dann hielt sie es nicht mehr aus.
„George?", fragte sie leise. Er schaute sie kurz an, wand den Blick dann aber wieder ab.
„Als Fred gestorben ist... ich hab gedachte, dass ich etwas hätte tun müssen, dass ich ihn irgendwie hätte retten können und das alles meine Schuld war, weil ich es nicht getan hatte. Weil ich nicht da war"
Hermine hob zaghaft die Hand an sein Gesicht und zwang ihn sie anzusehen.
„Das glaubst du doch nicht immer noch, oder?", fragte sie zaghaft. Ein Lächeln, das etwas angestrengt wirkte, legte sich auf sein Gesicht.
„Nein", sagte er knapp. Dann atmete er tief ein und wieder aus und es war als würde etwas von ihm abfallen.
„Und du darfst das auch nicht denken, verstanden? Außerdem wird Ron wieder, glaub mir."
Sie versuchte zu lächeln, aber es gelang ihr nicht ganz. George seufzte, streckte seinen Arm, um ihn um sie zu legen und zog sie an sich. Seine Bewegungen waren anders als die von Ron, fiel Hermine auf, als sie ihren Kopf vorsichtig an seine Schulter legte.
„Was soll ich denn jetzt machen?", fragte sie schließlich.
„Was willst du denn machen?", stellte er die Gegenfragen.
„Ich weiß nicht... jedenfalls nicht so tun, als ob alles zwischen Ron und mir super wäre."
„Na ja, ich fürchte, dass wird kaum einer hören wollen."
„Ich fühle mich so egoistisch. Ich kann doch jetzt nicht einfach sagen: 'Ach übrigens, Ron und ich haben uns getrennt. Macht's mal gut.'"
„Nein das wäre nicht sehr Hermine-typisch", sagte George mit einem Schmunzeln.
„Verdammt!"
„Ich hab dich noch nie so viel fluchen gehört, wie heute Abend", stellte George fest.
„Wir...", begann Hermine, brach dann aber ab. George blickte auf sie hinunter.
„Was?"
„Wir haben ja auch noch nie so miteinander geredet."
George dachte einen Moment nach.
„Du hast recht. In Hogwarts mussten wir ja auch immer auf der Hut vor dir sein." Es trat erneut eine kurze Stille ein.
„George?", sagte Hermine, ohne ihn anzusehen.
„Mhhhh"
„Du und...Fred...habt ihr mich in Hogwarts... na ja... konntet ihr mich nicht leiden?" Diese Frage war so kindisch, aber sie brannte ihr einfach unter den Nägeln.
George lachte. Das war eine sehr Hermine-untypische Frage.
„Wie kommst du denn darauf?", wollte er wissen. Sie schwieg, es war einfach zu peinlich.
„Nun, Miss Granger, soweit ich mich erinnern kann, haben Sie nicht sehr viel dafür getan, um in unserer Gunst zu stehen, aber... ich konnte dich trotzdem leiden, wenn es dich beruhigt."
Hermine wurde rot und wusste nicht so recht warum.
„Aber Hermine, ich hatte nie den Eindruck, dass es dich kümmern würde, ob dich jemand leiden kann. Mal abgesehen von Ron natürlich."
Hermine schwieg beharrlich, aber George spürte, wie sie sich wieder ein wenig verspannte.
„Ich vermisse ihn", sagte sie schließlich.
„Willst du ins Sankt Mungos?" George wollte sich bereits erheben, aber Hermine machte keine Anstalten aufzustehen, also ließ er sich zurück sinken.
„Das meinte ich nicht. Ich vermissen den Ron von damals. Ich vermisse, wie es damals war."
„Er war genauso ein Idiot wie heute."
„Jaaaa, aber es war anders. Ich dachte immer, wenn er es erstmal begriffen hat, dann wird alles gut, dann könnte uns nichts mehr trennen, aber..." Sie seufzte und kuschelte sich, ohne das es ihr wirklich bewusst war enger an George. Dieser schwieg. Er wusste was sie meinte, er kannte dieses Gefühl. Diese bittere Enttäuschung, wenn Dinge sich nicht so entwickelten, wie man es erträumt hatte. Wenn sich nichts änderte, egal wie sehr man es sich wünschte. Er schwieg, hielt sie nur fest und als er schließlich merkte, dass sie eingeschlafen war, schaltete er die Nachttischlampe aus, ließ sich nach unten in die Kissen sinken und schloss ebenfalls die Augen.
