Kapitel 1: Ungewisser Morgen
Eine Menge war passiert, seit jenen schicksalhaften Tagen an denen Serelia entmachtet und die Diclonius-Gemeinde in eine neue Zeit des Friedens geführt wurde. Die meisten Anlagen, in denen die Dicloni untergebracht waren, wurden entweder zerstört oder vergessen und der große Gedenkstein, der für die Toten beider Seiten in Tokio aufgestellt wurde und ein ewiges Mahnmal bilden sollte, wurde um weitere Namen hinzugefügt. Die Wogen glätteten sich und die Welt wandte sich wieder ihren normalen Gang zu. So schien es jedenfalls. Doch ein Ort war von einer enormen Hektik erfüllt. An der Küste zur Stadt, in einer Forschungsstation die von starken Sicherheitskräften umgeben war, hörte sich ein Mann, der zuständige Direktor der Anlage T-7 die ernstzunehmenden Berichte an, die sich seit der Nacht des Ausbruchs überschlugen. Samuel Spencer, auf die 40 zugehend, war ein schlanker Mann, europäischer Herkunft mit lässiger Bürokleidung, schwarzen Haaren, die sich anfingen zu lichten und einen scharfen, bohrenden Blick. Diese Anlage, die vor dem Ende der großen Diclonius-Kriege, ebenfalls für die Forschung an die Dicloni verwendet und dann offiziell aufgegeben wurde, hatte niemals wirklich seine Aktivität aufgegeben. Zwar hatte man aufgehört an den Dicloni zu forschen, war jedoch besorgt, welche Mittel die Menschheit haben würde, sollte sich so etwas wie im Fall Brutus oder Serelia wiederholen. Angetrieben von den Erinnerungen an die Massaker, die in dieser Zeit von diesen Personen vielfach begangen wurde und dem Hass, der dadurch entstanden war, forschte man nach Möglichkeiten und Technologien wie man sich besser gegen diese Art der Bedrohung wehren konnte. Doch nun war ein Ausbruch erfolgt und der Kontakt zu dem Suchtrupp in den Morgenstunden war abgerissen. "Wir sollten ein zweites Team hinterherschicken. Wir müssen wissen was passiert ist doch es scheint offensichtlich, das #74 ihre Finger im Spiel hat!" erklärte der leitende Wissenschaftler mit ruhiger Stimme und sah zum Direktor, wobei er den direkten Augenkontakt vermied.
"Also noch ein Team verlieren und noch mehr Zerstörung und Chaos hinterlassen, hm?" fragte der Direktor schroff nach ohne eine Antwort zu erwarten. Dann seufzte er. War er wirklich von lauter Idioten umgeben? Es war schon unfassbar genug gewesen das trotz umfassreicher Sicherheitsmaßnahmen ein Ausbruch erfolgen konnte und jetzt sollten noch mehr Lämmer zur Schlachtbank geschickt werden. "Ist der Sender noch aktiv?" wollte Spencer stattdessen wissen und der Wissenschaftler nickte. "Sie hat sich von dem Hafengebiet wegbewegt und bewegt sich in Richtung der Stadt zu."
"Gut. Ich schicke jemanden, der sich um das Problem kümmern kann. Er ist besser als ein ganzes Einsatzkommando inbegriffen. Sucht unterdessen nach dem Verantwortlichen für den Zwischenfall. Es darf sich nicht nochmal wiederholen." - "Verstanden!"
Unterdessen...
Wie in Trance war Amy durch die Straßen gewandelt ohne einen Blick auf die Umgebung und die Leute zu werfen. Ihre Kleidung war zerrissen und ihr Körper schmerzte und erneut schien es als ob ein Teil ihres Gedächtnisses ausgelöscht worden war. Sie erinnerte sich wie sie erneut in dem brennenden Lagerhaus zu sich gekommen war, von verstümmelten Körpern umgeben und wie sie voller Angst weggelaufen war. Sie musste weg, einfach nur weg und diese Hölle hinter sich lassen. Doch die Fragen quälten sie weiterhin, nach ihrer Herkunft und nach dem was sie selbst war, was sie getan hatte und was diese Leute von ihr wollten. Doch das war nicht das einzige Problem dem sie sich stellen musste. Eine ungeheure Wut flammte immer wieder in ihr auf wenn sie an Menschen und Diclonius vorbeilief. Diclonius, ja...sie wusste wer diese Mädchen mit den pinkfarbenen Haaren und den Hörnern waren und sie hasste sie. Jeden einzelnen ohne Ausnahme. Der Drang, ihnen wehzutun, drohte sie mehr als einmal zu überwältigen doch sie hielt es mit eisernen Willen zurück. Es war nicht die richtige Zeit dafür. Nicht, solange sie allein und verwundbar war. Warum sie diese Personen vernichten wollte, das nichts mehr von ihnen zurückblieb, wusste sie nicht. Nur, das Amy es tun musste. So lange bis niemand mehr von diesen gehörnten Missgeburten umherwandelte. Die Menschen tötete sie aus einen anderen Grund doch auch der war ihr entfallen.
"Wer ist dieses Mädchen? Sie sieht furchtbar aus."
"Ob wir die Polizei rufen sollten? Vielleicht wurde ihr etwas angetan?"
Diese und ähnliches hörte das Mädchen immer wieder, ohne dem eine Beachtung zu schenken. Sie konnte nicht in ein Krankenhaus. Sie würden sie finden und dann wäre es vorbei. Ewig würde ihr Glück nicht mehr halten. Mitgenommen setzte sie sich auf eine Bank und vergrub das Gesicht in ihre Hände um ihre Verzweiflung niederzukämpfen. Wohin sollte sie nur gehen? Es gab niemand, der auch nur einen Gedanken an sie verschwendete. Sie schloss die Augen und spielte mit dem Anhänger als sie einige weitere Stimmen hörte. Erst schenkte sie diesen keine weitere Beachtung als diese näher kamen. "Wer nähert sich einer Person mit blutiger, zerrissener Kleidung?" dachte Amy verwundert und öffnete die Augen. Vor ihr stand eine hübsche Frau mittleren Alters, die wohl schon bald auf die vierzig zuging. Sie strahlte eine natürliche Fröhlichkeit aus und anders als bei anderen Menschen oder Dicloni fühlte sich Amy nicht unwohl in ihrer Nähe. Sie hatte lange hell violette Haare, die sie frei trug und normale Sommerkleidung welche durch dunklere Farben dominiert wurden. Amy bemerkte sofort das es sich um einen Diclonius handelte. Neben ihr war ein Kind, ein Junge von vielleicht elf, zwölf Jahren mit schwarzen Haaren, schmächtiger Statur und in kurzer dunkelblauer Hose und gelben T-Shirt unterwegs, ein Eis in der Hand. Er sah sie neugierig aber auch vorsichtig an und sprach kein Wort. "Alles in Ordnung mit ihnen?" fragte die Frau mit einer sanften Stimme und Amy sah erneut zu ihr auf. Anders als sonst, verspürte sie keinerlei Feindseligkeit gegen sie und das verwunderte Amy fast ebensosehr wie ihr sonstiger Lebensumstand. "Ich...Nicht wirklich." gestand Amy schließlich. "Ich weiß nicht wo ich hin soll. Es ist ziemlich chaotisch in meinem Leben." Die Frau schwieg dazu und schien etwas abzuwägen. "Bist du angegriffen worden? Ich kann dich zum Krankenhaus begleiten wenn du möchtest." Amy schüttelte den Kopf. "Ich brauch nur einen Platz um mich auszuruhen, ansonsten komme ich schon klar. Allerdings kenne ich mich hier nicht aus."
Die Frau runzelte die Stirn, schien aber seltsamerweise zu verstehen. Dann wirkte sie als ob sie einen Entschluss gefasst hätte. "Ich kenne eine Übernachtungsmöglichkeit. Ich wohne selbst schon seit Jahren dort und die Leute dort sind nett. Das Mapple Inn. Ich kann dich dorthin bringen und mit dem Besitzer sprechen. Sicherlich lässt er dich dort wohnen." bot sie an und nun konnte Amy ihre Überraschung definitiv nicht verbergen. "Mein Name ist übrigens Nana. Das hier ist mein Sohn Roc." stellte sich die Frau, nun bekannt als Nana, vor. Roc selbst schwieg. Er schien von ihrem Aussehen eingeschüchtert doch das nahm ihm Amy nicht sonderlich übel. "Amy. Wieso hilfst du mir?" erwiderte das Mädchen während Nana ihr nur einen Blick zuwarf, der mit einem Mal tiefer wirkte als vorhin. "Sagen wir, ich kann erahnen in welch einer Position du dich befindest und das ich in einer ähnlichen war." erklärte Nana schließlich und Amy beschloss es dabei bewenden zu lassen. Sie wusste nicht, was sie erwartete aber vielleicht würde sich ihr Leben jetzt etwas zum Besseren wenden.
Was alle drei nicht wussten war, das jemand sie beobachtete. Diese Person war genauso in einer schlechten Verfassung und fuhr sich immer wieder durch die Haare. "Ich kann nicht fassen das diese kranke Schlampe zu so etwas fähig ist." murmelte er. "Aber das wirst du bereuen, #74! Bitter bereuen!" Mit diesen Worten verschwand der Mann in der Menge.
AN: Thank you Rocci, for your Support with Nana´s Age, her child and other vital informations^^ I hope you enjoy this.
