7. Verdachtsmomente

*Christine*

Ich sah die beiden, noch ehe sie mein Restaurant betraten und überließ den Tresen meinen Angestellten. Ich wartete bis die zwei im Speiseraum waren und saßen, ich ließ sie das Trinken bestellen, erklärte Tim das ich noch eine Cola an eben jenen Platz bekam und näherte mich dem Tisch. Natürlich bemerkte er mich und stand auf, die Kleine drehte sich herum, sah mir neugierig entgegen und es traf mich wie ein Schlag, ich begriff warum er selbst keinen DNA Nachweis gebraucht hatte. Dieses Mädchen musste einfach seine Tochter sein.

„Hallo, Christine."

„Hi. Mac," antwortete ich ihm, nach seinem kurzen Begrüßungskuss, er hatte mich näher zu sich geholt, viel näher. Ich musterte ihn überrascht, streckte meine Hand dann an ihm vorbei zu dem Mädchen. „Hi, ich bin Christine."

„Janina. Janina Rycarda. Sie...haben also das CK stehen lassen."

„Ja, habe ich, ertappt. Freut mich dich kennen zu lernen."

„Mich auch."

Das Mädchen wirkte scheu, höflich zurückhaltend, gerade wie Mac berichtet hatte. Er hatte auch gesagt, dass sie anders sei und er es mir später erklären wollte. Gut, ich würde warten. Wir setzten uns und nach eingehendem Kartenstudium, von Janina, bestellten wir unser Essen.

Es wurde ein ruhiges, wie auch interessantes Essen. Ich erfuhr von ihren Hobbies, Dinge die scheinbar auch Mac noch nicht wusste und das sie bereits mit der High School so gut wie fertig war, mit 13!

Sie erzählte mir vom Einkaufsmorgen, nachdem Mac davon angefangen war. Es war nicht zu übersehen, dass sie völlig begeistert davon war, dass sie alleine hatte aussuchen dürfen und er einfach alles getragen hatte. Ich warf Mac einen kurzen Blick zu und bemerkte sofort wie sehr er dieses Kind schon mochte. Ich lächelte ihm zu.

„Und? Was wird als nächstes gekauft?"

Der Teenager sah fragend zu Mac, doch der verschränkte die Arme und lehnte sich zurück. „Nicht mein Zimmer. Du entscheidest, was du noch brauchst und wir zuerst machen."

Das Mädchen schaute ihn nachdenklich, wie besorgt an, nur langsam schien sie sich zu einer Antwort durchzuringen, ich sah zu Mac. Er blickte sie jetzt warm an, ruhig und irgendwie auch auffordernd. Das Mädchen nickte schließlich. „Ein Bett, ein Schreibtisch, wenn du deinen doch noch willst."

„Ich brauche einen," Mac nickte und ich musste grinsen. „Vorschlag: wir Mädels gehen zu YoungInspiration/YoungLiving und Mac... du bringst die Einkäufe heim?"

„Ach und werde ich auch noch gefragt?" wollte er wissen.

„Nein," erwiderte sie bittend. Janina schaute verunsichert von einem zum anderen, sie biss sich auf die Unterlippe und schüttelte den Kopf. „Ich... bleibe bei... Mac."

Ich lächelte und nickte. „Gut, dann lasst die Einkäufe hier, geht die Möbel kaufen und anschließend könnt ihr ja alles abholen, mmh?"

„Klingt gut," stimmte er zu. Sie schüttelte den Kopf. „Komm doch mit. Bitte?"

Ich lächelte und nickte dann. „Okay, ich komme auch mit."

xXx

*Mac*

Kaum im Möbelgeschäft sah sie mich schon wieder besorgt an. Ich ging zu ihr und fasste sie an die Schultern. „Janina, such dir was du möchtest, wenn es zu teuer ist, meld ich mich schon zu Wort. Geh und such was aus!"

„Sie ist nachdenklich."

„Ja und zu vorsichtig. Sie ist viel zu besorgt darum, es mir, oder anderen nicht recht zu machen. Sie sollte viel unbeschwerter und...mehr Kind sein."

„Kindlich? Mac! Sie ist 13 und mit der Schule fertig, dreizehn Mac! Dieses Kind kann nie wirklich Kind gewesen sein, ihr Leben muss aus Lernen und Lernen bestanden haben und... daraus nicht aufzufallen, brav zu sein."

„Nicht ganz, lernen fällt ihr leicht. Nur...das macht es nicht eben einfacher."

Sie nickte mir zu und nahm meine Hand, während wir Janina langsam, in einigem Abstand folgten. „Mac, denkst du sie weiß wie es ist ein Kind zu sein?"

„Ich...habe keine Ahnung." Gab ich kleinlaut zu und blieb stehen. Janina betrachtete sich eben ein ausgestelltes Zweisitzer Sofa genauer. „Dann... zeig es ihr Mac, bring ihr bei unvernünftig zu sein."

Ich verzog das Gesicht, als hätte ich ähnliche Gedanken nicht auch schon gehabt. Nur wie? Ich hatte wirklich keine Ahnung, wie ich das machen sollte. „Ich...habe nur leider überhaupt keine Idee, wie ich..."

„Fahr weg, du nimmst doch eh frei. Nimm sie und fahr mit ihr weg, an den Strand, in die Berge, egal wohin, nur ihr zwei. Lernt euch kennen, finde heraus was sie außer Lesen und Schreiben wirklich mag. Erzähl ihr von dir, ihren Großeltern, von der Frau, die ihre Mutter einmal war...sei...da."

„Denkst du wirklich, das..."

„Was kann schief gehen?" Fragte sie achselzucken und lächelte mir aufmunternd zu. Ich seufzte und nickte. „Gar nichts." Christine ich liebe dich.

Sie nickte und lächelte, legte eine Hand an meine Wange. Ihre Augen leuchteten, wie immer. „Ich liebe dich Mac." Ich nickte. „Ich weiß, ich dich auch." Ich lächelte, schob ihr eine Hand in den Nacken und wir küssten uns...

„MAC! Das ist to...oh...oh, das...das tut mir Leid, das..." Janina wandte sich ab und lief davon. Wir sahen uns einen Moment lang überrascht an, dann nickte Christine und ich lief meiner Tochter besorgt nach. Ich fand sie einige Gänge weiter. Sie saß in einer kaum einsehbaren Ecke auf einer Couch. Sie hatte die Beine fest an sich gezogen und den Kopf verborgen. Ich seufzte und kam langsam näher. Als ich mich neben sie setzte und ihre Schulter berührte zuckte sie abrupt zusammen und wich vor mir zurück. Geradezu Panisch blickte sie mich an und ein Böser Verdacht, keimte in mir auf, den ich in diesem Moment nur mit Mühe zurückhielt und mir nicht zum ersten mal gekommen war.

„Janina, hey, sieh mich an!" Bat ich stattdessen leise und streckte die Hand erst wieder zu ihr aus, als sie mich anschaute. „Gib mir deine Hand."

Sie kam der Bitte zwar nach, doch sie kauerte zitternd und total angespannt vor mir. Mir war völlig klar was sie erwartet hatte und auch das kein Wort der Welt ihr wirklich helfen konnte, nur die Zeit und neue Erfahrungen. „Janina..." Ich rückte nun doch näher und zog sie ganz fest in meine Arme und hielt sie einfach im Arm. „Es...ist alles Okay. Es...ist gut, Schscht. Niemand wird dir etwas tuen. Schscht."

Es dauerte eine ganze Weile bis sie sich beruhigte und ich sah aus dem Augenwinkel, wie Christine erst einen Angestellten, dann einige Kunden bestimmt aber leise fortschickte. Janina kauerte zitternd in meinen Armen und beruhigte sich derweil langsam wieder. „Es ist gut, ich bin da. Es ist alles gut." Ich küsste ihre Stirn, strich ihr übers Haar, den Rücken, hielt sie nur ganz fest. „Ich hab dich lieb, Janina, ich..."

Ich verstummte, sie bewegte sich, ihre Hände umfassten fest meinen Unterarm, der um sie lag. Sie drehte sich auf den Rücken und schaute kurz zu mir auf, ehe sie ihr Gesicht an meinem Oberarm vergrub. Sie hielt sich krampfhaft bei mir fest, doch ich wusste, es war ein Anfang, sie wollte den Schutz den ich ihr geboten hatte. Aber da war auch noch die Angst i ihren Augen. „Ich bin da," wiederholte ich leise und küsste nochmal ihre Stirn. Wenige Minuten später schaute sie wieder zu mir auf, es war ihr anzusehen, dass sie geweint hatte, doch die Tränen waren getrocknet. Sie atmete tief ein. „Ver-versprich mir, dass du...nicht weggehst,...bitte."

„Versprochen."

Sie schloss die Augen und als sie sich jetzt bei mir anlehnte entspannte sie sich etwas. Ich strich ihr durchs Haar. „Ich will nicht mehr einkaufen." Sagte sie leise.

„Okay, aber...zeigst du mir noch, was du eben gefunden hast?" Sie schüttelte den Kopf, aber ich wollte, dass sie begriff, das sie uns nicht gestört hatte, nicht so, wie sie geglaubt hatte. „Bitte, dann kann ich es schon bestellen, mmh?" Ungläubig blickte sie mich an, ich nickte und streichelte ihr über die Wange. „Zeig es mir, bitte."

Sie nickte zögernd und stand langsam auf, ich folgte ihr, blieb noch mal vor ihr stehen und strich ihr durch das Haar. „Du störst niemals, hörst du? Nie."

Sie nickte, schaute hinüber zu Christine und fragend zu mir. „Es ist okay, auch für Christine. Komm, zeig mir das Bett, oder Sofa und dann, gehen wir Heim."

Sie nickte und als ich einen Schritt ging, schob sie eine Hand in meine und drückte sie.