8. Ankunft
*Mac*
Ich schaute mein Team, meine Freunde ernst an und nickte ihnen zu. „Wie ihr inzwischen alle wisst, habe ich eine Tochter und sie bei mir aufgenommen. Wir... brauchen etwas Zeit, ich werde ein paar Wochen Urlaub machen und bringe sie damit auch aus der vermeintlichen Schusslinie unseres Triebtäters. Aber... ich möchte Euch auch um etwas bitten, findet heraus ob ihr Stiefvater wegen Häuslicher Gewalt, oder ähnlichem Probleme hatte. Danke, euch."
„Mac, denkst du... er hat sie angefasst?" Fragte Jo alarmiert. Ich schüttelte den Kopf. „Du denkst aber er hat sie möglicherweise geschlagen?" Fragte nun Lindsay. Ich seufzte. „Ich denke es nicht nur, ich weiß es. Ich bin mir sicher." Ich nickte ihnen zu und ging hinaus, ich wusste auch so, sie würden erst an den Fällen weiterarbeiten. Jo folgte mir und hielt mich am Fahrstuhl nochmal zurück. „Mac! Hat sie es dir gesagt?"
„Nein," ich schüttelte seufzend den Kopf, „und ich bin mir nicht sicher, ob sie es so bald wird. Aber ich weiß es. Sie...hat mich und Christine beim Küssen überrascht, Jo, du hättest sie sehen sollen. Sie ist panisch vor mir zurückgewichen, als ich ihr nach gelaufen bin. Oder...als ihr gestern der Teller herunter gefallen und zersprungen ist, ich...ich weiß es einfach, ebenso sicher, wie sich jeder andere von euch auch wäre. Er hat sie geschlagen und wer weiß was noch."
„Wir finden etwas."
„Danke, Jo."
Sie nickte und wandte sich langsam wieder ab, während ich in den leeren Fahrstuhl trat.
xXx
*Janina*
Als er gesagt hatte, wir würden wegfahren, nur wir beide und raus aus der Stadt, da hatte ich ein mulmiges Gefühl gehabt. Ich meine, was sollte ich erwarten, was konnte er vorhaben? Jetzt aber fuhren wir schon eine Weile über den Highway und langsam verflog meine Anspannung. Er saß ruhig und konzentriert am Steuer, schien genau zu wissen, wo er hin wollte und das wir Zeit hatten. Immer mal wieder schenkte er mir einfach ein Lächeln und ich konnte in diesen Augenblicken gar nicht anders, als zurück zu lächeln.
Ich entschied weiter nach draußen zu sehen und bemerkte das sich die Stadt um uns herum langsam zu verändern begann. Ich sah nach vorne und achtete nun auch auf die Verkehrsschilder, wo wollte er nur hin? Hier ging es doch garantiert aus New York raus, doch welche Richtung? Und wohin genau, wollte er?
Brookhaven
Shirley
Westhampton
Westhampton Beach
Southampton
East Hampton
Montauk
Brookhaven und Shirley, Hamptons Montauk sagten mir alle etwas, verwundert sah ich neben mich. „Die Hamptons? Was...machen wir da?" Fragte ich besorgt, alles was ich von dieser Halbinsel wusste war, dass sie teuer war und ich verband damit eher die Highsociety aus dem TV. Was wollte er also hier, was sollten wir hier?
„Urlaub, am Strand, Bekannte von Freunden haben dort ein kleines Ferienhaus."
„Warst du schon mal dort?"
„Ja, einmal, aber...das ist lange her."
„Okay." Schweigend schaute ich während der restlichen Fahrt aus dem Fenster. Wenn er hier nur einmal, vor langer Zeit gewesen war, wieso machten wir dann gerade hier Urlaub? Ich verstand diesen spontanen Ausflug, oder Urlaub, was immer das wurde ja so überhaupt gar nicht. Was war mit der Schule, seiner Arbeit? Er war doch schon jetzt seit knapp zwei Wochen zu Hause. Soviel Urlaub konnte er doch gar nicht haben. Alles was er dazu aber gestern gesagt hatte war, darüber bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen und darum kümmere er sich schon. Ich verstand gar nichts mehr.
xXx
*Christine*
Ich wollte eben zur Tür, um abzuschließen, als die sich öffnete und einige von Macs Kollegen hereinkamen. Es waren Jo Danville, Lindsay Messer, mit ihrer kleinen Tochter, Don Flack vom NYPD und Sid, der Rechtsmediziner. Verwundert schaute ich die vier an, als Lucy auf mich zu gerannt kam. „Wo ist Onkel Mac? Wo ist Ja-ina?!"
Ich beugte mich zu dem kleinen Mädchen hinunter, hinter dem jetzt bereits ihre Mutter stand. „Mac ist mit Janina in den Urlaub gefahren. Sie sind nicht da." Ich strich dem Mädchen über das blonde Haar und sie sah mich enttäuscht an. „Aber Onkel Mac kommt," sie zeigte zur Tür und nickte bestimmt. „Onkel Mac und Ja-ina!" Ich sah sie mitfühlend an und schüttelte den Kopf.
Lindsay beugte sich vor und hob das Mädchen in ihre Arme. „Momy hat dir doch erklärt, dass Onkel Mac nicht da ist, der kommt erst nach Omas Geburtstag wieder, mmh?" Mit großer Enttäuschung sah das Kind ihre Mutter an. Die strich ihr durch das Haar und sah zu mir. „Christine, wir... wir würden gerne etwas mit dir besprechen."
„Mit mir?"
„Wir wollen die beiden überraschen, wenn sie zurückkommen." Antwortete mir Jo.
„Ähm...gern, womit und wie kann ich euch helfen?" Ich bedeutete ihnen zu warten und griff hinter den Tresen. „Lucy, willst du malen?"
Begeistert nickte die Kleine, Lindsay setzte ihre Tochter an einen der Tische und ich gab ihr das Kinderplatzset und eine kleine Packung Stifte. „Bitte schön."
„Danke."
„Danke, nächstes mal denke ich daran etwas mitzunehmen."
„Ach, ich habe genug. Also, was habt ihr vor?"
xXx
*Janina*
Als wir endlich hielten war das in einer schmalen Auffahrt, irgendwo am Rande von Montauk. Die Aufffahrt gehörte zu einem kleinen gemütlichen Haus, das vor allem aus Veranda zu bestehen schien. Während er jemanden an der Tür begrüßte ging ich am Haus vorbei und bemerkte zu meiner Enttäuschung, es gab keinen richtigen Garten. Dafür aber eine kleine Oase mit Binsen und Palmen, umzäunt und dahinter Strand, mit Meer.
„Janina!"
Ich drehte mich wieder herum. Mac stand am Auto und winkte mich zurück. Ich seufzte und lief zu ihm, die andere Person war verschwunden, mit ihm das kleine grüne Auto, welches eben noch vorm Haus gestanden hatte. „Na, wie gefällt es dir?"
„Ich...denke, ich halte es hier aus."
Er grinste mir zu und öffnete den Kofferraum, zuerst nahm er meine Tasche und drehte sich damit zu mir um: „Hier fang auf!"
Ich fing meine Tasche auf und stellte sie auf die Treppe neben mir. Die nächste Tasche nahm er selber und ich holte meine große Sporttasche aus dem Auto, stellte sie daneben und nahm seinen Kulturbeutel. „Fang du!" Rief ich ihm zu und warf seine Tasche. Grinsend fing auch er, ehe er zurück kam und die Kühlbox aus dem Auto holte. Ich schloss den Kofferraum, er verriegelte, via Knopfdruck das Auto. Dann räumten wir alles in das Haus und ich sah mich um. Der untere Teil dieses Hauses schien wirklich nur aus einem Raum zu bestehen, mit der Küche, einem Esstisch und einer kleinen Wohnlandschaft, an die sich eine Art Miniaturwintergarten anschloss. Dann entdeckte ich doch noch eine Tür die nicht hinaus führte und öffnete sie. „Gästebad," kommentierte ich und drehte mich zu ihm herum. „Geh, hinauf!" Forderte Mac mich lächelnd auf. „Sieh dich um, such dir ein Zimmer aus!"
Nach fast einer Woche hatte ich mich noch immer nicht daran gewöhnt den Freiraum zu nutzen, den er mir ließ. Auch in Situationen wie jetzt, wo er mich dazu aufforderte fiel es mir schwer. Obwohl ich inzwischen sicher war, das er es auch so meinte, blieb da ein kleiner Teil in meinem Hinterkopf der mich zur Vorsicht mahnte, der immer wieder rief: Pass auf! Lass es! Du kriegst doch nur Ärger! Und wie immer, bisher gelang es mir nicht diesen Teil wirklich zu überhören, ich warf ihm einen prüfenden Blick zu und als er nickte lief ich erst hinauf.
Irgendwie ärgerte mich das ganze, ich war ziemlich sicher, er würde mich nicht hereinlegen und doch blieb da dieser Teil in mir, der ihm nicht vertrauen wollte, der mir immerzu sagte es sind alle gleich. Oben landete ich zuerst im Bad, dann in einem Raum mit einem Doppelbett, ich ging rückwärts raus. „Deins," sagte ich und wollte weiter, er hielt mich zurück und schüttelte den Kopf. „Deines wenn du willst, ich brauche ein Bett, der Rest ist egal."
„Deines," erwiderte ich und tauchte unter seinem Arm hinweg, „ich will ein normales Bett. Deines ist zu groß!" Als ich mich umsah grinste er und ich öffnete die nächste Tür, trat in den Raum und war wirklich begeistert. „Cool!" Entfuhr es mir und sofort schrack ich zusammen Er war fast sofort hinter mir, doch noch ehe ich es richtig realisieren konnte wich ich auch schon zurück.
„Hey, hey...alles gut." Seine warme Hand legte sich auf meine Schulter.
Ich nickte und schaute nach hinten zu ihm auf, so langsam kannte ich diesen Gesichtsausdruck, er war in Sorge. Rasch drehte ich mich zu ihm und sah ihn direkt an. „Nicht, ich...ich hab keine Angst vor dir, es...ich...kann nicht anders."
Mac legte mir seine zweite Hand auf die rechte Schulter, drückte sie kurz und rieb mir über den Oberarm. „Es ist okay," sagte er leise und zog mich ganz langsam zu sich, sein Griff war locker, wir beide wussten, ich könnte weg, aber ich wollte nicht. Dieses Gefühl wirklich sicher zu sein, sicher und geliebt, ich kannte es nur in meinen Erinnerungen. Oder von Matt, doch das war nicht das Gleiche, Matt war mein Stiefbruder, nur ein paar Jahre älter.
Erst nachdem ich zu Mac gekommen war und er mich das erste mal richtig in den Arm genommen hatte, in diesem Möbelhaus, danach war mir klar geworden, wie sehr ich so was vermisst hatte und wollte. Es war schön ihn so nah bei mir zu haben, er war so viel größer, wenn er wie jetzt ein T-shirt trug spürte ich seine Muskeln, sah sie. Wie damals küsste er auch jetzt mein Haar, strich darüber, bis in den Rücken. Ich seufzte. Er begann mich nach hinten zu schieben, Nein! Noch nicht!
Ich konnte nicht anders sah ihn enttäuscht an, ich wollte das er mich weiter hielt, aber ich hatte Angst es zu sagen, das konnte ich nicht...oder? Ich tat es einfach.
*Mac*
Zu sehen, dass inzwischen eine Berührung ausreichte, um ihre Anspannung verfliegen zu lassen ließ mich Lächeln. Ich strich ihr über den Rücken. Nein, es war wirklich in Ordnung wenn sie zurückschreckte, es versetzte mir zwar jedes mal aufs neue einen Stich, aber ich wusste wo es herkam. Auch jetzt eben, sie hatte sich gefreut, über den Anblick dieses Zimmers mit Balkon und wie zu vor, wenn sie sich laut gefreut hatte, hatte sie auch jetzt sehr erschrocken gewirkt und sich wissend zurückgezogen. Ich konnte nur hoffen, dass sie mit der Zeit lernte keine Angst zu haben.
Ich küsste sie auf den Kopf. Ich hatte sie schon jetzt, nach zwei Wochen unheimlich gern und würde sie nicht mehr gehen lassen.
Sie seufzte, ich löste mich ein wenig und schob sie zurück, um sie anzusehen...ich kam nicht dazu...
Ganz plötzlich schlang sie ihre Arme um mich und schmiegte sich an.
Ich schloss die Augen, lächelte. Danke. Es war ein schönes Gefühl, das die Nähe von ihr ausging. „Ich hab dich lieb Jany."
Sie bewegte sich und ich blickte hinunter, sie schaute zu mir auf. „Jany?"
Ich lächelte, ich hatte nicht weiter darüber nachgedacht und nickte nun einfach, „Nicht okay?"
„Doch." Sie lächelte, löste sich nun von mir und... huschte an mir vorbei.
„Ich hole meine Sachen!" rief sie noch, ehe sie auf der Treppe verschwand, ich schüttelte den Kopf und lächelte. Christine, du könntest recht haben, der Urlaub wird ihr gut tuen.
