So, da bin ich wieder und habe ein brandneues Kapitel dabei
Ein großes Dankeschön für die netten Reviews geht an:
Mitleser, AmyBlack, zissy, Deedochan und FirstKiss
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Zu viele Gedanken stürmten auf Harry ein, während er sich dem Kloster näherte, als dass er auch nur einen davon hätte fassen können.
Dieser letzte, gehetzte Blick aus Dracos Augen ging ihm nicht mehr aus dem Sinn. Fast wie ein gefangenes Tier, das unbändig einen Fluchtweg suchte.
Wohin konnte Draco wohl gegangen sein? Zum Brunnen vielleicht…
Über sich selbst und seine absurden Gedankengänge den Kopf schüttelnd betrat Harry das Kloster.
Er würde nicht zum Brunnen gehen. Er würde den direkten Weg zu seinem Zimmer einschlagen und vergessen, was geschehen war. Er würde vergessen, wie Draco ihn angesehen hatte. Er würde…
Der Kreuzgang lag verlassen vor ihm. Die Kette des Brunnens quietschte leise im Wind, und der Mond vermochte die Dunkelheit der umliegenden Schatten nicht zu durchdringen. Suchend wanderten Harrys Augen umher, bis er sich eingestand dass, selbst wenn Draco hier war, er sich nicht zeigen würde.
Sich selbst dafür verfluchend, den Brunnen überhaupt aufgesucht zu haben, strebte Harry auf die Kammer zu, die er mit Ron bewohnte, in der Annahme, dass dieser schon schlief.
Doch Ron schlief nicht – er saß mit blassem Gesicht auf seinem Bett und sah erwartungsvoll auf, als Harry eintrat. Wie ertappt blieb Harry stehen, der festen Überzeugung, dass Ron ihm den Vorfall mit Draco an der Nasenspitze ansehen müsste.
Ein leises Räuspern ließ ihn herumwirbeln, und er sah sich einem ebenfalls bleichem Neville gegenüber, der ihn ernst betrachtete.
„Wir müssen reden, Harry", eröffnete Neville ihm.
Harrys Faust krampfte sich unbewusst um die blonden Strähnen, die er noch immer darin hielt. Waren sie etwa in der Nähe der Scheune gewesen? Hatten sie etwas gesehen?
„Ich bin wirklich müde, Neville", entgegnete Harry ausweichend – hoffend, diesem Gespräch irgendwie entgehen zu können.
Blinzelnd sah Neville erst zu Ron und dann wieder zu Harry, der erkannte wie sehr er den Jungen mit seinem abweisenden Verhalten verletzte.
„Es dauert nicht lange. Ich weiß, ich hätte das nicht tun dürfen", setzte Neville zögernd an, stockte kurz und betrachtete seine Schuhspitzen.
Harry brach der kalte Schweiß aus. Er war sich plötzlich sicher, was Neville als Nächstes sagen würde, wollte ihm schon über den Mund fahren, ihn zum Schweigen bringen... und brachte doch keinen einzigen Ton hervor.
„Ich habe wirklich nicht lauschen wollen, Harry, aber ich glaube, du solltest es wissen."
Kaum zuhörend, suchte Harry fieberhaft nach einer plausiblen Ausrede für das, was vorgefallen war.
„Sie wollen dir den Avada Kedavra beibringen, Harry", beendete Neville nach einem tiefen Atemzug seine kleine Rede.
Eiseskälte durchströmte Harrys Glieder. Suchte sich beißend ihren Weg bis in die hintersten Winkel seines Körpers. Seine Beine gaben nach. Jeder Gedanke an Draco verschwand, und die blonden Haarsträhnen entglitten achtlos seinen Fingern.
Dankbar für die Tür in seinem Rücken, lehnte er sich dagegen und rutschte daran herunter.
„Harry? Harry, alles okay mit dir?"
Ron sprang auf, die zitternden Schultern seines Freundes umfassend, murmelte er ihm beruhigende Worte zu, bis das Beben nachließ und Harry aufsah. Seine Augen glänzten hart und klar wie geschliffene Edelsteine im Kerzenlicht.
„Ich bin okay. Es war nur… es kam etwas überraschend. Aber es läuft doch darauf hinaus, oder? Ich hätte mir denken können, dass es früher oder später soweit ist."
„Aber…", setzte Neville an, „… aber das bedeutet…"
„Das ich töten muss", vollendete Harry den Satz kalt.
Zweimal...
„Ich bin froh, dass du es mir gesagt hast, Neville", fuhr er fort, als seine Freunde betroffen schwiegen.
Voldemort…
„Ich komm' schon damit klar. Macht euch keine Sorgen."
Harrys Stimme klang in seinen eigenen Ohren fremd und weit entfernt.
Und Snape…
„Ich werde es schaffen!"
Ohne seine Umgebung wirklich wahrzunehmen, flüsterte Harry grimmig immer wieder die gleichen Worte, wie ein düsteres Mantra:
„Ich werde diesen Bastard töten…"
Ron und Neville sahen unbehaglich auf Harry herab, der immer wieder diesen letzten Satz flüsterte. In beiden kroch Furcht hoch, beim Anblick von Harrys Gesicht, das zu einer empfindungslosen Maske erstarrt war.
Er bemerkte die Blicke seiner Freunde und presste die Lippen fest zusammen. Sie brauchten nicht zu wissen, dass er nicht nur von Voldemort sprach…
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Severus sah überrascht auf, als die Tür sich öffnete. Die Augen misstrauisch verengt, beobachtete er, wie Bellatrix lächelnd an seinen Schreibtisch trat. Das schwarze Kleid schmiegte sich eng an die Konturen ihres Körpers.
„Darf ich hereinkommen, Severus?"
Mit erhobener Augenbraue lehnte Severus sich zurück, seine Erleichterung darüber, dass nichts Verdächtiges auf seinem Schreibtisch lag, geschickt verbergend.
„Wie es aussieht, hast du das schon getan. Was verschafft mit dieses zweifelhafte Vergnügen?"
Eine schmale weiße Hand griff gespielt gelangweilt nach einem der Dokumente und ließ es, nach einem kurzen Blick darauf, uninteressiert fallen. Sich vorbeugend warf sie Severus einen feurigen Blick zu, und gewährte ihm gleichzeitig tiefe Einblicke.
„Warum so abweisend, Severus?"
„Warum so freundlich, Bellatrix?"
Mit einem dünnen Lächeln beobachtete er, wie Bellatrix sich von ihm abwandte, zum Fenster ging und in die Dunkelheit hinaussah.
„Ich weiß, dass du irgendetwas planst, Severus…"
Bellatrix verlieh ihrer Stimme ein leichtes Beben, das Severus mit einem verächtlichen Schnauben quittierte.
„Oh, nicht doch. Deine Verdächtigungen beginnen mich zu langweilen!"
„Nein! Keine Verdächtigungen."
Mit wenigen Schritten stand sie vor ihm, die hellblauen Augen fixierten verzweifelt Severus' unbewegtes Gesicht.
„Ich will dich unterstützen, bei dem was du planst. Ich ertrage das alles nicht länger", flüsterte sie heiser.
„Wie melodramatisch…"
„Du verstehst mich nicht!"
Ihre Finger krallten sich in die dunklen Roben, während Bellatrix vor ihm in die Knie sank. Ihr dunkles Haar umfloss ihr schmales Gesicht wie schwarzes Wasser.
„Du weißt nicht, wie es ist, seine Berührungen zu ertragen. Wie es ist, sein Spielzeug zu sein, sich benutzen zu lassen, wann immer er es wünscht! Ich halte das nicht mehr länger durch. Wenn du seinen Umsturz planst, und ich weiß, dass du es tust, dann möchte ich dir helfen, Severus."
Die schmalen Hände glitten tiefer, und ihre Stimme nahm einen verführerischen Klang an, als sie fortfuhr:
„Ich wäre bereit für meine Freiheit zu zahlen, Severus…"
„Hältst du mich wirklich für so dumm?", fragte Severus gleichgültig. „Mal abgesehen davon, dass ich an deiner Art der Bezahlung nicht im Geringsten interessiert bin; plane ich rein gar nichts, um den Dunklen Lord Schaden zuzufügen."
„Dann sollte ich dir vielleicht meinen Mann anbieten? Man munkelt so einiges über dich und deine Vorlieben…"
„Und ich dachte, der Gipfel der Geschmacklosigkeit wäre schon damit erreicht, dass du mir deinen welkenden Körper aufdrängen willst", entgegnete Severus liebenswürdig lächelnd.
Bellatrix fauchte, eine Hand zum Schlag erhoben, wütend auf. Doch Severus fing ihren Arm geschickt ab, verdrehte ihn und griff gleichzeitig in das schwarze Haar. Ehe Bellatrix sich versah, richtete er seinen Zauberstab auf sie:
„Expelliarmus!"
Schnell fing Severus den Holzstab auf, murmelte eine weitere Formel, und Seile schlangen sich um ihre schmalen Handgelenke. Alle falsche Freundlichkeit fiel von Bellatrix ab, wie Severus mit Genugtuung feststellte; ihr elegant geschnittenes Gesicht verwandelte sich in eine Maske des Hasses.
„Elender Bastard! Das wirst du mir büßen!"
„Vielleicht werde ich das", erwiderte Severus kalt. „Doch jetzt spielen wir dieses Spiel mit meinen Regeln. Warum bist du wirklich hier?"
„Das wüsstest du wohl gern, was?"
Bellatrix' Brust hob und senkte sich hektisch. Ihre lodernden Augen versprachen Severus die buchstäbliche Hölle, sollte er sie jetzt loslassen, doch der feste Griff in ihren Haaren verstärkte sich nur.
„Nein. Eigentlich ist es mir egal, aus welchem Grund du hier bist." Wieder klang Severus desinteressiert. „Was mich viel mehr interessiert ist, was dich glauben ließ, dass ich so dumm wäre, dir zu vertrauen."
Leise Wut schwang in seiner Stimme mit und entlockte Bellatrix ein höhnisches Lächeln.
„Jeder Mann hat seine Schwäche."
„So? Und du glaubst, die meine liegt zwischen meinen Beinen? Danke, aber ich lasse deine Zähne sicher nicht in die Nähe von etwas, was ich zu behalten gedenke."
Die Augen wütend zusammengekniffen, starrte Bellatrix den über ihr aufragenden Severus an. Er genoss ihre Groll und ihre Hilflosigkeit – und dies fachte ihren Zorn nur noch mehr an.
„Eine Frau sollte nichts unversucht lassen."
„Du hast nicht bedacht, dass ich deine Tricks kenne."
„Du weißt nicht einmal die Hälfte von dem, was du glaubst."
„Ah, jetzt machst du mich neugierig. Lass uns doch ein wenig… plaudern…"
„Ihm wird es gar nicht gefallen, wenn du mich verletzt!"
„Wenn er dich wirklich geschickt hat, werden ihn die paar Schrammen nicht stören. Wenn nicht – nun, dann wird er mir vielleicht dankbar dafür sein, dass ich sein Spielzeug wieder zur Vernunft gebracht habe."
Bellatrix' Gesicht verlor an Farbe. Sich wild aufbäumend, versuchte sie sich zu befeien und sank mit einem leisen Schmerzlauf in sich zusammen. Severus' Griff um ihren Arm hatte sich nicht gelockert.
„Du scheinst mich zu unterschätzen, meine Liebe. Du verlässt zu sehr auf deine Vermutung, ich gehörte der Seite des Lichts an. Glaubst du wirklich, ich wäre noch immer ein treuer Anhänger des Lords, wenn nicht auch in mir etwas Böses lauern würde?"
Severus Atem streifte Bellatrix' schweißnasse Stirn. Sie konnte ihren Blick nicht abwenden von diesen zwingenden Augen, die sich in die ihren bohrten.
„Du würdest mich nicht verletzten!", brachte sie mühsam über die Lippen. Mehr Hoffnung als Tatsache. „Du hältst dich bei Überfällen immer zurück." Ihre Stimme gewann an Sicherheit. "Du überlässt das Blutbad den anderen!"
Severus schmale Lippen verzogen sich höhnisch, als seine Finger grob an der dunklen Haarflut zogen, Bellatrix dazu zwingend, ihren Kopf in den Nacken zu werfen, um dem Schmerz zu entgehen.
„Vielleicht sehe ich einfach nur gern zu", raunte er.
Deutlich traten die bläulich schimmernden Adern an ihrem weißen Hals hervor. Ebenso deutlich konnte Severus den rasenden Puls sehen, der ihre Angst verriet.
„Niemand hier würde es wagen, Hand an mich zu legen!"
„Niemand? Ich denke, ich kenne jemanden, der sich eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen würde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Peter mehr als begeistert wäre, dich in die schmutzigen Finger zu bekommen…"
Bellatrix' Augen weiteten sich ungläubig.
„Das würdest du nicht wagen!"
„Nicht?"
„Ich stehe unter seinem Schutz! Du könntest es niemals rechtfertigen!"
„Oh, ich bin mir sicher, ein paar Tropfen eines starken Aphrodisiakums würden genügen, um dich ihm gefügig zu machen. Schließlich bist du eine leidenschaftliche Frau. Dann wäre ich nicht derjenige, der sich rechtfertigen müsste", erklärte Severus seidenweich.
Bellatrix schwieg. Ekel und ein Hauch von Furcht spiegelten sich auf ihrem Gesicht wieder. Abwartend beobachtete Severus sie und erhob sich seufzend, als Bellatrix keine Anstalten machte, sich kooperativ zu zeigen. Wortlos kritzelte er einige Zeile auf ein Pergament und brachte es zur Tür. Bellatrix den Rücken zukehrend, rollte Severus unbeobachtet eine kleine Phiole in die Nachricht ein, als wie aus dem Nichts eine abgemagerte Hauselfe erschien, den Brief mit einer tiefen Verbeugung entgegennahm und wieder verschwand.
Drückende Stille beherrschte den Raum, nur unterbrochen durch Bellatrix' keuchende Atemzüge. Zornig sah sie ihn an. Ihr ganzer Körper drückte Abscheu aus – und Furcht vor dem Kommenden.
Lächelnd setzte Severus sich wieder in seinen Sessel, vor dem Bellatrix noch immer kniete, um ihr über die bleichen Wangen zu streichen.
„Du musst Durst haben, Bellatrix…"
Die schlanken Finger gruben sich schmerzhaft in das weiche Fleisch ihres Gesichtes, zwangen die verkniffenen Lippen auseinander und eine klare Flüssigkeit benetzte ihre Zunge.
„NEIN!"
Wild schüttelte Bellatrix den Kopf, versuchte das verabreichte Mittel auszuspucken, das unaufhaltsam ihre Kehle hinabfloss. Mit fliegendem Atem, die stechenden Augen fest auf Severus' undurchdringliche Miene gerichtet, schien Bellatrix auf die unerträgliche Hitze zu warten, die sich ihres Körpers bemächtigen sollte und lachte plötzlich rau auf.
„Veritaserum! Du hast mir Veritaserum gegeben!"
„Gut erkannt…"
„Was willst du hören, widerliches Halbblut?"
„Sing einfach ein hübsches Lied für mich…"
„Du wurdest beobachtet, wie du nachts die Festung verlassen hast, ohne einen Auftrag erhalten zu haben. Solche Dinge machen ihn misstrauisch", würgte Bellatrix die verräterischen Worte hervor. Abscheu spiegelte sich in ihren Augen.
„Und sie erlauben es dir, deine Intrigen zu spinnen, um mich zu Fall zu bringen", fügte Severus nachdenklich hinzu.
„Ich habe dir noch nie getraut und jetzt schwindet auch das Vertrauen des Lords. Du bringst dich selbst zu Fall!", verkündete Bellatrix mit Genugtuung. „Allein dass du Informationen aus mir herauspresst, ist ein Beweis deines Verrates!"
„Nein. Nur ein Beweis, dass ich gerne weiß, was vor sich geht", entgegnete Severus gelassen.
In diesem Moment klopfte es leise, woraufhin dann Peters weinerliche Stimme zu vernehmen war:
„Du wolltest mich sprechen, Snape?"
Panik vernichtete jegliche Selbstbeherrschung Bellatrix'. Breitete sich auf ihrem Gesicht aus wie ein Waldbrand.
„Einen Augenblick noch!", rief Severus bestimmend, ehe er sich wieder flüsternd seinem Gegenüber zuwandte: „Was vermutet er noch?"
„Ich weiß es nicht." Bellatrix' Stimme überschlug sich. „Er spricht nie über das, was er denkt."
Wieder ein Klopfen, ungeduldiger diesmal.
„Das genügt mir nicht, Bellatrix!"
Schmerzhaft gruben sich seine Finger in das weiche Fleisch ihrer Wangen.
„Er will Lucius' Loyalität auf die Probe stellen! Doch du wirst einen Auftrag erhalten, um nicht eingreifen zu können. So sehr misstraut er dir inzwischen!"
„Wie will er Lucius testen? Und wann?"
„Ich weiß es nicht. Sobald er den passenden Köder hat…"
Bellatrix' Augen schwammen in Tränen der Wut und des Hasses. Severus ließ von ihr ab, als Peter ungeduldig rief:
„Was ist jetzt, Snape?"
„Du kannst hereinkommen."
„Nein!", keuchte Bellatrix entsetzt. „Ich habe dir alles gesagt, was du wissen wolltest!"
Die Tür öffnete sich, und Peter trat mit fragendem Gesichtausdruck ein. Als er Bellatrix sah hob er überrascht eine Augenbraue, schwieg jedoch.
Mit einem hintergründigen Lächeln löste Severus die Fesseln.
„Und ich halte mein Wort. Du kannst gehen, auch wenn es nicht viel war, was du mir sagen konntest."
„Du weißt, dass ich dich dafür töten werde!"
„Und du weißt, wen du soeben verraten hast…"
Taumelnd stand Bellatrix auf, ging rückwärts auf die Tür zu, stieß Wurmschwanz zur Seite und floh.
„Kannst du mir erklären, was hier vor sich geht?", fragte Peter, während er die Tür leise schloss. „Was zum Teufel soll diese Maskerade?" Unwillig deutete er auf seinen plumpen Körper.
„Oh, das diente nur dazu, um Bellatrix ein wenig in Panik zu versetzen, mein Freund. Das Veritaserum tat sein Übriges, um ihre Zunge zu lockern."
„Ich muss jetzt eine Stunde lang in der Gestalt von Rattenkopf mein Dasein fristen", schnaubte Lucius erbost. „Ich hoffe wenigstens, dass es sich gelohnt hat."
Nachdenklich trank Severus einen Schluck Wein, ehe er sagte:
„Ich denke, wir haben ein Problem…"
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Mit unbewegtem Gesicht hatte Harry McGonagall zugehört, als sie ihm mitteilte, dass er den Avada Kedavra lernen würde. Jetzt sah sie ihm ruhig entgegen, auf eine Antwort wartend, die seine Empörung, seine Abscheu und sein Widerstreben ausdrücken würde.
Nichts dergleichen geschah. Harry nickte nur leicht und ohne zu blinzeln, sah er ihr geradeaus in die Augen.
„Wann?"
„Jetzt. Remus Lupin wird ebenfalls anwesend sein", entgegnete Minerva. Sie verbarg ihre Überraschung, ob der ausbleibenden Reaktion.
„Gut. Ich bin bereit."
Minerva holte Luft, zu einer Frage ansetzend, doch dann nickte sie nur knapp und ging auf die Tür zu.
„Folgen Sie mir. Der Unterricht findet heute draußen statt."
Seine Umgebung wie durch Watte wahrnehmend, lief Harry hinter seiner Lehrerin her, versuchte nicht daran zu denken, was er gleich tun würde… tun musste. Seine Brust war zugeschnürt, ließ jeden Atemzug schmerzen, trotzdem war Harry entschlossen, diesen Weg zu gehen. Er würde es schaffen. Er würde ihnen beweisen, dass er stark sein konnte. Stark genug dafür!
Minerva warf Harry einen prüfenden Blick über die Schulter hinweg zu. Sie war zutiefst besorgt. Harrys Augen waren leer und glanzlos. Es beunruhigte sie, dass er scheinbar geradezu darauf gewartet hatte, diesen Fluch zu erlernen. War er wirklich stark genug, dieser Last standzuhalten, die ihm aufgezwungen worden war?
„Wir tun ihm damit Schreckliches an"
„Das Schlimmste. Doch haben wir eine Wahl?"
„Es muss einen anderen Weg geben! Ich bin nicht damit einverstanden!"
„Wenn du einen besseren Vorschlag hast, dann sag es!"
„Wir verraten ihn, verdammt!"
„Dessen bin ich mir bewusst."
„Er muss allerdings trainiert werden"
„Ich sehe nur diese eine Möglichkeit."
„Aber…"
„Ich bin mir sicher, dass er es übersteht!"
„Er wird daran zugrunde gehen!"
„Wir alle müssen Opfer bringen."
„Und das sagst ausgerechnet du?"
„Tu nicht so, als wüsstest du irgendetwas über mich!"
„Wie soll es überhaupt funktionieren?"
„Mit Glück, Täuschung und einem Köder…"
Greller Sonnenschein und drückende Hitze empfingen ihn, als er McGonagall ins Freie folgte. Harry nahm nichts davon wirklich wahr. Er sah nicht den grimmigen Zug der Verbitterung um Minervas Mundwinkel. Sah nicht die helle Sorge, welche Remus' Augen dunkel schimmern ließ, als sie ihm entgegentraten. Erst jetzt bemerkte Harry, dass sie sich auf dem alten Friedhof befanden. Ein bitterer Geschmack breitete sich auf seiner Zunge aus.
„Harry? Alles in Ordnung?", fragte Remus leise.
„Ja, mir geht's gut", entgegnete Harry schroff. „Können wir anfangen?"
Minerva tauschte einen kurzen Blick mit Remus, der zweifelnd den Kopf schüttelte.
„Du musst das nicht tun, Harry. Ich bin mir sicher, es gibt einen anderen Weg…"
„Nein! Es muss sein. Ich schaff' das schon." Harry versuchte, seine Stimme zuversichtlich klingen zu lassen, doch sie klang nur hohl und seltsam fremd. „Ich wusste schon lange, dass es darauf hinauslaufen würde. Professor Dumbledore hat mir gesagt, dass ich Voldemort töten muss. Ich bin bereit."
Minerva abwartend ansehend, holte Harry langsam seinen Zauberstab hervor.
„Also, wie funktioniert es?"
Minervas räusperte sich kurz, als sie den harten Ausdruck auf Harrys Gesicht sah.
„Es ist nicht damit getan, die Worte nur auszusprechen", begann sie zögernd. „Sie müssen es wollen. Ähnlich wie beim Cruciatus, müssen Sie sich wünschen, Ihrem Gegner Schaden zuzufügen."
Harry dachte daran, was Voldemort getan hatte. Daran, dass er nur seinetwegen nie seine Eltern hatte kennen lernen können. An Cedric. Sirius. Nevilles Eltern. All jene zahllosen gesichtslosen Muggel, die für falsche Ideale hatten sterben müssen.
„Das sollte kein Problem sein", murmelte Harry halblaut, den aufgewühlten Blick Minervas ignorierend. „Wie geht's jetzt weiter?"
Wortlos beschwor Minerva einen großen Spiegel herauf. Seine Oberfläche erinnerte an Samt: Ein mattes, lichtschluckendes Schwarz.
„Dieser Spiegel wird den Fluch absorbieren. Zielen Sie sorgfältig, Mr. Potter", erklärte Minerva gepresst.
Sie beobachtete den Jungen währenddessen genau. Die distanzierte Art und Weise, mit der Harry diese Sache anging, hinterließ ein schmerzhaftes Ziehen in ihrer Brust. Wieder tauschte sie einen kurzen Blick mit Remus, der sehr blass wirkte.
Ohne darüber nachzudenken, was er tun würde, hob Harry seinen Zauberstab, sich auf den Hass konzentrierend, der in seinem Inneren brodelte. Dunkel und glühendheiß wie ein träger Lavastrom, und ebenso vernichtend. Als er den Mund öffnete, glitten die Worte ekelerregend leicht über seine Lippen:
„Avada Kedavra!"
Ein schwacher grünschimmernder Lichtschein brach aus der Spitze seines Zauberstabes hervor, ließ die glatte Oberfläche des Spiegels zittern, ehe die tödliche Magie von der undurchdringlichen Schwärze verschluckt wurde.
„Das war… erstaunlich…" Minervas Stimme war nur ein Krächzen. „Aber ich denke…"
„Avada Kedavra!"
Diesmal war das Licht heller, kräftiger und Harry verspürte grimmige Genugtuung.
„Mr. Potter, ich denke, das reicht für heute!" Ein Anflug der Panik schwang in Minervas Stimme mit – es erschreckte sie maßlos, dass Harry ausgerechnet diesen Zauber so schnell erlernte.
„Ich beherrsche den Spruch. Jetzt muss ich nur noch wissen, ob ich ihn effektiv anwenden kann!"
Wieder klang Harrys Stimme wie die eines Fremden und Minerva spürte, wie sich ihre Nackenhaare aufstellten.
„Für heute ist es genug!", erklärte Remus bestimmend, doch Harry schüttelte wild den Kopf.
„Ich muss wissen, ob es funktioniert! Ob ich es schaffen kann, ob ich gut genug bin!"
„Du bist noch nicht soweit."
„Doch!"
Remus griff nach Harrys Arm. Die Sorge über das Verhalten des Jungen schien ihn alles andere vergessen zu lassen, als sich Minerva plötzlich zwischen sie schob, und Harry mit einem durchdringenden Blick ansah.
„Wenn Sie es so haben wollen, Mr. Potter…", begann sie leise.
Ein rasselndes, bedrohliches Knurren kam tief aus Remus' Kehle, als er sich einmischte:
„Nein! Das ist nicht der richtige Zeitpunkt für eine deiner Lektionen!"
„… werden Sie Ihren Willen bekommen", fuhr Minerva fort, ohne auf Remus zu achten.
Sie zog eine Teetasse aus einer Tasche ihrer Robe und verwandelte sie in einen Raben. Die dunklen Augen des Tieres musterten sie argwöhnisch, als Minerva es vor den Spiegel setzte.
Remus' Atem ging schnell und unregelmäßig, als er sich wutentbrannt vor Harry stellte und Minervas Blick suchte.
„Es ist noch zu früh!"
„Mr. Potter scheint anderer Meinung zu sein, Remus. Also geh' beiseite", entgegnete Minerva eisig.
Für einen Moment sah es so aus, als wolle Remus sich weigern, sein Körper spannte sich, wie zum Sprung bereit. Beinahe greifbare Spannung bereitete sich auf dem alten Friedhof aus, während die Ordensmitglieder sich anstarrten – sich gegenseitig ihren Willen aufzwingen wollten. Harry hielt unbewusst den Atem an, als er sah, wie unermesslicher Zorn Remus' Augen flackern ließ. Dann trat der Wehrwolf mit zusammengebissenen Zähnen einige Schritte zur Seite.
„Also schön…"
Minerva betrachtete Harrys Gesicht, aus dem jede Farbe gewichen war. „Töten Sie diesen Vogel", befahl sie.
Harrys Hand zitterte, als er den Zauberstab auf den Raben richtete, dessen dunkle Augen ihm klar und ruhig entgegensahen.
„Töte den Überflüssigen!"
Kalter, klebriger Schweiß brach auf Harrys Haut aus, ließ den Stab in seiner Hand ins Rutschen geraten. Seine Finger schlossen sich fester um das warme Holz.
„Geh zur Seite, du dummes Mädchen!"
Der Atem entwich seiner zugeschnürten Kehle mit einem zischenden Geräusch. Seine Hand zitterte stärker…
„Bitte… Severus…"
… verwandelte sich vor seinem inneren Auge in eine andere, blassere Hand, die ebenso bebte. Der Rabe breitete raschelnd die Flügel aus.
„Avada Kedavra!" Und Cedric stürzte.
"Avada Kedavra!" Und die Augen seiner Mutter brachen.
„Avada Kedavra!" Und Dumbledore fiel.
Der Rabe erhob sich mit einem unmelodischen Krächzen in die Luft, während Harry mit einem trockenen Würgen in die Knie sank.
Mit einem Schritt war Remus an seiner Seite, er presste die Lippen zusammen, als er die Leere in Harrys Augen bemerkte, die unfokussiert hin und her glitten, gefangen in düsteren Erinnerungen.
„Es ist gut, Harry. Alles ist gut. Wir finden einen anderen Weg!", murmelte er dem zitternden Jungen beruhigend zu, während sein Blick Minerva eine wütende Botschaft schickte, die besagte, dass sie diesmal zu weit gegangen war.
Ein harter Zug grub sich in Minervas Mundwinkel, als sie betrübt den Kopf schüttelte.
„Remus…"
„Wir finden eine Alternative!", zischte er sie an. „Es wird nicht nötig sein, ihn dies durchmachen zu lassen."
Er zog Harry auf die Beine, warf Minerva noch einen letzten wütenden Blick zu, und brachte den verstörten Jungen zum Kloster zurück.
Nachdenklich betrachtete Minerva ihre Hände. Ihre Fingernägel hatten sich in die Handflächen gegraben, grellrote Halbmonde hinterlassend.
„Wir tun ihm damit Schreckliches an", flüsterte sie erstickt und wie aus weitere Ferne schien eine ruhige Stimme zu antworten:
„Das Schlimmste. Doch haben wir eine Wahl?"
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Remus brachte Harry zu Ron und Hermine, die unruhig in Harrys Zimmer warteten. Rons Gesicht wurde blass, sodass die Sommersprossen dunkel hervortraten, als er seinen Freund sah.
„Was ist passiert?", fragte er heiser und sprang auf.
„Der Unterricht ist aus den Fugen geraten. Kümmert euch um ihn, bis ich zurück bin!", murmelte Remus mühsam beherrscht, ehe er aus dem Raum stürmte.
Ron führte Harry zu seinem Bett, drückte ihn an den Schultern herunter, bis er darauf zu sitzen kam. Er sah Hermine hilflos über Harrys Kopf hinweg an. Sorge schnürte ihm die Brust zu, als er beobachtete, wie Hermine eine Hand auf Harrys Arm legte. Ein dünner Schweißfilm lag auf Harrys Stirn, sammelte sich an der bebenden Oberlippe.
„Was ist wirklich passiert?", fragte sie sanft.
Harry blickte auf, tiefe Verzweiflung lag in seinem Blick, als er antwortete:
„Ich habe versagt…"
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Remus riss die Tür zu Minervas Büro wütend auf, nur um sie gleich darauf hinter sich zuknallen zu lassen. Er achtete nicht auf Alastor, der ihn, an eine Wand gelehnt, abwartend beobachtete. Seine Handflächen landeten hart auf der Schreibtischplatte, als er Minervas undurchdringliche Miene fixierte.
„Was hast du dir dabei gedacht?", fauche er wütend. „Wolltest du ihm wieder seine Grenzen aufzeigen? Gratulation, das hast du geschafft!"
„Es ging um nichts dergleichen, Remus. Und das weißt du auch."
„Ich hatte dir gesagt, dass es zu früh wäre! Er ist noch nicht soweit."
„Die Zeit läuft uns davon, Remus."
„Ihr seid nur allzu bereit, ihn zu opfern. Doch ich bin es nicht. Wir finden eine andere Möglichkeit", erklärte Remus erzürnt.
„Und welche?", fragte Alastor ruhig, der bis dahin nur zugehört hatte, ohne sich einzumischen.
„Jemand anderes muss es tun. Irgendwer, aber nicht Harry. Ich lasse das nicht zu!"
„Und wie soll das funktionieren?", fragte Minerva beherrscht. „Wir waren uns einig…"
„Aber jetzt sind wir es nicht mehr!", unterbrach Remus sie hitzig. „Harry wird diesen Fluch nicht lernen, geschweige denn benutzen!"
Minerva erhob sich langsam, ihre Augen zu wütenden Schlitzen verengt.
„Und wie willst du das verhindern?"
„Wenn es sein muss bringe ich ihn von hier fort!"
Alastor sog scharf die Luft ein, schwieg jedoch ebenso wie Minerva und Remus, die sich mit Blicken bekämpften.
„Du würdest uns verraten?", fragte Minerva schließlich leise.
„Ja."
„Du weißt, welches Risiko wir eingehen, wenn jemand anderes es versucht."
„Ich bin bereit es einzugehen."
Minerva betrachtete Remus' entschlossenes Gesicht. Er würde nicht nachgeben, also nickte sie müde.
„Also gut. Wir finden einen anderen Weg…"
Remus' Schultern sackten erleichtert herab, als er die Augen schloss, zitternd ausatmend. Er bemerkte den kurzen Blickwechsel zwischen Minerva und Alastor nicht.
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Inzwischen hatte Harry sich soweit gefasst, dass er seinen Freunden erzählen konnte, was vorgefallen war. Stockend zuerst, dann immer schneller, als wollten die Worte mit Macht seine Lippen verlassen. Die Mauer des Selbstschutzes, die er um sich aufgebaut hatte, fiel, und ließ das Gefühl des Versagens zurück. Doch genau dies weckte seinen Ergeiz.
Hermine blickte ihn besorgt an, schluckte hart, als Harry bitter erklärte:
„Beim nächsten Mal werde ich es besser machen. Ich werde mich im Griff haben!"
„Das wird nicht nötig sein, Harry", ertönte Remus' ruhige Stimme. Er schloss bedächtig die Tür hinter sich und setzte sich neben Harry auf das Bett. „Du wirst den Unverzeihlichen nicht lernen müssen."
„Was soll das heißen?", fragte Harry keuchend. „Ich muss es können! Ich muss einfach!"
„Nicht, wenn es einen anderen Weg gibt. Und es gibt immer einen", erwiderte Remus lächelnd. Alle Wut schien wie weggeblasen. Er schien so ausgeglichen wie eh und je.
Harry sprang auf, sah Remus fassungslos an, während die Worte in seinen Verstand vordrangen.
„Es gibt keinen anderen Weg!", seine Stimme überschlug sich. „Kennst du diese verdammte Prophezeiung überhaupt? Ich kann dir den wirklich wichtigen Teil aufsagen: Und der Eine muss durch die Hand des Anderen sterben! Es gibt keine andere Möglichkeit!"
„Prophezeiungen müssen sich nicht bewahrheiten, Harry", antwortete Remus gelassen und stand auf. „Du wirst diesen Fluch nicht benutzen müssen, darüber sind wir uns jetzt einig."
„Aber ich nicht!" Harrys Wangen überzogen sich mit Zornesröte. „Ich bin derjenige, der ihn töten muss!"
„Nein!", sagte Remus laut. „Du wirst den Todesfluch nicht lernen. Niemand hier wird dir beibringen zu töten!"
Fassungslos starrte Harry Remus an, nicht glaubend, was er soeben gehört hatte.
„Und wie soll ich Voldemort besiegen, wenn ich ihm gegenüberstehe?", schrie er seine Wut heraus.
Remus sah ihm ruhig entgegen.
„Dazu wird es gar nicht erst kommen. Glaub mir, Harry, es ist besser so", sagte er und verließ den Raum.
Wie betäubt sah Harry die geschlossene Tür an. Seine Fäuste öffneten und schlossen sich zitternd.
„Harry…", begann Hermine unsicher. Sie trat einen Schritt auf ihn zu, wollte nach seinem Arm greifen, doch Harry schüttelte wild den Kopf.
„Das können die nicht machen!", zischte er und rannte aus dem Zimmer.
„Harry, warte!", riefen Ron und Hermine gleichzeitig. Sie sahen sich an und liefen hinter ihrem Freund her.
Heiße Tränen der Wut blendeten Harry fast, als er in Minervas Büro stürmte, ohne vorher anzuklopfen.
„Ich muss den Avada Kedavra können! Und Sie wissen das!", schrie er seine Lehrerin unbeherrscht an. „Sie können mich nicht so abspeisen!"
„Das tun wir auch nicht. Wir schützen Sie nur", antworte Minerva erschöpft. „Es lohnt sich nicht, darüber zu diskutieren. Kein Mitglied des Ordens wird Sie in dieser speziellen Disziplin weiter unterrichten."
Harrys Blick wurde berechnend.
„Dann werde ich es mir selbst beibringen!"
Minerva lächelte nur und senkte die Spitze ihrer Feder wieder auf das beschriebene Pergament.
„Haben Sie mich nicht gehört? Ich werde ihn mir selbst beibringen!", schrie Harry. Er stand kurz davor, das Schriftstück fortzureißen, um ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu erlangen.
„Nein, ich habe Sie nicht gehört", entgegnete Minerva gelassen.
Die Feder wurde sacht in das bereitstehende Tintenfass getunkt, als Harry in Fassungslosigkeit erstarrte.
„WAS?"
„Wenn ich Sie nicht gehört habe, weiß ich nichts von Ihren Plänen, Mr. Potter", erklärte McGonagall ausdruckslos. „Wenn ich nichts davon weiß, kann ich Sie auch nicht davon abhalten…"
Erst jetzt sah sie ihn an. Die Augen hinter der Brille funkelten hart und klar. Und Harry verstand. Abrupt drehte er sich um, sah seine Freunde keuchend in der Tür stehen und ging auf sie zu.
„Also bin ich auf mich allein gestellt?", fragte er, ohne sie anzusehen.
„Niemand vom Orden wird Ihnen helfen. Und sie sollten nachts üben, Mr. Potter. Ich denke, die alte Scheune wäre ein passender Ort…"
Überrascht keuchend wirbelte Harry herum, sah den wissenden Ausdruck auf Minervas Gesicht, und flammende Hitze überzog seine Wangen.
„Danke", antwortete er heiser. „Ich habe verstanden."
Nachdenklich ging er an Ron und Hermine vorbei, ohne sie anzusehen. Seine Schritte beschleunigten sich, je näher er dem Speisesaal kam, beinahe rannte er. Doch dann spürte er, wie sich eine Hand um seinen Arm schloss, ihn zum stehen bleiben zwang. Er blickte direkt in Rons verwirrtes Gesicht.
„Kannst du uns jetzt mal verraten, was hier los ist? Verdammt, Harry, rede mit uns!"
„Du hast sie doch gehört", antwortete Harry düster „Keiner vom Orden wird mir helfen."
„Ja. Und warum rennst du jetzt wie ein Irrer durch das Kloster?"
„Ich muss jemanden finden, der den Unverzeihlichen beherrscht, und mir zeigt wie man tötet."
„Ja aber…", setzte Ron an, wurde jedoch von Hermine unterbrochen, die keuchend nach Harrys Hemd griff.
„Nein! Harry, das kannst du nicht tun!"
Harry erwiderte schief grinsend ihren panischen Blick, mit aller Ruhe die er plötzlich fühlte.
„Es wird meinem Stolz zwar das Genick brechen, aber ich muss es wenigstens versuchen", sagte er sanft. „Und wenn keiner von der Guten Seite mir helfen will, muss ich mich eben an die andere Seite wenden…"
Ron war sehr blass geworden, als das letzte Puzzlestück an seinen Platz rutschte.
„Du willst…"
„… Malfoy um Hilfe bitten", vollendete Harry grimmig seinen Satz.
Tbc…
