13. Schwarze Stunde

*Christine*

Es war kurz vor acht Uhr und Mac hatte rasch zu einem Tatort gemusst, es fehlten Kollegen. Überhaupt trat er immer noch kürzer und arbeitete auch erst seit drei Wochen wieder richtig. Jetzt saß ich also alleine an seinem Esstisch und wartete, das Janina aufwachte. Bisher war ich morgens immer weg gewesen, ehe sie aufstand. Wie würde sie reagieren?

Wir wussten, dass sie Angst hatte, dass ihr Greg begegnete. Deshalb und auch um einfach sicherzugehen, hatte Mac ein Annäherungsverbot angestrebt, da der Richter keinen Grund gesehen hatte, Greg Haven einzusperren, oder irgendwie auf Distanz zu halten. Ich seufzte.

Mac schien sich wirklich mehr Sorgen zu machen, als ich gedacht hatte. Zum einen hatte er Janina nicht alleine lassen wollen und zum anderen hatte er mir ein Pfefferspray gegeben. Ich schloss die Augen.

Als das Telefon klingelte zuckte ich zusammen, gleichzeitig schüttelte ich den Kopf über diese Reaktion, es war der Pförtner des Hauses. Offenbar hatte eben ein Mann versucht herauf zu kommen, der sich jedoch nicht hatte ausweisen wollen und wütend gegangen war. Er bat mich ihm Bescheid zu geben, sollten wir vorhaben die Wohnung zu verlassen, er wollte uns dann gleich am Fahrstuhl erwarten und zum Taxi bringen. Besorgt bedankte ich mich und legte auf. Ich hob wieder ab und wählte, im nächsten Moment schon bekam ich ein Freizeichen und drei mal klingeln später ging er dran.

„Mac, Gott sei Dank!"

Christine? Was ist los? Was stimmt nicht? Janina?

„Sie schläft. Mac, Mr. Grager hat eben angerufen, er meinte, da sei eben ein Mann gewesen, der rauf wollte, er hat sich geweigert sich auszuweisen und Grager hat ihn rausgeschmissen. Mac, ich...ich denke es war..."

Bleibt zu Hause, kommt zum Mittag her. Ich kümmere mich darum.

„Okay, danke Mac."

Ich legte auf und drehte mich herum, hinter mir stand Janina. Fragend und verwundert schaute sie mich an. „Wo ist er?"

„Er musste zur Arbeit. Wie hast du geschlafen?"

„Gut, denke ich." Janina gähnte und lächelte mir auf dem Weg ins Bad zu. „Hat... er dich aus dem Bett geklingelt? Ich halte das schon ein paar Stunden alleine aus." Sie verschwand im Bad, ich war erleichtert um eine Antwort drum herum gekommen zu sein, und das sie wohl von meinem Gespräch nichts gehört hatte. Zugleich aber war ich besorgt sie hatte sich zu offensichtlich bemüht locker zu klingen. Ich seufzte und wollte eben Frühstück machen als sie zurück kam, sie kam direkt zu mir, hielt mir meine Schminktasche und mein Nachthemd entgegen. „Okay, du... warst also hier." Sie legte beides auf den Küchentresen, ich musterte sie ruhig, sie schaute mir nachdenklich zu, wie ich ein Glas Orangensaft fühlte und es ihr reichte. „Ist... das okay für dich?" fragte ich abwartend.

„Ich sollte wohl eher fragen, wann du einziehst, oder?"

„Was?" Überrascht und überrumpelt starrte ich sie an. „Wie...meinst du das?"

„Du...der Ring, heute trägst du ihn an der Hand, sonst am Hals und... gestern...im Labor, da... da haben welche geredet, sie... meinten... es... es sei...absurd, dass Taylor nicht heiratet wegen einer Tochter die es nun gibt..." Sie senkte den Kopf und sah auf ihre Hände. Ich fluchte innerlich und umrundete rasch den Tresen, fasste ihre Hände. „Hör mal, dass... das war unsere gemeinsame Entscheidung, ihr solltet euch kennen lernen, du... warst so traurig und...ängstlich."

„Aber... das ist vier Monate her!" Entgeistert starrte sie mich an.

„Ich habe fast ein halbes Jahr gewartet, ehe Mac bereit war, zu sagen, dass er mich liebt." Ich strich ihr das Haar aus dem Gesicht und schüttelte den Kopf, „Ich bereue nichts, es war richtig. Ihr zwei hattet Zeit verdient und ich war jeden Abend hier, wir haben zu Mittag gegessen, oder zu Abend." Ich lächelte ihr zu und nickte. „Du... hättest nichts dagegen wenn ich hier bleibe?"

„Nein. Ich mag dich, er liebt dich."

„Uns beide, er würde alles für dich tuen." Ich drückte ihre Hand und holte die frischen Waffeln aus dem Ofen. „Ich hoffe die magst du? Möchtest du etwas dazu?"

„Die hast du gemacht? Die riechen gut. Ist Zimt da?"

„Ja, mit Zucker?"

„Bitte."

Sie puderte sich die Vanillewaffel mit Zimtzucker und schaute einen Moment später kauend zu mir herüber. Doch sie sagte nichts, erst als ich mir Wasser holte und mit dem Rücken zu ihr stand. „Christine?"

„Ja?"

„Seit... seit wann seit ihr verlobt?"

„Ungefähr zwei Wochen vor deinem Auftauchen. Das halbe Jahr davor war sehr schwer für ihn."

„Wegen... der Schussverletzung," sie nickte und sah mich nachdenklich an. „Warum weiß ich das nicht? Das mit euch?"

„Mac wollte warten, bis... du dich ihm öffnest, er wusste da war mehr als er zuerst gewusst hatte."

Sie presste die Lippen aufeinander und nickte, ich...ich will das nicht alles nochmal erzählen, vor...ihm, im Gericht."

„Ich weiß, Mac will es auch nicht. Er hofft, dass du nicht musst, aber wenn... du bist nicht allein."

„Danke."

xXx

*Mac*

Ich wollte eben bei Flack anrufen, als dieser hereinkam und ich auflegte.

„He...ähm, ich wollte nicht stören."

„Nein, warte, ich wollte dich anrufen," ich seufzte, sah ihn ernst an und sah zur Tür. Er drehte sich herum und ließ die Tür ins Schloss springen. „Mac, was ist los?"

„Die Verfügung ist durch, aber... Grager hat eben bei Christine angerufen, ein Mann, auf den Havens Beschreibung passt hat versucht nach oben zu meiner Wohnung zu kommen."

„Shit. Janina?"

„Schlief noch, Christine ist bei ihr."

„Soll ich jemanden hinschicken, ich..."

„Nein informiere nur die Streife, dass... würde mich schon beruhigen, Grager hat mir eben versprochen anzurufen, wenn der Kerl wieder kommt."

Flack griff sein Telefon und gab meine bitte, als Befehl weiter, dankbar sah ich ihn an.

xXx

*Janina*

Der Vormittag verging im Flug und ich half Christine mit Freude dabei ihre Sachen im Bad einzuräumen, am Ende blieb Mac noch genau ein Regalfach, während wir beide insgesamt drei blockierten. Ich begann bei dem Anblick mir Sorgen zu machen, doch sie tat es mit einem Achselzucken ab. „Wir sind Frauen, er wird es verstehen."

Ich sah sie unsicher an und schaute noch mal ins Regal. „Eigentlich könnten wir uns doch auch auf ein Haarspray und einen Schaumfestiger einigen, oder?" Fragte ich leise und schaute zu ihr. Sie nickte und deutete auf das untere Regal. „Deine."

„Okay...denke ich."

Es war kurz vor zwölf und wir dabei uns fertig zu machen, als das Telefon klingelte. Ich stand neben der Anrichte und griff daher rasch zum klingelnden Gerät. „Taylor?"

Oh... also nicht mal mehr Ortega? Verleugnest du jetzt also auch deine Mutter?! Ich schwör dir, schweig! Oder...

*Christine*

Mir war klar das etwas nicht stimmte sobald sie abgenommen hatte, ihr wich sämtliche Farbe aus dem Gesicht und sie stand da wie erstarrt, ich lief zu ihr und aktivierte die Freisprechanlage.

...ich komme und kille deinen Möchtegern Daddy!

Janina ließ das Telefon fallen und wich zurück, als sie dabei gegen mich stieß tastete sie nach mir und hielt sich zitternd bei mir fest. Es war mehr als klar wer das war. Ich aktivierte die Aufnahme:

...Schule? Mmh? Bei mir musstest du auch nicht hin, ich bekomme dich wieder, du bist MEIN Kind, ich...ICH riss mir den Arsch auf für dich! Du Undankbares...ich bekomme dich und dann kannst du was erleben, du...

„Es reicht!" Ich schob Janina zur Seite und beugte mich leicht vor. „Genug! Sie bekommen gar nichts! Außer einen Freibrief in den Knast!" Ich knallte den Hörer auf das Gerät und zog den Stecker, dann nahm ich die Karte aus dem Anrufbeantworter und legte sie mir ins Portmornaie. Danach drehte ich mich herum und schloss den zitternden Teenager in meine Arme. „Ruhig, ganz ruhig, er kann dir nichts tuen, er kommt nicht hier rauf, okay?"

„Ich... ich will zu Mac."

„Da fahren wir jetzt so wie so hin. Komm."

xXx

*Mac*

Ich wollte mich eben der Schusssicheren Weste entledigen, als ich die beiden kommen sah und entschied mich dagegen, zwar waren keine Kugeln mehr in der Weste, doch mehrere Treffer, das mussten die zwei nicht sehen. Lächelnd trat ich ihnen entgegen, behielt die Weste an. „Schön, dass..."

MAC!"

Janina schrie meinen Namen förmlich und schlang einen Moment später fest die Arme um mich. Verwirrt und besorgt musterte ich sie. Als Christine uns erreichte musterte ich auch sie alarmiert. „Christine, was..."

„Er hat angerufen, ich...weiß nicht alles was er gesagt hat, aber das andere reicht schon. Er..."

„Ich will nicht zu ihm, ich will nicht das er dir..."

„Niemandem wird er etwas tuen und er bekommt dich nicht. Niemals." Ich legte ihr eine Hand an den Hinterkopf, während ich sie an mich drückte und Christine einen ernsten Blick zu warf. „Wir..."

„Ich hab etwas aufgenommen," Christine zog etwas aus ihrem Portmornaie, ich erkannte die Speicherkarte meines AB und rief nach Jo und Sheldon einen Gang weiter. Eilig kamen die beiden näher.

„Sheldon, ich will das du Flack anrufst. Ich brauche ihn und Jamie. Jo hier, pack das in ein Lesegerät, ich komme gleich."

„Mac?"

„Gleich." Sie nickte und lief los, ich drückte Janina leicht von mir weg. „Wartet in meinem Büro, ich komme gleich, ich will mir das Band anhören."

Janina nickte, ging jedoch nur zögernd in den Raum. „Mac," Christine hielt mich kurz zurück. „Er hat gedroht dich umzubringen."

xXx

Wir gingen nicht mehr essen, sonder ließen etwas kommen und ich erklärte Janina, dass ich zwei Freunde, Flack und Lovato bitten würde bei ihr und Christine zu bleiben, wenn ich im Labor war. Da sie aber keines falls gehen wollte und Christine langsam ins Restaurant musste, begleitete Lovato Christine nach DownTown, während Janina bei mir im Labor blieb.

Als erstes schickte ich sie zu Sheldon, er hatte ohnehin noch mal nach ihrem Arm sehen wollen. Sie hatte sich vor einigen Tagen im Restaurant ordentlich verbrannt, als sie heimlich Christine in ihrer Gastronomie- Küche hatte helfen wollen. Als ich kam war er gerade auf der Suche nach einem bestimmten Insekt, sie konnte ihm helfen die Bilder zu vergleichen und ich ging und konnte einige Anrufe tätigen.

Kaum hatte ich mein Gespräch mit dem Staatsanwalt beendet, da stand Janina schon wieder in der Tür. „Dr. Hawkes sagt, ich soll dir das hier geben und...er und Jo kümmern sich drum?"

„Komm rein, zeig her," bat ich und nahm ihr die Akte ab. Ich schüttelte mit leichtem Unglauben den Kopf, dieses winzige Krabbeltier entlarvte doch tatsächlich unseren ersten Verdächtigen, im Mordfall von heute Abend, nicht aber unseren letzten Hauptverdächtigen. Ich legte die Akte zur Seite und schaute Janina nachdenklich an. Sie war erst dreimal hier oben gewesen. Ich stand auf und ging zur Tür, öffnete sie. „Komm mit, ich zeig dir dass Labor."

„Alles?" Ihre Augen leuchteten staunend auf und ich wusste meine spontane Idee, würde sie sehr gut für einige Zeit ablenken.

x

Es war schon 19 Uhr, Christine würde also gleich auf uns warten und ich wollte sie nicht unnötig besorgen. Ich war mir ohnehin ziemlich sicher, dass Greg nur Töne spuckte und Lovato, wie Flack, sollten viel mehr die beiden Personen beruhigen, die mir am wichtigsten waren. Also schrieb ich Flack eine Sms, dass ich Janina selbst mit heim nahm und holte sie aus dem kleinen Ausbildungslabor, in dem ich sie eine Stunde vorher mit Adam und einigen Assistenten zurückgelassen hatte. Als ich jetzt eintrat war sie mit Adam allein. „Hey, ihr zwei, ihr scheint Spaß zu haben."

„Die Mikroskope sind so viel besser, als die vom College! Ich liebe sie!"

Ich grinste und lehnte mich an den Türrahmen. „Adam, danke und... bis morgen."

„Ähm...ja, und... bis morgen," Adam nahm seine Jacke und war fast hinaus als er nochmal stehen blieb, „ähm...Boss, sie ist gut. Ich nehm sie," Adam grinste und verschwand. Janina stand jetzt vor mir und grinste. „Er ist lustig."

Ich nickte und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Und... nicht leicht zu beeindrucken," sagte ich, während ich sie mit mir hinaus nahm. „Was habt ihr gemacht?"

Unten in der Tiefgarage lief sie nur einen Schritt hinter mir, und kam ganz nah, in dem Teil der Garage, in dem noch immer die Deckenbeleuchtung defekt war. Sie schaute unruhig zu mir, ich lächelte ruhig zurück und legte einen Arm um sie.

Wir waren fast am Wagen, als ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung sah und stehen blieb. Hab ich mich geirrt? Im gleichen Moment hörte ich von links ein nur zu bekanntes Geräusch. Das Entsichern einer Waffe. Instinktiv packte ich Janina und schob sie nach hinten, drückte sie hinter Adams Auto und hoffte er würde uns jeden Moment folgen.

Janina keuchte, irgendwo stieß sie an, hinter mir fiel ein Schuss, die Kugel prallte vom Betonpfeiler ab, hinter den ich es gerade geschafft hatte. Ich sah nach rechts zu Janina. Ängstlich blickte sie zu mir auf, ich bedeutete ihr dort zu bleiben. Sie nickte hastig und drückte sich näher ans Auto, kroch hinter den Reifen. Bitte bleib da.

Haven!" Rief ich, da ich keinen Grund hatte an jemand anderen zu denken. „Lassen Sie die Waffe fallen, ich bekomme sie sowie so!"

„Hah! Denken Sie ich..."

NYPD! Waffe runter!"

Adam, dank Gott!

„Ich sagte... Waffe runter!" Wiederholte Adam und gab einen Warnschuss ab, ich blickte hinter dem zwei Meter Pfeiler hervor. Adam grinste, als eine Waffe mit dem Fuß zwischen uns beide geschoben wurde, ich lächelte und kam um den Pfeiler herum, während der Mann vor Adam auch heraus kam. Doch es war nicht Haven. Janina wollte auch schon zwischen den Autos hervor kommen...

Halt!" Rief ich und streckte ihr warnend eine Hand entgegen, sie sank sofort wieder zu Boden, Adam sah mich wachsam an. „Das ist nicht Haven," erklärte ich rasch und sah den Typen an, er war mir völlig unbekannt, „Wer zum Donner..."

Mac! Hinter dir!"

Ich hörte den Schuss und spürte wie ich getroffen wurde, und nochmal, mir blieb die Luft weg und ich ging zu Boden. Doch der Luftmangel hielt wieder erwarten nicht an. Ich ahnte nichts gutes, vor mir wurde Adam ausgenoggt und fiel zu Boden, seine Waffe rutschte über den Beton, ich rappelte mich auf. Doch im nächsten Moment spürte ich, wie mich etwas im Oberarm traf, als ich hinschaute, entdeckte ich Blut. Durchschuss. Es folgte einen Schlag, oder Tritt gegen den Rücken, ich sank zurück in die Knie und keuchte. Janina schrie, aber sie war nicht mehr zwischen den Autos. Kluges Mädchen lauf auf die Straße.

Ich blickte auf und sah mich dem Lauf einer Waffe gegenüber. Ruhig sah ich höher. „Haven, worauf warten Sie drücken Sie ab. Mord an einem Polizeibeamten, dafür kommen Sie nicht mehr frei."

„Kein Flehen!?" Schrie der Kerl mich an, jagte dann seinen Komplizen los, Janina zurückzuholen.

„Kein, denken Sie an Arya?"

Ich schüttelte den Kopf: „Das tue ich, sie kommt hier raus, meine Freunde, meine Frau sind bei ihr und Sie...im Knast."

Der korpulente Kerl wurde unruhig, es ärgerte ihn, dass er mich nicht dorthin bekam, wo er mich haben wollte. Ich konnte nur hoffen, egal ob er abdrückte, oder ich ihn überwältigte, dass Janina es nicht mitbekam.