Lost Heaven
-Prolog-
Sie wusste nicht wo sie war. Die Sonnenstrahlen und die eisige Kälte des frühen Morgens weckten sie, zusammen mit dem salzigen Geruch des Meeres und dem Schreien der Möwen das sie in der Ferne hören konnte. Ihr Körper schmerzte und ihre Erinnerungen waren verschwommen, genauso wie ihr Blick. Benommen richtete sich das Mädchen auf und versuchte zu verstehen wo sie sich eigentlich befand. Eine Lagerhalle, irgendwo in den äußeren Bezirken. Sie konnte die Brandung und die Möwen hören die entfernt schrien. Es gelang ihr erst nach ein paar Anläufen aufzustehen und das schreckliche Schwindelgefühl zu bekämpfen das sie in diesem Moment zu übermannen drohte. "Wo...wo bin ich...", murmelte sie benommen und sah an sich herunter. Sie machte einen erbärmlichen Anblick. Alles was sie trug war eine einfache hellblaue Krankenhauskleidung ohne Schuhe und selbst diese war schmutzig und...blutig. Ein unruhiges Gefühl machte sich in ihr breit. Sie hatte keine Ahnung wo sie in der letzten Nacht gewesen war oder was sie gemacht hatte. Bilder schossen ihr plötzlich vor Augen und sie stürzte nach hinten, ihre ganze Willenskraft aufbietend um sich nicht übergeben zu müssen. Was waren das für Bilder gewesen? Entsetzte Blicke, versteinerte Gesichter und Blut das auf die Wände und den Boden spritzte. "Urgh..." stöhnte sie und versuchte sich zu erinnern. "Wer bin ich, verdammt!" fluchte sie verhalten. Es war nichts, bloß diese elendigen Bilder, die von undeutlichen Schemen zu furchterregenden Visionen wechselten ohne ihr auch nur eine diese Fragen zu beantworten. Schließlich beschloss das Mädchen das Ganze beiseite zu lassen und ihrem gegenwärtigen Standort einen genaueren Blick zu widmen. Sie befand sich in einem verwahrlosten Gebäude das ganz offensichtlich bessere Tage gesehen hatte und scheinbar nicht benutzt wurde. Es schien sich um eine Güterumschlagsplatz zu handeln. Weite Flächen für ankommende und verlassende Fahrzeuge sowie unzählige herumstehende hölzerne Kisten mit einigen Schaltern, an denen die Fracht angenommen wurde. Sie selbst befand sich im hinteren Teil, verborgen von Kisten, Gerümpel und einigen stillstehenden und nicht mehr funktionierenden Lastkraftwägen. Licht gab es keines, nur einige Sonnenstrahlen die zunehmend stärker in das Gebäude einfielen. Sich an einem Regal anlehnend sah sich das Mädchen um. "Warum bin ich hier?" fragte sie sich in Gedanken und versuchte sich verzweifelt zu erinnern. Sie hatte keine Vorräte bei sich, kein Geld und keinen Anhaltspunkt. Lediglich ein unscheinbarer Anhänger lag neben ihr auf den Boden den sie erst nicht wahrgenommen hatte. Vorsichtig ging sie in die Hocke und nahm ihn behutsam auf um ihn anschließend genauer unter die Lupe zu nehmen. Es war eine Art... Identifikationsnummer, etwas, das sie ausweisen sollte. Es schien schlüssig, denn es strahlte eine ziemliche Vertrautheit aus auch wenn sich das Gefühl mit großer Wut und Ekel vermischte und sie fast dazu trieb, ihn einfach wegzuwerfen, soweit wie nur irgend möglich. Erneut erfasste sie eine Welle von verstörenden Bildern und Übelkeit und sie brauchte ein paar Minuten um sich zu sammeln. Dann, als die schlimmsten Zeichen vorbei waren, machte sie sich daran, den Gegenstand genauer zu untersuchen. Ein Bild und ein Name, oder vielmehr eine Nummer waren auf der Vorderseite zu sehen. Ein düster blickendes blasses Mädchen mit rötlichen Haaren und grünen Augen. Sie wirkte verloren oder traurig. Daneben war die Nummer #74 zu lesen. Sie fühlte allerdings das auf der Rückseite etwas eingeritzt worden war. Ohne Zögern drehte sie es um und sah in unbeholfener und fahriger Schrift den Namen "Amy". Sie blinzelte und drehte es unsicher in ihrer Hand. Amy? War das ihr Name? Wer war sie und was machte sie hier? Wieso konnte ihr niemand diese Fragen beantworten und wieso hatte sie es vergessen?
Plötzlich erfüllten Geräusche das Gebäude und vertrieb die Stille die sich über die Halle gelegt hatte. Instinktiv ging Amy in Deckung und spürte wie ihr Herz anfing wie wild zu klopfen. Sie wollte nicht von irgend jemandem gesehen werden. Irgendwie hatte sie das Gefühl das sie alleine am besten aufgehoben wäre und das sie anders war als die anderen. Warum, wusste sie nicht, nur das eben so war. Einige Stimmen waren zu hören, es schienen mehrere zu sein. Drei, vielleicht vier Personen. Was sie sagten, konnte Amy nicht nachvollziehen, zu undeutlich waren ihre Stimmen. Eine Person war weiblich. Was sie hier wollten, wusste Amy nicht und sie hoffte nicht auf sie zu stoßen. Erklären konnte sie es ihnen ohnehin nicht, wer sie war, was sie hier tat und wieso sie in solch einer Verfassung war, selbst wenn sie es gewollt hätte. Früher oder später allerdings würde sie hinaus müssen um Antworten zu bekommen. Die Personen schienen sich dem Ort zu nähern und Amy wurde von einer ziemlichen Unruhe erfasst. Sie sollten gehen, einfach nur gehen. Doch ihre stummen Gebete wurden nicht erhört, im Gegenteil. Diese Personen suchten etwas Bestimmtes. Ein Krächzen war zu hören als eine der Personen die Tür öffnete und Amy konnte sehen, wie ein weiterer Kegel Licht in das Innere des Gebäudes hineinfiel. Es beleuchtete die Personen ziemlich gut und ohne es sich wirklich erklären zu können, hatte Amy nur noch bloße Verachtung und Wut für diese Menschen übrig. Sie trugen militärische Kleidung sowie Nachtsichtgeräte. Was sie allerdings am meisten ausmachte, waren ihr Verhalten und ihre Sturmgewehre, die sie bei sich trugen. Mit einem Mal begriff Amy, dass sie hinter ihr her waren und doch war sie verblüfft darüber, wie sie so schnell entdeckt werden konnte.
"#74 muss hier ganz in der Nähe sein. Seid vorsichtig." warnte die Frau, während sie langsam aber sicher die Umgebung absuchten. Scheinwerfer erhellten die Dunkelheit und machten es Amy schwerer, sich zu verstecken. Ganz leise und vorsichtig, um sich nicht durch Lärm zu verraten und vor den Lichtkegeln sicher zu sein, wich Amy nach hinten zurück. Das war natürlich nur aufgeschobene Zeit, denn sie war schon ziemlich am Ende der Halle und die Soldaten hatten sich auf wenige Meter Abstand verteilt, während sie langsam auf sie zukamen. Sie waren hinter ihr her und sie würden sie mit Gewalt mitnehmen. Wo immer sie auch hinkommen sollte, Amy wollte nicht an diesen Ort. Niemals. Plötzlich hielt sie sich erneut dem Kopf und musste mit ganzer Willenskraft ein Stöhnen unterdrücken, als die schrecklich bohrenden Kopfschmerzen erneut zurückkehrten. Doch es war noch nicht alles. Bilder...von einem einfachen weißen Raum, kahl und leer sowie einer Apparatur, einer Art Stuhl mit Bein- und Armfesseln, kamen ihr ins Gedächtnis. Es tat weh, war kalt und wurde von dem ständigen Surren und Piepen elektronischer Geräte begleitet, die sie auch in der Nacht heimsuchten. Gegenüber von diesem kleinen Raum, in dem sich nichts befand außer dieser Apparatur und einem roten Halbkreis im Durchmesser von ungefähr 2 Metern, war gegenüber eine rechteckig angelegte Glasscheibe knapp unter der Decke, von der aus gesichtslose Männer in weißen Kitteln kalt auf sie herabstarrten. Ein grelles Licht blendete sie plötzlich und sie musste die Augen zusammenkneifen ehe sie sich wieder in der Lagerhalle befand. Die Soldaten waren nahe und sie war kurz davor entdeckt zu werden. Sie musste rasch einen Ausweg finden oder es würde gefährlich werden.
"Sicher, das sie hier ist? Vielleicht wird der Sender gestört oder sie hat ihn verloren." sagte einer der Soldaten rechts vor Amy mit einer rauhen Stimme. Er hatte einen massigen Körper und trug die größte Waffe. Er hatte schwarzes Haar, mehr konnte das Mädchen nicht sehen ohne aus ihrer schützenden Deckung herauszukommen. Sie spürte erneut ihren Zorn und ein plötzliches Verlangen diesen Männern und der Frau weh zu tun. So sehr das sie vor Schmerz aufschrien. Woher das kam, wusste Amy nicht und ehrlich gesagt, war ihr das egal. Diesem inneren Drang nachgebend, verließ sie ihre Deckung und starrte die Frau mit finsteren Blick an, ehe sämtliche Lichtkegel auf sie gerichtet wurden. Dann lächelte sie...
AN: Weder der Anime Elfenlied, noch die originalen Charaktere von Rocci gehören mir sondern den rechtmäßigen Besitzern. Allerdings gehört #74 "Amy" mir :P
Das ist der Prolog von der ganzen Geschichte. Mal schauen wie er ankommt. Es wird auf jeden Fall eine längere Geschichte werden. Ich hoffe es gefällt euch. Für Kritik stehe ich jederzeit offen, sofern sie sachlich ist.
Anm.: Danke an Thomas für die Fehlerkorrektur. Scheint, ich habe damit einen guten Beta-Reader gefunden^^
