14. Nicht ich, aber wir, statt du oder ich
*Janina*
Gerade noch hatte es so gut ausgesehen, dann hatte er mir verboten aufzustehen, dass sei nicht Haven. Im nächsten Moment rief Adam nach Mac. Ich hörte einen weiteren Schuss, Mac stöhnte, blieb noch gerade so stehen, noch ein Schuss, er sackte auf ein Knie. Es gab einen Schlag und Adam fiel, seine Pistole rutschte unter das Auto neben mir. Ich hörte Mac und Greg, ich sah Gregs Waffe und dachte nicht lange nach. Ich griff nach der von Adam, so anders als das schießen mit einer Softairpistole konnte es nicht sein. Ich kroch hinter die Motorhaube des zweiten Fahrzeugs und von dort in den Schatten von Pfeiler zu Pfeiler ich musste hier raus. Er hatte es gesagt und auch, dass ich ihm vertrauen solle.
Ich war noch nicht weit, als wieder ein Schuss fiel, ich schrie auf. „MAC!" Dann aber hörte ich ihn gefolgt von Gregs Stimme. Ich beeilte mich aus diesem Bereich heraus zu kommen, als Greg mir seinen Kumpel nachschickte. Endlich sah ich den Ausgang und rannte los, dann hörte ich etwas hinter mir. Ich wirbelte herum, riss die Waffe hoch und schoss. Der Typ fiel zu Boden, ich blieb zitternd stehen, von draußen riefen Leute, sicher würde gleich jemand kommen. Ich lief auf den Typen zu und trat ihm hart auf die Hand, er ließ schreiend die Waffe los, ich trat sie weg und lief zurück von wo ich gekommen war.
xXx
*Flack*
Jo wirkte so besorgt wie ich mich fühlte, eben hielt Danny mit dem Wagen vor uns und stieg aus. „Irgendein Zeichen?"
„Nein," antwortete Jo. Ich raufte mir die Haare und seufzte. „Damn!"
„Das passt nicht zu Ma..."
PENG!
Aaaah!
„Die Tiefgarage!" Riefen wir zugleich, zogen unsere Waffen und rannten die Ausfahrt hinunter. Hinter uns folgte Sheldon, welcher gerade mit Lindsay aus einem Wagen gestiegen war. Danny blieb stehen, warf ihr einen vielsagenden Blick zu, doch sie blieb am Wagen, griff nach ihrem Telefon. Danny lief uns wieder nach. Unten an der Ein- und Ausfahrt fanden wir einen Kerl mit Schusswunde im Oberschenkel und einer definitiv gebrochenen rechten Hand, er hob gerade seine Waffe vom Boden.
„NYPD!" Zischte ich, er ließ die Waffe gleich wieder fallen, „Hände hoch und Ruhe!"
Jo legte ihm Handschellen an, wir trennten uns, um möglichst rasch alles abzusuchen, ein sehr ungutes Gefühl überkam mich.
PENG!
„Fuck," fluchte ich und lief schneller, aber weiter bedacht keine Geräusche zu machen, und etwaige weitere Täter zu warnen. Ich sah nach rechts, zwanzig Meter weiter lief Danny. Jo konnte ich gerade nicht sehen, aber ich wusste sie würde sich bemerkbar machen, wenn etwas war.
PENG!
„DAD! NEIN!"
Ich rannte nun doch los, scheiß auf Geräusche, der Kerl schoss auf Mac, vor ihren Augen.
PENG!
Jetzt sah ich die beiden. Mac lag am Boden, mit dem Rücken zu mir. Ich konnte nicht sehen, wo er verletzt war, oder wie schlimm. Er bewegte sich nicht, mein ungutes Gefühl wuchs an. Hinter Mac ging Haven in die Knie, in der Hand eine Waffe die er jetzt erneut auf Mac richtete. Jetzt konnte ich auch Janina sehen, sie war hinter Haven, hielt mit zitternden Händen eine Waffe. Ich überlegte nicht, zielte und schoss.
Doch ich hörte deutlich das Echo eines zweiten Schusses, nur Sekunden nach meinem eigenen abgeschossen. Haven fiel vorne über. Janina stand noch immer zwischen uns. Als ich meine Position etwas veränderte sah ich das Janina zitterte und eine Waffe hielt, beidhändig zielte sie damit weiterhin auf Haven.
Rasch schob ich meine Waffe weg, hob die Hände und hoffte die anderen blieben auf Abstand. „Janina...Janina, sieh mich an!"
Hektisch huschte ihr Blick von mir zu Haven und zu Mac. „Janina, runter mit der Waffe. Komm, es...ist..."
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*Janina*
Als ich Mac wieder sah und Greg, entsicherte der gerade die Waffe. „Ich verspreche Ihnen, sie wird sich wünschen nicht weggelaufen zu sein!"
Ich sah wie Mac die Augen schloss und schoss. Doch er musste auch geschossen haben, den Mac kippte vorne über und lag keuchend auf dem Boden. Nein! Nein! Nicht... Alles in mir zog sich zusammen. „DAD! NEIN!"
Greg drehte sich langsam herum, ich dachte nicht nach, Wut und Verzweiflung war alles was ich spürte. Ich schoss wieder. Der Mistkerl landete auf den Knien und richtete sich gleich wieder auf, die Waffe erneut in Macs Richtung. „Sag Good Bye!" Grinste er und schoss.
Ich feuerte ein drittes mal.
PENG! PENG!
„Janina...Janina, sieh mich an!"
Den kenne ich. Mein Kopf flog herum, automatisch richtete ich meine Waffe auf den Neuankömmling. Ja ich kenne ihn! Rief mir eine Stimme zu, ich sah zu Greg er rührte sich nicht, Mac auch nicht, doch...da! Er tastete mit seiner Hand nach seiner Brust, blickte an sich herunter.
„Janina, runter mit der Waffe. Komm, es...ist...vorbei. Janina, gib mir die Waffe. Komm schon, Kleines."
Als ich aufsah, stand der Freund meines Vaters gleich vor mir und drückte meine Hände runter. „Komm Kleines... lass los."
Ich begriff nicht, bis ich spürte, wie er vorsichtig meine Finger von etwas löste. Ich zuckte zusammen, ich hielt noch immer die Pistole, ruckartig ließ ich los. Flack nahm die Waffe weg und reichte sie in Richtung der anderen, die eben gekommen waren, dann zog er mich fest an sich.
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*Flack*
Kaum hatte ich ihr die Waffe abgenommen, da stand Danny hinter mir, ich reichte die Waffe weiter und deutete hinter uns, „Adam? Haven?" Während ich Macs Tochter fest in die Arme schloss, ging Danny zu Adam. „Er lebt, wird Kopfschmerzen haben."
„Tot," meldete Jo von Haven und sah besorgt zu mir herüber.
Janina zitterte und sie weinte. Sheldon kniete sich hinter Mac, tastete nach dessen Hals. Ich runzelte die Stirn außer dem Blut am Arm konnte ich keine Verletzungen sehen. „Es ist gut, Janina, komm lass uns gehen." Flüsterte ich vorsichtshalber, Sheldon drehte Mac auf den Rücken. Janina aber riss sich von mir los und kniete gleich wieder am Boden. „Nein! Dad!"
Ich folgte ihr und hielt sie mit einiger Mühe und Kraft zurück, damit Sheldon ihn untersuchte. Doch dann sah ich, das auch Sheldon Probleme hatte, er hatte Mühe Mac unten am Boden zu halten.
Ich seufzte und ließ Janina los. Im gleichen Moment gab auch Sheldon auf, er blieb zwar neben Mac in der Hocke, ließ diesen jedoch los. Zitternd blieb das Mädchen vor Mac knien, in ihrem Blick Verwirrung. „Komm her, mir geht es gut," sagte Mac und streckte den unverletzten Arm nach ihr war einfach verwirrt und sah zu Sheldon, der grinste. Janina schloss Mac in die Arme.
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*Mac*
PENG!
Der Schmerz kam sofort, doch die Hitze blieb aus, dennoch raubte es mir den Atem und riss mich zu Boden. Im gleichen Moment begriff ich, ich trug noch die Schussweste. Schutzengel! Schoss es durch meinen Kopf.
„DAD! NEIN!"
PENG! PENG!
Zwei Schüsse, einer vor, einer hinter mir. Ich zwang mich trotz der Schmerzen zu atmen und ahnte das ich meine Rippen noch eine Weile spüren würde. Haven lag am Boden, nur einen Meter vor mir, Blut quoll aus mehreren Wunden. Janina, sie war...
„Janina...Janina, sieh mich an!" Hörte ich plötzlich Flack hinter mir, doch er ging an mir vorbei. Ich zwang mich aufzusehen und meine Brust abzutasten, mein Brustkorb schmerzte aber nicht so höllisch, wie es hätte sein müssen. Wie aus weiter ferne hörte ich Don erneut, langsam lichtete sich die Dunkelheit vor meinen Augen.
„Janina, runter mit der Waffe. Komm, es...ist...vorbei. Janina, gib mir die Waffe. Komm schon, Kleines."
„Komm Kleines, lass los."
Waffe! Janina? Bei... Ich wollte mich aufsetzen, doch zwei Arme drückten mich zurück. Es war Sheldon, er riss den Stoff an meiner Schulter auf und wollte mich weiter absuchen, doch nicht jetzt! Alles an was ich denken konnte, war Janina! Sie hatte geschossen, sie war dreizehn und sie hatte geschossen, sie kümmerten sich nicht um ihn, vermutlich war er tot. Ich musste zu ihr. „Mac, bitte, lass dich untersuchen, du..."
Sheldon gab auf als mein Hemd auf war und Flack der eben noch mit ruhigen Worten versucht hatte Janina fortzubringen gab seine Bemühungen ebenfalls auf. Sie kam rasch näher, zögerte starrte mich ungläubig an. Ich streckte ihr eine Hand entgegen. „Komm her, es geht mir gut." Sie umarmte mich sehr vorsichtig. Sie weinte und doch in ihren Zügen lag ein freudiges Lachen. Ich schob sie etwas weg und nickte. „Es... ist alles gut. Okay? Ich... hatte noch meine Weste an, von heute Morgen."
Sie sah zu Sheldon, ich sah ihn erleichtert nicken. „Du hast dennoch Schmerzen, fahrt ins Krankenhaus."
„Darauf... kannst du wetten," sagte ich ihm ehe ich mir mir von ihm und Janina aufhelfen ließ.
Die Rettungskräfte zogen mir die Weste aus und ich sah an mir herunter. Lindsay und Danny warteten mit Janina einige Meter weiter. Ich seufzte. Ich wünschte mir ich hätte ein Taxi genommen, ich wünschte das Passierte ungeschehen machen zu können. Vor allem, dass sie geschossen. Ich schloss gepeinigt die Augen, als der Notarzt meine Rippen betastete.
Er nickte. „Röntgen, mindestens eine ist gebrochen."
Ich nickte und bedeutete Danny der eben hersah, das Janina kommen sollte. Das Mädchen ließ sich dass nicht zweimal sagen und nahm meine Hand kaum das sie vor mir stand. Ich lächelte ihr beruhigend zu. „Dad also?" fragte ich leise.
Sie presste kurz die Lippen zusammen und nickte dann. „Ich...ich konnte dich nicht..."
„Hey, schon gut. Es ist alles in Ordnung, okay?"
„Dad?"
„Ja?" Ich sah sie einfach an, dieses eine Wort, war so viel besser, als alles andere. Ich fühlte mich, als müsste ich laut jubeln. „Christine...sie...sie wohnt jetzt bei dir...uns," begann sie ruhig und schloss ihre Arme um meinen Hals, drückte mich. Ich legte den unversehrten Arm ebenfalls um sie. „...wir...haben all ihre Sachen aus und in die Schränke geräumt."
„Wieso?" Fragte ich verwundert, es passte nicht, das Christine...
„Weil... wo ist..."
„Mac! Mac! Halt Moment!"
Ich sah an meiner Tochter vorbei und entdeckte Christine, eilig kam sie näher, musterte erst Janina, dann mich und schloss uns nacheinander in die Arme. Ihre Erleichterung war greifbar.
xXx
Stunden später nach dem Checkup im Krankenhaus betraten wir zu dritt meine Wohnung und zum ersten mal in dem Wissen, das wir zu dritt bleiben würden. Christine lächelte plötzlich als sei ihr etwas eingefallen und bat uns, zum Sofa zu gehen. Während sie im Schlafzimmer verschwand, suchte ich mir Platz auf einem Stuhl. Mit einem Lächeln im Gesicht kam Christine zurück. „Hier, das ist deiner."
Ich lächelte, nickte und nahm ihr den Verlobungsring ab, steckte den silbernen Ring an meine Linke Hand. „Ich liebe dich Christine."
„Ich weiß und ich dich, mit allem was dazugehört."
„Janina? Komm her!"
Sie nickte und kam langsam zu uns, wir reichten ihr beide eine Hand. „Meine Familie und...ich will nicht länger warten. Christine? Nächsten Monat, heirate mich nächsten Monat."
„In vier Wochen?" Fragte sie verblüfft, während Janina langsam zu strahlen begann. Ich legte den Kopf leicht schief und blickte die Frau, die ich liebte genau an. „Oder in...drei Wochen?" Fragte ich zurück und trat langsam näher, ich küsste sie. „Lass uns nicht zu lange warten."
„Wir...wir gehören zusammen."
„Hier ist mein zu Hause," flüsterte Janina nun leise und lächelte uns zu. „Ich...hab euch lieb."
