12. Aussage

*Mac*

Mein Arm lag hinter ihr, die Hand auf ihrer linken Schulter, so betraten wir das NYPD Hauptquartier und so liefen wir noch immer, als wir das Büro durchquert hatten und bei den Verhörräumen ankamen. Ich merkte wie sie stehenblieb und hörte sie zugleich auf keuchen. Alarmiert drehte ich mich zu ihr herum, sie starrte auf die Räume, nahezu panisch. „Hey, er ist nicht hier und dort gehen wir nicht rein. Wir müssen hinten in den Besprechungsraum."

Sie nickte, entspannte sich aber nur kaum merklich.

„Hi. Mac, Janina."

„Hi, Don, danke dir."

„Für dich immer, weißt du doch," antwortete mir Flack und reichte mir die Hand. Janina sah derweil besorgt von Flack, hinein in den Raum und wieder zu mir, sie ignorierte Flacks Begrüßung total. „Wollen wir?" Fragte Don Flack jetzt ruhig, aber Janina blickte ihn nur kurz an und trat wortlos auf den Raum zu. Ich nickte ihr zu. „Ich bin gleich hier, vor der Tür Lindsay wartet drinnen."

Es missfiel mir, sie alleine zu lassen und aber mir war zu bewusst, das es anders zu viele Angriffspunkte, bei ihrer Aussage geben würde. Ich hatte gestern morgen lange mit ihr darüber gesprochen. Sie wusste von der Aufnahme, meiner Dokumentation, sie hatte auch verstanden, warum ich bei einer Befragung nicht mit hinein konnte und hatte sich zuerst geweigert, sie wollte mit niemanden fremden reden. Ich hatte mit Flack gesprochen und meinem Anwalt. Flack war ein gangbarer Kompromiss, sie kannte ihn, wusste wir waren befreundet, doch die beiden kannten sich nicht wirklich. Außerdem war Lindsay mit da drinnen. Ich hatte sie darum gebeten und sie hatte sich gern bereit erklärt. Sie mochte Janina und ich wusste ohnehin das meine Freunde alles tuen würden.

Janina nickte, spannte sich wieder an, doch sie folgte Flack nun hinein und ehe er die Tür schloss konnte ich hören wie Lindsay, Janina aufforderte zu ihr zu kommen. Ich sah noch, wie sie sich setzte und Flack schenkte mir einen kurzen, mitfühlenden Blick, ehe er die Tür ganz schloss. Ich seufzte und ging rückwärts zu den Stühlen hinter mir, doch ich setzte mich nicht, blieb stattdessen stehen. Ich sollte dort drinnen sein, wie es andere Väter, oder Mütter taten. Doch in meiner Funktion als leitender CSI und mit dem Hintergrund, das ich bereits alle Fakten kannte,... ich durfte nicht... dieses Gefühl der Hilflosigkeit das mich wieder erfasste, machte mich Wahnsinnig.

„Mac?"

„Christine? Was..."

„Flack hat mich angerufen, er meinte... du könntest Unterstützung brauchen? Wo ist sie? Da drinnen?"

Ich nickte und war ihr unendlich dankbar, dass sie hier war, vor allem, wenn ich bedachte, wie sehr wir unsere Beziehung die vergangenen Wochen hinten angestellt hatten. „Christine, ich...es tut mir so Leid, dass...dass ich..."

„Nicht Mac," flüsterte sie und ihre Hand legte sich an meine Wange, liebevoll blickte sie mich an und schüttelte den Kopf. „Wir beide, wir wissen was wir haben, es... war richtig, Mac. Sie musste erst mal zur Ruhe kommen und dich kennenlernen, ihren Vater. Sie brauchte Zeit, ihr beide, um zu vertrauen."

„Ich hätte es ihr längst sagen sollen, längst mit ihr über meinen Verdacht sprechen sollen und..."

„Nicht Mac, tue das nicht. Sie liebt dich, sie braucht dich und wir zwei, wir haben uns jeden Tag gesehen und gesprochen, ob anders geplant, oder nicht, wir hatten uns und sie hatte dich."

„Christine," ich lächelte und schüttelte den Kopf, während ich sie einfach voller Liebe für sie betrachtete. Sie schaute ruhig und zufrieden zurück. „Womit...habe ich dich verdient?" Fragte ich und legte ihr meine Hände an die Hüften, „mmh? Womit?"

„Mit allem Mac, mit allem," antwortete sie und schob mir ihre Hand in den Nacken, just dem Moment, als ich mich hinunter beugte. Es war nur ein kurzer Kuss und doch zugleich so viel mehr. Verliebt sahen wir uns an. Ich lächelte und umfasste ihr Gesicht, ihre Hände legten sich an meine. „Ich..."

Ich... ich will das nicht!" Ertönte es plötzlich aus dem Raum neben uns, wir beiden sahen uns fassungslos an, dann riss Janina auch schon die Tür auf und rannte mit feuchten Augen an uns vorbei. Verärgert schaute ich zu Flack, doch der schien völlig ahnungslos. Ich sah meiner Tochter nach, welche in den Flur lief und zurück zu dem jüngeren Detective. „Was war los?"

„Ich... habe sie gefragt, was genau Haven mit ihr gemacht hat und..."

„Mac...er war wirklich ganz behutsam und...soll ich ihr nachgehen?"

Ich seufzte schüttelte den Kopf und lief ihr hinter her, ließ Christine mit Flack und Lindsay stehen.

*Christine*

„Er weiß das, du fragen musstest aber... sie ist eben nicht, irgendein Fall."

„Ich weiß, darum bin ich ja hier und mache es selbst, ich will nicht das Mac am Ende noch die Antwort bekommt, er müsse nicht alles wissen."

Ich nickte und warf dem Kollegen von Mac einen vielsagenden Blick zu. Der Mann seufzte. „Kaffee? Aber ich warne Sie, der ist nicht so gut, wie Ihrer."

„Ich nehme eine Tasse, aber mit Milch und viel Zucker."

Flack nickte und ließ mich mit Lindsay stehen, welche die gleiche Frage ablehnte. Er lief zurück ins Großraumbüro, ich wandte mich um, sah auf die Tür der Treppe, hinter der zuerst Janina, dann Mac verschwunden war. So bekam ich Flacks Rückkehr fast nicht mit.

xXx

*Janina*

...bringen, weil mit CODIS kann vielleicht doch noch..."

Hey! Hat jemand Hawkes gesehen?"

Bin schnell in der Asservatenkammer!"

Hawkes? Dr. Hawkes war vorhin noch in der Balistik und..."

Wie aus weiter Ferne drangen all die Stimmen bis zu mir durch und immer wieder musste ich daran denken, was ich Mac erzählt hatte, was ich hatte wiederholen sollen. Dann aber sah ich Greg vor mir, meinen alten Lehrer... Ich...ich will nicht, das Mac...

„Moment bitte, ähm... Priscoll, bringen Sie das in mein Büro und das hier zu CSI Messer."

„Ja, Mam."

Kenne ich diese Stimme nicht? Ich schaute auf, erkannte Macs Kollegin und sah rasch zu Boden.

„Janina?"

Zu spät, ich seufzte und blickte die dunkelhaarige Frau unter halb geschlossenen Augen an. Moment! Weiß sie warum ich hier bin?

„Janina, was machst du hier? Wo ist Mac?"

Ich zuckte die Achseln, immerhin wusste ich es wirklich nicht. „Weiß nicht, ich...bin einfach weg."

„Moment, du bist weggelaufen?" Ihre Überraschung und Sorge waren weder zu überhören noch zu übersehen. Sie legte mir eine Hand auf das Knie, wie um mich festzunageln und griff mit der anderen nach ihrem Handy. „Von wo? Zu Hause? Aus er Stadt und...Janina, wieso?"

Ich seufzte, rieb mir die neuen Tränen aus den Augen und schwieg. Ich wollte nicht mehr, ich wollte auf keinen Fall, das Mac etwas passierte, ich hatte ja nur noch ihn. „Janina?" Die Frau seufzte und sah mich erst nachdenklich, dann traurig besorgt an. „Wir müssen deinem Vater in jedem Fall Bescheid...he! He, Stopp!"

No Way! Ich drehte mich gerade nach hinten, um zu sehen, ob sie mir noch folgte, als ich gegen eine Person stieß, die mich sofort festhielt. Ich schaute erschrocken auf.

Sheldon!

„Morgen, he, nicht so stürmisch," der CSI sah ein wenig verwirrt zu seiner Kollegin die uns schon fast erreicht hatte. Dann aber sah er wieder zu mir, was mir jedoch erst auffiel, als er mein Handgelenk packte und meine Hand zu sich zog, die ich eben noch selbst gehalten hatte. Auf meinem Weg durch das Treppenhaus war ich gestolpert, was ganz schön wehgetan hatte, jetzt nach dem Zusammenstoß aber pochte die Hand regelrecht.

„Du blutest, was ist passiert, bist du hin..." Er sah an sich hinunter und nickte, ich folgte seinem Blick und entdeckte einen blutigen Abdruck auf seinem hellblauen Hemd, besorgt riss ich die Augen auf. „He, keine Bange, du hast ja keine Ahnung wie viele Hemden schon dran geglaubt haben. Und ich hätte dich ja nicht umrennen brauchen. Komm mit, dass sehe ich mir gleich mal an." Er schien mich wegführen zu wollen, hielt aber doch inne. „Äh... wo ist Mac?"

„Sie ist weggelaufen, kümmer dich um deine Patientin, ich rufe Mac an und..."

„Nein, warte mal, gib mir einen Moment, ja?"

„Fünf Minuten, der Arme ist sicher schon ganz verrückt vor Sorge."

„Danke Jo," sagte Sheldon und in dem Moment, wusste ich wieder, wer sie war: Jo Danville.

In der Autopsie schloss er die Tür hinter uns und machte den Verband ab. „Die Naht ist aufgerissen. Dieses mal sind es mehr Stiche." er seufzte. „Ich gebe dir jetzt ein Schmerzmittel und etwas zur lokalen Anästhesie, okay?"

Ich nickte und sah auf meine Hand, ich selbst hatte nichts gespürt, bis er es bemerkt hatte, dabei war der Verband schon voller Blut gewesen und etwas mein Handgelenk entlang gelaufen. Verständnislos schaute ich auf meine Hand. Er kam zurück, machte die Spritzen fertig und beobachtete mich genau, während er mir eine Spritze in den Oberarm gab und eine in die Hand, anschließend stach er mehrfach um die Wunde herum aber ich spürte es kaum. Es hörte auf so höllisch weh zu tuen, das brennen ließ auch nach. Dennoch schossen mir Tränen ins Gesicht.

Er legte die Spritzen weg und nahm meine Hand hielt sie hoch. „Besser?"

Ich nickte, der Schmerz war fort. Erleichtert atmete ich aus. „Mac ist mit dir im Haus, richtig?"

Ich überlegte kurz nicht zu antworten nickte dann aber. „Ja."

Sheldon ließ mich los und holte eine weitere Ampulle, deren Inhalt er in eine weitere Spritze zog. „Dann...habt ihr die letzten zwei Tage noch geredet?"

Ich schaute rasch weg und nickte wieder. „Dann... nehme ich an, ihr... wart deshalb hier?"

Ich schloss die Augen und nickte.

„Du hast Angst," stellte er ruhig fest, band mir den Arm ab und suchte zum zweiten mal eine Vene in meiner Ellenbeuge. „Wovor?" Fragte er und ich zuckte zusammen, als die Nadel meine Haut durchstieß, ich sah ihn nun doch an. „Wenn...wenn Greg es...erfährt, er...wird kommen, er... ich will nicht, das er Mac..."

„Hör mal, Janina, Mac ist ein verdammt guter Detective und das wäre er sicher nicht, wenn er den Mistkerlen dieser Stadt nicht in den Arsch treten könnte, okay? Du musst Mac nicht beschützen, so wenig, wie er verlangt, dass du ihm alles Recht machst. Er ist da um dich zu beschützen, okay? Du bist seine Tochter, es ist sein Job, dich zu beschützen und für dich da zu sein. Okay?"

Wie ich zu ihm sah, bemerkte ich, das er die aufgerissene Wunde bereits nähte und entspannte mich. Die Spritzen wirkten, ich spürte nichts. Er war rasch fertig, legte mir einen neuen Verband an und musterte mich dann ernst. „Weißt du, bei wem ihr unten wart? Wer dich befragen sollte?"

Ich nickte. „Det. Flack."

„Verstehe, mmh...,na wie wäre es, wenn...es eine Frau macht? Jo zum Beispiel, du weißt wer sie ist und...womöglich ist das leichter, mmh?"

„Ich...könnte dich begleiten?"

Ich zuckte zusammen, als ich hinter mir wen hörte, doch es war nur Danny. Unschlüssig blickte ich ihn an und nickte dann. „Okay. Was wenn Lindsay..."

„Nichts wenn. Komm schon," sagte Danny leise. „Soll ich mitgehen? Und keine Sorge, Lindsay versteht es schon," sagte er und klopfte mir auf die Schulter.

Ich sah wie Sheldon ging und Danny hielt mir die Hand hin, er bracht mich hinten raus, während vorne Sheldon mit Danville redete.

Zehn Minuten später saß ich neben Danny in Danvilles Büro, doch sie saß mir nicht gegenüber, sie stand am Fenster. Sie betrieben Smalltalk, und ehe ich mich versah waren wir mitten im Thema. Nach kurzer Zeit, kamen auch die gefürchteten Fragen und Danny nahm meine Hand genau in dem Moment, da ich fortlaufen wollte. Ich sah ihn kurz an und er nickte mir zu.

X

*Mac*

Es war Sheldon der mich anrief und meinen Protest direkt unterbrach. „Janina ist bei Jo, sie nimmt die Aussage auf, Danny ist auch dabei."

„Danke," erleichtert blieb ich stehen und gab die guten Nachrichten weiter. Oben im CrimeLab betrachtete ich die drei, aus einigem Abstand durch die Scheibe. Die dreißig Minuten die sie brauchten kamen mir wie Stunden vor, ich stöhnte einmal mehr und wollte unruhig weiterlaufen, als sich Christines Hand in meine schob. „Sie packt das."

„Ich weiß, es ist nur..."

„Du machst dir Sorgen, das ist...normal, sie ist deine Tochter."

„Hey, Taylor, ich hoffe ihr habt nicht schon länger gesucht?"

„Ein paar Minuten, mehr nicht," antwortete ich und sah fragend zu Sheldon Hawkes. „Warum war sie bei dir?"

„Weil... weil sie gefallen war und die Narbe aufgerissen. Halb so wild, sie hat was Antibiotika , Schmerzmittel und ein Lokales Anästhetikum bekommen. Wart ab, in ein paar Tagen ist alles vergessen."

„Danke."

Sheldon nickte und seufzte. „Mac, sie war völlig durch den Wind, total panisch, ich...hab ihr auch was zur Beruhigung gegeben, sie sollte definitiv gleich ausruhen."

„Und ich behaupte sie tut es freiwillig, sie ist müde," warf Christine ein und deutete zum Büro nach vorne.

In dem Moment öffnete die Tür zu Jos Büro und Danny kam heraus, eine Hand im Rücken meiner Tochter. Christine hatte Recht, sie sah fertig aus und müde. Nachdem, was mir Sheldon erzählt hatte, was er ihr gegeben hatte, völlig in Ordnung, ich rief nach ihr. „Jany!"

„Mac!" Sie lief auf mich zu und umarmte mich. Ich erwiderte ihre Begrüßung und sah an ihr vorbei, zu den anderen sie nickten. Dankbar blickte ich zurück.