Yu Yu Hakusho Saisei Teil 6:

Jenseits des versiegelten Fensters

Eine Fanfiction-Neufassung des Animes von Yoshihiro Togashi von Mayuri Hoshigawa

Übersetzung der Geschichte "Beyond the Warded Window"


Disclaimer: Yu Yu Hakusho gehört Yoshihiro Togashi, Shonen Jump und Shueisha, nicht mir. Die Originalfassung dieser Geschichte findet ihr auf www . yyh-saisei . com (ohne die Leerzeichen)


Eine wehklagende Schönheit

Montag war der Tag, an dem die fürs Saubermachen nach dem Unterricht zuständigen Gruppen gewechselt wurden. Jede Gruppe bestand aus vier Schülern, und für drei Wochen des Halbjahres wurde von ihnen erwartet, dass sie nach dem normalen Unterricht blieben und die entsprechenden Aufgaben erledigten. Diese Woche bestand die Gruppe aus Takai Norita, Misako Satou, Keiko Yukimura und Yusuke Urameshi.

Wie gewöhnlich waren sie unterbesetzt.

"Ugh!" rief Misako genervt, während sie eines der Fenster mit einem Lappen und einer blauen Reinigungslösung wischte. "Es ist nicht fair, dass wir drei hier mit Arbeit für vier feststecken. Warum kann Urameshi nicht einmal seinen Teil erledigen? Ich weiß, dass ich ihn heute in der Schule gesehen habe."

"Ich weiß," stimmte Takai zu, der seinen Schwamm in seinen Eimer tunkte und damit fortfuhr, die Tafel abzuwaschen. "Sie sollten Urameshi einfach von der Liste nehmen, oder so. Selbst wenn er zur Schule kommt, bleibt er nie, um seinen Teil der Aufgaben zu erledigen. Kannst du glauben, dass er dieses Halbjahr schon fünf Wochen gefehlt hat? Ich bin überrascht, dass er noch nicht rausgeworfen wurde."

Die Beschwerden ihrer Gruppenmitglieder ließen Keiko innehalten und den Schrubber an ihre Brust ziehen. Sie musste zugeben, dass sie Recht hatten. Das Winterhalbjahr war sieben Wochen alt und Yusuke war öfter abwesend als dass er die Schule besucht hätte. Zu diesem Zeitpunkt war sich Keiko nicht mehr sicher, ob sie ihn weiter dazu drängen sollte zur Schule zu kommen, oder ob sie akzeptieren sollte, dass es eine verlorene Sache war. Die akademische Laufbahn lag schließlich nicht jedem und er schien bei seinem neuen Praktikum recht erfolgreich zu sein. Yusuke schien Arbeit der Schule vorzuziehen, aber wenn das der Fall war, warum meldete er sich dann nicht ab? Bis er die formale Entscheidung traf, sich von der Schule zurückzuziehen, war er immer noch dazu verpflichtet, sie zu besuchen. Keiko erinnerte ihn jedes Mal daran, wenn sie die Gelegenheit dazu bekam. …Oh, na gut, vielleicht war sie penetrant, aber sie tat das nur, weil sie es musste. Sie war sich sicher, dass er auch heute wieder geschwänzt hätte, wäre sie nicht zu seiner Wohnung gegangen und hätte ihn eigenhändig in den Unterricht gezerrt.

Dennoch mochte Keiko nicht daran denken, dass die Leute so über ihn sprachen, wenn er nicht in der Nähe war um sich zu verteidigen. Das war einfach unverschämt.

"Nun, vielleicht gehen wir zu hart mit ihm ins Gericht. Es stimmt, dass Yusuke nicht so oft zur Schule kommt wie er sollte, aber er hat gerade ein Praktikum in einer Detektei angefangen," sagte Keiko gerechterweise und versuchte so, für Yusuke einzustehen. "Ich denke, dieser neue Job beansprucht wahrscheinlich einen großen Teil seiner Zeit."

Takai und Misako sahen Keiko ungläubig an.

"Ein Detektiv? Ha! Er begeht wahrscheinlich mehr Verbrechen als er aufklärt," lachte Misako.

"Und wie hat er überhaupt die Erlaubnis der Schule erhalten, einen Job anzunehmen?" sagte Takai skeptisch. "Komm schon, Yukimura, du solltest nicht versuchen, ihn zu verteidigen. Du weißt, dass er sich nur herausredet."

"Das ist nicht wahr," beharrte Keiko, und jetzt tat sie es eher um sich selbst zu beruhigen, anstatt für ihren Freund einzutreten. "Yusuke gibt es immer zu, wenn er etwas Falsches getan hat. Er wird es zwar wieder tun, aber er lügt nicht deswegen oder versucht es zu vertuschen…"

"Natürlich tut er das nicht," sagte Takai gedehnt. Keiko runzelte die Stirn.


Wie immer ließ solches Gerede den Gegenstand des Gesprächs einen gewaltigen, rotzspritzenden Nieser ausstoßen.

"Bäh…" Yusuke wischte sich seine laufende Nase mit der Rückseite seines Ärmels ab und kümmerte sich nicht um die angewiderten Blicke, die ihm zugeworfen wurden. Er warf einen finsteren Blick hoch zum grauen Himmel und grummelte zu sich selbst, "Nun, so viel zu sonnigem Himmel und T-Shirt-Wetter. Frag mich, ob der Wetterfrosch sich die Vorhersagen aus dem Arsch ziehen muss, oder ob sie von selber rauskommen..."

Yusuke inspizierte den vorderen Hof der Schule und sah, wie Mädchen sich zusammendrängten und Jungen entschlossen ihre Kragen über den Mund zogen. Wie Yusuke hatten sie an diesem Morgen den Wetterbericht gehört und gedacht, dass es warm genug wäre, nur in ihrer Schuluniform nach draußen zu gehen. Yusukes verärgertes Stirnrunzeln vertiefte sich nur, als er eine Gruppe von vier Jungen am Tor entdeckte, die einzige Gruppe, die Mäntel mitgebracht hatte.

"Danke für den Tipp, Kuwabara," sagte Sawamura, der es in seiner dicken Jacke und der mit Ohrklappen versehenen Mütze schön warm hatte. "Mann, wenn ich nur mit einer Jacke rausgegangen wäre, würde ich jetzt glatt erfrieren."

"Aber woher wusstest du, dass es so kalt werden würde?" fragte Okubo neugierig.

"Hatte nur so'n Gefühl," grinste Kuwabara, der es in seinem pelzverbrämten grünen Mantel, der ihm bis zu den Knien ging, mollig warm hatte. "Du weißt, dass ich wegen so was Vorahnungen krieg, und ich hatte eine, als ich heut Morgen aufgewacht bin…"

"Also hast du deinen Schuh hochgeworfen und er ist auf der Seite gelandet?"

Kuwabara riss den Kopf hoch und begann sich umzudrehen um zu sehen, wer die abfällige Bemerkung gemacht hatte. Bevor er sich umdrehen konnte, wurde die Rückseite seines Kragens nach hinten gezogen und eine Handvoll eisiger Schneematsch ergoss sich über seinen Rücken. Er kreischte auf und krallte nach seinem nassen Rücken.

"Urameshi, du ehrloser Feigling!" brüllte Kuwabara. "Warum trittst du mir nicht offen gegenüber?"

Er drehte sich um und konnte seinen grinsenden Rivalen einen Sekundenbruchteil lang sehen, bevor ein fetter Schneeball ihn genau zwischen seien Augen zerplatzte.

"Hey, du hast darum gebeten," grinste Yusuke anzüglich, dessen bloße Hände immer noch kalt waren und vor Schnee tropften.

"Na ja, Kuwabara, er hat dir auf jeden Fall gegenüber gestanden," sagte Kirishima ironisch.

"Uh-huh," stimmten Sawamura und Okubo hilfreich zu und nickten gleichzeitig.

In Kuwabaras heißem, rotem Gesicht schmolz der Schnee mit einem leisen Zischen. Mit einem Schnauben, das an einen zornigen Stier erinnerte, warf er sich vorwärts, ergriff Yusuke an der Vorderseite seiner Schuljacke und versuchte ihn von den Füßen zu heben. Irgendwie schüchterte dieses Verhalten den kleineren Übeltäter überhaupt nicht ein, der nur noch breiter grinste.

"Du Punk! Wir beide, du und ich, klären das hier und jetzt!" knurrte Kuwabara.

"Klar, warum nicht?" grinste Yusuke. "Und schau mal, der Eisbeutel liegt hier und wartet nur darauf, dass ich dein Gesicht in den Boden ramme."

"Yeah, nun – selber!" stotterte Kuwabara, dem keine bessere Retourkutsche einfallen wollte.

Yusuke rollte mit den Augen. "Der war gut."

Mit diesen Worten griff Yusuke nach oben, griff Kuwabaras Handgelenk und drehte fest genug, dass dieser eine leichte Reibungsverbrennung erlitt. Kuwabaras Schmerzensschrei folgte schnell ein weiterer Ruf, als die beiden Jungen ihren täglichen Kampf begannen. Yusuke war bereits dabei, den Schauplatz des Verbrechens zu verlassen, als Botan auftaucht, die mit ihrer rosafarbenen, dicken Ski-Jacke und dicken schwarzen Leggins nicht danach aussah, als ob ihr kalt wäre. Yusuke zog ein finsteres Gesicht. Okay, hatte jeder mit spiritueller Wahrnehmung gewusst, wie kalt es heute werden würde?

"Hi Yusuke," zwitscherte Botan winkend.

"Nein." Er ging ohne ein weiteres Wort an ihr vorbei.

Botan brauchte einen Augenblick um zu verarbeiten, was gerade passiert war. Als sie das tat, stapfte sie Yusuke mit geballten Fäusten und knirschenden Zähnen hinterher. Wenn Yusuke in Stimmung gewesen wäre, hätte er wahrscheinlich eine Bemerkung fallen lassen, wie ähnlich sie einem Monster sehen konnte, wenn sie wütend war. Wie auch immer… er war es nicht, also ließ er es sein.

"Nein? Was meinst du mit nein? Hey, komm zurück! Du hast einen Job zu erledigen!"

"Schau mal Botan, vielleicht hast du es noch nicht bemerkt, aber es ist hier draußen schweinekalt! Ich gehe nirgendwo hin! Wenigstens nicht ohne Mantel und einen wirklich guten Grund!" maulte Yusuke.

"Na gut!" Das blauhaarige Mädchen stürzte sich vorwärts, schlang ihre Arme um Yusukes Schultern und hielt eine Plattenbox aus Plastik vor seine Augen. "Wir gehen zu dir nach Hause, holen dir einen Mantel und während wir da sind, kannst du dir deinen guten Grund ansehen." Man konnte förmlich einen hilfreichen Pfeil mit der Aufschrift Guter Grund sehen, der auf die Plastikbox deuten sehen.

Yusukes Gesicht wurde leer.

"Botan, ist das eine Blu-Ray?"

"Selbstverständlich ist es das! Es ist eine spezielle Blu-Ray, auf der Koenmas Telefonnummer verschlüsselt ist, damit wir von jedem normalen Fernseher aus Koenma in seinem Büro anrufen können," sagte sie stolz.

"Großartig. Und hast du dir überlegt, dass ich vielleicht gar keinen Blu-Ray Player habe?"

"… Oh."

Botan glitt mit der Begeisterung eines Blutegels, der gerade mit Salz bestreut worden war, von Yusukes Schultern. Sie kreuzte ihre Arme und sah mit dem gezogenen Schmollmund so aus, als ob sie davon, dass ihr Plan durchkreuzt worden war, gründlich deprimiert war. Yusuke runzelte ob ihres enttäuschten Gesichtsausdrucks die Stirn und drehte sich dann zu dem grün und blau geschlagenen Körper um, den er am Schultor hatte liegen lassen.

"Hey, Kuwabara! Hast du einen Blu-Ray Player?"


Nach einem schnellen Zwischenstopp in Yusukes Wohnung, den er dazu nutzte, sich Jeans, ein Sweatshirt und seine schwarze Lederjacke anzuziehen, ging das Trio zu Kuwabaras Haus. Kuwabara zog schnell seine von Schnee und Blut getränkte Uniform aus und nun saßen die drei im Wohnzimmer, in dem wie üblich Tee und Cracker zum Verzehr auf dem Tisch bereit standen. Botan benutzte Verbände und ein wenig heilende Energie, um Kuwabaras Wunden zu versorgen, währen Yusuke mit saurer Mine das Video vorbereitete.

"Danke, dass du uns hast mitkommen lassen, Kuwabara," sagte Botan dankbar. Sie warf Yusukes Rücken einen scheelen Blick zu. "Wenn nein gewisser Jemand auf der Höhe der Zeit wäre, hätten wir uns dir nicht so aufdrängen müssen …"

"Oh halt die Klappe," grummelte Yusuke. Er schob die Schublade des Players zu und ging zurück zum Tisch um sich zu setzen. "Dann lasst uns mal sehen, wohin uns die Schnullerbacke jetzt schickt. Wer will wetten, dass es Hawaii ist?"

"Still," zischte Botan hinter dem Finger, den sie sich auf die Lippen gepresst hatte.

Der ursprünglich rein blaue Bildschirm zeigte nun als Logo einen roten Kreis mit dem schwarzen Kanji für Monarch in der Mitte. Nach ein paar Sekunden veränderte er sich wieder, dieses Mal zeigte er Koenma, der eilig damit aufhörte, mit jemandem rechts hinter der Kamera zu reden.

"Ahem… Ich nehme an, du hast die Platte bekommen." Koenmas Augen wurden plötzlich rund. "Kuwabara, was machst du da drüben?"

"Wir sind in seinem Haus, Koenma. Yusuke hat keinen Blu-Ray Player," sagte Botan.

"Was? Das kann nicht stimmen. Ich bin mir sicher, dass ich dir einen gekauft habe…" Koenma runzelte die Stirn. Yusukes Gesicht verfinsterte sich bedrohlich, während er die Arme vor der Brust verschränkte.

"Nun, wir hatten einen…" Bis Atsuko ihn in betrunkener Wut zerschlagen hatte, weil ihre zerkratzte Raubkopie von Bridezilla Schlägt Zurück endlich den Geist aufgegeben hatte. Als ob Yusuke die Erinnerung irgendwie an alle übertragen hatte, stand Kuwabara und Botan plötzlich der Schweiß auf der Stirn. Koenma schloss die Augen und kniff in seinen Nasenrücken.

"Yusuke, wirklich…"

"Nun, es spielt keine Rolle mehr. Hast du jetzt eine Mission für mich oder nicht?"

"Ja, die habe ich. Außerdem ist es wichtig."

"Dann komm zum Punkt!" verlangte Yusuke.

"Schon gut, schon gut, kein Grund laut zu werden," sagte Koenma, während er beschwichtigend mit den Händen wedelte. Das Bild wechselte plötzlich von Koenmas Büro zu einer Vogelperspektive von einem großen Landhaus umgeben von einem dichten, grünen Wald. "Hier werdet ihr für eure nächste Mission hinreisen. Es ist eine Festung ungefähr dreihundert Kilometer von eurer Stadt entfernt, im Honetadare Valley. Nach Aussage von verlässlichen Botschaftervögeln wird hier eine gewisse Person gefangen gehalten, die ihr so bald wie möglich herausholen müsst."

"Ist es jemand wichtiges?" fragte Yusuke, als das Bild wieder zu Koenmas Büro zurück wechselte.

Koenma sah die Person hinter der Kamera fragend an und nickte dann.

"Wichtig, ja, das würde ich sagen. Der Name der Gefangenen ist Yukina. Sie ist eine Eisyoukai – eine Koorime um genau zu sein. Das sind Eisjungfern, die man selbst im Makai nur selten zu Gesicht bekommt, da sie dazu neigen, sich auf eine Gletscherinsel zurückzuziehen." Koenma nahm etwas aus einem samtbedeckten Schmuckkästchen und hielt es in die Höhe. Es war eine kleine, perfekte Kugel, die aus etwas gemacht zu sein schien, das wie irisierendes Glas aussah. "Und aus diesem Grund wurde Yukina gefangen genommen."

"Eine Murmel?" sagte Yusuke ausdruckslos.

"Nicht nur irgendeine 'Murmel'."

Botan ließ plötzlich den Cracker fallen, in den sie gerade hatte beißen wollen.

"Oh meine Güte — ist das ein Hiruiseki Stein?" keuchte Botan, die beeindruckt aussah.

"In der Tat," sagte Koenma ernsthaft. "Es sind unbezahlbare Kristalle, die genauso selten sind wie die Youkai, die sie produzieren. Seht ihr, ein Hiruseki Stein ist einfach die Träne einer Koorime. Yukinas Kidnapper hoffen mit ihr Profit zu machen, indem sie sie dazu zwingen, die Juwelen in einem unnatürlichen Tempo zu erzeugen."

Kuwabaras Stirn zog sich in Falten.

"Warte. Also zwingen sie sie zum Weinen, nur damit sie ein bisschen Geld verdienen können?" sagte Kuwabara, dessen Ehrenkodex alleine durch den Gedanken daran beleidigt wurde. "Was für eine Art von Widerling würde so etwas tun?"

"Ich bin froh, dass du gefragt hast." Das Bild veränderte sich wieder, dieses Mal zu einem ungewöhnlich hässlichen Fahndungsfoto. Der Mann auf dem Bild hatte ein vor Fett fast zerfließendes Gesicht und keine Haare auf dem Kopf außer seinem dünnen Schnurrbart und den Augenbrauen. Unter seinen Hängebacken war der Kragen eines gut geschnittenen Maßanzugs kaum zu sehen. "Hier ist der Mensch, der hinter der Aktion steckt. Sein Name lautet Gonzou Tarukane. Offiziell ist er ein Juwelier. Inoffiziell ist er ein Gangster, der mit dem Verkauf von seltenen Juwelen ein kleines Vermögen auf dem Schwarzmarkt verdient hat."

"Also! Wir gehen rein und retten die Jungfrau in Not. Klingt einfach," sagte Yusuke angenehm überrascht.

"Und das würde es sein, würde Tarukanes Herumgepfusche mit Youkai bei Yukina enden. Er hat nicht wenige Youkai zum Schutz seiner Festung angeheuert."

"Natürlich hat er das," grummelte Yusuke. "Welcher Verbrecherboss hat nicht ein paar Youkai, die seine Beute bewachen?"

"Begreife, Yusuke, dass es sehr wichtig ist, dass du Yukina schnell und sicher zurück bringst," betonte Koenma.

"Okay," Yusuke zog eine finstere Miene, "und woher sollen wir wissen, wen wir suchen müssen? Wirst du uns ein Bild geben oder was?"

"Ich kann euch etwas Besseres zeigen," sagte Koenma bereitwillig. Er nickte der Person zu, die nicht zu sehen war, und das Bild änderte sich wieder zu einer wackelnden Ansicht von Bäumen weiter unten und einer sich schnell nähernden Festung. "Dieses Video wurde durch die Augen eines unserer Vögel aufgenommen. Es gibt keinen Ton, aber ich nehme an, dass das Bild für eine positive Identifizierung ausreichen wird."

Yusuke, Kuwabara und Botan beugten sich alle vor um einen besseren Blick auf den Bildschirm zu erhaschen. Die schwankende Kamera stabilisierte sich etwas, das Bild wurde schärfer und hielt außerhalb eines großen Fensters an, dessen gitterartiger Rahmen mit Talismanen aus Papier beklebt war. Die Kamera schoss im Sturzflug auf das Fenster zu und hüpfte direkt durch den glaslosen Rahmen und auf das Fensterbrett. Der Raum dahinter war finster und bedrückend, aber da war etwas Blasses am Rand des Bildschirms. Eine Sekunde verging bevor der blasse, verschwommene Fleck plötzlich ins Sichtfeld trat.

Der Fleck stellte sich als junges Mädchen heraus, das wahrscheinlich nicht älter als Yusuke war. Sie hatte einen kleinen, dürren Körper und war in einen hellblauen Kimono gekleidet, dessen dunkelblaue Schärpe adrett um ihre Taille gewickelt war. Ihr hübsches Gesicht wurde von langem, mintgrünem Haar umrahmt, das zum großen Teil in einem tief gebundenen Pferdeschwanz zusammengefasst war. Während sie zusahen, kam Yukina auf die Kamera zu und beugte sich hinunter, und lächelte sanft. Ihre rubinartigen Augen leuchteten vor Zärtlichkeit und ihre Lippen formten die Worte Guten Morgen, während sie einladend ihre Hand ausstreckte.

Kuwabara sprang auf die Füße als hätte er gerade erst bemerkt, dass er auf glühenden Kohlen säße.

"Wir müssen jetzt gehen!" stieß er hervor.

Yusuke zog erstaunt eine Augenbraue hoch. "Was? Was ist los mit dir?"

Yusuke stand auf und schlurfte herum, damit er nach Kuwabara sehen konnte. Der größere Junge war seltsam steif geworden, mit an die Seiten gepressten Armen und eigenartig zuckenden Fingern. Yusuke lehnte sich seitwärts, so dass er Kuwabaras Gesicht ansehen konnte und zog wieder eine Augenbraue hoch.

"Kuwabara? Alles okay? …Brauchst du einen Arzt?" fragte Yusuke, der anfing sich Sorgen zu machen. Kuwabara murmelte etwas, das nur Yusuke hören konnte. Was immer es auch war, es ließ den kleineren Jungen einen schnellen Blick auf den Bildschirm werfen, um dann ungläubig wieder Kuwabara anzusehen. "Nein, warte, ist das dein Ernst? Hast du's mit blauhaarigen Puppen oder was?"

"Was?" Koenmas Stimme klang wieder vom Bildschirm her und das Bild wechselte zu seinem Büro zurück, wo er misstrauisch das Gesicht zu einer finsteren Grimasse verzog. "Worüber sprecht ihr da drüben?"

Kuwabara drehte sich schnell um und drehte sich ein bisschen zu weit, so dass er eine weitere volle Drehung vollführen musste, bis er es schaffte der Tür direkt gegenüber zu stehen. Er rannte ohne ein weiteres Wort hinaus.

"Wo um Himmels willen will er hin?" fragte Botan neugierig blinzelnd.

"Auf die Jagd nach der wahren Liebe," sagte Yusuke mit einem Zucken seiner Augenbraue.

"Ich bin mir sicher, dass Hiei das zu schätzen weiß," sagte Koenma irritiert. "Schließlich geht ihr seine kleine Schwester retten."

Yusuke hielt inne. Starrte. Brach in Gelächter aus.

"Okay, allein dafür lohnt sich die ganze Sache!"


"Ja, nun denn… Macht euch auf, lasst mich wissen, wie die Mission ausgeht," sagte Koenma zu seinem hysterisch lachenden Detektiv und machte scheuchende Handbewegungen.

"Yeah, yeah," sagte Yusuke mit einem Grinsen und wischte sich Tränen aus den Augen. "Bis später, Koenma."

Er winkte zum Abschied, just als der Bildschirm sich ausschaltete. Koenma atmete erleichtert auf und sank in seinen Lehnstuhl zurück.

"Nun, das ist erledigt," sagte der Gott. "Jetzt liegt alles weitere an ihnen."

"Ich habe volles Vertrauen in sie. Ich bin sicher, dass sie damit zurechtkommen werden," sagte Kurama würdevoll lächelnd, während er die Abdeckung wieder über die Kameralinse stülpte. "Ich möchte Euch dafür danken, dass Ihr diesem Fall eine so hohe Priorität einräumt, Lord Koenma."

Koenma sah Kurama neugierig an. Er hatte sich schon den ganzen Tag so verhalten. Koenma war ein Gott und daran gewöhnt, dass man ihn mit einer gewissen Verehrung behandelte, aber er hatte bereits eine gewisse Vertrauensebene mit dem Fuchsyoukai erreicht. Als Kurama in seinem Büro aufgetaucht war, angetan mit einer besonders eleganten Tunika (purpurner Satin mit einem Pfau, der sich über die Vorderseite wand), und sich verbeugte und mit der Höflichkeit eines Fährmädchens zu ihm sprach, hatte Koenma sich das schlimmste vorgestellt. Er hatte sich vorgestellt, dass nun… ein Amoklauf mit Massen von Toten vergeben werden oder ein Universen zerstörendes Artefakt ausgeliehen werden sollte. Informationen zu erhalten, die potenziell Koenmas Kontrolle über Hiei sicherstellen konnten, hatte nicht besonders weit oben auf der Liste gestanden.

Aber hey, vielleicht hatte Koenma ausnahmsweise einen guten Tag.

"Ich sollte dir danken, Kurama. Wenn die Rettung dieser Yukina mir mehr Kontrolle über Hiei verschafft, dann wird sie mir sehr nutzen," sagte Koenma beiläufig, obwohl er bereits wusste, dass dies nicht der Grund war, dass Kurama ihn darum gebeten hatte, sich den Fall anzusehen.

"Ja," sagte Kurama leise. Seine Augen blickten bei dem Gedanken kurz ins Leere… vielleicht fragte er sich, ob er das Richtige getan hatte, sowohl seine als auch Hieis Dienste für die Rettung des Mädchens an Koenma zu verkaufen. Wie auch immer, der Handel war bereits abgeschlossen und konnte nicht zurückgenommen werden.

"Ich nehme an, dass du mich deshalb auf den Fall aufmerksam gemacht hast?" sagte Koenma betont, nur für das Vergnügen, Kurama aufgeschreckt zu sehen.

"Oh! Ja, natürlich!" Kurama räusperte sich. "Ah… Soll ich Ihnen einen Imbiss bringen, Sir?"

"Tee und Erdbeer-Daifuku." (1)

"Ich hole es sofort. Entschuldigt mich."

Kurama zog sich hastig aus dem Büro zurück, vielleicht um etwas seiner berühmten Fassung zurück zu erlangen, während er fort war. Koenma stützte sein Kinn auf eine Hand.

Ich weiß nicht, hinter was er her ist, aber dieser Fall geht viel tiefer als er denkt, dachte Koenma, der ernster wurde, nun dass der Youko nicht mehr im Zimmer war. Yusuke bekämpft nun schon seit zwei Monaten böse Youkai, aber ich habe ihn noch nie auf einen Menschen angesetzt. Er hat noch nie gesehen, wozu seine eigene Art fähig ist. Er muss sich dem früher oder später stellen. Koenma dachte an Botan, die sich so munter wie immer verhielt, und im Geheimen jede von Yusukes Bewegungen verfolgte. Botan ist da um ein Auge auf ihn zu haben und sicherzustellen, dass alles glatt läuft, aber… Dies könnte sehr gefährlich werden.

Ich will nicht, dass es so endet wie das letzte Mal…


(1) Eine Art Küchlein aus Reismehl mit einer Erdbeere in der Mitte; lecker und relativ schwer herzustellen.
Rezept z. B. unter www . chefkoch . de (ohne Leerzeichen)