Danke an:

Loup-Cypha, AmyBlack (Ob es wirklich so offensichtlich ist, was genau von Draco verlangt wird, wird sich zeigen ;O) ) und FirstKiss (Oh, der Plan wird natürlich nicht sofort verraten Und die Story hat ungefähr 25 Kapitel)

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Training und Missionen…

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Lucius sprang auf, als der flackernde Lichtschein stetig näher kam und einen Besucher ankündigte. Er hoffte auf Severus und somit auf Nachrichten über Draco. Doch es war nicht Snapes hagere Gestalt, die boshaft lächelnd sein Gesicht ausleuchtete.

„Was verschafft uns die Ehre, liebste Schwägerin?"

Der Hohn in Lucius' Stimme schnitt durch die Luft wie eine Peitschenschnur.

„Die Neugierde, mein Bester. Die Neugierde."

Bellatrix schnurrte beinahe wie eine Katze und unterstrich diesen Eindruck noch, indem sie sich einen Sessel herbeizauberte und anzüglich darauf rekelte.

„Wie ich hörte, hattet ihr Besuch von Snape. Was wollte er?"

„Wie du weißt, sind Severus und ich das, was man landläufig als Freunde bezeichnet. Verzeih, das muss ein Fremdwort für dich sein, Bella. Er wollte nur hören, wie es mir geht."

Lucius wusste, dass er sich auf sehr dünnem Eis bewegte. Er konnte es beinahe unter seinen Füßen knirschen hören. Und er wusste, dass Bellatrix ihm nicht glaubte.

Ihr falsches Lächeln vertiefte sich noch, als sie gurrte:

„Du suchst dir die falschen Freunde aus. Mag ja sein, dass unser Lord von Snapes Unschuld überzeugt ist… Noch! Doch ich bin es nicht. Auch wenn er Dumbledore getötet hat; er hat irgendetwas vor und du wirst mir doch sicher sagen, was…"

Sie sah ihren Schwager lauernd an.

„Warum lebst du eigentlich noch?", fuhr sie fort, da Lucius und Narzissa beharrlich schwiegen. „Du hast im Ministerium versagt. Dein Sohn hat in Hogwarts versagt. Ihr seid eine Familie von Waschlappen." Bellatrix lachte. Es klang, als würden rostige Nägel aufeinander prallen.

„Immerhin habe ich eine Familie. Und einen Sohn – im Gegensatz zu dir."

„Ah, Lucius, du kennst meinen wunden Punkt zu gut", kicherte Bellatrix. Ihr Blick glitt verschlagen zu Narzissa, die unwillkürlich einen Schritt zurücktrat. „Und ich kenne deinen…"

„Wie ich sehe, bist wieder in der Gunst des Lords aufgestiegen", wechselte Lucius abrupt das Thema. „Und das alles nur, weil du ihm Draco gebracht hast?"

„Oh nein, Draco wäre ihm so oder so ergeben gewesen. Deine Wünsche zählen in dieser Angelegenheit nicht. Und zu deiner eigentlichen Frage: Ich habe einen Weg gefunden, die Kah-di-bakh zu zähmen."

Narzissa holte zischend Luft.

„Niemand kann diese Dinger zähmen!" Vor Abscheu überschlug sich ihre Stimme. „Sie sind wild. Unberechenbar und töten nur zu ihrem Vergnügen! Formlose Schatten, die keine Kette, ob magisch oder aus Eisen gefertigt, halten kann!"

„So wie ich, Schwesterherz. Ich töte auch zu meinem Vergnügen. Ein einfacher, jedoch alter und fast vergessener Zauber genügte und sie akzeptierten mich als ihre Anführerin!"

„Das kann ich mir vorstellen", spottete Lucius. „Du als Alphaweibchen… gleicht ihr Paarungsverhalten nicht dem von Wölfen?"

„Du!" Mit einem aufgebrachten Kreischen sprang Bellatrix auf und richtete ihren Zauberstab auf den völlig entspannt wirkenden Lucius. „Bastard! Dir wird das Lachen schon noch vergehen, wenn Draco erneut scheitert und damit euer aller Todesurteil unterzeichnet."

„Warum so aufgebracht, Bellatrix? Ich habe durchaus Verständnis für deine Situation. Und Tiere in deinem Bett solltest du gewohnt sein."

Lucius wappnete sich gegen den Schmerz, als er den Wahnsinn in Bellatrix' Augen sah. Doch sie zielte nicht länger auf ihn.

Crucio!"

Narzissa brach unter dem Angriff zusammen und wälzte sich in Agonie würdelos kreischend auf dem lehmigen Boden. Mit einem Schritt war Lucius bei ihr und kniete neben seiner Frau nieder. In Gedanken schalt er sich einen Idioten, doch seine Stimme war ausdruckslos, als er sagte:

„Ich war es, der dich beleidigt hat."

„Wie wahr. Und sie muss dafür büßen."

Bellatrix hob den Fluch auf und Narzissa lag, am ganzen Leib zitternd, in Lucius' Armen – salzige Tränen benetzten ihre bleichen Wangen. Lucius' Blick kreuzte sich mit dem von Bellatrix, deren Gesicht sich angeekelt verzogen hatte.

„So wird es immer sein, Lucius. Ein jeder wird diese Schwäche ausnutzen, die du dir selbst aufdiktiert hast. Diese Schwäche, die sich Liebe nennt. Sieh nur, wie schwach dieses Weib ist. Ein wenig Schmerz genügt und schon ist sie ein Bündel Elend. Es ist erbärmlich!"

Lucius trug Narzissa zu der Pritsche und legte sie vorsichtig darauf nieder, ehe er an die Gitter trat und Bellatrix abweisend musterte.

„Hast du es noch immer nicht verwunden, dass ich damals nicht dich wählte, sondern Narzissa?"

„Pah, als hättest du mir jemals etwas bedeutet!"

Bellatrix warf ihr Haar zurück, bis es ihren Rücken wie ein schwarzer Schleier bedeckte.

„Wie immer bildest du dir zu viel ein. Für mich ist ein Mann wie der andere. Es war dein Einfluss, der mich damals angezogen hat." Spielerisch tippte Bellatrix mit ihrem Zauberstab an die Gitterstäbe und sah unschuldig, wie ein Kind, zu Lucius auf. „Und jetzt habe ich selbst Einfluss und Macht."

„Indem du dich in das Bett unseres Meisters legst", stellte Lucius angewidert fest.

„Alles hat seinen Preis", antwortete Bellatrix gelassen. Ihre Augen verweilten einen Moment auf Narzissa, die noch immer nach Luft ringend auf der Bettstatt lag, bevor sie die Fackel von der Wand nahm und bedächtig auf die Tür zuging. „Und ein jeder von uns muss ihn zahlen, Lucius."

Die Tür fiel mit einem leisen Klicken hinter ihr ins Schloss und das Gewölbe wurde von der allgegenwärtigen Finsternis eingehüllt.

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Es war nicht etwa Minerva McGonagall, die das Zepter über das Kloster an sich riss – es war Molly Wealsey. Einem General gleich, scheuchte sie die Flüchtlinge durch das Gemäuer, damit es wieder bewohnbar gemacht wurde. Die Tage vergingen in betriebsamer Geschäftigkeit. Nur des Nachts, wenn man genau hinhörte, vernahm man gedämpftes Schluchzen und die Schreie derer, die aus ihren Alpträumen erwachten.

Harry beschwerte sich – im Gegensatz zu Ron – nicht darüber, dass er den Boden des Refektoriums säubern musste; lenkte die Tätigkeit ihn doch von seinen düsteren Gedanken ab. Er vermutete, dass es Mrs. Weasley ähnlich ging. Immerhin waren noch vier ihrer Söhne dort draußen. In der realen Welt, die vielleicht schon von Voldemort beherrscht wurde…

Ron murmelte etwas vor sich hin, was sich verdächtig nach „Ich werd' ja behandelt, wie ein Hauself" anhörte. Hermine kippte wortlos einen Eimer mit Schmutzwasser über seinem Kopf aus und hob nur anzüglich eine Augenbraue, als Ron fluchend und hustend aufsprang. Vor sich hinschimpfend wrang er seinen durchnässten Pullover aus. Und obwohl er seine Stimme zu einem Flüstern dämpfte, hörte Hermine das „blöde Belfer" sehr deutlich heraus und der graue Lappen, den sie bis jetzt in der Hand gehalten hatte, landete klatschend in seinem Gesicht.

Grinsend betrachtete Harry seine zankenden Freunde. Hermine stand vor einem hochroten Ron, hatte die Hände in die Hüften gestemmt und putzte ihn herunter, wie es sonst nur Mrs. Weasley konnte. Harrys Augenmerk richtete sich auf Ginny, die sich haltlos lachend an ihren Besen klammerte, und sein Lächeln verblasste. In den letzten Tagen war er ihr ausgewichen und Ginnys verletzten Blicken konnte er entnehmen, dass sie es bemerkt hatte. Natürlich waren ihm die Säuberung des Klosters dazwischen gekommen und die Unterrichtsstunden, bei Remus, Tonks und Professor McGonagall. Und doch: Das alles waren nur Ausreden, damit er sich von Ginny fernhalten konnte.

Innerlich seufzend, wurde Harry sich bewusst, dass er es nicht länger hinauszögern sollte. Gleich heute Abend würde er mit Ginny reden.

Doch zuerst musste er zum Unterricht. Professor McGonagall duldete keinerlei Unpünktlichkeit; ob sie sich jetzt in Hogwarts befanden, oder nicht. Er sträubte sich noch immer dagegen, schwarze Magie zu erlernen. Vor allem, da er den Sinn, der dahinter stand, nicht erkannte. Leise klopfte er an die Tür und betrat die Bibliothek, nachdem seine Lehrerin ihn hereingebeten hatte. Minervas neues Büro war noch immer so spärlich eingerichtet wie an dem Tag, als er das erste Mal bei ihr gewesen war. Abwartend blickte Minerva ihm entgegen und deutete auf einen Stuhl.

„Setzten Sie sich, Mr. Potter. Haben Sie seit gestern geübt?"

Harry nickte und deutete mit seinem Zauberstab auf einen leeren Krug, der auf dem Schreibtisch stand.

Farcio Aquis."

Der Krug füllte sich bis zum Rand mit klarem kühlen Wasser, das, so hatte Minerva versichert, durchaus trinkbar war. Scheinbar zufrieden lehnte sie sich zurück und betrachtete Harrys gerunzelte Stirn.

„Stimmt irgendetwas nicht, Mr. Potter?"

„Doch, Professor…"

„Nur heraus mit der Sprache."

Harry räusperte sich und sah sein Übungsobjekt zweifelnd an.

„Es ist nur… dieser Zauber mag ja praktisch sein und alles. Aber was bringt er mir im Kampf?"

Eine Augenbraue Minervas wurde ungläubig hochgezogen.

„Was es Ihnen bringt? Nun, den unschätzbaren Vorteil, atmen zu können beispielsweise."

„Das verstehe ich nicht."

Minerva seufzte leise und unterdrückte den Drang, um Geduld zu flehen.

„Sie können dieses Gefäß mit Wasser füllen. Einfach aus dem Nichts heraus. Was glauben Sie, passiert, wenn Sie diesen Spruch bei einem Menschen anwenden?"

Harrys Augen weiteten sich entsetzt, als ihm die Bedeutung der Worte bewusst wurde.

„Aber das ist Mord!"

„Was Sie nicht sagen, Mr. Potter."

„Das kann ich doch nicht tun! Das ist grausam. Unmenschlich und-„

„Und deswegen lernen Sie es zu kontrollieren", unterbrach Minerva ungerührt Harrys Wortschwall. „Sie werden lernen, das Gefäß nur zur Hälfte zu füllen. Sie werden Ihren Gegner mit diesem Zauber kampfunfähig machen. Ihn jedoch nicht lebensbedrohlich verletzten."

Minerva stockte kurz, als sie den harten Glanz in Harrys Augen sah.

„Aber ich werde töten müssen!"

„Ja. Und ich hoffe, dass es nur dieses eine Mal ist…"

„Sie kennen also auch die Prophezeiung?"

„Nein. Aber ich weiß, welche Bürde Sie tragen. Soviel hat Albus mir verraten."

Das Ticken der Uhr war überdeutlich zu hören, während Harry seine Lehrerin anstarrte und mehrmals blinzelte. Die harten Konturen ihrer Wangenknochen, die Minerva angespannt hatte, wurden weicher, als sie die Verzweiflung in den grünen Iriden bemerkte.

„Ich denke, das genügt für heute, Mr. Potter. Alastor erwartet Sie vor dem Haupteingang. Morgen werden Sie lernen, die Magie zu kontrollieren."

Zögernd stand Harry langsam auf. Seine Muskeln schienen seltsam steif, als würden sie gar nicht ihm gehören. Das Pochen an der Tür nahm er wie durch Watte wahr und nur Hagrids massige Gestalt, die sich plötzlich vor ihm aufbaute, überzeugte Harry, dass er sich nicht verhört hatte. Hagrids schiefes Grinsen ließ die grauen Schatten unter seinen Augen in den Hintergrund treten, als er den rechten Arm hob.

„Guck mal, Harry, wen ich draußen gefunden hab'."

„Hedwig!"

Für den Augenblick vertrieb der Anblick seiner geliebten Eule, die dunklen Gedanken aus Harrys Geist. Vorsichtig setzte Hagrid sie auf Harrys Hand, der besorgt ihren verletzten Fuß betrachtete.

„Ist nichts Schlimmes, Harry. Nur ein bisschen verstaucht. Ich hab's schon geschient."

„Danke, Hagrid. Ich hatte befürchtet, sie hätte es nicht geschafft."

„Sie sollten Ihre Eule auf Ihr Zimmer bringen, Mr. Potter", ließ Minerva sich vernehmen. „Alastor wartet nicht gerne."

Harry nickte und wollte sich an Hagrid vorbei durch die Tür zwängen, als dieser ihm einen Brief hinhielt.

„Für Hermine. Ihren Eltern geht's gut. Ich hab bei denen vorbeigeschaut, als ich für'n Orden unterwegs war."

Hagrid zwinkerte Harry verschwörerisch zu und schob ihn durch die Tür nach draußen.

„Haben Sie etwas von unseren Leuten gehört, Hagrid?", fragte Minerva leise, als Harrys Schritte verklungen waren.

„Nich' wirklich. Das Ministerium stellt sich quer. Kingsley glaubt, dass das Ministerium ihm misstraut und ihn überwachen lässt. Er hat keine Möglichkeit, nach diesen Dingern zu suchen. Und Emmeline is' nicht zum Treffpunkt gekommen. Keiner weiß, wo sie steckt. Hestia glaubt, sie hat eine heiße Spur in Rumänien entdeckt; sie wird sich dort mit Charlie Weasley treffen."

Minerva seufzte. Es gab also keine großartigen Neuigkeiten. Doch was hatte sie auch erwartet? Selbst wenn der gesamte Orden suchen würde, könnte es Jahre dauern, die Horkruxe zu finden.

„Was geht im Ministerium vor sich?"

„Der Minister redet davon, dass der Angriff nur ein Ablenkungsmanöver einer Rebellentruppe war, die Harry aus seiner Reichweite schaffen wollten. Ob er's nur sagt, um die anderen Abgeordneten auf seine Seite zu ziehen, oder ob er's tatsächlich glaubt, konnte Kingsley nich' beurteilen."

„Er glaubt, der Orden steckt dahinter?" Minerva wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Das war einfach zu grotesk. „Er beschuldigt uns, dass wir Hogwarts zerstört haben? Dass wir all diese Menschenleben auf dem Gewissen haben?"

Hagrid nickte müde.

„Und er sucht nach Harry. War sogar schon bei seinen Verwandten. Es wimmelt nur so von Auroren, im Ligusterweg. Das weiß ich von Arabella."

Minerva fragte sich, was Scrimgeour von Harry wollte. Er kannte die Prophezeiung nicht – konnte sie gar nicht kennen! Doch er wusste, dass es Harry war, der die Macht besaß, Voldemort zu stürzen…

Sie sah in Hagrids müdes Gesicht und lächelte traurig.

„Ich danke Ihnen, Hagrid. Sie sollten sich jetzt ein wenig ausruhen."

An der Tür angelangt, blieb Hagrid stehen. Etwas Gehetztes und unendliche Trauer lagen in seiner Stimme, als er flüsterte:

„Wissen Sie, Professor, ich schlaf nich' so gut in letzter Zeit. Ich hab da diese Träume…"

Die Tür schloss sich lautlos hinter ihm.

Minerva starrte lange auf die Holzmaserung ihres Tisches, bevor sie energisch die aufsteigenden Tränen wegblinzelte, die hinter ihren Lidern brannten und anfing, einen Brief zu schreiben. Sie wünschte sich Albus herbei, da die Last, die auf ihren Schultern lag, sie beinahe erdrückte.

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Hedwig immer wieder über das seidige Gefieder streichelnd beeilte Harry sich, das Refektorium zu erreichen. Ron stellte gerade die Putzutensilien zusammen und Hermine fuhr noch ein letztes Mal mit einem Lappen über die langen Tische, als Harry den Raum betrat und Hermine den Brief überreichte.

„Hagrid war bei deinen Eltern und er sagt, dass es ihnen gut geht."

Hermines Gesicht hellte sich augenblicklich auf, als sie mit zitternden Fingern den Umschlag öffnete und begierig den Inhalt las.

„Wie kommt denn Hedwig hierher?", fragte Ron.

„Ich weiß es nicht. Hagrid hat sie draußen gefunden", antwortete Harry. Dann fiel ihm siedendheiß Alastor ein.

„Verdammt! Ich muss ja zu Moody! Kannst du auf Hedwig aufpassen, Ron?"

Ohne eine Antwort abzuwarten, setzte Harry seine Eule auf einen der Tische und rannte hinaus. Ron und Hermine verständigten sich mit einem kurzen Blick, ehe sie ihm folgten.

Moody humpelte schon ungeduldig vor dem Kloster auf und ab, als Harry durch die Tür ins Freie rannte.

„Da bist du ja endlich, Potter."

Moodys intaktes Auge wurde schmal, als er Ron und Hermine erkannte, die hinter Harry herstolperten.

„Was wollt ihr denn hier?"

Hermine reckte ihr Kinn und hielt den durchdringenden Blicken Moodys stand.

„Wir werden Harry auf diese Mission begleiten. Wir können helfen!"

Harry sah seine Freunde überrascht an. Dann grinste er glücklich – sie würden ihn nie im Stich lassen.

Um Alastors Mund zuckte es, als er sich abwandte und den dreien zuwinkte.

„Na, wenn das so ist. Dann kommt mal mit, ihr Helden."

In Harrys Magen breitete sich ein nervöses Flattern aus, als er dem alten Auror folgte, der sie in den Innenhof führte. Was würde sie wohl erwarten? In der Mitte des Kreuzganges angelangt, deutete Moody auf die Arkaden, die den Bereich umschlossen.

„So, eure erste Mission besteht darin, fünf Runden zu drehen. Lauft los!"

Völlig perplex standen die Freunde da und starrten den Ex-Auror an, als wäre ihm plötzlich ein dritter Arm gewachsen.

Harry fing sich als erster.

„Wozu soll das gut sein?"

„Willst du meine Methoden in Frage stellen, Junge? Ich nehme keinen von euch irgendwo hin mit, solange ihr so ein schlapper Haufen seid. Wenn ihr jetzt die Güte hättet…"

Moody wedelte ungeduldig mit einer Hand, als wolle er eine besonders lästige Fliege vertreiben und Harry joggte seufzend von dannen. Hermine zog den wenig begeisterten Ron hinter sich her.

„Mit gefangen ist mit gehangen, Ron. Ein wenig Sport schadet ja nicht."

Sie schlossen zu Harry auf und trabten einträchtig Seite an Seite an den Räumlichkeiten vorbei, die durch die Arkaden miteinander verbunden waren.

Nach der dritten Runde, war Hermine bereit, ihre Meinung zu revidieren. Sie hätte nie vermutet, dass die Gänge so unendlich lang waren. Keuchend hielt sie sich die stechenden Seiten und schluckte mühsam den dickflüssigen Speichel, der einen metallischen Geschmack in ihrem Mund hinterließ, herunter.

Moody saß derweil auf dem Rand des Brunnens und begutachtete ausgiebig sein Holzbein.

„Das nennt ihr laufen? Da ist ja meine Urgroßmutter schneller zu Fuß!", höhnte er, ohne aufzublicken.

Harry biss die Zähne zusammen, ignorierte seine brennenden Muskeln und rannte stur geradeaus blickend weiter. Inzwischen hatte sich eine schaulustige Menge im Innenhof eingefunden, die Harry und seine Freunde lachend anfeuerten, bis sie ihre fünf Runden gemeistert hatten. Nach Luft schnappend standen sie mit hochroten Köpfen vor Alastor, der spöttisch grinsend auf sie hinab sah.

„Mission erfolgreich abgeschlossen. Morgen um dieselbe Zeit, erwarte ich euch hier. Gute Nacht!"

Kichernd humpelte er davon und die drei brachen stöhnend auf dem Rasen zusammen.

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Harry machte sich schon mal allein auf den Weg in den Speisesaal, da Ron sich nicht dazu bewegen ließ, aus dem Bett zu steigen, in das er seinen schmerzenden Körper geschleppt hatte. Plötzlich trat Ginny hinter einer Säule her und sah ihn entschlossen an.

„Können wir reden, Harry?"

Er nickte und sie passierten den Kräutergarten, in dem noch immer Neville mit einigen anderen arbeitete. Harry konnte Blaise Zaibini erkennen, der sich anscheinend gerade mit dem Gryffindor stritt.

„Als ob ich mir von dir was sagen lassen müsste! Von einem halben Squib!", stieß Zabini verächtlich hervor.

„Mag ja sein, dass du gut darin bist, tote Dinge zum schweben zu bringen und so. Aber ich bin gut darin, lebende Dinge wachsen zu lassen. Und wenn du die Wurzeln der Alantpflanze abbrichst, geht sie ein…"

Nevilles ruhige Stimme wurde leiser und verklang schließlich, als sie das Kloster verließen.

An eines der Kreuze gelehnt, starrte Harry auf seine Schuhspitzen, als gäbe es nichts Interessanteres auf der Welt.

„Du gehst mir aus dem Weg, Harry. Warum?", durchbrach Ginny das unangenehme Schweigen.

Sie hatte ihm den Rücken zugedreht und blickte auf die Hügel. Die untergehende Sonne ließ das Gras aufglühen, als würde es brennen.

„Um dich nicht in unnötige Gefahr zu bringen. Das weißt du doch…"

„Ja, das hatten wir schon mal, oder?"

Ginny hatte sich Harry zugewandt. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, aber es erreichte ihre Augen nicht, als sie weiter sprach:

„Ich kann es ja verstehen. Zumindest versuche ich es. Aber das ist noch lange kein Grund, dass du mich völlig ignorierst."

Ein wenig hilflos stand Harry ihr gegenüber. Wie sollte er ihr erklären, dass er sich von ihr fernhalten musste?

„Ginny, ich…" Harry stockte und suchte nach den passenden Worten. „Ich weiß, dass es schwer für dich ist. Für mich ist es auch nicht leicht. Ich weiß ja nicht einmal, ob ich dieses Jahr lebend überstehe. Ob Voldemort wieder angreift. Ob sie dich als Köder benutzen wollen, wenn sie das mit uns herausfinden…"

Ginny war an ihn herangetreten und legte eine Hand an Harrys Wange. Aufseufzend schloss er die Augen.

„Ich sagte schon, dass es mir egal ist, Harry."

„Aber mir nicht!", rief er und trat einen Schritt zurück. „Ich könnte es mir nie verzeihen, wenn dir was zustoßen würde!"

„Wer soll mich denn hier finden? Wir sind hier sicher, Harry. Geschützt durch den Geheimniswahrer."

„So wie meine Eltern, ja? Sie dachten auch, sie wären sicher. Bis Peter sie verraten hat!"

Harrys Stimme überschlug sich beinahe vor unterdrückter Wut. Ginny schlug die Augen nieder und biss sich auf die Unterlippe. Harry umfasste sanft ihr Kinn und zwang sie so, ihn anzusehen.

„Es tut mir Leid. Ich wollte dich nicht anschreien. Es ist alles nur so furchtbar kompliziert. Mein ganzes Leben ist eine einzige Katastrophe und ich will dich da nicht mit reinziehen. Ich habe einfach Angst um dich."

„Ich weiß, Harry. Ich weiß, dass das alles – und ich kann warten…"

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Leichtfüßig kniete Lucius nieder und senkte in Ehrerbietung seinen Kopf.

„Ihr wolltet mich sprechen, Mylord?"

„So ist es, Lucius. Hast du dich gut eingelebt, in deinem neuen… Zuhause?"

„Ja, Mylord."

Lucius hielt sich an das, was er sich vorgenommen hatte: knappe Antworten, die kaum Raum für Interpretationen ließen.

Voldemort verzog die schmalen Lippen zu einem boshaften Lächeln, während er Naginis Kopf tätschelte. Er hatte Lucius in seine privaten Räume bringen lassen, und allein diese Tatsache, ließ Lucius misstrauisch werden – Voldemort wollte keine Zeugen für dieses Gespräch.

„Ah, weißt du Lucius, meine Großmut kennt keine Grenzen. Und deshalb habe ich beschlossen, dass du und Narzissa euch frei in meinem Schloss bewegen könnt. Ich bin nicht nachtragend. Leider wirst du in nächster Zeit auf deinen Zauberstab verzichten müssen."

Wäre die Situation nicht todernst gewesen, hätte Lucius gelacht. Doch in Anbetracht der Umstände verbeugte er sich, bis seine Nase fast den Boden berührte.

„Ich danke Euch, Mylord."

Heiseres Lachen erfüllte den Raum und ließ Lucius schaudern.

„Steh auf, mein Lucius, und bring uns etwas von dem Wein."

Voldemort deutete mit einer Hand auf einen kleinen Tisch. Opale und Obsidian waren, zu kunstvollen Ornamenten verschlungen, darin eingelassen.

„Habe ich dir erzählt, dass Draco einen neuen Auftrag von mir erhalten hat?"

Lucius' Hand verharrte für einen Sekundenbruchteil über der gläsernen Karaffe.

„Ich bin mir sicher, dass Draco Euch nicht enttäuschen wird."

„Ich hoffe doch, dass er nicht schon wieder versagt! Das wäre seiner Gesundheit nicht zuträglich – und der deinen auch nicht."

Mit einem höflichen Nicken reichte Lucius seinem Herrn eines der Kristallgläser. Der schwere Rotwein verbreitete einen süßlichen Geruch und hinterließ rote Perlen auf Voldemorts Lippen, die wie Blutstropfen anmuteten.

„Willst du gar nicht wissen, was dein Sohn tun soll?"

„Es steht mir nicht zu, etwas über Eure Pläne zu wissen."

Lucius kannte seinen Platz und er wusste seine Rolle zu spielen – war sie ihm doch schon in Fleisch und Blut übergegangen.

„Ganz recht, Lucius, es steht dir nicht zu. Willst du den Wein nicht probieren?"

Das verwüstete Gesicht Voldemorts war lauernd und Lucius nippte mit fest verschlossenen Lippen an dem Getränk.

„Er ist köstlich, Mylord."

Voldemort stellte sein Glas ab und Lucius versuchte, seinen Kopf zu leeren – anscheinend war der gemütliche Teil des Abends nun vorüber.

„Wie ich hörte, war Severus bei dir. Was wollte er?"

„Sehen, wie es seinem alten Freund geht", log Lucius kaltblütig. „Wir haben uns lange Zeit nicht gesehen."

Rotglühende Augen bohrten sich zwingend in die von Lucius.

„Habe ich erwähnt, dass Peter sich in deiner Abwesenheit um deine Frau kümmert? Sie ist wirklich ein reizendes Wesen. Ich kann mir vorstellen, dass sie dich bereits schmerzlich vermisst. Und es liegt an dir, wie lange ihr getrennt seid…"

Lucius erstarrte innerlich zu Eis und hatte gleichzeitig das Gefühl, als würde sein Blut wie kochende Lava durch seine Adern fließen. Nur das Wissen, dass Narzissa sich verteidigen konnte, ließ ihn die bitter benötigte Ruhe bewahren.

„Was war noch gleich der Grund für Severus' Besuch, Lucius?"

„Er wollte sehen, wie es mir geht, nach meinen Aufenthalt in Askaban. Und er erzählte mir von Eurem Triumph über Dumbledore."

„Und das soll ich dir glauben?", fragte der Dunkle Lord sanft.

Lucius stand der kalte Schweiß auf der hohen Stirn, doch er blickte seinem Lord geradewegs in die grausamen Augen.

„Bezichtigt Ihr mich der Lüge, Mylord?"

Er pokerte hoch und hoffte, dass diese dreist gestellte Frage nicht sein Untergang sein würde. Welch giftige Lügen hatte Bellatrix dem Dunklen Lord ins Ohr geflüstert, dass er plötzlich Severus misstraute?

„Würdest du es denn wagen?"

„Nein."

„Natürlich würdest du das nicht tun, Lucius. Wo sich doch deine Familie meiner Gastfreundschaft erfreut…"

Eine weitere versteckte Drohung, die einen weniger beherrschten Mann aus der Ruhe gebracht hätte. Lucius wagte nicht einmal zu blinzeln, als er nickte.

„Anscheinend verspritzt die kleine Natter ihr Gift wohldosiert, Mylord."

„Tun Frauen das nicht immer?"

Angesichts der erheiterten Miene des Dunklen Lords, verzichtete Lucius darauf zu widersprechen.

„Die Eifersucht mag ihr Worte, die nach Verrat schmecken, in den Mund legen. Doch ich bin mir sicher, ein Mann mit klarem Verstand vermag diese süßen Lügen zu durchschauen…"

Die rotschimmernden Augen seines Gegenübers wurden schmal.

„In manch einer Lüge steckt ein Körnchen Wahrheit, Lucius."

Mit klopfendem Herzen schwieg Lucius einen Augenblick und legte sich seine nächsten Worte zurecht; doch Voldemort sprach schon weiter:

„Du darfst jetzt gehen, Lucius. Goyle wird dich in deine Räumlichkeiten führen."

Mit einer höflichen Verbeugung verabschiedete Lucius sich von seinem Gastgeber und ging auf die Tür zu.

„Lucius?"

Die silberne Klinke fühlte sich angenehm kühl an unter Lucius' fiebrigen Fingern, als er abwartend verhaarte.

„Ja, Mylord?"

„Ich werde die Fortschritte deines Sohnes überwachen lassen."

„Ihr habt einen weiteren Spion im Orden?"

„Hast du daran gezweifelt?"

„Nein, Mylord…"

Die Tür schloss sich hinter ihm. Er hatte die Prüfung bestanden.

Dieses Mal.

Als er das spärlich eingerichtete Zimmer betrat, musste Lucius all seine verbliebene Willenskraft aufbieten, damit niemand seine Erleichterung bemerkte. Es war Crabbe, der sich leise mit Narzissa unterhielt, nicht Peter. Sein Meister hatte geblufft.

Der Raum war zwar klein, aber im Gegensatz zu der Gefängniszelle als Fortschritt anzusehen. Immerhin gab es ein Bett, in dem man bequem liegen konnte. Crabbe verabschiedete sich und eine Mischung aus Furcht und Neugierde glomm in Narzissas Augen auf, als sie Lucius abwartend ansah.

„Hat er einen Verdacht?"

„Ganz sicher. Bellatrix leistet anscheinend ganze Arbeit. Er verdächtigt Severus."

„Und was ist mit dir?"

Lucius lächelte bitter.

„Ganz bestimmt misstraut er mir. Doch was kann ich ihm schon anhaben? Noch glaubt er, ich wäre keine Gefahr."

„Zum jetzigen Zeitpunkt bist du das auch nicht", entgegnete Narzissa.

„Nein, aber meine Zeit wird kommen…"

Als Lucius das angrenzende Badezimmer verließ, löschte Narzissa gerade die wenigen Kerzen, die man ihnen zugestanden hatte. Ihre Halskette glänzte matt golden im flackernden Licht.

„Lass sie an", bat Lucius, während er auf sie zuging. „Ich möchte dich ansehen."

Nur zu gern kam seine Frau diesem Wunsch nach.

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Eine in schwarz gekleidete Gestalt schlich sich in der Dunkelheit davon. Die hastigen Schritte führten sie fort vom Kloster – fort von Licht und Wärme. Der Wind zerrte an ihrem Umhang und eine blasse Hand zog die Kapuze tiefer ins Gesicht, während müde Augen den Nachthimmel absuchten. Ein geschmeidiger Schatten kreuzte unbemerkt ihren Weg…

Tbc…