Vielen Dank an:

Zissy: Und Harry liebt Draco… g Er weiß es nur noch nicht ;o)

AmyBlack: Ich??? Meine Leser in die Irre führen? Würde ich nie tun gg Und wir kommen der Harry und Draco Sache schon sehr viel näher ;o)

FirstKiss: Bald gibt es ganz viel Megan g Ich habe noch Großes mit ihr vor ;o) Und mit Draco geht's demnächst bergauf. Versprochen g

Und ein großes Dankeschön an meine Betaleser: Alraune (für die inspirierenden ICQ Gespräche) und BlackPriestess (Die mir so oft einen Schups in die richtige Richtung gibt und ab und an Muse spielt g)

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Wie der Vater, so der Sohn?

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Immer wieder sah Remus unruhig aus dem Fenster. Die Sonne stand tief. Am Himmel zeigten sich bereits die ersten roten Schlieren, die das helle Firmament wie blutende Wunden durchsetzten.

Remus erschauderte: Bald war es soweit.

Der Erdtrabant zerrte schon jetzt an seinen Nervenenden, ließ sie im uralten Rhythmus vibrieren. Erhitzte Blut und Gemüt, narrte seinen Verstand, sodass er seine Schläfen massierte, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

Die Bestie lauerte schon in ihm. Darauf wartend, dass er die Kontrolle verlor, sie jagen ließ, sich selbst vergaß…

Er konnte Harry erkennen, der mit gesenktem Kopf an eine Weide lehnte und, halb verdeckt von den herabhängenden Ästen des Baumes, ein kleines Mädchen beobachtete. Die Kleine redete ihrerseits lebhaft mit einer Person, die sich außerhalb von Remus' Sichtfeld aufhielt.

Lächelnd betrachtete Remus den Jungen, spürte die Erleichterung darüber, dass er ihn davor hatte bewahren können, in Lebensgefahr zu geraten. Das Lächeln vertiefte sich, als er an die aufgebrachten Blicke, die zusammengepressten Lippen dachte, mit denen Harry ihn seit jenem Tag bedachte.

Remus nahm es in Kauf. Hatte er durch sein Handeln doch wesentlich Schlimmeres abgewehrt.

Die Tür öffnete sich und Remus wandte sich von Harrys Anblick ab, um Moody zu begrüßen. In Alastors zerfurchtem Gesicht konnte er aufrichtige Anteilnahme erkennen. Es half ihm, das Tier noch ein wenig länger zu bezähmen.

„Bist du soweit?"

Sich die feuchtkalten Handflächen an der Hose abwischend, nickte Remus und folgte dem älteren Mann in den Keller. Die abgetretenen Treppenstufen, von schlüpfrigem Moos überzogen, zeugten von dem Alter der Katakomben.

„Es ist nur hier oben so feucht. Muss irgendwie mit dem seltsamen Lüftungssystem zusammenhängen", erklärte Moody, während er, sich an die Fugen klammernd, seinen Weg in die Tiefe ertastete. „In den Vorratskellern ist es trocken. Nur im Winter könnte es ungemütlich werden. Die haben vergessen, Kamine einzubauen."

Lächelnd folgte Remus der glühenden Zauberstabspitze Alastors, die zitternde Schatten an die Wände malte. Der saloppe Ton sollte ihn wohl beruhigen oder aufmuntern. Im Stillen dankte er Alastor für den Versuch.

Es war tatsächlich trocken, als sie ihr Ziel erreicht hatten. Remus' empfindliche Nase konnte zwar noch immer den unterschwelligen Geruch nach Schimmel und Fäulnis wahrnehmen, der aus den Wänden strömte, doch er war nur zu gern bereit, solche kleinen Unbequemlichkeiten in Kauf zu nehmen.

Der Raum war nicht sehr groß und wurde beinahe komplett von den Gitterstäben eines Käfigs eingenommen. Gemacht für ein Tier. Für ein Tier, wie er eines war.

Alastor kratzte sich unbehaglich hinter dem Ohr.

„Nicht sehr hübsch, ich weiß. Diese Stahlkäfige benutzt Charlie Weasley, um Drachen einzusperren. Er war so nett, uns ein Exemplar zu überlassen. War gar nicht einfach, das Ding ins Land zu schmuggeln."

„Es ist gut", antwortete Remus, sich zu einem Lächeln zwingend. „Ich war schon in wesentlich unangenehmeren Räumlichkeiten eingesperrt."

Für einen Moment legte er eine Hand auf Alastors Arm, wortlos seine Dankbarkeit zeigend, dann betrat er den Käfig. Er schloss seine Augen, als die massiven Stäbe ihn mit harter, matt-grauer Endgültigkeit umgaben.

„Vergiss nicht, die Tür zusätzlich zu sichern", sagte Remus rau, während er aus seiner Robe schlüpfte. „Nur für den Fall, dass der Käfig mich nicht halten kann."

Alastor brummte nur unbestimmt, und Remus fuhr herum. Seine Augen brannten sich in die des Ex-Aurors.

„Versprich mir eines, Alastor. Wenn ich… wenn ich es schaffen sollte, zu entkommen…"

„Dann werde ich dich aufhalten", vollendete Alastor mit brüchiger Stimme den Satz.

Remus nickte erleichtert. Er vertraute Moody, auch wenn der Geruch, den der alte Mann in letzter Zeit verströmte, ihn ein wenig irritierte. Seit diesem Gespräch mit Minerva über die Änderung der Pläne. Es war fast wie damals, als James…

„Soll ich so lange bleiben, bis die Verwandlung einsetzt?", riss Alastor ihn aus seinen Gedanken.

Unwillkürlich schlang Remus die Arme um seinen Körper, der noch von dem zerschlissenen Hemd bedeckt wurde.

„Nein. Ich… wäre lieber allein."

Ein letzter mitfühlender Blick Alastors traf ihn, dann humpelte der andere Mann aus dem Raum und überließ Remus sich selbst. Er hörte die gemurmelten Worte nicht, doch das sanfte Glühen, welches von der Tür verströmt wurde, verriet ihm, jetzt doppelt eingeschlossen worden zu sein.

Raschelnd fiel das Hemd zu Boden; außerhalb der Stäbe, damit er es nicht doch noch ganz zerstörte. Remus mied den Anblick seines vernarbten Körpers schon lange nicht mehr, aber zur Schau stellen musste er ihn auch nicht. Und Alastor war nicht Sirius.

Es war kühl in den Kellern des Klosters, aber das war nicht der Grund, aus dem Remus jetzt erschauerte. Sirius. Es schmerzte entsetzlich, an ihn zu denken. Dennoch tat Remus es. Jeden Tag. Wie ein dunkler Sog kreisten seine Gedanken unablässig um Sirius.

Bitter lächelnd dachte er daran, wie Alastor sie am Grimmauldplatz erwischt hatte. Vor dem alten Kamin im Wohnzimmer, als sie gedacht hatten, alle anderen schliefen schon. Es war das erste Mal, dass er den Auror sprachlos erlebt hatte. Sprachlos und verlegen. Doch er hatte nie wieder ein Wort darüber verloren – nicht bis zu jener Nacht, in der sie Draco gefunden hatten.

Zitternd holte Remus Luft: Er brauchte kein Fenster, um zu erkennen, dass seine Zeit gekommen war.

Ein Ruck ging durch seinen Körper, ein ziehender Schmerz, unendlich vertraut, unsagbar verhasst. Remus biss die Zähne zusammen, als die Metamorphose einsetzte, versuchte die Qual zu verdrängen, mit der sich seine Knochen verformten. Keuchend knickte er vornüber, sah, wie sich seine Hände zu Krallen verformten, was ihn veranlasste, die Augen schnell zu schließen.

Er spürte das borstige Fell wachsen, wälzte sich knurrend auf dem Boden, um diesem Brennen zu entgehen, mit dem sein Blut ihn von innen heraus verbrannte. Sein glühender Blick richtete sich auf die Stäbe des Käfigs. Sie hielten ihn fern von dem Leben, das hinter der Tür pulsierte.

Er konnte es spüren. Konnte es wittern. Und sein Körper bebte vor Gier. Seine Klauen gruben sich in den Boden; uralten Lehm aufreißend, stieß er sich ab. Er wollte jagen. Seine Zähne in weiches, nachgiebiges Fleisch schlagen. Sich am Blut seiner Beute betrinken…

Der massige Leib krachte mit einem ekelerregenden Geräusch gegen die Gitter. Der Werwolf fauchte völlig außer sich, als sie ihm standhielten.

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Die Tür beobachtend, den Zauberstab für alle Fälle erhoben, saß Alastor auf einem Stuhl und lauschte dem zornigen Treiben des Wehrwolfs, der bis gerade noch Remus Lupin gewesen war. Sein magisches Auge betrachtete den dunklen Flur, der hinter ihm lag – er wollte Remus nicht in seinem Wahnsinn beobachten, ihm reichte, was an seine Ohren drang.

Remus brüllte auf; daraufhin hörte Moody, wie etwas Schweres gegen Metall donnerte. Sein magisches Auge rotierte, blickte kurz ins Innere des Raumes, und sah den Werwolf frustriert sein eigenes Fleisch zerfetzen. Schnell wandte Alastor seinen Blick wieder ab. Seufzend wischte er sich mit einer Hand über das Gesicht, vergeblich versuchend, eine halbwegs bequeme Position zu finden.

Nährkommender Lichtschein warf flackernde Schatten an die Wände, was Alastor veranlasste, sich erneut wachsam aufzurichten.

„Wer da?"

Eine Gestalt löste sich aus den Schatten, eine Laterne in der einen, ein kugeliges Tongefäß in der anderen Hand.

„Neville, Sir. Neville Longbottom."

Alastor runzelte die Stirn, und betrachtete Nevilles blasses Gesicht aufmerksam. Er hatte die Longbottoms sehr gut gekannt, ihrem Sohn jedoch hatte er bis jetzt nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Hinter der Tür tobte Remus in seinem Gefängnis mit ohrenbetäubender Lautstärke.

„Du solltest nicht hier unten sein, Junge."

„Ich weiß", setzte Neville zu Boden blickend an. „Ich wollte Sie bitten, Mr. Lupin das hier zu geben." Er reichte Alastor den Topf und fuhr hastig fort: „Es ist eine Heilsalbe. Mr. Lupin wird sie gebrauchen können…"

Alastor nahm dieses ungewöhnliche Präsent an sich. Nachdenklich legte er den Kopf ein wenig schief – die Art, wie Neville es vermied, ihn anzusehen, machte ihn stutzig.

„Ich bin mir sicher, dass Remus dir sehr dankbar sein wird."

Erst jetzt sah Neville auf. Seine Augen flackerten, doch es könnte genauso gut das Licht der Laterne gewesen sein, denn gleich darauf war sein Blick wieder ausdruckslos.

„Richten Sie ihm meine Grüße aus… bitte…"

„Das werde ich."

Mit einem Nicken wandte Neville sich ab und verließ den Keller. Moody starrte ihm mit gemischten Gefühlen nach. Er konnte nicht genau erfassen, was es war, aber etwas an dem Jungen beunruhigte ihn zutiefst.

Ein weiteres Brüllen von Remus riss ihn aus seinen Gedanken. Seufzend stellte er den Tontopf zu Boden, sich erneut an die Steinwand lehnend, deren Kälte bis an seine Knochen drang.

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Die Nacht brach herein, als Draco, gefolgt von Megan, ins Kloster ging. Harry verharrte noch eine Weile in seinem Versteck. Er hatte fasziniert beobachtet, wie Draco in Megans Gegenwart langsam aufgetaut war. Die Erinnerung an die Art, wie Malfoy das Mädchen angelächelt hatte, versetzte Harry einen unangenehmen Stich in der Magengegend. Er hatte den Slytherin noch nie so entspannt… so menschlich erlebt.

„Hey, Harry!"

Ertappt fuhr Harry zusammen, als er Rons Stimme hinter sich hörte. Er drehte sich zögernd um, ein misslungenes Grinsen auf den Lippen.

„Hey…"

„Du hast dich ja gut versteckt", verkündete Ron fröhlich, und ließ sich aufseufzend ins Gras fallen. „Was machst du hier eigentlich?"

„Nachdenken."

„Du siehst nicht gut aus, Harry", stellte Hermine nach einem prüfenden Blick in sein bestimmt recht blasses Gesicht fest. „Wann hast du das letzte Mal geschlafen? Ich meine, richtig geschlafen."

Achselzuckend pflückte Harry einige Grashalme, und ließ sie durch seine Finger gleiten.

„Wie soll er auch vernünftig schlafen, wenn er sich so oft mit Malfoy rumärgern muss?", antwortete Ron an Harrys statt. „Heute Nacht hattest du wieder Albträume, stimmt's?"

Undeutlich brummend senkte Harry seinen Kopf, bis ihm die Haare über die verräterisch erhitzten Wangen fielen.

Ron hatte Recht: Er hatte geträumt. Allerdings nicht von Schatten und Blut, sondern von einem Gespinst feinster blonder Haare unter seinen Fingern. Und er war schwer atmend erwacht, mit klopfenden Herzen, begleitet von einem schmerzhaften Ziehen in seinen Leisten.

„Ich hab' dich stöhnen gehört", fuhr Ron fort. Harry biss sich vor Schreck fast die Zunge ab. „Muss ein schlimmer Traum gewesen sein."

„Ja... sehr schlimm", antwortete Harry heiser, während er unter der kritischen Musterung Hermines immer kleiner wurde.

„Ich glaube, dir wächst die ganze Sache langsam über den Kopf", begann sie zögernd. „Vielleicht solltest du doch auf Lupin hören..." Sie hob beschwichtigend eine Hand, als Harry missmutig die Stirn runzelte. „Warte noch, ehe du über mich herfällst. Ich weiß, dass du gerade eine schwierige Zeit durchmachst."

Harry presste die Lippen zusammen, damit er nicht laut herauslachte; er machte tatsächlich gerade eine verdammt schwierige Zeit durch. Immerhin bekam er Draco kaum noch aus seinem Kopf. Er beobachtete ihn heimlich. Bei Merlin, er träumte von dem Kerl! Schwierig war noch untertrieben.

„Aber wenn ich dich so anschaue... Harry, du siehst furchtbar aus! Und wir machen uns Sorgen um dich", fuhr Hermine fort, dabei seine kalten Hände ergreifend. „Leg eine Pause ein."

„Ja, und hör auf, dich mit Malfoy zu treffen", fügte Ron grimmig hinzu. „Drei Mal in der letzten Woche. Davon würde ich auch Albträume bekommen."

Hart schluckend starrte Harry auf die weißgraue Rinde der Weide; das schlechte Gewissen nagte an ihm. Er hatte weder Ron noch Hermine anvertraut, dass er sich nicht nur drei Mal, sondern jede Nacht mit Draco in der Scheune getroffen hatte. Dass er sich davongeschlichen hatte, wenn Rons Schnarchen in ihrem Zimmer erklungen war... Und er wusste selbst nicht, warum er sie nicht einweihte.

„Ich mache Fortschritte. Vielleicht ist bald gar keine Zusammenarbeit mit Malfoy mehr nötig."

Er setzte sich neben Ron, um Hermines Blicken auszuweichen. Sie schien nicht überzeugt, doch Ron schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter.

„Das wäre echt das Beste. Ich bin ja immer noch sicher, dass er nur eine günstige Gelegenheit abwartet, ehe er zuschlägt, und wer weiß was mit dir macht!"

Nur mit Mühe unterdrückte Harry ein entnervtes Stöhnen – er interpretierte in letzter Zeit einfach zuviel Zweideutigkeit in Rons Worte hinein.

„Wirst du dich heute mit ihm treffen?", fragte Hermine ruhig. Ihre Augen schienen Harry regelrecht durchleuchten zu wollen.

„Nein."

Die Lüge glitt ihm mühelos über die Lippen, jedoch sah er schnell zur Seite, damit Hermine sie nicht von seinem Gesicht ablesen konnte. Ein wenig verblüfft bemerkte er Rons rote Wangen.

„Wir wollen uns den alten Glockenturm ansehen", erklärte Ron, eine noch dunklere Rotschattierung annehmend – Harry hätte sich nicht gewundert, wenn aus dessen Ohren plötzlich Rauch aufgestiegen wäre. „Willst du uns begleiten?"

Ein Blick in Hermines Gesicht bestätigte Harrys Vermutung, mehr als überflüssig zu sein, und so schüttelte er grinsend den Kopf.

„Ich werde noch ein wenig hier sitzen bleiben, und dann früh ins Bett gehen. Ihr werdet sicher auch ohne mich Spaß haben."

Kaum waren die Worte heraus, hätte Harry sie am liebsten wieder zurückgenommen. Hermines Augen sprühten Gift und Galle.

„Äh... so meinte ich das gar nicht, also ich..." Sein Gestotter entschärfte die Situation keineswegs, Hermines Augen wurden nur noch schmaler.

„Wie meintest du es dann?"

Harry suchte fieberhaft nach einer Antwort – einer möglichst unverfänglichen – als Ron ihn vor Hermines Zorn rettete, indem er grinsend aufsprang.

„Okay, wir sehen uns dann später", sagte er lachend, griff errötend nach Hermines Hand, das braunhaarige Mädchen hinter sich herziehend.

Aufatmend lehnte Harry sich zurück, und wartete darauf, dass Mitternacht näher rückte. Der Mond stand voll am Himmel; Harry beschlich leichtes Unbehagen. Seine Gedanken waren bei Remus, und sein schlechtes Gewissen regte sich. Harry belog nicht nur zwei seiner Freunde...

Doch warum spielte McGonagall mit? Sollte sie nicht auf Remus' Seite stehen? Warum diese Heimlichtuerei? Wenn sie unbedingt wollte, dass er diesen Fluch lernte, hätte sie ihn auch ohne Remus' Wissen unterrichten können...

Verrat mir eines, Potter. Wer ist so unglaublich scharf darauf, dich zum Mörder auszubilden, ohne sich selbst die Finger dabei schmutzig zu machen?"

„McGonagall."

„Das hab ich mir gedacht…"

Gedankenverloren in die Ferne schauend, kaute Harry auf einem Grashalm herum. Unwillkürlich zog er die Stirn kraus, denn augenblicklich war Dracos Gesicht vor seinem inneren Auge erschienen, allen Spottes beraubt, seltsam hilflos und...

Zischend sog Harry die schwere, nach Sonne und Heu schmeckende Luft ein.

„Hör endlich auf damit, verdammt!"

Er bekam es nicht mehr aus seinem Verstand. Ebenso wenig, wie Dracos Finger, die sich gegen seine Stirn gepresst hatten. Ihn gehalten hatten...

Sich zwingend, an etwas Anderes zu denken, grübelte Harry weiter über Malfoys kryptische Andeutungen nach – und glaubte plötzlich, die feinen blonden Haare unter seinen Fingerspitzen fühlen zu können. Aufstöhnend vergrub er das Gesicht in den Händen.

Harry war überzeugt, dass er langsam überschnappte. Vielleicht hatte Hermine ja Recht: Er übernahm sich einfach. Dennoch konnte er die Tatsache, dass er begann, sich in Malfoys Nähe zu entspannen, dass er diese Nähe regelrecht herbeisehnte, nicht leugnen. Und diese Erkenntnis war beängstigend. Ebenso beunruhigend war, dass seine Träume sich derart verändert hatten; früher waren sie angsteinflößend. Nun waren sie höchstens undeutlich und schemenhaft, und war es immer Malfoy, der über kurz oder lang darin auftauchte.

Harry ertappte sich immer öfter dabei, wie er Draco beobachtete. Er starrte ihn beim Essen an, warf ihm heimliche Blicke aus den Augenwinkeln zu, wenn sie sich in der Scheune trafen – oder er versteckte sich hinter einem Baum und beobachtete Draco, wie dieser mit einem Kind lachte…

Und manchmal stellte er sich vor, wie seine Finger durch Dracos Haare glitten... und er gleich darauf sein eigenes Blut schmecken würde, nachdem Malfoy ihm den Kiefer gebrochen hatte. Es sei denn, Malfoy bevorzugte es nach wie vor, Harrys Nase zu brechen.

Frustriert raufte Harry sich die Haare, sodass sie noch wilder nach allen Seiten abstanden, als ohnehin schon. Er hatte Draco nicht mehr nach diesem bestimmten Abend ausgefragt. Aber er war sich nach wie vor sicher, dass Draco bereits wach gewesen war. Doch warum leugnete dieser? Und warum konnte Harry kaum noch an etwas anderes denken?

Sich eine Haarsträhne aus den Augen pustend, stand Harry auf. Er beschloss einfach abzuwarten, bis diese absurden Gefühle vergangen waren. Sie würden verblassen. Sie mussten einfach!

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Mit gerunzelter Stirn starrte Severus in die sterbenden Flammen des Kamins, die tanzende Schatten an die kahlen Wände des Raums warfen. Nachdenklich hob er das mit bernsteinfarbener Flüssigkeit gefüllte Glas an seine Lippen. Der Schnaps bahnte sich brennend seinen Weg durch Severus' Kehle, füllte seinen Magen mit köstlicher Hitze.

Er betrachtete die sorgfältig verschnürten Pergamentrollen auf seinem Schreibtisch, dann wandte er sich dem Fenster zu, durch das von dem Vollmond erhellte Landschaft zu erkennen war. Seine Lippen kräuselten sich zu einem zynischen Lächeln.

Er würde das Paket morgen verschicken – der Empfänger der Kopien könnte es im Moment nicht entgegennehmen. Zudem musste Severus noch behutsamer vorgehen, als bisher.

Bedenke, dass es viele Augen gibt, die dich beobachten.

Das Lächeln erstarb, als er die Fäuste ballte.

Du wurdest beobachtet, wie du nachts die Festung verlassen hast, ohne einen Auftrag erhalten zu haben. Solche Dinge machen ihn misstrauisch.

Womit hatte er des Lords Misstauen noch geschürt?

Er will Lucius' Loyalität auf die Probe stellen! Doch du wirst einen Auftrag erhalten, um nicht eingreifen zu können. So sehr misstraut er dir inzwischen!

Die langen Finger umfassten das Glas so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Was nutzte ihm Bellatrix' unfreiwillige Warnung, wenn ihm dennoch die Hände gebunden waren? Was auch immer geschehen würde: Er konnte nur zusehen. Verharren, bis der Moment gekommen war, in dem er zuschlagen konnte. Der Moment, auf den sie hinarbeiteten. Wenn sie nicht schon vorher abstürzten…

Der Grat, auf dem wir uns bewegen, wird schmaler, mein Freund."

Es war seltsam zuzusehen, wie Peters gedrungener Körper sich streckte, als die Wirkung des Trankes nachließ. Dann war es wieder Lucius' blasses Gesicht, das ihm voller Zorn entgegensah.

Und was tun wir jetzt?"

Was denkst du denn?", fragte Severus müde. „Wir müssen einfach vorsichtiger sein."

Severus leistete keine Gegenwehr, als Lucius' Finger sich in seine Robe krallten; hinter den grauen Augen tobte ein Sturm.

Verdammt, Severus! Du hast vielleicht nichts zu verlieren, außer deinem armseligen Leben, aber ich bin nicht bereit, meine Familie zu opfern, nur damit du dich rächen kannst!"

Du bist nicht für mich zum Verräter geworden, Lucius."

Severus abwägend betrachtend, trat Lucius einige Schritte zurück. Lediglich ein Muskelzucken seiner Wange verriet seine Wut, als er beherrscht hervorbrachte:

Wenn du beobachtet wirst, wie willst du dann weiter deine kleinen Intrigen spinnen?"

Dazu brauche ich deine Hilfe…"

Lucius lachte humorlos auf, die Augen ungläubig geweitet.

Ich stehe genauso unter Beobachtung wie du!"

Ich weiß… ich dachte auch an Narzissa." Severus hob die Hände, als Lucius zischend nach Luft schnappte. „Sie ist die einzige, die diese Festung unbehelligt verlassen kann. Ich glaube nicht, dass der Lord sie als Gefahr ansieht. Für ihn ist sie nur ein Druckmittel gegen dich."

Nein!"

Sollte deine Frau nicht wenigstens selbst entscheiden dürfen?"

Ich lasse das nicht zu!", begehrte Lucius auf. „Sie wird sich nicht in solche Gefahr begeben! Schlimm genug, dass du Draco so tief in die Sache verwickelt hast!"

Es war seine Entscheidung. Er hätte ebenso gut zum Dunkeln Lord gehen und mich anklagen können", entgegnete Severus ruhig.

Als ob er wirklich eine Wahl gehabt hätte!", spie Lucius verächtlich aus. Seine Stimme bebte noch immer, doch die angespannten Schultern sackten herab, als er Severus' neuem Plan zustimmte: „Ich werde mit Narzissa sprechen. Wenn sie bereit ist, dieses Risiko einzugehen…" Lucius brach ab, seine Augen taxierten Severus berechnend. „Woher wusstest du von dieser Sache mit… Potter?"

Severus senkte bitter lächelnd den Kopf; er hatte geahnt, dass Lucius ihm früher oder später diese Frage stellen würde. Er betrachtete nachdenklich Lucius' aufrechte Gestalt, sich unwillkürlich fragend, was dieser wohl wirklich über seinen Sohn dachte.

Ich erkannte diesen Blick", antwortete Severus, als das Schweigen unangenehm wurde. „Draco sah Potter manchmal an, wie ich damals dessen Vater…"

Lucius war ohne ein weiteres Wort gegangen und Severus fragte sich noch immer, was wirklich hinter dessen Stirn vorging. Verachtete er seinen Sohn? Sorgte er sich? Und Draco… Würde er sich ebenso verlieren, wie Severus? Diese Ähnlichkeit, die Potter zu seinem Vater aufwies, war beinahe schmerzhaft. Das gleiche Haar. Die gleichen Gesichtszüge. Das gleiche Haus und – Severus lächelte verächtlich – der gleiche schlechte Geschmack, was Frauen betraf…

Das Abendessen neigte sich dem Ende zu, als Severus seinen Blick wie zufällig auf den Tisch der Gryffindors richtete. Abschätzend musterte er die Gruppe, die sich selbst Rumtreiber nannte. Die dunklen Augen verengten sich unwillig, als sie Sirius betrachteten, der sich zu James beugte, um mit ihm zu flüstern. Und ein triumphierendes Leuchten glomm in ihnen auf, als James seine Hand hob, und Severus ansah.

Es war eine beiläufige Geste, mit der James sein Haar zurückstrich. Drei Finger glitten durch die seidigen Strähnen, ließen Severus' Herz aufgeregt stolpern, und teilten ihm verborgen mit, dass er in drei Stunden im Südturm erscheinen sollte. Wilde Genugtuung ließ Severus seine Hände zu Fäusten ballen – die Rumtreiber mussten auch in dieser Nacht auf ihren Anführer verzichten. Sein Augenmerk richtete sich auf das hübsche rothaarige Mädchen, das James und Sirius gegenübersaß, und sie amüsiert beobachtete. Befriedigung breitete sich in Severus aus – auch sie würde diese Nacht allein verbringen. So wie beinahe jede Nacht in den letzten Monaten…

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Beinahe gewaltsam hielt Severus sich davon ab, die letzten Stufen hinauf zu rennen. Vor der geschlossenen Tür blieb er stehen, dieses glühendheiße Gefühl der Vorfreude genießend, das seinen Körper durchströmte, ehe er bedächtig die Klinke herunterdrückte, und den leeren Klassenraum betrat.

Augenblicklich griffen sehnige Finger nach seiner Robe, zerrten daran, während ein schlanker Körper sich gegen seinen presste, ihn gegen die steinerne Wand drängte.

Du kommst zu spät, Snape!"

Angesichts sowohl der herrischen Stimme, die jene Worte zischend ausstieß, als auch der feuchten Küsse, die warme Lippen auf seinem bloßgelegten Hals verteilten, schoss Blut in Severus' Leisten.

Ich bin pünktlich, Potter!"

Ein Schnauben antwortete ihm und Severus grinste in sich hinein – es war immer die gleiche Begrüßung. Und er wusste, was nun folgten würde.

Ungeduldig glitten James' Hände unter Severus' Hemd, schoben den Stoff beiseite, helle Haut enthüllend. Einen prickelnden Pfad hinterlassend, folgten James' Lippen seinen Fingern. Severus' Wahrnehmung begann zu verschwimmen, als Zähne eine seiner Brustwarzen zwickten, Stromstöße durch seine Nervenbahnen jagend.

Zusammenzuckend griff der Slytherin in den dunklen Haarschopf an seiner Brust, die raue Seidigkeit genießend, mit der James' Zunge nun über seine Haut glitt. Er rieb sich an James' Hüften, unterdrückte die keuchenden Laute nicht, die ihm über die Lippen kamen, als er etwas Hartes an seinem Schenkel spürte.

James' Hemd fiel seinen nervösen Fingern zum Opfer, glitt achtlos auf den staubbedeckten Boden, und Severus' Zähne gruben sich in James' warme Haut. Im Gegenzug fühlte Severus ebenso warme Hände in seinem Kreuz; sie glitten hinab, die festen Muskeln seines Hinterns knetend, drückten sie Severus nach vorn, pressten ihn giererfüllt an James' gestählten Körper.

Sein Glied zuckte ungeduldig, wand sich in seinem Gefängnis, verlangte nach Erlösung, die James noch nicht zu geben bereit war. Severus leckte, den bitteren Salzgeschmack genießend, über die gebräunte, schweißnasse Haut, ließ seine Zunge in kleinen Kreisen über James' Brust tiefer fahren. Langsam ging Severus in die Knie, lächelte leicht, als James kehlig stöhnend seine Hände in Severus' langem Haar vergrub.

Mit einem leisen Rascheln glitt die dunkle Hose von James' schmalen Hüften, und Severus benetzte sich unwillkürlich die trockenen Lippen. Sanft kostete er von den salzigen Tropfen, die sich an der dunkelroten Spitze angesammelt hatten. Er sah auf, dabei fuhr er lächelnd mit seiner Zunge über die gesamte Länge. James' Kopf fiel zurück, während er haltsuchend an Severus' Haaren riss. Sein Becken stieß unkontrolliert vorwärts, drängte sich gegen Severus' weichen, warmen Mund, der zu einem zynischen Grinsen verzogen war.

Kann SIE dir auch solche Laute entlocken?

Die Finger fest in James' Fleisch versenkend, öffnete Severus bereitwillig seinen Mund. Er spürte wie James' Beine zitterten, fing leicht an zu saugen, und lauschte entzückt den gutturalen Schreien, die James atemlos ausstieß. Er saugte die gesamte Länge herab, dann wieder herauf, umkreiste mit der Zunge die Spitze, und drückte sie sacht in die kleine Öffnung. Seine Zähne strichen sehr sanft über die samtige Haut, und James warf den Kopf zurück, sein Vergnügen laut hinausschreiend.

Besitzergreifend glitten Severus' Augen über James' Gesicht; über die geröteten Wangen, die geschlossenen Augen, seine zwischen die Zähne gezogene Unterlippe – und wilde Lust durchzuckte ihn.

Kann SIE dich auch alles vergessen lassen?

James' Griff in seinem Haar verstärkte sich, er riss daran, bis Severus ihn mit einem unwilligen Knurren freigab. Bebend sank James vor ihm zu Boden, presste seinen Mund auf Severus' geschwollene Lippen; dieser lächelte bei dem Gedanken daran, dass James sich selbst auf seiner Zunge schmecken musste. Grob wurde Severus' Hose heruntergerissen, keuchend wurde ein Zauberspruch gemurmelt, der James' Finger feucht und schlüpfrig werden ließ.

Severus drängte sich diesen Fingern entgegen, umschlang mit seinen blassen, langen Beinen James' Hüften, was bewirkte, dass ihre Erektionen nun aneinander rieben. Er entspannte sich willentlich, als ein schlanker Finger seine Enge durchdrang.

James' Zunge umkreiste die dunklen Brustwarzen, die sich von der blassen Haut abzeichneten. Als er hinein biss, drückte Severus seinen Rücken durch, stumm um mehr bettelnd. Diese feuchte, warme Zunge zeichnete Muster auf seinem Körper, glitt tiefer hinab, und schlängelte schließlich über Severus' pochendes Glied. Severus' Beine fielen kraftlos auseinander, seine Finger verschwanden in dem dunklen Haarschopf, der sich in seinem Schoß bewegte. Tief glitt er in diesen engen Mund.

Ein zweiter Finger folgte, und Severus warf sich James unbändig entgegen. Er glaubte zu vergehen, gefangen zwischen James' Lippen, so warm und feucht, so unendlich lustverschaffend. Unter diesen Fingern, die ihn erkundeten, ihn dehnten. Die immer wieder über diese kleine Erhebung in seinem Inneren strichen, und damit Severus' Welt in ein Kaleidoskop aus Farben verwandelten.

Er öffnete die Augen, atmete James' Duft nach Gras und Holz ein, süß und herb zugleich. Ihre Blicke trafen sich, als James vorsichtig in Severus hineinglitt. Severus sog zischend die Luft ein, hieß das leichte Reißen willkommen, mit dem James ihn ausfüllte, ertrank förmlich in James' lustverhangenden Augen.

Kann SIE sich selbst für dich aufgeben?

James' Haar klebte an seiner verschwitzen Stirn; genüsslich leckte Severus die herab perlenden Tropfen von dessen Hals, biss leicht in die Stelle, unter der das Blut schnell pulsierte, und saugte sanft daran. Stöhnend schloss James die Augen, als er sich ganz in Severus versenkte, versagte ihm den Anblick der haselnussbraunen Tiefen, den Severus so liebte. In seinem Schoß sammelte sich siedende Hitze, als James sich bewegte. Langsam zuerst, dann, alle Zurückhaltung vergessend, stieß er hart zu.

Kann SIE dir solche Lust verschaffen?

Severus nahm den Rhythmus an, bewegte sich im Einklang mit James, der fest und unnachgiebig in den willigen Körper eindrang. Severus drängte jedem Stoß entgegen, wollte mehr von James spüren.

Abgehackte Laute und kehlige Rufe erfüllten den Raum. Severus zwang sich, seine Augen zu öffnen, er wollte James sehen können, wenn dieser in ihm kam. Feuer entflammte in seinem Unterleib, als James ihn umfasste. Sein zuckendes Fleisch rieb und drückte. Jäh öffnete auch James seine Augen, hielt Severus mit ihnen gefangen. Nur dieser eine Blick reichte aus, um Severus über die Klippe zu stoßen.

Kann SIE dir solche Blicke abringen?

Severus spritzte seinen Samen über James' Hände und Bauch, wand sich in Ekstase auf dem Boden, schrie die lustvolle Qual heraus, die James ihm bereitete. Er hörte, wie James heiser seinen Namen rief, spürte die sengende Hitze, mit der er sich in ihm verströmte, und ignorierte den fahlen Beigeschmack ihres Beisammenseins.

Nein, das alles kann SIE nicht!

Nach Luft ringend, ließ James sich auf Severus fallen, flüsterte ihm süße Lügen über Liebe, über die Ewigkeit ins Ohr, die Severus nur zu gern glauben wollte. Und doch wusste er, dass es niemals so sein würde. Dass, wenn James sich jemals entscheiden musste, er den sicheren Weg wählen würde. Dass dieser Weg zu IHR führen würde, dass er IHR gehören würde.

Und der Vater hatte sich entschieden.

Wenn der Sohn ihm wirklich so ähnlich war, würde er ebenfalls den sicheren Weg wählen, davon war Severus überzeugt. Immer vorausgesetzt, dass Draco tatsächlich eine Chance hatte, Harry und somit seinen Träumen näher zu kommen, so wie James Severus irgendwann in seine Nähe gelassen hatte.

Sein James... sein schöner James, dessen Gesicht sich in Severus' Gedächtnis gebrannt hatte, nie verblasst war, ihm auch nach so vielen Jahren noch zu einem in bittersüßer Qual hämmernden Herzen verhalf.

Unwillkürlich fragte er sich, ob er nicht zuviel von Draco forderte. Der Zorn in Severus' Inneren war unbeschreiblich gewesen, als James ihn für Lily definitiv verstoßen hatte. Dennoch… er hätte ihn nicht verraten können. Nicht in dem Ausmaße, wie er es von Draco verlangte…

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„Du machst Fortschritte, Potter", spottete Draco, Harrys wutentbrannten Blick ignorierend. „Allerdings plädiere ich für eine Katze als nächstes Übungsobjekt. Die Ratten nehmen langsam überhand."

Draco hatte gar nicht so Unrecht; Harry machte Fortschritte – er übergab sich nicht mehr, wenn der Fluch die Ratten traf. Er schaffte es allerdings auch nicht, sie zu töten.

„Deine Kommentare bringen mich auch nicht weiter, Malfoy!", fauchte Harry. Seine Nerven waren zum Zerreißen gespannt.

Draco zeigte lächelnd Zähne. Er saß gelöst auf einem Weinfass, seine schlanken Beine ließ er baumeln.

„Mit deinem Gewissen musst du schon selbst fertig werden. Wenn du die Worte nicht so meinst, sind sie völlig machtlos."

„Ich weiß das, verdammt!"

Frustriert raufte Harry sich die Haare. Dracos Gelassenheit machte ihn schier rasend, aber er schaffte es, sich in seiner Gegenwart zu beherrschen. Meistens.

Sich innerlich selbst verfluchend, ergriff Harry die nächste Tasse, betrachtete nachdenklich die feine Bemalung. Manchmal erschreckte es ihn, wie besessen er von dem Wunsch war, töten zu können. Ebenso wie die Tatsache, dass es ihm von Mal zu Mal leichter fiel, die Worte über die Lippen zu bringen.

„Denk daran: eine Katze! Sonst werden wir noch von den Ratten überrannt", riss Dracos schnarrende Stimme Harry aus seinen Gedanken.

Im Gesicht ganz weiß vor Zorn fuhr Harry herum.

„Du kannst es einfach nicht lassen, oder?"

„Nein, da würde ich mir ja das einzige Vergnügen untersagen, das deine Gesellschaft mit sich bringt."

Die Tasse zerbrach klirrend nur wenige Zentimeter von Dracos Kopf entfernt an der Wand. Selbst verblüfft über seine heftige Reaktion blinzelte Harry; er konnte beim besten Willen nicht sagen, warum ihn diese Worte einen Stich versetzt hatten.

„Du zielst miserabel", erklärte Draco scheinbar gelangweilt. Doch Harry glaubte, ein leichtes Beben in seiner Stimme zu vernehmen. „Und wenn du so weiter machst", er deutete mit einem Kopfnicken zu dem schrumpfenden Vorrat an Porzellan, „wird das nie was mit dir als Mörder. Was willst du tun, wenn du vor dem Dunklen Lord stehst und es nicht fertig bringst?"

Aller Spott war aus Dracos Augen und Stimme verschwunden. Er wand sich auf seinem Sitzplatz, als wären ihm Harrys nun nicht mehr verwirrte, sondern durchdringende Blicke unangenehm.

Tief Luft holend, ging Harry die wenigen Schritte, die sie trennten, und blieb dicht vor Draco stehen, wohl wissend, dass dieser seinen Atem auf seinem Gesicht spüren konnte, als er sich vorbeugte.

„Ich bitte ihn um einen neuen Termin, und übe in der Zwischenzeit einfach weiter", erklärte Harry todernst.

Die blassen, schmalen Lippen Dracos kräuselten sich leicht, in seinen Augen jedoch war kein Lächeln zu erkennen.

„Du machst dich gerade über die sehr wahrscheinliche Möglichkeit deines Todes lustig. Ist dir das eigentlich klar?"

„Ich sollte schon so oft sterben. Ich schätze, ich habe mich an den Gedanken gewöhnt."

„Du glaubst, ihm wieder entkommen zu können, nicht wahr? Aber irgendwann wird dich dein Glück verlassen, Potter. So sind nun mal die Regeln."

„Ich habe die Regeln schon immer gern gebrochen."

„Irgendwann kannst du nicht ihnen nicht mehr entziehen, Potter. Irgendwann wird dich jemand zwingen, sie zu befolgen."

Knisternde Spannung baute sich zwischen ihnen auf, schien beinahe greifbar. Jegliches Zeitgefühl ging Harry verloren, während er in Dracos Augen sah, die silbrig glänzten im flackernden Laternenschein.

Und plötzlich waren wieder diese Bilder in Harrys Kopf, wie Draco ihn angesehen hatte, als er aus seinem Alptraum erwacht war. Eine Haarsträhne fiel Draco in die Stirn, und er konnte beinahe wieder die Weichheit der hellblonden Haare unter seinen Fingern spüren. Er ballte unwillkürlich die Fäuste, um dem Drang zu widerstehen, Draco diese eine Strähne aus dem Gesicht zu streichen.

Draco atmete stockend aus, blinzelte überrascht und Harry stellte mit Erschrecken fest, dass er wirklich im Begriff war, zu tun, woran er gerade gedacht hatte. Einige Schritte zurückstolpernd griff er sich in sein eigenes Haar; darum bemüht, die abrupte Bewegung natürlich aussehen zu lassen.

„Wir... Vielleicht sollten wir morgen weitermachen", brachte Harry mühevoll heraus. Sein Puls hämmerte unangenehm in seinen Schläfen, während sein Magen sich zusammenzog.

Mit zusammengepressten Lippen sah Draco zur Seite, zögernd nickte er, von dem Fass springend.

Aus einem unbestimmten Gefühl heraus wollte Harry ihn bitten zu bleiben, auch wenn seine Innereien sich nun endgültig verknotet hatten. Er biss fest in die Innenseite seiner Wange, um die Worte nicht auszusprechen. Hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, mehr Zeit in der Gegenwart des Slytherins zu verbringen und seinem Stolz, sah Harry stumm zu, wie Draco auf die Tür zuhielt, ohne seinen Blick zu heben.

Seine Fäuste ballten sich, weil er seine Augen schlicht nicht von Draco loseisen konnte, der noch für einen Moment in der Tür lehnte, sich halb Harry zuwendend.

„Bis morgen, Potter."

Seine trockene Zunge leckte fahrig über rissige Lippen. Als das Schweigen unangenehm drückend wurde, wandte Draco sich ganz um; der Blick hatte etwas Abwartendes, und Harry musste sich zwingen, das scheinbar Richtige zu sagen.

„Bis morgen, Malfoy."

Etwas Unbestimmtes huschte wie ein Schatten über Dracos Gesichtszüge. Etwas, das Harry beinahe als Enttäuschung interpretiert hätte... dann war der blonde Slytherin fort, und Harry ließ sich mit einem leisen Keuchen zu Boden gleiten; die Knie an seinen Körper ziehend, die Stirn auf seine Arme gestützt. Er bezweifelte plötzlich, dass diese verwirrenden Gefühle jemals vergehen würden.

ooOoo

„Bringst du gute oder schlechte Nachrichten, Bellatrix?", fragte der Dunkle Lord, ohne von dem Pergament aufzusehen, über das die Spitze der Feder kratzte.

Bedächtig trat Bellatrix vor ihren Herrn; sie wagte es nicht, ihren Blick zu heben, als sie einen bemüht heiteren Ton anschlug:

„Zumindest sind meine Neuigkeiten… interessant."

„So?" Voldemort legte die Feder beiseite, eine Hand nach Bellatrix ausgestreckt, forderte er: „Komm näher und erzähle."

Unter seinem brennenden Blicken drohten ihre Knie nachzugeben; dennoch gehorchte sie unverzüglich. Des Lords Finger lagen warm auf ihrer blassen, kalten Wange, als sie sich zu seinen Füßen niederließ.

„Sie versuchen Harry Potter den Avada Kedavra beizubringen – jedoch ohne Erfolg, wie man mir berichtete."

In den rot schimmernden Augen blitzte es unheilvoll auf.

„Vielleicht braucht er nur mehr Ansporn. Ich möchte doch nicht, dass der Junge mir gegenüber im Nachteil ist." Die blutleeren Lippen verzogen sich spöttisch. „Vielleicht könnte ein wenig Hass seine Leistungen verbessern."

„Was habt Ihr vor?"

Bellatrix zwang sich zu verharren, während seine Fingerspitzen wie beiläufig über die Konturen ihres Gesichts fuhren.

„Nun, Potters Blut soll kochen, wenn er mir irgendwann gegenübersteht."

Grausam lächelnd kratzte er über die zarte Haut ihres Halses. Bellatrix musste sich tapfer halten, um dem Schmerz keinen Ausdruck zu verleihen.

„Wenn er mich blind vor Zorn angreift", flüsterte ihr der Lord ins Ohr, kalte Schauer auslösend, „macht ihn das unvorsichtig und angreifbar…"

„Und wie…?", setzte Bellatrix an, wurde jedoch durch bleiche Finger unterbrochen, die sich zwingend auf ihre Lippen legten. Sie fühlte, wie ihr der Schweiß ausbrach, klebrig und kalt zwischen ihren Schulterblättern.

„Beschaffe mir das Mädchen, Bellatrix."

„Das… Ich werde es versuchen, Mylord", antwortete sie mit klopfendem Herzen. „Doch es wird nicht leicht zu bewerkstelligen sein."

„Ich bin mir sicher, dass du Erfolg haben wirst."

Nickend schloss sie die Augen, versuchte sich auf das vorzubereiten, was jetzt unweigerlich folgen würde. Warmer Atem streifte Bellatrix' Ohr und Wange, als er sich vorbeugte, eine Hand in ihrem Haar vergaben.

„Was hast du bei Severus gemacht?"

Die Frage traf sie völlig unvorbereitet. Ihr Mund schien plötzlich zu trocken, als dass sie hätte sofort antworten können. Die Fäuste ballend, versuchte sie sich zu sammeln.

„Mylord, ich weiß nicht…"

„Wirklich nicht, meine Liebe?" Die Stimme des Lords war samtig weich, als seine Finger sich in das nachgiebige Fleisch ihrer Wangen gruben, Bellatrix zwingend, seinem Blick zu begegnen. „Wie kommt es dann, dass man mir berichtete, dass du Snapes Räumlichkeiten aufgesucht hast? Du sollst ein wenig durcheinander gewesen sein, als du sie wieder verlassen hattest."

Es gab viele Augen, die Snape beobachteten – und all diejenigen, die seinen Weg kreuzten…

„Mylord…"

„Was hast du ihm erzählt?"

„Nichts, Mylord", hauchte Bellatrix voller Furcht.

Die roten Augen blickten höhnisch auf sie herab. Der Griff des Lords verstärkte sich, wurde schmerzhaft.

„Du solltest mich nicht anlügen. Hat er dir gedroht?"

„Ich lüge nicht, Mylord!" Ihre Stimme kippte ob der Panik, die sich in ihrem Inneren ausbreitete.

„Sag mir die Wahrheit! Was hast du ihm erzählt? Du weißt, dass ich die Mittel habe, die Wahrheit aus dir herauszupressen!"

Die Drohung hing zwischen ihnen wie ein vergifteter Dolch.

„Mylord… ich wollte Euch endlich Informationen verschaffen, ich hoffte, dass ich ihn überzeugten könnte zu gestehen..."

„So? Und wie genau sollte sich deine Überzeugungsarbeit gestalten?"

Eiseskälte durchströmte ihren Körper, bald abgelöst von sengender Hitze; sie hatte sich in eine Sackgasse manövriert, ihr Todesurteil selbst unterschrieben. Denn sie sollte dem Dunklen Lord gehören. Ihre Seele. Ihr Leib. Alles.

Sein unheilverkündendes Zischen durchdrang die Stille, die ansonsten nur von ihrer hektischen Atmung unterbrochen wurde.

„Langsam bekomme ich den Eindruck, dass du annehmen könntest, ich hätte meine eigenen Leute nicht unter Kontrolle... wie uneigennützig von dir, mir da aushelfen zu wollen."

Bellatrix konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen; es war vorbei. Nach so langer Zeit war sie noch immer außerstande, die Impulse, Reaktionen und Betrachtungen des Lords richtig auszulegen, um aus der Schusslinie bleiben zu können.

Unvermittelt rissen die langen Finger ihren Kopf wieder hoch.

„Was hast du bei Severus gemacht?", wiederholte der Dunkle Lord seine frühere Frage, und dieses Mal ließ sein Ton kein Zweifel daran bestehen, was Bellatrix bevorstand, sollte sie seine Geduld wieder überstrapazieren.

„Es tut mir leid, Mylord... mein Plan misslang, und..." Bellatrix' Stimme brach angesichts der unheilvollen Augen, ebenso wie ihr Wille. „Er weiß nur, dass Ihr ihm misstraut. Er gab mir Veritaserum", flüsterte sie erstickt, darauf hoffend, sich durch ein Geständnis retten zu können.

„Hat er dir damit gedroht, dich mit Peter allein zu lassen?", fragte Voldemort ungerührt. Er wartete Bellatrix' Nicken kaum ab, ehe er fortfuhr: „Ist es nicht seltsam, dass Wurmschwanz Severus' Räume betreten hat, doch dass es Lucius war, der sie verließ?"

Bellatrix schloss die Augen, brennenden Hass verspürend – Severus hatte sie hereingelegt. Der Griff in ihrem Haar intensivierte sich, während die Spitze eines Zauberstabes an ihren Rippen zu spüren war. Unwillkürlich versteifte sie sich.

„Du wirst doch verstehen, dass ich dir soviel Dummheit nicht ungestraft durchgehen lassen kann."

Die Finger in seinen samtenen Roben vergraben, warf sie sich ihm entgegen.

„Ich flehe Euch an…"

„Nein, keine Gnade. Außer der, dass ich dich persönlich bestrafe."

Seine Lippen streiften ihre Wange und Bellatrix schloss schaudernd die Augen.

„Sieh nur, wie viel du mir bedeutest, meine Bellatrix. Ich kann es nicht einmal ertragen, deine Strafe in fremde Hände zu legen."

„Ich bitte Euch…"

Crucio", wisperte er, Bellatrix' zuckenden Körper an den seinen pressend.

Ihre Knochen schienen in Flammen aufzugehen, als der Fluch sich durch ihre Eingeweide fraß.

„Schrei für mich…"

Bellatrix warf den Kopf zurück und gehorchte.

Tbc…