9. Urlaub

*Janina*

Zwei Tage waren wir nun schon hier, den ersten hatten wir eingekauft und am Abend gegrillt. Irgendwann, spät am Abend war ich auf dem Sofa eingeschlafen und erst aufgewacht, als er mich auf mein Bett gelegt hatte. Er hatte mir über die Wange gestreichelt, mich auf die Stirn geküsst und einfach zugedeckt, mit einer Stoffdecke. Nach einem leisen Gute Nacht war er gegangen und ich hatte mich einfach umgedreht und weiter geschlafen.

Beim Gedanken daran lächelte ich, ich griff hinter mich und schaltete die Dusche ein, während ich diesen ersten Abend erneut Review passieren ließ. Wie in den Filmen, wo die Kids das wichtigste für die Eltern...mein Gedanke wurde von einer anderen Erinnerung unterbrochen... Janina... Es...ist alles Okay. Es...ist gut, Schscht... Niemand wird dir etwas...ich gehe nicht...ich bin da...Ich hab dich lieb.

Ich öffnete die Augen und schaute hinauf in das Wasser der Dusche. Ich hab dich lieb.

Es dampfte im Bad und ich öffnete das Fenster, während der warme Wind herein wehte, dachte ich an den gestrigen Tag. Wir waren spazieren gewesen, ich hatte einen Badeanzug gekauft und hatte ihn gewaschen. Mac hatte zum Mittag Bratkartoffeln und Gemüse gemacht, ich den Pudding zum Nachtisch. Während der Mittagshitze hatten wir uns dann am Spielearsenals des Hauses bedient und erst Cluedo, danach Bites gespielt.

Später waren wir an den Strand hinunter gegangen. Wir hatten einfach geredet und wie auch bei allem anderen was mich betraf, hatte er auch da wieder wissen wollen, was ich eigentlich wollte. Schule, Praktika, College? Ich hatte keine Ahnung und Mac hatte mir erklärt, dass ich den Sommer über Zeit habe mir darüber Gedanken zu machen.

Ich seufzte und zog mir mein ebenfalls neues hellblaues Kleid an. Ich soll mich entscheiden, alleine? Es gab keine falsche Entscheidung? Ja aber...was wollte ich?

(Flashback)

Gedanken machen? Stellte er sich das so einfach vor? Ich blieb in der Brandung stehen und sah zum Horizont. Nein, das ist es nicht. In der Schule war ich schon der kleine Nerd, Besserwisser und die Komische, welche nicht richtig war. Nein, HighSchool noch mal? Nein. Sicher nicht, ich mache die Prüfung und fertig. Aber will ich jetzt schon aufs College? Ich war kaum dabei mich in meinen Gedanken zu vertiefen, da...

Wusch!

Uuhhh!" Ich sprang zurück, geriet tiefer ins Wasser, das kalt und nass an mir hoch spritzte und wieder erwischte mich eine Wasserladung. Ich sah hinter mich. Mac stand nun selbst im Meerwasser, noch etwas tiefer als ich und spritzte mich weiter nass. Sein Grinsen wurde immer breiter. Ich starrte ihn einen Moment lang an, dann presste ich die Lippen zusammen und gab es ihm zurück. Zu meiner Verwunderung begann es wirklich Spaß zu machen. Lachend und rennend jagten wir uns einen Moment später gegenseitig durch die Brandung und über den Strand, bis wir schließlich beide in der Brandung landeten, lachend und prustend.

Macs Blick war unendlich zufrieden, ich sah ihn einen Moment lang an und legte meinen Kopf auf seine Schulter, eine Hand auf seine Brust. Ich konnte seinen Herzschlag genau hören, ihn spüren und seinen raschen Atem. In dem Moment hatte ich es begriffen, zum ersten mal, in meinem Leben hatte ich begriffen...

(Flashback Ende)

Ich sah in den Spiegel und musterte mich. Ich sah ihm ähnlich, sogar sehr. Er liebte mich, das war mir klar geworden. Er war mein Vater und ich durfte bei ihm sein und er hatte mir gestern etwas gezeigt, das ich nicht geglaubt hatte zu bekommen. Das Leben konnte lustig sein und Spaß machen.

Ich schaute mir selbst in die Augen, Meine Augen. Seine Augen.

Ich lächelte und lief eilig hinunter. Er wirkte ertappt und räumte rasch sein Tablet- PC weg, ich grinste. „Arbeit?"

„So ähnlich. Okay," er klatschte in die Hände. „Was machen wir heute?"

„Fahren wir Inliner?"

„Ähm...fast alles, aber...nein."

Ich grinste und ging zu ihm. „Ich meinte auch eher, ich leihe mir Inline- Skates und du..." ich tippte ihm auf die Brust, „Ein Rad, das haben Mum und ich manchmal gemacht."

Mac nickte und strich mir eine Strähne aus dem Haar. „Gut, abgemacht."

xXx

*Mac*

Es war spät, als wir zurückkamen und fast Dunkel, nach ein paar geschmierten Sandwiches verabschiedete sie sich von mir und ging hinauf. Ich konnte hören, wie sie die Dusche benutzte und holte mein Tablet wieder heraus, nahm es mit mir hinaus. Ich hatte Christine versprochen weiter zu trainieren und für heute kam Janina wohl nicht mehr herunter. Gestern und heute waren wir Rad, bzw. Inliner gefahren und wenn ich daran dachte, das unser Urlaub morgen schon zu Ende war, sah ich es doch mit etwas Traurigkeit. Es tat ihr definitiv gut, hier zu sein, war es richtig schon wieder zurück zu fahren?

Ich wusste es nicht, aber die richtige Lösung, gab es sicher nicht. Ich seufzte und schaltete das Tablet ein.

Der Anfang lief gut, aber dann hing ich wieder und es ging nicht weiter. Ich schloss die Augen und stöhnte. Verdammt, das kann doch nicht...

„Gelb. Das ist...ein...gelbes Rechteck."

Überrascht drehte ich mich herum. Janina stand im Schlafanzug hinter mir und sah mich unsicher an, sie presste die Lippen aufeinander. Ich nickte und legte das Tablet auf die Fensterbank, als sie stehen blieb. „Es...es tut mir Leid, ich...sollte das nicht sehen," sie senkte den Kopf und schaute hinaus in die Nacht. „Ich... war...war es...ein Unfall oder..."

Sie sprach nicht weiter, brach ab und sah mich einfach nur unentschlossen, unsicher an. Nein, sie hatte eine Antwort verdient. Sie war sich so unglaublich unsicher, hatte mich dennoch gefragt und damit genau das getan, wozu ich sie stets ermunterte, Fragen gestellt. „Es passierte während der Arbeit ich...wurde angeschossen und... es...war ein langer Weg zurück." Ich verzog das Gesicht und atmete tief durch, ehe ich sie wieder ansah.

„Ist...ist das der Grund, dass...das dir manchmal Wörter fehlen? Dinge...nicht einfallen?" Janina kam zu mir an das Geländer, lehnte sich mit dem Rücken dagegen und musterte mich ruhig. Ich schluckte und nickte dann, im Grunde war es, dass ich noch immer nicht bereit war zu akzeptieren, dass es Dinge gab, die nicht mehr sein würden. Darüber zu sprechen aber... machte mein Problem real und mir war nicht klar gewesen, dass sie es so genau bemerkt hatte.

Sie lächelte plötzlich und kam auf mich zu, umarmte mich einfach und sah dabei zu mir auf. „Weiß es Christine?"

Ich nickte wieder. „Aber...nur ihr zwei."

„Danke," sagte sie leise, drückte mich nochmal und wünschte mir eine Gute Nacht ehe sie sich von mir löste. Ich ergriff ihre Hand. „Danke? Für was, genau?" Fragte ich sie sehr leise. „Für alles, aber...vor allem, für die letzten Tage. Danke dir, und... für dein Vertrauen." Ich lächelte, drückte ihre Hand und ließ sie hinauf gehen, wobei ich ihr noch eine ganze Weile nachdenklich nachsah. Hatte diese eine Woche wirklich so viel bewirkt? Oder tat sie einfach was sie glaubte, das ich hören und sehen wollte?

Ich nahm das Tablet mit und ging hinein, von wo ich Christine anrief und ihr mitteilte, wann wir zurück sein würden. Sie verkündete mir derweil, dass es zu Hause eine Überraschung geben würde, Janinas Zimmer war fertig die Möbel waren alle gekommen, heute am späten Nachmittag. Eine Wendung die mich wirklich sehr freute, hatte ich doch gehofft Janina nach unserer Rückkehr ein wenig mehr Normalität zu geben. Jetzt konnte ich morgen direkt alles aufbauen. Ihr fertiges Zimmer war definitiv ein guter weiterer Schritt nach vorn. „Christine, ich danke dir. Ich liebe dich und du fehlst mir."

Du fehlst mir auch. Bis morgen Mac und...ich liebe dich auch.

„Ich weiß, bis...morgen."