5. Hürden

Erde

Riker musste zugeben das er nervös war, wollte er das nun oder nicht, doch er war es. Eine disziplinarische Anhörung, weil sein Chief den Befehl eines Gesichtslosen unbekannten verweigert hatte? Gut es war ein Admiral gewesen, doch seine Leute hatten nicht gewusst, das er außer Gefecht und Data in der Hand der Romulaner gewesen war. Wieso zum Teufel hätte der junge Mann also auf einen Fremden hören sollen, den er nur über den Komunikator hörte? Seiner Meinung nach, war das ganze allein auf dem gekränkten Stolz dieses herrschsüchtigen Admirals gewachsen und mehr nicht.

Er wurde in den Saal des Rates gerufen und trat nach vorne an die Seite seines Chiefs. Er beantwortete ruhig alle Fragen, dann erklärte einer der Senatoren sie sollten abstimmen, es wäre damit ja wohl offensichtlich, das er seine Leute nicht dazu anhalte auf ihre Vorgesetzten zu hören, er habe es ja eben selbst zugegeben, das er sie anhielt Dinge zu hinterfragen, doch der Senator, welcher neben diesem Adimral saß, kam nicht dazu seine Frage zu stellen...

„Halt!"

Er sah sich suchend und erstaunt um. Diese helle, klare Stimme kannte er doch. Nur woher? Dann sah er sie und glaubte doch seinen Augen nicht zu trauen. Für einen sehr kurzen Moment sah sie ihn an. Doch wie immer, seit er sie kannte, hatte sie ihre Gefühle und Mimik bestens im Griff, kein Muskel zuckte, als sie über die Menge blickte. „Chief Holden, kannten Sie den Admiral? Ich meine wussten Sie wie er aussieht, wie er sich anhört? Oder... das es ihn gibt?"
„Ich kannte sein Aussehen, von Bildern und weil er an Board mit dem Captain an mir vorbei ging, doch sie haben nicht gesprochen, ich wusste also nicht wie er sich anhörte und sie waren auf dem Weg ins C3. Und ich... wusste nicht das er zu besagter Zeit doch noch an Board war, er hätte fort sein müssen."

„Dem C3? Was ist das?"
Er sah irritiert nach oben. Riker seufzte, der Mann war ein guter Ingenieur, doch das ihn hier nun jemand der Besatzung befragte irritierte ihn offenbar zutiefst. Ob die Anwesenden wusste, das Nera zu seiner Crew gehörte? Was machte sie überhaupt hier? Er schob die Gedanken beiseite und antwortete, für seinen Chief. „Die Kantine Rat."
Sie nickte. „Wie lange danach war der Angriff, schätzen Sie ruhig."
„Zehn vielleicht 15 Minuten später."
„Hatten Sie Grund zu der Annahme, das die Männer in der Zeit wieder auf der Brücke sein könnten? Chief" Sie sah wieder zu seinem Ingenieur und Holden schluckte, ehe er den Kopf schüttelte. „Nein Commander Data hatte dort Dienst."

„Verstehe und von wo meldete sich der Admiral einige Minuten nach Angriffsbeginn bei Ihnen?"
„Von... der Brücke Ma'm...Rat und ohne Bild und kein anderer antwortete dort."
„Was genau taten sie also?"
„Ich führte einen Sprung durch der uns zurück nach Deep Space Nine und den Schutz der Station brachte."

„Warum?"
„Weil ich wusste das von dort Hilfe zu erwarten war und wie gesagt sonst meldete sich niemand."
„Danke." Sie schaute sich erneut um und Riker nickte anerkennend, das machte sie gut, nur warum zum Teufel war sein Sicherheitsoffizier hier im Ratssaal?"
„Ich denke er, dieser Offizier hat nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, er wusste nicht, ob dort auf der Brücke tatsächlich der Admiral war. Niemand sonst antwortete ihm, also brachte er das Schiff und die Crew in Sicherheit, opferte nur einen Mann. Ich beginne mich zu fragen, ob der Rat nicht wichtigere Dinge zu besprechen hätte, als Balsam auf die gekränkte Seele eines vorgeführten Admirals zu schmieren.

Immerhin warum gab der sich nicht zu erkennen? Die Titan ist eines unserer besten Schiffe, Admiral Caine hätte nur seine Dientsnummer nennen müssen und das Schiff selbst hätte ihn identifiziert. Warum taten Sie das nicht Admiral? Und warum will der Rat für den Fehler des Admirals einen guten Schiffsingenieur verurteilen und einen Captain verwarnen? War hier etwa jemandem Langweilig?" Sie setzte sich wieder. „Jetzt, können wir abstimmen, Rat Fergun."

Riker jubelte innerlich und dankte Nera. Er schickte seinen sichtlich erleichterten Chief hinaus, zurück zum Schiff und trat nach vorne auf den Platz des vulkanischen Rats zu. Inzwischen war der Raum fast wieder leer und mit einem milden Lächeln trat Nera gefolgt von einem jungen Vulkanier auf ihn zu. „Nera T'Pau ich danke Ihnen, Rat." Er deutete eine Verbeugung vor dem Vulkanier an und fragte sich stumm, was die Vulkanier bewogen hatte einen so jungen Botschafter auszuwählen, wo sie sonst auf Wissen und Weisheit setzten.

Nera nickte ihm zu. „Er war unschuldig, so einfach." Sie blickte ihn ernst an. „Ich fürchte ich muss Ihnen mitteilen: Ich kehre nicht zurück. Hier ist mein Platz, zusammen mit meinem Neffen werde ich den Platz meines vulkanischen Vaters füllen, wie es sein Wunsch war."
Erstaunt betrachtete er die beiden jungen Leute vor sich und nickte langsam, wie anerkennend, das war ja mal wirklich eine Überraschung. „Wenn Sie sich dazu entschieden haben, so wünsche ich Ihnen alle Geduld und allen Erfolg den Sie brauchen, für mich... wäre das nichts."

Sie schmunzelte. „Das glaube ich Ihnen sofort Captain."
Er nickte. „Aber eines werde ich bedauern."
„Und das wäre?" Fragte sie und beobachtete ihn.
„Sie nicht weiterhin auf meiner Brücke zu haben, Sie sind ein herausragender Offizier, ich bin sicher ihre menschlichen Eltern sind in jedem Fall stolz auf Sie."
„Ich danke Ihnen Captain."
Er nickte. „Leben Sie wohl."
Sie hob die Hand zum vulkanischen Gruß. „Leben Sie lang und in Frieden."
Er nickte und wandte sich ab.

Sie sah ihm ein wenig wehmütig nach, doch sie wusste das sie richtig entschieden hatte. Tar'el hinter ihr sah sie an und deutete hinaus, sie nickte und folgte ihm.

***~*~***

Zwei Monate später

„Seit wann zählt in diesem Gremium das Wort eines Rats mehr als das des anderen?" Fragte sie spitz und begann nun doch ihre Verärgerung zu zeigen. „Wollen Sie das vulkanische Volk beleidigen Rat Fergun? Oder richtete sich dieser Affront allein gegen mich?"
„Ich...Vulkanier, pah! Sie sind ja nicht einmal einer! Warum sollte ich also..."
Sie stand auf und starrte ihn über die Distanz hinweg aus kalten Augen mit unbewegter Miene an. „Blut, ist nicht immer dicker als Wasser, stammt dieser Spruch nicht von der Erde Rat Fergun?"
Sie nickte. „Das Volk der Vulkanier ist mehr das meine als das der Menschen, warum? Weil ich dort aufwuchs, versteckt, weil man mich töten wollte. Ich wurde nach vulkanischen Gebräuchen und Riten erzogen, besuchte ihre Bildungseinrichtungen und schloss nicht selten als eine der besten ab. Mit vierzehn, vierzehn! Kam ich hier auf der Erde auf die Sternenflotten- Akademie, kurz vor meinem Fünfzehnten Geburtstag und mit nicht mal siebzehn hatte ich meinen Abschluss, als beste! Ich bin mehr Vulkanier als Mensch und Vulkan ist meine Heimat. Ohne Zustimmung unsere Rates wäre ich wohl nicht hier! Demnach...ist eine Missachtung meines Wortes, eine Missachtung gegen das Wort meines Volkes, gegen Vulkan!"

Fergun schüttelte den Kopf und stand nun ebenfalls auf, er verließ seine Reihe und trat auf die ihre zu stellte sich genau davor, böse funkelte er sie an. „Sie können ja nicht mal ihre Emotionen unterdrücken, toller Vulkanier!" Sagte er sarkastisch. „Ich verlange eine Überprüfung! Weiß Vulkan wirklich, was...dieses Kind... hier treibt?!"

„Wie sie eben schon mit bemerkenswerter Scharfsicht feststellten bin ich biologisch kein Vulkanier," sagte Nera in gefährlicher Ruhe und beugte sich von ihrer erhöhten Position zu ihm herunter. „Was wiederum bedeutet meine Gefühle zu kontrollieren ist keine Notwendigkeit für mich. Mein vater, Botschafter Spock lehrte mich, das die Gefühle meine Stärke sind, nicht meine Schwäche. Lassen Sie sich etwas besseres einfallen, Rat Fergun! Mit derlei Beleidigungen und Hetztiraden bin ich aufgewachsen."

Sie legte bewusst den Kopf schief und betrachtete ihn nachdenklich. „Aber vielleicht fragen Sie einmal Admiral Banton, ich bin sicher er wird ihnen versichern, das wenn ich Emotionen zeige," sie beugte sich noch weiter vor und schenkte ihm jetzt einen gefährlichen Blick, „mein Gegenüber besser beraten ist den Rückzug anzutreten."

Sie stellte sich wieder aufrecht hin, ignorierte seine Erwiderung und schüttelte den Kopf. „Seit wann müssen die Völker ihre Wahl des Botschafters rechtfertigen? Ist darüber zu urteilen Aufgabe dieses Gremiums? Nein!" Beantwortete sie ihre Frage selber und in scharfem Ton. „Ich schlage also vor, das wir weiter über die Gefahr an der Romulanischen Grenze..."

„Ah! Etwas das vor allem Ihrem Volke zu..."
„Sagen Sie Rat Fergun welches Problem haben Sie genau mit mir? Das ich Mensch bin? In Ihren Augen ein Kind, oder welches? Ich verspreche ihnen ich besiege Sie in jedem Zweikampf. Wählen Sie nur die Waffe."

„Da halte ich mit!" Rief der Klingonische Rat und klopfte begeistert auf seinen Tisch Sie schaute zu dem Klingonen hinüber und deutete eine Verbeugung an. Sie wusste genau das Skhan sie gestern Abend beim Training mit Alexander, einem Halbklingonenund Sohn eines alten Weggefährten von Captain Riker beobachtet hatte. Fergun aber runzelte die Stirn, denn es wurde offensichtlich das viele hier keine Lust mehr auf seine Triaden hatten. Sie funkelte ihn an. „Können wir dann..."
„Welch Vulkanier bei klarem Verstand macht ein Menschenkind zu seinem Rat und..."

„Spock! Ihr Vater!"
Nera blickte auf und war unheimlich erleichtert, das die Sicherheitskräfte ihren entführten Bruder gefunden hatten. Sie glaubte nach wie vor das Fergun etwas damit zu tun hatte und hoffte nun auf Beweise.

Jetzt aber lag erst mal alle Aufmerksamkeit auf ihrem mitgenommen wirkenden Bruder, dem ein Arzt in einigem Abstand folgte. Sie lief auf ihn zu und half ihm nach vorne. Fragend schaute sie ihn an. Er schüttelte den Kopf. „Ein paar Minuten, dann gehe ich, ich kenne den Grund," flüsterte er und drückte ihre Hand. Sie nickte. Er stützte sich auf das Geländer vor seinem Platz und starrte Fergun an. „Aber das ist nicht der Grund warum Ihr sie hasst, warum Ihr sie loswerden wollt und Ihr mich entführen liest damit sie in die Falle geht, oder Euch nachgibt."

Er drehte sich herum, lehnte nun mit dem Rücken an dem Geländer. „Dumm nur, das ihre Logik weiter ausgebildet ist als die in Eurem beschränkten Geist, was Botschafter? Dumm nur das in ihr Tatendrang, Erfindungsreichtum und Redegewandtheit ihres Großvaters zu tragen kommen. Jener Grund warum Ihr sie tot sehen wolltet! Ihr kennt ihre Identität, welche selbst auf Vulkan nicht mal unsere ganze Familie kennt."

Nera fühlte wie ihr heiß wurde und hielt sich nur mit Mühe unter Kontrolle, um nicht zu erschreckt auszusehen. Sie blieb einfach an seiner Seite stehen und hielt noch immer seinen Arm, um ihn jederzeit stützen zu können.

„Ihre? Was wollen Sie andeuten, was zum..." Begann der menschliche Botschafter doch ihr Bruder ließ ihn nicht ausreden. „Sie sind ein Meister der Verkleidung, Fergun. Aber Sie haben Fehler begangen, ich habe Sachen gefunden, Sie sind kein Mensch, Klin-gone!"
Raunen ging durch die Menge.
„Sie wollen wissen, warum ein Klingone wie er Grund haben sollte ein menschliches Waisenkind zu töten das auf Vulkan aufwuchs? Er weiß wer ihr Vater und Großvater war, er selbst ist ein Enkel des Klingonen Khan und er wollte Nera T'Pau töten weil sie die Enkelin von James T. Kirk ist, der sie in Spocks Schutz gab, nachdem Fergun sie als Zweijährige fast tötete."

„Schande für unser Blut!" Schrie der Klingonische Rat und trat vor, winkte die Wachen herbei. „Einsperren! Das übernehme ich! Nicht nur das Sie es wagen den Frieden zu bedrohen. Sie haben versucht ein wehrloses Kind zu töten, um Rache zu nehmen für Taten die ihr Vorfahr selbst verschuldete? Schande für ihre Familie, Schande über sie! Kein Krieger vergreift sich an wehrlosen Kindern! Keiner!"

Der Klingone stellte sich vor sie beide und verbeugte sich leicht. „Für das Leid, was mein Volk brachte gibt es keine Entschuldigung, dennoch ich wünschte ich könnte es ungeschehen machen. Nachdem Kampf welchen ich gestern beobachten durfte, schon hielt ich Sie für eine Kriegerin und Diplomatin die ich nicht zum Feind wollte. Aber jetzt,...wo ich Ihren Name kenne, ist es mir erst Recht eine Ehre mit Ihnen zu arbeiten und Sie zu kennen!"
Nera nickte. „Mir ebenso. Wir sollten fortfahren. Doktor."
Der Arzt verließ mit ihrem Bruder den Raum und endlich ging die Sitzung ruhig und sachlich voran.